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Full text of "Volsunga- und Ragnars-saga, nebst der Geschichte von Nornagest"

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— 


Mh ud Ahr 
Helden-Sagen. 


Vebersetzt bon Friedrich Beinrich bon der Bagen. 


Dritter Band, 





Völlig umgearbeitet 


von 


Dr, Anton Edzardi, 


Dorenten an der Univerjität Leipzig. 


— — —— 


Stuttgart. | 
Berlag don Ulbert Heiß. 
1880. 








Bolfunge: und Ragnars-Saga 
nebjt der 


Geſchichte von Nornageſt. 


Vebersetzt bon Friedrich Beinrich bon der Bagen, 
Zweite Auflage. | 


Böllig umgearbeitet 


von 


Dr. Anton Edzardi, 


Docenten an der Univerfität Leipzig. 


Hs — —- 


Stuttgart. 
Verlag von Albert Heibß. 
1880. 


vorwort. 


Seitdem v. d. Hagen's Ueberſetzungen der Vol- 
ſungaſaga und der Nornageſtsſaga, die einzigen 
deutſchen Ueberſetzungen und doch ſchon ganz ver- 
altet, vergriffen waren, machte ſich das Bedürfniß 
nach einer zeitgemäßen Erneuerung derſelben fühlbar. 
Dieſe Arbeit übertrug mir der Herr Verleger. 


Wir waren darüber einig, daß zunächſt *) nicht 
eine freie Uebertragung in elegantem Stil, zu flüd- 
tigem Durchleſen bejtimmt, herzuftellen jet — was 
ja leicht gewejen wäre —, fondern ein Werf von 
wiffenihaftlihem Werth. Daher war e8 mein Be- 
itreben, nicht fo jehr elegant als vielmehr möglichſt 
getreu zu überjegen, ohne doch dadurd) meine Ueber⸗ 
fegung geradezu unbeholfen werben zu laſſen. Wo 
ih, um dies zu vermeiden, freier überfeßte, habe 
ih die wörtlihe Weberfegung (zuweilen auch den 


*) Eine Separat=Ueberfeßung der Polfungafaga in 
freierer UÜebertragung und ohne den Apparat der Unmer- 
ungen bebalte ic) mir vor für den Fall, daß eine folde 
wünſchenswerth erjcheinen jollte. 


Driginaltert) in Sternnoten angemerkt. So glaube 
ih einen zuperläffigen *) deutſchen Text ge- 
Ihaffen zu Haben, der allen denen das Original zu 
erjegen im Stande iſt, die ſich mit der Nibelungen- 
fage beichäftigen wollen, den altnordiſchen Text aber 
nit oder doch nur mit Schwierigkeiten leſen können. 


Die Ragnarsfaga (die übrigens feit 1829 über- 
haupt nicht mehr überſetzt tft) konnte wegen ihrer 
Bufammengebörigfeit mit der Volſungaſaga nicht von 
diefer getrennt werden. Auch bier ift meine Ueber⸗ 
jegung eine wortgetreue, wenn ih auch hier eher 
einmal eine freie Ueberſetzung meines Vorgängers 
jtehn ließ. 


Im Allgemeinen bemerfe ih noch, daß Er- 
gänzungen in [—] gejett find, in (—) Hingegen 
Worte, welche dem Texte entſprechen, in der Ueber⸗ 
ſetzung aber beſſer fortfallen. Letztere Klammern 
find auch bei dem einer Rede eingejhobenen „jagte 
er” u. dgl. angewandt. Bei’ den Citaten ift zu be- 
achten, daß Hinter den Seitenzahlen die obenftehn- 
ven Heinen Ziffern ſich allemal auf die Ziffernoten, 
die nah einem Komma in der Zeile folgenden 
Biffern aber fih auf die Zeilen der Seite beziehn. 


*) Aus diefem Grunde find auch die meiſt unbedeutenden: 
Uenderungen und Ergänzungen, Die ſich aus der Nachver— 
gleihung mit dem Originaltert ergaben, gemwifjenhaft in den 
Nachträgen zufammengeftell. Bejonders bitte ich die Nach- 
trüge zu 24,13; 40,1; 42,3; 55,10; 78,6; 97,1 in den 
Tert einzutragen. 


Bei der Verbeutihung der Namensformen tft die 
Nominativ-Endung r überall fortgelaffen, bei den 
ſchwachen Maskulinen dag ältere e ftatt i eingeführt; 
ftatt des fpätern Umlauts 6 (früher 0) ſteht das 
urjprünglide a, älterer Umlaut ift durch o (mit 
ö) wiedergegeben. 

Die Strophen der Eddalieder in der Voljunga- 
ſaga und der Geihichte von Nornageſt habe ich eben⸗ 
falls weniger gefhmadvoll als vielmehr getreu über- 
fegen wollen, fofern ſich nicht beides vereinigen ließ. 
Auch find die Lesarten unjerer Sagahandſchriften 
zu Grunde gelegt, wo fie nicht ficher verderbt er- 
ſchienen; wo eine Lesart der Lieder⸗Edda zu Grunde 
liegt, ift dies wohl immer angegeben. Bei einer 
Veberjegung der Eddalieder als folder würde ich 
ſelbſtverſtändlich anders verfahren. 


Bei den Strophen der Ragnarsfaga war eine 
wortgetreue Weberfegung durch die im Deutſchen 
nicht gut wiederzugebende ſkaldiſche Ausdrucksweiſe 
ausgejchloffen. Ich Habe hier finngetreu zu -über- 
jegen mich bemüht. Freilich iſt bei der jchlechten 
Ueberlieferung, obwohl ich gerade auf die Strophen 
unverhältnigmäßig viel Zeit und Mühe verwendet 
habe, ſelbſt der Sinn nicht immer ficher feitzuftellen 
gewejen, und zweimal habe ich gar feine Ueberſetzung 
gewagt. In diefer Hinficht verweiſe ich auf die 
umfängliden Bemerkungen in den Nahträgen. Daß 
Herr Prof. Möbius mid bei mehreren Strophen 
freundlicft unterftügt hat, indem feine Mittheilungen 
theils meine Anſichten in willlommener Weiſe be» 


ftätigten, theils neue Auffalfungen an die Hand 
gaben *), fet hier no mit Dank erwähnt. 

Da ih nit eine ganz neue Ueberſetzung zu 
liefern, ſondern die v. d. Hagen's umzuarbeiten hatte, 
jo habe ih, wo es irgend anging, feine Worte bei- 
behalten, obwohl auf manden Seiten kaum eine 
Zeile unverändert geblieben ift, und eine Neube- 
arbeitung fat leichtere Mühe gewejen wäre als die 
Umarbeitung. Dadurch mögen Heine Ungleihmäßig- 
fetten des Stils und auch wohl der Orthographie 
(für die übrigens nicht ich verantwortlich bin) ent- 
ftanden fein. Auch das hat die Gleihmäßigfeit der 
Veberfegung vielleicht Hier und da geftört, daß eine 
ſchwere Erkrankung meine Arbeit unterbrad und 
aufhielt, fo daß die Volſungaſaga nun ſchon faft 
ein Jahr Yang fertig gebrudt Liegt. Auch manche 
Nachträge find aus diefem Grunde nöthig geworden. 


Für die Volfungafaga und die Geſchichte von 
Nornageft konnte ih die durchaus zupverläffige Aus- 
gabe von Bugge zu Grunde legen, für die Ragnars⸗ 
ſaga war ih auf den gewiß verbefjerungsbedürf- 
tigen Text Rafn's angewiefen. Denn, da es ji 
nit um eine Ausgabe, ſondern nur um eine Ueber⸗ 
jegung handelte, würde die Zeit, welche ich auf die 
vollſtändige Vergleihung der 3. Th. recht ſchwierig 
zu lefenden Hoſchr. hätte verwenden müffen, in 
gar feinem Verhältniß geſtanden haben zu dem Ge- 


*) Letzteres ift namentlich) der Tall bei Str. 3,1—4; 
23,6; 24,2; 28,3 f. 





winne, den die Meberfegung daraus etwa hätte 
ziehen können. 


Die Sternnoten find im Allgemeinen für folche 
Lejer beitimmt, die ohne fachwiljenihaftlihe Vor⸗ 
fenntniffe die Sagas doch gründlich und mit Xer- 
ſtändniß leſen wollen. Doc dürften einige derſelben 
auch für meine Fachgenoſſen Intereſſe haben. 

Während die Sternnoten der Erklärung dienen *) 
ſollen, jollen die Ziffernoten das zujammenitellen, 
was die Kritik des Textes betrifft, ſoweit es ſich 
um das BVerhältniß zu anderen Quellen handelt. 
Doch glaubte Kb bei der Scheidung zwiſchen beiderlei 
Anmerkungen Keine, aus praftiihen Gründen wün⸗ 
ſchenswerthe Inconſequenzen nicht allzu peinlich ver- 
meiden zu jollen, weil beide doch untereinander ftehn 
und mit Einem Blick überjehen werben können. 

Die Ziffernoten geben nun für die Volfunga- 
und die Nornageits-Saga ein fortlaufendes Ver⸗ 
zeihniß der Quellen und wichtigen Barallelitellen. 
Dies Verzeihniß ſoll einerfeits das Verhältniß beider 
Saga’8 zu ihren Quellen überfichtlich darftellen und 
die felbitändigen Zuſätze der Verfaſſer zur An- 
ſchauung bringen; andrerjeits wird es hoffentlich für 
die Geſchichte der nordiſchen Nibelungenſage ein brauch⸗ 
bares Hülfsmittel werden, freilich hauptſächlich nur 
für den, welcher die citirten Stellen im Original 


*) Doch ſind auch die Parallelſtellen in nerhalb der 
Sagas dort zuſammengeſtellt. 





vergleichen Tann. Die in |-) meiner Meberjegung 
eingefügten Seitenzahlen der zu Grunde gelegten 
Texte (j. ©. IV. VII) werben die Vergleichung biefer 
Driginaltexte erleihtern. — Die jüngeren Volks⸗ 
lieber find in der Regel nur da angeführt, wo feine 
älteren und echteren Quellen vorliegen, neben den 
jelben aber — um die Weberfihtlichleit nicht zu 
ftören — nur ausnahmsweife.*) Die Volfungs- 
rimur find, weil feine ältere Ueberlieferung zur 
Seite: ftand und aus dem ©. XXV angeführten 
Grunde, fortlaufend verglichen. 

Für die Ragnarsſaga lag Vollſtändigkeit der 
verzeichneten Parallelſtellen urſprünglich nicht in 
meiner Abfiht. Da es mir aber [päter wünſchens⸗ 
werth erſchien, die wichtigen Paralleldarftellungen 
pollftändig zur Vergleichung heranzuziehn, iſt Manches 
nachzutragen gewejen. Namentlich bitte ich die Ver⸗ 
gleihung der Herraudsjaga zu S. 233—236 und 
Saxo's zu ©. 322—31 (auf ©. 438) fowie des 
Nth. zu ©. 300 bis 301 einzutragen. 

Das Perſonenregiſter wird für die nordiſche 
Nibelungenſage, wie ich Hoffe, eine nützliche Material» 
Sammlung darbieten, zumal zu jeder citirten Stelle 
in den Biffernoten die Quellen und Paralfelitellen 
zufammeengeftellt find. Wielleicht hätte Hier und da 
noch ein Zug aufgenommen werden können, aber 
Wefentliches wird nicht fehlen. Ich darf dies Ver⸗ 


*, Mon wolle übrigens die Nachträge zu ©. 58, 11 f; ; 
67’; 74; 3771 (auf ©. 438) beachten. 


zeihniß als zuverläffig bezeichnen, da die Citate 
wiederholt nahvergliden find. 

Die Einleitung follte in fnapper Form über 
die wichtigen ragen orientiven, welche fih an die 
überjegten Sagas knüpfen. Dies war aber nur 
da möglich, wo ich auf meine eigenen Schriften oder 
die Anderer Bezug nehmen konnte. Wo ich dagegen 
bie grundlegenden Unterfuchungen ſelbſt erit anzu⸗ 
ftellen hatte, mußten dieſe in die Einleitung aufs 
genommen werden; doch habe ih mich bemüht, den 
gelehrten Apparat, joweit thunlich, in die Anmerkungen 
zu verweifen. Der längere Abſchnitt über die Ein- 
beit der Volſunga⸗Ragnarsſaga nebft den einjchlägigen 
Einzelunterfuhungen fowie die Bemerkungen über 
das Verhältniß der Ragnarsſaga zu den verwandten 
Darftellungen des Stoff und zu den Strophen 
jeten der Beachtung der Fachgenoſſen empfohlen. — 
Die kurze ſagengeſchichtliche Skizze ſoll lediglich dem 
in der Geſchichte der Nibelungenſage nicht bewan⸗ 
derten zur Orientirung dienen und rechnet auf nach⸗ 
ſichtige Beurtheilung der Mitforſcher, inſofern ſie 
hier in knappeſter Form und ohne Begründung er⸗ 
ſcheinen muß. Ueber einzelne Punkte hoffe ich mich 
bald einmal ausführlicher ausſprechen zu können. 


Leipzig, 
im September 1880. 
A. Edzardi. 


Inhalt. 
Seite 
Einleitung . . » 2... N ee 
Handſchriften, Ausgaben, NEE der Vols.-Ragn. 
s. I und des Nth. VI, Literatur VIII. — Eddalieder X, 
Liederfammlung XIII, Berhältniß der Vols. s. zu ihr XV, 
Ergänzung der Lücke (XV) XIX; die erften Kapitel XXII, 
Bolfungssrimur XXV. Einbeit der Vols.-Ragn. s. XXVI, 
Stilgleihheit XXX, Berbältniß zur Thidrelsfaga XXXVI. 
Berſchiedene Ueberlieferungen der Ragnarsfaga XLI, die 
Strophen L. Alter der Vols.-Ragn. s. LVIII. Verhält⸗ 
niß des Nth. zur 2iederfammlung (SigurdSfaga) LXII; 
Einkleidung der Erzählungen LX VIII, Alter des Nth.LXX. 
— Hauptgeftaltungen der Nibelungenfage LXXI; Abriß ihrer 
älteften Geſchichte LXXII, Yorteutwidelung im Norden 
LXXVII; erneute Einwanderung deutiher Sage LXXIX. 
Ueberſetzung der BoljungasRagnarzfaga . . . . . 1 
Veberfegung der Bolfungafaga ra 
Veberfegung der Ragnarsfagn. . . . .... 221 
Veberjegung der Gejchichte von Nornagett . . . . 38 
Nachträge nebſt einigen Berichtigungen . . 398 
Erklärung der in den nn gebuchten Ab⸗ 
fürzungen . . . . 407 
Sachregiſter zu den Sternnoten eine 409 
Perſonenregiſter für die —— und > Lt ber 
Nornageitsfaga . - - . ; 415 





@inleitung. 


— — —— 


Die Volſunga⸗ und Ragnars⸗Saga ift und nur 
in Einer vollftändigen alten Handſchrift der Kal. 
Bibliothek zu Kopenhagen (Cod. reg. 1824 B. 4°) 
überliefert, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts ge- 
ihrieben zu fein fcheint. Wegen der Befchaffenheit 
des Pergaments iſt fie theilweife jchwierig zu leſen. 
Für die VBolfungafaga ift fie von Bugge für feine 
Ausgabe forgfältig verglichen, die Ragnarsſaga bedarf 
noch einer jorgfältigen Vergleichung. Außer den beiden 
unmittelbar zujammenhängenden*) Saga’3 enthält Die 
Handſchrift noch die Kräkumsl (ſ. unten ©. LI). 

Alle anderen Handichriften find junge Papier- 
abſchriften eben diejer Handſchrift, alfo ohne felb- 
Ständigen Werth. 

Ganz neuerdingd ift nun aber in dem Cod. 


*) Ragn. s. fchliefst fich mitten auf der Seife an Vols. s. 
a 


II 


AM. 147. 40 der Univerſitätsbibliothek zu Kopen⸗ 
hagen ein leider faſt ganz ausradirter und dann 
überſchriebener Text der Ragnarsſaga entdeckt worden. *) 
Herr Profefjor Bugge**) theilt mir darüber Folgendes 
mit: „Cod. 147. 4° enthält jeßt Werke juriftifchen 
Inhalts (Jonsbok etc.), die von verjchiedenen Händen 
wahrſcheinlich im 15. Sahrhundert gejchrieben ' find. 
Arni Magnusfon erhielt ihn von Bjarni Sigurdarjon 
zu Heyned. Ein großer Theil war früher befchrieben, 
die Schrift ift aber ausradirt. Auf den 19 lebten 
Blättern find am Nande, oben und unten Reſte 
lesbar von einer Handichrift der Ragnars saga Lodh- 
brökar, was Gudbrand Vigfusfon zuerit entdedte. 
Die Hand jcheint von der zweiten Hälfte des 14. Jahr⸗ 
Hundert. Es ftehn meift 24 oder 25 Beilen auf 
der Seite, durchſchnittlich faſt 1%, Seiten des Drucks 
in Fas. entſprechend. — Auch die Krakumal finden ſich, 
und ziwar mit anderer Strophenfolge als in Fas. 
Unmittelbar auf Krafumal folgt: „..... medh 
hreysti mikilli (= Fas. 1, 352, 3. 23 [Rath.], vgl. 


*) Eine kurze Notiz darüber gab ſchon G. Storm, Ragn. 
Lodbr. ©. 1071. 

x**) Derjelbe bat mir auf das Liebenswürdigſte die wejent- 
lichiten feiner Notizen zur Verfügung geftellt und gütigjt er- 
laubt, diefelben zu veröffentlichen, wofür ic) ihm hiermit auch 
Öffentlich meinen herzlichen Dank ausſpreche. 


III 


Fas. 1, 283, 3.1). Die übrigen Blätter, bexen In⸗ 
halt annähernd beftimmt werden Tann, fcheinen Alles 
umfaßt zu haben, was zwiſchen Fas. 1, 240 und 
292*) liegt. Doch hat Profeſſor Bugge einzelne Stüde 
bisher nicht gefunden. Den Inhalt der verjchiedenen 
Blätter zu beſtimmen ift deshalb ſchwierig, weil der 
Tert im Cod. 147 zumeilen ander? geordnet ift 
als in Fas. Die Redaction im Cod. 147 hat an 
mehreren Stellen dem Rsth. näher gejtanden als 
dem Texte der Saga in Fas. und zeigt ſich öfter 
kürzer al3 Diefer letztere. Die Strophen find im 
Ganzen im Cod. 147 in beſſerer Form aufgezeichnet 
al3 in der bekannten Haupthandfchrift der Ragnars⸗ 
ſaga. Voran gehn in der Handfchrift noch eine 
Menge Blätter, auf denen früher etwas gejchrieben 
war. Aber Hier ift die urſprüngliche Schrift fo 
forgfältig ausradirt, daß Profeſſor Bugge bisher 
auf feinem einzigen diefer Blätter auch nur ein ein- 
ziges Wort mit Sicherheit hat leſen können. Es ift 
demnach noch nicht zu beftimmen, ob und in wie weit 
die Volfungafaga auf Blättern des Cod. 147 ge 
ſchrieben geweſen ift oder nicht.“ **) 


*) Die Iehte Seite (f. ©. XLV) iſt niet überjhrieben. 

**) Diefe Angaben find alle Herrn Brofefior Bugge's 

Rotizen entnommen, aber non mir felbftändig — jedoch unter 
möglichftem Anſchluß an feine Worte — redigirt. 


a* 








IV 


Herauögegeben find beide Saga's mehrfadh*), 
und zwar jede für fih, aber unmittelbar nad 
einander bon 


Biörner, Nordiska Kämpadater, Stodholm 
1737, XI und XIL 

v. d. Hagen, Altnordiſche Sagen und Lieder, 
welche zum Yabelfreiß des Heldenbuchs und 
der Nibelungen gehören (S. 17—186), II 
und II. Breslau 1814. 

[Beruht auf Biöruer’8 Ausgabe.) 

NRafn, Fornaldar sögur Nordhrlanda, Band 1, 

©. 113—299. Kopenhagen 1829. 
[Na neuer Vergleichung der Hanpiärift.] **) 
Die Bolfungafaga allein ift dann noch heraus- 
gegeben von 


Bugge, Norroene Skrifter af sagnhistorisk Ind- 
hold (Heft 2), S. 81 —199. Chriftiania 1865. 
Dazu Nachträge und Berichtigungen auf dem Umſchlage des 
eftes. Eine neue, a TR ee der Handichrift Liegt 
Wilken, die profaifche Edda im Auszuge nebit 
Volsunga-Saga und Nornagests-thättr, ©. 147 
bis 234. Baderborn 1877. 
[Im Weſentlichen genauer Abdruck des Bugge'ſchen Tertes.] 


*) Abdrücke einzelner Abſchnitte (in Xejeblichern ꝛc.) 
ſind hier nicht berückſichtigt. 

**) Dieſer Text liegt meiner Ueberſetzung der Ragnars— 
ſaga zu Grunde, und beziehn ſich die in ||—) eingefügten 
Geitenzahlen auf ihn. 

ir) Auf Diefem Text beruht meine Ueberſetzung der VBol- 
fungafaga, und beziehn ſich die in ||—) eingefüigten Geiten- 
zahlen auf ihn, 





’ V 
Die Ragnarsſaga iſt ſeit 1829 nicht wieder 


herausgegeben und bedarf dringend einer neuen Aus⸗ 
gabe nach neuer Vergleihung der Handichrift. 


Ueberſetzungen giebt es, namentlich in dänischer 
Sprade, zahlreihe von der Volſungaſaga, näm- 
ih von | 
(Däniſch. Rafn, Nordiske Kämpe-Historier, I, B: 

Volsunga-Saga eller Historien om Sigurd 
Fafnersbane. Kopenhagen 1822. 
(Nach Biörner’3 Tert.] 
Rafn, Nordiske Fortids Sagaer, Band I, ©. 
106— 217. : Kopenhagen 1829. 
[Diefer zweiten Heberjegung — liegt ſein Text in Fas. zu 
runde. 


Ullmann, Sagaen om Völsungerne. Kopen- 
hagen 1873. 


Winkel Horn, Nordiske Heltesagaer, ©. 1 
bi3 91. Kopenhagen 1876. 
Shwedifh:] Arwidsſon, Historia Volsungorum 
svetice reddita.. Abox 1820. 
Engliſch; Eirifr Magnusfon und Morris, 
Völsunga Saga. The Story of the Völsungs 
and Niblungs etc. London 1870. 


[Deutfch:] v. d. Hagen, Nordiſche Heldenromane, 
Band IV: Bolfunga-Saga oder Sigurd der 
Safnirstödter und die Riflungen. Breslau 1815. 


[Berubt auf Biörner’8 Tert. Als vollftändig umgearbeitete 
zweite Auflage diefer Ueberſetzung erſcheint vorliegendes Bud.) 


Raßmann in feinem Buche „Die deutſche Helden- 
jage und ihre Heimath‘‘, Band I (Hannover 
1857) hat die Volfungafaga überjegt, aber 





VI 


nicht vollſtändig und zuſammenhängend, ſondern 
in einzelne Stücke zerriſſen und theilweiſe in 
die Ueberſetzung der Eddalieder eingefchoben.*) 


Bon der Ragnarsſaga giebt ed nur die fol- 
genden Weberjeßungen von ° 
[Dänifch:] Rafn, Nord. Kämpehist. I, C: Ragnar 
Lodbroks Saga, Krakemaal, Fortelling om 
Norna Gest etc. ©. 1—81. Kopenhagen 1822. 
Rafn, Nord. Fort. Sagaer, Band I, 219— 276. 
[S. oben ©. V.) 


Deutſch:) dv. d. Hagen, Nordiſche Heldenromane, 
Band V: Ragnar-Lodbrofd-Saga und Norna- 
Geſts-Saga, S. 1—112. Brelau 1828. 


[Hiervon ift meine ee eine vollftändig umgearbeitete 
zweite Be 


Die Nornageft3faga (thättr af Nornagesti, 
mit Nth. bezeichnet) iſt als Epifode der ausführ- 
lichſten Redaction der Olafs saga Tryggvasonar in 
zwei alten Handjchriften überliefert, die nicht uner- 
heblich von einander abweichen, nämlich in 


S, d. i.Cod. AM. 62 Fol., nad) Bugge, der Diele 
Hdſchr. feiner Ausgabe mit Recht zu Grunde 
gelegt Hat, bald nach der Mitte des 14. Jahr⸗ 
hunderts gefchrieben. 


*) Daß Raßmann auch das „Webergangskapitel” (I, 
©. 289 ff.) ſowie einzelne Theile der eigentlichen Ragnars⸗ 
faga und des Nth. überjegt hat, ſei hier erwähnt. 





VII 


F, d. i. Flateyjarbok*) jener befannten, umfäng- 

lichen Hoͤſchr, die um 1380 geſchrieben ift. 

Andere Handichriften Haben feinen felbjtändigen 
Werth. 


Folgende Ausgaben des thättr find zu ver- 
zeichnen: 
Biörner, Nord. Kämpadater — ſJ. oben 
v.d. Hagen, Altn. Sagen u. Lieder IV. & 
Rafn, Fornaldar Sögur 1, 311—342.| S- IV: 
[Rah einer von F abhängigen Handidrift.] 
Bugge, Norroene Skrifter af sagnhistorisk Ind- 
hold (Heft 1), ©. 45—80. Chriftiania 1863. 
[Rad der Handſchrift 8.]**) 
Willen, die prof. Edda ꝛc.; ©. 235—261. 
Paderborn 1877. 
[Willen Iegt mit Unrecht ***) die Hoſchr. F zu Grunde.] 
Außerdem ift der Nth. als Theil der ganzen 
Dlafsfaga (abgefehen von einer alten Ausgabe von 
1690) gedrudt in der Ausgabe Der Flateyjarbok, 
Bd. 1, S.346— 359. (Genauer Abdrud der Handſchr.) 
Ueberſetzt ift die Öefchtchte von Nornageft von 


[Dänifh:] Rafn, Nord. Kämpehistorier, I. C (f. oben 
©. VI), ©. 97—132. Ropenhagen 1822. 


*) Herausgegeben in drei ſtarken Bänden, Chrijtiania 
186068. 
**) Diefer Tert liegt meiner Ueberſetzung zu runde, 
und beziehn ſich die in | —) eingefügten Seitenzahlen auf ihn. 
+) S. Willen © LXXXVI ff. und dagegen Germ. 
24, 353 f. und Zichr. f. d. Bhil. 12, 87—92. 





VIII 


Rafn, Nord. Fort. Sagaer, Band I, ©. 289 bis 
316. Kopenhagen 1829. 
[Rah dem Tert in Fas.] 
(Deutfh:] v. d. Hagen, Nordiſche Heldenromang, 
Bd.V, ©.113—171 (f. 0. S.VI). Breslau 1828. 


Die Literatur*) über die Volſunga-Ragnars⸗ 
faga und den Nth. iſt micht eben bedeutend, wenn 
wir die Schriften über die Sage**) ausſchließen. 
Ueber Volfungafaga und Nornageitsfaga Handelt 
P. E Müller in feiner Sagabibliothef, Bd. I, 
S. 36—145 [in der Weberfegung von Lange**) 
©. 1—107]; ©. Bugge in der Einleitung zu feiner 
Edda-Ausgabe S. XXXIV—XLIV und in den An- 
merfungen Hinter feiner Ausgabe der Volſungaſaga 
© 193—199; befonderd aber B. Sijmond in 
feinen gründlichen und gehaltvollen „Unterfuchungen 
— — — Ö 

*) Gelegentlihe Bemerkungen und fürzere Be- 
ſprechungen werden Hier nicht berückſichtigt. Nur das Wid- 


tigfte ift, befonders mit Rückſicht auf meine Citate, Hier zu: 
fammengeftellt. 
**) Meil die Nibelungenjage für fich allein jchon eine 
umfänglicjhe Literatur hat. 
er „Unterſuchungen über die Geſchichte und das Ber- 
hältnig der nordischen und deutſchen Heldenfage, aus P. 
E. Müller's Sagabibliothet II. Band... überfegt und 
fritiich bearbeitet von Georg Lange.” Frankfurt a. M. 1832. 





IX 


über diefogenannte Bölfungafaga* (Beitr. 3, 199-303). 
Gegen diefe Abhandlung wendet ſich die Einleitung zu 
Wilken's Schrift „Die profaifche Edda im Aus⸗ 
zuge nebit Volſungaſaga und Nornageitö-thättr“, 
Paderborn 1877. Hier ift S. VI—LXXXV über 
die VBolfungafaga, ©. LXXXV-—CIH über den Nth. 
gehandelt. Willen 3 Widerſpruch ift aber im 
Weſentlichen ungerechtfertigt und fein Standpunkt ein 
jo eigenartiger, daß feine Auffaffung in der Haupt- 
fahe und in den meiften Einzelheiten als verfehlt 
gelten muß.*) Die Urtbeil habe ich Germ. 24, 
353—363 ausführlich motivirt, womit Sijmons' 
noch eingehendere Recenſion in der Bir. f. d. 
Phil. 12, 83—113 im Wefentlicden übereinftimmt. 
In beiden Anzeigen, namentlich in der leßteren, findet 
fi beachtenswerthes Material für die Beurtheilung 
der Volſunga⸗ und der Nornageft3-Saga. Den Eingang 
der Volſungaſaga (Kap. 1—12) behandelt Müllen- 
hof unter dem Titel „Die alte Dichtung von den 
Nibelungen. I: Bon Sigfrid's Ahnen“, H. Zſchr. 23, 
113— 173. 

Ueber die Ragnarsfaga handelt in Sijmong’ 
Unterfuchungen gelegentlih der erfte Abichnitt (©. 
200 — 215). Hierher gehören ferner Rafn's 


*) Das Buch ift deshalb nur felten von mir angeführt. 





X 


Anmerkungen in Kämpehistorier I. C, ©. 155—165, 
fowie feine Bemerkungen zu den Strophen ebenda 
©. 177—247. Ah G. Storm's mehrfach von 
mir citirte Schrift „Ragnar Lodbrok og Lodbroks- 
sönnerne“, Chriftiania 1877*), obwohl zunächſt Die 
Sage behandelnd, nimmt mehrfach auf die isländischen 
Bearbeitungen des Stoffed Bezug. Dedgleichen fommt 
die ſchwediſche Ueberjeßung de Ragnars sona thättr 
von Söderjtröm”**) für die entiprechenden Bartien 
der Saga und namentlich) für die Strophen in Betracht. 

Endlih ift auf die betreffenden Abfchnitte in 
R. Keyſer's Literaturgefchichte (Efterladte Skrifter 
1,346—65.391— 99), Sagabibl.2,264—82, fowie in 
Munch's Det norske Folks Historie I, 1 zu verweifen. 


Die Volfungafaga beruht zumeiſt auf alten nor- 
dilchen Heldenliedern, die und zum großen Theil 
noch in jener alten Liederſammlung erhalten find, 
welche wir die Lieder-Edda (Sämund’3 Edda) zu 


*) Aus (Norsk) Historisk Tidskrift, 2. folge I, 
371-491. 

**) 'Thättr af Ragnars sonum. Sagostycke om Rag- 
nars Söner, frän Isländskan öfversatt och belyst. Akad. 
Afhandling .... Örebro 1872. 


Al 


nennen pflegen, obwohl der Name „Edda“ eigentlich 
nur der profaifchen (Snorre’3) Edda zukommt. Dieſe 
Lieder-Edda ift eine Sammlung von Liedern gleichen 
oder doch ähnlichen Charakters, aber ſehr verjchiedenen 
Alter? und Werthes. Die Eddalieder find nicht 
eigentlich Volkslieder, aber ſie find die Ausläufer 
einer älteren Boll3dichtung, der einzelne Lieder ganz, 
andere wenigſtens theilweife noch ziemlich nahe jtehn. 
Ya e3 fcheint, als ob in den beſſern Eddaliedern 
Umdichtungen (Bearbeitungen, wenn man jo jagen 
darf) älterer Volkslieder vorliegen, von denen oft 
einzelne Strophen und Strophengruppen ziemlich um- 
verändert beibehalten fein mögen. Unter diejen Um: 
ftänden ift eine genaue Altersbeſtimmung diejer Lieder 
ſehr Schwierig; doch wird man nicht weit fehl greifen 
mit der Annahme, daß in der vorliegenden 
Geſtalt keines derfelben vor dem 9. Sahrhundert*) 
und keins (zwei oder drei Lieder etwa ausgenommen) 
nad) dem 11. Sahrhundert entjtanden ift, die meijten 
aber ihre jebige Geftalt im 10. Jahrhundert erhalten 
haben und zwar auf Sland**) — mo fie aud) 


*) Daß Theile einzelner Lieder älter fein können, it 
nad) dem eben Sefagten damit natürlich nicht ausgeſchloſſen, 
vielmehr ift es fehr wahrſcheinlich. 

**) Die neueite Theorie Gubbrand Vigfusſon's (in jeiner 

Ausgabe der Sturlunga, Proleg. OLXXXVI ff.), daß die 








XII 


geſammelt wurden — und in deſſen Nebenländern. 
Einzelne Lieder mögen immerhin in Norwegen ent⸗ 
itanden oder in älterer Geftalt von Norwegen nad) 
land mitgebradt und dort umgedichtet fein. 

Kann man die Eddalieder nun auc nicht ſchlecht⸗ 
weg Volkslieder nennen, jo darf man dieſe ganze 
Dichtung doch gegenüber der überfünftlicden Stalden- 
dichtung getroft al3 volksthümlich bezeichnen, in- 
fofern ſie auf alten Volksliedern beruht und an- 
ſcheinend, im Gegenja zur Skaldendichtung der 
höfifchen Kreife, vorzugsweiſe in den reifen‘ des 
Volkes gepflegt worden ift,.wie denn auch alle dieje 
Lieder „verfafjerlo8“ find. Der Unterſchied beider 
Dichtungsarten in der Form ift neueren Theorien 
gegenüber *) durchaus feitzuhalten, wenn man aud) 


Eddalieder auf den noröbritifchen Inſeln und Küften (Orknöen, 
Hebriden, Nordfüjten Schottlands und Irlands) von nor= 
diſchen Dichtern verfaßt feien, ift eine geiftreiche, aber nicht 
ſtichhaltige Vermuthung, wie ich nächftens andern Ortes aus⸗ 
führlich zu zeigen gedente. 

*) Sehr entichieden Haben fih Willen (Gött. gel. 
Anz. 1878, ©. 77—89) und Gieverd (Beitr. 6, 298) 
Dagegen ausgeſprochen, daß „in formeller ... Beziehung 
irgendwie eine fefte Grenze zwiſchen „eddiſcher“ und „ſkal⸗ 
diſcher“ Dichtung fich ziehen Läßt“. Gegen Sievers' Theorie 
babe ich mich im Literaturblatt f. germ. und rom. Phil. 1, 
Sp. 166—69, ausführlich ausgeſprochen. 





XIII 


unleugbar in ſpäterer Zeit denſelben zu verwiſchen 
trachtete. 

Bon dieſen volksthümlichen Götter⸗ und Helden⸗ 
liedern ward nun etwa um 1240*) eine größere 
Zahl in einer Sammlung vereinigt, indem der Sammler 
erläuternde profaifche Bemerkungen, namentlich Ein- 
leitungen, binzufügte und innerhalb der Lieder ver- 
gefjene Strophen durch proſaiſche Zwiſchenſätze erjeßte. 
Dabei hat er oft genug, wie der noch erhaltene Stab- 
reim und die poetiſche Ausdrucksweiſe zeigt, die in 
ihrer metriſchen Form ihm nicht mehr erinner- 
lihen Strophen inhaltlich getreu in Proja-Auflöfung 
wiedergegeben. Für die SHeldenlieder jollten wir 
eigentlich richtiger von profaifhen Erzählungen mit 
eingejchobenen Liedern umd Liedfragmenten — von 

*) Dies bat Bugge in der Einleitung zu feiner Edda⸗ 
Ausgabe (S. LXVI ff.). feitgeftellt. Die Sammlung jcheint 
nämlich nad) Snorre’3 (+ 1241) Thätigfeit an der nad) ihm 
benannten Snorra Edda entitanden zu fein, da fie dort weder 
in der Gylfaginning noch im Staldffaparmal benugt, Snorre 
alfo unbekannt gewejen ift, während andrerfeit3 die Snorra 
Edda ziemlich fiher in der Sammlung benußt ift (vgl. Bugge 
a. 0. ©. XXXf.; Germ. 24, 367; Bichr. f. d. Phil. 12, 108). 
Da nun die Snorra Edda als Ganzes etwa um 1230 ver- 
faßt ift, andrerfeit® aber im Prolog der Thidreksſaga höchft 
wahrſcheinlich auf unfere Sammlung angefpielt wird (Bugge 
a. a. ©. LXVIM), fo muß die Sammlung zwifchen 1230 
und 1250, aljo ettva um 1240 entitanden fein. 





XIV 


Heinen Saga's alſo — al3 von einer Liederfammlung 
reden. Wenigftend ift das fogenannte „Lied von 
Helge Hiorvardsſon, wie man jchon richtig erfannt 
hat, nicht® andere al3 eine Heine Saga, die größere 
und kleinere Fragmente von 4 Liedern zujammenfaßt, 
welche einen Liedercyfluß von Helge Hiorvardöfon 
bildeten. Nicht anders fteht es mit dem jogenannten 
„zweiten Liede“ von Helge dem HundingStödter (Helg. 
Hund. I): auch dies ift eigentlich eine Heine Helga 
saga Hundingsbans , in welche Fragmente von min- 
deſtens 3, eher wohl von 4—5*) Liedern aus einem 
Liedercyffiuß von Helge dem Hundingstödter einge 
fchoben find. Ebenſo wird der Abjchnitt von Sigurd's 
Geburt bis zu Brynhild's Tode ſchon als „Sigurd$- 
ſaga“ für ſich beſtanden haben und als Ganzes 
der Sammlung einverleibt ſein, wie ich weiter unten 
ausführen werde. Leider fehlt gerade hier in der 
Hdſchr. der Sammlung, welche dieſen Theil allein 


*) 1 (Käruljödh? vgl. Beitr. 4, 194 ff.): vom Anfange 
bis ©. 163, Profa, 3. 2 (Hild.). — Dahin gehört 2: Str. 38 
nebſt vorhergehnder Proſa (Fragment eine Scheltgejprächa 
mit Hunding, vgl. Beitr. 4, 171 f.). Dann folgt 3 (oder 
vielleicht gehörte 3 dazu?): ©. 163, Proſa, 3.2 bis Str. 12 
Ende. — 4 (Volsungakvidha in forna): bi8 Str. 27 Ende. 
— 5: Proſa nad Str. 27—37 incl. + Proja nad) Str. 38 
bis Str. 50 (oder find auch dies Nefte zweier Lieder?). 


XV 


erhalten hat*), ein beträchtliches Stüd, und mir 
find Hier faſt ausschließlich auf die Ergänzung ange: 
wiefen, welche glücklicherweiſe die Volſungaſaga bietet. 


Die Volſungaſaga hat nämlich, wie erwähnt, 
die Liederſammlung, die wir Edda nennen, benutzt, 
und zwar eine ältere, vielfach beſſere und vor Allem 
vollſtändige Hdſchr. derſelben. Auch abgeſehen 
von der Lücke hat die unſerm Verfaſſer vorliegende 
Hoſchr. einen vollſtändigeren *), beſſer geordneten ***) 
oder in anderer Weile urjprünglicheren}) Text 
enthalten (vgl. meine gelegentlichen Bemerkungen in 
Germ. 23, 176 ff. 314 ff. 326 ff. 407 fi). Am 
wichtigften ift aber natürlich der Umitand, daß 
Kap. 23—29 den in der Lücke des Cod. reg. ver- 
lorenen Theil der „Sigurdsſaga“ wiedergiebt, und 
zwar die hier eingejchoben geweſenen Lieder und 
Liedftüce faft ausnahmslos in Proja-Auflöfung. Es 


*) Es ift der berühmte Codex regius (d. h. Handichrift 
der Kgl. Biblisothek in Kopenhagen) n’ 2365. 4°, 

**) 3. B. 43°. 48°. 85°, 89°. 91°, 95° und 96' (mo 
Sigurd als der beftimmte Erlöfer erjcheint, vgl. Fjölsvinns- 
mäl 42-49). 99%. (163°), 183° (Germ. ‘23, 409). 190° * 
(Germ. 28, 410 f.). 195? (Germ. 23, 407 f.). 202%. (211°) x. 

“+, Bgl. Germ. 23, 176 f. 314 f. 316 ff. 

+) 8. 8. 91: .(Germ. 23, 318 f.); 51, 15 «eitt ftatt 

eitr, Sinfj..3. 7.); 53° x. 





XVI 


iſt daher ſehr wichtig feſtzuſtellen, in wie weit wir 
hier eine getreue Wiedergabe des Verlorenen zu 
erwarten haben. 

Dieſe Frage zu beantworten giebt es zwei Mittel. 
Zunächſt können wir die kurze Skizze in der Snorra 
Edda*) heranziehen, ferner Gripisſpa und Sig. sk. 1—4, 
welche Darjtellungen ebenfal$ den verlorenen Theil 
der Sammlımg benußt haben. Genaue, theilweiſe 
wörtliche Uebereinftimmungen fprechen bier für eine 
verhältnißmäßig getreue Wiedergabe. **) 

Sodann hat man namentlich zu beobachten, wie 
der Sagafchreiber bei der Benugung feiner Quellen 
da verjährt, wo diefe Quellen erhalten find, fo daß 
wir ihn controliren können. Hierüber hat B. Sijmond 
in feiner oben genannten Schrift (Beitr., Bd. 3) eine 
gründliche Unterfuhhung angeftellt. Dieſe bat ergeben, 


*) Im Skaldſkaparmal (dem Abſchnitt, welcher Die poetiſche 
Ausdrucksweiſe behandelt) iſt zur Erklärung der Umſchreibung 
„Otterbuße“ für „Gold“ die „Vorgeſchichte des Hortes“ er⸗ 
ztihlt. Eine ſpütere Bearbeitung der Snorra Edda Hat dieſe 
kurze Darftellung unter Benutzung der Liederſammlung zu 
einem Abriffe der ganzen Ribelungenjage erweitert; f. Sij⸗ 
mons, Beitr. 3, 209 ff. und Zſchr. f. d. Phil. 12, 103 fi. 
fowie meine Ausführungen Germ. 24, 356 ff.; im Allge⸗ 
meinen auch die gründliche Unterfuchung von Mogk in ben 
Beitr. 6, 477 ff. 

*x) Germ. 23, 174*, 826 ff. 24, 369. Bichr. f. d. Phil. 
12, 106. . 








XVIl 


daß der PVerfaffer der Saga feinen Quellen, den 
Liedern (bezw. der Sigurdsſaga) bald freier, bald 
treuer ſich anfchließt, vielfach wortgetreu, faft immer 
finngetreu, fofern er feine Quellen nicht mißverftand, 
was allerdingd mehrfach nachweisbar iſt.) Wenn 
. übrigen3 feine Darftellung zumeilen unbeholfen, ab- 
geriſſen und ſchwerfällig erſcheint, fo hat dies darin 
feinen Grund, daß er grade an folchen Stellen feinen 
Quellen am getrenften fich anjchloß.**) Abſichtliche 
Abweichungen beftehn in erläuternden Zuſätzen, er- 
weiternden Ausführungen (3. B. Kampfſchilderungen) 
u dgl.*) Außerdem aber find abſichtliche Abe 
weichungen feiner Darftellung don den Quellen auf 
folgende zwei Motive zurüdzuführen: auf dad Streben, 
widerftreitende Berichte zu vereinigen und auf Die 
Tendenz, die Ragnarsſage mit der Volfungenfage zu 
verknüpfen. 


*) Vgl. 3. B. die Anmerkungen 48*. 48**. (52*), 
170+. 171}. 2024. 214”. 


**) Das ift beionders in Wechjelgejprächen der Yall. 


“er DB, 56, 4-57, 2. 80, 6-81, 12; ferner 52%. 
157,6 f. 2c. Uebrigens ift nicht Alles, was nicht auf der 
Sammlung beruht, willfürliche Erfindung des Verfaſſers, 
fondern derfelbe muß auch neben der Sammlung nod) hier 
und da aus der lebendigen Volksüberlieferung gejchöpft 
haben, ſ. u. ©. XXVIII f. 

b 





XVIII 


Der Verfaſſer wollte nicht eine Zuſammenſtellung 
verſchiedener Berichte, ſondern eine zuſammenhängende 
Erzählung liefern. Da nun aber in der Sammlung 
Lieder von ſehr verſchiedener Sagenauffaſſung ver⸗ 
einigt ſind, ſo laſſen ſich die verſchiedenen Berichte 
oft, nur gewaltſam vereinigen. Außerdem finden ſich 
Parallellieder, die zwar im Wefentlichen übereinftinmmen, 
im Einzelnen aber abweichen. Auch in ſolchen Fällen 
hat der Verfaffer die einzelnen Züge der verichiedenen 
Darftellungen oft nicht ohne willfürliche Aenderungen 
und Zufäße combiniren können. Lehrreich find in diefer 
Hinſicht befonderd die Kapp. 33—38, die aus Atlam. 
und Akv. combinixrt find, aber aud) Rapp. 30—31, 
denen eine Combination auß Sig. sk. und Sig. 1. 
(= Brot) zu Grunde liegt. *) 

Die Tendenz, Ragnar's Geſchlecht, d. h. das 
norwegiſche Königshaus, an die Volſunge zu 
knüpfen, äußert ſich namentlich in der Einführung 


*) Bon dieſem Geſichtspunkte aus iſt es z. B. zu be 
urtheilen, daß der Verfaſſer Atle von den Gjukungen in die 
Halle drängen läßt 194* (vgl. daf. und 192%. Daß Hialle 
zweimal ergriffen wird 1977 (vgl. 196*); dab das An— 
zünden der Halle erſt nach dem Begräbniß Atle’3 erfolgt 
207*** ꝛc. Der Sag 180* bildet den Mebergang von Akv. 
zur Gituation in Atlam. Vgl. noch 205* und dazu Germ. 
24, 3594. 








XIX 


der Aslaug als Tochter Sigurd's. Diefer zu 
Liebe ift die Verlobung mit Sigrdrifa-Brynhild (die 
bei der Verfchmelzung Sigrdrifa’3 mit Brynhild ala 
jeltjame ‚‚Vorverlobung ‘ erfcheint) und ein intimes 
Verhältniß beider erfunden, während die echte Sage 
und mit ihr die Quellen der Volſungaſaga Sigurd’3 
Verhältniß zu Brynhild (bezw. Sigrdrifa) durchaus 
als ein keuſches auffaſſen. 


Dies nachweisbare Verhältniß des Verfaſſers 
zu ſeinen erhaltenen Quellen gilt mit Wahrſcheinlichkeit 
auch für fein Verhältniß zu den verlorenen Quellen, 
Auch Hier wird er feine Quellen inhaltlich (und z. TH. 
wörtlich) getreu wiedergegeben haben, ſoweit nicht 
etwa die beiden erwähnten Gründe ihn zur Ab- 
weihung veranlaffen konnten. Und dieſe Auffaffung 
findet, wie gejagt, ihre Beftätigung in den wörtlichen 
Berührungen mit jenen anderen DVarftellungen, die 
aus derjelben Quelle jchöpften. Welchen Raum auf 
den verlorenen Blättern die Proſa der Sigurdsſaga 
einnahm, läßt fich leider nicht mehr feititellen. Sicher 
aber umſchloß fie auch Hier mehrere Lieder und 
Liedfragmente, auf deren Charakter, Anhalt und 
Umfang die PBrofa- Auflöfung noch einige Schlüſſe 
geftattet. Mehrfach zeigt die poetiiche Sprache nebjt 
durchſcheinenden Stabreimen, daß Verſe ziemlich un- 

b * 


XX 


verfehrt erhalten find*); mehrfach finden ſich aud) 
Anklänge an Verſe erhaltener Lieder **) oder mas 
ſehr zu beachten ift, an das Nibelungenlied***), d. h. 
an die dem Nibelungenliede zu Grunde Tiegenden 
alten deutſchen Volkslieder. Vornehmlich bei den 
Wechſelgeſprächen zeigt e3 ſich noch deutlich, daß Diefe 
ursprünglich ftrophiih waren }), fo namentlid 112 f. 
114 ff. 131 f. 137—140. 147—151. Endlich find 
vereinzelt (S. 130, 138, 152) noch volljtändige 
Strophen der benußten Lieder citirt. FF) 


x) 8.8. 111 f. 115 f. 122. 128, 5 ff 145, 10 f. 
147,1 ff. ꝛc. 

**) 8.8.110:: Helr. 6,Grip. 27, 1—4; — 110°: vgl. 
Grip. 5; — 111, & f. (vgl. 108 FF): Rigsth. 35, bejonders 
Gudr. IL, 18, 9 ff, wo die dort unpaſſenden Verſe aus dem 
verlorenen Liede von Sigurd's Beſuch bei Heimi zu ſtammen 
ſcheinen; — 112, 8—10: Gudr. II, 5,5 f.; — 113, 10: Grip. 
30,5 f. (Germ. 23, 327); — 115 ***: vgl. Häv. 83 [liegt eine 
Str. zu Grunde, die urfprünglich zu Sigrdrifumal gehörte 7]; — 
128°: Kalfsvisa in Sn. E; — 132°: Grip. 39, 5—8. Sig. sk. 
4, 1—5 (vgl. Brot 20, 1-4); — 134°: Grip. 45,1 f.; — 139°: 
Sig. sk. 27, 7 f., Gudr. I, 25,3. H. H. I, 33, 5 und 
Grip. 31, 7. 

***) 117 f. 122°. Bol. ähnliche Vebereinftimmungen 
190?, 194 F}. 197 *** ꝛ⁊c. 

7) In diefen Geſprächen entjpricht erfichtlich jede Rede 
und Gegenrede je einer Strophe, ſodaß man bier jogar die 
Zahl der. benugten Strophen feititellen kann. 

Tr) Dazu kommt vielleicht nn Gudr. II, 18, 9—12; 
j. oben Anm, a 








XXI 


Es gab gewiß ein Lied von Sigurd’3 Beſuch 
bei Heimi und feiner Berlobung mit Brynbild 
(Rap. 23—24); ein zweites, welche Sigurd's Auf- 
enthalt bei den Gjufungen bis zur Vermählung mit 
Gudrun (Rap. 26) beſang; vielleicht auch Gunnar's 
Werbung und Sigurd’3 Blammenritt (Rap. 27), was 
doch wohl eher in einem befondern (dritten) Liede 
behandelt war, von dem zwei jchöne Strophen er- 
halten find. Ein viertes’ Lied, deſſen Anfang ſich 
ſcharf marfirt, handelte vom Zanf der Königinnen, 
und was demfelben unmittelbar folgt (Rap. 28) *); 
auch Hiervon ift eine Strophe erhalten.**) Es folgen 
dann fünften? ***) die Wechſelgeſpräche Gunnar's und 


*) Bol. jedoch unten Anm. ***. 

**) Ueber die Stellung diefer Strophe |. Germ. 24, 359. 

***) Daß mit Kap. 29 die Benußung eines neuen Liedes 
beginnt, glaube ih aus folgendem Grunde: Es tft durchaus 
natürlich, daß Brynhild unmittelbar nach der vernichtenden 
Erffärung Gudrun’3 [alfo nad) 136°) voll Zorn und ſtumm 
vor Schmerz ſich zu Bette legt. So heißt es denn auch 
136, 9: „Brynhild ging Heim und ſprach fein Wort 
“(= Thidr. s. 2, 307 unten) — am Abend.” Dies „am 
Abend“ jcheint unjer Verfaſſer Hinzugefügt zu haben, weil 
er nah einer andern Quelle nod) ein Gefpräd Bryn=- 
Hild’3 mit Gudrun am folgenden Morgen zu berichten 
Hatte. Mit Kap. 29 geht er offenbar wieder zu einer andern 
Duelle über, die inhaltlich an 136° antnüpft. Der Anfang von 
Kap. 29 ficht aus, als begönne hier ein neues Lied, doch 
kann auch fchon Kap. 28 big 136° bemjelben Liede folgen. 





XXII 


Sigurd's mit Brynhild, die in zornigem Schmerz 
ſich auf ihr Lager geworfen hat (Kap. 29), ver⸗ 
muthlich einem und demſelben langen Liede angehörig, 
dem „langen Sigurdsliede“, deſſen Schluß, das ſog. 
Brot (d. h. Bruchſtück), nach der Lücke im Cod. reg. 
erhalten iſt.) Außerdem iſt noch ſechſtens im 
Kap. 25 ein Lied von Gudrun's Träumen benutzt, 
richtiger wohl zwei: ein älteres und ein jüngeres 
Parallellied (ſ. S. 121**). Es werden alſo 6 bis 
7 Lieder oder Theile von ſolchen in der Lücke ver- 
Ioren fein. Für die Auffaffung des Verhältniſſes 
Brynhild's zu Sigrdrifa, welches gerade Hinfichtlid 
des Flammenrittes in Verbindung mit der Verlobung 
einigermaßen dunfel iſt, ift dieſer Verluſt beſonders 
zu beklagen. 


Eine kurze Beſprechung erfordern noch die 
erften acht Kapitel nebſt Kay. 11 und 12. Wie 
der Darftellung von Sinfjotle's Tode (Kap. 10) un 
zweifelhaft ein Lied zu Grunde liegt, welches auch 
im Sinfjötlaloek der Sammlung benußt, aber in 
fnapperer Form wiedergegeben ift**); fo beruht aud 


*), Außerdem gehört dazu die Strophe auf ©. 152 f.; 
vgl. dazu 151 **, 
**) So auch Miüllenhof, H. Zſchr. 28, 133. 








XXIII 


Sigmund’8 Geſchichte, wenigjtens theilweije, offenbar 
auf Liedern, bie bier und da deutlich genug durch 
den profaifchen Text Hindurchicheinen, 3. B. bei den 
Erſcheinen Odin's in Volfung’d Halle 14 ff.“); in 
Hjordis' Geſpräch mit dem fterbenden Sigmund 58. **); 
in Signy's letzten Worten 39 — ein Lied, zu dem 
wahrſcheinlich die Halbitrophe auf S. 38 gehört, und 
welches demnad) Sigmund’3 und Sinfjotle’3 Verſuch 
der Rache und ihre] Einſchließung und Befreiung, 
fowie die Ausführung der Rache enthielt.***) Aber 
auch fonft zeigen fih in der Geſchichte Sigmund's 
und Volſung's deutlich Spuren poetifcher Duelley. +) 
Und felbft für die Geſchichte Sige's und Reri's, wo 
die Proſa nichts mehr von poetifchen Quellen ver- 
räth, ift es wahrſcheinlich, daß fie einmal in alten, 
zur Zeit des Sageſchreibers freilich ſchon verichollenen 
Liedern gefungen ward. Jene verlorenen, vom Ver: 
faffer der Saga aber noch benubten Lieder oder 


*) Bu 15° vgl. Hdl. 2, 7 f. 

**) Zu 59° vgl. Grip. 23, 5—8. 41, 5-8; zu 59** 
vgl. Herv. s. (Bugge) 312. — ©. 58, 14 ff. find Anfangs 
faft vollftändige Berfe und nachher noch die Stabreime erhalten. 

er) Bol. H. Zſchr. 23, 132 f. 

+) Val. H. Zihr. 23, 130 ff. Zu 22, 5 f. vgl. na= 
mentlich H. H. II. 33, 1—4; aber auch Oddr. 10, 1 f.; 
Herv. 3. (Bugge), ©. 216, 1 f.; [Lokas. 47, 1 f.] u. j. w. 








XXIV 


Liedrefte muß derjelbe zugleich mit den Sagen, denen 
fie angehörten, aus der lebendigen Volkstradition 
gefhöpft haben.) Wir Haben und Dieje feine 
Quellen für die in Rede ftehenden Kapitel etwa fo 
zu denken, wie die Quellen der Thidreksſaga, d. }. 
Sagen in ungebundener Rede untermijcht mit Liedern 
und Liedftüden, dev Art, daß in wichtigen Ge 
fprächen und überhaupt bei wefentlihen Momenten der 
Sage die poetiſche Form ſich am längiten hielt. **) 
Daß auch neben der Liederfjammlung, d. 5. in den 
Abſchnitten, wo er dieſer hauptſächlich folgt, der 
Sagaſchreiber noch aus der lebendigen Volksüber⸗ 
lieferung ſchöpfte, dafür ſpricht Manches: Bugge 
(Einl. zu ſeiner Edda-Ausgabe XXXVIII) hat es 
wahrſcheinlich gemacht, daß ein Halbvers, der in der 
Sverrisſaga (Fms. 8, 409; bei Unger 183) kurz 
vor Fafn. 6, 4—6 citirt wird, von unjerm Ber: 
faffer ©. 68, 6—10 und 83, 2—4 benußt ift. 
©. 81, 21— 82,1 klingt eine poetiſche Quelle durch, 
vielleicht diefelbe. In der Ermanrichſaga ift ver- 
ſchiedentlich (212 2—®. 2134-6. 217, 2185-5, 
219, 2 f. 2192) die Volksſage neben der Sammlung 
benußt (vgl. Zichr. f. d. Phil. 7, 383). Zu 1556 ent- 


*) Vgl. jet auch Sijmons', Zſchr. f. d. Phil. 12, 101% 
**) Vgl. darüber meine Bemerkungen Germ. 23, 97; 
25, 65 f. 





XXV 


ſprechen die ſpäteren Volkslieder ꝛc. Auch die verderbte 
Bariante zu Brot 4 auf ©. 156 iſt zu beachten. 

Die Bolfungsrimur*) des Stalden Kalf, eine 
poetifche Bearbeitung unjerer Volſungaſaga [von Ende 
de3 14. oder] aus den 15. Jahrhundert, haben offenbar 
einen Text der Saga bemußt, der dem und erhaltenen 
ſehr nahe ftand, Doch ſchwerlich gerade unjere Hand- 
ſchrift. Eine andere Handſchrift Tonnte aber manche 
in der unfrigen fehlende Züge und abweichende Les⸗ 
arten enthalten**), die jehr wohl hier und da der 
abweichenden Darftellung der rimur zu Örunde liegen 
fönnen; und die rimur. find daher für die Texts 
kritik nicht unbedingt werthlos. Darin aber gebe ich. 
Sijmond gegen Möbiud und Willen Recht, daß 
ebenfo gut alle Abweichungen und BZuthaten vom 
rimur- Dichter herrühren können und aljo keines⸗ 
wegs mit Nothwendigfeit auf eine abweichende Faſſung 
der Saga zurückweiſen. 


*) Herausgegeben von Th Möbius (Edda Sæ- 
mundar, S. 240 ff. 301 f. (vgl. dort die Einl. ©. XII ff.). 
Die rimur find am Schluffe unvollitändig überliefert. 


**) Wenn z. B. Cod. AM. 147. 4°, wie wahrſcheinlich, 
auch die VBolfungafaga enthielt ,. jollte jener Text Hier nicht 
auch wenigjtend annähernd die Selbitändigfeit wie in der 
Ragnarsjaga gezeigt haben? Vgl. Bugge, Ein. zur Edda 
Ausgabe, S. XXXV. 





XXVI 


Für die Ermanrichfage (Rap. 39—42) ift außer 
der Liederfammlung noch eine ausführlichere, der 
Quelle Saro’3 naheitehende Ueberlieferung benußt, 
die der Verfaffer wahrjcheinlih aus der Volksſage 
ihöpfte Vgl. Bugge, Bichr. f. d. Phil. 7, 383 f. 


Wenn oben dem Berfaffer der Saga die Ten: 
denz zugefchrieben ward, die Ragnarsſage mit der 
Volfungenfage zu verknüpfen, fo ift damit daS Ber: 
hältniß der Volſungaſaga zur Ragnarsſaga ſchon 
angedeutet: die Ragnarsſaga ift eigentlich feine Saga 
für fi, fie Hat niemals für fich beftanden*), ſondern 
ihre Entftehung fällt mit der der Bolfungafaga zufammen. 
Mit anderen Worten: die Volfungafaga ift al3 eine 
Art Vorgeſchichte zur Ragnarsſaga entftanden ; beide 
gehören zujammen und rühren von einem umd dem 
ſelben Berfaffer her.*) Das Hat zuerft Sijmond 
eingehend dargelegt (Beitr. 3, 201 ff.) und ich habe 
verfchiebentlih***) meine Zuftimmung ausgefproden. 
Da nun auch G. Storm (Ragn. Lodbr. ©. 109) 


*) Vgl. aber unten &. XLIX**, LVII***., 

**) Willen hat (Prof. Edda, Einl. S. XII ff.) Be 
denken dagegen geäußert; vgl. aber Sijmong’ Erwiderung, 
Zſchr. f. d. Phil. 12, 107. 

er) Mamentlich Germ. 24, 356. 








XXVI 


Diefelbe Anficht geäußert Hat, fo Habe ich feinen 
Anftand genommen, zum erjten Mal die Einheit 
beider Saga's auch äußerlich hervortreten zu laſſen, 
zumal wiederholte und eingehende Beichäftigung mit 
dem Gegenſtande mich in meiner Anficht nur bejtärft 
bat, jo daß ih in der Lage bin, die von Sijmons 
(und früher von mir felbit) borgebrachten Gründe 
weſentlich zu verſtärken. 

Außer dem von Sijmons beſonders betonten 
Momente, daß die Einführung der Aslaug nur auf 
dad Streben nad) Verknüpfung beider Sagenfreife 
zurüdgeführt werden Tann, fommt die eigenthümliche 
Stellung des Uebergangskapitels in Betracht, welches 
recht eigentlich die Verbindung zwiſchen beiden Sagen- 
‚reifen heritellt durch Aslaug's Hinüberführung nad) 
Norwegen, d. h. durch Anknüpfung der zu diefem Zwecke 
erfundenen*, Tochter Sigurd’3 an die unter anderm 
in Norwegen lofalijirte Sage von der „Eugen Bauern- 


*) Daß diefe Erfindung eben vom Perf. der Saga 
berrührt, ift nad) Siimons’ Ausführungen (a. a. DO. 205—213) 
mehr als wahrſcheinlich. Daß aber die Neigung, die norwegifche 
Königsreihe irgendwie auf Sigurd zurüdzuführen, ſchon früher 
beftand, dafür jpricht die von Sijmons ©. 212 (vgl. daſ. 
auch S. 213) befprochene Stelle der Niala, fowie, daß in den 
Eirefsmal (Möbius, Edda ©. 231) Sigmund und Sinfjotle, 
anfcheinend als Ahnen Eirek's, des Sohnes Harald Schön- 
haars, diefen Eirek in Walhall empfangen. 





XXVIII 


tochter“ (vgl. S. 248**), die der Verfafjer der Saga 
dort wohl ſchon an die Perſon Ragnar’3 geknüpft 
fand. Hinter der Voljungafaga, zu welcher man 
dies Kapitel gewöhnlich zieht, erweiſt es ſich hin— 
ſichtlich des Sagenſtoffes offenbar als fremdartiger An- 
wuchs. Zur Ragnarsſaga kann man es noch weniger 


ziehn, weil dieſe, ſofern es ſich überhaupt um eine 


ſelbſtändige Ragnarsſaga handeln könnte, erſt S. 231 
(mit Kap. 1) beginnen müßte.“) Dennoch ſteht das 
fragliche Kapitel mit letzterer Saga in weit engerem 
Zuſammenhange als mit der Voljumgafaga**), ja es 
wird in Rap. 4 ff. der Ragnarsfaga durchaus zum 
Verſtänduiß vorausgeſetzt.***) Daher kann man — 
abgejehen von anderen Gründen) — nit mohl 


*) Bol. auch den Anfang des Rsth. und den Schluß 
der Herv. s. 


=) Wie denn auch unfere Hdſchr. die Ueberſchrift Saga 
Ragnars Lodhbrökar vor dag Uebergangskapitel ge- 
jest hat. 

***) Bol. 3. B. 249, 3. 10 f 254, 21 ff. — Sijmonsg, 
Beitr. 3, 202. 


7) Dahin gehört es, daß in dem Uebergangskapitel ſich 
diejelbe Tendenz geltend macht, wie in der Einführung As—⸗ 
laug’3 in die Volſungaſagga. Sodann kommen die Ueber- 
einftimmungen des Stils in Betracht: z. B. 2277, vgl. mit 
260**. 263 7; 228* vgl. mit 237*; 230*** gl. mit 336% sc, 











XXIX 


onnehmen, da3 Kapitel fei etwa zur Verbindung 
einer ſchon fertigen Volſungaſaga mit einer ebenfalld 
Ihon vorhandenen Ragnarsfaga fpäter eingefchoben. 
Höhftens könnte man fich die Sache jo denken, daß 
die VBolfungafaga ſchon für fich beftanden habe, dann 
aber vom Verfaſſer der Ragnarsſaga interpolirt und 
mit feiner Saga durch das Uebergangsfapitel ver- 
bunden ſei. Das war die Anfiht P. E. Miüller’s.*) 
Indeſſen ſprechen hiergegen triftige Gründe. Einmal | 
nämlih greift die Einführımg Aslaug's zu tief in 
den Bau der PVolfungafaga ein, als daß man fie 
auf Rechnung eine® Bearbeiter ſetzen fünnte: Die 
Verlobung Sigurd’3 mit Sigrdrifa-Brynhilb (bie 
jogenannte „Vorverlobung“) ift ihr zu Liebe er- 
funden u. f. w. (f. Sijmond ©. 204). 

In dieſem Zuſammenhange ift auch der auf- 
fallende Barallelismus zwifhen Volſunga- und 
Ragnars-Saga in einzelnen Zügen zu erwähnen, 
infofern er nämlid vom Verfaſſer herrühren Tann, 
bezw. von ihm weiter ausgedehnt zu fein fcheint.**) 
Schon auf die Entwidehmg der Sage feheint 


*) Sagabibl, 2, 97 —= Lange S. 58°. — Keyſer 
©. 394 meinte umgefehrt, dab eine ältere Ragnarsſaga 
(vgl. übrigens unten S. LVII***) vom Bearbeiter der Vol⸗ 
ſungaſaga benußt ſei. | 

**) Bol. Simons a. a. O. 205. 





XXX 


Einfluß der Nibelungenfage fich geltend gemacht zu Haben. 
Namentlich) gehört Hierher, daß Ragnar wie Gunnar 
im Schlangenhofe jtirbt, jeine Thaten rühmend*), 
jowie dad Ritzen des Blutaars 330**, weil dieſe 
Züge fi) auch bei Saro finden; jchwerlich aber 
Ragnar's Draddenlampf, wie Sijmond a. a. O. ver- 
muthete. Der Sagafıhreiber jcheint diefen Paralle- 
lismus noch mehr ausgedehnt zu haben: die Art, 
wie Adlaug ihre Söhne, die ſich zuerſt weigern, zur 
Rache ihrer Stiefjühne aufreizt, erinnert lebhaft an 
Gudrun's Aufreizung Hamdi's und Sorle's (282 *}); 
Aslaug will die Stimmen der Vögel veritehn wie 
Sigurd, ihr Vater 267 ***,; Sigurd's Erflärung für 
da3 keuſche Beilager (133*) jcheint aus einem Zuge der 
Ragnarsſage entnommen zu fein u. |. w. 

Sodann fommt die Gleichheit des Stils 
in Betradt. Daß in dem größten Theil der Vol- 
fungafaga der Stil von dem der Ragnardjaga ver: 
fchieden ift, Hat ſchon Sijmons ©. 204 f. mit 
Recht daraus erklärt, daß der Berfafier hier un- 
jelbftändig arbeitete, indem er ſich den benußten 
Liedern oft recht getreu anſchloß. Wo er indeffen 
jelbftändig fchreibt, zeigt ſich ein ziemlich ftereotyper, 
zur Bormelhaftigfeit neigender Stil, der weſentlich 


*) Vgl. ©. 311 f. und dazu Krafumal; ferner 200**, 
3104. 313 *. 353 *, 








XXXI 


mit dem der Ragnarsſaga übereinſtimmt, wie ic) 
Ihon Germ. 24, 356 an einigen Beijpielen zeigte. 
Ich kann jet Die Belege bedeutend vermehren. 
Auf die Formelhaftigkeit des Stils, foweit der Ver- 
fafjer jelbftändig erzählt, Hat ſchon Siimond ©. 229 
gelegentli) hingemwiejen. Sie läßt fi aber durch 
die ganze Saga hindurch nachweijen.*) Dafjelbe gilt 
von der Ragnarsſaga und zwar au den angeführten 
Gründen in noch höherem Grade. Namentlic) kehren 
hier beitimmte Wendungen wieder, wo feindliche 
Ueberfälle, Heeregaufgebote zur Vertheidigung, der Zu⸗ 
jammenftoß der Heere, der Kampf ſelbſt und deſſen 
Ausgang gefchildert werden **), aber auch in anderen 


*) Hier nur wenige Belege, da fi unten S. XXXII ff. 
mehr finden: 38** — 25'. 58%. 77**. — 17,11 = 14811. 
176 1. — 157 %* — 159 **, 181%, 186°. 1914. — 64,7. — 
107, 10 ff. — 21*-" vgl. 194 F7 bi? 195°. — Wenn hier 
ın Einem der verglichenen Fälle nachweislich eine Liedquelle 
zu Grunde liegt, fo ift died allerdings auch in den anderen 
Fällen möglid; doch kann aud) der Verfaffer jene, in dem 
Einen Falle auf feiner Duelle beruhende Ausdrucksweiſe an 
den anderen Stellen nachgeahmt Haben. 


**) Ich wähle bier zu Belegen nur Beifpiele für die 
eriten beiden Kategorien aus, indem id) für die anderen auf 
S. XXXII ff. verweiſe: 273, 10 ff. (Fas. 260, 8 ff.): lands- 
menn urdhu varir vidb [= 44,15) ... ok segja Eysteini 
konungi, at herr var kominn f landit [vgl. 79, 15] = 290, 
10 f. (Fas. 270, 10 f.): menn komast undan & fund Ey- 





XXXII 


Fällen.“) Sehr Häufig greifen nun ſolche Ueber: 
‚einftimmungen au der Boljungafaga in die Ragnard- 
ſaga hinüber; für diefe Fälle, weil für die in Rede 
ftehende Frage am wichtigften, will ich hier reich 
lichere Belege zufammenftellen. Am beiten denfe id} 
die Formelhaftigkeit der Ausdrucksweiſe zu veran— 
Ihaulichen, indem ich die beiden Tängjten Kampf- 
ſchilderungen nebeneinanderstelle und in Biffernoten 
darunter die übrigen Parallefftellen anführe: 


56,5—57,2; 57,8—-10(8.| 80,2—81,1;81,5—7.9—14 
107, 3—14): settu upp mer- (B. 118, 2—23): stefnir til 
ki sin!, ok var thä& bläsit {|sin Ööllum theim mönnum er 
'lüdhra®?. Sigmundr konungr |honum vilja lidh veita’®; 


steins konungs ok segja honum, at i riki hans var kom- 
inn mikill herr. — 308° vgl. 48,5 f. — konungrinn 
lsetr fara örvarbodh um riki sitt (273, 13 f. — Fas. 260, 
10; 291 * — Fas. 270, 17 f.; vgl. 79,21 f. = B. 118, 1; 
48° = 3. 104,1 f.) ok stefnir öllum. til, theim er hans 
menn eru ok honum vilja lidh veita (291,2 ff. = Fas 
270,18 ff.; 321,9 — Fas. 287, 19) ok skildi megu valda 
(291, 3 f. = Fas. 270, 20; vgl. 808,6 fi. = Far. 
280, 22: er skildi mä& valda ok hesti at ridha ok thori 
at berjast; 320** — Fas. 28712; 491 — B. 102, 2 f.: 
siti sä& engi heima, er berjast vili). Dieje Wendungen 
finden fih mehr oder minder wörtlid) in Thidr. s. wieder, 
ſ. u. ©. XXXVII*. 

*) 2.8. 231,10 fi. — 263, 1 ff. — 273 + — 290*. 
296**, 320*. — 279,8 ff. — 316,9 ff. — 239 — 
292 **. — 285 ** — 328*, 





XXXIII 


lætr nü vidh kvedha sitt Kemr nü & möt Sigurdhi 
horn...*) [ok eggjar sina |medh allmikinn her'®... 
menn°; hafdhi Sigmundrlidh | tekst thar in hardhasta orr- 
miklu minna?; tekst thä nü | osta medhtheim°; mätti thar 
hördh orrosta°, ok... bardh- | & lopti sjä& mart spj6t ok örv- 
ist hann nü hart ok var|armargar°, öxi hart reidda, 
jafnan fremstr sinnamanna®°; |skjöldu klofna ok brynjur 
heizt hvärki vidh honum | slitnar, hjalma skffdha, hausa 
skjöldr ne brynja”’, ok gekk |klofna ok margan mann 
hann jafnan i gegnum lidh | steypast til jardhar.**) [Ok 
üvinasinnaä theim degi®....| er orrostan hefir svä stadh- 
mart spjöt var thar & lopti it mjök langa hridh '®, soekir 
ok örvar°; en... hann vardh | Sigurdhr framm um merk- 
ekki särr!®, ok engi kunmnilin... ok hefir bädhar hendr 
töl. hversu margr — blödhgarttilaxlar?*, ok stökk 
fell fyrir honum!!; hann | undan folk, thar sem hann 
hafdhi bädhar hendr blödh- | för'”, ok helzt hvärki vidh 
gar til axlar!*; ok er orr- |hjalmr n& brynja”, ok engi 
ostan hafdhi stadhit um | madhr thöttist fyrr set hafa 
hridh, th&’®..... sidhan | thvilikan mann"? ... fell thar 
sneri mannfallinu ... ok fell|svä& mart fyrir Hundings- 
mjök lidhit fyrir honum '. | sonum at engi madhr vissi töl 
Konungrinn... eggjadhi mjök | &'!.... Sigurdhr höggr til 
lidhit?... [ok lykstmedh thvi | Lynga konungs ok klyfr 
sj& bardagi, at!°... 38.100, | hjalm hans ok höfudh ok 
22]... fell Sigmundr ko- |brynjadhan bük, ok sidhan 
nungr.... fööndverdhri fylk- |höggr hann Hjörvardh ... 
ingu [= Fas. 261, 12] ok | sundr { tvä& hluti***), ok thä 
mesti hluti lidhs hans?*, [drap hann.... mestan hluta 
lidhs theira!*, 
*) gl. Thidr. s., wo ſolche Wendungen oft begegnen (Germ. 25,153). 


**) Wörtli übereinfiimmende eg ae Jan ns formelhaft 
in der Thidr. s. (f. Germ. 235, 152 und unten 1*). 


***) Hierzu vgl. gleiche und les Saiterungen Me der Thidr. s. 
(f. Germ. 25, 152 und unten ©. X I*). 


C 








XXXIV 


1) Vgl. ©. 329, 3. 6 der Sternnoten. — 2) 321, 8 (Pas. 
287, 19). — 3) 1943 (8. 175,10); 212 (B. 91,18 f.). — 
4) 309, 9 I: (Fas. 281, 6); Ragnarr hafdhi miklu minna 
lidh umd er. diter. — 5) 49,5 (8. 104, 5 f.); 21,2 f. 
(B. 91,12 f.); 41, 11 Se 100, 20) 21. — 6) 41,12 f. (8. 
100, 20 f.); 42, ı f. (B. 100,26 f.): ok gengr Helgi i 
gegnum fylkingar theira bradhra (vgl. Anm. 8) ok 
scekir at merkjum sona Hundings konungs ok feldi ... 
(vgl. ©. 104, 6. 8-10); 192, 8—11 (B. 174,14 f. 18% 
329,8 f. (Fas. 291, 30): ganga their hart fram synir 
Ragnars i gegnum fylkingar Elia konungs (vgl. Anm. 8). 
— 7) 309, 14—17 (Fas. 281, 10—12). — 8) 21,5 f. (©. 91, 
14 ff.): Völsungr konungr ok synir hans gengu ätta 
sinnum i gegnum fylkingar Siggeirs konungs um dag- 
inn; 42,1 f. (8. 100,26); 49, 5 (®. 104,6); 192,8 f. 
(8. 174, 16): Gunnarr ok Högni gengu i gegnum fylking- 
ar Atla konungs; 275,12 ff. (Fas. 261, 12 %): Eirekr ok 
Agnarr vöru i öndverdhri fylkingu thann dag, ok opt 
gengu their i gegnum fylkingar Eysteins konungs; 
309, 13 f. (Fas. 281, 9): ok gekk hann i gegnum fylk- 
ingar thann dag; 329, 8 f. (Fas. 291, 30). — 10) 309, 
17 ff. (Fas. 281,12 ff.); vgl. 2194. — 11) Bgl. 321 ** 
(Fas. 287, 21 f.) — 13) 309, 10 f. (Far. 381, 7); 329, 8. 7 
der Biffernoten: en er skamma stund hefir stadhit bar- 
daginn, th& ... — 14) 329, 3. 8f. der Biffernoten ; 21,9. 
(B. 91,17 ff.), vgl. 194 (B. 175, 14 f.): ok lykr sva, 
at fellr allt lidh theira bredhra; 310, 2 ff. (Fas. 281, 
14 f.): hann drap mikinn fjölda af lidhi Ella konungs, 
en tho lauk avä bardaga theirra, at allt idh Ragnars 
fell; 41, 13 (B. 100, 22): ok lykst medh thvi sj& bardagi, at 
Helgi fersigr; en Hundingr konungr fellr ok mikill hluti 
lidhs hans. — 15) 291, 2 ff. Fas. 270,18 ff.): stefniröllumtil, ° 
theim er... honum vilja lidh veita; 321, 9 (Fas. 287, 
19): bidhr til sin öllum mönnum, er honum vilja fylg- 
ja; 486 (B. 104,1—3). Aehnliche Wendungen f. oben ©. 
XXXIL**. — 16) .21,1 f. (®. 91,12). — 17) 309, 12 f. 
(Fas. 381, 8 f.); 294, 15—17 (Fas. 272, 23—25). — 18) Bgl. 
1955 (®. 175, 21)., 1102. 192, 3 ff. — 19) 295, 1 f. (Fas. 
272,27): ok nü lykr svä theirra bardaga, at Eysteinn 
konungr fellr, en, their bradhr hafa sigr; 3212 (Fas. 
287, 23): ok sv& lykr theirra bardaga, at synir Ragnars 
koma & fiötta, en Ella konungr hefir sigr; 3292 (Fas. 
292, 4 f.); 41, 12 (8. 100, 22), ſ. Anm. 14. 


Hierher gehören noch folgende formelhafte Wen- 


dungen: 


219% (B. 186, 24 f.): their vördhust vel 


ok drengiliga ok urdhu mörgum manni at skadha, 
vgl. 36, 2 ff. (8. 98, 10); 275, 10 f. (Fas. 261, 11); 
[310! (Fas. 281, 13)]. — 36, 4 f. (®. 98, 12): 
verdha their ofrlidhi bornir ok verdha handteknir; 








XXXV 


1952 (B. 175, 22): vardh hann ... ofrlidhi 
borinn ok höndum tekinn; 275, 17 f. (Fas. 261, 17): 
verdhr hann ofrlidhi borinn ok handtekinn etc. 
Diefe Zufammenftellimg, die fich leicht vermehren 
ließe, zeigt, daß die Kampfſchilderungen aus formel: 
haften Wendungen zufammengefegt find und für Die 
längeren derartigen Schilderungen in der Ragnars- 
ſaga (294, 11— 295,2; 309, 8—310,5;329, 7—14:c.) 
Satz für Sab zahlreiche Parallelitellen aus der Vol- 
ſunga- und Ragnard-Saga fi) beibringen laſſen. 
Aber auch) außer den Kampfichilderungen find 
die Uebereinſtimmungen zahlreid. Was Die Kriegs⸗ 
botfhaft und das Aufbieten des Heeres betrifft, vgl. oben 
S. XXXI**. Ferner ift anzuführen: 56,18 (B.107,12 
engi kunni töl, hversu margr madhr ... .) vgl. 81* 
(B. 118, 16 f.: fell svä& mart, at engi madhr vissi 
tl a); 321** (Fas. 287, 21 f.: svä& mikit lidh, 
at engi madhr mätti tölu &koma). — 124* (B.142,24: 
meira enn menn vissi demi til) vgl. 79, 16 f. 
(8. 117, 22: meira enn demi finnist til). 204* 
(8. 180, 12: verra enn menn viti doemi til); [277* 
(Fas. 262, 11)]; 335** (Fas. 295, 6: engi vissi 
demi til, hv& mikit). — 64, 11=235***. — 
81, 15 —18 = 2557. — 200% (8. 178, 13: thar 
let hann sitt liff medh mikilli hreysti) vgl. 27817 


(Fas. 263, 13: nü lætr hann lif sitt medh mikilli 
c* 


XXXVI 


hreysti); 313* (Fas. 283, 1: nü lætr hann lif sitt 
[medh hreysti mikilli, Cod. AM 147 — Rsth.]). — Eine 
ähnliche Situation wird ähnlich geſchildert 211, 4 f- 
8f. B. 183, 19 f. 22 f.) und 251} (Fas. 247, 15—17. 
— Bu 111*. 114, 3 (vgl. 316, 7 f). — 122 
1673. 208%. 232°. — 10N1=167!. 26TH. — 
Diefe durchaus nicht erichöpfenden Zufammenftellungen 
mögen hier genügen. 

Sehr wichtig, und ein fchlagender Beweis für 
die Einheit beider Saga’3, ift ihr gleiches Ver— 
halten zur Thidreksſaga. Nachdem Sijmons 
ſelbſt ſeine entgegengeſetzte Anſicht zurückgenommen 
hat (Zſchr. f. d. Phil. 12, 107 f.) find nun wohl 
alle Forſcher*) darin einig, daß die auffallenden 
wörtliden Berührungen der Volfungafaga mit der 
Thidrelsfaga ſich durch Entlehnung der Volſungaſaga 
aus leßterer (nicht umgekehrt) erklären, daß alfo die Vol⸗ 
fungafaga namentlid) das ganze, Wort für Wort überein 
ſtimmende Kapitel 22, außerdem aber auch Heinere Stellen 
mebr oder minder wörtlich auß Thidr. s. entlehnt 
bot. Es betrifft das namentlich folgende Stellen: 1597. 
1671. 181°. Es ift num von befonderer Wichtigkeit, 
daß fich diefen au eine Stelle der Ragnarsjagn 
Hinzugejellt, nämlich 232**, wie ic) Germ. 25, 262 


*) Wilten S. LXXVII ff. ift freilich andrer Anfict. 





XXXVII 


gezeigt habe. Ferner finden ſich die in der Thidreks⸗ 
ſaga formelhaften Wendungen für das Aufbieten eines 
Heeres (Germ. 25, 153) ſowie für Kampfſchilderungen 
(ebd. ©. 152) in der Volſunga-Ragnarsſaga (ſ. oben 
©. XXXIII** und*** wieder”); deögleichen fehrt die 


*) Bu den oben ©. XXXT** mitgetbeilten Stellen (lsetr 
hann fara örvarbodh um riki sitt ok stefnir til sin öllum 
theim er honum vilja lidh veita ok skildi megu valda 
ok hesti at ridha ok thori at beriast) vgl. die Germ. 
"25,153 mitgetheilten Stellen, namentlich: sendir hann bodh 
um allt sitt riki (gft), at allir menn skyldi til hans koma, 
er honum vilja lidh veita ok thördhi at beriast (Unger 
264,7; 273,13) ... at allir skulu til hans koma, their er 
skildi megu valda (Unger 271,6 ff. 89, 19 ff. 31, 1 ff.) ok 
thori at beriast; vgl. Unger 31, 1 ff.: hverr madhr ... svä 
gamall .... at hann mä ridha hest sinn ok bera skiold 
sinn edha thori at beriast. — Zu ©. 80, 8 ff. (B. 118): 
mätti thar sjä... . skjöldu klofna, brynjur slitnar, bjalma 
skifdha, hausa klofna ok margan mann steypast til 
jardhar .... vgl. namentlich Unger 221 f.: set hefi ek 
fyrr hjalma klofna, skjöldu skifdha (fo A), brynjur sundr- 
adhar, ok menn steypast af sinum hestum höfudhlausa 
[til jardhar Unger 8, 9 f.], aber auch die andern, Germ. 
25,152 zufammengejtellten Stellen. — Zu 81,9 ff. (B. 118): 
Sigurdhr höggr til Lynga konungs ok klyfr hjalm hans 
ok höfudh ok brynjadhan bük, ok sfdhan höggr hann 
Hjörvardh .. .. sundr f tv& hluti vgl. Unger 340, 3: 
höggr til Ingrams ok ... klyfr hann bjalminn ok höfudh- 
it ok bukinn ok brynjuna (=linger 290, 28 f. 103, 9 f. ꝛc.). 
Desgleihen für das Zerhauen in zwei Stüde find Germ. 
25, 152 zahlreiche Belege angeführt. Auch) die Wendungen 


XXXVIII 


in der Thidreksſaga zweimal (Germ. 25, 154) vor⸗ 
kommende Wendung ok svä& fast kreistir hann hönd- 
ina, at blödh stökk undan hverjum nagli (Unger 
134, 18; ähulich 22, 20) in der Ragnardjaga 3177 
(Fas. 285, 21 f.) wörtlich wieder: ok hann kreisti 
hana svä fast, at blödh stökk undan hverjum nagli. 
Allgemeine Anklänge des Stils an den der Thidr. s. 
finden fich auch fonft in der Volfinga-Ragnarsjaga*). 
Die Kenntniß der früheren böfen Rathſchläge Bicke's 
(S. 212*) hatte der Verfaſſer doch wohl aus der’ 
Thidrefsfaga, und die mehrfady (35, 4. 230***. 336*) 
zum Berbergen des Gefichted gebrauchten**) tief 
berabreicdenden Hüte werden gleichfal3 in der Thid- 
reksſaga mehrfach erwähnt.***) Die Bezeichnung des 
Wurm ald Iyngormr, die fi) ſowohl in der Vol— 
ſunga- wie in der Nagnard-Saga findet, ift nach 


höggr b&dhi menn ok hesta 80, 14 (8. 118, 10) und 
höggva & tveer hendr 21? (8. 91, 16) finden fich häufig in 
der Thidrefsfaga, 3. B. Unger 147, 16: höggr & tvaer hendr 
bædhi menn ok hesta ꝛc. (vgl. Germ. 25, 153). 

*) 125*, 170%. 67, 15 ff. (ſ. d. Nachtr.). 279*. — 
i nordhrhalfu heimsins 64, 11. 235*** — Thidr. s. Unger 
82,13. 248,5. 

*x) Much bei Odin erwähnt. (14, 23 f. 57,2 f.), der 
ebenfalls auf diefe Weile unerfannt den Sterblichen zu 
erfcheinen liebt. 

x) 3.9, 1,215; 2,361 u. ſ. w. 








XXXIX 


G. Storm (Ragn. Lodbr. 75 f.) wahrſcheinlich erft 
durch die Thidrefsfaga in der altnordifchen Literatur 
befannt geworden. Das Blafen der Hörner (lüdhrar) 
©. 56, 6. 321, 8 wird in der Thidreksſaga Häufig 
erwähnt (ſ. Germ. 25, 153). Die Bemerkung, daß 
Sigmund auf feinem friedlichen Zuge zu Eylime 
überall Kaufgelegenheit geboten wurde (var sett 
torg) erinnert ftarf an Thidr. s., Unger 40, 7 f. 
(nur in M2N): ok ekki rena their. ok eru theim 
allt torg sett at kaupa allt that er their thyrva. 


Dur) das bißher Angeführte ijt meiner An— 
fiht nach erwielen, daß Die beiden Saga's zu- 
fammen Ein Wert bilden und denfelben Verfaſſer 
haben. Es Tiegt aber überhaupt gar fein Grund 
bor, dieſe Thatjache zu bezweifeln; vielmehr fpricht 
auch ſonſt Alles dafür. Sn der alten Hodſchr., auf 
welhe unfere gejammte Weberlieferung zurüdgeht, 
find beide al3 ein Ganzes überliefert, und auch in 
der neuentdecten Hdfchr. kann die Volſungaſaga jehr 
wohl der Ragnarsſaga voraufgegangen fein, ja es 
it da8 wahrjcheinlic), wenn es ſich aud vorläufig 
noch nicht feſtſtellen Täßt.*) 

Ein ausdrücliched Zeugniß kommt Hinzu. In 





*) Vgl. oben ©, III. 


XL 


der Saga von Halfdan Eyſteinsſon (Fas. 3, 521) 
heißt es nämlich von einem gewiſſen We: „man ſagte 
von ihm, daß er der Bruder Heime’3 wäre, des 
Pflegevaters Brynhild's, der Tochter Budle’3, 
deffen in der Saga von König Ragnar Lod— 
brof erwähnt wird.” In dem Theile des ganzen 
Werkes, welchen wir als NRagnarsfaga zu bezeichnen 
pflegen, wird aber Heimi's nur ©. 254 gelegentlich 
gedacht; als Pflegevater Brynhild’3 ift er jedoch nur 
in der fogen. „Volfungafaga” erwähnt. Wir haben 
hier aljo ein ausdrückliches Zeugniß dafür, daß man 
damals das ganze Werk mit Einfchluß der fogen. *) 
„Bolfungafaga” als „Ragnar-Lodbrofd- Saga” be= 
zeichnete. — In diefem Zufammenhange ift auch noch 
zu erwähnen, daß in Halfdan Einarsſon's Scia- 
graphia (ſ. Möbius, Edda ©. XII) rimur des Arni 
Bödvarsfon (c. 1770) erwähnt find, welche „his- 
toriam Volsungorum, Budlungorum, Giukungorum 
et Ragnaris Lodbrok“ behandelten; ferner, daß 
auf den Färden neben den Liedern, welche auf die 
Bolfungafaga zurüdgehn **), fi) auch zwei ***) 
finden, welche Theile der Sage von Ragnar behan- 


*) Der Titel „Volsunga saga“ iſt nämlid) nirgends 
überliefert, aud) wird nirgends eine VBolfungafaga citirt. 
**) S. Lit. Gentralbl. 1877, Sp. 1447; Germ. 22, 445 f. 
*x*) Ragnars tättur und Gestsrima. 





XLiI 


dein, und zwar unjcheinend nach einem älteren, theil⸗ 
weile urfprünglicheren Text der Saga (f. unten ©. 
XLV** und ***). 

Haben wir alſo ftreng genommen fein Recht, 
von einer Bolfungafaga und einer Ragnarsſaga als 
Zhbeilen des ganzen Werled zu veden, fo empfiehlt 
e3 ji doch, dieſe einmal eingebürgerten Bezeich- 
nungen aus praftiichen Gründen beizubehalten. 


Daß unfere Weberlieferung der Ragnarsſaga 
(im engern Sinne) jedenfall3 nicht überall den ur- 
ſprünglichften Text der Saga bietet, zeigt die Ver- 
gleihung der verwandten Ueberlieferungen 
des Stoffes. Es fommen aber dabei. in Betracht: 
thättr af Ragnars sonum (Rsth.), der färöiſche Rag- 
nars tättur nebjt der Gestsrima, fodann der in Cod. 
AM. 147. 4° neuentdedite Text der Saga; ferner 
für den Drachenkampf der Schluß der Herraudsfaga 
[und etwa nod) der thättr von Nornageft für die 
beabfichtigte Romfahrt der Ragnarsföhne). 

Lehrreich ift zunächſt eine Vergleichung des erjten 
Kapitel3 mit dem Anfange des Rsth. und dem Schluſſe 
der Herraudsſaga (H).*) Dieje beiden Berichte find 





*) Ich beſpreche dies Kapitel fo eingehend, weil grabe hier 
ein Urtheil über den Werth unferes Sagatertes zu gewinnen iſt. 





XLII 


weſentlich kürzer als unſer Text der Saga (R) und 
ſtimmen darin mehrfach, zuweilen auch in Zuſätzen 
und Abweichungen untereinander gegen R überein. 
Ein ſchlagendes Beiſpiel fei hier angeführt: Rsth. 
fügt als Bedingung des Jarls Hinzu edha thyrdhi 
at ganga til tals vidı hana fyrir orminum = H: 
sem thyrdhi at ganga i skemmuna til mäls vidh 
hana. Dies fehlt in R, ift aber gewiß echt, weil in 
R (nidht aber in den beiden fürzenden Auszügen, die 
grade diefe Bedingung bewahrt haben) nachher Rag— 
nar mit Thora fpricht, und zwar in einer Strophe.*) 


*) Unter diefen Umjtänden verdienen auch Kleinere 
llebereinftimmungen Beachtung: einum manni H 233, 23= 
Rsth. 346, 1; gipta Rsth. und H, gefa R; deögleichen 
kürzere Faffungen, in denen Rsth. und H gegen R zu- 
jammentreffen: Statt der umftändlichen Erzählung R 237, 18 
bis 238, 4 (Fas. — 233, 8—16 der Ueberfeßung) heißt es 
im Rsth. einfacher und natürlicher: thessi ormr vardh svä 
mikill um sidhir, at hann l& i kring um skemnm- 
una [ok beidh f spordh ser (der legte Sag =R und Ragn. 
t., fehlt in H); H: ok 6x hann avä mikit, athann 1A 
i hring um skemmu hennar. (®gl. R.... hann 6x 
mikit... ok liggr nü {hring um eskit...nü 
liggr hann ütan um skemmuna, svä at saman tök 
höfudh ok spordhr). Dem fürzeren Tert des Bath.=H 
entipricht aud) der Ragn. t. Der Zug, dab das Gold unter 
ihm wächſt, fehlt demnad) in Rsth. und H. — Nach Rsth. giebt 
Ragnar feiner Tochter die Schlange { morgingjöf, nad) H: 
{ tannfe [Erfteres dürfte das urſprüngliche fein: in ent 





XLIII 


Andrerſeits ſtimmt mehrfach H zu R gegen Rsth.”), 
zuweilen auch Rsth. zu R gegen H.**) Daß bei 
der Einführung Thora’3 im Rsth. ımd H grade das 
fehlt, wa$ in R mit der Thidrefsfaga oder Volſunga— 
ſaga übereinftimmt***), ift bemerfendwerth, ſchwerlich 
aber mehr al3 Zufall. Denn die Redaction der Saga, 
welche im Rsth. (und alfo doch auch wohl in H) be- 
nußt iſt, muß ſchon mit der Volſungaſaga in Ver: 
bindung gejtanden habent),. Ebenſowenig ijt aus 


ſprechenden deutſchen Sagen will der Vater jeine Tochter 
felbft heirathen. R 237, 11—14 (Fas. = 233, 1— 3 d. 
Ueberf.) Hat dafür etwas recht Abgeſchmacktes geſetzt. 

*) Daß Thora aller Frauen ſchönſte war; daß der 
Wurm in die Truhe gelegt wird (=Ragn.t.) und ſich fpäter 
in den Schwanz beißt (= Ragn. t.); daß vor Ragnar Keiner 
die That wagte — berichten nur Rsth.=R. 

**) Daß der Wurm fehr ſchön (R) oder goldfarbig (H) 
ift, und daß Gold unter ihn gelegt wird (=Ragn.t.), be⸗ 
rigten nur H=R. Dieje ftimmen aud) ©. 234, 2 f. (s& 
leinn R) RH, their Rsth.) und 234? gegen die Erweiterung 
im Rsth. 345, 18—21 genauer überein. 

+**) 237,9 (Fas.—232+7 d. Ueberf.): jarlinn unni döttur 
sinni mikit = Thidr. s. (ſ. Germ. 25, 155) ; 237, 3—5 (Fas. = 
232, 1—3 d. Ueber.) wörtlich — Thidr. s. (Germ. 25, 262); 
die Erflärung des Namens „Borgarhjort"=Vols. 167°. 208°. 
+) Rsth. kennt Aslaug ald Tochter Sigurd’s mit Bryn- 
bild (346, 23 ff.) ze. — Der in Verbindung mit der Vol- 
fungafaga verfaßte Tert der Saga aber hat eben Die 
Thidreksſaga benugt. Alfo kann Rsth. nicht auf eine Re— 





XLIV 


dem Fehlen anderer Züge*) im Rsth. und H ohne 
Weitered auf die Unechtheit derjelben zu ſchließen. 
Denn Rsth. nd H find offenbar fürzende Auszüge, 
wie ſich denn Rsth. 346, 17 ff. ausdrücklich auf die 
ausführlichere Darftelung in der Saga KRagnars 
konungs beruft.**) Da nun Rsth. und H nicht von 
einander abhängig find***), jo find beide als fürzende 
Recenjionen einer und derſelben ältern Faſſung der 
Saga zu betradgten, die in manchen Punkten von R 
abwich und mehrfach R gegenüber eine urfprünglichere 
Kürzer) bewahrt Hatte. Daß dieſer Text vielfach 
befjere Lesarten hatte al R, zeigt ſich namentlich in 
den Strophen.}}) 


Daction der Saga zurüdgehn, in welcher die Thidreksſaga nod) 
nicht benußt gewejen wäre. Als eine Stüße für Keyſer's 
Anficht (f. oben S. XXIX*, vgl. aber aud) unten S. LVIP** 
darf man Obiges alfo nicht anführen. 

*) Daß dad Gold unter dem Wurme wächſt und zu 
Thora’3 Mitgift beftimmt ift (vgl. übrigend® G. Storm, 
Ragn. Lodbr. 76); die Herrichtung von Thora’3 umzäunten 
Gemache 23277. 

**) Man vergleiche hiermit die unten ©. XLIX**. LXIV 
befprochene Berufung des Nth. auf die saga Sigurdhar. 

*xx) Dies ergiebt fi) daraus, dab bald Rsth., bald H 
allein zu R ftimmt, wie oben S. XLIII* und ** gezeigt iſt. 

Tr) Auch G. Storm (Ragn. Lodbr. 75) findet hier im 
Reth. den „türzeften und echteſten“ Bericht. 


tr) ©. unten ©. L f. 








XLV 


Auch das Exemplar der Saga, nad) welchem 
die färdifchen Lieder gedichtet find*), muß einen 
vollſtändigeren und in mancher Hinficht beffern Text 
gehabt haben, weil der Ragnars tättur**) (Ham- 
merdhaimb ©. 59 ff.) und für die Aslaugſage Die 
Gestsrima***) (ebd. ©. 68 ff.) auf einen ſolchen hinweiſen. 


Lehrreich für das Verhältnig unſeres Textes zu 
den verwandten Weberlieferungen ift ferner die Kleine 
Stelle, wo ich durch Herrn Prof. Bugge's Güte in 
der Lage bin, die neuentdedten Fragmente im Cod. 
AM. 147. 4° [den ih mit AM bezeichne] zu ver: 
gleichen. Der letzten lesbaren Seite in AM entſpricht 
in meiner Meberjegung ©. 329, 2 — 331, 8 (Fas. 
291, 25 — 292, 22) und Rsth, 354, 5—27. Bu: 
nächit, nämlich bis Fas. 292, 12, fchließt ſich AM 
in der Hauptſache an R an, während Rsth. hier viel 
fürzer if. Doch ftimmt auch Hier manches in AM 
zum Rsth., wa3 in R fehlt.7) “Dagegen von Fas. 


*) Vgl. oben S. XL**. 
**) Bel. Str. 41-49 und darüber ©. 239**, Str. 63 
und dazu ©. 252**; Str. 76 ff. und dazu ©. 260*. 

***) Bol, Str. 16 und dazu S. 256***; Str, 26. 84 
und dazu ©. 246°: wenigſtens ift die Faſſung der Geſtsrima 
hier einfacher und anfprechender. 

+) Für R 291, 25—29 (Fas.) bt AM nur: sekir 
til möts vidh thä, fylkja nıı hvarirtveggju vandliga lidh- 


XLVI 


292, 12 (Rsth. 354, 12) ab ſtimmt AM ziemlid) 
wörtlich zu Rsth.,, nur Fas. 292, 13—15 ftimmt 
wörtlich und 292, 12 f. 20 f. 22 f. inhaltlih mit 
AM überein”) Die Halbftropfe aus Sighvat’s 
Knutsdrapa findet ich in AM, dgl. die Tödtung des hei- 
ligen Eadmund ꝛc., |. &. Storm, Ragn. Lodbr. 107. 
Andrerjeit3 hat aber AM auch Züge, die nicht nur 
in R, fondern aud) im Rsth. fehlen und dabei eine 
bon R und Rsth. weſentlich verſchiedene Auffaffung 


inu, setja upp merkin. R 291, 30—292, 3 (Fas.) ijt 
wörtlid=AM, doch hat AM hier einen Saß eingefchoben, 
ſ. unten ©. XLVII*. Zu R 292, 4 ff. (Fas.) lautet AM 
ähnlich: th& lykr sv6 at landsmenn flyja ok f& mikinn 
ösigr [=R, fehlt Rsth.]; en Ella konungr er leiddr fyrir 
Ragnarssonu; hann var särr mjök (=R 292, 18 f., fehlt 
Rsth.). Im Rsth. lautet die Stelle: vardh konungr th& 
borinn ofrlidhi (=AM: medhi thvf at lidhsmunr var 
allmikill), sv at mikill thori lidhs hans fell; [en 
sjalfr vardh hann handtekinn (=R, fehlt AM). R 292, 6f. 
(Fas.) giebt AM ähnlich wieder. R 292, 7-12 ftimmt 
wörtlich zu AM, während Rsth. fürzt. — Rsth. 354, 5f. 
ferr hann nü möti theim broedhrum medh sinn her = 
AM: sekir nü til möts vidh th&. — Rsth. 6f. ok ertheir 
koma saman=R 291, 28 f.: en thegar theira lidh hittist. 

*) Das Riten des Blutaarö wird in AM folgen 
dermaßen gejchildert: reist örn & baki honum ok skar 
rifin fr& hrygginum ok dr6 ur honum lungun = Rath. 
354,12 ff.: rista örn & baki Ellu ok skera sfdhan rifin 
öll fr& hrygginum medh sverdhi, svd at thar vöru lungun 
ütdregin. In R. heißt e8 furz: „that, wie Ivar ihm gebot“. 


XLVH 


von Ivar's Betheiligung am Kampfe zeigen. *) Ferner 
hat AM auch fonft abweichende Lesarten, wo R und 
Rsth. übereinftimmen.**) | 

Sofern es nicht überhaupt voreilig ift, aus 
einem fo Heinen, zur Vergleichung ftehnden Abjchnitt 
Schlüffe zu ziehen, müßte man aus den dargelegten 
Verhältniſſen fchließen, daß in dem beſprochenen Ab- 
ſchnitte Rsth. zuerſt bedeutend gefürzt hat und deshalb 
AM, obwohl auch hier vielfach von R abweichend, doch 
mehr zu R al3 zu Rsth. ftimmt, während in der zweiten 
Hälfte Rsth. feine ‚(AM nabeftehende) Vorlage voll 
jtändiger wiedergegeben hätte, und deshalb Hier mit 
AM weit genauer übereinſtimmt als mit R. Es ift 
beachtenöwerth, daß wenigſtens an Einer Stelle 


*) Entſprechend der Zeile 30 auf ©. 291 Fas. 
(= 329,8 d. Ueberſ.) ift in AM eingejchoben: en er 
skamnıa stund hefir stadhit bardaginn (vgl. 57,1. = B. 
107,14), th& kom Jvarr thar medh mikinn her til möts 
(vgl. 80,4 f. = B. 118,3) vidh broedhra sina. [sneri nü 
mannfallinu { her Ella konungs (vgl. 57,9 f.—=8. 107,19 f.). 
Dem entjprechend ift der Sat medh thvi, at... Jvarr 
kom mjök fi opna skjöldu Ella konungi vor 3. 4 auf ©. 
292 Fas. (= 329,11 f. d. Ueberſ.) eingefchoben, jowie der . 
Sat R. 292,5 f. Fas. (ok — nänd) fortgefallen iſt. Die 
Lift befteht Hier darin, daß Spar feinem Verfprechen gemäß 
Ella nicht feindfelig gegenüberfteht (S. 323, 7), jondern 
ihn im Rüden angreift. 

**) Bol. oben ©. XLV }. 








XLVIII 


(330***, Nachtr.) AM ſicher gegenüber der Ver— 
derbniß in R die richtige Lesart bewahrt hat.*) Da 
num nad) Prof. Bugge's Angabe**), die Hdichr. au 
in den Strophen bejjere Ueberlieferung zeigt ſowie 
mehrfach dem Reth. näher fteht und kürzer ift als 
R, fo darf man wohl die Anficht aussprechen ***), 
daß die neue Hoſchr. eine ältere, theilweiſe Türzere 
Faſſung der Saga daritellt, — der Vorlage des 
Rsth. nahe ſtand. 


Da nun der Rsth. an den beiden vergleichbaren 
Stellen mit zwei ganz verjchtedenen Terten weſentliche 
Berührungen zeigt, ſowohl in der Inapperen Form 
der Darftellung als auch in einzelnen Lesarten, bezw. 
gemeinfamer Erhaltung von Zügen, die in R fehlen; 


*) Auch das iſt übrigens zu beachten, daß der Stil 
in AM aud) da, wo AM von R abweicht, diefelben for: 
melhaften Wendungen zeigt, wie font die VBolfunga = Ragnars- 
faga; vgl. 3. B. XLVIM. 

**) Natürlich konnte ich Heren Prof. Bugge nit zu⸗ 
muthen, die einzelnen, mit unendlicher Mühe von ihm ent- 
zifferten Broden mir zu jehr mohlfeiler Ausnutzung zu über- 
lafien. Hoffentlich macht er ſelbſt Alles von ihm Geleſene 
recht bald der Forſchung zugänglid). 

***) Unter dem Borbehalt natürlih, daß bei Kenntniß 
reicheren Vergleichsmaterials ſich das Verhältniß noch etwas 
anders herausſtellen könnte. 








XLIX 


da ferner auch die färöifchen Lieder einen in mancher 
Hinſicht beſſern und vollftändigern Text der Saga 
benußt haben müfjen: fo fcheint es ficher, daß unfer 
Tert R feinedweg3 die ältefte, unver— 
fälfhte Safjung der Saga ift. Bielmehr er- 
jheint er als eine jüngere Recenſion, die zu breiterer 
Darftellung neigte, während dem gegenüber die an- 
dern Ueberlieferungen, nämlich) Rsth., AM und H*), 
auf eine ältere, Tnappere und theilweije befjere 
Faſſung **) zurüdgehn. Daß die aud) gegen Die 
Buverläfligfeit unferer Ueberlieferung der Volſunga— 
jaga in Derjelben Hdfjchr. einige Bedenken er- 
werfen muß, ilt jchon oben ©. XXV ** angedeutet. ***) 


*) Falls die Epifode von der beabjichtigten Romfahrt 
der Ragnarsſöhne (Nth. ©. 389 ff) nicht, wie ich annehme 
(j. unten S. XVII), auf mündlicher Tradition beruhen follte, 
müßte fie aud) auf eine ältere, knappere Geftalt der Ragnars⸗ 
faga zurüdgehn. 

*+) Die aber nicht vor unjerer Volſunga-Ragnars⸗ 
jaga beitanden haben kann (f. oben S. XLIII}), jondern mit 
deren ältejter Geftalt identijch fein oder auf diefelbe zurüd- 
gehn muß. Daß übrigens in irgend welcher Form eine 
andere Darftellung der Ragnarsſaga ſchon früher beitan- 
den haben könnte, ift nicht abfolut unmöglich. (Bgl. unten 
6. LVII ** G. Storm (Snorre Sturlassöns Historie- 
skrivning ©. 67) hat eine folche als Theil der verlorenen 
Skjöldungaſaga vermuthet. 

er) Schon Bugge (Einl. zur Edda=- Ausgabe, S. XXXV) 

d 


Beſonders deutlich zeigt fi die Verderbniß 
unferer Ueberlieferung in den Strophen. Bei Ber: 
gleichung der fieben auch im Rsth. erhaltenen 
Strophen (11. 13. 18—22) mit dieſem Texte er: 
weift fich nämlich die Neberlieferung im Rsth. meijt 
als die entichieden bejjere (Str. 11,6. 13,2 f. 21,1. 
22,3 f. 7 f); in einzelnen Fällen (18, 2—4. 19,6. 
21,8) hat allerdingd unfer Text ebenjo viel oder 
mehr für fih. Aber auch, wo wir feine andere Ueber: 
Lieferung vergleichen können, zeigt die Unmöglichkeit, 
mit der Weberlieferung gewifler Verſe einen Sinn 
zu berbinden, die ſprachlichen Ungeheuerlichfeiten und 
Abnormitäten, fowie die metrifchen Berjtöße (gegen 
die Negeln der Silbenzählumg und des Gtabreimd) 
die vielfache Verderbniß unfered Texte. 

Alle diefe Strophen (mit Ausnahme der drei 
lebten, mit denen e3 eine bejondere Bewandtniß hat) 
find in reimlofem Dröttkvatt verfaßt *), wobei ſich 
allerdings hier und da, jedoch ohne feſte Regel, ein 
Binnenreim, beziv. eine Binnenafjonanz eingeftellt hat. 
Diefe Form ift die urſprünglichſte des Drottkvzett 
hat geäußert, es fei „Grund vorhanden zu der Annahme, 


daß die urjprüngliche Redaktionsform nicht in allen Stüden 
ung vorliege.“ 

*) D. 5. fie beſtehn aus je acht jechsfilbigen, in drei 
Takte zerfallenden Berjen mit regelmäßigen Stabreim. Vgl. 
auch Gißlajon, Njäla II. 1, S. 17—19. 


LI 


und findet fich” in jehr alten Staldenftrophen. Doch 
darf man daraus nicht auf dad Alter unjerer Stro- 
phen ſchließen, denn diefelben weiſen durch dad Vers— 
maß beftätigte Spradformen auf, welche einer ver- 
hältnigmäßig jungen Zeit angehören. *) Sodann find 
unfere Strophen in Yorm und Ton völlig gleich 
denen der Krafumal, jene Ragnar in den Mund 
gelegten Liedes, in dem er jterbend feine Thaten be- 
fingt. Die neımten und zehnten Verſe der Strophen 
des Lieded find nämlich unecht.**) Died Lied ift 
nun aber, wie &. Storm ***) wahrſcheinlich macht, 
ſehr jung und wäre nad) Storm jelbft in feiner ur- 
ſprünglichſten Geftalt nicht vor der Mitte des 12. 
Sahrhundert3 entitanden. 

Es entiteht nun die Srage: wie verhalten 
lid die Strophen zur Proſa der Saga? 
Rühren fie vom Verf. der Saga her, find fie alfo 
gleihd alt, d. 5. aus der zweiten Hälfte des 13. 
Sahrh.’3, alfo aus der Zeit, da die Heldendichtung im 
Begriffe war völlig zu verklingen und auch Die 
Skaldendichtung zu Grabe ging? Oder find fie älter 
als die Saga und vom Verf. benußt? Die erftere 


*) 8. B. wird eigi durchweg — „nicht“ gebraudt; 
der Wechfel der Quantität von da zu j& ift eingetreten ac. 
**) S. &. Storm, Ragn. Lodbr. 119. 


+) Ebd. S. 116—121. 
{ d* 





LII 


Alternative ift an ſich wenig wahrſcheinlich und Yieße 
ſich auch wohl geradezu als unmöglich erweiſen. Da- 
gegen fpricht Vieles für die andere Annahme. 

Die Strophen zeigen nämlich zuweilen eine bon 
der Brofa abweichende Auffaffung einzelner Sagen: 
züge, die einer älteren Geftaltung der Sage entjpricht. 
So ericheint in den Strophen Bjorn als An- 
führer der Brüder *) 37,1 (vgl. 339 }. 390**), fo- 
wie auch Bjorn es ift, der in den Strophen 7. 28. 
29 feine und feiner Brüder gemeinfame Thaten 
rühmt.**) In der Proja Hingegen ift Svar zum 
Anführer und MWortführer der Brüder geworden. 
Herner: während ©. 248 drei Bedingungen geftellt 
find, erwähnt Str. 2, 5—8 nur ziveier, und eben 
dDiefe beiden kennt auch der Ragn. t. allein (ſ. ©. 
250*). Mehrfach erwähnen die Strophen Züge, Die 
in der Profa fehlen und vorher in feiner Weiſe er: 
wähnt und erläutert find, z. 8. 5,7 f. (jpecieller 
als ©. 245**); 6,5—8 (jpecieller als ©. 256,4 f.); 
7,4; 21,6. (erſt nachträglich erläutert) ; 37, 5—7.***) 

*) Bgl. G. Storm, Ragn. Lodbr. 51 f. 112. 

Auch im Nth. ©. 390** erjcheint Bjorn als Wort- 
führer und Leiter des Zuges. 

*x*) Das Anerbieten der Bruderbuße, worauf Str. 11,1 f. 
“ anfpielt, wird allerding? in R auch nicht erwähnt, wohl aber 


im Rsth. 348,7 f., wo die Darftellung an diejer Stelle über— 
haupt volljtändiger iſt. 








LIII 


Ferner fcheinen mehrfach die Strophen der Proſa 
zu Grunde zu liegen. So fcheint die ganze Profa 
von Str. 11—14 aus diefen Strophen entnommen 
und zu ihrer Erläuterung bejtimmt zu fein. *) Aud) 
die Proſa vor Str. 30. 31 (©. 331, 8 ff.) — nament- 
lich die plögliche Erwähnung der fonft ganz vergefjenen 
Randalin — macht den Eindrud, als wäre ihr Inhalt 
aus diefen Strophen entlehnt. Ebenfo mag die Proſa 
zwilchen Strophe 8 und 9 aus Str. 9,5 entnommen 
fein. Der erſte Brofafab nad Str. 21 ift offenbar 
zur nachträglichen Erläuterung von 21,6 bejtimmt 
und aus der Strophe entnommen. Das jeltene Wort 
hlunnrodh „Rollenröthung“ ©. 273,3 (Fas. 260,2) 
iſt offenbar au8 Str. 15,6 f. (Fas. 264,8) entlehnt. 
Die Verfe 27,1 ff. (= Saxo) find wörtlich in der 
Profa vor Str. 26 (S. 311?) benußt. Deögleichen 
it ©. 252 „das Hemd, welches Thora getragen 
hatte, und welches ganz goldbefäumt war” faft wört- 
ih **) aus Str. 4,1—3 = 5,1—3 entlehnt. 

Endlich Hat, wie ſchon erwähnt, Saxo ***) ©. 
460,25 ff. offenbar den Verſen 27,1 f. ganz gleich: 
lautende Verſe gefannt. +) Und mit Str. 26 ftimmt 





*) Anderes ift vom Tode Hpitjer!3 auf den Eirek's 
übertragen, |. S. 332*. 276%. 
**) Doch ſteht „Jilberbejäumt“ in der Strophe. 
***) Der gegen Ende des 12. Jahrh. jchrieb. 
+) G. Storm, Ragn. Lodbr. 96. 120 nimmt an, daB 


LIV 


Krafumal 28, neben weſentlichen Abweichungen dem 
Sinne nach, und theilweiſe auch wörtlich überein; 
mit Str. 27 ebenfo Krakumal 26 dem Sinne nach.“) 


Es ift ferner wohl zu beachten, daß die Stro: 
phen keineswegs gleihmäßig über die ganze Saga 
vertheilt find, jondern zufanımengehörige Gruppen 
bilden und zuweilen mit einander in ummittelbarem 
Bufammenhange ftehen. So beſchränkt ſich eine und 
zwar die umfänglichjte Strophengruppe, nämlid 
Strophe 11—22, anf das neunte Kapitel. Str. 
11—14, die Eiref. vor jeinem Tode ſpricht, ftehn 
unter einander in engem Zuſammenhange und fönnen, 





Sarv ein „längeres Gedicht vor ſich Hatte, welches die meijten 
von Ragnar’3 Kämpfen und Siegen aufzählte“. Died war 
nad) Storm die Umarbeitung eines älteren Gedichtes, welche: 
er für ein dänifche® um die Mitte des 12. Jahrh. ge 
Dichtete3 Hält. Gegen letztere beiden Punkte könnte man 
wohl einige Bedenken hegen. 


*) Natürlich können bier nicht etiva die Krakumal — 
die nad) Storm das ältere dänische (?) Gedicht, auf welche: 
auch Saxo's Duelle zurüdgehn ſoll, benugt hätten — in 
unſern Strophen benußt fein, weil fonft die Benußung fid 
ſchwerlich grade auf dieſe z wei Strophen bejchränft haben 
würde. Vielmehr ift ein engerer Zufammenhang zwiſchen 
unferen Strophen und Storm’3 ältefter Ragnars- Dichtung 
(die dann ſchwerlich eine ſpeciell-däniſche geweſen wäre) zu 
vermuthen. 








LV 


wie oben ©. LIII gejagt, einmal ohne die profai- 
ſchen Zwiſchenſätze auf einander gefolgt fein. Str. 
15—16,, die Meldung an ASlaug enthaltend , gehören 
jedenfall3 dazu. *) Die Proſa zwiſchen Str. 14 und 
15 fann jehr wohl zur Verbindung vom Sagafchreiber 
eingejchoben fein: 279,4 ff. ergiebt ſich aus Str. 
17; 279,7—10 und 12 f. ijt formelhaft. *) Auf 
Str. 16 muß eine der Str. 13 ähnliche und in der 
zweiten Hälfte gleiche Strophe gefolgt fein, wie ©. 
280,17 f. zeigt, und auch 280,19 — 281,3 ſcheint 
auf einer (nicht erhaltenen) Strophe zu beruhen. 
Daran ſchließen ſich — etwa mit einem kurzen pro= 
faifchen Zwifchenja wie im Rsth. 349,10 ff. — die 
Strophen 17—22 jehr hübſch an, wie es im Rsth. 
der Fall if. Der Zuſammenhang ift fo viel einfacher 
und natürlider al3 in R, wo Ivar's anfängliche, 
breit ***) motivirte Weigerung, von der er nachher 
doc ablieht, eingejchoben it. 

Eine andere Gruppe bilden die Strophen 23—25 








*) Vgl. auch Str. 13 mit ©. 280, 17 und dazu 
oben 3. 8 ff. 


**) Vgl. S. 316,8—11 x. 

**x) Ivar erzählt im Weſentlichen daſſelbe, was ſchon 
S. 263 f. (vgl. 260 f.) berichtet iſt. Die ganze Aufreizung 
zur Rache ſcheint der Ermanrichsſage (©. 213 f.) nachgebildet 
zu fein. (gl. oben S. XXX). 


LVI 


nebit 26 und 27, Ragnar's Englandsfahrt und Tod 
betreffend. Lebtere beiden, deren Alter dur) Saxo 
und Krakumal beftätigt wird, gehören natürlich zu- 
fammen. Str. 23 und 24, denen man noch anfieht, 
daß fie vom Sagafchreiber feiner Erzählung nicht 
recht gejchickt eingefügt find, jcheinen eng zufammen- 
gehört zu haben, obwohl man das bei der Duntel- 
heit der Str. 24 nit mit Sicherheit jagen kann. 
Bufammen gehören ferner Ragnar's 3 Strophen auf 
Sigurd Sclangenauge, Str. 8—10, und andrer- 
feit3 wahrjcheinlich die drei Strophen (7. 28. 29), in 
denen Bjorn feine und feiner Brüder Kriegsthaten 
preift, und die er nebjt andern, verlorenen Strophen 
bei irgend einer ©elegenheit zufammen gejprochen 
haben wird. Berner ift in Str. 32—37 ein zu- 
fammenhängendes Wechielgefpräch erhalten. Endlid) 
die Strophen 2—5 (und 6) find Wechſelgeſprächs— 
ftrophen zwiſchen Ragnar und Aslaug bei vn Be- 
gegnung (und Bermählung). | 

Uebrig ift dann nod die Einzelitrophe 1 und 
das Strophenpaar 30—31. Die Strophen finden 
jih demnach hauptſächlich in 6 Kapiteln gruppenweiſe 
beijammen: im Kup. 5 (5 Strr.), Kap. 8 (3 Strr.), 
Kap. 9 (12 Strr.), Kap. 14 und 15 (5 Strophen) 
und Kap. 20 (6 Strr.) In den übrigen 14 Ka— 
piteln — von Rap. 21 jehe ich ab — finden ſich nur 


LVII 


6 Strophen, von denen wieder drei (7. 28. 29) 
wahrſcheinlich zuſammengehören. 

Daß übrigens auch ſonſt dem Texte der Saga 
theilweiſe Strophen zu Grunde liegen, iſt oben 
S. LV gelegentlich bemerkt. Es ergiebt ſich das aber 
auch aus den mehrfachen wörtlichen Berührungen 
mit Saro*), die doch wohl wie die gleichartigen 
Uebereinftimmungen der Thidreksſaga mit den alt- 
deutichen Heldengedichten**) jo zu erklären find, daß 
beide Darftellungen in folcden Fällen diejelben oder 
ähnliche Lieder benutzten. Es jcheint aljo, als hätten 
wir in den Strophen der Ragnarsſaga Fragmente 
eined Liederchyklus von Ragnar, den der Verfaſſer 
der Saga wohl noch vellitändiger***) kannte und be= 
nußter), in derſelben alterthümlichen Form des 


*) Namentlih S. 317!. 318'. 3231 (= Saro 462, 18 f.: 
Pferdehaut). 324?-* (= Saxo 462, 22—24) u. j. w. 
Vgl. au) zu Kap. 1: Saxo 443 ff. 

**) S. Germ. 23, 96 ff.; 25, 65 f. 


***) Möglicherweife jogar jchon niedergejchrieben und mit 
proſaiſchen Zwiſchenſätzen, aljo eine Art ältere Ragnars- 
lag. Wie dem auch ſei, jedenfall3 wäre mit einer folchen 
älteren Ragnarsjaga, wenn fie eriftirte, der fnappere, ültere 
Zert unferer Ragnarzjaga, aufden Rsth , AM und H weiien 
(j. oben S. XLIX) nicht zufammenzumerfen (vgl. ©. XLIX**). 

}) Sein Verfahren wäre alfo hier analog dem bei der 
Voljungafaga beobachteten. 


LVIII 


Dröttkvsett, wie ſie auch für die Krakumal wohl ab- 
ichtlich, eben ihres alterthümlichen Charakter wegen, 
gewählt wurde Wie wir und das Verhältniß dieſes 
vermutheten Liedercykflug zu den Krafumal zu deifen 
Haben, darüber enthalte ich mich hier des Urtheil3 und 
vermweije nur auf die oben ©. LIV* ausgeſprochene 
Bermuthung. 


Hinfihtlich ded Alters der Vollunga-NRagnars- 
faga kann ich mich kurz faſſen. Wie für daS ganze 
"Werk die Benußung der Thidreksſaga, jo ergiebt für 
den Theil des Werkes, den wir Volſungaſaga nennen, 
die Benutzung der Liederſammlung nad) der einen 
©eite hin einen feiten Punkt für die Altersbeſtimmung. 
Die Thidrefsfaga ift, wie ©. Storm*) feitgeftellt 
hat und jebt wohl allgemein angenommen wird, bald 
nad) 1250 verfaßt, die Volfungafaga alfo etwa um 
1260 oder ſpäter. Die -Liederfammlung, bezm. die 
derfelben einverleibte Sigurdöfaga, muß um 1240, 
genauer zwiſchen 1230 ımd 1250 entitanden fein.**) 
Eine Begrenzung der Abfafjungdzeit nach der andern 
Seite hin net fi daraus, daß die Voljungajaga 


*) Bars ödsane om Karl den Store og Didrik af 
Bern (Ehriftiania 1874), ©. 93 ff. 


**) ©, oben ©. XIII*. 


LIX 


höchſt wahrfcheinfich *) in der Bearbeitinig der Snorra 
Edda, welche in den Handfchriften r, W u. a. vor- 
liegt, benußt iſt, Die Ragnarsſaga aber im 
thättr af Ragnars sonum (Rsth.) und in der Her: 
raudsſaga. | 
Was die Snorra Edda betrifft, fo Handelt es 
ih Hauptfähli um die kurze Skizze der Nibelungen- 
age in Sfaldflaparmal**), deren größerer zweiter 
Theil außer der Liederfammlung ***) wahrjcheinlich auch 
die Volſungaſaga benutzte. Die in rW vorliegende 
Bearbeitung der Snorra Edda muß aber fpäteftens 
zu Ende des 13. Jahrhunderts verfaßt fein) [dod) 
faum von Dlaf Thordsſon, F 1259). Hat alfo diefe 
Bearbeitung die Volfungafaga benußt, fo muß leßtere 
mindeftend um 1290 herum jchon exiftirt Haben. 
Weniger Anhalt für die Altersbeſtimmung bietet 
der zweite Theil unſeres Werkes, die Ragnarsſaga 
im engern Sinne Daß die Herraudgjaga fie be- 
nubt Hat, Hilft und wenig; ebenſo wenig da3 Citat 
*) S. Germ. 24, 359 f.; Zichr. f. d. Phil. 12, 106 f. 
**) Weber diejelbe j. oben S. XVI*. 


*5*) nd zwar ift zum großen Theil das verlorene Stüd 
derfelben benußt. 
F) Denn die Hoſchr. r gehört dem Anfange des 14. Jahr⸗ 
bundert3 an und gebt doch ſelbſt erſt durch Zwiſchenglieder 
auf dad Original der Bearbeitung zurück (Beitr. 6, 536 f.) 








LX 


in der Saga von Halfdan Eyiteinsfon (Fas. 3, 521), 
ſo wichtig es font auch für un? ift (vgl. oben ©. XL). 
Mehr fchon die Benußung im Rsth., der ſich auß- 
drüdlih auf eine Ragnarsſaga als feine Quelle be 
ruft.) Der Text des Rsth., überliefert im der 
Hauksbok**), ſtammt au den eriten Decennien des 
14. Sahrhundert3 und iſt jedenfall3 vor 1334 ge 
ichrieben.***) Da nun (vgl. oben S. XLI ff.) dieſer 
Auszug auf die ältefte Faſſung der (Volſunga⸗) Ragnars⸗ 
faga keineswegs unmittelbar, fondern durch Vermittelung 
von Zwifchengliedern zurüdgeht, jo gewinnen wir wieder 
das Nefultat, Daß die Saga gegen 1300 ſchon exiſtirt 
haben wird. Die Berufung der Herv. s. (Bugge 292) 
auf Ragn. s. Kap. 11 (Eyjtein herrjchte über Schweden, 
„bis König Ragnar's Söhne ihn füllten, wie in 
feiner Saga erzählt wird“) ftand höchſt wahr: 
ſcheinlich auch ſchon in der Hauksbok, wo Hauk jelbft 
die Saga ſchrieb. Ueber das Verhältniß der Norna- 
geſtsſaga zur Ragnarsfaga ſpreche ich unten S. LXVII. 


*) Nach der Erwähnung des Drachenkampfs heißt es dort 
346,17ff.: „underging es fo, wiein der Saga von König Ragnat 
erzähft ift, daß er darauf Thora Borgarhjort zur Gattin erhielt.“ 

**) Zum größten Theil von Hauk Erlendsfon (71334) 
jelbft gejchrieben. 

***) Hauk jchrieb nämlid) den Rsth. jelbit, vgl. Thorkelsſon, 
Nokkur blödh ür Hauksbök (Reyfjavit 1865), S. XIV, 
wo ©. XV ff. über die Zeit der Niederfchrift gehandelt iſt. 








LXI 


Aud allem Angeführten ergiebt ſich, daß die 
Bolfunga-Ragnarsfaga in der zweiten Hälfte 
des 13. Sahrhundert3, wahrſcheinlich zwiſchen 1255 
und 1290 verfaßt if. Nach der Tendenz der 
Saga ift es wahrſcheinlich, daß fie am Norwegifchen 
König3hofe*), vielleicht auf Zöniglihe Anregung Hin 
verfaßt ift, vermuthlich von einem Isländer.“) Man 
iſt verſucht Hinfichtlich folder Anregung zunächſt an 
König Hakon Hakonsſon zu.denten, „deſſen literarifche 
Neigungen auch fonit bekannt find“ (Sijmons a. a. 
O. 214)***), der aber ſchon 1263 ftarb. Sit Die 
Vermuthung zutreffend, jo müßte die Saga aljo in 
den leßten Lebensjahren dieſes Königs, um 1260 etwa, 
verfaßt fein. Da der Berfaffer die Thidreksſaga 
offenbar fehr genau gekannt hat, indem er nicht nur 

*) Dafür, dab der Verfaffer in Norwegen fehrieb, Tpricht 
auch (wie Schon Sijmons bemerkte), daß es von Heimi heißt, er 
jei mit Aslaug „hierher in die Nordlande”“ (hingat & 
Nordhrlönd), d. h. nad) Norwegen gekommen; ferner die 
Erwägung, daß die Thidrefsfaga wenig abgefchrieben wurde 
und außer den SHoffreifen wohl jelbft in Norivegen wenig 
befannt und populär war, am wenigiten aber auf Island 
(Germ. 23, 84); vgl. aud) unten S. LXII. 

**) S. Sijmons a. a. O. 214. Daß unfere Hand- 
Ihrift isländiſche Sprachformen zeigt, kann nicht Dagegen 
geltend gemacht werden. 

*5*) Außer den Dort angeführten Stellen vgl. aud) 


G. Storm, Sagnkredsene ı. ©. 98; Sard, Udsigt over 
den norske Historie 2, 339. 





LXII 


geringfügige Züge derſelben entlehnt hat, ſondern auch 
in ſeinem Stil merkwürdig mit dem der Volſunga— 
Ragnarsſaga übereinſtimmt, fo haben wir die Ver⸗ 
faſſer nach Raum*) und Zeit**) ſchwerlich weit von 
einander entfernt zu denfen.***) 


Das Verhältniß der Gefhichte von Norne: 
geft (Nth.) zur Lieder- Edda iſt infofern das gleiche 
wie bei der Bolfungafaga, als auch der Nth. die 
Liederfammlung benußt hat.) Doc folgt er der 
Profa meift noch wörtlicher al3 die Volſungaſaga, 


* Bol. oben ©. LXI*. 

**) Eine fo genaue Aneignung des Inhalts und des 
Stil der Thidreksſaga erklärt fi) wohl nur bei der An: 
nahme, daß unjer Berfaffer jene Saga gleich nad) deren Ab- 
falfung ihrer Neuheit wegen mit fo großem Snterefje las. 
Sedenfall3 muß er die Handfchrift felbft vor fich gehabt Haben, 
vermuthlich den Driginaltert (f. Germ. 25, 261 ***; aber 
auch Klodhoff, Studier öfver Thidreks saga af Bern, 
Upfala 1880, ©. 17 f.). 

+) Man könnte fi) fogar zu der Bermuthung ver: 
jucht fühlen, daß der Verfaſſer der Thidreksſaga felbft ſpäter 
die Bolfunga = Ragnarzfaga verfaßt hätte, obgleih ich das 
keineswegs behaupten will. 

T) Wilken hat dieg (S. XC ff.) durdaus mit Unredt 
leugnen wollen, ſ. Germ. 24, 361 f.; Zſchr. f. d. Phil. 
12, 108 ff. 


LXIII 


und andrerſeits hat er nur einen Theil der Samm- 
(ung, die eigentliche Sigurd3faga*), und von dieſer 
auch nicht Alles benußt. Diefer Theil der Sammlung 
muß gemeint fein, wenn der Nth. ©. 3727 fih auf 
die saga Sigurdhar beruft.*) Die Berufung auf 
die saga Sigurdhar, in der, wie e3 heißt, Sigurd’3 und 
Brynhild's Schicfale genauer: gefchildert werden, Hat 
man auf die Bölfungafaga gedeutet, jo neuerdings 
Wilken und Müllenhof (H. Zichr. 23,113). Müllenhof’3 
Anfiht, „daß der Nornengaft nur eine Nachleje zu 
der älteren Saga [der Bolfungafaga] giebt, indem er, 
was diefe von der Proja und den Liedern der Sämundar 
Edda aus der Sigurdäfage überging, zujfammenfaßt, 
ihre bejondere Meinung von der Heimath Sigurd’3 
nad) der herrſchenden Anſicht berichtigt ımd außer 
einigen eignen Erfindungen, Mißverjtändnifjen und 
Ausführungen noch ein fonft unbekanntes Stüd aus 
der Volksſage Hinzuthut, jo daß Kap. 6 feine Ber: 
weifung auf die saga Sigurdhar Fafnisbana ſich un- 
zweifelhaft auf Vols. s. Kap. 20 bezieht“, kann id) 
trotz der abſprechenden Sicherheit, mit der fie aus⸗ 
gefprochen wird, nicht fiir zutreffend erachten. Daß 
die Volfungafaga nicht benutzt iſt, auch mit der 


*) S. Germ. 24, 362 f.; Zſchr. f. d. Phil. 12, 109 f. 
**) Sp auch Bugge, Ein. zur Edda-Ausgabe XLIII. 








LXIV 


„Sigurdsſaga“ nicht gemeint fein Tann, habe ich in 
der Germ. 24, 361 f. und Sijmond in der Zichr. 
f. d. Bhil. 12, 110 f. gezeigt. Die Berufung auf 
die Saga von Sigurd, in der das kurz angedeutete 
genauer erzählt werde, gleicht übrigens ganz genau 
der Berufung des Rsth. auf die ausführlichere Er- 
zählung der Ragnarsſaga. Wie Dort die.bid dahin 
und nachher wieder wörtlich benutzte Ragnarsſaga 
gemeint ift, fo auch hier der vorher und nachher 
wörtlich außgejchriebene Theil der Liederfammlung, 
welchen ih — eben nach diejen Citat — als Die 
Sigurdsſaga bezeichne. Im Uebrigen iſt es nicht 
richtig, daß der Nth. einen Nachtrag zur Volſunga— 
ſaga Tiefere, denn einerfeit3 ift ein großer Theil 
der Negindmal, die Nth. vollitändig wiedergiebt, 
auch in der Bolfungafaga benugt*), und hat ferner 
Nth. 369, 6—371,1 neben der Schilderung vom 
Kampfe Sigurd’3 gegen die Hundingsſöhne (©. 
79,10— 81,12) eine ganz **) abweichende Schladht- 
Ichilderung bei derjelben Gelegenheit. Andererſeits 
„faßt“ Nth. keineswegs „Alles zuſammen, was Die 


*) Nämlich S. 65,15; 75,7—76,3; 77, 7—79,10; 
81,12—15. 

**) Abgeſehen von ein Paar formelbaften Wendungen, 
die 3. Th. aus Regm. 26,5 f. und der vorhergehnden Proſa 
entnommen find. 


LXV 


Bollungafaga von der PBrofa und den Liedern der 
Sämundar Edda aus der Sigurdäfage überging.” Viel: 
mehr ift es Har, daß der Grund zur Auswahl einzelner 
Stüde anderswo lag, darin nämlich, daß Geft natürlich 
nur das ausführlich erzählen Tann, was er jelbft mit 
eriebt haben fonntee Deshalb mußte die „Vorge— 
ſchichte des Hortes“ ausfallen, weil Nornageit fie 
nit mit erlebt haben konnte, und die Gefchichte 
al3 Erzählung Regin’3 wieder von Nornageit 
erzählen zu lafjen, doc zu abgefchmadt geweſen 
wäre. Deshalb ward die Tödtung Fafni’3 und 
Regin's, die Erweckung Sigrdrifa's natürlih nur 
furz angedeutet, mit Hinwei3 auf die außführlichere 
Schilderung in der hier wie auch fonft bemußten 
Sigurdsſaga. Deshalb mußte die Erwerbung Bryn- 
hild's durch Sigurd- Ounnar übergangen werden fo- 
wie auch der Bank der Königinnen, die Geſpräche 
an Brynhild’3 Bette, die Mordpläne Gunnar’ ꝛc. 
Auch von Sigurd's Ermordung”), im Schlafgemad) . 
konnte Nornageft natürlich nur von Hörenfagen wifjen:c. 
Mit Brynhild's Tode bricht feine Darftellung ab, 
wie auch die saga Sigurdhar damit gefchlofjen Haben 


*) Weber dieje konnte Nornageſt die verfchiedenen in der 
Sammlung zujammengeftellten Berfionen ebenfalls neben- 
einander berichten; der Berfaffer der Bolfungafaga mußte fiir 
feine zufammenhängende Darftellung ji) an Eine halten. 

e 





LXVI 


wird. Die Erwähnung des Todes der Gjufunge 
(S. 379) Tann fih auf den furzen Schlußſatz oder 
Nachtrag zur Sigurdsſaga beziehn, der al3 Dräp 
Niflunga in der Sammlung bezeichnet ift. 

Die Sigurdfaga wird früher für fich beitan- 
den Haben umd vom Sammler als Ganzes feiner 
Liederſammlung einverleibt fein.*) Ob der Verfafler 
der Geichichte von Nornageit fie etwa noch als be 
fondere Saga — was keineswegs undenkbar wäre**) — 
oder als Abjchnitt der Sammlung mit bejonderer 
Ueberſchrift fannte, ift jchwer zu entjcheiden. In 
letzterem Falle hat er jedenfall® nicht mehr als die 
Sigurdsſaga zum Gegenftande der Erzählungen Norna- 
geft’3 machen wollen, da er nur dieſe ausführlid 
und in wörtlihem Anjchluß an die Sammlung **), 
vom Untergange der ©jufunge F) und der Exrmarn- 


*) Diefer von mir zuerſt aufgejtellten Anficht Hat ſich 
neuerdings auch Sijmond (Zichr. f. d. Phil. 12,111 f.) an: 
geſchloſſen. 

**) Da der Sammler die von ihm benutzte Handſchrift 
der Sigurdsfaga doch ſchwerlich vernichtet haben wird, fo 
fonnte dieſe jelbft oder eine fpätere Abſchrift von ihr dem 
Berfafier des Nth. immerhin vorliegen (vgl. jedoch Sijmons’ 
Bedenken a. a. ©, 112). 

***) S. Germ. 24,362 f.; Zſchr. f. d. Phil. 12,109 ff. 


+) Abgejehen von der Anipielung &. 379, über die oben 
8. 1 ff. zu vergleichen ift. 





LXVII 


richsſage aber nicht daS Geringſte wiedergiebt, Die 
Helgejage hingegen nur ganz flüchtig berührt. | 

Unter dieſen Umständen ift es ſehr auffallend, 
daß am Ende des achten Kapiteld noch die beabjich- 
tigte Romfahrt der Ragnarsſöhne ziemlich) ausführ- 
(ih und mit wörtlichen Anklängen (S. 390%. 390, 10 f.) 
an die Ragnarzjaga ſich anfchließt. Hätte der Verf. 
wirklich die Volſunga-Ragnarsſaga gekannt, jo wäre 
es doch höchſt jeltfam, daß er nächſt Sigurd’3 Ge- 
Ihichte grade nur diefen verfehlten Zug und nichts 
von den fiegreichen Kämpfen der Ragnarsföhne und 
namentlich Ragnar's felbjt angeführt hätte Auch 
iit die Erzählung neben begreiflichen Webereinftim- 
mungen in wejentlihen Zügen doch im Einzelnen fo 
abweichend, daß fie höchſtens auf eine ältere, ab- 
weichende Faſſung der Saga zurüdgehn könnte. 
Wahrjcheinlider aber ift mir, daß die Epijode aus 
mündlider Tradition in den Nth. aufgenommen 
ift (gl. auch Sijmons, Bir. f. d. Phil. 12, 112). 
Da dieje Heine Epifode übrigend der Anlage des 
Ganzen *) wenig entſpricht, jo bin ich geneigt, fie 
für eine fpätere Interpolation eines Abfchreiberd zu 
halten, der allenfalls eine ältere Geftalt der Ragnars— 
faga gekannt haben könnte. 

*) Es war offenbar urfprüngli nur auf Züge der Si- 


gurdsfage abgejehen. 
. e * 








LXVIU 


Der eigentlihe Inhalt, Nornageſt's Sagener- 
zählungen, umfaßt nur die Kapitel 3—8, Kap. 9 
ift ein Uebergangskapitel, das Vebrige entfällt auf 
die Einfleidung, die der großen Saga von Dlaf 
Tryggvaſon angehört. Die wejentlihen Züge dieſer 
Einfleidung — ein langlebiger Rede fommt an den 
normegifchen Königshof und erzählt feine Erlebniffe 
im SHeldenzeitalter — finden ſich auch in zwei ver- 
wandten Gejchichten wieder, die fi) an die Perſon 
Olaf's des Heiligen Tnüpfen. *) Auffallend ähnlich 
it da3 Auftreten Tofe’3 bei Olaf II (dem Heiligen) 
Flat. 2,135 ff., ähnlich auch das Erfcheinen eine 
Fremden, der fih ebenfall3 Geſt nennt, bei dem= 
felben Könige Flat. 2,134 f. In diefem Geft er- 
fennt der König Odin und wirft mit dem &ebetbuch 
nad ihm; Geſt aber verfchwindet. Letztere Büge 
jtimmen wieder zu dem Erjcheinen Odin’3 unter dem 
Namen Geft bei König Heidref in der Hervararjaga 
(Bugge ©. 234—264 = Getspeki Heidhreks). Auch 
hier wird Odin zuleßt erfannt und der König fchlägt 
mit feinem Schwerte nad). ihm; Odin aber entfliegt 
als Falke. Aus diefen verfchiedenen Faſſungen des- 
jelben Stoffes ergiebt fi, wie jhon B. E. Müller **) 
mit Recht ſchloß, daß der Grundftoff älter ift; ferner, 


*) Sagabibliothef 2,116 ff. = Lange ©. 82 ff. 
xx) GSagabibliothef 2,119 = Lange ©. 86. 





z LXIX 


daß der bei einem chriſtlichen Könige erjcheinende 

langlebige Heidenrede urfprünglid Odin felbit tar. 
Tie Sage Tnüpfte fi) an die beiden Olafe, wahr: 
ſcheinlich zunächſt an den erſten Dlaf (Tryggpafon), 
der zuerſt mit der Einführung des Chriſtenthums 
energiſch durchdrang.*) Mit dieſem Stoffe ſcheint 
ſich ein anderer älterer Sagenſtoff verbunden zu 
haben, die Sage von dem Lebenslicht **), für deren 
hohes Alter die Uebereinftinnmung mit der Meleager- 
fage zeugt (j. ©. 395*. Da nun fon in der 
Heimskringla (Dlaf’3 Saga Tryggvafon’s, Kap. 71) 
Odin ebenfall3 ohne Namen, einfach als „der Gaſt“ 
(gestr) bezeichnet, bei Dlaf Tryggvaſon erfcheint und 
diefem zu feiner Freude Geſchichten aus dem Helden- 
zeitalter erzählt; da andererjeit3 der Mann mit dem 
Lebenslicht fi) Nornen-Gejt nennt: fo fcheint die 
Verbindung der beiden Stoffe ſich in einer Zeit voll- 
zogen zu haben, al3 die Geſchichte von Erjcheinen 
eines alten SHeidenreden (urſprünglich Odin's) bei 
einem chriſtlichen Könige ſich ſchon an die Berfon 
des erjten Olaf geknüpft Hatte. Die ältefte Faſſung 
des Stoffes in diefer Geftalt liegt in der Heims⸗ 
fringla (j. oben) vor. Da der Gajt in unferer 








*) Dies ift auch PB. E. Müller’ 3 Meinung. 
**) Dies iſt die Anfiht Wilken's (S. XCIX), der idy 
zuitimme. 


LXX 


Faſſung getauft werden fol, kann er natürlich nicht 
al3 Odin, der als böfer Geift aufgefaßt wurde, ein- 
geführt werden. Schon Willen ©. C hat richtig 
bemerft, daß dieſe Seite im Weſen des ſeltſamen 
Sremdling3 fich in der Erſcheinung des Mlfen ©. 
345 ff. abgezweigt hat. 

Mag nun die Geichichte von Nornageft als 
vormal3 jelbjtändige Geſchichte von Dlaf feiner Saga 
einverleibt oder erſt mit diefer Saga entftanden fein; 
mag jie in urfprünglicher Gejtalt oder ſchon bear- 
beitet und interpolirt vorliegen: ſchwerlich wird bei 
der Alter3frage die vorliegende Geſtalt de3 thättr 
von der großen Olafsſaga getrennt werden fünnen. 
Dieje ift aber nah RK. Maurer *) etwa um 1300, 
etwas früher oder etwas fpäter verfaßt. In diefer 
Zeit hätten wir alſo auch die Geſchichte von Norna- 
get, wie fie und vorliegt, entjtanden zu denfen, 
wenn nicht erjt eine fpätere Bearbeitung der Saga 
die Epiſode einjchob. **) 


Einige ganz allgemein gehaltene Bemerkungen 
über die nordiſche Geftalt der Nibelungenfage, ihre 





*) Weber die Ausdrücke: altnordifche x. Sprache, S. 192. 


**) Sie iſt nämlich außer in der interpolirten Flateyj- 
arbök nur in S erhalten. 


LXXI 


Geſchichte uud ihr Verhältniß zu den deutſchen Sagen- 
fafjungen mögen diefe Einleitung jchließen. 

Die Nibelungenfage liegt und in drei Haupt- 
geftaltungen vor: 

1) der nordifchen, mit der wir es hier zu thun 

haben; 

2) der niederbeutfchen, hauptſächlich in der alt= 
nordischen Thidrefsfaga *) erhalten, welche 
bald nad) 1250 in Norwegen nad) nieder- 
deutſchen (genauer niederſächſiſchen) Sagen 
und Liedern niedergefchrieben ift [überjegt in 
Bd. 1 und 2 diefer „Heldenfagen“]; 

3) der oberdeutihen, hauptſächlich repräfentirt 
durch das Nibelungenlied und die verwandten 
mittelhochdeutjchen Heldengedichte. **) 

Die niederdeutjche und oberdeutiche Sagenfafftung 
laſſen fich der nordifchen gegenüber als .die deutſche 
Sagengeftalt zufammenfajjen, injofern nämlich umter 
Anderm namentlih eine weſentliche Umgeftaltung 
der Sage***) beiden gemeinſam ift. 

*) Hier doch vielfach mit oberdeutfcher Sage untermiſcht. 
**) (Eine befondere Stellung nimmt das Sigfridglied ein 
und der fog. „Anhang zum Heldenbuch“. (Nach Müllenhof, 
9. Zſchr. 23, 155 vertreten fie die fpätere rheinfräntijche 
Veberlieferung.) Beſonders alte Züge des Mythos haben 
die Märchen erhalten 2c. 
***) S. "unten © LXXIX |. 








LXXII 


- 


Diefen Vorbemerkungen folge ein in großen 
Zügen entworfener Abriß der Geſchichte der Ni- 
belungenfage bis zu der Geftaltung, welche fie in den 
ülteften nordiſchen Quellen zeigt.*) 


Uralt ift die eigentliche Sigfridsſage. Sie be— 
ruht auf einem Naturmythos. Weder Baldr noch 
Frey, mit deren nordiſchen Mythen die Sigfridäjage 
auffallende Uebereinſtimmung zeigt**), it in Gig- 
frid vermenschlicht, fondern der Mythos reicht in 
eine Beit zurüd, da Wodan als Himmels- und 
Sonnengott noch alle die Mythen auf fich vereinigte, 
welche fpäter durch Spaltung 3. Th. auf Baldr und Frey 
übertragen wurden: Sigfrid ijt eine Hypoſtaſe Wo- 
dan’3, d. h. durch Abzweigung einer Seite vom Weſen 
des Gottes wie fo viele andere Götter- und Helden- 
gejtalten entitanden. Am meiften entjpricht der 
Sigfridsfage der Mythos in dem eddilchen Liede 
Fjölsvinnsmäl, der feinen beitimmten Gott nennt, 
aber den Skirnismal nahe ſteht. Dieſem Mythos 
entjprechen unfere deutjchen Märchen, die wir „Sig: 





*) Dieje Darjtellung beruht auf jahrelanger, eingehnder 
Beichäftigung mit der Sage. Die Motivirung einzelner 
Punkte muß ic) mir aber für eine andere Gelegenheit vor- 
behalten. 


x**) Namentlich) mit dem Freymythos in den Skirnismäl. 








LXXIII 


fridsmärchen“ nennen*), in vielen Zügen noch auf— 
fallend. **) Aus ihnen in Verbindung mit den 
anderen Quellen ergiebt fich folgende Grundform 
der mythiſchen Sigfridsfage: Sigfrid wächſt im 
Walde auf, tödtet den Drachen mit einem bejondern 
Schwerte, gewinnt den Hort und erlöjt die Jung⸗ 
frau. Dann geräth er in die Gewalt dämonifcher 
Vejen***), der Nibelunge, die ihn mit Zauber (durch 
einen Liebeötrunf) in ihr Neb Ioden, die erlöfte 
Sungfrau für fi) erwerben und den Hort durd) 
Sigfrid’3 Ermordung wieder an jich bringen. Diefe 
Dämonen (Alben) find nämlich im lebten Grunde 
diefelben Nibelungen wie die, aus deren Gemalt 
Sigfrid die Jungfrau befreit und denen er den Hort 
abgewinnt. 

Sp die Grundform der mythiſchen Sage, die 
ſich immer menfchlicher, immer mehr zur reinen 
Heldenfage geitaltet. Die Nibelunge werden zu 
rheinischen Königen, doch an Hagen haftet noch das 








*) Namentlich bei Grimm n° 50. 60. 90. 91. 92. 93. 
111, vgl. Raßmann, Heldenjage 1, 360 ff. 

**) Diefen Punkt denke ich bald einmal eingehnder zu 
behandeln und verweife vorläufig auf Chevalier, Das eddifche 
Lied Fiöljvinngmal (Mies 1874), ©. 6. 15 ff. 

*x*) Vermenjchlicht erjcheinen dieje in den Märchen als feine 
faljchen Brüder, in der nordifchen Sage als feine Bluts- 
brüder. 


LXXIV 


dämoniſche Weſen. Er ift Daher nur ein Halb- 
bruder*) Gunther’d. Seine albiſche Abftammung 
wird in der Thidreksſaga Kap. 169 (I, ©. 1 f.) 
erzählt und blidt dort auch ſonſt noch deutlich genug 
durch. Auch Grimhild- Gudrun muß urjprünglid 
ein dämonifches Wejen, eine Albin oder ee, ge 
wejen fein, die Sigfrid mit Zauber an fidh feljelte. **) 
Der Bergefienheitätrant, der urjprünglich gewiß ein 
Liebestrank war, ift ein Reit davon. Mit der Zeit 
ward aus der Albin eine jchöne Königstochter, und 
dad dämoniſche Weſen ging ganz auf die Mutter 
iiber. So fommt es, daß in der deutfchen Gage 
die Tochter, in der noxrdifchen Aber die Mutter 
Grimhild Heißt. Diefe reicht den Bergefjenheits- 
trank. Daß aber urjprünglid) ein Liebestranf ge- 
meint war, zeigt ©. 125, 15 f. verglichen mit dem 
färöifchen Brynhildliede 116. 137 ff. 

Sp ungefähr mochte in ihrer rheinfränfischen 
Heimath die Sage fich ausgebildet haben, als aus 
dem burgondifchen Nachbarreiche**) im Sahre 437 die 
Kunde kam, daß die Burgonden unter König Gundi- 








*) Im Wealtharius wird Hngen von König Gibich ftatt 
feines eigenen Sohnes vergeijelt. 
**) Hier berührt fih die Tannhäuſerſage mit unjerm 
Mythos. 
***) Die Burgonden jagen damals um Worms, welde 
Site fpüter die Franken einnahmen. 











LXXV 


carius (—=Gunther) von den Hunnen gänzlich ge- 
Tchlagen worden und ihre Königsfamilie beinahe völlig 
vernichtet.*) Dieſes Ereigniffes bemächtigte ſich die 
Sage Sn der Sage war ed natürlich Attila felbit, 
der dad Königshaus der Burgonden vernichtet Hatte. 
Und wieder nach etlichen Jahren (453) drang eine 
gewaltige Kunde durch Die deutfchen Lande: Attila 
war in der Hochzeitönacht neben feiner jungen Ge— 
mahlin Ildico (d.' i. Hildifo, Deminutiv zu Hilde) in 
feinem Blute ſchwimmend todt gefunden worden: 
trunfen wie er war, war er an einem Blutſtrom, der 
ihm Häufig aus der Nafe drang, erjtidt. Bald aber 
hieß es ſehr erflärlicher Weiſe, Attila jei trunfen von 
feiner Gattin ermordet worden, natürlich aus Rache. 
Aber was Hatte fie zu rächen? Diefe Frage beant- 
wortete die Sage verjchieden. Eine Ueberlieferung lau= 
tete, fie habe ihren Vater gerächt, dem Sie entführt fei.**) 
In der Heimath unferer Sage aber dachte man an den 
ungerochenen Untergang der burgondifchen Könige durch 
Attila. Hier traf Attila eine Rache ohne Motiv. Was 
Wunder, daß man beides verband: Hildifo (Hilde) 
batte die Burgondenfönige, ihre Brüder, an Attila 
gerächt. 

*) Bgl. Herm. Fiſcher, Die Forſchungen über das Nibe- 


lungenlied ꝛc., ©. 96 f. 
*)®. Grimm, HS. ©. 9. 








LXXVI 


Nun beitanden zwei Sagenkreiſe nebeneinander: 
der von den nibelungifchen Rheinfönigen mit einer 
Schweiter (Grim-) Hilde*), und der von den bur- 
gondiſchen Rheinfönigen, unter denen Gibich, Gunther, 
Gifelher Hiftorisch find, ebenfalls mit einer Schweiter 
Hilde. Beide Sagenkreife wurden nun mit einander 
verſchmolzen, wozu wahrjceinlich die Gleichheit des 
Namens Gibih**) in beiden Sagenkreiſen beitrug. 
Sp verwuchs die hiſtoriſche Burgundenjage mit der 
mythiſchen Sigfridsfage oder Nibelungenjage Das 
Bindeglied zwiſchen beiden freilich nur loſe verbundenen 
Theilen bildete der unheilvolle Hort, der wie Sigfrid 
jo au feine Schwäger ind Verderben zog, indem 
Attila ihnen um ded Horte willen nachſtellte. 

Der zweite Theil der Sage, die urfprünglide 
Burgondenfage, glich der alten Sage von Sigmund, 
Siggeir und Signy in weſentlichen Punkten. Co 
fam e8, daß bei der weiteren Ausbildung im Ein 
zelnen der Stoff jener Sage nachgebildet ward 
(ſ. ©. 13***) Doc kann daneben auch rüdwirfender 


— 





*) Der zweite und Haupt-Theil de8 Namens kann ſtatt 
des ganzen Namens ftehn, wie Bera jtatt Kojtbera; aud) 
Hild (Hilde) für Brynhild kommt vor. 

**) Gibich ift ein mythiſcher Name, vgl. die Gibichenfteine; 
ein Zwergkönig im Harz heißt jo (Germ. 3, 171) x. 
Lachmann vermuthete auch einen mythiſchen Gunther. 








LXXVII 


Einfluß der Nibelungenfage auf jene hier und da 
jtattgefunden haben (vgl. 3. B. ©. 34*). 

Bald nad) der Verbindung mit der Burgonden- 
jage* muß die Nibelungenfage au ihrer rhein- 
fränfiihen Heimath nach dem Norden gekommen fein, 
wahrſcheinlich vor dem Ende des 6. Jahrhunderts.**) 
Dort hat fie dann manche eigenartige Weiterbildungen 
erfahren. 

Zunächſt ward fie mit der Sage von Helge dem 
Hundingstödter, der auch Sigmund's Sohn ward, 
verbunden.***) Dadurch kam Sigurd’3 Vaterrache, 
welche der Helge's nachgebildet iſt, in die Sage; 
vielleicht auch der Stiefvater Alf ſowie Hjalpreff), 








*) S. Germ. 23, 86 ff. 

”*), Die Gefchichte der burgondijchen Königstochter Chrode- 
hild (ſ. Fiſcher, Forſchungen üb. d. Nib.-Lied x. ©. 100 f.) 
ſteht ſchwerlich außer Beziehung zu der ſpeciell-deutſchen 
Umgeltaltung der Sage, welche die Burgondenkönige durch 
die Rache ihrer Schweiter fallen läßt; mag nun die Sagen 
bildung durch die Gejchichte oder umgefehrt die Darftellung 
Gregor’3 von Tours [dev im letzten Viertel des 6. Sahr- 
hunderts jchrieb] von der ſchon umgeftalteten Sage beeinflußt 
jein (vgl. Rieger, Germania 3, 198). Daß die betreffende 
Umgeftaltung in der Sage ſelbſt begründet war, f. unten 

+) Bol. Sijmons, Zur Helgifage (Beitr. 4, 166 fj.). 

FT) Der Name Hjalpref (Chilperich) ift allerdings fränkiſch, 
und mag Hialprek früher in der Sage eine andere Ber: 
wendung gefunden haben. 





LXXVIII 


die nur die Vaterrache ermöglichen, nachher aber 
völlig verſchwinden. Die ältere Faſſung der Sage, 
der zu Folge Sigurd ohne ſeine Eltern zu kennen im 
Walde bei Regin aufwächſt (wie im deutſchen Sig— 
fridsliede) bricht noch zuweilen durch; |. ©. 65*. 
84***. 359**. 

Sodann hat ſich die Geſtalt Brynhild's in eine 
Sigrdrifa und eine Brynhild geſpalten (ſ. ©. 413°) 
von denen Sigrdrifa die von Odin in Schlaf ver: 
ſenkte Walkyrje ‚blieb, Brynhild aber zur menjchlichen 
Königstochter ward. Daß diefe Scheidung nicht überall 
conjequent durchgeführt werden Konnte, iſt begreiflid). 

Hogne (Hagen) ift zum rechten Bruder Gunnar's 
(Gunther’3) geworden. Die heldenhafte Seite feines 
Wejend iſt bier beſonders betont, er ift durchaus 
edel aufgefaßt *) und zum befjern Bruder geworden, 
jo daß beide vielfach geradezu die Rollen getauſcht 
haben. Die finftere Seite ſeines Weſens Hat fi in 
Gutthorm abgezweigt, der, wie Hagen urfprünglid 
Stiefbruder (j. ©. 155*, an deſſen Stelle den 
Meuchelmord ausführt. 

Weiteres **) anzuführen unterlafje ich, meil & 


*) Aehnlich übrigens auch in der Thidrelsfaga. 

**) Auf die Entitehung des doppelten Flammenrittes 
(der nicht echt fein kann), und was damit zujfammenhängt, 
kann ich bier natürlid) nit eingehn. 





LXXIX 


bier zu weit führen würde. Doch fei noch hervor: 
gehoben, daß die Verbindung mit der (wahrſcheinlich 
erft im 9. Jahrh. nah dem Norden gefommenen) 
Ermanrichsſage — übrigens eine fpäte und loſe 
Verbindung — ausſchließlich nordiſch .ift. Urſprüng— 
lich fand natürlid Gudrun den nach Atle's Ermor— 
dung geſuchten Tod, wie ja.aud: Signy. 


Inzwiſchen Hatte in Deutichland fich eine weſent⸗ 
liche Umgeftaltung der Sage vollzogen. Sehr nahe 
lag es, daß Sigfrid’3 ungerochener Tod von Ebel 
(Atle) als Vorwand zum Tode der Brüder benutzt 
werden fonnte, obwohl Habgier fein eigentliches 
Motiv war. ‚Eine intereffante Spur diejer Auffaſſung 
Habe ich Vols. ©. 190% nachgewiefen. Davon kam 


man leicht zu der andern Auffaffung, daß Grimhild 


(Gudrun) für den Tod Sigjrid’3 an ihren Brüdern 
Rache nahm, inden fie Ebel in feiner Habgier als 
Werkzeug benutzte. Spuren diefer Auffafjung finden 
fih in der Thidrefsfaga (f. Germ. 23, 93). Dieſe 
Unngeftaltung ward durch das Berblaffen der Wal- 
fgrjengeftalt Brynhild's in der deutſchen Gage er- 
leichtert, injofern ſtatt der Verlegung ihres jchid- 
falbeftimmenden Eided durch Sigurd’8 Betrug einfad) - 
Eiferfucht und verlegter Stolz als Brynhild's Motiv 
erfchienen, und jomit Sigfrid unſchuldig fiel, mo- 
durch die Rache nahegelegt ward. — Natürlich mußte, 








LXXX 


jobald Grimhild (Chrimhild) mitjchuldig war, ein 
. anderer Rächer eintreten: der nachgeborne Sohn 
Hogne's. Als fie aber allein fchuldig war, mußte 
die Rache fie jelbft treffen: dieſe fiel dem, inzwiſchen 
an Etzel's Hof verjebten Dietrich von Bern zu. 

Die fo veränderte Sage muß danıı etwa im 
9. Jahrh. nochmals nad) dem Norden gekommen 
fein *) und beitand dort neben der älteren Schicht 
der Sage. **) Einzelne der erhaltenen (und wahr: 
ſcheinlich auch der verlorenen) Lieder folgen ihr. Im 
dritten Gudrunlied liegt eine feltfame Vermiſchung 
beider vor (ſ. Germ. 23, 340 f.). 

Beide Schichten der nordischen Sagenüberlieferung 
Itammen alfo aus Teutjchland und jtellen beide ältere 
Stufen der Sagenentwidelung dar als die in Deutjd- 
land felbft erhaltenen. Doc hat fi) namentlich die 
ältere Schicht im Norden eigenartig weiter entwidelt, 
bietet alſo die deutfche Sage nicht in veiner Geftalt. 

*) Bgl. Germ. 23,86 ff.; Zſchr. f. d. Phil. 12,96 j. 

*) Diefer jüngeren Schicht gehört unter Anderm ol: 
gendes an: Sigurd wird im Freien ermordet, wahrſcheinlich 
von Gunnar und Hogne; Hogne ſelbſt meldet Gudrun Die 
. That; das Anzünden der Halle und Anderes in Akv.; da? 
Auftreten Thjodret’3 (Dietrich’3), der jeine Mannen bei dem 
Kampfe verloren bat, und der Herkja (Heldje), ſowie nod 


manches Andere, namentlih auch wo die Volſungaſaga 
verlorenen Liedern ent|pridt. 











Die Saga 


von den Holfungen 


und von 


Ragnar Lodbrok. 


— — — — 


X 


Bolfunga-Baga.*) 


Erftes Kapitel. **) 


Hier wird angehoben und gejagt von dem 
Manne, : der Sige genannt war, daß er Odin’d Sohn 
hieß. 2 Ein anderer Mann wird in *** der Saga 
genannt,. der Sfade hieß; er war ein mächtiger und 
bornehmer Mann. 2 Dennoch war Sige von ihnen 
der mächtigere und vornehmere nad) der Rede der 
Leute in jener Zeit. | Skade hatte einen Knecht, deſſen 
in der Saga furz zu erwähnen it; der hieß Brede. 


*) Die Ueberfchrift findet fich nicht in der Handſchrift. Die 
dort einjt vorhandene Weberjchrift iſt gänzlich verwiſcht, 
begann aber nad) Bugge wahrſcheinlich mit G. 

*) Denfelben Gegenitand behandeln die Volsungs-rimur 
Str. 51—100 theilmweije ee ſ. d. Einl. 

"er, Eigentlich: „in Bezug auf. 


1) Vols. rim. 51. — 2) rim. 53, wo Stade als Niord’8 Frau gedacht, 
alio mit der Göttin Stade identificirt wird. 
: 1* 





— 


Er zeigte ſich verſtändig in dem was er zu verrichten 
hatte. Er beſaß Fertigkeiten und Geſchicklichkeiten 
gleich ſolchen, die vornehmer erſchienen, ja wohl noch 
etwas mehr als manche. 

Es iſt nun zu berichten, daß Sige einmal auf 
die Thierjagd ging, und der Knecht mit ihm?; und 
fie jagten den ganzen Tag bid zum Abend. ALS fie 
aber am Abend ihre Beute zufammen brachten, 
da hatte der Knecht weit mehr erjagt *), denn Sige. > 
Diefed gefiel ihm gar übel*, daß ein Knecht 84) 
beſſer gejagt haben follte [al3 er, oder mehr Thiere?] 
erlegt. [Er jagte,] daß es ihn [mwundre, daß ein 
Knecht ihn bei der Thierjagd übertreffen follte ...].**) 
[Lief darauf] Hinzu und | erfcälug den Brede; [jodann 
begrub er die Leiche in einer Schneewehe]. ® 

Nun kam er am Abend heim ®, und fagte, daß 


*) Die Handichrift ift von bier biß zum Ende des Ab- 
jage8 nur nod zum Theil lesbar. Zur Ergänzung 
der Lücken benute ich theilweiſe die jungen Papier: 
abjehriften, wenn diejelben auch keinerlei Gewähr für 
die Echtheit ihrer Ueberlieferung bieten. Vgl. übrigens 
Vols. rim. 54—59, beſonders 57 ff. 

**) Hier folgt eine kurze Entgegnung Brede’3, die -gänz- 
lich unleſerlich ift. 


1) Ball. rim. 54. — 2) rim. 56. —— 8) vgl. rim. 57. — 4) rim. 
58,1—2. — 5) rim. 58,3—59,1. — 6) rim. 60,1. 








w 


9] 


Brede im Walde von ihm geritten wäre, „und er 
war mir auf einmal aus den Augen verſchwunden, 
und weiß ich nicht3 von ihm.“ 1 Skade hegte gegen 
Sige's Rede Argwohn [und meinte], es werde Trug 
von ihm fein, und Sige werde ihn erfchlagen haben. ? 
Er jtellte Leute dazu an*), ihn zu ſuchen, und das 
Ende ihres Suchens war, daß fie ihn in einer 
Schneewehe fanden. ? Und Sfade fagte, daß man 
Diefe Schneewehe fortan Brede's Schneewehe nennen 
ſollte. Und da3 hat man beibehalten und nennt 
jede Schneewehe jo, die groß ijt. * 

Da ward es ruchbar, daß Sige den Knecht er- 
Ihlagen und ermordet hatte, und | man nannte ihn 
vargr i veum**), und konnte er nun nicht länger 
daheim bleiben bei feinem Water. 5 

-Odin geleitete Sige nun au dem Lande fort, 


*r Eigentlich: „er jchaffte, bejorgte ...“ 

=D 5 „Wolf in den Heiligthümern”. Wer den Tem- 
pelfrieden ebrad) oder andere ſchwere Unthaten beging, 
ward geächtet und hieß vargr (d. h. Wolf, Räuber), 
„weil der Verbannte glei) dem NRaubthiere ein Be- 
mwohner des Waldes ift und gleich dem Wolfe ungejtraft 
erlegt werden darf.” (J. Grimm, Rechtsalt. 733); 
vgl. Helg. Hund. II, 32, 3 ff. 


1) Abweichend rim. 61—62. — 2) rim. 60,3—61,1 und 68. — 3) rim. 
66. — 4) rim. 68,3 f. — 5) rim. 69. 





6 


einen jo langen Weg!,; daß e3 bedeutend war *), 
und nicht eher ruhte er, als bi3 er ihm zu Heer- 
Ichiffen verhalf. | Nun begann Sige fi auf Heer: 
fahrten zu legen, mit dem Gefolge, welches fein Vater 
ihm gegeben Hatte, ehe er von ihm fchied, und er 
war fieghaft auf feinen Heerfahrten.? Und fo gedieh 
feine Sache, daß er ſchließlich Lande und Reich er- 
oberte. **) 3 Demnädft nahm er fi) eine vornehme 
Frau* und ward ein mächtiger und gewaltiger König; 
er herrichte über 85) Hunenland, und war ein ge 
- waltiger Heermann. 5 

Er hatte einen Sohn mit feiner Frau, der hieß 
Reri; er wuchs da auf bei feinem Vater, und ward 
bald groß von Wuchs und tüchtig. © 

Nun ward Sige ein alter Mann an Jahren. 
Viele waren ihm abgünftig, jo daß am Ende die 
gegen ihn aufitanden, welchen er zumeijt traute; dad 


*) at störu bar (C.-V. 60°). Vielleicht entfernte ihn 
Odin urjprimglic in feinem Mantel durch die Luft, 
wie den Hading bei Saro Gr., ©. 40f. Weber viel- 
fache Nachklänge dieſes Glaubens in deutfchen Sagen 
ſ. Simrod, Handbuch d. deutfchen Mythol. 866. 

**) Vgl. rim. 71,3 ff. (Oder: „im Stande war zu beeren 
in ...“?) 


1) Bgl. rim. 70,1—2. — 2) vgl. rim. 70,3—71,1. — 3) rim. 71,3 f. — 
4) rim. 72—76, ausführlicher. — 5) vgl. rim. 77. — 6) vgl. rim. 78. 





7 


aber waren die Brüder feiner Frau.! Sie über- 
fielen ihn*), da er e3 ſich am mindeiten verſah und 
er wenig Mannen um ich Hatte, und übermältigten 
ihn mit Uebermacht und in diefem Treffen fiel Sige 
mit all jeinem SHofvolfe. ? 

Sein Sohn Reri war nicht mit in diefer Ge- 
fahr. **) Er erhielt ein jo großes Heer von feinen 
Freunden und Landehäuptlingen?, daß er ſowohl 
Land wie Königthum nach feinem Vater Sige in 
Beſitz nahm. * Und nun, da er glaubte in feinem 
Reihe Fuß gefaßt ***) zu haben, da gedachte er an 
die Streitjahe, die er gegen feine Mutterbrüder 
hatte, welche jeinen Water erjchlagen Hatten. | Der 
König jammelte fi) nım ein große Heer, und zog 
gegen feine Verwandten aus mit diefem Heere; und 
ihn dünkte, daß fie es zuvor gegen ihn verjchuldet 
hätten, wenn er ihre Verwandtſchaft nun gering 
achtete. }) Und fo that er: er fchied nicht eher von 





*) Eigentlihb wohl: „ließen ihn überfallen” (gera til, |. 
C.-V. 225*®). — 

**) D. h. er war während des Ueberfalls abweſend. 

rk) Vgl. Flat. 1, 3887. 

F) Genauer: „daß fie ihm wohl Urſache zum Hader mit 

ihnen gegeben hätten, wenn er aud) ihre Verwandtſchaft 
u. ſ. m.“ 

1) rim. 79. — 2) vgl. rim. 80-81. — 3) rim. 82. — [4) rim 84°] 


8 


dannen, als bis er alle Mörder ſeines Vaters er- 
ſchlagen hatte!, wie unnatürlich e8 auch in jeder 
Sinfiht war. Nun eignete er fich [ihre] Lande und 
Reich und Gut zu und wurde jo mächtiger denn 
fein Vater. Reri machte da große Kriegdbeute? und 
nahm fi eine Yrau, die ihm feiner würdig fdhien. 3 
Und fie lebten lange zufammen, Hatten aber feinen 
Erben und [überhaupt] Tein Kind. + Dieſes behagte 
ihnen beiden übel, und fie baten die Götter mit 
großer Befümmerniß, daß fie Kinder befommen 
möchten. Es Heißt nun, daß Brigg*) ihre Bitte 
erhörte®, und ebenfo Odin, um maß fie baten. 6 
Da fehlte es ihm nicht an heilfamem Rath. Er 
fandte feine Wunſchmaid **), die Tochter des Rieſen 
Hrimni*), und|gab ihr einen Apfel}) in die 


*, Als Göttin des Eheſegens. 

**), D. h. Walkyrje. (Vgl. aber N. M. Beterien, Nord. 
Mythol. ?, ©. 190.) 

**x*) Auch Skm. 28,3 erwähnt und Hdl. 32,6 als Bater des 
Hrojsthjof (nad) Saxo, S. 126 ein Seher) und der 
Heid (nad) Vsp. 1 eine Seherin [?)). 

+) Der fruchtbar machende Apfel findet ſich auch in Grimm's 
Märden Nr. 47 und 53 (vgl. daf. Bd. 3, ©. 87). 
Bei Grundtvig, dänische Volksmärchen, Bd. 1 (überſetzt 

1) rim. 83, kurz wiedergegeben. — 2) rim. &. — 3) rim. 85—93, 


viel ausführlicher und fperieller. — 4) rim. 95. — 5) rim. 96. — 
6) rim. 97. 


9 


Hand, und hieß fie den dem Könige bringen.! Sie 
nahm den Apfel, und nahm ||86) die Geftalt einer 
Krähe an* und flog jo lange, bis daß fie dahin 
fam, wo der König war und auf einem Hügel 
jaß. **)| Sie fieß ihm den Apfel in den Schooß 
fallen. Der nahm den Apfel, und glaubte zu wiſſen, 
was das bedeuten follte. 2 Er ging nun von dem 
Hügel heim "zu feinen Mannen, fuchte [dann] die 
Königin auf, und [fie] ***) aß etwas bon dem Apfel. 3 


von Leo), ©. 148 ff. giebt ein altes Weib den Rath, von 
einem Strauche zu eſſen. Ebenda Bd. 2 (überf. v. Strodt- 
mann), ©. 147 ff. jchidt eine alte Here einen gefalzenen 
Hering, der die Geburt eine Kindes hervorruft. - Ge= 
wiß iſt aljo bier Frigg die eigentliche Spenderin des 
Apfel3. 

*) Das iſt eigentlich gedacht als Anlegen der äußern Hülle 
(Haut) eine Thieres, wodurch der Menſch zugleid) defjen 
Weſen annahm. Die Walkyrjen hatten jonft Shwanen= 
hemden (Hüllen). 

**) Vol. Thrymskv. 4,5—5,2. 

x*xx) Sp aud) Bugge. Natürlih muß die rau den Frucht⸗ 
barfeitsapfel genießen, wie das auch in allen ähnlichen 
Füllen geſchieht. 

1) ®gl. rim. 98. — 2) vgl. rim. 99. — 3) rim. 100. 


10 


Zweites Kapitel. *) 


Es ift nun zu berichten, daß die Königin bald 
empfand, daß fie mit einem Kinde ginge; es ging 
aber lange Zeit fo, daß fie dad Mind nicht gebären 
fonnte. ? Da begab es ich, daß Reri eine Heerfahrt 
thun follte, wie der Könige Sitte ift, ihr Land zu 
frieden. Auf diefer Fahrt ereignete es fich, daß Reri 
frank ward und darnad) ftarb ?, und gedachte Odin 
heimzufuchen **), und erſchien das Vielen wünfcheng- 
werth in jener Zeit. 

Nun |ging es mit der Krankheit der Königin 
in derfelben Weife fort, daß fie dad Kind nicht 
gebären Tonnte, und ſolches mwährte ſechs***) Winter 


*) Ueberſchrift: Volſung's Geburt. 

**) Nach der eddiihen Lehre kamen die im Kampfe ge= 
fallenen Bornehmen oder dod Freien zu Odin nad 
Walhall, um dort bei und mit ihm ihr SHeldenleben - 
fortzufegen. In der Heimskringla (Anglingafaga, 
Kap. 10) heißt es von Odin: „Er gab dann [in der 
Schladt] den einen Sieg, die andern aber entbot er 
zu fi, und ſchienen beide Looſe gut.“ 

***) In den Märchen jechd Monate (Grundtpig I, 193 ff., 
148 ff.). 

1) rim. 101. — 2) rim. 102-103 (darnach 104—107 ohne Ent- 
fpredung in der Saga). 


11 


hindurch, daß ſie dieſes Leiden, Hatte.! Da er- 
kannte fie, daß fie nicht fange leben werde, und 
gebot nun, daß man ihr das Kind außfchneiden 
follte; und es gejchah, wie fie gebot. Das Kind 
war ein Knabe ?, und Diefer Knabe, als er hervor 
fam, war groß von Wuchſe, wie zu erwarten war. 
Und es heißt, daß der Knabe feine Mutter gefüßt 
habe, ehe denn fie jtarb. | Diejer Knabe erhielt nun 
einen Namen und ward Volſung *) genannt. Er 
war König über Hunenland nad) feinem Vater. 3 
Er war frühe groß und jtark**), muthvoll in allem 
dem, wobei in Gefahren Mannhaftigfeit fich be- 
währen fonntee Er ward ein gewaltiger Sriegd- 
mann und war fieghaft in allen Schlachten, die er 
auf feinen SHeerfahrten lieferte. * 

Als nun Volfung zum Mannedalter hevangereift 
war, da fandte Hrimni ihm feine Tochter "Hliod, 


*) Die Namensform ift eigentlich Valſe oder Välſe (mie 
die angeljähf. Namenzform im Beomwulf lautet). Vol—⸗ 
jung bedeutet eigentlich einen Nachlommen des Valſe, 
weshalb das ganze Gejchlecht „die Volſunge“ Heißt. 

**) In den dänischen Märchen ift dag fo geborene Kind 
frühreif (Grundtvig a. a. O.). 


1) rim. 108. — 2) rim. 109-111. — 8) rim. 118,1. — 4 vgl. 
rim. 115—124 (ausführlicher). 





12 


deren zuvor gedacht iſt, al3 fie mit dem Apfel zu 
Reri, Volſung's Vater, Tam.*) Er nahm fie zur 
Frau, und fie lebten lange mit einander in guter 
Eintraddt. * Sie hatten zehn Söhne und eine Tochter. 
Ihr älteiter Sohn hieß Sigmund, die Tochter aber 
Signy: dieſe beiden waren Zwillinge, und fie waren 
187) die treffliiten und in jeder Beziehung die 
vielverjprechendjten unter den Kindern König Vol—⸗ 
fung’. Doch waren alle gewaltige Helden?, wie. 
ed denn lange in der Erinnerung fortgelebt hat und 
gepriefen worden it, welch’ überaus ftreitbare Män- 
ner die Volſunge geweſen find und [wie fie] auch 
die meiſten Männer übertrafen?, deren in alten 
Sagen gedadt wird, jowohl an Weisheit wie an 
Künſten und thatkräftigem Streben in jeder Hinficht. 

Es wird gejagt, daß König Volfung eine Statt 
fihe alle bauen ließ, und zwar in der Art, daß 
|eine mächtige Eiche in dem Saale ftand, und die 
Bmeige des Baumed in friihem Grün über da3 
Dach des Saale Hinausragten, der Stamm aber 


*) Im Halbgöttlichen Weſen der Walkyrjen liegt e2, daß fie 
nicht jo altern wie die Menjchen. Aehnliches berichtet‘ 
die Helg. Hj. 6 ff. von der Walfyrje Svava. 


1) rim. 125—126 („Odin fandte dem Yürften Hliod“). — 2) rim. 
137. 129—130. — 3) vgl. rim. 131. 134. 


13 


ftand ımten in der Halle*), und nannten fie das 
„Kinderftamm“. **) 1 


Drittes Kapitel. ***) 


Siggeir hieß ein König, der herrſchte über 
Gautland F);. er war ein mädhtiger König, und 
zahlreih war fein Kriegdvol. Er fuhr zu König 
Bolfung ? und bat um Signy's Hand. ? Der König 
nahm dieſen Antrag wohl auf,‘ und ebenjo feine 


*) Eigentlih: „Reichte hinab in die Halle.” 

**) Barnstokkr oder branstokkr Hodſchr. [botstokkr (?), 
rim). Den Namen bringt man mit dem Glauben zu= 
fammen, daß die Kinder von Bäumen kommen (Sim⸗ 
od, Myth. 8 17); ob mit Recht? — Aehnlich dachte 
man die Zweige der Weltefche Walballd Dad) überragend. 

6) Ueberſchrift unleſerlich. Im Folgenden gleicht die Sage 
offenbar fehr der unten (Kap. 32 ff.) berichteten von 
Gudrun’3 Vermählung mit Atle, der heimtückiſchen Ein- 
ladung ihrer Brüder durch diefen und ihrer Bruderradhe 
an ihm. Der Grundftoff jener Sage war der Sage 
von Signy und ihren Brüdern von Haufe aus ähnlich. 
In der weitern Ausbildung des Stoffes aber hat ihm 
unſere Sage jedenfalld als Vorbild gedient. Ich weile 
unten in einzelnen Anmerkungen (mit Ziffern) auf 
die übereinftimmenden Züge Hin. 

T) Götaland in Südſchweden. 
1) gl. rim. 142—143. — 2) rim. 185. — 3) rim. 186- 187. 





14 


Söhne; aber | fie ſelber war de3 unluftig, doch hieß 
fie ihren Vater darüber entfcheiden, wie über [alles] 
andere, was fie beträfe. Dem König aber gefiel der 
Rathiehluß, fie zu vermählen, und fie ward dem 
König Siggeir verlobt. ! Und wenn diefe Hochzeit 
und Heirath vollzogen werden follte, jollte Siggeir 
zu König Volfung zum Oaftmahle fommen. ? 

Der König rüftete die Hochzeit nad) beiten 
Kräften zu. | Und als das Gaftmahl bereit war, 
famen die Gäfte König Volſung's und König Sig- 
geir’3 an dem beftimmten Tage dorthin; und Hatte. 
König Siggeir manchen vornehmen Mann bei fich. 
Es heißt 188), daß da große Feuer angezündet waren 
die Halle entlang; | der große Baum aber, defjen 
zuvor gedacht ift, ftand mitten in der Halle. * Nun 
wird erzählt: al3 die Männer Abends bei den Feuern 
faßen, | trat ein. Mann herein in die Halle, der war 
ihnen unbefannt von Anfehen. Diefer Mann war 
auf folhe Weife angethan: er hatte einen gefleckten 
Mantel um, er war barfuß und Hatte Linnenhojen 
an, die am Bein zufammengefnüpft waren; er hatte 
ein Schwert in der Hand und trat [damit] an den 
„Kinderſtamm“; einen n [in das Geficht] Herab- 





1) Vgl. rim. 1388. — 2) rim. 139. — 3) vgl. rim. 140. 142,3 f. 144. — 
[4) rim. 142 f.] 





15 





reichenden Hut hatte er auf; jehr hochgewachſen war 
er und alt und einäugig.*)! Er ſchwang das 
Schwert und ftieß e8 in den Stamm, fo, daß das 
Schwert bi? an das Heft hinein fuhr.* Allen 
Männern verfagte die. Stimme, diefen Mann zu bes 
grüßen; da nahm er dad Wort und ſprach: „Wer 
dieſes Schwert aus dem Stamme zieht, der joll es 
von mir als Gejchent empfangen ®; und er wird 
da3 jelber beftätigen, daß er niemald ein beijer 
Schwert in feiner Hand trug, denn dieſes ift.“ | 
‚Hierauf verließ der alte Mann die Halle*, und 
wußte niemand, wer er war oder wohin er ging. | 
Kun ftanden fie auf und ließen fi nicht fäumig 
finden *), das Schwert heraus zu ziehend, und 
dünkte fich der am beften daran zu fein, der zuerft 
Dazu kam. | Da gingen die vornehmſten Männer zuerft 


*) Es iſt Odin, der, wenn er in menfchlicher Geſtalt er« 
fcheint, ftet3 als ein Hochgewachjener Greis gejchildert 
wird, einäugig, den breiten Hut tief ins Geſicht ge= 
drückt und in einen weiten blauen oder blangefledten 
Deantel gehüllt. 

x) Nach Bugge eigentlich: „jte überließen es nicht einer 
dem andern.” Doch iſt die Erklärung zweifelhaft, vgl. 
Gräg. 1, 50°°, 


1) Bal. rim. 145—147. — 2) rim. 148. — 3) rim. 146,2. 148,4—149,2; 
Adi. 2,7f. — 4) rim. 149,3 f. — 5) rim. 151,1 f. 





16 


hinzu, darnach einer nach dem andern. Seiner aber 
fam, der e8 hätte herausziehen fünnen, denn e8 rührte 
ſich nicht im geringften, als fie es angriffen.! Da 
trat Sigmund hinzu, König Volſung's Sohn, ergriff 
das Schwert und zog ed aus dem Stamme?, und 
es war als wenn es 103 da läge vor ihm. Diefe 
Waffe jchien allen fo gut, daß niemand glaubte ein 
eben jo gutes Schwert [je] gefehen zu Haben; | und 
bot [Siggeir] ihm an, das Schwert dreifach mit 
Gold aufzumägen. Sigmund [aber] fagte: „Tu 
fonnteft dieſes Schwert ||89) ebenfo gut nehmen, mie 
ich, da wo e8 ſtak, wenn dir ziemte es zu tragen; 
nun aber erhältft du es nimmer ?, da es zuerjt mir 
in die Hand kam, ob du auch alles Gold dafür 
bieteft, daS du haſt.“ König Siggeir  erzürnte fi 
über diefe Worte *, und ſchien ihm fchimpflich ge 
antwortet zu fein. Weil er nun von Charakter ein 
gar heimtüdiicher Mann war, jo that er, als wenn 
er um dieſe Rede fich nicht kümmerte; aber denfelben 
Abend [noch] erfann er die Vergeltung dafür, zu der 
e8 nachher Fam. 


% 





1) rim. 150. — 2) rim. 151,3f. — 3) rim. 152,1 f., kurz wieder⸗ 
gegeben. —— 4) rim. 152,3 f. N 


17 


Biertes Kapitel. *) 


Nun ift zu berichten, daß König Siggeir diefen 
Abend mit Signy Beilager hielt. | Am nächften Tage 
aber war dad Wetter günftig, da fagte König Siggeir, 
daß er heim fahren, und nicht warten wolle, bis 
der Wind wüchfe oder die See unfahrbar werde. 
Es verlautet nicht, daß ‚König Volfung oder feine 
Söhne ihn abhielten, zumal da er fah, er wolle 
nicht anderd als die Hochzeit verlaffen. 

Da ſprach Signy zu ihrem Vater: „Nicht 
möchte ich hinweg fahren mit König Giggeir: | 
nicht will mein Herz ihm entgegenladhen, und in 
Solge meine Ahnungdvermögend, wie es unferm 
Gefchlechte angeerbt ift, weiß ih, daß aus Diefer 
Heirath uns großes Unheil erwachſen wird, wenn die 
Abrede nicht fchleunig gebrochen wir"? „Nicht 
jollft du alſo fprechen, Tochter,” fagte er, „denn es 
wäre eine große Schmad für ihn ſowohl wie für 
und, fie ohne Grund zu brechen; auch haben wir 
dann feine Treue und Freundſchaft bei ihm, wenn 


*) Meberfchrift unleferlih: Sfiggeir] fährt [heim ()). 


[1) rim. 168.) — 2) Ebenfo weigert fi} Gudrun zuerft, Atle zu fols 
gen, weil fie Unheil vorausfieht, |. u. Kap. 32 Ende. „Nicht wollte 
ihr Herz ihm entgegenlachen“ heißt e8 auch von Gudrun die gleiche 
Wendung Kap. 29, Abi. 6. 

2 


18 


wir fie brechen, und er wird es un übel vergelten, 
joweit er vermag. Das allein ziemt fi, es zu 
halten von unferer Seite.‘ 

| Nun rüjftete ſich König Siggeir zur Heim— 
fahrt; bevor fie aber von dem Gaftgebot fuhren, 
ladete er König Volſung, feinen Schwiegervater, und 
alle feine Söhne zu ſich nad Gautland über drei 
90) Monde ſammt allem. dem Gefolge, daS er 
mit fi nehmen wollte und feiner Würde angemeſſen 
wäre. König Giggeir wollte damit nachholen *), 
was hier an der Hochzeits-Feier gebrach, da er nicht 
länger bleiben wollte al3 eine Naht, während es 
doch nicht der Leute Sitte ift fo zu Handeln. | Run 
verhieß König Volfung die Zahrt, und am beftimm- 
ten Tage zu fommen.? Da ſchied der Schwiegerjohn 
bom Schwiegervater, und fuhr König GSiggeir beim 
mit feiner Frau. ? 


Fünftes Kapitel. — 


Nun iſt zu ſagen von König Volſung und ſeinen 
Söhnen, daß ſie zur verabredeten Zeit gen Gautland 


*) Eigentlich: „leiſten“ (gjalda). 
**) Ueberſchrift: König Volſung's Fall ... (das übrige iſt 
unleſerlich). | 
1) rim. 163 - 164. — 2) rim. 155. — 8) rim. 153,3. 


19 





fuhren zum Gaftgebot König Siggeir’s, ihres Schwa- 
gerd, und fuhren mit drei Schiffen vom Lande, 
und waren diefe alle wohlgerüftet. Sie hatten eine 
recht glückliche Fahrt und famen mit ihren Schiffen 
nad Gautland; da war ed ſpät am Abend. 
Denfelben Abend | kam Signy, König Volſung's 
Tochter, und berief zu fich ihren Vater und ihre 
Brüder zu einem Sondergeſpräch und ſagte ihnen 
ihr umd König Siggeir's Vornehmen, daß er ein 
müchtiges Heer zujammengezogen habe, „und ſinnt 
euch zu verderben. Nun bitte ich euch (fagte fie), 
daß ihr alsbald wieder in euer Reich fahret?, und 
jammelt euch ein möglichit ſtarkes Heer, und fahrt 
dann ber und rächet euch ſelbſt; und geht nicht in 
diefe Gefahr, denn nicht entgeht ihr feinem Verrathe, 
wenn ihr nicht zu der Lift greift, die ich euch vor— 
Ihlage. 3? Da jprad König Bolfung: „Alle Welt 
wird davon jagen, daß ich [noch] ungeboren ein Wort 
ſprach *), und das Gelübde that, | daß ich weder Feuer 
no Eifen Furcht halber fliehen wollte: und fo Habe 


*) In einem däniſchen Märchen (Grundtvig-Leo, ©. 148 ff.) 
fann die ebenfo wunderbar geborene Prinzeffin glei 
nad der Geburt reden. 

1) rim. 166—158. — 2) rim. 159-162. — 3) Ebenfo warnt Gudrun 
die angelommenen Brüder: Akv. 16—18, wo aud die einzelnen 
Büge merfwürdig übereinftinnmen. 

2% 








20 





ich bißher gethan !: warum jollte ich es nicht auch 
im Alter vollbringen? Und nimmer follen Jung⸗ 
frauen meinen Söhnen im Spotte*) vorwerfen, 
daß jie den Tod fürdhteten: denn einmal muß [do] 
jedermann jterben und niemand kann dem entgehn, 
daß er einmal fterbe. 2 [Drum] ift mein Rath, daß 
wir keineswegs fliehen, ſondern unfere Hände aufs 
tapferjte gebrauchen. ch Habe 91) Hundertmal ge- 
fochten, und Habe bald mehr Volkes gehabt, bald 
minder, und habe [do] immer den Sieg gewonnen: 
und nimmer fol man hören, daß ich fliehe oder um 
Srieden bitte.” 3 Da meinte Signy bitterlich * md 
bat, daß ſie nicht zu König Siggeir zurüdzufehren 
brauchte. König VBolfung entgegnete: „Du follit für- 
wahr heimfahren zu deinem Manne und bei ihm 
bleiben, wie es und auch ergebe.‘ | Nun ging Signy 
heim ®; fie aber blieben dort die Nacht über. Mor- 
gens jedoch, fobald der Tag anbradh, | hieß König 
Bolfung alle feme Mannen aufitehen, and Land 
gehen und ſich zur Schlacht rüſten.“ Nun gingen 
fie alle and Land in voller Rüftung, und hatten nicht 

*)2 {. Fritzner 399°. Gewöhnlich überfegt man 1 leikum 

„beim Spiele“. 


1) Bgl. rim. 164,3—165,4. — 2) rim. 166. — 3) Ebenſo weigert fid 
Gunnar zurüdzufahren und fein Heer zu fammeln: Akv. 19. — 
4) rim. 169,2—4. — 5) rim. 169,1. — 6) vgl. rim. 170—71. 


21 


lange zu warten bis daß König Siggeir fam mit 
al feinem Heer !; und entbrannte da zwifchen ihnen 
eine jehr Harte Schladt, und ſpornte der König 
feine Schaar an aufs heftigſte vorwärts zu dringen. ? 
Es heißt, daß König Volſung und feine Söhne des 
Tages achtmal durch die Schaaren König Siggeir's 
braden, und zu beiden Handen hieben.? Und als 
fie ſich anſchickten nochmals jo zu fahren, da fiel 
König VBolfung * inmitten feiner Schaar, und all 
fein Volt mit ihm außer feinen zehn Söhnen; |' 
denn es jtand ihnen eine viel größere Uebermacht 
gegenüber, als der ſie hätten widerjtehn können. © 
Nun wurden feine Söhne alle gefangen und in 
Bande gefchlagen 7 und Hinweg geführt. Signy er- 
fuhr nun, daß ihr Vater erjchlagen war ®, ihre 
Brüder aber gefangen genommen und zum “ode 
beftimmt. | Da rief fie den König Siggeir zu einem 
Zwiegeſpräch. Sie ſprach: „Darum will ich did 
bitten, Daß du meine Brüder nicht jo ſchleunig tödten 
laſſeſt; laß fie lieber in den Stod*) jeßen.? Mir 


*) Ein in der Mitte gejpaltener Stamm mit runden’ Deff- 
nungen, in welche die Füße der Gefangenen geziwängt 


178,1 f. — 4) rim. 182. — 5) 185,1 f. — 6) rim. 173—74. — 7) rim. 


183 f. Au Gudrun's Brüder bleiben im Kampfe gegen die Ueber⸗ 


macht allein übrig, werden gefangen und gefeffelt, ſ. u. Kap. 37 
Anfang. — 8) rim. 185,8 f. — 9) rim. 18687. 
d 





22 


geht ed eben, wie das Sprichwort jagt, daß das 
Auge ſich freut, jo lange es den Anblick Hatı; ich 
bitte aber deshalb nicht mehr für fie, weil ich glaube, 
daß es mir nicht nüben würde.‘ Da antwortete 
Siggeir: | „Raſend bift du und unklug, daß | du für 
deine Brüder Schlimmeres erbitteit, denn daß fie er- 
Ichlagen werden 2: indeſſen jol dir daS gewährt fein; 
denn e3 freut mich mehr, wenn fie fchlimmer dulden 
und längere Dital vor ihrem Tode erleiden.“ 3 

Run ließ er alfo thun, wie fie bat, ımd ward 
nun ein mächtiger Baumſtamm genommen und den 
zehn Brüdern-an die Füße gelegt *, an einer Stelle 
im Walde. Dort jaßen ſie nun den ganzen Tag ||92) 
bis zur Nacht. | Aber um Mitternacht fam eine alte 
Wölfin au dem Walde dorthin zu ihnen, wo fie im 
Stode faßen, die war groß und fchredlich anzufehen; 
und das war ihr Vorhaben, daß fie einen der Brü- ° 
der zu Tode biß, fodann fraß fie ihn ganz auf ®; 
und ging dann hiniveg. 
Aber am Morgen darauf jendete Signy zu 





wurden. (Ein Exemplar im Altnord. Mufeum zu | 
Kopenhagen: Katalog [7. Aufl.) Nr. 201.) 

1) rim, 189. — 2) vgl. rim. 188 (3. Th. — Helg. Hund. II, Str. 
33, 1-4). — 3) Auch Gudrun’s Brüder fterben u Atle's Befehl 
eines qualvollen Todes, f. u. Kap. 37. — 4) rim. 190. — 5) rim. 
191— 32. = 


® 





23 


ihren Brüdern einen Mann, dem fie am meiften 
traute, um zu erfahren, wie e3 ftehe. Und als der 
wieder zu ihr fam, fagte er ihr, daß einer von 
ihnen todt wäre. ! Das ſchien ihr ſchrecklich, daß 
es ihnen allen jo ergehn follte, ohne daß fie ihnen 
helfen fünnte Kurz iſt davon zu berichten: | Neun 
Nächte nad einander kam diejelbe Wölfin und tödtete 
und fraß je einen von ihnen, bis fie alle todt waren; 
nur Sigmund allein war übrig? Und ehe denn 
die zehnte Nacht Fam, jendete Signy ihren Vertrauten 
zu ihrem Bruder Sigmund, und gab ihm Honig in 
die Hand, und fagte, er follte den auf Sigmund’3 
Geficht ftreichen und ihm etwas [davon] in den Mund 
legen. Da begab er ih zu Sigmund und that, 
wie ihm geboten war, und ging jodann heim.? Die 
Nacht darauf kam dieſelbe Wölfin nad) ihrer ©e- 
wohnheit und gedachte ihn zu Tode zu beißen wie 
jeine Brüder. Da befam aber die Wölfin Witterung 
von ihm, wo er mit Honig beitrichen war, und be= 
leckte mit ihrer Zunge fein ganzes Geſicht, und 
ſtreckte ſodann die Zunge ihm in den Mund. Gig: 
mund ließ ſich nicht faul finden, und biß der Wölfin 
in die Zunge; die fträubte ſich ſehr, fie zog ge— 
waltig und ftemmte die Füße in den Stod, jo daß 
1) rim. 19994. — 32) rim. 197. — 8) vgl. rim. 198—99 (Signy 


gebt jelbft hin). — 4) vgl. rim. 200—201. 
\ 


24 


er ganz audeinander barſt. Er aber hielt jo feft, 
daß der Wölfin die Zunge bei der Wurzel ausrif 1, 
und davon litt fie den Tod. Es ift aber die Sage 
einiger Männer, | daß diefe Wölfin König Siggeir’3 
Mutter geweſen, und daß fie diefe Geſtalt angenom- 
men habe durch Hexerei und Bauberfunft. *) 2 


Sechſtes Kapitel. **) 


So war Sigmund los geworden, der Stod 
aber zerbrochen, und Sigmund hielt ſich nun da in 
der Nähe im Walde auf. or) Abermals 193) ſandte 
Signy, zu erfahren, wie ed ftehe und ob Sigmund 
lebe. Und al3 die [Boten] kamen, fagte er ihnen die 
ganze Begebenheit, wie es zwilchen ihm und der 
Wölfin ergangen war. . 

| Da begab fie fich hin zu ihrem Bruder, und 
fie faßten den Rathſchluß, daß er dort eine Erdhütte 
im Walde baute? Nun ging es jo eine Zeit lang, 
dab Signy ihn dort verbarg und ihm dad gab, deſſen 








*) Siehe unten ©. 30 **, 
**) Die Ueberſchrift ift nicht. lesbar. 
xx*) Hielt ſich auf? helzt ftatt hefst? 
1) rim. 802--208,2. — 2) Gunnar wird im Sclangenhofe von einer 


Natter ins Herz geflohen (f. u. Kap. 37 Ende), die nad Oddr. 
Str. 29 Atles Mutter if. — 3) vgl. rim. 203,3—204,2. 


25 





er bedurfte. | König Siggeir aber mwähnte, daß Vol- 
fung’3 Söhne alle todt wären. 1 
König Siggeir hatte zwei Söhne mit feiner 
Frau; und bon denen wird gejagt, daß, da fein 
äfterer Sohn zehn Winter alt war, Signy ihn hin⸗ 
fandte zu Sigmund ?, damit er ihm Hilfe leiſtete, 
wenn’er etwa verfuchen wollte jeinen Vater zu rächen. 
Der Knabe ging zum Walde und kam fpät Abends 
zu Sigmund’3 Erdhütte. Der nahm ihn gebührend 
freundlich auf und | fagte, daß er ihr Brot zubeveiten 
follte; „ich aber“ [jagte er] „will Brennholz fuchen,” 
und gab ihn einen Mehlbeutel in die Hand; er 
feldit ging Holz zu ſuchen. Als er aber wieder: 
fam, hatte der Knabe nichts gefchafft hinfichtlich der 
Brotbereitung. Da fragte Sigmund, ob dad Brot 
fertig wäre. Er antwortete: „Nicht wagte ich, den 
Mehlbeutel anzufaſſen, denn da lag etwas Lebendiges 
im Mehl.“ 3? Da glaubte Sigmund zu wifjfen, daß 
diefer Knabe nicht jo wohl beherzt fein werde, daß 
er ihn bei fich haben möchte. Als nun die Ge— 
ſchwiſter (Sigmund und Signy) zufammen Tamen, 
fagte Sigmund, daß er feine Hilfe dabei fände *), 
*) Eigentlid): „daß er [darum] nicht einem Marne (Helfer) 
fih um fo näher fühlte.“ 


1) rim. 208. — 2) vgl. rim. 209 (drei Söhne). — 3) rim. 210—12. 





26. 


wenn auch der Knabe bei ihm wäre. Signy ſprach: 
„Rimm ihn denn und tödt' ihn: er braudt dann 
nicht Yänger zu leben.” Und alfo that er.! Nun 
verging dieſer Winter. Und einen Winter darauf 
ſandte Signy ihren jüngeren Sohn zu Sigmund; 
doch bedarf's davon feiner langen Erzählung. Es 
erging genau ebenjo *), daß er auch diejen Knaben 
auf Signy’3 Rath tödtete. ? | 94) 


Siebentes Kapitel. **) 


Es wird erzählt, daß einmal, da Signy in 
ihrer Kammer ſaß, zu ihr ein Herenweib fam, die 
gar jehr zauberfundig war. Da ſprach Signy zu 
ihr: „Ich wollte, daß wir die Geſtalten vertaufch- 
ten.“**x*) Die Zauberin fagte: „Du follit dariiber 








*) Eigentlich: „als ob es dafjelbe wäre”. 
x**) Ueberſchrift: „Signy empfängt Sinfjotle”. 

***) Geſtaltentauſch wird durch Zauber bewirkt (jo auch 
unten ©. 129 dur Grimhild’3 Zauber). Diejer Tauſch 
iſt ein vollftändiger: von der äußern Geſtalt bleibt nur 
das Auge unverändert (f. u. Kap. 29, Abi. 4). — 
Svanhyvita erfennt den Regner in feiner niedrigen Ver- 
kleidung als Hirt an den leuchtenden Augen (Saro Gr. 
&. 70); vgl. Helg. Hund. II, 2, 3 ff. 

1) gl. rim. 213—14. — 2) vgl. rim. 215; u. ©. 34*. — Auch Gudrun 


tödtet ihre und Atle’8 beide Söhne, aber aus Made, ſ. u. Kap. 38, 
Abi. 2. 


27 





beſtimmen.“*) Nun jchuf fie es fo mit ihren Küns 
iten, daß jie die Geſtalt vertaufchten 1, und jebte fich 
die Bauberin auf den Platz Signy's nad) deren Ge— 
heiß und legte ſich Abends ins Bett zu dem Könige; 
und er merkte nicht, daß Signy nicht bei ihm wäre. 


Nun iſt von Signy zu berichten, daß fie nad) 
der Erbhütte zu ihrem Bruder ging, und ihn bat 
ihr Herberge zu geben über Nacht: „denn ich habe 
mic) im Walde verirrt, und nicht weiß ich, wo id) 
mich befinde.“ *2 Er fagte, fie jollte da bleiben; er 
wolle ihr als einer einzelnen Frau die Herberge 
nicht verſagen, und er ſei überzeugt, daß fie ihm 
die freundliche Aufnahme nicht fo [übel] lohnen würde, 
daß fie ihn verriethe. Nun nahm fie Herberge bei 
ihm, und fie febten ſich zum Eſſen; er blickte oft auf 
fie, und fie dünfte ihn fchön und anmuthig. Als 
fie aber gegefjen Hatten, da fagte er zu ihr, er wolle, 
daß fie in der Nacht daS Lager theilten; fie fträubte 
fi) nicht dagegen, und | er nahm jte drei Nächte nad) 
einander zu ſich.“ Darnach begab fie fih Heim zu 
der Zauberin und verlangte, daß fie wieder die Ge- 
ftalten taufchten,; und das bewirkte jene, * 


HD. 5: „Wie du wünfcheft, ſoll es gejchehn.” 


1) rim. 216, kurz wiedergegeben. — 2) vgl. rim. 217. — 9) rim. 
218,3 f. — 4) rim. 219. 





28 





Und ald die Zeit verjtrichen war, gebar Signy 
einen Knaben ; der Knabe ward Sinfjotle *) genannt !; 
v und al er aufwuchs, war er fomohl groß wie ftarf 
und ſchön von Antlitz umd artete nad) den Volfungen ; 
und war noch nicht völlig zehn Winter, als Signy 
ihn zu Sigmund nad der Erdhütte jandte.* Sie 
hatte mit ihren vorigen Söhnen, ehe fie die zu Sig— 
mund jchidte, die Probe gemacht, daß fie ihnen [den 
Rock] an die Arme durh Haut und Fleiſch nähte; 
die hatten daS jchlecht ertragen und darob gejchrien. | 
Ebenſo that fie mit Sinfjotle, der aber verzog feine 
Miene dabei. Sie z0g ihm dann den Rod wieder 
ab, fo daß die Haut mit den Aermeln abging, und 
fagte, er werde dabei Schmerz empfinden. Er [aber] 
ſprach: „Gering follte folder Schmerz ||95) einem 
Volſung ſcheinen.“ 3 
Nun kam der Knabe zu Sigmund. Da gebot 
Sigmund ihm ihr Mehl auszukneten, er aber wolle 
Brennholz für ſie ſuchen, und gab ihm einen Beutel 
in die Hand, ſodann ging er zu Walde. Als er 
aber wieder kam, da war Sinfjotle fertig mit baden. 


*) D. h. wahrſcheinlich „der Geführte”, ſ.H. Zichr. 23, 161 ff. 
**) Saumadhi at hondum medh holdi ok skinni, vgl. 
Grettis s. er 17, ©. 34. 


29 





Da fragte Sigmund, ob er etwas in dem Mehle 
gefunden habe. „Sch habe wohl Verdacht, daß etwas 
Lebendiged drin geweſen fei, als ich zuerſt anfing zu 
fneten, und bier habe ich das mitgefnetet, mas 
darin war.” Sigmund ſprach, und lachte dabei: 
„Ih wähne, du wirjt heut Abend feine Mahlzeit 
von diefem Brote haben, denn du Haft eine große 
Giftſchlange darein gefnetet.” ! Sigmund war fo 
ſtark, daß er Gift efjen fonnte, ohne daß es ihm 
etwas ſchadete; Sinffotle aber vertrug es [nur], daß 
das Gift ihm von außen ankam, aber nicht befam 
e3 ihm, e3 zu efjen oder zu trinken. ? 


Achtes Kapitel.*) 


Nun ift zu berichten, daß Sinfjotle dem Sig— 
mund noch zu jung ſchien zur Rache mit ihm, und 
er wollte ihn zuvor etwas an harte KRampfesarbeit 
gewöhnen. Sie zogen. nun de Sommers weit durch) 
die Wälder und erſchlugen Männer, der Beute 
wegen. | Sigmund fchien [Sinfjotle] recht nach den 
Volfungen geartet ?, doch mwähnte er, daß er König 


*) Meberjchrift: „Sigmund und Sinfjotle legen die Wolfs⸗) 
Bälge an”. 
1) ®gl. rim, 228-232. — 2) Sinfj. 8. 10 ff. — 3) rim. 284. 


30 


Siggeir’8 Sohn wäre, und dadhte, ex habe etwas 
von der Bosheit ſeines Vaters, aber den Heldenmuth 
der VBolfunge, und meinte, daß er wenig an feinen 
Blutövermandten hänge, denn | oft mahnte er Sig—⸗ 
mund feines Leided, und ſpornte ihn fehr an, König 
Siggeir zu erichlagen. ! 

Nun geſchah e3 einmal, daß fie wieder in den 
Wald gingen, fich Beute zu fchaffen; fie fanden aber 
ein Hau und darin zivei Männer fchlafend mit 
dien Goldringen. *% Die waren verwunſchen **), 
denn Wolfsbälge ***) Hingen über ihnen; jeden fiinf- 


*) Diefe Goldringe hängen mit der Verwandlung zuſam— 
men, und bedeuten, was in anderer Yorm durd) dic 
Wolfsbälge (ſ. u. Anm. ***) ausgedrüdt ift, daB die 
Träger fih in Wölfe verwandeln können. Hier ift die 
Verwandlung unfreiwillig; freiwillig dagegen bei den 
Walfyrjien, die auch Schwanringe und Schwanhemden 
(hamir) befiten. 

**) Eigentlich: „in Unheil’ gerathen“. Ener Leute, 
namentlid) BZauberinnen, konnten nicht nur fich jelbit, 
jondern auch andere, denen fie übel wollten, in Thiere 
verwandeln (R. Keyſer, Samlede Afhandlinger, 
©. 365 f.). Man denfe an die zahlreichen verwun⸗ 
jchenen Prinzen und Brinzeffinnen unferer Märchen. 

xx*) Wolfä-hamir; hamr ift eigentlich die äußere Hille, 
deren Anlegung zugleich das Wefen des betreffenden 

1) rim. 233. — Die folgenden Wolfsabentener fehlen in den rim. 


31 





ten Tag *) konnten fie die Wolfsbälge ablegen; fie 
waren Königsfühne. |96) Sigmund und Ginfjotle 
legten die Bälge an und vermochten nicht wieder aus 
ihnen heraus zu fommen, und fie (die Bälge) be- 
hielten ihre frühere Eigenfchaft **), | und [jo] Heul- 
ten fie [denn] wie Wölfe und verftanden beide ihr 
Geheunl.! Nun ftreiften fie auch durch die Wald- 
marfen, und fuhr jeder bon ihnen feine Straße. Sie 
trafen die Verabredung, daß fie fich dran wagen follten, 
wenn ed auch fieben Mann wären, aber nicht fürder, 
und der follte einen Wolf3fchrei thun, der in eine 
Fehde käme. „Brechen wir dad nicht (fagte Sig- 
mund), denn du biſt jung und tollfühn, [und] den 
Menſchen wird ed gut ſcheinen dich zu jagen.“ Nun 
fuhr ihrer jeder feine Straße; und als fie ſich ge- 
trennt hatten, traf Sigmund auf [7 ?]***) Männer, 
und that einen WVolfsfchrei;. und als Sinfjotle da3 
hörte, fam er herbei und tödtete fie alle. Sie trenn- 
ten ji) wieder, und als Ginfjotle weit durch den 


Thiere verleiht; vgl. die Wolfögürtel der Werwölfe 
(Maurer, Belehrung 2, 102 f.). 
*) Eigentlich jeded zehnte desgr: 24 "Stunden —— 
zwei doegr, die 12 Stunden des Tages und der Nacht. 
x*) D. h. in Wölfe zu verwandeln. 
>) Die Zahl ift unleferlih. Ich vermuthe 7 nad) S. 320. 


1) Helg. Hund. I, Str. 42, 8—4, 





32 





Wald gelaufen war, traf er elf Männer und kämpſte 
mit ihnen, und es geſchah, daß er fie alle tödtete. 
Nun ward er [jehr] müde *), lief unter eine Eiche 
und ruhte fih dort ...** [Sinfjotle]) ſprach zu 
[Sigmund]. [„Du riefeft?] mich zu Hilfe, um fieben 
Männer zu tödten, ich aber bin ein Kind an Jahren 
im Vergleich mit dir, und [do] vief ich nicht um 
Hilfe, elf Männer zu tödten.” Da ſprang Sigmund 
jo heftig gegen ihn 97), daß er zurüdtaumelte und 
fil: Sigmund biß ihn vorn in die Gurgel. An 
diefem Tage vermocdten fie nicht aus den Wolfs⸗ 
bälgen zu kommen. Sigmund warf ihn ſich auf den 
Rüden und trug ihn heim in die Hütte und ſaß 
über ihm, und wünſchte die Wolfsbälge zu allen 
Teufeln. ***) 

Sigmund fah eine® Tages zwei Wiefel, wie 
eind das andre in die Gurgel biß; jenes lief zu 


*) So ſchlafen auch die verwunfchenen Königsſöhne (S. 30); 
ſ. Maurer, Befehr. 2, 106 f. 

**) Hier ift ein kurzes Stüd, ſowie auch vorher und nad: 
ber die Wörter in [ ] unleſerlich. Die Bapierabichriften 
geben:- Da kam Sigmund dorthin und fprad: „Warum 
riefeft du mich nit?” Sinfjotle fagte: „Nicht wollte 
ih did) zu Hilfe rufen“ u. ſ. w. 

***) Eigentlich: „er hieß die Trolle (Unholde) die Wolfsbälge 

- holen.“ 





33 





Walde, und brachte ein Blatt und Iegte es auf die 
Wunde, und al3bald ſprang das [andere] Wieſel ge- 
heilt auf.*) Sigmund ging hinaus, und jah einen 
Haben **) mit dem Blatte fliegen und es ihm bringen: 
Er legte es über Ginfjotle8 Wunde, und Ddiefer 
Iprang fogleich gefund auf, als wenn er nimmer 
wund geivejen wäre. 

Darauf gingen fie zu der Erdhütte und blieben 
da, bis zu der Zeit, da ed ihnen befchieden wäre, 
die Wolfsbälge abzulegen: da nahmen fie diejelben 
und verbrannten fie und wünfchten, daß fie nieman- 
dem [mehr] zum Schaden gereichten. Sie hatten 
aber in ihrem unbeilvollen Zuftande ***) manche Hel- 
denthat in König Siggeir's Reiche vollbradit. 

AS nun Sinfjotle erwachſen war, da meinte 
Sigmund ihn genug erprobt zu haben. Nun währte 





*) Diefer Zug begegnet verjchiedentlich in den Märchen: 
Grimm’ Märchen Nr. 16 (Bd. III, ©. 26). Anders 
gewandt bei Grundtvig-Leo I, 3 ff. [>= Saro Gramm. 
©. 243 f.]. 

**) Der Nabe ift Odin’3 Vogel, der durch ihn das heilende 
Blatt jendet, wie durch Hliod (in Gejtalt einer Krähe) 
den fruchtbar machenden Apfel an Reri (oben ©. 8, 
Anm. }). 

***) { theim üskopum („während dieſes Mißgeſchicks“), d. h. 


ala Werwölfe. 
3 





34 


ed nit lange, daB Sigmund PBaterrahe nehmen 
wollte, wenn es jich dazu anlafjen würde. Da gingen 
fie eines Tages fort von der Erdhütte, und | famen 
ſpät Abends zu König Siggeir's Hofe ! und traten 
in die Borjtube, die vor der. Halle war; dort aber 
waren Bierfäffer, dalhinter] verbargen fie fih.? Die 
Königin wußte nun, wo fie waren, und beichloß zu 
ihnen zu gehn; und al3 fie zufammen famen, ba faßten 
fie den Rath, daß fie die Vaterrache ausführen mwoll- 
ten, fobald es Nacht würde. 3 j 
Signy und der König hatten zwei *) junge 
Rinder, die fpielten mit Goldringen am Boden und 
ließen fie über den Ejtrih der Halle rollen und 
fprangen ihnen nad. in Goldring lief weiter fort - 
*) Zwei Kinder, wie oben ©. 25 f., obwohl bier nur 
eins des Verraths ſich ſchuldig macht. Sind die zwei 
Kinder aus jener Darftellung hberübergenommen? Biel: 
leicht ift überhaupt rückwirkender Einfluß de3 analogen 
Zuges der Sage von Gudrun anzunehmen, die auch ihre 
und Atle's beide Finder tödtet (u. Kap. 38, Ab. 2); 
oder e3 ijt die doppelte Tödtung eined mit Giggeir 
erzeugten Kinderpaares durch Signy oder auf ihr Geheik 
aus Nebeneinanderjtellung verjchiedener Faſſungen des 
gleihen Sagenzuges entſtanden. (Vgl. die folgende 
Anmerkung.) 


1) rim. 285,1. — 2) vgl. Helg. Hund. I, Etr. 42, 1 f. — 3) vgl. 
rim. 235,3—239,4 (abweidend u. 3. Th. ausführlicher). 


35 





nad) der Stelle ded Haufe, wo Sigmund und GSin- 
fiotle waren; |der Knabe aber jprang Hinterdrein, 
den Ring zu fuchen. Da fah er zwei Männer fißen, 
groß und grimmig, die hatten tief herabreichende 
Helme und weiße Panzer an. Da lief er in das 
Innere der Halle zu feinem Bater und ſagte ihm, 
was er gejehen hatte. ! Der König argmwöhnte num, 
daß e8 gegen ihn gerichteter Verrath fein merde. 
Signy hörte, 98) was ſie jagten; fie jtand auf, 
|nahm die beiden Kinder, und ging hinaus in Die 
Borftube zu ihnen und fagte, fie follten wiſſen, daß 
die fie verrathen hätten: „und ich rathe euch, daß 
ihr fie tödtet.” 2? Sigmund jagte: „Nicht will ich 
deine Kinder tödten*), obſchon fie mich verrathen 
haben.“ Sinfjotle aber bebte nicht davor zurüd, 
ſchwang fein Schwert und tödtete beide Kinder, und 
warf fie hinein in die Halle vor König Siggeir. 3 
Der König ftand auf und rief feine Mannen auf, 
die Männer zu ergreifen, welche ſich am Abend in 
der Vorſtube verborgen Hätten. Da ſprangen die 





*) Borher (S. 26) hatte Sigmund diefe Scheu nicht ge- 
habt. Wie der Widerſpruch ſich erklären mag, darüber 
ſ. die vorige Anm. (rim. übrigend: „Sch tödte nicht 
mehr der Kinder dein“). 
1) rim. 240. — 2) rim. 2341. — 3) rim. 242—43; vgl. Helg. Hund. I, 
Str. 42, 5—10. 
3% 





36 





‘ Männer dorthin fort, und wollten jie ergreifen; die 
aber mwehrten fich wohl und mannbaft, und [ange *) 

- meinte der ed am ſchlimmſten zu haben, der ihnen 
am nächſten war. Am Ende wurden fie aber von 
der Uebermacht bewältigt und gefangen genommen ! 
und denmädhft in Bande gefchlagen und in Fefleln 
gelegt, und faßen fie dort die ganze Nacht. 

Nun überlegte der König bei fich, welches Todes 
er fie jterben laſſen follte, den fie am längſten fühl- 
ten. AS nım der Morgen kam, Tieß der König 
einen großen Hügel machen von Steinen und Rafen; 
und al3 der Hügel fertig war, ließ er eine große 
Felsplatte mitten in den Hügel jeßen ?, jo daß die 
eine Kante der Felsplatte empor ftand, und die andere 
nach unten gefehrt war: fie war fo groß, daß fie 
auf beiden Seiten an [die Yeldwand] reichte, jo daß 
man nicht an ihr vorbeifchlüpfen Tonnte. | Nun ließ 
er Sigmund und Ginfjotle ergreifen und in den 
Hügel ſetzen, auf jeder Seite einen von ihnen ?, die= 
weil es ihm Härter jchien, wenn fie nicht „beide bei- 
fammen wären, umd doch jeder den andern zu hören 
vermöchte. Und al3 fie nun dabei waren, den Hügel 
mit Rafen zuzudeden, |Tam Signy dazu, und trug 


*) Oder „bei weiten”? 
1) rim. 244—46. — 2) vgl. rim. 248,1f. — 8) = rim. 247—248. 


37 





Stroh im Buſen, da3 warf fie Sinfjotle in den 
Hügel zu 1, und bat die Knechte es dem Könige zu 
verhehlen. Die fagten es zu, und Darauf ward der 
Hügel geichlofjen. 

Und al die Nacht kam, fagte Sinfjotle zu Sig- 
mund: „Keineswegs, mein’ ich, wird es uns eine 
Beit lang an Speife gebrechen: | hier Hat die Königin 
Sped in den Hügel geworfen * und denfelben mit 
Stroh umhüllt.“ Und wieder betaftete er den Speck 
|und fand, daß das Schwert Sigmund’3 darein ge 
ſtoßen war; er||99) erfannte e8 am Griff, denn es 
war dunkel in den Hügel, und fagte es Sigmund; 
des freuten fie fich beide. ? Sinfjotle jchob die 
Schwertipige über die Yelsplatte und z0g* mit 
Macht: das Schwert fchnitt in den Felfen. Gig- 
mund ergriff nun die Schwertſpitze, und jo durch— 
fägten fie die Felsplatte zwiſchen ihnen und ließen 
nicht eher ab als bis fie mit Sägen fertig waren, 
wie e8 im Liede **) Heißt: 


*) Das Hinundherziehen beim Sägen iſt gemeint. (Bugge 
überſetzt: „drüdte aus Leibeskräften“.) 


**) Das (der Saga hier zu. Grunde liegende) Lied iſt bis auf 
die folgende Halbſtrophe verloren. 


1) rim. 249. — 2) rim. 252,1f. — 3) vgl. rim. 252,3—253,4. 





38 


Sie fügten mit Macht 

Den mädtigen Fels 

Mit dem Schwerte, Sigmund 
Und Sinfjotle. 

Nun waren fie beide los zujanımen im Hügel 
und zerfägten Stein und Rajen*) und entkamen fo 
aus dem Hügel. | 

Sie gingen nun hin zu der Halle 1; da lagen 
alle Leute im Schlafe. | Sie trugen Holz an die Halle 
und legten Feuer an da3 Holz.? Die aber, fo 
darinnen waren, erwachten von dem Qualm, und 
davon, daß die Halle über ihnen brannte? Der 
König fragte, wer den Brand geftiftet hätte. * „Hier 
find wir, Sinfjotle, mein Schweiterfohn und ich,“ 
fagte Sigmund, „und wir wähnen, du follft mer— 
fen, daß die Volſunge nicht alle todt find.“ **) 5 
Er hieß feine Schweiter herauskommen und von ihm 
höher Ehren theilhaftig werden und wollte ihr fo 
ihren Kummer ***) büßen. 6 Sie antwortete: „Nun 


*) Hdſchr. jarn (Eifen), jtatt torf oder jordh? (vgl. rim.). 
**) Bol. oben S. 25, unten ©. 58 und 77. 
*x*) Megen des Mordes ihres Gatten. Darauf bezieht ſich 
Signy’3 Antwort. Wan vergleihe das Anerbieten 
Dag's an feine Schweiter Sigrun „zum Entgelte de3 


1) Bgl. rim. 254—55. — 2) rim. 256. — 3) vgl. rim. 257. — 4) rim. 
258. — 5) vgl. rim. 259—61, abmweidend und ausflibrlider. — 
6) rim. 262—63. 


39 


follft du erjahren, ob ich dem König Siggeir den 
Mord König Volſung's nachgetragen Habe: ich ließ 
unjere Kinder ermorden, weil fie mir zu träge zur 
Baterrache fchienen; | und ih war es, die in den 
Wald zu dir kam, in eimer Wahrfagerin Geftalt, 
und Sinfiotle ift unfer Sohn !: er hat davon fo 
gewaltigen Heldenmuth, daß er ſowohl Sohnes⸗Sohn 
als Todhter-Sohn König Volſung's ift. | Sch Habe 
darnach allewege gerimgen, daß König Siggeir den 
Tod empfangen jollte; ich babe jo ſehr darnach ge 
rungen, daß die Rache vollzogen würde, daß ich 
unter feiner Bedingung [länger] leben darf?; und 
ih will nun freudig mit ihm fterben, obwohl ic 
ihn wider Willen zum Manne hatte.“ 3 Sodann 
füßte fie Sigmund, ihren Bruder, und Sinfjotle 
und ging [wieder] hinein ind Feuer und fagte ihnen 
„Lebewohl“. |100) Darnach fand fie da den Tod 
mit König Siggeir und feinem ganzen Hofe. ? 


Bater und Sohn verfchafften ſich Heervolk und 
Schiffe, und fuhr Sigmund zu feinem Stammeserbe 


Harms“, da er ihr den Gatten Helge erjchlagen. 
(Helg. Hund. II, Str. 34.) 
1) Bal. rim. 266. — 2) vgl. rim. 265. 264,1. — 3) rim. 264,3 f. — 


4) vgl. rim. 267—71 (ausflihrlider und 3. Th. wefentlid ab⸗ 
mweidhend). 


4 


und vertrieb den König aus dem Lande, der ſich 
darein geſetzt hatte. ! 

Sigmumd ward nım ein mächtiger ih hervor⸗ 
ragender König?, weiſe und hochſtrebend. Er 
hatte eine Frau, die Borghild bieß.? Sie Hatten 
zwei Söhne, der eine hieß Helge, der andere Ha— 
mund. * Und ald Helge geboren war, famen Nor- 
nen *) dazu und weiljagten ihm [fein Schidjal] und 
ſprachen, er follte der berühmtefte aller Könige wer— 
den.d Sigmund war da aus der Schlacht gefonımen 
und ging mit einem Lauch **) feinem Sohn entgegen, 
und gab ihm damit den Namen Helge ® und folgen- 
de3 als Gejchen? zur Nantendverleihung ***): Hring- 
jtad und Solfjall 6, und ein Schwert”, und hieß 
. *) Vgl. ©. 64 * und 87 **, 

**) Der über dad Gras hervorragende Lauch it da3 Bild 
des Andere überragenden Helden (u. Kap. 32 Anfg.). Die 
Veberreihung des Lauchs muß man bier mit Bugge 
ſymboliſch verjtehn: Helge joll zu einem a in 
Helden heranwachſen. 

RR) Per einen Namen verlieh, mußte dem Benannten ein 

Gejchent machen (als nafnfesti „Namenzfejtigung‘“), 

unjer Bathengefchent, |. Weinhold, Altn. Leben, ©. 263. 


1) rim. 272—73. — 2) vgl. rim. 274 (über Hunenland). — 3) rim. 
276 (Bryn hild). — 4) rim. 277 (Hromund). — 5) Nach Helg. 
Hund. I, Str. 2. — 6) =H. H.], Str. 75-81. — D=H. 
H. I, 8,2—3, wo aber viel mehr Namen aufgezählt find. — 8)=H. 

MH. 1 Str. 8,7—8. 


41 





ihn wader werden und den Volfungen nachfchlachten. ' 
Er (Helge) ward hochherzig umd beliebt und übertraf 
die meiften andern Männer in jeglicher Züchtigfeit. | 
E3 wird gejagt, daß er fich auf eine Heerfahrt be- 
gab, als er fünfzehn Winter *) alt war.t Helge 
war König fiber Heervolf, Sinfjotle aber war ihm 
beigegeben, und beide führten Kriegsvolk. 


Neuntes Kapitel. **) 


Es wird gejagt, daß Helge auf feiner Heer— 
fahrt | den König traf, der Hunding hieß; der war 
ein mächtiger König über zahlreiched Volk und Lande, 
Da erhub ſich eine Feldſchlacht zwilchen ihnen, und 
drang Helge Fräftig vorwärts, und ſchloß die Schlacht 
damit, daß Helge den Sieg gewann, König Hunding 
aber fiel? und ein großer Theil ſeines Heeres. Nun 
meinte Helge, bedeutend an Unfehn gewonnen zu 
haben, da er einen jo mächtigen König gefällt Hatte. 

König | Hunding's Söhne boten nun ein Heer 
auf gegen Helge und wollten ihren Vater rächen. 3 


*) Seit etwa 1000 Mindigfeitätermin auf land und in 
Norwegen. 
**) Ueberſchrift: „Helge vermählt fih mit Sigrun“. 
1) =H.H.1, 10, 14. 2gl. rim. 379 (zwölf Winter). Damit 


enden bie rimur. — 2) fürzgerinH, H. I, Str. 10, 5-8. — 3) vgl. 
H. H. I, Str. 11. 


Sie Hatten einen harten Kampf, und Helge drang 
durch die Schaaren der Brüder und bis zu König 
Hunding’3 Bannern, und | fällte diefe Söhne Hun- 
ding’3 | 101): Alf und Eyjolf, Hervard und Hagbard !, 
und gewann hier einen bedeutenden Sieg. 
| Und als Helge aus der Schlacht Fam, da fand 
er an einem Walde mehrere Frauen, vornehm von 
Anſehen, doch ragte eine vor allen hervor; fie ritten 
in ſtattlichem Aufzuge.“ König Helge fragte Die, 
welche ihnen vorjtand, nad) dem Namen; fie aber 
nannte ſich Sigrun, und fagte, daß fie König Hogne’3 
Tochter wäre. | Helge fagte: „Fahrt heim mit ung, 
und feid uns willlommen.“® Da ſprach die Königs- . 
tochter: „Andere haben wir zu thun als mit dir 
zu trinfen.” * Helge ſprach: „Was ift das, Königs- 
tochter?" Sie erwiderte: | „König Hogne hat mich 
an Hodbrodd, König Granmar's Sohn, verheißen; 
ich aber habe gelobt, daß ich ihn nicht Fieber haben 
will, denn eine junge Krähe.“) Dennoch wird dieſes 
vor fich gehen, du wehreſt e8 ihm denn und geheit 
ihm mit einem Heer entgegen, und **) nehmejt mid) 
*) Verüchtlicher Ausdrud, der auch ſonſt üblich ift, vgl. 
Yngl. s. Rap. 31. 


**) So unjer Text; Helg. Hund. I: „oder“, wohl richtiger. 


1) = H. H.I, Str. 14, 2-6 (H. H. II, Profa nad) Str. 12, 3. 12 f., 
an beiden Stellen Hiorvard ftatt Hagbard. — 2) vgl. H. H.], 
Str. 15—16. — 3) =H. H. I, Str. 17. — 4) =H. H.1], Str. 18. 


43 


hinweg '; denn mit feinem Könige wollte ich Tieber 
beifammen wohnen, als mit dir.“ ? „Sei fröhlid), 
Königstochter (ſagte er): eher wollen wir unfere 
Stärfe verfuchen, al3 du ihm gegeben werdeft, und 
erproben wollen wir zubor, wer von und beiden 
den andern befiegt, und da will ich daS Leben dran 
jeßen.” 3 | 

Hierauf jandte Helge Männer aus mit reichen, 
Gefchenten, um ihm Mannfchaft zu werben, und 
bejtellte alle3 Volt nad) Raudabiarg.*) Dort wartete 
König Helge fo lange, big daß eine große Schaar 
aus Hedindey zu ihm Fam *; auh kam da zu ihm 
viel Volkes aus Nörvafund mit ſchönen und großen 
Ediffen.®° König Helge rief zu ſich den Steuer- 
mann jeine® Schiffes, der Leif hieß, und fragte, ob 
er ihr Heer gezählt Hätte „ES ift nicht Leicht zu 
zählen, Herr: die Schiffe, die aus Nörvaſund ge- 
fommen find, darauf find zwölftaufend Mann, |102) 


— — — 


*) D. h. „Rothbergen“. Hedins⸗ey ("Anjel) iſt dem Namen 
nach gleich Hiddenſee bei Rügen. Doch ſcheint es ver— 
gebliche Mühe, dieſe Namen geographiſch nachweiſen zu 
wollen: ſie ſind wol meiſt ſagenhaft. 

1) =H.H.I, Str. 19—20. — 2) vgl. H. H. II, Str. 14. —3) =H. 

H. I, Str. 21 (in vollftändigerer Weberlieferung: Lüde zwiſchen 

Vers 8 und 4). — 4) = H. H. I, Str. 22—23 (Brandey ftatt 


Raudabiarg).— 5) H. H. I, Str. 24, 1-4 (Stafndnes ftatt Nörva- 
fund, vgi. Orvaſund tr. 25,7). 





44 


und doch ift das andere*), Schiffsheer noch halbmal 
größer.“ ! Da fagte König Helge, daß fie| nad) der 
Bucht ſteuern jollten, die Varinsfiord hieß ?; und fo 
thaten fie. Nun erhub fich ihnen ein großer Sturm ® 
und jo hoch ging die See, daß, wenn die Wellen lär- 
mend an Bord fchlugen, es fich geradeſo anhörte, als 
mern Berge zufammen jchlügen. * Helge hieß fie 
fih nicht fürdten und die Segel nicht einziehen, 
vielmehr alle noch höher fegen denn zuvor. *) Da 
war e3 nahe daran, daß fie [vom Sturm] überwältigt 
wären, ehe fie an Land kamen.“ Da kam Sigrun, 
König Hogne’d Tochter, dort hinab vom Lande mit 
großem Gefolge, und bradte fie in einen guten 
Hafen, der Onipalund heißt. © 

Das fahen die Landeseindohner, und es Fam 
herab vom Lande ein Bruder König Hodbrodd's, 
der über die Gegend herrichte, die Sparinshaug ***) 
heißt.” Er rief fie an, umd fragte, wer jene 


*) Nämlich die von Hedingey? (vgl. aber H. H. I, Str. 
26,3). | 
x**) Wie Sigurd unten ©. 78. 
x*x*x*) D. h. Sparin’3 Hügel. 
IM) H. H. Il, Str. 24,5—-3,4. — 2) H. H. |], Str. 27, 7—10. — 
3) H. H. II, Profa nad) 16, 3. 3f. — 4) = H. H.1, Str. 9. — 
5) H. H.I, Str. 30; vgl. H. H. II, Proſa, 3.3. — 6) =H.H.1L, 
Str. 31. — 7) vgl. H.H. I, Str. 32, 5—8; genauer H. H. II, 
Proja nad Str. 16, 8. 9-13. 


4 


große Heer anführe! Ginfjotle ſtand auf, und 
hatte einen Helm auf dem SHaupte, glänzend wie 
Glas, und einen Panzer, weiß wie Schnee, in 
der Hand den Spieß, nebjt ftattlihem Banner, und | 
einen goldrandigen Schild vor fi; er mußte den 
Königen Rede zu ftehen:*)2 „Sage, wenn du die 
Schweine und Hunde gefüttert Haft und zu deinem 
Weibe kömmſt, daß bier die Volfunge gekommen 
find ®, und wird hier im Heere König Helge zu 
finden fein, wenn Hodbrodd ihn auffuchen will, 
und das ift feine Luft, mit Ehren zu fechten, mäh- 
rend du Mägde beim euer Füffeft.” * Granmar**) 
lagte: „Nicht wirft du verjtehn viele gebührlich 
zu reden umd alte Mähren zu jagen, da du Häupt- 
linge anlügft; wahrer wird daß fein, daß du lange 
im Walde von Wolfsfraße dich ernährt und deine 


*) Solche Zanfgefpräche waren im Norden beliebt. (Vgl. 
Helg. Hiorv. [Hrimgerdharmäl]; Atlam. Str. 89--98; 
Lokas.; Härb.; Fms. VI, 361. Bon obigem findet 
ſich eine fürzere Faſſung auch in Helg. Hund. II. Manche 
“ Anfpielungen find dunkel. 
**) Im Liede iſt es richtiger Gubmund, Gran mar's Sohn, 
der das Scheltgeſpräch mit Sinfjotle führt (ſ. S. 44, 
3. 16 „König Hodbrodd's Bruder“). 


=H.H.1I, Str. 33; II, Str. 22, 1-4. — 2) =H.H. 1], Str. 34. 
—8) =H.H.1]I, Str. 8. — ) =H.H. I, Str. 36; II, Str. 
23, 1—4. 


46 


Brüder getödtet Haft; und es iſt eritaunlich,. daß 
du es wagſt, mit vornehmen Männern zu Felde zu 
ziehen, der du aus fo manchem Falten Leichnam Blut 
gefogen haft.“ *) 2" Sinfjotle antwortete: „Nicht 
vecht wirſt du nun deſſen gedenfen, wie du Die 
Bolva**) von Varinsey warſt 103) und fagteft, 
du mwollteft einen Mann haben, und mich zu dem 
Dienjte erforeft, dein Mann zu fein 2; darnach aber 
warjt du eine Walkyrje***) in Asgard}), und es war 
nahe daran, daß alle fich gejchlagen hätten um 
deinetwillen F}):? ich aber erzeugte mit dir neun 





*) Bol. ob. ©. 31 ff. 

**), Das Wort bezeichnet urfprünglich eine mit Sehergabe 
begabte Frau, die wie es fcheint als höheres Wefen verehrt 
ward (Tac. Germ. Kap. 8: Weleda); ſpäter ward es 
mehr in verächtlihem Sinne gebraucht = Zauberin, Here. 

***) Schlachtjungfrauen, welche als Odin's Dienerinnen da3 
Wal, d. h. die auf der Walftatt Fallenden, füren, 
fiefen und die, welchen fie da3 Todesloos erforen, nad) 
Walhall führen. 

T) Der Aſen (Götter) Stadt. 

Tr) So erwedt die Walkyrje Hild (= Freyja) in der älteſten 
Geftalt der Hildenfage den ftet3 erneuerten Kampf der 
Hjadninge, der auch in den jüngeren Faſſungen der Sage 
um fie ftattfindet. Diefer Kampf iſt aber im Grunde gleich⸗ 
bedeutend mit dem. ftet3 jich erneuernden Kampf der Ein- 
berjen (der todten Helden in Walhall). 

1) =H.H.I, Str, 37. — 2) =H. H. I, Str. 33.—3)=H.H. I, Str. 39, 


47 


— — — — 


Wölfe auf Laganes*), und war ich ihr aller Vater.“ 1 
Öranmar entgegnete: „Viel weißt du zu lügen: ic) 
wähne, daß du Niemand Pater zu fein vermodt. 
hätteft, feitdem du entmannt warſt von den Töchtern 
de3 Niefen auf Thoröned.**) 2 Und du bift ein 
Stieffohn König Siggeir's, und lagſt draußen im 
Walde mit Wölfen, und fam alle Unheil auf ein- 
mal über dich; du erſchlugſt deine Brüder, und er- 
warbit dir den Auf eines Uebelthäters.“ Sinffjotle 
antwortete: „Gedenkſt du noch deilen, daß du die 
Stute warft bei dem Hengft Grane?***) und ritt ich 
dich eine Strede auf Bravoll}) *%, darnach warft du 
Ziegenjunge des Niefen Golni.“ 5 Granmar fagte: 
„Eher wollte ih die Vögel an deiner Leiche fättigen 
als Yänger mit dir zanten.“ 6 Da ſprach König 
Helge: „Beſſer wäre es und tapferer von euch ge- 
handelt, wenn ihr euch fchliget, denn folches zu 
reden, das ſchmählich zu Hören iſt. Keineswegs 


*), Nach dem Liede Sägu nes. 
**, So das Lied, in der Saga jteht fälſchlich Thrasnes. 
***) So hieß Sigurd’3 Roß, f. ©. 67. 

) Der Plural heißt Brävellir. An einen Ort diejes 
Namens verlegt die nordifche Sage die fagenberühmte 
Bravallaſchlacht. 

1,; H. E. J, Str. 40. — 2) =H.H. J, Str. 4. — 9 =H. 


H. I, Str. 2. —4)=H.H. J, Str. 48. — 5) =H. H. I, Str. 
44, 1-4. — 6) — H. H. I, Str. 45. 





48 


find Granmar’3 Söhne meine Freunde, doch find fie 
tapfere Männer.“ 1 

Öranmar ritt nun Hinweg zu König Hod— 
brodd nad) Solfiall, ihre Roſſe hießen Sveipud und 
Speggjud: ? fie begegneten ihm im Burgthore und 
fagten ihm die Kriegämeldung König Hodbrobd 
war im Panzer und hatte den Helm auf dem Haupte; 
er fragte, wer da wäre, „und warum feid ihr denn 
fo zornmuthig?“ 3 Granmar fagte:’ „Hier find die 
Bolfunge gelommen * und haben zmölf Taujend Mann 
am Lande, und fieben Taufjend bei der Inſel, Die 
Sot*) Heißt, vor Grinden**) aber liegt noch ihre 
größte Macht, und ih mähne, daß Helge ||104) 
nunmehr eine Schladht liefern will.“.° Der König 
ſprach: „Veranſtalten wir denn ein Heergebot durch 
unfer ganzes Reich, und ziehen ihm entgegen ®; feiner 


*) „Mißverſtändniß von f Sogn ut (Helg. Hund. I, Str. 
51,3).” Bugge. 

*x) Sigentlich: „Da, mo es fyrir Grindum heißt.“ „Mißver⸗ 
jtändniß von Helg. Hund. I, Str. 51,5: { grindum, 
was mwahrjcheinlich meint, in Reihen.” Bugge. 

1) =H.H. I, Str. 4647; II, Str. 26—27. — 2) =H.H.]I, ©tr. 48, 
14 (Solbeim ftatt Solfjall). — 3) = H. H. I, Etr. 48—49, in 
älterer Faſſung benugt? (48, 14 und 49, 1—4. 49, 5-6 und 2 
fehlende Bere [„war im Panzer“] und 49, 110°). — 4) vgl. H. 
H. I, Str. 50,8. — 5) =H.H. I, Str. 51. — 6) vgl. H.H. I, 
Str. 58, 1-6 (unvollitändig ?). 


49 


— — — — 


ſitze daheim, der fechten will. Senden wir Botſchaft 
Hring's Söhnen, und an König Hogne und Alf den 
alten, die find gar ſtreitbare Männer.“)2 

Sie trafen fi) da bei Frelaftein**), da erhub 
fih eine harte Schlacht. Helge ging vorwärts durch 
die Heerjchaaren, fo daß da eine große Niederlage 
ward. ? Da jahen fie eine große Schaar von Schild- 
maiden***), glei al ob man in Flammen fähe: 
da war Sigrun, die KRönigstochter. * König Helge 
drang gegen König Hodbrodd vor, und fällte ihn 
neben den Bannern.5 Da ſprach Gigrun: „Habe 
Dank für dieſe Heldenthat! Nun werden die Lande 
einen neuen Heren erhalten.+) Dies ijt mir ein großer 
Slüdstag; und du wirft davon Ruhm und Chre 


*) Hogne iſt Sigrun's Vater. Hring’s Söhne — Alle 
und Yngve (Helg. Hund. II, Str. 53,3)? 
x**) D. H Wolfsſtein (Freke ijt einer der beiden Wölfe 
Ddin’3). | 
**5) D. h. Walkyrjen. 
+) Eigentlich: „ES wird ein Tauſch (Aenderung) mit den 
Ländern jtattfinden.” 

1) =H.H. I, Str. 52, 7—10; vgl. u. Kap. 32, Abf. 5 und ähnliche Wen- 
dungen in Thidr. s. — 2) H. H. I, Str. 53 (Kogne und Hring’3 
Eöhnen, Atle und Yngve, Alf dem Alten). — 9) =H.H. I, Str. 
54, 1-4; II, Profa nad Str. 16, 8. 28 f.; I, Etr. 54, 5—12. — 
4) = H. H. I, Str. 55, 1-4 (vgl. Str. 15). — 5) fehlt in H. 
H. I (vgl. 56, 5 ff.). 

4 


— 


haben, daß du einen ſo mächtigen König gefällt 
Haft.“ 2 König Helge nahm das Reich in Beſitz 
und weilte lange dort; er nahm Sigrun zur Frau ? 
und ward ein berühmter und angejehener König; 
geht aber diefe Saga nicht weiter an. 


Behntes Kapitel. *) 


un fuhren die Volfunge heim und hatten aber- 
mal3 ihr Anſehen ſtark vermehrt Sinfjotle be= 
gab fich von neuem auf Heerfahrten. | Er erjah eine 
fhöne Frau und - begehrte ehr, fie zu geminnen. 
Um dieſe Frau warb auch der Bruder Borghild’g, 
die. König Sigmund zur Frau hatte Sie jtritten 
um diefe Sache im Kampfe, und Ginfjotle fällte 
jenen König. ? Er beerfahrtete nun weit umher und 
beitand manchen Kampf, und Hatte immer den Sieg. 
Er ward der berühmtefte und angefehenfte der 
Männer, | und kam um den Herbft heim mit vielen 
Schiffen und großem Gute. ? 

Er jagte feinem Water, was fich begeben; der 
aber jagte e3 der Königin. | Sie hieß Sinfjofle fich 


*) Ueberſchrift: „Von den Volſungen“. 


1) - H. H. J, Str. 56-57, teils wörtlich übereinftimmend , tbeils 
abweihend. — 2) = H.H.II, Brofa nad Str. 37, 3.15 vgl. H.H. 
I, Str. 57,5 ff. — 3) = Sinf]. 8. 2-5. — 4) vgl. Sind. 2. 5. 


S 


51 





fortheben aus dem Reiche, und fagte, daß fie ihn 
nicht [vor Augen] jehen wolle. Sigmund fagte, er 
laſſe ihn nicht hinweg ziehen, und bot ihr an, für 
ihn mit Golde und großem Gute Buße zu leiften*), 
obihon er zuvor noch feinen Mann gebüßt habe; 
und jagte, es fromme nicht mit Weibern zu ftreiten. 
Sie konnte alfo dies nicht durchfeßen und ſagte: 
„Ihr Habt 105) zu entfcheiden, Herr; fo ziemt 
es ſich.“ 1 

Sie bereitete nun die Todtenfeier*) ihres Bru⸗ 
ders? mit Willen des Königs und rüſtete dieſes 
Gaſtmahl mit der beſten Koſt und Wirthſchaft zu, 
und entbot dazu viele vornehme Männer. Borghild 
reichte den Männern den Trunk. Sie trat vor 
Sinfjotle mit einem großen Horne und ſprach: „Trink 
nun, Stiefſohn.“ Er nahm es entgegen und ſah 
in das Horn, und ſprach: „Vergiftet iſt der Trank.“ 
Sigmund ſprach: „Gieb ihn mir denn,“ und trank 
ihn auß.? Die Königin ſprach: „Warum ſollen 
andre Männer für dich Bier trinken?“ | Sie kam 


*) erfi, eigentlich Erbmahl, dann allgemein Gedächtnik- 
feier, die in einem feierlichen Trinkgelage beftand, 1 
Veinhold, Altn. Leb. ©. 500 ff. 

1) = Sinfj. 8. 5—7 (fürger); 'gl. Atlam. 70, u. Kap. 38, Abſ. 1—2. 
— 2) = Sinfj. 3. 7. So ebenfalls Gudrun an angeführter Stelle. 
— 3) = Sinf]. 3. 7-10 (wörtlid). 
4* 


52 

abermal3 mit dem Horne:. „Trin® nun!” und 
ſprach geringfchäßig von ihm mit manchen Worten. 
Er nahm dad Horn und ſprach: „Verfälfcht ift Der 
Trank.” Sigmund fagte: „Sieb ihn mir denn.“ ! 
Zum drittenmale kam fie und hieß ihn austrinfen, 
wenn er den Muth der Bolfunge hätte Sinfjotle 
nahm da8 Horn, und ſprach: „Gift ift im Tranke.“ 
Sigmund erwiderte: „Laß den Schnurrbart ihn 
jeihen, Sohn.“ ? Der König war da ſchon jehr 
trunfen, und deshalb ſprach er aljo.*) Sinfjotle 
trank, und fiel alsbald [todt] nieder. 

Sigmund ftand auf, und fein Harm ging ihm 
faft and Leben; |er nahm die Leiche in feine Arme 
und ging in den Wald und kam endlich da zu einer 
Bucht. Da fah er einen Mann in einem Kleinen 


*) Sigmund’3 Worte, wörtlich glei) Sinfj., find offenbar 
aus dem hier und dort benußten Liede entnommen und 
vom Gagafchreiber mißverſtändlich als unbedachte Rede 
aufgefaßt und mit Trunkenheit erflärt. Sinfj. hat Hier 
die Bemerkung, daß Sigmund Gift von außen und innen, 
feine Söhne aber nur von außen vertrugen (= oben 
©. 29°). Darum aljo foll Sinfjotle dur) den Bart 
trinfen, damit diefer die fhädliche Wirkung des Giftes 
aufhebe, ehe e3 ihn von innen berühre. 

1) Ausführlicer als Sinfj. 8. 18—13, wahrſcheinlich nad) dem in beiden ° 


Texten benusten, verlorenen Liebe. — 2) — Binfj. 3. 15—17 
(wörtlich). j 


— 





53 


Boote; diefer Mann fragte, ob er von ihm über 
die Bucht gefahren fein wollte. Er bejahte es. Das 
Schiff war fo Hein, daß es fie nicht [alle] trug, 
und ward die Leiche zuvörderſt aufs Boot gejchafft, 
Sigmund aber ging an der Bucht hin. Und al3bald 
entf hwand das Schiff Sigmund aus den Augen 
und ebenfo der Mann.*) 1 Darnach ging Sigmund 
beim; er veritieß nun die Königin, und bald darauf 
ftarb fie. König Sigmund beherrichte fürber fein 
Reich 2, und gilt al3 der größte Held und König in 
den Beiten des Heidenthum?. 


Elftes Kapitel. **) 


Eylime war ein König geheißen, mächtig und 
angefehen. Seine Tochter hieß Hiordis, die jchönfte 
und weijefte aller Frauen. König Sigmund ver: 


*) Es ijt Odin, bier als ZTodtenfährmann gedacht, der 
Sinfjotle zu fi) nimmt. Weber die Sitte, die Leihen auf 
einem Schiffe dem Meer zu überlaffen oder auf Schiffen 
zu verbrennen f. Weinhold, Altn. Leb. S. 458 f.; Mann⸗ 
hardt, Germ. Mythen, S. 35668. 

**) Die Ueberſchrift iſt unleſerlich. (Inhalt ganz kurz 
wiedergegeben Sinfj. 3. 26—28.) 
1) Etwas kürzer als Sinfj. 3. 18—23. — 2) vgl. Sing. 3. 24 f., wo 


die Berftoßung nicht erwähnt, ift (oder ift fekk Fehler ftatt rekr, 
rak?). 


54 





nahm, daß jie nach feinem Sinne wäre oder feine 
fonft; ımd fuchte König Eylime heim. Dieſer |106) 
bereitete ihm zu Ehren ein großes Gaftmahl fir 
den Fall, daß er nicht in Heerfahrt zu ihm käme. 
Sie jandten nun einander Botichaft, daß mit Freund- 
Ihaft und nit mit Yeindfchaft verfahren würde. 
Diejed Gaftmahl ward [alfo] aufs köſtlichſte bereitet 
und viel Volles dazu geladen. Dem König Sig— 
mund war überall Kaufgelegenbeit*) und fonjtige 
Reijebequemlichkeiten geboten; jie famen nun zu dem 
Gaſtmahle, und beide Könige nahmen in Einer Halle 
Platz. 

Da war auch König Lynge gekommen, König 
Hunding's Sohn, der wollte auch mit König Eylime 
ſich verſchwägern. Der (Eylime) ſah nun wohl, daß 
fie nicht [beide] den gleichen Erfolg haben**) könnten, 
und war auch überzeugt, daß Unfriede von dem zu 
erwarten wäre, der fie (Hiordiß) nicht erhielte.e Da 
ſprach der König zu feiner Tochter: „Du bift ein 
verjtändiges Weib, und ich habe gejagt, daß du felber 
dir einen Mann erwählen jolljt: wähle nun unter 
[den] zwei Königen, und mein Wille hierin ift wie 


*) Den Neifebedarf zu faufen (var sett torg). 
**) D. h. der Eine bei der Werbung Erfolg, der andere 
Miberfolg haben müfje (jo Bugge). 


55 





der deine.“ Sie antwortete: „Schwierig feheint mir 
diefe Sache, doch wähle ich den König, welcher der 
beriihmtefte ift, das aber ift König Sigmund, ob- 
wohl er jchon hoch betagt ift.* Und fie ward ihm 
gegeben, König Lynge aber fuhr hinweg, Sigmund 
vermählte ſich mit Hiordis, und übertraf da ein Tag 
immer noch den andern in der Bewirthung. 

Darauf fuhr König Sigmund heim nad) Hunen- 
land, und König Eylime, fein Schwiegervater, mit 
ihm. König Lynge aber und feine Brüder jammelten 
nun ein Heer um fi), und zogen gegen König Sig- 
mund aus; denn fie hatten allemal den Kürzern 
gezogen, wenn fie auch diemal den Vorrang (Bor: 
fprung) hatten.“ *) Sie wollten nun dem Kampf— 
muth der Volfunge zuborfommen**), und zogen nad) 
Hunenland und jandten dem König Sigmmd Bot- 
ſchaft: fie wollten ihn nicht Hinterliftig überfallen ***), 
und wußten wohl, daß er nicht fliehen würde. 
König Sigmund antwortete, daß er zum Treffen 
fommen würde. Er 30g ein Heer zufammen; Hiordiß 
aber ward mit einer Dienftmagd in den Wald ge- 


*) Eigentlih: „Wenn auch dieſes nun den Vorrang be= 
bauptete” (?). | 
**) Oder: „ihren Kampfmuth brechen“? 
***) Eigentlich: „Sich zu ihm heranſtehlen (ſchleichen)“. 


56 


— — — 


fahren und großes 107) Gut mit ihnen: dort war 
fie während des Kampfes. 

Die Seehelden*) ſprangen aus den Schiffen mit 
unwiderſtehlichem Heere. König Sigmund und König 
Eylime erhoben nun ihre Barmer, und die Sriegd- 
hörner wurden geblafen. König Sigmund ließ fein 
Horn ertönen, da3 fein Vater gehabt Hatte, und 
pornte feine Mannen an; Sigmund Hatte ein viel 
kleineres Heer. Es begann nun dort ein harter Kampf, 
und obihon Sigmund alt war, fo foht er doch 
fräftig, und war immer der borderite feiner Mannen; 
weder Schild noch Panzer Hielt gegen ihn aus, und 
er ging an diefem Tage immer mitten durch daß 
Heer feiner Feinde; und niemand fonnte erfehen, wie 
es zwijchen ihnen ablaufen würde. Mancher Speer 
und Pfeil flog da durch die Luft, aber fo ſchützten 
ihn feine Späh=Difen**), daß er nicht verwundet 
ward; und niemand fonnte zählen, wie mancher Mann 
vor ihn fiel: er Hatte beide Arme blutig bis zur 


*) Vikingar fol bier offenbar nicht Seeräuber, fondern, 
wie in der Dichtung allgemein, (See-) Helden heißen, 
vgl. Helg. Hund. I, Str. 28,4; Helr. 11,7 u. f. w. 

**) Difen find Schubgöttinnen (j. unten S. 99 F), den Nornen 
verwandt; daher hier Späh- (prophegeienbe , Schickſal 
kündende) Diſen genannt? 





57 


Achſel. Und als der Kampf eine Weile gedauert 
hatte, da fam ein Mann in die Schlacht, mit tief 
herabreichenden Hut und blauem Mantel, der hatte 
nur ein Auge und [trug] einen Speer in der Hand.*) 
Diefer Mann trat dem König Sigmund entgegen 
und bob den Speer gegen ihn empor; und als 
König Sigmund kräftig hieb, traf dad Schwert auf 
den Speer, und es zerfprang in zwei Stücke. Geit- 
dem wandte fi) die Niederlage, und war König 
Sigmund’3 Glück entwichen, und das Volk. fiel zahl: 
reich auf feiner Seite.**) Der König jchonte Sic) 
nicht, und fpornte das Heer mächtig an. Doch kam 
es, wie das Sprichwort jagt, daß man gegen Ueber- 
macht. nicht3 vermag. In diefer Schlacht fiel König 
Sigmund ! und König Eylime, fein Schmiegerbater, 


— — ñ—— — — 


x*) Es war Odin. Vgl. S. 16. So ruft er auch andere 
von ihm begünſtigte Helden, die er das Schwert in jeg⸗ 
licher Schlacht ſiegreich ſchwingen ließ, nach vollbrachter 
Heldenlaufbahn zu ſich, die Freuden des Heldenlebens 
in Walhall weiter zu genießen und einſt ihm zur Seite 
zu ſtehen, wenn der Weltuntergang naht und die Mächte 
der Vernichtung gegen die Götter heranſtürmen. 

**) Dieſe Ueberſetzung verlangt der Sinn (fyrir a 
vgl. u. ©. 81, 8. 6. 


1) Sinfj. 3. 27 f. = Nth. 55,7. 





58 





vorn in der Schlachtreihe und der größte Theil 
ſeines Heeres. 


Zwölftes Kapitel.*) 


König Lynge zog nun zum Königshofe, und 
gedachte dort die Königstochter zu fangen; das aber 
ſchlug ihm fehl,j108) und er fand da weder Frau 
noch Gut. Er z0g nun durch das Land und ver- 
theilte dort die Herrfchaft unter feine Mannen. Er 
wähnte nun dad ganze Geſchlecht der Volſunge er- 
ſchlagen zu haben **), und meinte, daß er fortan 
nicht mehr Furcht zu hegen brauche. 

| Hiordi8 ging nad) der Schlacht Nachts auf 
die Walftatt, und kam dahin, mo König Sigmund 
lag, und fragte, ob er noch zu heilen wäre Er 
antwortete: „Viele genejfen bei geringer Hoffnung, 
mir aber entwich dad Glück, fo daß ih mich nicht 
will heilen laſſen: Odin will nicht, daß wir fürder 
das Schwert ſchwingen, nachdem es zerbrach; ich 
habe Kämpfe beſtanden, jo lange es ihm gefiel.“ ***) ı 


*) Ueberſchrift nur zum Theil lesbar. 
**) Bol. oben ©. 25 und 38. 
***) Ziemlich getreue Wiedergabe einer (verlorenen) Strophe. 


1) Bgl. unten S. 1211. 


59 


Sie ſprach: „Nichts däuchte mir zu fehlen, wenn 
du geheilt würdeft und meinen Vater rächteſt.“ Der 
König antwortete: „Einem andern ift das beitimmt: 
du geht mit einem Knaben; pflege deſſen wohl und 
jorgfältig, und diefer Knabe wird | berühmt werden 
und der trefflichite in unſerm Gejchlechte. ! Verwahre 
wohl die Schwertitüde,. daraus Tann ein gutes 
Schwert gefchmiedet werden, dad Sram heißen joll. 
Unfer Sohn foll e8 tragen und damit manche Helden- 
that vollbringen, die nimmer vergefjen wird *), | und 
jein Name wird genannt werden, fo lange die Welt 
jteht: 2 damit tröfte dich.“ Mich aber ermatten 
die Wunden, ich werde nun meine dahingegangenen 
Blutsfreunde heimjuchen.“ **) Hiordis ſaß jodann über 
ihm, bis daß er ftarb; und indem begann der Tag 
zu leuchten. Sie ſah, dab viele Schiffe and Land 
gefommen waren, und ſprach zu der Dienſtmagd: 


*) eigentlich: „veralten wird“. 

*) In Walhall bei Odin, wo die im Kampfe Gefallenen 
aufgenommen wurden. Wie diefe dort von Odin und 
feinen Helden feierlich empfangen werden, ſchildern alt= 
nordifche Lieder, die Todtenlieder auf Erich Blutaxt 
md Hakon den Guten. Sigmund und Ginfjotle em=- 
pfangen Erich, Hakon findet acht Brüder in Walhall. 


1) Bel. Sinfj. 3. 33 f. und unten ©. 1211. — 2) = Grip. 233, 5-8; 
4, 5—8. — 3) = unten ©. 121, 8. 1. 








60 


— — — — — 


„Wir wollen unſere Kleider tauſchen, und du ſollſt 
dich mit meinem Namen nennen, und gieb dich für 
die (eine?) Königstochter aus.“ Und ſo thaten fie. 
Die Seehelden erblickten da eine große Menge 
Gefallener und ſahen die Frauen zu Walde eilen. 
Sie merkten [daran], daß hier Bedeutendes geſchehen 
fein müfje*), und fprangen von den Schiffen. Die 
Heer aber befehligte Alf, der Sohn König Hialpre®’3 
von Dänemark; der war mit feinem Heere am 
Lande vorbei gefahren; jo kamen fie zur Walftatt, 
und jahen da die Menge Gefallener. Der König 
gebot nun, die Frauen aufzufuchen; und alſo thaten 
fie. Er fragte, ||109) wer fie wären; aber die Sache 
nahm einen unerwarteten (ungewöhnlichen) Verlauf. 
Die Dienftmagd ſprach für fie beide und erzählte 
den Fall König Sigmund's und König Eylime’s 
und manches andern vornehmen Mannes, und aud) 
wer da3 vollbracht Hätte. Der König fragte, ob fie 
wüßten, wo der Schaß des König verborgen wäre. 
Die Magd antwortete: „Wohl ift zu vermuthen, 
daß wir es wiſſen,“ umd wies [ihn] zu dem Schape. 
Und fie fanden großen Reichthum, jo daß niemand 
glaubte, jemald eben jo viel oder noch mehr Kojtbar- 


*) Eigentli: „daß dies auf große (wichtige) Ereigniſſe 
hinweijen werde.“ 


61 





feiten an einer Statt beifammen gejehen zu Haben, 
und trugen ihn zu den Schiffen Alf's. Hiordis folgte 
ihm, und die Dienjtmagd desgleichen. 

Er fuhr nun heim in fein NReich*), und fagte, 
daß dort Die Könige gefallen ſeien, welche die bes 
rühmteften gewejen wären. Der König jebte fich 
and Steuer, die beiden Frauen aber jaßen im Vor- 
raum**) des Schiffe. Er ließ ſich in ein Geſpräch 
mit ihnen ein, und achtete wohl auf ihre Rede. Der 
König Tam Heim in fein Reich mit vielen Schäßen. 
Alf war ein fehr tüchtiger Held. 

Und als fie furze Zeit daheim geweſen waren, 
fragte die Königin ihren Sohn Alf: „Warum hat 
die fchönere Frau weniger Ringe und jchlechteren 
Anzug? ich erachte, daß diejenige die edlere ift, der 
ihr weniger geachtet Habt.“ Er erwiderte: „ES hat 
mir geahnt, daß nit einer Dienſtmagd Sinn in 
ihr wohnt; und als wir zufammen trafen, da ver- 
ftand fie wohl vornehme Männer zu empfangen: und 
darauf Hin wollen wir eine Probe machen.“ 


— — — — — — 


*) Der Inhalt der folgenden Abſchnitte iſt kurz angedeutet 
unten ©. 121, 3. 8 ff.; vgl. Sinfj. 3. 28 f. 

**) Gemeint ift der tiefere Raum in der Mitte des Schiffes, 
der dem erhöhten Hinterded zunächſt liegt, aber mehr 
nad) Hinten als nad vorn zu. 


/ 





62 





E3 geſchah nun einmal beim Trunfe, daß der 
König fich zu den Frauen febte, mit ihnen zu plaw 
dern, und fragte: „Woran erfennt ihr die Tageszeit, 
wann ed nach der Nacht zu tagen beginnt, falls ihr 
die Geftirne nicht ſehet?“*) Sie (die Magd) ant- 
wortete: „Died Merkmal habe ich dafür: in meiner 
Jugend war ich gewohnt jehr früh vor Morgen **) 
zu trinfen, und jeitdem ich davon ließ, wachte ich um 
diefelbe Zeit***) auf, und ift da3 mein Merkmal.“ 
Der König lächelte dazu, und fagte: „Daß war eine 
üble Gewöhnung für eine Königstochter.”F) Er ging 
darauf zu Hiordid und richtete an fie ebendiejelbe 
drage. |110) Sie antwortete ihm: „Mein Vater gab 
mir ein Ooldringelein mit der Eigenfchaft, daß es mir 
gegen Ende der Nahtr}) am Finger erfaltet: das ift 
mein Merkmal dafür.” Der König antwortete: „Da 
war Gold nicht Inapp, wo Dienftmägde es trugen: 
ihr werdet euch lange vor mir verftellt haben; und 


* Fins. 4, 381 rühmt fi) jemand, er könne die Tages- 
zeiten unterfcheiden, wenn er auch die Geftirne nicht fähe. 
**) In der Ötta, dem legten Theil der Nacht vor Sonnen 
aufgang, j. Weinhold, Altn. Leb. S. 373. 
**x*) Eigentlich: „demgemäß“. 
r) Eigentlich: „Schlimm war [bie] Königstochter gewöhnt.“ 
) S. oben Anm. #, 








63 





[doch] würde ich dich fo behandelt haben, als ob wir 
beide Eine Königs Kinder wären, aud) wenn du 
dies geſagt Hätteft.*) Und dir fol nun mehr 
Ehre eriwiejen werden, dieweil du meine rau werden 
ſollft, und ich will dir Brautfhab**) zahlen, fobald 
du das Kind geboren Haft.” Sie antwortete und 
fagte ihm ganz die Wahrheit von ihrem Schidjal. 
Sie war nım dort in großen Ehren, und erjchien 
als die angejehenite Yrau. 


- Dreizehntes Kapitel. ***) 


E3 wird nun gejagt, daß fie einen Knaben 
gebar, und der Knabe ward dem König Hjalprek 
gebracht. Der König ward froh, als er die fcharfen +) 


— —— — —— 


*) D. h. Auch wenn du deine königliche Herkunft mir 
anvertraut hätteſt, würde das nicht — wie du befürchtet 
zu haben ſcheinſt — deine Lage verſchlimmert haben, ſon⸗ 
dern ich würde dich ſo behandelt haben u. ſ. w. 

**) Das Geld, welches der Bräutigam der Braut zahlte; 
eigentlich dem Vater der Braut, denn es war urfprüngs 
lich ein Kaufgeld. 

xx*5) Ueberſchrift: „Sigurd's Geburt“. 

7) „Durchdringenden“, wie wir von „durchbohrendem“ Blick 
ſprechen. 





— 


Augen ſah, welche er im Haupte hatte, und ſagte, 
keinem werde er ähnlich oder gleich werden. Und er 
ward mit Waſſer begoffen*) und Sigurd genaunt. 
| Von ihm jagen alle überein, daß an Haltung und 
Wuchs feiner feines gleihen war. ? Er ward dort 
bei König Hialpref mit großer Liebe aufgezogen. ? 
Und wo alle die vortrefflichiten Männer und Könige 
in alten Sagen genannt werden, | muß Sigurd vor- 
angehen, was Stärfe und Tüchtigkeit, Thatkraft und 
Kühnheit betrifft, jo er voraus gehabt hat vor allen 
andern Männern im Nordtheil der Welt. Sigurd 
wuchs dort auf hei König Hialprel ?, und jedes Kind 
fiebte ihn. Jener (König Hjalprek nämlich) | verlobte 
Hiordid mit König Alf**) * und beftimmte ihr den 
Brautſchatz. 


*) Auch im Heidenthum ward das neugeborene Kind mit 
Waſſer beſprengt und ihm dabei der Name beigelegt. 
Wahrſcheinlich ward das Erſcheinen der Nornen, die das 
Schickſal des Kindes beſtimmten (ſ. unten S. 87**), 
während dieſer heiligen Handlung gedacht. (Vgl. Mann- 
hardt, Germ. Mythen, ©. 635 ff.) 

**) So auch Sinfj., nicht mit Hjalprek. 


1) Bgl. Sinfj. 3. 80 f. = Nth. 55,12 f. — 2) vgl. Sinfj. 3. 29 f. 
— Nth. 55,9. — 8) vgl. Anm. 1 und 2; Sinfj, 3. 29-31 = 
Nth. 55,9 ff.; 12 ff. — 4) vgl. Sinfj. 8. 28 f. = Nth. 55,8. 


—— 


| Regin hieß Sigurd's Pflegevatgr*); er war 
Hreidmar’d Sohn; er Iehrte ihn Kunftfertigfeiten, 
Brettipiel und Runen und in vielen Zımgen zu reden, 
wie da gebräuhlih war für Königsſöhne, und 
mandherlei andre. ! Einmal, da fie beide [allein] 
beifammen waren, fragte Negin Sigurd, ob er wiſſe, 
wie großen Hort fein Vater gehabt habe, und wer 
denjelben in Obhut Habe. Sigurd antwortete und 
fagte, daß die Könige ihn verwährten. Regin ſprach: 
„Zraueft du ihnen völlig?" Sigurd fagte: „ES 
ziemt fi, daß jie ihn jo lange verwahren, bis es 
mir dienlich ift,* denn fie verftehn fein befier zu _ 
hüten, als ich.“ 

Ein ander |111) Mal kam Regin zur Unter- 
redung mit Sigurd und ſprach: „Wunderlich ift es, 
daß du der Könige Roßknecht werden willft, und 
wie die Landftreicher einhergehen.“ Sigurd ant- 
wortete: „Nicht iſt es alfo, denn wir fchalten über 
alles mit ihnen, und‘ fteht in unferer Gewalt, was 








*) Daß Sigurd Hier außer feinem Stiefvater noch einen 
Pilegevater hat (und zwar am Hofe felbjt von feßterem 
erzogen wird), das erklärt fih aus Vermiſchung zweier 
verfchiedener Sagengeftalten: einer ältern (Sigurd wädjlt, 
ohne jeine Eltern zu fennen, bei Regin im Walde auf) 
und einer jüngern (der obigen). 

1) Inhaltlich glei) Regm. 3. 2-5 (= Nth. 55, 15—18). 
5 


66 





wir haben wollen.“ Regin ſprach: „Bitt ihn, dir 
ein Roß zu geben.” Sigurd antiwortete: „Sofort 
wird das [gejchehen], wenn ich will.“ 

Sigurd ging nun zu den Königen. Da ſprach 
der eine König zu Sigurd: „Was willſt du von 
und haben?” Gigurd antwortete: „Ein Roß will id) 
haben zu meiner Ergößung.“ Der König ſprach: 
„Kieje dir felber ein Roß und was du etwa von 
unferm Gute haben willft.“ 

Undern Tages darauf fuhr Sigurd zu Walde, 
und begegnete einem alten Manne mit langem Barte*), 
der war ihm unbefannt. Er frdyte, wohin Sigurd _ 
zu fahren vorhabe Der antwortete: „Ein Roß 
habe id vor zu kieſen: jei mir behilflih dazu.“ 
Er ſprach: „Laß und gehn und (die Roſſe) zu dem 
Strome treiben, der Bufiltiarn Heißt.“ Sie trieben 
die Roſſe hinein in die Tiefe des Stroms, aber 
alle ſchwammen and Land außer einem Hengite: den 
nahm Sigurd. Er war grau an Farbe, jung an 
Alter, groß von Wuchs und vielverjprechend; Nie- 
mand war nod auf feinen Rüden gefommen. “Der 
bärtige Mann ſprach: „Diefer Hengit jtammt von 


*) Es ijt wieder Odin, der. auch fonjt mit lang berab- 
wallendem Barte gedacht wird. Einer feiner Beinamen 
ift „Langbart“. 





Yan 


— — 


67 


©leipni*), und er fol ſorgfältig aufgezogen werben, 
denn er wird beſſer werden ald jegliche Roß.“ Da 
verſchwand der Dann. Sigurd nannte den  Hengit 
Grane, und es ift das der beite Hengſt gemejen. ! 
Es war aber Odin, den er getroffen hatte. 
Abermals ſprach Regin zu Sigurd: „Zu wenig 
Gut Habt ihr, und es macht ung Kumnfer, daß ihr 
laufet, wie die Dorfknaben: aber ich weiß dir großen 
Hort nachzuweiſen und es iſt wohl zu glauben, daß 
es Ehre bringt, ihn zu ſuchen, und Unjehen gewährt, 
wenn du ihn gewinnſt.“ Sigurd fragte, wo ber 
wäre, und wer feiner hütete. Regin antwortete: 
„Er heißt Safni und liegt nicht weit von hier entfernt, 
das heißt Gnita- Haide.**) Und wenn du hinkömmſt, 
wirst du jagen, daß du niemald größeren Reichthum 
an Gold an einer Statt ſaheſt; und nicht bedarfit 
du mehr, ob du Schon aller Könige ültefter und 
berühmtejter werden ſollteſt. Sigurd antwortete: 
„Ich kenne die Art dieſes Wurmes, obſchon ich 


*) Sleipni (Sleipnir) iſt Odin's achtbeiniges Roß, auf dem 
er im Sturm daherfährt. 

**) Die niederdeutſche Sage verlegte dieſe Haide zwiſchen 
Paderborn und Mainz, wo ſie im 12. Jahrhundert dem 
isländtichen Abt Nikolaus gezeigt ward (HS. 41). 

1) Die Roßwahl ift in Regm. 8. 1 f. ganz kurz erwähnt, ohne daß 

der Betheiligung Odin's gedacht wird. R 

s 5 





68 = 





noch jung bin, und ich habe erfahren, daß niemand 
ihm entgegen zu treten wagt wegen jeiner Größe 
und |112) feiner Bosheit.“ Regin erwiderte: „Das 
hat nichts zu bedeuten. Der Wuchs ift nad) Art 
der Lindwürme; ımd es ift viel mehr davon gemadit, 
al3 e8 ill. So würde e8 auch deine Vorahnen ge 
dünkt habe; und wenn du auch vom Gefchlechte ber 
Volſungen bift, fo wirt du doch nit ihre Sinnes- 
art haben, die fie zubörderft genannt werden in 
Hinfiht auf jegliche. Mannestugend.“ „Mag fein,“ 
eriwiderte Sigurd, „daß wir [noch] nicht viel von 
ihrem Eifer oder ihrer Tüchtigfeit haben; doch ift 
nicht vonnöthen [fie] mir abzufpredden, denn ich bin 
noch wenig über Kindes Alter. Warum reizeft du 
mich denn jo jehr dazu?“ Regin antwortete: „Davon 
handelt eine Gefchichte, und die will ich dir erzählen.“ 
Sigurd ſprach: „Laß mich hören.“ 


Vierzehntes Kapitel. *) 


„Das ift der Anfang diefer Geichichte, Daß mein 
—— —— hieß, ein mächtiger und reicher 





5 Ueberſchrift unleſerlich oder wahrſcheinlicher gar nicht vor⸗ 
handen geweſen. — Die folgende, Vorgeſchichte des Hortes“ 
theilweife wörtlich gleich Regm. und Sn. E. 114,2 ff. (in 
Nth. nad) 55,19 f. auögelafien). 








69 





Mann; Fafni hieß fein einer Sohn, der zweite hieß 
QAr *), und war ich der dritte, und war der geringjte 
von ihnen an Sertigfeit und Anſehen. [Doch] Eonnte 
ih Eifen bearbeiten, und aus Silber und Gold und 
- and allen Dingen ſchuf ich etwas Nübliches. | Mein 
Bruder Otr hatte andre Beichäftigung und Natur; 
er war ein gewaltiger Waidmann, weit vor andern 
Männern, und war Tags in Otters Geftalt und 
hielt fih immer in dem Stromfalle auf und holte 
She in feinem Maule herauf. Ben Waidfang 
brachte er feinem Vater, und dem war das eine 
große Hilfe. Häufig hatte er Otter Geftalt an fich, 
fam jpät heim und aß blinzelnd und allein, denn er 
fonnte auf dem Trockenen nicht ſehen. Fafni war 
bei weiten der mächtigjte und grimmigfte und wollte 
alles fein nermen 113) laſſen, wad da war. | Ein 
Zwerg heißt Andvare (jagte Regin), der war immer 
in dem Wafferfall, der Andvarafors **) heißt, in 
Hechtes Geſtalt, und fing ſich da Speiſe, dieweil in 
jenem Waſſerfall Fiſche die Fülle war.“ Mein 
Bruder Otr fuhr (auch) immer in dieſen Waſſerfall, 


*) D. h. Otter. 
**) D. i. Andvare's Waſſerfall. 


1) Vgl. Regm. 8. 9—11. — 2) = Regm. 8. 8 f. und 3. 7; vgl. Sn. 
E. 115,5 f. (vielleit an richtigerer Stelle). 


10 
und holte Fiſche in feinem Maule — und legte 
jedesmal einen aufs Land. 

Odin, Lole und Höni*) kamen auf ihrer Fahrt 
zum Andvaraford 1: da Hatte Otr einen Lachs ge 
fangen und aß blinzelnd am Stromesufer. ? XLofe 
nahm einen Stein und warf Otr zu Tode. Die 
Aſen meinten jehr glücklich bei ihrem Bang geweſen 
zu fein? und zogen den Balg von dem Btter. * 
An diefem Abend Tamen fie zu Hreidimar und zeig- 
ten ihm den Yang. 5° Da nahmen wir fie gefangen 
und erlegten ihnen als Buße und Löfegeld auf, daß 
fie den Balg mit Golde füllten **) umd ihn auch 
von außen mit rothem Golde verhüllten. 6 Da jandten 
fie Loke das Gold zu ſchaffen. Er fam zu Ran ***) 
und erhielt ihr Neb, fuhr dann zum Andvaraford 
und warf das Neb vor den Hecht, und dieſer fprang 
in das Ne.” Da ſprach Lole: 8 


*) Loke und Höni bilden mit Odin eine aud) fonft mehr— 
fach, auftretende alte Götterdreiheit. 
**) Ueber ein entiprechendes ſächſiſches Bußverfahren f. 
Grimm, Rechtsalt.?, ©. 668 ff. 
*x*) Des riefifchen Meergottes Aegi (Aegir) Gemahlin. 
1) = Regm. 8.6 f.; Sn. E. 114,2. — 2) = Regm. 2. 10 f.; 
Sn. E. 114,4 f. — 3) = Regm. 3. 11 f.; Sn. E. 114,5—7. — 
4) = Regm. 3.13. — 5) = Regm. 8.13 f.; Sn. E. 114,9—13. — 
6) = Regm. 3. 14—16; Sn. E. 114,16 ff. (ausführlicher). 115,2 ff. — 


7) = Regm. 3.16—18; vgl. Sn. E. 115, 4—6 lürzer. — 8) die fol« 
gende Str. = Regm. Str. 1. 





71 

„Was iſt das für ein Fiſch, 
So in der Fluth ſchwimmt, 
Kann ſich nicht vor Schaden hüten. 
Dein Haupt löfe du, 
Das der Hel verfallne *), 
Und ſchaffe Gold herbei!“ **) 

„Andvare heiß’ ich, 
Din ***) hieß mein Vater, 
Manchen Stromfall hab’ ich durchſchwommen. 114) 
Eine unſelige Norn f) 
Beſchied mir dereinſt, 
Daß ich ſollte im Waſſer ſchwimmen.“! 


Loke ſah nun das Gold, welches Andvare be- 
ſaß, aber als dieſer das Gold ausgeliefert hatte, da 
hatte er noch einen Ring F+) übrig: [auch] den nahm 


*) Eigentlih:. „aus der Hel“ (Helle, Hölle), das ift aus 
dem Reich, der Gewalt der unterirdifchen Todesgöttin 
Hel, zu der alle nit an Wunden (im Kampfe) geftor- 
benen, urſprünglich aber die abgefchiedenen Seelen über- 
haupt kamen. 

**) Eigentlich: „juche mir der Fluth Flamme”. In Aegi's 
Halle leuchtet Gold ftatt des Feuers. Solche ſtaldiſche 
Umfchreibungen heißen Kenning (Blur. kenningar). 

+) Sin auch fonft genannter Zwerg. Die Hdichr. Hat 
fälſchlich Othinn. 

T) Die Nornen find Schickſalsgöttinnen (ſ. unten S. 87 **). 

tr) Nach Sn. E. 115, 12 Hatte dieſer Ring (Andvaranautr) 

1) = Regm. Str. 2. 


12 


ihm Loke ab. Der Zwerg ging in den Stein, und 
ſprach !, daß es jedem den Tod bringen follte, der 
den Ring befäße, und ebenjo all dad Gold.? Die 
Ajen gaben Hreidmar dad Gold, und ftopften den 
Otterbalg voll, und ftellten ihn auf die Füße: da 
jollten die Afen daneben Gold aufhäufen und ihn 
von außen umhüllen. Als aber das gethban war, 
da ging Hreidmar Hinzu, und Jah noch ein Barthaar, 
und gebot, dafjelbe zu verhüllen: da zog Odin von 
jeiner Hand den Ring Andvaranaut *) und verhüllte 
da8 Haar.? Da fprah le: 
Gold ift dir num gegeben, . 

Doch mein Haupt **) ift 

Theuer dir bezahlt! 

Deinem Sohne wird 

Nicht Heil beſchieden: | 

Es bringt euch beiden Tod.“ 


die Eigenichaft, fortwährend fich zu vervielfältigen, wie 
Odin's Wunderring Draupni. 

*) Nautr (Genofje), mit dem. Genitiv eined Gigennameng 
bezeichnet den Gegenstand als früheres Eigenthum des 
Genannten, bier Andvare’2. 

**) D. h. Leben: Löſegeld heißt Haupteslöfung. (Vgl. 
©. 71,4). 

1) = Regm. Proſa nad) Str. 4; ausführlicher Sn. B. 115,7—15. — 

2) vgl. Regm. Str.5; Sn. E.115,15 ff. — 3) Wörtlid = Regm. 


Profa nad Str. 5; vgl. Sn. E. 115,21—116,4. — 4) — Regm. 
Str. 6; vgl. Sn. E. 116, 6-8. 











13 


— — —— 


Nachmals erſchlug Fafni ſeinen Vater (ſagte 
Regin) und mordete ihn !, und ich bekam nichts von 
dem Gute. Er wurde jo bösartig, daß er ſich in 
die Wildniß zurüdzog umd niemandem gönnte bes 
Gutes zu genießen, außer fih?; und ward ſeitdem 
zu dem böfeften Wurme, und liegt nun auf dem 
Horte. 3 Darnach begab ich mic) zu dem Könige und 
ward fein Schmied. Und darauf läuft meine Gejhichte 
hinaus *), daß ic) des Vatererbes und der Bruder- 
buße entbehre. Das Gold iſt ſeitdem aud) Dtter- 
buße genannt, und hiervon Beiljpiele**) hergenommen.“ 
Sigurd ſprach: „Viel Haft du verloren, und gar 
böfe find deine Blutsfreunde geweſen. Made nun 
ein Schwert mit deiner |115) geſchickten Hand ***), 
daß feines gleich gut gemacht fei und ich, wenn der 
Muth mir taugt, Großthaten [damit] vollbringen fünne, 
willſt du anderd, daß ich jenen großen Drachen er- 


*) Genauer: „Und das ift der Gegenftand (redha til) 
meiner Geſchichte“. 
**) ‚Borbilder”, gemeint ift wohl: für die ſtaldiſchen Um⸗ 
ſchreibungen. Der Sab jcheint auf Benutzung der 
Sn. E. zu meijen. 
**5*) Eigentlich: „Bon (mit, nach) deiner Geſchicklichkeit“. 
1) gl. Regm. Proſa nach Str. 9, B. 4f.; Sn. B. 116,18 f. — 2) vgl. 
Regm. Proſa nach Str. 11, 3. 1-24; Sn. E. 116, 15—17. — 3) vgl. 


Sn. E. 116,23 f. [Regm. Profa nad Str. 14, 2 4 = Sn. E. 117,6; 
Nth. 57,6 f.] 








— . 


74 





ſchlage.“ Regin jprah: „Das thu' ih mit Zu— 
verficht, und wirſt du mit dem Schwerte Fafni er⸗ 
fchlagen Türmen.“ | 


Fünfzehntes Kapitel. *) 


Regin fchmiedete nun ein Schwert und gab e3 
Sigurd in die Hand. Der nahm da3 Schwert und 
ſprach: „Dies ein jchlechtes Gefchmiede, Regin!“ 
und hieb in den Amboß, und das Schwert zerbrad). 
Er warf die Klinge weg, und hieß ihn ein ander 
beſſer Schwert ſchmieden. Regin ſchuf ein ander 
Schwert und gab es an Sigurd; der blickte es an: 
„Dieſes wird dir gefallen; aber ſchwer iſt es, für 
euch zu ſchmieden.“ Sigurd verſuchte dieſes Schwert, 
und zerbrach es wie das vorige. Da ſprach Sigurd 
zu Regin: „Du wirſt deinen alten Blutsfreunden 
gleichen und treulos ſein.“ 

Sigurd ging nun zu ſeiner Mutter; ſie begrüßte 
ihn freundlich. Sie redeten da mit einander und tran- 
fen. Da ſprach Sigurd: „Haben wir denn recht ver- 
nommen, daß König Sigmund euh dad Schwert 
Gram in zwei Stüden übergab?” Sie ermiderte: 
„Wahr ift das.“ Sigurd ſprach: „Gieb ed mir 
in die Hand, ich will es haben.” Sie jagte, von 


*) Ueberſchrift? (Bei Bugge feine Angabe.) 
v 


75 





ihm ſei Heldenwerk zu erwarten, und gab ihm das 
Schwert. 


Sigurd ging nun zu Regin, und hieß ihn, 
daraus ein Schwert machen nad) [beitem] Vermögen. 
Regin ward böfe und ging zur Schmiede mit den 
Schwertjtüden, und däuchte ihm Sigurd allzu viel 
zu berlangen Hinfichtlih de3 Schmiedens. | Regin 
machte nun ein Schwert !, und al3 er das aus der 
Eſſe zog, erſchien es den Schmiedelnechten, al3 wenn 
Feuer aus den Schneiden brenne Er hieß Sigurd 
e3 hinnehmen, und fagte, er verjtehe nicht ein Schwert 
zu jchmieden, wenn dieſes verjagte. | Sigurd hieb in 
den Amboß, und Höbte ihn nieder 6i8 zum Fuße 2, 
und nicht brach noch zerijprang ed. Er lobte daß 
Schwert fehr, und | ging zum Fluſſe mit einen Flock 
Wolle, und warf ihn gegen den Strom: und es 
ward zerichnitten, ald er da3 Schwert dagegen hielt. 3 
Da ging Sigurd vergnügt heim. Regin ſprach: 
„Jetzt, da ih das Schwert gefchmiedet Habe, werdet 
ihr euer Verſprechen erfüllen |116) und Yafni aufs 
ſuchen.“ * Sigurd entgegnete: „Sch werde ed aus—⸗ 
führen, doch zubor noch etwas anderes, nämlich mei= 


1) = Regm. Proſa nad) Str. 14, 3. 6 (Sn. E. 117,5; Xth. 57,8). — 
2) = Ebenda 3. 11 f. (Sn. E. 1178 fi; Nth. 57,10 f.). — 
3) = Ebenda 8. 7—10 (Sn. E. 117,685 Nth. 57, 8-10). — 
4) = Ebenda 2. 13 f. (Nth. 57,11 f.). 





16 


nen Water rächen.” ! Gigurd ward, je älter er 
ward, um fo beliebter bei allem Volfe, jo daß jedes 
Kind ihn von Herzen liebte. 


Sechzehntes Kapitel. *) 

Gripi Hieß ein Mann, der war Sigurd’ Mutter: 
bruder. Und bald darauf, nachdem das Schwert 
geſchmiedet war, machte er ſich auf zu Gripi; denn 
diefer war ein Seher und mußte der Menjchen Zus 
funft voraus. Sigurd forfchte nach, wie fein Leben 
ſich gejtalten würde; aber Gripi war lange nidt 
dazu zu bewegen, doch fagte er zulegt auf Sigurd's 
eindringlide Bitte ihm all fein: Schidjal, jo wie es 
darnach erging. Und als Gripi diefe Dinge gejagt 
hatte, jo wie er (Sigurd) begehrte, da ritt er heim. 
Und bald darnad) traf er ji mit Regin. Da jprad) 
diefer: „Erſchlagt Fafni, wie ihr verheißen habt.“ ? 
Sigurd antwortete: „Das will ich thun, doc) zuvor 
noch etwas anderes, nämlich König Sigmund rächen 
und andere Blut3freunde von mir, die dort in jener 
Schlacht fielen.” ? 





*) Meberfchrift nicht ganz lejerlih. Won Gripi's Weid- 
fagung handelt ein beſonderes Eddalied (Grip.). 

1) ®gl. Regm. Str. 16. — [2) vgl. Regm. Schlußproſa.) — 3) = 

Anm. 1. Die Wiederholung erflärt fih wohl daraus, daß der In⸗ 


balt der Grip., die in der Lieder⸗Edda an anderer Stelle fteht, 
bier eingeſchoben ift. 


77 





⸗ 


Siebzehntes Kapitel.*) 


Nun ging Sigurd zu den Königen und ſprach 
zu ihnen: „Wir find hier lange Zeit geweſen und 
haben euch Tiebevolle Gefinnung und große Ehre zu 
lohnen: aber nun wollen wir aus dem Lande fahren 
und Hunding's Söhne auffuhen; und fie jollen 
wiffen, daß die Volſunge nicht alle todt find **), 
und dazu wollen wir eure Hilfe haben.” Die Könige 
jprachen, fie wollten ihm dazu geben, was er erbäte, 
E3 ward nun ein großes Heer audgerüftet und alles 
aufs forgfältigfte bereitet, Schiffe und alle8 Heer— 
geräthet, jo daß feine Fahrt herrlicher fein jollte, denn 
[eine?] zuvor. Sigurd befehligte das Schiff, welches 
das beſte und ftattlichfte war; ihre Segel waren mit 
Sorgfalt gearbeitet und prächtig anzufchauen. 

Sie jegelten nun mit gutem Winde; aber als 
wenige Tage verjtrichen waren, | da fanı ein heftiges 
Wetter mit Sturm ?, und die See war, als ob man 
in Blut ſähe. Sigurd gebot, die Segel nicht ein- 

*) Ueberſchrift: „Sigurd erichlägt Lynge und Hiorvard und 
alle die [Brüder]. 
**) Bol, ©. 25, 38, 58. 


1) Zu ap. 17 biß hierher vgl, Regm. Brofa nad Str. 15, 3. 1f. — 
2) vgl. ebenda 2. 3. 





18 


zuziehen, wenn fie auch zerrifien, |117) vielmehr ge⸗ 
bot er fie moch höher zu ſetzen als zuvor. *) | Und 
als fie an einem Vorgebirge vorüber fegelten, da rief 
ein Mann ! zu dem Schiffe hinauf und fragte, wer 
über das Heervolk zu befehlen. hätte, 2 Ihm ward 
gefagt, daß Sigurd, Sigmund’3 Sohn, da wäre?, 

„der nun der berühmtefte aller jungen Männer: ift." 

Der Mann fagte: „Alle ſprechen fich übereinjtimmend 

über ihn dahin aus, daß feine Königsſöhne mit ihm 

verglichen werden können. Ich wollte, daß ihr da3 

Segel in irgend welden Schiffe niederfießet, und 

mich aufnähmet.” | Sie fragten ihn nad) dem Namen*; 

er antwortete: 
„Hnikar **) hieß man mich, 
Da |ih Hugin ***) erfreute, 

*) Ganz, wie Helge that, oben ©. 44. Jene, auf Helg. 
Hund. I beruhende Schilderung wird das Vorbild diefer 
geweſen fein. 

**) Siner ber vielen Namen Odin's. 

***) D. i. Gedanke; einer der beiden Raben, die als verkör⸗ 
perte Gedanken Odin's über alle Welt fliegen und ihm 
Nachricht bringen. Nach anderer Auffaffung waren fie 
die den Kriegsgott begleitenden Schlachtvögel; daher 
Hugin erfreuen = den (die) Raben erfreuen = kämpfen. 


1) = Regm. Pr. n. Str. 15, 3.4f. — 3) = Regm. Str. 16, 1-1 
(= Nth.). — 3) = Regm. Str. 17,1f. (= Nth.). — 4) = Roga. 
17,8 (= Nth.). 





19 


Sunger Bolfung *), 

Und gekämpft Hatte. 

Nun magit du mich nennen 
Den Alten vom Berge, 
Feng oder Fiolni **); 

Mit will ich fahren.“ ? 

Sie Ientten ans Land und nahmen den Alten 
in ihr Schiff: da hörte das Wetter auf?, und fie 
fuhren, bis fie im Neiche der Hundingsföhne ans 
Land kamen; da verſchwand Fiolni. Sie ließen al3- 
bald euer und Schwert wüthen, erſchlugen die 
Männer und verbrannten die Gebäude, und heerten, 
wo ſie fuhren. 

Nun lief das Volk von dannen zu König Lynge, 
und ſagten, daß hier ein Heer ins Land gekommen 
ſei, und mit größerer Wuth daher fahre, als daß 
man ſeines gleichen fände; ſie ſagten auch, die Hun- 
dingsſöhne ſeien nicht meitjidhtig, da fie gejagt 
hätten, fie fürchteten fich nicht vor den Volſungen: 
„nun aber führt diefe® Heer Sigurd, Sigmund’3 
Sohn.” | König Lynge 118) ließ nun duch fein 


*) So unfere Saga abweichend von Regm.; zweifelhaft, 
ob richtiger. 
**) Ebenfalls Namen Odin's. 


1) = Regm. 18 (= Nth.) — 3) = Regm. Proſa nach Str. 18, 
B. 1 f. (= Nth. 60,19 f.). 





u 


80 





ganze Reich ein Heergebot ergehn. Nicht wollte 
er fein Heil in der Flucht fuchen, [fondern] entbot 
zu fi alle die Mannen, melde ihm Heerfolge leiften 
wollten. Er 309 nun Sigurd entgegen mit jehr 
großem Heer, und feine Brüder mit ihm !; da erhub 
fih ein gar harter Kampf zwilchen ihnen. 2 | Da 
mochte man in der Luft fehen manchen Speer*) ımd 
Pfeil, manche Streitart Hoch geſchwungen, Schilde 
klöben und Harniſche zerfeßen, Helme zerhauen und 
Schädel fpalten, und manden Mann zur Erben 
ftürzen. **) Und als die Schlacht gar Tange Zeit fo 
geftanden Hatte, drang Sigurd vor an den Bannern 
vorbei, und Hatte das Schwert Gram in der Hand: 


‘er bieb ſowohl Mann wie Roß, und ging durch die 


Heerſchaaren, und Hatte beide Arme blutig biß zur 
Achſel ***); und da3 Volk wich von dannen, wohin 
er fam, und vor ihm hielt weder Helm noch Har- 
niſch }), und niemand meinte zuvor einen ſolchen Mann 


*) VBgl. oben ©. 56. 
**) Aehnliche Schilderungen oft m Thidr. 8. 
“er, Bol. oben ©. 42. 56; aber auch Thidr. s. oft. 
+) Vgl. oben ©. 56. 
1) ®gl. Nth. 68, 8-10. — 2) = Regm. $rofa nad Str. 25, 8.11. 
= Nth. 63,10. — Die folgende Schlachtſchilderung ift Ermeiterung 
in der formelhaften Weife bes Sagafchreibers (Beitr. 3,239); wobei 


jedod die Anklänge an die Thidr. s. zu beachten find. (Nth. 63,10 
big 64,12 bat in anderer Weije den Kampf audgemalt.) 








81 





gejehen zu haben. Dieje Teldichlacht dauerte Lange, 
indem viele Männer fielen und heftig angegriffen 
ward. Es geſchah dort, was felten fich begeben 
mag, daß, obſchon das Heer des Landes ſtets zufloß, 
e3 doch nichts verfing; und es fielen da fo viele auf 
Seiten der Hundingsſöhne, daß niemand ihre Zahl 
wußte. *) MS Sigurd weiter vorn in der Schladt- 
ordnung war, da famen ihm die Söhne König Hun- 
ding’8 entgegen. | Sigurd Hieb nad) König Lynge, 
und klöbte ihm Helm umd Haupt und den gepanzerten 
Leib. Und darnach hieb er Hiorvard, deflen Bru- 
der, durch in zwei Stüde **), und erfchlug dann alle 
Hundingsfühne!, die noch Iebten, und den größten 
Theil ihres Heeres. 

Nun fuhr Sigurd heim? mit ſchönem Siege, 
und großer Beute und Ruhm, ſo er auf dieſer Fahrt 
gewonnen hatte. Da wurden daheim im Reiche Feſte 
für ihn bereitet. | 

Und al® Sigurd kurze Beit daheim gemejen 
war, kam Regin mit ihm zu reden, und fagte: 
„Nun werdet ihr doch Fafni's Helm [euch] aufs 


*) Vgl. oben ©. 56 und 57 **, 
**) Aehnliche Schilderungen oft in Thidr. s. 
1) gl. Regm. Brofa nad) Str. 25, 8.3 f. (in Nth. geändert). — 


3) = Regm. Profa nad Str. 16, 2. 1. 
6 


82 





Haupt jeßen *) wollen, wie ihr es verheißen habt. 
Run haft du deinen Vater und andere deiner Bluts- 
freunde gerochen.” % Sigurd antwortete: |119) „Ich 
werde da3 erfüllen, wie ich es verheißen Habe, und 
nicht fommt mir das aus dem Gedächtniffe.“ 


Achtzehntes Kapitel. **) 


Nun ritten fie, Sigurd und Regin, Hinauf auf 
die Haide zu dem Wege, den Fafni zu fTriechen 
pflegte 2- und es heißt, daß die Klippe, auf welcher 
er am Waſſer lag, wenn er trank, dreißig Klafter) 
entfernt war. Da ſprach Sigurd: „Das jagteft du, 
Regin, daß diefer Wurm nicht größer wäre denn 
ein Lindwurm, aber mir fcheint feine Spur über- 
groß." Regin fprah: „Mach' eine Grube, und 
fee dich darein; und wenn der Wurm zum Wafjer 
friecht, fo jtich‘ ihn ind Herz, umd bring’ ihn To zu 
Zode: davon gewinnt du großen Ruhm.“ Sigurd 
antwortete: „Wie wird es dann ergehn, wen das 


*) Oder: „ibm vom Haupte ſtoßen“? (steypa). 

**) Meberfchrift: „Regin und Gigurd reiten”. Bon bier 
ab find die Uebereinftimmungen mit der Lieber- Edda 
jehr genau. 


1) gl. Regm. Proſa nad) Str. 16, 3.2f. — 2) = Fafn. Profja 
3. 1-83 [Sn. E. 117,9 f.]. 


83 





Blut des Wurmd mid überjtrömt?* Regin fprad): 
„Nicht kann ich dir Rath ertheilen, da du vor allem 
und jedem dich. fürchtet, umd biſt du ungleidy deinen 
Blutsfreunden an Heldenmuth.“ 

Sigurd ritt nun auf die SHaide, Regin 
aber wid) von dannen überaus bange. ! Gigurd 
machte eine Grube?, und ald er bei dieſer Arbeit 
war, kam zu ihm ein alter Mann mit langem 
Barte *), und fragte, was er da made. Er jagte 
es ihm. Da ſprach der alte Mann: „Das ift un- 
räthlich: mache mehrere Gruben, und laß da hinein 
da8 Blut rinnen, du aber fiß’ in einer und ftid) 
den Wurm ind Herz.” Da entfernte ſich jener 
Mann; | Sigurd aber machte Gruben ?, jo wie ihm 
vorgeſchrieben war. 


Und als der Wurm zum Waſſer froh, ward 
fo ſtarkes Erdbeben, daß rings umber die Erde er- 
bebte. Er fpie immerweg Gift vor ſich her. * Sigurd 
aber beichli Feine Furcht noch Angſt bei dieſem 
©etöfe: | und ald der Wurm über die Grube Froch, 
da ſtach ihn Sigurd unter den linken Bug, fo daß 


*) Wieder Odin. Vgl. ©. 66. Dies Eingreifen Obin’s 
fennt weder Fafn. noch Sn. E. 
1) = Fafn. Proja nad Str. 22, 3. 1 f. — 2) und 3) = Fafn. Proja 


am Anfang, 3. 4 f.; Sn. E. 117,10 f. — 4) = Fafn. ebd. 2.6 f. 
6* 





84 


das Schwert bis and Heft Hinein fuhr. *)t Da 
fprang Sigurd hervor auß ber Grube?, und ri 
das Schwert an fi), und Hatte die ganzen Arme 
blutig bis zur Achfel Hinauf.**) Und als der große 
Wurm jeine Todeswunde fühlte, | da jchlug er mit 
Haupt und Schwanz 3, fo daß alle? |120) entzwei 
brach, was ihm in den Weg kam. Und aß Yafni 
die Todeswunde empfangen hatte, |da fragte er: „Wer 
bift du, und wer ift dein Vater, und melches ift dein 
Geſchlecht, daß du dich erfühnft zu dem Wagniß, Die 
Waffen gegen mich aufzuheben?“ * Sigurd ant- 
wortete: „Mein Geſchlecht ift den Menſchen un⸗ 
befannt®, ich heiße vornehmes Thier, und habe Teinen 
Bater. noch Mutter, und allein bin ich gewandelt.“ ***) 6 


*) Eigentlich: „So daß es (Fafni's Körper) an den Griff 
ſtieß“. Vgl. oben S.15*. In Fafn. heißt es „bis ans 
Herz“ (til hiarta fintt til hialta oder umgefehrt?). 

**) Diejelbe Wendung oben S. 56 und 80. 

***) Hier jeheint, wenn auch verdumlelt, noch jene ältere 
Sagenauffafjung durchzublicken, der zu Folge Sigurd 
im Walde aufwuchs, ohne jeine Eltern zu Tennen (j. 
oben ©. 65*. Die zu Grunde liegende Strophe 
Fafn. 2 jcheint älter als die erhaltene Geſtalt dieſes 

1) = Fafn. Profa 3. 9-11; Sn. E. 117, 11—18. — 2) = Fafn. 


Proſa 3.13. — 9) = Ebenda 3. 11-18. — 4) = Fafn. Str. 1. — 
5) = Fafn. 4, 1 f. — 6) = Fafn. 2. 


85 





Fafni antwortete: „Wenn du feinen Vater haft noch 
Mutter, durch welches Wunder biſt du denn geboren?! 
Und wenn du mir auch an meinem Todestage *) deinen 
Namen nicht fagft, jo weißt du[?], daß du num lügſt.“? 
Er antwortete: „Ic heiße Sigurd, und mein Vater 
Sigmund. "3 Fafni antwortete: „Wer reizte Did) 
zu diefer That, und wodurch Tießeft du dich dazu 
reizen? * Hatteſt du nicht vernommen, wie alles 
Volk ſich fürchtete vor mir und meinem Schreckens⸗ 
Helm? **) | Du Knabe mit den funfelnden Augen, du 
hatteft einen tapfern Water.“ 5 Gigurd antwortete: 
„Hierzu ſpornte mid) der tapfere Muth, und es half 
dazu, daß es vollbradht ward, dieſe ftarfe Hand und 
dieſes ſcharfe Schwert, das du fueben kennen Iepnteit: 
und felten ift im Alter tapfer, wer in der Jugend 
zart ***) if." 6 Fafni erwiderte: „Das weiß ich, 


Liedes und daher nicht im urſprünglichen Zuſammen⸗ 
bang zu jtehn. 

*) Fafn. fügt hinzu, Sigurd babe feinen Namen verhehlt, 
weil man dem Yluch eines Sterbenden mit Nennung 
des Namen? große Macht zufchrieb. Vgl. aber die 
vorige, Anm. 

**) Degis-Helm, d. h. „Helm des Schreders“. 
”**) So unfer Text (blautr), in Fafn. blaudhr (blöde, 
furchtſam). 


1) = Fafn. 3, 1-8. — 2) fehlt in Fafn. — 3) = Fafu. 4, 4-6. — 
4) = Fafn. 5, 1-3. — 5) = Fafn. 5, 4—6. — 6) = Fafn..6. 


86 





wenn du bei deinen Blutfreunden aufgewachſen 
wäreft, daß du wiſſen würdeſt zornmuthig zu 
fümpfen 1: das aber ift mehr zu verwundern, daß 
ein Kriegögefangener, der Feſſeln trug *), fi fol 
erfühnt haben gegen mich zu fechten, dieweil Kriegs⸗ 
gefangene jelten wader zum Kampfe find.“ 2 Sigurd 
ſprach: „Du wirfit mir vor, daß ich fern von 
meinen Blutöfreunden gewefen jei; aber obſchon ich 
friegägefangen war, jo ward ich doch nicht gebum- 
den; und du empfandelt es, daß ich ungefeffelt war.“ ® 
Fafni antwortete: „Mit Zornworten nimmit du 
jegfiche8 auf, was ich 1121) jage: aber dieſes Gold, 
welche ich bejefien Habe, wird dir den Tod bringen.“ * 
Sigusd entgegnete: „Jeder will gern Gut bejiben 
bi8 zu dem einen Tage, und einmal muß (dod) 
jeder fterben.” 5 Fafni ſprach: „Wenig millit du 
mein Beifpiel dir zur Lehre dienen laffen*); aber ® 
ertrinfen wirft du, wenn du unborfichtig über See 


*) Daß Sigurd Kriegsgefangener genannt wird, bezieht 
ſich darauf, daß er noch ungeboren durch Alf vom 
Schladitfelde heimgeführt ward (S. 60 f.); daß er ge 
fefjelt gewejen, iſt Uebertreibung. 

**) Eigentlich: „nad) meinem (warnenden) Beifpiel handeln“. 

1) = Fafn. 7, 1-8. — 2) vgl. Fafn. 6, 4-6. — 9),— Fan. 8 — 


4) vgl. Fafn. 9. — 5) = Fafn. 10. — 6) fehlt Fafn. (? vgl. aber 
Str. 11, 1-8). 


87 


fährst, und warte lieber am Lande, bis es ftille ift.“ 1 
Sigurd ſprach*): „Sage mir, Yafni, wenn du recht 
weife bift, welcher Art die Normen **) find, fo die 
Kinder von den Müttern löſen.“ ***) 2 Zafni antwor- 
tete: „Bahlreich find fie und verfchiedenartig. Etliche 
find von der Afen, etliche von der Alfen +), und 
etliche von Dvalin’3 FF) Gejchlechte.“ 3 Sigurd ſprach: 
„Wie heißt der Holm, wo Surt rt) und die Aſen 


*) Das Folgende bis ©. 88* ift in Fafn. aus einem my⸗ 
thologifchen Liede, wahrjcheinlich Vafthr., unpaffend ein- 
gejchoben. 

**) Die Nornen walten über das Schickſal des Menſchen 
von der Geburt bis zum Tode; ſie erſcheinen an der 
Wiege des Neugeborenen, um ihm ſein Schickſal zu be— 
Stimmen („an der Wiege geſungen“; ſ. oben ©. 40*). 
Hier erſcheinen fie geburtshelfend, d. 5. Leben ver⸗ 
leihend. Eigentlich) find ihrer nur drei; Urd, Verdandi, 
Skuld (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). 

***) Durch Zauberfprüdhe nämlich, ſ. Bugge S. 195. 

f) Die Alfen (Elfen) find urfprünglich abgefchiedene Seelen. 

+r) Dvalin ift Hier wie öfter Repräfentant der Zwerge 
überhaupt. 

+) Surt, d. h. der Schwarze, ftürmt beim Weltuntergange, 
die Fackel zum Weltbrand ſchwingend, gegen die Götter 
zum Kampf. — Holme (Injeln) waren als Kampfftätten 
beliebt. 

1) Bgl. Fafn. 11, 4-6. — 2) = Fafn. 13. — 3) = Fafn. 19. 


88 





Schwert-Naß *) zuſammenmiſchen?“! Yafni ant 
wortete: „Uſkapt beißt er.“ 2 Zürder ſprach Fafni: 
„Regin, mein Bruder, rieth mir den Tod, und es 
. freut mich **), daß er auch dir den Tod räth; fo er- 
geht es dann, wie er wollte.“ 3 Weiter ſprach Fafni: 
„Den Schredfendhelm trug ich ob allem Bolfe, feit- 
dem ich auf meines Bruderd Erbe lag*, und fo 
fprühte ich allewege Gift ® von mir aus, daß Teiner 
es wagte mir nahe zu kommen, und feine Waffen 
fürchtete ih ®, und nimmer fand id) fo viele Männer 
vor mir, daß ih mich nicht viel ftärker däuchte?, 
alle aber waren in Furcht vor mir.“ Sigurd ant- 
wortete: „Der Schredenshelm, von dem du fagteft, 
giebt wenigen Sieg; denn jeglicher, der mit vielen 
zujammen kömmt, kann das irgend einmal finden, 
daß feiner der allertapferfte ift.“ ®_ Fafni antwortete: 
„Ich rath' es dir, daß du dein Roß nimmft und 
reiteft ſchleunigſt hinweg ?; denn es begiebt ſich 


*) Blut mifchen, bier nicht, um dadurch BlutSbrüderfchaft 
zu fchließen, fondern im Kampfe (auf dem Schladt- 
felde) das Blut von Freund und Feind zufammenfließen 
laſſen. 

**) Eigentlich: „es macht mich lachen“. 

ı) = Fafn. 14. — 2) = Fafn. 15,1. — 3) vgl. Fafn. 32, 1-3. — 
4) = Fafn. 16, 1-3 und 18, 2-3 (Abirren?). — 5) = Fafn. 
18,1. — 6) fehlt in Fafn. — 7) = Fafn. 16, 4—6. — 8) — Fafn. 
17. — 9) vgl. Fafn. 20, 1—3. 








89 


oft, daß der, welcher den Todesſtreich empfängt, ſich 
jelber rächt. 2 Sigurd antwortete: „Diele iſt 
dein Rath, aber anders werde ich thun: ich werde 
zu deiner Behaufung reiten |122) und dort das viele 
Gold nehmen ?, daS deine Blutsfreunde beſeſſen Haben.“ 
Fafni antwortete: „Du wirft dahin reiten, wo du jo 
viel Gold findeft, daß es um deine Lebtage gethan 
it ?, und dafjelbe Gold wird dein Tod, und jedes 
andern, ber ed Hat.“ ) Sigurd ftand auf umb 
jagte: „Heim würde ich reiten, obſchon ich dieſes 
viele Gold mißte, wenn ich wüßte, daß ich niemals 
fterben follte 5; doch ein jeder kühne Mann will über 
Gut walten bis zu dem einen Tage. 6 Du aber, 
Zafni, lieg im Todeskampfe, wo dich Hel **) Habe!“ 7 
Und da ſtarb Fafni. 


*) Vgl. oben ©. 72°. 
**) Bol. S. 71, Anm. *. 


1) Fehlt in Fafn. — 2) vgl. Fafn. 21, 1-83. — 3) fehlt in Fafn. — 
4) vgl. Fafn. 20, 3—6 = 9, 4—6 [oben S. 864). — 5) fehlt Fafn. — 
6) = Fafn. 10, 1—3 [oben S. 865). — 7) = Fafn. 21, 4—6. 
[Ueber die abweichende Anordnung dieſes AbfchnittS in Fafn. 
Germ. 23, 314 ft] 





90 


Neunzehntes Kapitel. *) 


Hierauf | kam Regin zu Sigurd und ſprach!: 
„Heil, mein Herr, großen Sieg haft du gemonnen, 
da du Fafni erfchlagen Haft, auf deffen Wege zu 
fißen bißher Niemand ſich erfühnte 2; und diefe Hel- 
denthat wird fortleben, jo lange die Welt fteht.“ 
Nun Stand Regin auf und ſah nieder zur Erden 
lange Zeit, und darnach ſprach er plößlich mit 
Ihwerem Muthe: | „Meinen Bruder Haft du erjchla- 
gen, und ſchwerlich kann ich jelber von der Mitjchuld 
freigefprochen werden.“ ° Da nahm Gigurd fein 
Schwert Gram und trodnete es am Graſe?, 
und ſprach zu Regin: „Berne gingft du, als id 
diefe That vollbrachte; und ich verfuchte dieſes ſcharfe 
Schwert mit meiner Hand, und meine Kraft bot ih 
auf gegen des Wurmes Macht, indeß du in einem 
Haidebufche lagſt? und [nicht] mußteft von Himmel 
no Erde.“ **) Regin antwortete: | „Diefer Wurm 





*) Ueberſchrift: „Regin trinkt Fafni's Blut“. 

**) nicht“ fehlt in der Hoſchr. Eigentlih: „Du wußteſt 
[nicht], ob [e8? der Bufh?] Himmel oder Erde war” 
(oder ob Himmel oder Erde eriftirte?). 

1) Fafn. Brofa nad Str. 22, 3.2 f.; Sn. E. 117,138. — 2) vgl. 


Fafn. 23. — 3) = Fafn. 25, 4—6; vgl. Su. E. 117,18 f. — 4) vgl. 
Fafn. 25, 1-3; Proja nad 22, 3. 3 fe — 5) = Fafn. 28. 





91 


hätte Yange in. feinem Nefte liegen mögen, wenn bu 
das Schwert nicht benutzt hätteft, das ich dir fertigte 
mit meiner Hand; und nicht hätteft dur dieſes allein *) 
1123) vollbracht, noch jemand ander.“ 1 Sigurd ant- 
mortete: „Wo man zu GStreite kömmt, da ijt dem 
Manne befjer ein tüchtiges Herz, denn ein ſcharfes 
Schwert.” ? Da fagte Regin zu Sigurd in ſchwerem 
Kummer: „Du haft meinen Bruder erfchlagen, und 
ſchwerlich Tann ich jelber von der Mitſchuld frei 
geſprochen werden.” ® 

Nun ſchnitt Sigurd das Herz aus dem Wurme, 
mit dem Schwerte, das Ridil hieß. Da trank Negin| 
Fafni's Blut und ſprach:“ „Gemwähre mir eine) 
Bitte, die leicht für. dich zu gewähren ift: geh’ zum 
Feuer mit dem Herzen und brat e8 und gieb es 
mir zu ejjen.’® Sigurd ging, und briet es am 
Spieße, und als [der Saft] heraus quoll, da tippte 
er mit jeinem Yinger daran, fojtend, ob es [jchon] 
gebraten wäre; [er verbrannte ſich und] **) ſteckte den 
dinger in, jeinen Mund: und al3 dad Herzblut de3 


*) In der Hdſchr. fteht enn „noch“ (ftatt einn?). 
**) Fehlt in der Saga, ergänzt nach Fafn. 


ı) = Fafn. 29. — 2) = Fafn. 30. — 3) fehlt Fafn., = oben ©. 90%. — 

4) = Fafn. Proſa nad) 26, 3. 1-5. — 5) vgl. Fafn. 27; Sn. 

E. 117,15. [Diefe von Fafn. abweichende Anordnung ift die rich⸗ 

tigere, |. Germ. 23,316 ff.] — Dieſe Lelftung verlangt Regin als 
Bruderbuße, vgl. Sn. E. 117,14 f. 


92 


| Wurms ihm an die Zunge fam, da verftand er Der 
Vögel Stimme Er hörte, wie Spechtmeifen im Ge⸗ 
: büfche neben ihm fangen !: „Da ſitzt Sigurd und 
brät Fafni's Herz! Das follte er felber eſſen, jo 
würde er weiſer werden, denn irgend ein Mann.“ ? 
Die andre fagte: „Da liegt Negin, und will den 
betrügen, der ihm traut.“ ® Da jprach die dritte: 
„Haue er ihm das Haupt ab, fo mag er allein des 
vielen Goldes walten.” * Da ſprach die vierte: „Da 
wäre er weiſer, werm er das befolgte, was ihr ihm 
gerathen ®, und ritte Darauf zum Lager Fafni's 
und nähme da das viele Gold, jo dort ift®, und 
ritte jodann hinauf nad) 124) Hindarfjall *), mo 
Brynhild**) fchläft ”, und dort wird er große Weis⸗ 
heit lernen; | und Dann wäre er weile, wenn er euerm 
Rath folgte und bebächte, was ihm Noth thut: dort 


. *) Berg der Hindin (?). 

xx) Richtiger Sigrdrifa. Beide gingen durch Spaltung aus 
der Einen Brynhild der deutjchen Sage hervor, werden 
aber in den ältern nordifchen Duellen von einander ge= 
ſchieden. Der Berf. unferer Saga hat fie wieder zu— 

jammengemworfen (vgl. Beitr. 3,265 ff.). 
1) Faſt wörtlih = Fafn. Profa nad Str. 31, 3. 1-19; Sn. B. 117, 
16-22. — 2) = Fafn. 32 (= Sn, E.). — 8) = Fafn. 88, 1 4 


(== Sn. B.). — 4) = Fafn. 34. — [5) = Fafn. 85, 1—4.] — 6) vgl. 
Fafn. 38, 4—6. 40, 1—4. — 7) kurze Wiedergabe von Fafn. 42—43. 





98 





wähne ich den Wolf, wo ich feine Ohren fah.“ *) ? 
Da ſprach die fünfte: „Nicht ift er fo Aug, wie 
id) dachte, wenn er feiner ſchont und doch zuvor 
feinen Bruder getödtet hat.“ ? Da fprad) die fiebente: 
„DaB wäre ein kluger Math, wenn er ihn erfchlüge 
und allein des Hortes waltete.“ 3 Da ſprach Si- 
gurd: „Das Unheil fol nicht geichehen, daß Regin 
mein Mörder werde. Lieber ſoll e8 den Brüdern 
beiden gleichermeife ergehn.” * Er züdte nun das 
Schwert Gram und hieb Regin dad Haupt ab.?® Und 
darauf aß er ein Stüd von dem Herzen des Wur- | 
med, und ein Stüd bewahrte er bei ih. \ 
Sodann fprang er auf fein Roß und ?|ritt 
der Spur Fafni's nach, bis zu feiner Behaufung, 
und fand, daß fie offen war, und alle Thüren von 
Eifen, und ebenfo die Thürrahmen, und von Eijen 
auch alle Grundbalfen im Haufe, und ldieſes war] 
in die Erde eingegraben. Sigurd fand da eine 
große Menge Goldes und das Schwert Hrotte, und 


*) Ein isländiſches Sprichwort: „Der Wolf ift nicht weit, 
wo man feine Ohren ſieht.“ Hier mit Bezug auf Re⸗ 
gin’3 Heimtüde, die Sigurd durchſchauen ſollte. Wolf 
wird in ſolchen Verbindungen = „Feind“ gebraucht. 

1) = Fafn. 35, 1-8. — 2) = Fafn. 86. — 8) = Fafn. 88. — 


4) = Fafn. 89. — 5) = Fafn. Profa nad) 39, 3.1 (8n. 2,118,1). 
— 6) = Ebenda 3. 2. — 7) = Sn. E. 118,1 f. 


94 





nahm da den Schredend-Helm und den Goldpanzer 
und viele Koftbarkeiten. 1 Er fand da fo viel Gold, 
daß er hätte glauben mögen, Daß zwei oder drei 
Rofje nicht mehr würden tragen [fünnen]. | Das Gold 
nahm er alle& und that es in zwei große Kiften. ? 
Er nahm nun dad Roß Grane beim Baume: | da3 
Roß aber mollte nicht gehn, und nicht half es, es 
anzujpornen. Sigurd merkte nun, was dad Roß 
wollte; er fprang ihm auf den Rüden und ſchlug 
ed mit den Sporen: und da ramıte dad Roß, al 
wenn e3 ledig wäre. *) ® 


Zwanzigſtes Kapitel. **) 


Sigurd ritt nun fort lange Wege, bis daß er 
hinauf zum Hindarfjall kam, und richtete feinen Ritt 
gen Süden nach Trankenland. * Auf dem Berge jah 
er ein großes Licht, als wenn ein Teuer brennte, 
und es Teuchtete davon auf zum Himmel. Als er 
aber heran kam, jtand da vor j125) ihm eine 


*) Bol. unten ©. 129. 

**) Ueberſchrift: „Won Sigurd“. Das folgende bis S. 95! 
wird Sn. E. 118, 8—11 furz berichtet. 

1) = Fafn. Proſa nah 44, 3. 1-83. 4 f. (vgl. Sn. E. 118,2). — 
2) Ebenda 3. 8 f. (vgl. Sn. E. 118,5; Nth. 65,2). — 8) Ebenda 


3.6f. (vgl. Sn. 2.1184). — 4) = Proſa vor Sigdr. 3. 1; Nth. 
65,3 f. = 











— 95 





Schildburg *) und aus derſelben [ragte] ein Banner. 
Sigurd ging in die Schilöburg, und jah, daß da 
ein Menſch ſchlief und in voller Waffenrüftung dalag. 
Er nahm ihm zuvörderſt den Helm vom Haupte ab, 
und jah, daß es ein Weib war: jie war im Panzer, 
und [diejer) jaß fo feit, ald menn er am Fleiſche 
jeitgewachjen wäre. Da ſchlitzte Sigurd [den Banzer] 
oben von der Kopföffnung bis ‚ganz hernieder und 
ebenfo die beiden Aermel entlang bis ans Ende, und 
es (dad Schwert] zerfchnitt ihn wie ein Kleid. ! 
Sigurd ſagte, fie Habe allzu Lange gefchlafen. | Sie 
fragte, was jo mächtig gewejen wäre, „daß, es den 
Banzer zerichnitt und meinen Schlaf bannte? Sollte 
etwa Sigurd, Sigmund's Sohn, hierher gekommen 
jein, mit dem Helm Fafni's, und feinen Tödter ? in 
der Hand?“ **) Sigurd antwortete: „Der ift vom 
Geſchlechte der Wolfunge, der dieſes Werk voflbracht 


*) Aus zufammengefeßten Schilden hergeftellt, nach oben 
und an den Geiten gejchlojjen; vgl. Helr. 9, 1—4; 
Fms, VI, 413; Fafn. 42, 5—8 (Germ. 23, 165). Auch 
über zu verbrennenden Todten? (Sig. sk. 65,5 ff. Walhall, 
der Aufenthaltort der todten Krieger, war gleichfall3 mit 
Schilden gededt.) Auch Brynhild's Schlaf ift ja eigent- 
lich ein Todesſchlaf. 

**) Sigurd's Schwert Gram. 


1) Sigdr. 3. 29 —* E. 118,8 ff.). — 2) Abweichend von Sigdr. 
Str. 1, 1% 


96 


hat.? Und das habe ich vernommen, daß du eines 
mächtigen Könige Tochter bift, und desgleichen ift 
uns gejagt worden von eurer Schönheit und | Weig- 
! heit, und das will ih nun erproben.“ 2 Bryn- 
hild antwortete: „Zwei Mönige fchfugen fich; der 
eine hieß Hjalmgumnar, er war alt und ein höchſt 
tapferer Heermann, und hatte Odin ihm den Sieg 
verheißen; der andere aber hieß Agnar oder Auda⸗ 
brodir.) * Ich fällte Hialmgunnar in der Schlacht; 
Ddin. aber ſtach mich mit dem Schlafdorn *), des 
zur GStrafe*, und fagte, daß ich nimmer fortan 
Sieg [zu verleihen?) haben follte, und er gebot, daß 
ih mich vermählen ſollte.“ Ich aber that ein Ge 
lübde dagegen, mich feinem ſolchen zu vermählen, ber 
ſich fürchten könnte.““ Sigurd fprah: „Ertheile 
mir: Rath zu hohen Dingen.“ ” Sie antwortete: 
„Ihr werdet der weiſere fein: doch gern will ich 


*) D. h. Aude’3 Bruder, in der Lieder-Edda Audhu bro- 
dhir, d. 5. Bruder der Auda. 

**) (55 iſt im Grunde ein Todezdorn, ein Dorn, durch welchen 
der Todesgott Odin in (Tode3-)Schlaf verjenkt, wie der 
Sceiterhaufen aus Dorn gefchichtet ward (J. Grimm, 
kl. Schr. 2, 241 ff., beſonders 276 ff.) ; vgl. Dornröschen. 

1) Abweichend von Sigdr. 1, 5-8. — [8) vgl. Sigdr. Profa nad 2, 
3. 32—2.] — 3) = Ebenda 8. 3-12. — 4) = Ebenda 3. 13—15 


(Helr. 8,1-—9,6). — 5) = Ebenda 3. 15—18. — 6) = Ebenda 8. 
18—21 (vgl. Helr. 9,7 f.). — 7) Ebenda 8. 22—24. 


97 


— [nm 


euch lehren, wenn es euer Wille ift, und wenn unter 
dem, was ich weiß, etwas ift, das euch gefallen 
möchte, in Runen oder in andern Dingen, die | 126) 
für einen jeden Fall nützlich jind.*) Laß ung beide mit- 
fammen trinten, und | mögen die Götter und einen 
günftigen Tag geben, daß dir Nuten und Ruhm 
erwachſe aus meiner Weisheit! und du ſpäter dich 
befjen erinnerſt, was wir reden.“ 2? Brynhild füllte: 
einen Becher und brachte ihn Sigurd dar ? und ſprach: 


„Bier bringe ich dir, 
Walter des Waffenſpiels **), 
Mit Kraft gemifchet 
Und hohem Ruhm; 

Bol iſt's von Liedern 

Und Troftesmorten, 

Bon Heilfamen Sprüchen ***) 
Und Freude-Runen. }) ? 


*) Eigentlich: „für jegliche Sache geeignet find” (zur Ab⸗ 
hilfe nämlich). : 

**) Eigentlich „des Brünnenthings“. So unjer Text; jedoch 
Sigdr.: (Apfel-)Baum des Kampfa = Held, vgl. S. 103 **, 

***) Bauberlieder. Es iſt ein Erinnerungstranf, ſ. oben ?. 

F) Die urjprünglich weniger zu zufjammenhängender Schrift 
als zu magischem Gebrauch verwendeten Buchjtaben (Rus 
nen), welche, eingerigt, durch die dazu gehörigen Bauber= 
lieder magische Kraft erlangten. 


1) Vgl. Sigdr. Str. 3—4 (abweihend). — 2) vgl. Sigdr. Proſa nad) 4, 
3. 2. — 3) Ebenda 3. 1 f. — 4) Sigdr. 5. 





7 


98 


Sieg-Runen ſollſt du Tennen, 
Wenn du | klug fein*) willſt, 
Und auf des Schwertes Heft rigen, 
Auf dem Rüden der Klinge 
Und auf der Schneide (?) **), 
Und zweimal Ty ***) nennen. ’ 


Brandungs-Runen jollft du rigen, 
Willſt du geborgen haben ||127) 
Auf der See die Segeltofie. 
Am Steven folft du fie rigen 
Und am Steuerruder 
Und mit euer ind Ruder brennen (?). 
Geht die Brandung auch Hoch 
Und die blauen Wogen, 
Doc kommſt du Heil von der See. ? 


Rederunen follit du kennen, 
Willſt du, daß niemand dir 
Mit Hab feinen Harm vergelte. 
Die windet man (?), 

Die webt man, 
Die ſetzt man alle zufammen 
Auf dem Thinge, 


*) Beſſer Sigdr. „Sieg haben“. - 
**) (53 iſt ungewiß, welcher Theil des Schwertes gemeint tft. 
***, Der deutſche Tio (Zio), Kriegsgott; wird im Norden bei 
Bweilämpfen angerufen. Nah ihm heißt die Rune T. 


99 


Wenn die Leute follen 
Bu vollen *) Gerichten fahren. ? 


Bierrunen ſollſt du fennen, 
Willſt du, dab eines andern Weib 
Dich nicht betrüge, jo du trauft. 
Aufs Trinkhorn ſollſt du fie rigen 
Und auf den Rüden der Hand 
Und am Nagel „NRaudH“**) zeichnen. *||128) 


Den Becher follit du jegnen, 
Bor Nachſtellung dich hüten 
Und Lauch in den Trank werfen. ® 
Dann weiß ich, 
Daß nimmer dir wird 
Zum Schaden gemifcht der Meth. * 


Berge-Runen jollit du lernen, 
Wenn du bergen millit 
Und löſen ein Kind von der Mutter ***): 
Auf die Handfläche ſollſt du fie rigen 
Und [diefe] um die Glieder fpannen 
Und die Difen F) um Beiftand bitten. ® 


*) D. i. „zahlreich befuchten”, oder „vollgiltigen (Haupt) 
Gerichtstagen“7 
**) Die N-Rune; naudh — Noth. 
er) Geburtshilfe iſt gemeint. Cigentlich fteht: „von einer 
Frau“. 
7) Schußgottheiten, die man weiblich dachte; den Fylgjen 
(©. 56**) und den Nornen verivandt, vgl. u. ©. 148**, 


1) Sigdr. 12. — 2) Bigdr. 7. — 8) Bigdr. 8, 1-3. — 4) fehlt Sigdr. 
7» 


P | 


100 


Zmeig-Runen *) follft du kennen, 
Willſt du Arzt fein 
Und verftehn Wunden zu bejchauen, 
Auf die Rinde follft du fie rien 
Und auf das Laub de8 Baumes, 
Defien Zweige fich oftwärts neigen. 


Sinn-Runen jollft du Iernen, 
Willſt du jeglichen Mann ||129) 
Un Hugem Sinn übertreffen. 
Die errieth, 
Die rihte ein, 
Ueber die ſann Hropt. **) ? 


Am Schilde find fie gerißt, 
Der da fteht vor der glänzenden Gottheit ***), 
[Am Obre Arvakrs 


*) Der Name findet in Vers 4—6 feine Deutung. Da 
aber fonjt die Runen nach dem, was fie bewirfen oder 
betreffen, benannt find, überſetzt man vielleicht richtiger 
„Sliedrunen“, von limr „Glied“. 

**) Ein Name Odin’. Ueber Odin als Runen-Finder ſ. 
Häv., Str. 137 ff., und über das Verhältniß jener 
Strophen zu unfern vgl. I, des Hehren pr: 
©. 198 ff. 

a**) Die Sonne ift gemeint, vor der auf ihrem Wagen der 
Schild Spalin fteht (Grimn. 38). 


1) Sigdr. 11. — 2) Sigdr. 13, wo nod) 10 Berfe daranffolgen. 


101 


Und%hn}*) Alſvinn's **) Hufe, 

An dem Rabe, das rollt 

Unter Rögniſs **) Wagen, 

An Sleipni's F) Zähnen 

Und an des Schlittend Bindebalten. ! 


An des Bären Tape 
Und an Brage's FT) Zunge, 
An des Wolfs Klauen || 130) 
Und an des Yard Schnabel, 
Auf blutigen Schwingen (?) 
Und am Brüden-Ende, 
An löfender Hand Tr) 
Und auf Heiles- Pfade. ? 


An Glas und an Gold 
Und an gutem Silber. 
In Wein und in Bier*F) 
Und au der Volva *) Seſſel, 


*), Ergänzt nad) Sigdr. 
») Arvakr (Frühmad)) und Alsvinn (Vielgeſchwind) find 
die beiden Roſſe des Sonnenwagens. 
+) Gin Name Odin's. | 
+) Odin’3 Rob, ſ. oben ©. 67*. 
t}) Brage tft Gott der Dichtkunſt. 
trt) Val. oben ©. 99 *** und f. 
*r) Eigentlih: Malzertract, woraus durch Gährung Bier 
wird. 
"4,6. oben ©. 46 **, 





102 





An Gungni’3 *) Spitze 

Und an Grane's **) Bruft, 

Un der Norne Nagel ***) 

Und an der Nachteule Schnabel. ? 


Alle murden abgefchabt, 
Die geritzt waren, 
Und gemiſcht mit dem heiligen Meth T), 
Und gejendet auf weite Wege: 
Sie find bei den Alfen, 
Etliche bei den Wien ||131) 
Und bei den weiſen Vanen Tr), 
Etliche haben die Menjchentinder. * 


Das find Buch-Runen, 
Das find Berge-Runen 
Und alle Bier-Runen 
Und hehre Macht⸗Runen 
Jedem, der ſie ungeirret 
Darf und unverwirret 
Sich zum Heile gebrauchen. 





*) Odin's Speer. 
**) So Sigdr. (unſer Text: „der Riefin“). 
x*x*) Vgl. Mannhardt, Germ. Myth., S. 615 ff. 
+) Der Dichtermeth ift gemeint: Aunenlied und Runen⸗ 
zeichen gehören zufammen, um den Zauber zu wirken. 
rr) Ein mit den Aſen in Verbindung getretenes Götter- 
geſchlecht. 


1) Sigdr. 17. — 2) Sigdr. 18. 





103 


Genieß [ihrer], wenn du fie vernommen, 
Big die Götter vergehn. *) ! 


Nun jolft du wählen, 
Da dir die Wahl geboten ift, 
' Du Baum feharfer Waffen **): 
Neden oder Schweigen 
Bedenke bei dir jelbft. 
Alle Reden find wohl erwogen (?).” ***) * 1132) 


Sigurd antwortete: 


„Richt werd’ ich fliehen, 
Wenn ich mich auch todgemweiht weiß: 
Nicht mit Feigheit bin ich geboren. 
Deinen Freundesrath 
Will ich all befolgen, 
So lange, wie ich Iebe.“ ® 


Einundzwanzigftes Kapitel. F) 


Sigurd fagte: „Nimmer findet man ein wei- 
ſeres Weib in der Welt, ald du bift; lehre mich 


*) Beim Weltuntergang (Ragnaröf, „Götterdimmerung”). . 
*), ‚Baum (hier eigentlic) Ahorn) der Waffen” ift eine 
flaldifche Umfchreibung für „Mann, Held”; vgl. oben 
©. 97 **, 
”*€) Anders Sigdr. 
r) Ueberſchrift: „Brynhild’3 weiſe Rathichläge”. 
1) Sigdr. 19. — 2) Sigdr. 20. — 3) Sigdr. 21. 


104 





noch mehr Mugen Rath." Sie antwortete: „Billig 
iſt e8, nad) euerm Willen zu thun und euch guten Rath 
zu geben wegen eurer Wißbegier und Klugheit.“ 
Da ſprach fie: | „Sei freundlich mit deinen Bluts⸗ 
freunden, und räche nicht Feindfeligfeiten an ihnen, 
fondern trag fie mit Geduld, und du haft davon 
langwährendes Lob. ! 

- Hüte dich vor jchlimmen Dingen, ſowohl vor 
Mädchen- als Frauen-Liebe: daraus entfteht oft 
Unheil. ? 

Veruneinige dich nicht mit unweiſen Männern 
in volfreicher Verfammlung: fie reden oft Schlim- 
meres [nah] al3 fie [wirklich] wiſſen ?, und du wirſt 
fogleich für einen Feigling erklärt oder *) geglaubt, 
daß du der Wahrheit überführt feilt: erjchlag ihn 
andern Tags umd. vergilt ihm fo die Scheltworte. ? 

Wenn du eines Weges fährft, wo Unholde wohnen, 
fo wahre dich wohl: nimm dir nicht Herberge nabe 
an der Straße, obſchon dich die Nacht überfalle 5; 
denn oft wohnen da Unholde, welche die enfhen 
irreleiten. 

Laß dich nicht ſchöne Frauen trügen, wenn du 


*, So Sigdr., unfer Text: „und“. 





1) = Sigär. 32. — 2) vgl. Sigdr. 32. — 3) = Sigdr. 24. — 4) = Sigdr. 
25, 1—4, 7-9. — 5) vgl. Sigdr. 26. 


105 





fie auch bei Zeiten fiehit, fo daß dir das den Schlaf 
raubt oder du davon Herzenskummer empfindet: 
Iode fie nit an dih mit Küffen oder anderer 
Liebfofung. ! || 133) 

Wenn du thörichte Worte trunfener Männer Hörft, 
jo rechte nicht mit ihnen, während fie weintrunfen 
ind und ihrer Beſinnung entbehren ?: folde Dinge 
bringen manchem groß SHerzeleid oder Tod. ? 

Schlag did lieber mit deinen Feinden, als 
daß du dich verbrennen laſſeſt.“ 

Und ſchwör feinen falſchen Eid, denn grimme 
Race folgt dem Yriedendbrude. 

Handle forgfältig an todten Männern, GSied)- 
Todten*) oder Seetodten oder Schladhttodten, ver- 
fahr forgfältig mit ihrer Leiche, © 

Traue nicht dem, dem du zuvor den Vater 
oder Bruder oder einen andern nahen Verwandten 
erihlagen haft, obſchon er jung ift; [denn] oft fteckt 
ein Wolf (Feind) in einem jungen Sohne.**) 7 

Wahre dich forgfältig vor Anfchlägen deiner 


— — — — 


*) An einer Krankheit geſtorbenen. 
**) D. h. er kann leicht zum Rächer heranwachſen. (Bgl. 
Sig. sk. 12,3 f. = unten ©. 153 **.) 
1) = Sigdr. 38. — 2) = Bigdr. 39. — 3) = Sigdr. 80, 14. — 4) = 
Sigdr. 81, 4—6. — 5) = Sigdr. 23. — 6) = Bigdr. 83 [und 34]. 
— N) = Bigdr. 35. 


106 


Freunde.! Zwar kann ich wenig von euerm Leber 
vorgußfehen: doch jollte nicht Haß von Schwägern 
dich treffen!" ? 

Sigurd ſprach: „Rein weiſerer Menſch ift zu 
finden, als du biſt; und dag ſchwöre ich, daß ich dich 
zur Frau haben will, und du bift nad) meinem Sinn.“ 
Sie erwiderte: „Dich will ih am Liebften haben, 
wenn ich auch unter allen Männern die Wahl habe!“ 
Und dies befräftigten fie mit Eiden unter fidh.*) 


Zweiundzwanzigſtes Kapitel. **) 


Nun ritt Sigurd hinweg. Sein Schild war 
folgendermaßen gefennzeichnet: [ex war] mit rothent 
Golde überzogen, und darauf ein Drache gemalt, 
der war dunkelbraun oberhalb, und ſchönroth unter- 
halb, und ebenfo war fein Helm und Sattel und 
Waffenroc gekennzeichnet. Er trug einen Goldpanzer, 


*) Diefe Verlobung iſt fchwerlich fagengemäß, vgl. Beitr. 
3, 255 ff. (f. auch unten ©. 116*). 

**) Meberfchrift: „Won Sigurd’3 Ausſehen“. Dies Kapitel 
ift entlehnt aus Thidr. s. Kap. 166, womit unfere 
Schilderung meiſt wörtlich übereinitimmt. 

1) = Sigdr. 37, 1—3. — 2) vgl. Sigdr. 37, 46. — Die Sigdr., deren 
legte Strophen ſchon nur no in jungen Papierhandſchriften über- 


liefert find, brechen bier ab; und es beginnt die große Lüde im 
cod. reg. der Lieder » Edda. 


107 


und alle feine Waffen waren mit Gold verziert. 
Und deshalb mar ein Drade auf ſeine ganze 
Waffenrüſtung gemalt, daß man||134) wiſſen konnte, 
wer da einherfahre, fo er gejehen wiirde von allen 
denen, die erfahren hätten, daß er den großen Drachen 
erfchlug, den die Wäringer*) Yafni nennen. Und 
deshalb waren all feine Waffen mit Golde verziert 
und braun von Farbe, weil er andere Männer weit 
überragte an Ritterfitte und aller Art Höfifchheit **) 
und beinahe in allen Dingen. Und wo alle die 
größten Helden und die berühmteiten Häuptlinge 
aufgezählt werden, da wird er immer zuvörderſt 
genannt werden; und fein Name geht in allen Zungen 
nördlih vom Griechiſchen Meer, und fo wird es 
bleiben, fo lange die Welt jteht. ! 


Sein Haar war braun- und ſchön anzufehen, 
und fiel in langen Zoden herab; der Bart war dicht 
und kurz und von derſelben Farbe; er Hatte eine 


*) So hießen bejonders die in Konftantinopel in der Leib- 
wache dienenden Skandinavier, aber das Wort wird 
auch gebraucht für Standinavier überhaupt; fo hier im 
Gegenjag zu Deutfchen, wie mehrfach in Thidr. s. 

**) Ausdrücke, bie in Thidr. s. häufig begegnen. 


1) Diefer ganze Abfag fteht in Thidr. =. = . 24 f.) am Schluſſe 
des Kapitels. 


108 





hohe*) Naſe ımd ein breite® und ſtarkknochichtes 
Antlitz. Seine Augen waren jo durdhdringend, daß 
wenige wagten ihm unter die Brauen zu bliden.**) 
Seine Schultern waren fo breit, wie die Schultern 
von zwei Männern.***) Sein Körper war ganz eben- 
mäßig gefhaffen an Höhe und Dide, und foldyer- 
geftalt, wie es am beiten paffen kann. Und das ift 
das Merkmal feiner Größe, daß, wenn er fidh mit 
feinem Schwerte Gram umgürtete (und das war 
fteben Spannen hoch): und er durch ein vollwachſenes 
Roggenfeld ging |185), fo reidhte Die Spitze der 
Scheider) an die emporfiehnden Uehren. Und feine 
Stärke war [noch] größer als fein Wuchs. Wohl 
vermochte er das Schwert zu ſchwingen, den Speer 
zu ſchießen, den Schaft zu werfen und den Schild 
zu Halten, den Bogen zu fpannen oder Roſſe zu 
reiten FF), und mancherlei Nitterfchaft lernte er in 
der Jugend. Er war ein weiſer Mann, jo daß er 





*) Im Gegenfaß hierzu heißt es bei dem Sklaven: „Nieder⸗ 
gebeugt ift die Naſe“, Rigsth. 10. 

**) Bei der fonft Zug fiir Zug mit der Thidr. s. gleich⸗ 
lautenden Schilderung fehlt Hier die Stelle von Sigurd’3 
Hornhaut, Thidr. s. 2, ©. 23, 3. 5 ff. 

x***) Wörtlich: „Als ob e3 zwei Männer wären.” 
+) Wörtlih: „Der Thaufhuh am Schwerte.” 
Tr) Aehnliche Zufammenftellungen find in Thidr. s. häufig. 


109 


noch ungefchehene Dinge voraus wußte; er veritand 
die Stimme der Vögel, und deshalb kamen ihm 
wenig Dinge unverjehend. Er war ausführlich und 
gewandt im Reden, jo daß er niemals anhub über 
eine Sache zu reden, Davon ex eher abgelajjen hätte, 
als bis es allen fo jchien, daß es keinesweges anders 
jein könnte, als wie er fagte Und das war feine 
Luft, feinen Mannen Hilfe zu leiften, und fich jelber 
in Heldenthaten zu verſuchen, feinen Feinden Gut 
abzugewinnen und feinen Freunden zu geben. Nie 
fehlte e8 ihm an Muth und niemals kannte er Furcht. 


Dreiundzmwanzigftes Kapitel. *) 


Sigurd ritt nun, bis daß er zu einem großen 
Hofe kam, defjen ein mächtiger Häuptling Namens 
Heimi waltete. ! Der hatte zur Frau Brynhild's 
Schweiter, die Bedhild **) hieß, denn fie Mar 








*) Ueberſchrift: „Sigurd kommt zu Heimi“. Die folgen- 
den Kapitel bi3 29 einfchl. entjprechen der Lücke in der 
Handſchrift der Lieder- Edda; vgl. die Einl., auch über 
das Berhältniß zu Grip. Die einzelnen Berührungen 
find in den Ziffernoten angeführt. 

**) D. H Bank-Hilde, als die Häusliche, im Gegenjab zu 
ihrer kriegerifchen Schweiter Brynhild, d. h. Banzer-Hilde. 
1) 8gl. Helr. 11, 1—. 


110 





daheim geblieben und hatte weibliche Runftfertigfeiten 
gelernt; | Brynhild aber trug Helm und Brünne, 
und zog in den Krieg, und darum ward fie Bryn⸗ 
hild genamnt.*) 1 Heimi und BedHild Hatten einen 
Sohn, der Alfvinn hieß, ein Höchft ritterlicher Jüng— 
fing. 

Dort fpielten Leute || 136) draußen; und als fie 
einen Mann zum Hofe reiten fahen, hielten fie 
inne mit Spielen und verwunderten ſich über den 
Mann, dieweil fie [noch] keinen ſolchen gefehen 
hatten 2, | gingen ihm entgegen und begrüßten ihn 
freundlih. Alfvinn bot ihm an, daß er bei ihm bliebe 
und von ihm annähme, was immer er wollte Dar- 
auf ging er ein. Ihm ward ehrenvoller Dienft er» 
wiejen: vier Männer Huben das Gold vom Woffe, 
der fünfte nahm daffelbe (das Roß) in Empfang. 3 
Da konnte man manche werthvolle und feltene Klei⸗ 
node erbliden, und man ergößte fi) damit, Panzer, 
Helme und große Ringe zu befehen und wunderbar 
große Goldbecher und allerlei Heergeräthe. 

Sigurd mweilte da Yange in großen Ehren. Man: 
vernahm nun dieſe Heldenthat in allen Landen, 


*) S. ©. 109**, 


4) Bl. — 27, — Helr. 6. — 2) vgl. Holr. 11, beſonders Vers 


111 





daß er ben furdhtbaren Drachen erjchlagen Hatte. 
Sie (Sigurd und Alfvinn) fanden nun Wohlgefallen 
an einander, und war einer dem andern Hold. Das 
war ihre Luft, ihre Waffen zuzurüſten, und ihre 
Pfeile zu ſchäften*) umd mit ihren Habichten zu beizen. 


Vierundzwanzigſtes Kapitel. **) 


. Da war auch | heimgefommen zu Heimi Bruns 
hild, ſeine Pflegetochter: 1 fie ſaß in einer Kammer 
mit ihren Mägden; mehr Geſchicklichkeit hatte ſie 
denn andere Frauen. Sie bedeckte ihren Teppich ***) 
mit goldenem Grunde und ſtickte darauf die Groß— 
thaten, die Sigurd verrichtet hatte, den Tod des 
Wurmes, und die Erbeutung des Horted und den 
Tod Regin’s. 

Und eine® Tages, heißt es, ritt Sigurd zu 
Walde mit feinen Hunden und Habichten und vielem 
Gefolge, und als er heim kam, flog fein Habicht 
auf einen hohen Thurm, und feste fih an ein Feniter. 
Sigurd ftieg dem Habichte nah; da ſah er ein 


*) D. h. hölzerne Pfeilſchäfte zu ſchnitzen. 

**) Ueberſchrift: „Sigurd's Geſpräch mit Brynhild“. 
”**) Gewebe, an dem fie arbeitete. 
1) Bgl. Grip. 37—39; Helr. 11, 3—. 


— 


ſchönes Weib, | und erkannte, daß es Brynhild war*), 
und ihn dünkte gleicherweife vortrefflich ihre Schön- 
heit wie ihre Arbeit. 

Er kam in die Halle, und | wollte feine Kurz⸗ 
weil mit den Männern haben. Da 137) ſprach 
Afoinn: „Warum feid ihr fo fchweigfam? Dies 
dein Benehmen härmt und und deine Freunde; warum 
willft du denn nicht fröhlich fein? 1 Deine Habichte 
lafjen den Kopf hängen und das Roß Grane gleicher: 
weile; lange aber wird e8 währen, bis **) wir dem 
abhelfen können.“ Sigurd antwortete: „Guter Fremd, 
höre, was ich finne: mein Habicht flog auf einen 
Thurm, und al ich ihn holte, da jah ich ein ſchönes 
Weib**r);. fie jaß an einem goldigen Teppich, und 
jtidte Darauf meine vergangenen und vollbrachten 
Thaten.” Alfvinn antwortete: „Du haft Brynhild, 
Budle’3 Tochter, gejehen, welche ein treffliches Weib 

*) Jedenfalls ein Zufat des Sagafjchreibers, hervorgegangen 
aus feiner irrthümlichen Vermiſchung der Brynhild mit 
Sigrdrifa (f. oben ©. 92**). Offenbar kannte er die 
erblidte Frau nicht, wie das folgende Geſpräch mit 
Aljvinn zeigt. 

**) D. h. „Wir werden Mühe Haben, dem abzuhelfen.“ 
*“**) Bu ©. 111, 3. 16 bi hierher vgl. den ähnlichen Eingang 
der Skirn. 
1) gl. Grip. 29. 





113 





if.“ Sigurd erwiderte: „Das wird wahr fein; wie 
ange] ift e8 denn, daß fie herkam?“ Alivinn ant- 
wortele: Es war kurz vor eurer Ankunft.“ *) 
Sigurd ſprach darauf: „Das erfuhr ich [exft] vor 
wenig Tagen”*); diefe Frau erſchien mir als bie 
ſchönſte auf der Welt!" Alfvinm antwortete: „Nichte 
nicht deine Gedanken auf das Eine Weib, du ſolch 
ein Mann; es ift übel um. das zu forgen, was man 
mit erhalten kam.“ „Sie muß ich bejuchen 
(ſprach Sigurd) und. ihr Gold geben***), mich ihrer 
Gunft erfreuen und ihre Gegenliebe erwerben.” Als⸗ 
vinn entgegnete: „Noch ward Tein Mann in aller 
Belt erfunden, dem fie ben Platz neben ſich ver- 
gönnt oder Bier zu trinken gegeben Hätte: | jie will 
an Heerfahrten theinehmen und ‘allerlei ‚ARuhmes- . 
thaten vollbringen.“ 1 Sigurd antwortete: „Ach 
weiß nicht, ob fie mir antworten wird oder nicht, 
oder mir einen Platz neben ſich vergüönnen.“ F) 


—m——— on 


*) Wörtlih: „ES lag wenig Zeit dazwifchen, als ihr kamet.“ 
**) Nämlich, als Sigurd Brynhild vom Thurme aus er- 
blidte (©. 111 f.). 
+8) Der Brautſchatz (S. 63 **) ijt gemeint, vgl. Grip. 30,5 ff. 
+) Gemeint iſt wohl: „ob fie mir nicht Hoch antworten 
wird“ u. |. w. 
1) BgL unten &. 115, 8. 18 ff. und 132, 8. 4 ff. 


& 


114 





Und am andern Tage darauf ging Sigurd zu 
ihrer Kammer, Alfvinn aber ftand außen neben der 
Kammer und fchäftete feine Pfeile. Sigurd ſprach: 
„Heil euh*), Hraul Wie ergeht e& euch?” Cie 
antwortete: „Wohl ergeht e8 mir: Verwandte und 
Freunde eben. Uber ungewiß ift, welches Glüd 
man bis zu feinem Todestage bat.” Er fette ſich 
neben fie Darnach kamen vier Frauen herein mit 
großen Tiſchbechern von Gold und voll des beiten 
Weines, und ftanden vor ihnen. Da 138) fprad) 
Brynhild: „Diefer Sitz wird wenigen**) veritattet, 
außer wenn mein Bater. kömmt.“ Cr antwortete: 
„Jetzt ift er dem vergönnt, von dem es mir Tieb 
iſt.“**) Das Zimmer war umhangen mit den toft- 
barften Umhängen, und der ganze Yußboden mit 
Decken belegt. Sigurd ſprach: „Nun it da3 erfüllt, 
was ihr mir verhießet."}) Sie antwortete: „Ihr 
follt Hier willlommen fein.“ Sodann ftand fie auf, 
und die vier Maide mit ihr, trat vor ihn mit einem 


*) Eigentlich: „Sit Heil!“ 

*s) D. h. Teinem. 

*xs) D. h. „von dem ich wünſche, daß ihm der Platz zu 
Theil werde” (den ich am liebſten auf dieſem Plage fehe), 
nämlich: mir. 

 D) Dieſer Satz ſcheint die oben S. 92** beſprochene Ver⸗ 
miſchung der Brynhild mit Sigrdrifa vorauszuſetzen. 


N 


115 





Goldbecher und hieß ihn trinfen. Er ftredte die 
Hand aud nad) dem Goldbecher umd ergriff ihre 
Hand mit?) und ſetzte fie neben fi. Er faßte fie 
um den Hals und küßte fie und ſprach: „Rein 
Weib ward je fchöner geboren als bu.“ Brynhild 
ſprach: „Ein weislicherer Rath iſt e8, fein Vers 
trauen nicht in Weibes Gewalt zu jeben**), denn fie 
brechen ſtets ihre Gelübde.”***) Er fprah: „Der 
Zag würde mir als der glüdlichite anbrechen, 
an dem wir einander genießen könnten.“ Bryn⸗ 
Hild antwortete: „Nicht ift es befchieden, daß wir 
beifammen wohnen follen: ich bin eine Schildmaid, 
und trage den Helm bei Heerkönigen, und denen 
will ich zu Hilfe kommen, denn nicht ift mir leid 
zu Tämpfen.“ Sigurd antwortete: „Dann wird ed 
ung am beften gedeihen, wenn wir beifammen wohnen ; 
und ſchwerer ift es den Harm, der hierauf) laſtet, 


2) Derjelbe Bug begegnet öfter in der Heldenfage, 3. B. 
Thidr. s. Kap. 97 (S. 263) von Dietleib und bei Paul. 
Diaf. 3, Kap. 30 von Authari. 

**) D. h. „dein Vertrauen nicht auf ein Weib ſetzen, jo daB 
du dich in ihre Gewalt begiebit.“ 

e**) Derielbe Gedanke Tehrt öfter wieder, 3. B. Häv. 83; 
Thidr. s. Rap. 350, ©. 366. 

+) Nämlich auf der Nichterfüllung unfere® Wunfches nad) 
Bereinigung. 

8* 


116 


zu dulden als jcharfe Waffen.“ Brynhild antwortete: 
„Ih werde die Schaar der Heermannen muftern, 
du aber wirft Gudrun, Gjuke's Tochter, heirathen.“ 
Sigurd antwortete: „Nicht trügt mid) eines Königs 
Tochter, und nicht neige ih hierin zum Wankelmuth, 
und ich ſchwör' es bei ben Göttern, daß ic) dich 
haben will oder feine Yrau fonft.” Sie fagte das⸗ 
felbe. Sigurd dankte ihr für diefe Aeußerung "und 
gab ihr einen Goldring, | und fchwuren fich num von 
neuem *) Eide. ! Darauf ging er hinweg zu feinen 
Mannen, und war dort eine Weile in großen Ehren. 


Fünfundzwanzigſtes Kapitel. 


Gjuke hieß ein König, der berrichte im 139) 
Süden des Rheins. Er Hatte drei Söhne, die- alfo 
hießen: Gunnar, Hogne und Gutthorm; Gudrum 
hieß feine Tochter?, die war eine hochberiihmte 
Maid. Diefe Kinder überragten andere Königskinder 
an jeglicher Tüchtigfeit, an Schönheit ſowohl wie 
an Wuchs. Sie waren immer auf Heerfahrten, und 


*) Bezieht fih auf ©. 106*; vgl. die Anm. dajelbit. 
4) Grip. 31, 1-3. — 2) gl. Sn..E. 118, 18 - 15, wo noch Gudny als 
Tochter, Gutthorm aber als Stieffohn Gjuke's (= Hyndl. 37,5 ff.) 
. bezeichnet ifl. 


117 





vollbrachten manche ansgezeichnete That. Gjuke's 
Gemahlin war Grimhild ? die Zauberkundige. 

Budle hieß ein König, der war mächtiger als 
Gjuke; doch waren beide mächtig. Mile hieß Der 
Bruder Bryuhild’3; der war ein grimmer Mann, 
groß und ſchwarz, doch ſtattlich, und ein gar ftreit- 
barer Held. 

Grimhild war ein grimmfinniges Weib. Gjuke's 
Macht ftand in hohen Ehren, und zwar hauptſächlich 
duch feine Kinder, welche die meiſten weit über- 
ragten. | 

Einmal fagte Gudrun zu ihren Maiden, daß 
fie nicht froh fein könne. Eine Frau“) fragte fie, 
was fie unfroh machte. Sie fagte: „Ih Hatte un- 
glückliche Träume**); das befümmert mic in meinem 
Herzen; beute [nun] den Traum, nad) dem du 
fragſt.“ Die Frau fagte: „Sag’ es mir und laß 
es Dich nicht befümmern, denn ſtets träumt man 
von Stürmen (Unwetter).“ ***) Gudrun entgegnete: 
„Dies bedeutet feinen Sturm. Mir träumte, daß 





*) Siehe ©. 118*. 

*c) Wörtlich: „Nicht Hatte ih GLüd in Träumen“ Zum 
Folgenden vgl. Chriemhild's bekannten Traum am An= 
fange de3 Nibelungenliedes (bei Bartſch Str. 13 ff.) 

#4), D. h. „tet? bezieben fi) Träume auf Unwetter.” 
1) Bgl. u. ©. 1971 umd 1488. — 2) = Sn. E, 118,18. 





118 





ich einen ſchönen Habicht (Balken) auf meiner Hand 
fah, deſſen Federn waren von goldiger Farbe.” Die 
Frau fagte: „Viele Haben von eurer Schönheit, 
Weisheit und Höfifchheit gehört: ein Königsſohn 
wird um Dich werben.“ Gudrun erwiderte: „Kein 
Ding däuchte mir beſſer als diejer Falke, und all 
mein Gut wollte ich Lieber Laffen denn ihn.“ Die 
Frau ſagte: „Der, den du erhältft, wird ein wohl- 
erzogener Mann fein und du wirft ihn fehr Lieben.“ 
Gudrun antwortete: „Das befümmert mich, daß ich 
nicht weiß, wer er iſt. Wir wollen Brynhild auf- 
fuchen, fie wird es wiljen.” 

Sie*) ſchmückten fih mit Golde und reichen 
Pub und fuhren mit ihren Maiden, bis daß fie zu 
Brynhild’3 Halle kamen. Diefe Halle war mit Golde 
geſchmückt und ftand auf einem Berge.**) Und 


*) Gudrun und wer noh? Doc wohl die 117* er= 
wähnte traumbdeutende Frau, der im Nib.-Liede die 
Mutter Chriemhild's entſpricht. (War alfo hier auch 
Gudrun und ihre Mutter Grimhild urſprünglich ge⸗ 
meint?) 

*s) Das geht wieder auf Sigrdrifa’3 Aufenthaltsort Hindar- 
fiall (vgl. Fafn. 42), während wir vorhin Brynhild bei 
Heime wohnend fanden. Ueberhaupt ſcheint das hier 
benußte Lied Sigrdrifa (die der Verf. der Saga mit 
Brynhild zujfammenmwirft) gemeint zu Haben, wobei 
mancher Widerſpruch und namentlih das Auffallende 


119 





al3 | 140) ihre Fahrt gejehen ward, da ward Bryn- 
Hild gemeldet, daß viele Frauen auf vergoldeten 
Wagen zu der Burg [daher] führen. „Das wird 
Gudrun, Gjuke's Tochter, fein [fagte Brynhild]; denn 
mir träumte von ihr die Naht; und gehn wir hin- 
aus ihr entgegen.“ 


Sie gingen hinaus ihnen entgegen und begrüßten 
fie freundlich. Jene Schritten hinein in die fchöne 
Halle: der Saal war innen mit Bildern geſchmückt 
und reich mit Silber verziert, Teppiche waren unter 
ihre Füße gebreitet, und alle dienten ihnen; fie 
Hatten: allerhand Kurzweil. Gudrun [aber] war 
wortlarg. Brynhild ſprach: „Warum fünnt ihr 
nicht fröhlich fein? Thut nicht alfo, fondern laßt 
und allefammt uns vergnügen und von mächtigen 
Königen und ihren Heldenthaten reden.“ „Thun 
wir das!“ ſprach Gudrun; „welche Könige kennſt 
du als die vortrefflichiten?" Brynhild antwortete: 
„Die Söhne Hamund's, Hafe und Hagbard*); die 


der Prophezeiung in Brynhild's Munde fortfiele. 
Zum Traumbdeuten erjcheint Sigrdrifa, die aud) Sigurd 
belebrte, überhaupt geeigneter al3 Brynbild. 

*) Die Brüder Hale und Hagbard als Seekönige nennt 
auch Yngl. 8. Kap. 25. Bon Hale, Hamund’3 Sohn, 
Kiebe zu Signy handelt eine im Norden weit verbreitete 





120 


vollbrachten manche ruhmvolle That auf der Heer: 
fahrt.“ Gudrun entgegnete:. „Mächtig waren fie 
und berühmt, doch entführte Sigar ihre Schweiter, 
und verbrannte andere*) [ihrer Verwanbten?], und 
ſäumig find fie, e3 zu rähen Warum nennſt du 
denn nicht meine Brüder, welche nun die vortrefflich⸗ 
ſten Männer zu fein ſcheinen?“ Brynhild antwortete: 
„Dazu it gute Ausſicht, doch nod ſind fie ‚nicht 
recht erprobt, und ich weiß einen, der fie weit über- 
trifft; daS aber ift Sigurd, König Sigmund’3 Sohn. 
Er war damald noch ein Rind, ald er die Söhne 
König Hunding’3 erſchlug und feinen Vater und 
Eylime, feiner Mutter Vater, rächte.“ Gudrun. jagte: 
„Was hatte 141) es damit auf fi? Sagſt du, 
daß er geboren **) war, als ſein Vater fiel?" Bryn- 
hild antwortete: | „Seine Mutter ging auf die Wal 
ftatt und fand König Sigmund verwundet und erbot 
fih feine Wunden zu verbinden; er aber erklärte, 
er wäre zu alt, ferner zu ftreiten, und hieß fie 


— — — — — 


Sage, die der Hug-Dietrichsſage verwandt iſt. Die 
bier angedeutete Geftalt diefer Sage tft ſonſt unbelannt. 
*) Hier jcheint etwas zu fehlen, bezw. da benußte Lied 
ungenau iviedergegeben zu fein. 
**x) Nach Bugge's Vermuthung würde vielleicht richtiger 
„ungeboren“ ſtehn. 











121 


ih damit tröften, daß fie den trefflichiten Sohn 
gebären würde !, und dieſe Borausfage erfüllte fich.*) 
Und nad) dem Tode König Sigmund’3 fuhr fie mit 
König Alf, und ward Sigurd dort auferzogen mit 
großen Ehren, und vollbrachte an jedem Tage viele 
Heldenthaten, und er ift der vortrefflichite Mann 
auf der Welt.“ Gudrun antwortete: „Aus Liebe 
haft du nad) Kunde von ihm ‚geforicht: aber Dazu 
kam ich hierher, dir meine Träume zu fügen, Die 
mir große Bekümmerniß fchufen.“ Brynhild ant- 
wortete: „Laß dich folches nicht befümmern. Weile 
bei deinen Blutsfreunden, Die alle dich erfreuen 
“ wollen.” **) 

„Es träumte mir (jagte Gudrun), daß wir 
mehrere zuſammen aus der Sanımer gingen unb 


— 





*) Wörtlih: „Die Vorausfage war eines Weiſen Vers 

muthung“ = Fms. 11,154. ° 

**) Die Handjchrift beginnt bier ein neues Kapitel mit der 
Ueberfchrift: „Gudrun's Traum wird von Brynbild ge- 
deutet.” Dieſe zweite Traumdeutung ift offenbar einer 
jüngeren Baralleldichtung im Geſchmacke der Grip. ent- 
nommen, während das Alter der erfteren durch die 
Uebereinftimmungen mit dem Nib.⸗Liede beftätigt wird, 
die freilich auch für das Wlter einzelner Züge in der 
zweiten Traumdeutung ſprechen. 

1) Vgl. oben ©. 591, 





122 





jahen einen großen Hirjch, der übertraf weit andere 
Thiere*); fein Fell**) war von Golde: wir wollten 
alle das Thier fangen, ich allein aber erreichte &; 
das Thier däuchte mir beſſer als alle anderen Dinge: 
darauf erfchofjelt du das Thier vor. meinen Knieen, 
und da3 war mir ein jo großer Harm, daß ich ihn 
faum zu ertragen vermochte. Darnach gabft du mir 
einen jumgen Wolf, der befprigte mid) mit dem 
Blute meiner Brüder.” Brynhild antwortete: „Ic 
will auslegen, wie es ergehn wird: zu euch wird 
Sigurd fommen, den ih mir zum Manne erfor; | 
Grimhild giebt ihm mit Trug gemifchten Meth, der 
und alle in großen Streit bringt.! Shn wirft du 
befiben, aber ihn bald verlieren. 2? Du wirft König 
Alle zum Gemahl Haben; deine Brüder wirſt du 
verlieren, und dann wirft du Atle erfchlagen.“ 
Gudrun antwortete: „Großer Harm ift es mit, 
folches zu wiſſen.“ Und nun fuhren fie hinweg und 
heim zu König Gjufe. |142) 


*), Der Hirih old Bild des alle Helden überragenden 
Geliebten findet ji aud) in Helg. Hund. II, Str. 37, 
5 ff., jpeciell von Sigurd gebraudht in Gudr. II, Str. 
2,5 f. 
x*) Wörtlich: „Haar.“ 
1) Bgl. unten S. 189%. — 3) = Nibel. Str. 14,3 f. 


\ 





123 





Sechsundzwanzigſtes Kapitel. *) 


Sigurd ritt nun hinweg mit dem vielen Golde, 
und fie fchieden als Fremde. |Er ritt auf Grane 
mit al feinem SHeergeräthe und feiner Laft, und 
ritt, bis daß er zur Halle König Gjuke's Tamı. 
Da ritt er in die Burg. Das fah einer von des 
Könige Mannen und ſprach: „Ich wähne, Hier kömmt 
einer von den Göttern! Diejer Mann ift ganz mit 
Golde geſchmückt; fein Roß ift viel größer, denn 
andere Roffe und außerordentlich ſchön ift feine 
Waffenrüſtung und übertrifft die anderer Männer 
weit, am meiften aber überragt er doch felber 
andere Männer.” Der König ging hinaus mit feinem 
Hofe, und grüßte den Mann, und fragte: „Wer 
biſt du, der du in die Burg reiteft, was [noch] nie- 
mand ohne Erlaubniß meiner Söhne gewagt Hat?“ 
Er antwortete: „Ich heiße Sigurd, und bin König 
Sigmund’3 Sohn.” König Gjuke ſprach: „Will 
fommen fjollft du fein bier bei und, und empfange 
bier alles, was du willſt.“ 


*) Meberichrift: „Sigurd wird ein Vergeſſenheitstrank ge- 
miſcht“. 


1) Bgl. Grip. 13,5—8 (81,5 f.); Sig. sk. 1,1—4; Sn. E. 118,12 f. 


124 





| Und er ging hinein in die Halle, und alle er- 
dienen Klein neben ihm; und alle dienten ihm, und 
er war dort in hohem Anſehen. Sie ritten alle 
zujammen, Sigurd, Gunnar und Hogne; jedoch war 
Sigurd ihnen vorauß in allen Fertigkeiten, und waren 
doh alle gewaltige Männer. 

Grimhild bemerkte, wie jehr Sigurd Brynhild 
liebte, und wie oft er ihrer erwähnte. Sie gedachte 
bei fich, daß e8 ein größeres Glück wäre, wenn er 
da dauernd verbliebe und König Gjuke's Tochter 
nähme; und fie ſah, daß niemand fich ihm vergleichen 
fonnte, fah au), welcher Troſt (welche Stüße) an 
ibm war, und [daß er] unmaßen viel Gut befaß, 
viel mehr als daß man feines gleichen*) gefannt 
hätte. Der König war gegen ihn wie gegen jeine 
Söhne, diefe aber ehrten ihn Höher als fich felbit. 

Eines Abends, da ſie beim Trunfe faßen, ftand 
die Königin auf und trat vor Sigurd, grüßte ihn 
und ſprach: „Freude haben wir über dein Hierſein, 
‚und alles |143) Guten wollen wir euch theilhaftig 
maden: nimm Bier das Horn und trinl.” Und 
prad) weiter: „König Gjuke joll dein Water fein, 
und ich deine Mutter, und Gunnar und Hogne deine 
Brüder, und alle ſollt ihr Eide leiſten, jo wird ſich 


— — — — — 


*) Wörtlich: „ein Beiſpiel dafür” (einen ähnlichen Fall). 


125 





niemand finden, der euch gewachfen wäre.” Sigurd 
nahm das wohl auf: und | in Folge dieſes Trankes 
gedachte er nicht [mehr] an Brynhild.’ Er weilte 
da geraume Beit. ? 

Einmal: trat Orimhild vor König Gjuke, ſchlang 
ihre Hände um feinen Hals, und ſprach*): „Hierher 
ift num der größte Held gekommen, der auf der 
Welt gefunden werden Tann, an ihm hätten wir 
ftarfe Stüße: | gieb ihm deine Tochter mit veichem 
Gute und jo große Herrſchaft, wie er will ®: fo 
könnte er es ji bier wohl gefallen laſſen.“ Der 
König erwiderte: „Ungebräuchlich ift e8, feine Tochter 
anzubieten: doch ehrenvoller iſt es, fie ihm anzu- 
bieten, al$ wenn andere [um fie] bäten.” 

Eines Abends ſchenkte Gudrun. Sigurd jah, 
daß fie ein ſchönes Weib war und in jeder Be 
ziehung ein feined Benehmen hatte. 

Fünf Halbjahre war Sigurd dort, fo daß fie 
mit Ruhm und in Freundſchaft lebten; und redeten 
nun die Könige mit einander. König Gjuke ſprach: 
„Biel Guted erwieſeſt du uns, Eigurd, und eine 
große Stübe bift du unſerm Weiche geweſen.“ 


*) Eine in Thidr. s. formeldaft wiederfehrende Wendung. 


1) 8gl. Grip. 81,7 f. 88,14. — 2) = Sn. B. 118,15. — 8) dgl. Grip. 
33,5—8. e 


DW) 


126 


« 


Gunnar fprah: „Alles wollen wir daran enden, 
daß ihr lange hier bleibet, und wir bieten euch Herr- 
ſchaft zugleid und unfere Schwefter dar, ohne 
Bitte*) 1; kein anderer aber würde fie erhalten, ob- 
fon er um fie bäte.“ Sigurd antwortete: „Habt 
Dank für euer ehrendes Anerbieten: bie will id 
annehmen.“ | Sie ſchwuren fih nun Blutsbrüder⸗ 
ſchaft**), als wenn fie von Geburt Brüder wären. ? 


Da ward ein vortrefffiches Feſt zugerüfte, 
dad währte viele Tage?, und hielt***, Gigurd 
nun feine Hochzeit mit Gudrun. % Da Tomnte 
man mancherlei Freude und Luftbarfeiten fehen, 
und mar die Bewirthung an jedem Tage immer 
noch beſſer als am vorhergehnden. +) 


*) Wörtlih: „Herrſchaft und unſere Schwefter mit An- 
bietung.“ 

**) Bivei, die Blutsbrüderſchaft jchließen wollten, liegen 
beide Blut in ihre Fußſpur (über deren Bedeutung |. 
Grimm, Rechtsalt. 155 ff.) rinnen (Brot. 18,3 f.) und 
miſchten fo ihr Blut (Lokas. 9); fie waren Hinfort fo 
eng miteinander verbunden wie wirkliche Brüder. 

er) Eigentlich) „trant”; ebenfo von Atle Kap. 32 Ende. 
7) Diefelbe Wendung oben ©. 55, 8. 7. 
1) ®gl. Big. sk. 2,1—4. — 2) Sig. sk. 1,5—8; Grip. 371 (4,1); 


Sn. E. 118,16 f. — 3) = Big. sk. 8,58. — 4) Grip. 34,3 f. (): 
Sn. E. 118,15 f. 











127 





|Sie fuhren nun weit dur die Lande und 
berrichteten manche Heldenthat, erfchlugen viele Königs» 
fühne, und Hein anderer that gleihe Großthaten; 
und fuhren dann heim mit großer Baırte, 1 

Sigurd gab Gudrun von Fafni's Herzen zu effen, 
und feitdem war fie weit grimmiger denn zuvor, aber 
auch klüger.“ Ihr beider Sohn hieß Sigmund. 3 

Einmal ging Grimhild zu Gunnar, ihrem Sohne, 
und ſprach: „Eure 144) Herrichaft fteht nun in 
hohen Ehren, dad Eine audgenommen, daß ihr noch 
unvermählt feid. | Werbet um Brynhild. Das iſt 
für dich die anfehnlichfte Heirath, und wird Sigurd 
mit euch reiten. *_ Gunnar antwortete: „Gewiß ift 
fie Schön, und nicht ift mir. die unerwünſcht.“ Er 
fagte es jodann feinem Water, jowie den Brüdern 
und Sigurd; und alle bejtärkten ihn darin. 


Siebenundzwanzigftes Kapitel. *) 


Nun rüſteten ſie ſich weislich zur Reiſe und 
ritten ſodann über Berg und Thal zu König Budle 


*) Meberjchrift: „Sigurd durchreitet die Waberlohe Bryn- 
hild's, der Tochter Budle's“. | 

1) ®gl. Nth. Kap. 6; Atlam. Str. 95 f.; ob. ©. 1171, u. S. 148 *®%, 

— 3) dal. ob. ©. 98, 3. 18. Wohl and Proja vor Gudr. I, 2. 


79 (f. Germ. 28,186). — 8) Sn. E. 119,11. 120,2 (vgl. Gudr. 
II, Str. 29,7). — 4) Bol. Grip. 38. Sig. nk. 3,8 f. 


198 





und bradten ihre Werbung vor.! Er nahm die 
jelbe wohl auf, fall fie nicht nein jagen würde, 
fagte aber, ſie wäre jo ftolz, daß fie nur den Mann 
nehmen würde, den fie wollte. 

Da ritten fie Hin nach Hlymdal.*) Heimi be 
grüßte fie freundlich. Da ſagte Gunnar ihr Ar 
liegen. Heimi erflärte, fie habe die Wahl, men fie 
nehmen wollte; er jagte, ihr ‘Saal wäre nahebei, 
und äußerte die Meinung, daß | fie den allein würde 
zum Manne nehmen wollen, der durch das Tohende 
Feuer reite, dad um ihren Saal brenne.**) ? 

Sie fanden den Saal und da3 Teuer und fahen 
da eine von Gold ſtrotzende***) Burg und außen 
umher ‚brannte ein Feuer. 3 Gunnar ritt den Gote?, 
und Hogne den Holfve. °° Gunnar fpornte dad Roß 





—— 


*) Dort wohnt Heimi. Die nordifche Form ift Hlymdalir, 
Plural, d. h. die Klang- oder Lärm⸗Thäler. 

**) Genauer: „entzündet fei”. Hier zeigt fich deutlich die 
Bermifhung mit Sigrdrifa, die auf flammenumlodertem 
Berge ſchläft, während. Brynhild bei Heimi lebt. 

*5*) Eigentlich: „goldborftig”, d. h. von goldenen (Dach⸗)Spitzen 
(gleichſam Borften) ftarrend. 

1) Bgl. Sig. sk. 3,1 f.; Gudr. I, Str. 33,5 ff.; vgl. Sn. E. 118,171. 

wo jedoch Atle an Budle's Stelle genanxt ifl. — 2) = Sn. B. 118, 

30 f- — 3) vgl. Fafn. 48, wo Sigrdrifa gemeint ift (ngl. oben ©. 


118**); Sn. E. 118,19 f. —4) = Sn. E. 118,33 f, (== Kalfsvise). 
— 5) = Sn. E.: Kalfsvisa. 








129 


gegen das euer, aber es wich rückwärts. Sigurd 
ſprach: „Was ftußeit du, Gunnar?“ Der antwor- 
tete: | „Das Roß will nidht durch dies Yeuer ſprin⸗ 
gen !," umd bat Sigurd, ihm Grane zu leihen. 
„Gerne *),“ ſprach Sigurd. | Gunnar ritt nun [aber- 
mals] zum Feuer, aber Crane wollte nicht von der 
Stelle. **) Gunnar Tonnte alfo die Heuer nicht 
durchreiten.“ Da vertaufchten fie die Geftalten ®, 
wie Grimhild Sigurd und Gunnar gelehrt Hatte. ***) 
| Darnad) ritt Sigurd und hatte [fein Schwert] Gram 
in der Hand, und band goldene Sporen an feine 
Füße. Crane ſprang mm hinein ind Feuer *, als 
er die Sporen fühlte. Da ward ein großes Getöfe, 
als das Feuer erbraufte, die Erde erbebte und die 
Flamme zum Himmel emporſchlug.“ Das wagte 
feiner zuvor zu thun, und war es, als ob er im 
Finſtern ritte.) Da legte fi) das euer, er aber 


*) Wörtlih: „Das jteht zur Verfügung”. 
**) Weil er nur geht, wenn Sigurd auf ihm fißt, ſ. oben 
©. 94*, 
) Vgl. oben S. 26 ***, 
+) Wohl wegen des jchwarzen Qualms. So heißt auch die 
Waberlohe jelbft die düftere in Skirn. 8 und 9, wo auch 
, Str. 14 f. die Situation ähnlich ift. 
1) = Sn. E. 118,4. — 2) vgl. unten ©. 1891. — 3) = Grip. 37,58; 
Sn. E. 118,25. — 4) vgl. Sn. E. 119,2. — 5) vgl. Oudr. 16,5 f. 
9 





130 


ftieg vom Rofje [und ging] hinein in den Saal. So 
heißt e8 im Liede *): | 145) 
Das Feuer erbrauite, 
Die Erbe erbebte, 
Hoch flammte lodernd 

Die Lohe zum Himmel. 

Wenige wagten da 

Von des Fürſten Helden 

Durchs Feuer zu reiten, 

Noch drüber zu fpringen. ! 


Mit dem Schwerte Tpornte 
Sigurd den Grane, 
Das Teuer verloſch 
Bor dem Fürften, - 
Die Lohe all legte fich 
Bor dem Ruhmbegierigen, 
Es blinfte das Neitzeug, 
Das [einst] Regin beſaß. **) 


Und als Sigurd durch die Lohe hinein kam, 


fand er da ein ſchönes Gemach, und darin ſaß Bryn⸗ 
bild. Sie fragte, was für ein Mann er wäre; | er 


*, Das bier benußte Lied ift bis auf die beiden folgenden 
Strophen verloren; boch ſcheinen noch oft in der Proſa 
die Stabreime der benußten Strophen durch. 

”, Welches Sigurd von Regin erhalten oder genommen 
hatte, und welches nun Grane trug. 


1) Bol. unten ©. 1391 (von Gunnar gefagt). 








181 


aber nannte ſich Gunnar, Gjuke's Sohn !: „und bi 
biſt mir beftimmt zur Frau mit dem Jaworte Deines 
Vaters, falls id; durch deine - Waherlohe *) ritte, 
md auch deined Pflegevaters nebft deiner‘ eigenen 
Beſtimmung.“ [Ste fügte] „Nicht weiß ich reiht, 
wie ich Hierauf antworten fol.” Sigurd ftand auf 
vet auf dem Chrih und ftüßte fi auf den 
‚Schhwertfnauf, und ſprach zu Brynhild: „Dir will 
ih zum Entgelte großen Brautfhab **) zahlen in 
Gold und koſtbaren Kleinoden.“ Sie antwortete 
mit Kummer bon ihrem Site, wie ein- Schwan von 
der Woge ***), und Hatte das Schwert in der Hand 


*) Wabernde, wallende Rohe, Bauberfeuer, mit dem Odin 
die in Schlaf verſenkte Sigrdrifa (an deren Stelle hier 
Brynhild getreten ift) umgab. Da ihr Schlaf uriprüng- 
lich der? Todesſchlaf ift (f. oben ©. 96**), fo Hängt die 
Borftellung von der Waberlohe urjprimglich mit . der. 

. Rohe des Scheiterhaufend zuſammen, der urfprünglich aus 
Dorn geichichtet ward (%. Grimm, Kleinere Schr. 2, 
241 ff.), weshalb auch bei Dornröschen (= Brynhild) eine 
Dornhecke die Waberlohe vertritt. 

*“) S. oben ©. 63 *, 

“) Bezieht fi auf den Schwanengefang, den man ale — 
meift todfündende — Weiffagung auffabte (Kaffel, der 
Schwan?, 55). Man denke an die Schmwanenhemden 
der den Nornen verwandten Walkyrjen und die Schwäne 


aufdem Nornenbrunnen (Sn.E. 24,8 ff.; vgl. Kaſſel, he 255). 
V Bal. Grip. 89, 1—4; Sn. E. 118,25. 








9* 





132 





und den Helm auf dem Haupte und Mar in ber 
Brünne: „Gunnar (fagte fie), rede nicht ſolches zu 
mir, wenn du nicht vortrefflidher bift als jeder andere; 
und 146) du ſollſt diejenigen erſchlagen, die [zuvor] 
um mid) geworben haben, wenn du bir das zutrauft. 
Ich war im Kampfe mit dem Garda- König *), 
und meine Waffen waren gefärbt in Männerblut: 
und darnach verlangt mic) noch.” Er antwortete:, 
„Manche Heldenthat Habt ihr vollbracht: doc ge 
denfet nun an | euer Gelübde, falls dies Feuer durch 
ritten würde, daß ihr. dem Marne folgen wollte, 
der das vollbräcdhte.“ 1 Sie fand num, daß er voll 
kommen Recht habe **), ftand auf ımd begrüßte ihn 
freundlich. | Dort weilte er drei Nächte und beide 
theilten Ein Lager: er nahm dad Schwert Gram 
und legte e8 entblößt zwiſchen fich und fie. 2 Sie fragte, 
wa3 das zu bedeuten hätte. Er ſprach, e8 wäre ihm be 
ſchieden, daß er alfo die Vermählung mit feiner Frau 


*) Das Garda-riki (Reich) ift das flandinavifche Reich im 
heutigen Rußland, das eigentliche Rußland, mo ber 
berrfchende Stamm ein flandinavifcher (ſchwediſcher) war. 

*) Wörtlih: „Sie fand Hier richtige Antwort und bie 
Kennzeichen (Beftätigung) diefer Rede”, d. h. fie fand 
das, was er fagte, richtig und beftätigt. 


1) = Sn. B. 118,20 f. — 2} Grip, 39, 68. 41, 1-4; Bn. E. 119, 
2-5; Big. ak. 3,5—4,10. 68,1--8; Brot 20. 











138 


beginge, : jonft wäre e8 fein Tob.*) | Da nahm er 
den Ring -Andvaranaut **) von ihr, und gab ihr 
einen andern Ring aus Fafni's Erbe. ! 

Darauf ritt er hinweg durch daſſelbe Feuer zu 
feinen Gefellen: und fie vertaufchten wieber die Ge 
ftaft 2 und ritten ſodann nad) a und ſagten, 
wie es ergangen wäre. 

An demſelben Tage kam Brynhild zu ihrem 
Pflegevater und ſagte ihm im Vertrauen, daß zu 
ihr ein König gekommen ſei, „und er ritt durch 
meine Waberlohe und ſagte, daß er komme, ſich 
mit mir zu vermählen, und nannte ſich Gunnar: ich 
aber ſagte **), daß Sigurd allein das thun würde, 


) Bgl. Ragnarsſaga, Rap. 5 (Schluß). Das dazwiſchen⸗ 
gelegte Schwert findet ſich ebenfalls in der vielgeſtaltigen 
fogenannten „Freundſchaftsſage“ (Amicus und Amelius), 
wo ein Bruder dem andern auf dieſe Weiſe die Treue 
hält. Vgl. das vielverbreitete Märchen von den beiden 
Brüdern (Grimm Nr. 60, Bd. IH, ©. 102 ff.), und 
über andere Beiſpiele Rechtsalt. 168 ff. 

”) S. oben S. 72”. Ueber den Ringwechſel bei der Ver⸗ 
lobung (bezw. Bermählung) ſ. Rechtsalt. S. 177. Nach 
Snorra Edda giebt :er ihr den Andvaranaut und 
empfüngt von ihr einen andern Ring; jo aud) unten 
S. 141”. Das ilt das richtige (ſ. Beitr. 3, 280 f.). 

+) Das war oben nicht erwähnt. 


1) ®al. Sn. E. 119, 5—8 (f. oben bie Aum.*); unten S. 1363 mis. $., 
Str. 679,3]. — 2) = Sn. E. 119,8—10; Grip. 43, 5—8. 


134 





dem ich Eide ſchwur auf dem Berge *):-ımd er ift 
mein erſter Gotte.“ **) Geimi ſagte, daß ed bake 
nun fein Bewenden Haben müſſe. Brynhild ſprach: 

„Meine und Sigurd's Tochtex Aslaug ſoll Hier bei 

dir aufggzegen warden.“ 

| Die, Könige fuhren nun Geim, Brynhild aber 
zu ihrem Vater. Grimhild empfing He freundliqh 
und dankte Sigurd für feine Beoleitung. 

Run waxd die Hochzeit ‚zugeräftet, und Tem 
dazu eine große |147) Menge Polles; (auch) kam Dazu 
König Bude mit feiner Tochtez, und Atle ſein Sohn. 
Und dieſe Hochzeit hat viele Tage gewährt. | Und al 
fie zu (Ende war, da ferii} gedachte Sigurd aller 
Eide, die er Brynhild geſchworen, Tieß aber nit 
davon verlauten.? Brynhild und Gunnar faßen in 
——— und tranken guten ‚Bein. 

‚*) Bgl. oben S. 106*. 

“*) Das Her angenoinmene intime Berhiftnig Sigurd's zu 
Brynhild (Sigrdrifa), duſſen Frucht Aslaug ſein fol, ill, 
wie dieſe Aslaug überhaupt, Exrfindimig. des Sagaſchrei⸗ 

bers. (f. Die Einl.). Die echte Sage (in ben Eddaliedern) 
faßt das Verhältniß durchaus als ein keuſches auf. 


1) Bgl. Sn. E. 119,10 (Brynhild — wit ben Königen). — 2) = 
Grip. 45,1—2. 





135 





Achtundzwanzigſtes Kapitel. *) 


Es geſchah eines Tages, daß ſie zuſammen zum 
Strome gingen, ſich zu baden. Da watete Brynhild 
weiter hinaus in den Strom.! Gudrun fragte, 
was das bedeuten ſolle. Brynhild antwortete: | 
„Warum ſoll ich mich hierin mit dir gleichſtellen, 
eher als in andern Dingen? *) 2 Ich wähnte, daß 
mein Vater müchtiger fei denn deiner, und mem 
Mann mehr Heldenthaten vollbracht habes und 
durch brennendes Feuer geritten fei?; den Mann 
aber war ein Knecht König Hjalprek's.“ ***)5 Gudrum 
antwortete vol Zorn: „Weiſer wäre es von Dir, zu 
fchweigen © als meinen Mann zu läftern: e3 iſt aller 
Leute Rede, daß Teiner feines gleichen auf die Welt 


*) Ueberſchr.: „Zank der Königinnen Brynhild und Gfudrun]”. 
“) Die ausführlicere Schilderung in Sn. E. 119, 12 ff. 
zeigt die Situation deutlicher: die Königinnen wafchen 
ihr Haar im Strome. Brynbild watet tiefer hinein 
(ffromaufwärt3), weil fie nicht dad aus Gudrun's Haar 
triefende Waffer in ihr Haar kommen lafjen will. Vgl. 
auch Nib.-Lied, Str. 814 ff.; Thidr. s. Kap. 320. 
***) Diefer Vorwurf beruht auf Entjtellung der Thatjachen, 
j. oben ©. 86*. 
1) = Bn. E. 119,18—14. — 2) vgl. Sn. E. 119,14 f. — 8) = Sn. E. 


119,16. — 4) vgl. Sn. E. 119,21. m 6) vgl. Nib. 838,4. — 
6) = Nib. 839,1 f. 849,2. 


136 


gelommen fei in jeglider Hinficht '; und nicht fteht 
e3 dir wohl an, den zu Yäjtern, der dein erfter Gatte 
war ?2:er erſchlug Fafni 3 und ritt durch die Waberlobe, 
da du ihn für König Gunnar hielteft, und er wohnte 
dir Bei und nahm dir von der Hand den Wing 
Andvaranaut *), und magft du den nun bier er- 
tennen.“ * Brynbild jah nun den Wing an und er- 
kannte ihn: da erbleichte fie, als ment fie todt wäre. | 
Brynhild ging [jodann] heim, und ſprach kein Wort 
am Abend. ® 

Und als Sigurd zu Bette ging, fragte Gudrun: 
„Warum ift Brynbild fo umfroh?* Sigurd ants 
wortete: „Nicht weiß ich es genau; doc ahnt mir, 
daß wir e3 bald etwas genauer erfahren werden.“ 
Gudrun fagte: „Warum ijt jie nicht zufrieden mit 
ihrem Reichthum und Glüde und aller Männer 
Lobe, und Hat [do] den zum Gemahl bekommen, 
den fie wollte?" Sigurd ſprach: „Wo hätte man 
fie je jagen bören**), daß fie glaubte den vor- 
trefflihiten Mann ||148) zu Haben oder denjenigen, 


* Vgl. oben ©. 133 *. 
””) Wörtlich: „Wo war fie da, als fie ſagte“. 


1) Bol. Nib. 828,2. — 2) vgl. Nib. 839,3— 841,2. — 3) =Sn. E. 119,19. 
—4) vgl. Sn. B. 119,22—26, wo wieder Brynhild den Andvaranaut 
von Sigurd erhalten bat; vgl. Nib. 30,24. 847,23. — 5) Sn. 
E. 119,26 f. 











137 





den fie am Tiebiten haben mwollte?" Gudrun ant- 
wortete: „Sch will morgen darnach fragen, wen fie 
am Tiebften haben will.” Sigurd entgegnete: „Da- 
bon rath' ich dir ab, und Du wirft e8 bereuen, wenn. 
du dag thuſt.“ 


Am Morgen faßen fie in ihrer Kammer, und 
war Brynhild ſchweigſam. Da ſprach Gudrun *): 
„Sei fröhlid,, Brynhild; betrübt dich unſer Geſpräch? 
oder was jteht deiner Freude im Wege?“ Bryn- 
bild erwiderte: „Eitel Bosheit treibt did) hierzu 
(zu diefer Trage), und haft du ein graufames Herz.“ 
„Glaube nicht alfo (fagte Gudrun), und fag’ es 
lieber.” Brynhild antwortete: „Frage nur nad) 
dem, was befier für dich ift, zu willen; das ziemt 
vornehmen Frauen. Gut ift es mit Gutem zufrieden 
zu fein**), da euch alles nad Wunſche geht.“ 
Gudrun antwortete: „Zu früh iſt's noch, fich deſſen 
zu vühmen, umd [doch?] ift dies vor Bedeutung, dieſe 
[beine] Prophezeifung, Was rächt ihr an mir? 
Ich that euch nichts zu Leide.“ Brynhild antwor- 
tete: | „Deſſen ſollſt du entgelten, daß du Sigurd 


Im Folgenden beruht Die Proſa offenbar auf einem 
Wechſelgeſprüch in Strophen. 

Dh: „In guter (glücklicher) Lage es leicht zufrie 
den zu ſein“. 


138 





haſt; ich gönne dir nicht fein zu genießen ! noch des 
‚ vielen Goldes.“ Gudrun antwortete: „Nicht wußte 
ich von ewrer Verabredung, und wohl hätte mein 
Bater mir eine Heirath auserſehen können, ohne 
daß du dabei betheiligt geweſen wäreſt (?).“*) Bryn 
hild entgegnete: „Nicht haben wir uns heimlich 
beredet, und haben uns doch Eide geſchworen: und 
ihr wußtet, daß ihr mich betroget, und das will ich 
rächen.“ ? Gudrun antwortete: „Du biſt befier 
vermäblt, als du verbienft; und dein Uebermuth 
wird übel enden, und manche werben es entgelten.“ | 
„Bufrieden wäre ich (fagte Brynhild), wenn du nicht 
einen vornehmeren Mann hätteft, denn ich." ® Gudrum 
antwortete: „Du Haft einen jo vornehmen Mann, 
daß es umgewiß ift, welcher der bebeutendere König 
ift umd genug [haft du) an Gut und Herrſchaft.“ 
Brynhild antwortete: „Sigurd überwand Yafn, 
und das ift mehr werth als das ganze Reich König 
Gunnar’, wie e8 im Liebe heißt: 
Sigurd ſchlug den Wurm, 
Fürder wird Teiner 


*) at hitt. Die gewöhnliche Ueberſetzung: „Wenn du 
auh nicht darum gefragt märeft” ſcheint mir keinen 
Sinn zu geben. ft gemeint: „Davon betroffen“, in 
beinem Verhältniß zu Sigurd? 

1) gl. Brot 3,5 f.e — 2) vgl. Grip. 45,7 f. — 3) vgl. Grip. 45,5 |. 








139 


Je das vergefien, 
So lange die Welt ſteht; 149) 
| Dein Bruder hingegen 
Wagte weder 

Durchs Feuer zu reiten 
Roh hinüberzuſpriugen. 


Gudrun erwiderte: „Grane wollte nicht ind Feuer 
rennen *) unter König Gunnar, er aber hatte den 
Muth zu reiten: den darf man ihm nicht abſprechen. 2 
Brynhild antwortete: \ „Verhehlen wir e8 und nicht: 
ih halte von Grimhild, deiner Mutter, nicht viel.“ 
Gudrun antwortete: „Schmähe fie nicht, denn fie 
it gegen did mie gegen ihre [eigene] Tochter.“ 
Brynhild erwiderte: [ „Sie iſt die Urheberin alles 
Unheils, das an uns nagt: ſie brachte Sigurd 
ſchlimmen Trant**), fo daß er meines Namens nicht 
[mehr] gedachte.“ ? „Mand; verfehrtes Wort rebeft du 
(fagte Gudrun), umb ſolches ift eine arge Lüge.“ 
Brynhild antwortete: „Genießet ihr To Sigurd's, wie 
ihr mid) nicht betrogen Habt!***) Euer Beifammen- 
wohnen ijt ungehörig, und gehe es euch fo, wie ich 


*) Wortlich „rannte nicht“. 
**) Eigentlich: „Brimmes Bier“. - 
**) Zu bey Ausdrucksweiſe vgl. Gudr. I, Str, 21,14. 


1) Bel. oden S. 1901, 1958, unten ©. 1481. — 9) bel. "oben ©. 1251. 
148, 8- 7 ff. 151%; Gudr. II, Str. 29,8. 





140 


denke.“ Gudrun antwortete: „Beffer werde ich fein 
genießen, als du es wünſchen möchteſt; und keiner 
kann fagen*), daß er ſich übergut mit mir ge 
ftanden hätte, auch nicht Ein Mal.“ Brynhild ant- 
wortete: „Uebel redeſt du, und was Dir entfährt, 
‚wird Dich gereuen: doch wollen wir und nicht mit 
Scheltworten befaffen.“ Gudrun antwortete: „Du 
ſchleuderteſt zuerſt Scheltworte gegen mid); ; jeßt thuft 
du, als wollteſt du es wieder gut imachen; doch 
Grimm jtedt dahinter.“ Laſſen wir das unnütze 
Gerede (ſagte Brynhild). Lange ſchwieg ich von 
meinem Harme, der mir in der Bruſt wohnte: doch 
liebe ich deinen Bruber allein; — laß uns über 
anderes reden.” ) Gudrun antwortete: „Im Herzen 
bift du weit anders gejonnen. . er) 

Und daraus entſtand großer Unfriede, daß fie 
zu dem Strome gingen, und daß fie (Öubrun) den 
Ring ‚zeigte‘, babön ‚tar ihr Wortwechſel. 


) Wörtlich: „keiner Ben das“, „feinem mach das zu 
Theil”. ann —— — 

**) Wörtlich: „Beginnen wir eine andere Rede“. 
++) Die übliche Meberfegung: „Weit fieht dein Geiſt voraus“ 
giebt Teinen Sinn. Auch ſteht nicht-fram „vormus“, 
fondern um fram „an — vorbei”, „über — hinaus⸗, alfo 
wörtlich: „Weit fieht dein Herz (Sinn) vorbei‘. (an dem, 
was du ſoeben verföhnlich geredet Haft); alfo dem Sinne 


141 


Nennundzwanzigſtes Kapitel. *) 


Nach dieſem Geſpräche legte Brynhild ſich zu 
Bette; und drang dieſe Kunde zu König Gunnar, 
daß Brynhild 150) krank wäre. Er ging zu ihr 
und fragte, was ihr wäre. Sie aber antwortete 
nicht8 und Tag, als ob fie tobt wäre. Und als er 
fehr in fie drang, antwortete fie: „Was machteit 
du mit dem Ringe, den ich dir gab, und den König 
Budle mir beim letzten Abſchiede geſchenkt hatte **), 
als ihr Gjukunge zu ihm kamet, und drohtet zu 
heeren und zu brennen, wenn ihr mich nicht er— 
hieltet? **x) Darauf | nahm er mich beiſeite +)! und 


nad) gleich Gudrun's voriger Antwort. — Hier endete 
das verlorene Wechfelgefpräich in Strophen. 

) Meberichrift: „Brynhild's Harn nimmt noch zu“. 

*6) Der Ping, den Gigurb (in. Gunnar's Geftalt) von 
Brynhild erhielt, jtanımte demnad) von Budle, war 
alfo nicht Andvaranaut; |. oben ©. 133 *. 

***) Diefe (jüngere) Sagenfaffung, welche eine gewaltjame 
Erwerbung Brynhild’8 (durch Kriegsdrohung oder Krieg) 
vorausſetzt, findet fi) auch in Oddr. u. f. w.; ſ. Germ. 
23,177—79. 187 f., wo über diefe Stelle und ihr Ver⸗ 
hältniß zu Sig. sk. gehandelt iſt. gl. unten ©. 162**, 

+) Wörtli: „führte mich zu einer ———— 


1) Sig. sk. 37,1.f., unter S. 1627. 





142 





fragte, welchen ich erfüre von denen, Die gekommen 
wären. | Sch aber erbot mich das Land zu verthei- 
digen ? und Häuptling zu fein über ein Dritttheil 
des Heered. | Da war unter zwei Dingen zu wählen *), 
daß ich dem mich vermählen müßte, fo er wollte ?, 
oder alles Gutes und feiner Freundfchaft verluftig 
fein ®; doc fagte er, feine Freundſchaft würde mir 
beſſer frommen, als fein Zorn. | Da überlegte ic} bei 
mir, ob ich feinen Willen [thun], oder manchen Mann 
erſchlagen follte *: doch fühlte ich mich unfähig, mit 
ihm zu ftreiten. Und e8 kam dahin, daß ic) mid 
dem verhieß, der auf dem Roſſe Grane mit Fafni's 
Erbe geritten Time und durch meine Waberlohe 
ritte **)5, und die Männer erjchlüge, die ich [ihm] 
bezeichnen würde. | Nun getraute ſich feiner zu reiten 
al3 Sigurd allein; der ritt durch dag Teuer, dem 
ihm fehlte es dazu nicht an Muth; er erſchlug den 
Wurm und Regim und fünf Könige ***), nicht aber 


*) Wörtlih: „Da waren zwei Wahlmöglichleiten vor: 
Banden“. 
**, Man beachte die Bedingungen für Brynhild's Erwer⸗ 
bung, die bier zufammengeftellt find. 
“) Welche? Die Zahl fünf ift vielleicht formelhaft ge 
braucht. gl. aber HS. 354, 


1) Sig. ak. 38,4—$. — 2) Big. ak. 97,6. — 8) vgl. Sig. ak. 87,3. — 
4) Big. ak. 38,1—6. — 5) Big. ak .39,1—6. 36,14; unten ©. 1629. 








143 





du, Gunnar, der du bleich wardſt ‚wie eine Leiche, | 

und bift du fein König noch Held. ! Ach aber habe 

das gelobt, daß ich den allein lieben wollte, ber als 
ber PVortrefflihite geboren *) märe, das aber ift 

Sigurd. | Nun bin ich eidbrüchig ? dadurch, daß ic 

ihn nicht habe; und deshalb muß * id dir den 

Tod rathen. ***) Auch Habe ih Grimhild Uebles zu 

Iohnen: fein herzlofered. noch böferes Weib giebt es 

als fie“ Gunnar antwortete, jo daß wenige es 

hörten: „Manche Lügenmworte Haft du ausgejtoßen, 

und du bilt ein bo8haftig Weib, da du Die Yrau 

ſchmähſt, die dich weit übertrifft: nicht war fie un 

zufrieden mit ihrem Looſe, wie du thuft, noch |151) 

| quälte fte todte Männer }), und keinen mordete fie, 
*) D. h.: „Den Vortrefflidjiten, der je auf die Welt ge⸗ 

fommen”. 

*#) skal „ich ſoll“, „es ift mir. beichieden“. 

x***) Damit ift der Grundgedanfe der (älteren) nordiſchen 
Sage ausgeſprochen: Brynhild muß (entweder Gunnar 
oder) Sigurd tödten laffen, um ihren Eid, nur dem 
Trefflichiten anzugehören, halten zu können. Sie läßt 
Sigurd nicht aus Hab tödten, fondern aus Liebe, und 
folgt ihm jelbft in den Tod, um mwenigitend im Tobe 
mit ihm vereint zu fein. 

+) Sit Uchnliches gemeint, wie Thidr. s. Kap. 366 (©. 392) 
bon Grimhild berichtet? 


1) Bgl. oben ©. 1391, unten S 1481. — 3) vgl. Helr. 5,58; unten 
©. 151 8, 


144 


und lebt mit Lob.” Brynhild antwortete: „Nicht 
habe ich Heimlichkeiten gehabt, noch Unthaten ver- 
übt *), und (do?) anderd ift meine Sinnesart!: 
williger wäre ich, euch zu erſchlagen.“ Darauf wollte 
fie Gunnar tödten, Hogne aber legte fie in’ Feſſeln. 
Da ſprach Gunnar: „Nicht will ih, daß fie m 
Feſſeln liege.” Sie antwortete: „Kümmere bi) 
nicht darum, dem nimmer ſiehſt du mid) Hinfort 
fröhlich in deiner Halle, nicht beim Trinken, nod) 
beim Brettfpiel, noch in tranlichem Geſpräch, nicht 
ſſiehſt du mich] mehr Toftbare Gewänder mit Gold 
übderjpinnen **), noch dir Rath geben.” Sie nannte 
das ihren größten Harm, daß fie nit Sigurd zum 
Gemahl Hätte. Sie richtete fich auf und begann zu 
weben, [jo beftig,] daß das Gewebe zerriß ***); und 
gebot die Kammerthüren zu öffnen, fo daß man ihre 
Wehllage weithin hören möchte. Nun war große 
Klage +), und man hörte fie durch die ganze Burg. 


*) Wie du mir vorwirfft? Richtiger wohl: wie Grimhild. 
-**) Vgl. oben ©. 111, Kap. 24 Anfang. 
“) Wörtlich: „Sie ſchlug ihr Gewebe (ſchoß oder warf den 
Einſchlag dur den Aufzug ihres Gewebes, vgl. auch 
unten ©.. 168), fo daß e8 entzivei ging“. 


y D. h.: „Da hub Brynhild große Wehklage an“. 


1) ®gl. Helr. 2,5—3,8 (?). 


145 

Gudrun fragte ihre Kammermägde, warum fie 
fo unfroh und betrübt wären, „was ift euch denn, 
warum geberdet ihr euch wie finnloje Menſchen? 
welch ein Schredbild habt ihr gejehen?” Da ant- 
wortete eine Yrau ihres Gefolge, die Spafrlad *) 
hieß: „Dies ift ein unfeliger Tag, unfere Halle ift 
vol von Jammer.“ Da fagte Gudrum zu ihrer 
Bertrauten: „Steh auf, wir haben lange gefchlafen, 
wede Brynhild; wir wollen zu Tifche gehn umd 
fröhlich fein.” „Das thue ich nicht (fagte fie), daß 
ich fie wecke oder mit ihr rede; mandjen Tag **) 
trank fie weder Meth noch Wein, und ift der Götter 
Zorn über fie gelommen.” — Da wandte fi) Gu- 
drun an Gummar: „Geh Hin zu ihr (fpradh fie), 
und fag’, ihr Kummer wäre mir leid." „Es ift 
mir verboten (jagte er), ihr zu nahen oder mit 
ihrem Gute mich) zu befaffen (72).“ Dennoch ging 
Gunnar zu ihr umd verſuchte auf manche Weije ihr 
Nede abzugemwinnen, fonnte aber feine Antwort er- 
langen. ***) Da ging er fort zu Hogne und bat ihn 
zu ihr zu gehn. Der fagte zwar, daß er wenig Luft 


*) Syafrlödh. 
**) Genauer „manches doegr“, f. oben ©. 31*. 

***) Wörtlich: „Nichts erlangen Hinfichtlich der Antwort“. 
10 


146 





dazu babe; doch ging er, lodte aber [auch] nichts 
aus ihr heraus. 

Und ward nun Sigurd aufgefucht und gebeten, 
zu ihr zu gehn. Der eriwiderte fein Wort, und da- 
bei blieb e3 152) den Abend. Am folgenden Tage 
aber, al3 er von der Thierjagd kam, ging er zu 
Gudrun und ſprach: „So hat ed mir vorgefchwebt*), 
daß dies etwas Gewaltiges zu bedeuten habe (ſchlimme 
Folgen haben werde), daß fie fo vor Zorn bebte **), 
und wird Brynhild fterben.” Gudrun antivortete: 
„Mein Herr, große Wunder gejchehen an ihr ***): 
fie Hat nun [chen] fieben Tage und Nächte +) ge 
fchlafen, jo daß feiner wagte, fie zu wecken.“ Sigurd 
antwortete: „Nicht fchläft fie; [vielmehr] brütet fie 
über großartigen Plänen gegen und.“ Da fprach Gu⸗ 
drun unter Thränen: „Das ift ein großer Harm, 
deinen Tod zu wifjen: geh lieber und befuche fie, 
und fieh, ob ihr Unmuth fich lege: gieb ihr Gold, 
und bejänftige fo ihren Born.“ 

Sigurd ging hinaus, und fand den Saal offen; 
er mwähnte, fie jchliefe, und fchlug Die Betten von ihr 


*) D. h. „das habe ich geahnt“. 
**) Wörtlich: „Dies [ihr zorniges] Erbeben“. 
+) D. h. „höchſt jeltfam geht es mit ihr zu“. 
t) Sieben degr (f. oben ©. 31*), aljo 3'/, Tage. 


147 





zurüd und ſprach*): „Wach' auf, Brynhild, die 
Sonne ſcheint über bie ganze Burg, und [num] ift 
genug gefchlafen: wirf den Harm von dir, und nimm 
Hröhlichkeit an.“ Sie ſprach: „Wie magit du fo 
dreift ſein **), Daß du kömmſt mich zu befuchen? 
Keiner war ſchlimmer gegen mich bei dieſem Betruge.“ 
Sigurd antwortete: „Warum redeit du mit nie 
mand? Wa3 betrübt dich denn?“ Brynhild ant- 
wortete: „Dir will ich meinen Horn: fagen.“ Si 
gurd ſprach: „Bethört ***) biſt du, wenn du mähneft, 
daß th dir feinbfelig gefinnt fei; und ift der dein 
Dann, den du erkoreſt.“ „Rein (fagte fie), nicht 
ritt Gumar durch daB. Feuer zu mir, und nidt 
brachte. er mir als Braufſchatz Erfchlageite +) dar. 
Sch verwimderte mi über den Mapıt; der in mel- 
nen Saal fam, und ih glaubte eure Augen zu er- 


*) Hier beginnt wieder ein Wechjelgefpräch, dem fichtlic) 
Strophen zu Grunde liegen. 
“*, Wörtlih: „Was bedeutet [diefe] deine Kühnheit“. 
»*) Gigentlich „bebert“. | 
y) Gemeint ift wohl Fafni's Tod, deſſen Zeichen der mit- 
geführte Hort war. Die Tödtung Fafni’3 [und der 
Erwerb ſeines Hortes] Tann in fofern als gezahlter 
Brautihaß bezeichnet werden, als er die nothmendige 
Borbedingung für Brynhild’3 Ermwerbung (ala Beweis 
der Furchtlofigkeit nämlich) war, ſ. Germ. 23,177 **. 
- 10* 


148 





fennen *), doch konnte ih es nicht gewiß unter- 
jcheiden vor dem Schleier, der über meinem guten 
Geiſte**) Ing.“ Sigurd fprah: „Nicht bin ich ein 
vornehmerer Mann als die Söhne König Gjuke's: 
fie erjchlugen den Dünen-Klönig und einen mächtigen 
Häuptling, den Bruder König Budle's.“ ***) Bryn⸗ 
hild antwortete: „Viel Böſes habe ich ihnen auf- 
zuzählen: erinnere mic) nicht an memen Haran. | 
Du, Sigurd, erſchlugſt den Wurm und ritteft durch 
da3 Feuer, und zwar um meinetwillen, und nicht 
waren dort König Gjuke's Söhne.“ 1 Sigurd ant- 
wortete: „Keineswegs ward ich dein Mahn und F) 
du mein |153) Weib, und ein trefflicher König zahlte 
dir Brautſchatz.“ +7) Brynhild antwortete: „Nie 
fehe ich Gunnar fo, daß mein Herz ihm zulachte +}F), 


*, Diefe waren nicht mit verwandelt (Sig. ak. 36,5 f.), 
vgl. oben ©. 26 ***. 

“*) Eigentlich „Schutzgöttin“ (hamingja — Dis, ſ. oben 
©. 56**. 99 7); vor deren Augen lag es wie ein Schleier, 
jo daß fie mich nicht vor der Täuſchung ſchützen Tonnte. 

**) Bol. oben ©. 127! und HS. 256. 
+) Die übliche Ueberfegung „und doch warjt du“ ſcheint 
mir dem Zuſammenhange nicht zu entiprechen. 

tr) D. h. vermählte fich mit dir, f. oben ©. 63 **, 

rtt) Diefelbe Wendung braucht Signy von Siggeir (oben 


149 





und gram bin ich ihm, obſchon ih es vor andern 
verhehle.“ „Erſtaunlich *) it es (fagte Sigurd), 
einen ſolchen König nicht zu lieben. Was betrübt 
dich denn zumeiſt? Mir Scheint, als wenn feine 
Liebe dir beſſer wäre denn Gold.“ Brynhild ant- 
wortete: „Das iſt mir das Schmerzlidjite in meinem 
Harm, zu wiflen, daß ich e3 nicht zumege bringen 
fann, daß ein ſcharfes Schwert in deinem Blute ge- 
röthet werde.” Sigurd ermiderte: „Deswegen fei 
unbejorgt: nicht lange wirft du warten brauchen, 
bis ein ſcharfes Schwert mein Herz durchbohren 
wird; auch kannft Du dir nichts Schlimmeres wün⸗ 
ſchen, denn du wirſt mich nicht überleben, und unſerer 
Lebtage werden von nun an nur noch wenige ſein.“ 
Brynhild antwortete: „Nicht geringe Hinterliſt gab 
dir ſdieſeſ deine Worte ein **); [aber] nachdem ihr 
mi um alle Luft betrogen habt, achte ich ***) des 
Leben! nicht im geringften.” Sigurd antwortete: 


©. 17°), aud) von Gudrun's Verhältniß zu Atle wird 
fie gebraucht, |. unten ©. 1762. 
*) Eigentlih: „Erfchredlich”. 

»*) Sie meint, Sigurd Habe durch die Ausſicht auf ihren, 
von dem feinigen unzertrennlichen Tod fie von den gegen 
ihn gerichteten Mordplänen abbringen wollen. Gewöhn⸗ 
lich wird anders überjeßt. 

»*) Ich faffe biefen Sat mit ok als Nachſatz. . 


150 





„Lebe du und liebe König Gunnar und mid), und 
all mein Gut will ich dafür geben, daß du nit 
ſterbeſt. Brynhild antwortete: „Nicht Tennft du 
vecht meinen Sinn: du überragit alle Männer, aber 
feine Frau iſt Dir leider (verhaßter) geworben dem 
ih." *) Sigurd entgegnete: „Anderes ift wahrer: 
ich liebe dic) mehr als mich [jelbft], obſchon ich jenem 
Zrug unterlag — und daß ift nun nicht [mehr] zu 
ändern —; denn immerfort, nachdem ich [mieber] 
zur Belinnung gelommen war **), härmte es mid, 
daß du nicht meine Grau warſt. Doc unterbrüdte 
ich es, ſo viel ich vermochte *, dieweil ich im König 
ſaale war, und freute mid) doch defjen, daß mir alle 
beifammen waren. Es kann auch fein, daß dad in 
Erfüllung gehn muß, was vorbergefagt ift ***), und 
nit ſoll [mir] davor bangen.“ Brynhild antwors 
tete: „Allzu lange haft du verfäumt, mir zu jagen, 
daß mein Harm dich betrübt: nun finden wir dafür 
feinen Trojt }) [mehr].“ Sigurd antwortete: „Gere 


*) Während ich (meinem Schwur nad) grade von dir, als 
dem Bortrefflicäiten, geliebt werden müßte. 
*x) Nach der Wirkung des Vergefjenheitätrantes. 
+++) Daß Sigurd ermordet werden werde, ſ. oben S. 89%. 
106?. 122°; Grip. 50; vgl. au) unten ©. 1607}. 
+) Hilfe, Ausweg, Erlöfung. 
1) Bol. oben &. 1842; Grip. 45,2. 





151 





wollte ich, Daß | wir beide Ein Bett bejtiegen und du 
meine Frau wärejt.“ ? 11154) Brynhild antwortete: 
„Richt? ift es mit folhen Reden: nit mag id 
zivei Könige haben in einer Halle, und eher will ich 
mein Leben laſſen, ald daß ich König Gunnar be- 
trüge* — und gedadhte nun daran, wie fie fich auf 
dem Berge trafen und fi Eide ſchuren — „iebt 
aber ift das alles gebrochen, und id) will nicht 
leben.“ | „Nicht gedachte ich Deines Namens ? (jagte 
Sigurd), und nit erkannte ich dich eher, als bis 
du vermählt wareft: und das iſt ein gewaltiger 
Harm.“ Da fprah Brynhild: „Sch ſchwur Den 
Eid, dem Manne anzugehören, der durch meine Waber- 
lohe ritte®, und den Eid wollte ich Halten oder aber 
fterben.“ „Lieber, als daß du ftirbit (ſprach Si⸗ 
gurd), will ich dich nehmen und Gudrun verlafien.“ 
Und | jo ſchwollen ihm die Seiten *), daß die Panzer: 
ringe entzwei fprangen. * „Nicht will ich Dich (ſprach 
Brynhild), aber auch feinen andern.“ 

[Da] ging Sigurd hinweg So Heißt e& im 
Sigurdßliede **): 


*) Bor Kummer. 
**) Sigurdhar-quidha. Das Hier der Saga zu Grunde 
liegende Sigurbglied, welchem die folgende Strophe an= 


1) Bgl. Sig. sk. 68,5—8. — 2) vgl. oben ©. 1251. 1892 und Grip. 
31,7f. — 3) vgl. oben S. 128%. 1425. — 4) vgl. bie folgende Strophe. 


152 


Hinaus ging Sigurd 
Fort vom Geſpräche, 
Der Liebling der Helden *), 
Und ſenkte das Haupt; 
Daß da eifengewobene 
PBanzerhemde 
Dem kampffrohen (gürften] 
Un den Seiten zeriprang. | 

Und als Sigurd in die Halle trat, fragte 
Gunnar, ob er wife, welchen ſchweren Summer fie 
hätte, und ob fie ihre Sprache [wieder-] hätte. Si⸗ 
gurd fagte, daß fie fprechen könne. 

Nun | ging Gunnar abermals Hin zu ihr, und 
fragte, worin ihr Kummer beftehe, und ob es irgend 
Abhilfe dafür gebe! „Sch will 155) nicht leben 
(jagte Brynhild); denn | Sigurd Hat mich betrogen, 
und nit minder di, da du ihn in mein Bette 
jteigen ließeſt.“ Nun will ich nicht zwei Männer 
zugleich in Einer Halle haben, und die ſoll Sigurd 
den Tod bringen oder dir oder mir: denn er hat 


gehörte, ift höchſt wahrfcheinlich dafjelbe, deſſen Schluß 

(Brot) nad) der Lücke in der Hdjchr. der LTieder-Edda 

erhalten ift; man nennt es „das lange” im Gegenſatz 

zu dem jogenannten „kurzen“ Gigurdsliede (Sig. sk.). 
*) Eigentlih: „Der bolde Yreund der Männer“: 


1) Bgl. das däniſche (A, 8 ff u. f. mw.) und färöiſche (Str. 184 ff.) 
Brynhildlied. — 2) = Grip. 47. 


153 


das alles an Gudrun gefagt, und fie wirft es mir 
nun dor.“ ! 


Dreißigſtes Kapitel. *) 


Darauf | ging Brynhild hinaus und febte ſich 
an die Wand ihrer Kammer und erhub große Weh- 
lage ?: fie klagte, daß ihr alles verleidet ſei, Land 
und Herrſchaft, da fie Sigurd nicht Hätte. Und 
abermal® kam Gunnar zu ihr. Brynhild fagte: 
„Du follft Herrſchaft und Gut verlieren, dein Leben 
und mich *, und will ich heimfahren zu meinen Bluts⸗ 
freunden und dort in Trauer fihen, wenn du nicht 
Sigurd erflägft **) ° und feinen Sohn: zieh nicht 
den jungen Wolf ***) auf.“ © Da ward Gunnar im 
Herzen befümmert ” und fühlte fi) rathlos, was ihm 
am ziemlichiten wäre, da er durch Eide mit Sigurd 
verbunden war ®, und hin und her fchwanfte fein 





*), Ueberſchrift: „Sigurd wird verrathen‘. Won bier ab 
find die benußten Lieder wieder erhalten. 

**) Und fo (nachdem Sigurd befeitigt) der meinem Gelübde 
entfprechende Vortrefflichſte wirſt (Sig. sk. 11,9 f.). 
) Auch ſonſt, namentlich aber in ähnlichen Wendungen, 
wird Wolf in der Bedeutung von Feind gebraudit. 


1) Bl. Nib. Str. 634. 857,24. — 2) vgl. Sig. sk. 6,14 (?). — 
8) vgl. ebd. 6,5—8 (7). — 4) = Ebd. 10,3-—6. — 5) = Ebb. 
111-8. — 6) = Eh. 12,1. — T) = Er. 81 f. — 8) = 
Ebd. 14,1—8. . 


154 


Sinn *); jedoch ſchien ihm da3.die größte Schmadh, 
wenn feine Frau von ihm ginge. ! Gunnar ſprach: 
„Brynhild ift mir Lieber denn alles, und aller 
Frauen trefflichfte ift fie und eher will ich daS Leben 
laſſen, als ihre Liebe verlieven.“ 2 Und rief zu fi 
Hogne ?, feinen Bruder, und ſprach: „Sn arge Be 
drängniß (Rathlofigkeit) bin ich gerathen;“* er fagte 
ihm, daß er Sigurd tödten wolled, und erklärte, daß 
derſelbe ihn im Vertrauen hintergangen habe® ; „jo vers 
fügen wir über das Gold und die ganze Herrſchaft.““ 
Hogne ſprach: „Nicht ziemt es und, den Schwur 
zu brechen mit Gewaltthat ®; auch haben wir eine 
große Stübe an ihm 9: Feine Könige find und gleich, 
wenn dieſer hunifche **) König lebt, und 156) einen 
ſolchen Schwager befommen wir nimmermehr !9%; er⸗ 
wäge nu, wie gut e3 für ung wäre, ſolch' einen 


*) Wörtlich: „bald dies bald das regte fih ihm im Sinne“. 

**) Aus Sig. sk. entlehnt, wo Sigurd mehrfach) jo Heißt; 

mit Bezug auf ©. 6 und 11, wo Hunenland al3 Reich 

Bolfung’3 und Sigmund’3 genannt it? Bgl. aber 

9. Zſchr. 23, 165 f. Vielleicht fteht Hunifch bier in 
allgemeinerer Bedeutung — „jüdländifch, deutſch“. 

1) = Sig. sk. 15,1—6. — 2) = Ebd. 16. — 3) = Eid. 15,7 fe — 

4) fehlt (hinter Big. sk. 18,109). — 5) Entfpridt vielleicht einer vor 


Brot fehlenden Strophe. — 6) = Brot 2. — 7) vgl. Sig. sk. 17. — 
8) = (Ebd. 18. — 9) vgl. ebd. 14,9 f. — 10) Ebd. 19,1. 71.3 f. 


155 


Schwager und Schmeiterfühne zu haben (?).! Auch 
jede ich wohl, wie dies zufammenhängt: Bryn⸗ 
bild bat es angeftiftet?, und ihr Rath bringt und in 
große Schande und Schaden.” * Gunnar erwiderte: 
„Dies fol geſchehen, und ich jehe Rath: wir wollen 
Gutthorm, unſern Bruder, aufreizen, er ift jung und 
| unerfahren ımd fteht außerhalb aller Eide.“ *)% 
Hogne ſprach: „Der Rath fcheint mir übel geplant, 
und wenn er auch zur Ausführung fommt, jo wer- 
den wir Vergeltung dafür empfangen, einen folchen 
Mann zu verrathen.” Gunnar ſprach: „Sigurd 
ſoll fterben, oder aber ich will fterben.“® Und er 
hieß nun Brynhild aufftehen und fröhlich fein. Sie 
ftand auf, erflärte jedoch, daß Gunnar nicht eher mit 
ihr in dafjelbe Bette Tommen folle, als bis dieſes 
vollbracht wäre. $ 
Run | beiprachen ſich die Brüder mit einander. 
Gunnar fagte, dad wäre ein gerechter Grund ihn zu 


*) Wahrſcheinlich war Gutthorm (tie andere Quellen be⸗ 
richten, f. oben ©. 116?) ein Sohn Grimhild's, aber nicht 
Gjuke's; gerade wie Hogne (Hagen) in der Thidr. s., 
von deſſen Wefen im Norden die finjtere Seite in Gut- 
thorm's Perſon ſich abgezweigt zu haben fcheint. 

1) Bgl. Big. sk. 20,14 [Brot 11,58]. — 2) = Ebd. 20,5—8;5 Brot 
8,14. — 3) vgl. Brot 3,3—8. — 4) = Sig. sk. 21. — 5) fehlt 


Sig. sk. — 6) Ohne Entiprehung in den Eddaliedern; vgl. aber 
daB däniſche (B, 14 u. f. w) und färbiſche (Str. 185) Brynhildlied. 





156 


tödten, daß er Brynhild das Magdthum genommen 
habe !: „und reizen wir Gutthorm auf, dieſe That 
zu bollbringen.“ ? Und fie riefen ihn zu fich und 
boten ihm Gold und große Herrichaft, dab er dies 
auf fih nehmen follte. | Sie nahmen eine Schlange 
und Wolfsfleiſch und ließen e8 fieden, und gaben es 
ihm zu efjen ®, wie der Dichter *) fingt: 


Eine Schlange **) nahmen die einen, 
Das Schlangenfleifch ***) Schnitten andre, 
Etliche gaben Gutthorm 
Wolfsfleiſch [zu efien]. * 

Mit dem Zrante || 157) 
Auch manderlei andere 
Baubermittel (?) 


*) skald; die folgende Strophe ift aber feine eigentliche 
Staldenftropge, jondern eine (vielfach verderbte) Va⸗ 
tiante zu Brot, Str. 4. 

**) Wörtlich Waldfiſch. 

*x*x) Das iſt wohl gemeint, nicht „Wolfsfleiſch“, das gleich 
nachher noch erwähnt iſt. 

r) Die zweite Hälfte der Strophe iſt ganz verderbt über⸗ 
liefert. Die entjprechenden Verſe Brot 4,5—8 lauten: 
„Eh’ fie vermochten, die Mordegengen an den klugen 
Helden Hand zu legen“. 


1) Bgl. Brot, Str. 1—2. — [3) Sig. sk. 21,1 f.] — 3) Rad der hier 
folgenden Strophe. — 4) Bgl. Brot 4,1. 





eg 


157 





Dur diefe Nahrung und alles zufammen und 
dur; Grimhild's ) Vorftellungen | ward er jo wild 
und fampfluftig, daß er verhieß, diefe That zu voll- 
bringen. ! Sie verhießen ihm große Ehre dafür. - 

Sigurd Hatte feine Ahnung von diefem Ber: 
rath; auch konnte er nicht dem Geſchicke entgehn**), 
noch dem ihm bejtimmten Lebensziele. Sigurd meinte 
auch nicht Arglift von ihnen verdient zu Haben. ? 

Gutthorm ging hernad) am Morgen hinein zu 
Sigurd, da er in feinem Bette rubte; da er (Si- 
gurd) aber ihn anblidte, wagte Gutthorm nicht ihn 
anzufallen, und ging: wieder hinaus. Eben fo er- 
ging es zum andernmal. | Die Augen Sigurd's waren 
nämlich] jo durchdringend, daß feiner. wagte hinein- 
zubliden.® Und zum dritten Mal ging er hinein, 
da war Sigurd eingejchlafen. | Gutthorm zückte das 
Schwert und durchbohrte Sigurd, jo daß die Spike 
in bem Bolfter unter ihm ſtak.“ Sigurd erwachte 
bei der Verwundung, 158) Gutthorm aber ging 
hinaus, der Thür zu: | da ergriff Sigurd dad Schwert 


*) Grimhild ift alfo bier wiederum bei Bereitung eines 
BZaubermittel3 zugegen. 
**) Wörtlich „ankämpfen gegen”; vgl. 159**. 


1) Bel. Sig. sk. 23,Lf. — 3) = Rib. Str. 998 (989). — 3) vgl. oben 
©. 634. 1083. 208 ***,. — 4) vgl. Sig. sk. 22,5 f.; Nth. 68,17 ff. 


158 





Gram und warf es ihm nah !, und es traf ihn im 
Rücken und ſchlug ihn in der Mitte durch: auf bie 
eine Seite fiel dad Yußftüd*),, nach der andern 
Seite aber [fiel] das Haupt und die Arme zurüd 
ins Gemad). ? 


Gudrun war in Sigurd's Armen entfchlafen, 
aber fie erwachte mit unausſprechlichem Harm, da 
fie in feinem Blute Schwamm 3, und fo jammerte fie 
mit Weinen und Wehllagen, daß Sigurd ſich in den 
Kiffen aufrichtete und ſprach: „Weine nicht (fagte 
er), beine Brüder leben dir‘ zur Freude.“ Aber 
mein Sohn ift zu jung, ald daß er ſich wahren 
fönnte**) vor feinen Feinden. % Doc übel haben fie 
ihren Bortheil wahrgenommen: nimmer erhalten 
fie, mit ihnen zum Felde zu ziehn, fol einen 
Schwager noch Schweſterſohn, wenn *** ihm her 
anzuwachſen beſchieden wäre." Nun iſt das em 


*) Der untere Theil des Körpers. 

r) Wörtlich: „einen in fofern zu jungen Sohn habe ich, als 
er fih nicht (oder — ohne thess — „einen zu j. ©. 
babe ich, ber fich nicht) wahren kann“. 

***) Gemeint ift: „der auch mit zu Felde zöge, wenn...” 
1) = Sig. sk. 2,58. - = Ebd. 28. — )= Eh... — 4 * 


Ebd. 25. — 5) = Ebd. 26,14. — 6) vgi. ebd. 26,5-8 [Gern. 
28,175 f.]. — 7) vgl. Big. sk. 271-4. 





159 





getroffen, was lange ſchon geweiſſagt war *), ich 
aber bezweifelte; doch niemand vermag dem Geſchicke 
zu entgehn. **) | Died aber hat Brynhild angeitiftet ?, 
die mich, liebt vor jeglichem Manne. Und das Tann 
ih ſchwören, daß ih an Gunnar nimmer mid) ver- 
ging: ich bielt unſere Eide und war mit eim 
allzu vwertrauter Freund **) feiner Frau.? Und 
wenn ich dies vorher gewußt bütte, und ich ftände 
auf meinen Füßen mit meinen Waffen, fo follten 
viele ihr Leben verlieren, ehe denn ich fiele, und 
die Gebrüder alle erfchlagen werden ?; und nod 
ſchwerer jollte e8 ihnen werden mich zu erjchlagen, 
als den größten Wijend F) oder Wildeber.“ * Da 
ließ der König fein Leben, Gudrun aber erjeufzte 
tief. 5 
Das hörte Brynhild und lachte, als fie ihr 
Seufzen vernahm. 6 Da fprah Gunnar: „Nicht 
lachſt du darum, daß 159) du im Herzensgrunde 
*) VBgl. oben ©. 160 ***, 
*), Bel. oben S. 157 ** und unten ©. 186°. 191. 
+) „Habe feine unerlaubte Vertraulichkeit mit ihr gehabt.” 
r) Büffel. Das Wort ift, wie die ganze Gtelle, aus 
Thidr. s. Kap. 323 (©. 813 f,) entlehnt. 
1) = Sig. sk. 27,58. — 2)= Ebd. 38. — 3) vgl. Thidr. 5. 6.318. — 


4) dgl. Thidr. a. ©. 314. — 5) = Big. ak. 29,1 f. — 6) = Sig. 
sk. 30. 





160 





froh geitimmt wäreft: warum wirft du jo bleih?*) 
Eine große Unheilſtifterin**) bift du, und & ift 
wohl zu glauben, daß du todgeweiht bifl.! Und 
hättet Du vor allen***) verdient, König Atle vor 
deinen Augen erjchlagen zu fehen ?, und müßteſt da- 
bei jtehn: ® nun müſſen wir ſitzen über unferm Schwager 
ımd Brudermörder." | Sie antwortete: „Niemand 
läugnet, daß de Morded genug feit): König Alle 
fümmert fih nit um euer Droben und Büren, 
und er wird länger leben als ihr und größere Macht 
haben.” * Hogne ſprach: „Nun ift daß erfüllt, was 
Brynhild meiffagte tr), und dieſe Uebelthat können 
wir nimmer wieder gut machen.“ | Gudrun fprad: 
„Meine Blutsfreunde haben meinen Mann erſchlagen?: 
nun werbet ihr im Heere zuvorderſt reiten, und fo 


*) Wörtlih: „Warum verlierit du deine Yarbe?“ 
**) foradh, eigentlih: „Berderben“. 
***) Bol. Bugge, ©. 197. 

r) Wörtlih: „Niemand ſpricht [dir] ab, daß genug [von 
bir] erfchlagen fei“ [ogl. Atlam. 50,5], d. h. laß es bir 
an dem Einen Morde (Sigurd’S) genügen (niemand 
verlangt mehr von dir) und droße nicht Atle tödten zu 
wollen: Atle kümmert fich nicht u. ſ. w. 

NS. oben ©. 122*; vgl. oben ©. 150 ***, 


1) = Sig. sk. 31. — 8) == Ebd. 82, 1-4. — 9) vgl. ebd. 33,5—8. — 
4) = Ebd. 33. — 5) = vgl. Gudr. I, Str. 20,5—8. 

















161 


ihr zum Treffen .fommt, da werdet ihr befinden, daß 
Sigurd nit mehr euch an der (einen) Seite ift, 
und werdet ihr da jehen, daß Sigurd euer Heil und 
Stärke war; und | wenn er ihm gleiche Söhne hätte, 
fo Hättet ihr unterftüßt werden können durch feine 
Nachkommen und BlutSverwandten.” ! 


Einunddreißigftes Kapitel. *) 


Nun wußte Niemand es ih zu erklären**), 
daß Brynhild das lachenden Mundes erbeten Hatte, 


unm das fie num weinend ſich härmte.***)2 Da 


ſprach fie: „ES träumte mir, Gunnar, daß ich ein 
falte Bett hätte, und du ritteft deinen Feinden in 
die Hände ?; und all euerm Geſchlecht wird es übel 
ergehn, da ihr eidbrüdjig feid *. Und daß ihr [euer] 
Blut zufammen miſchtet, Sigurd und dur), wenig 


*) Die Handſchr. beginnt Hier fein neues Kapitel. 
**) Mörtlih: „meinte niemand beantworten zu können.“ 
(„Berftand ſolch Weibergebahren, daß fie...” Brot 15,3 f.) 
+) Sigurd’3 Tod nämlich. Daß Brynhild denjelben be= 
klagt, war hier bisher noch nicht gejagt, wohl aber in 
dem benußten Liede (Brot Str. 14). 
N) ©. oben ©. 126**, 
1) Bgl. Brot 11,5—8;5 Sig. sk. 20,14. — 2) = Brot 15,38. — 
3) dgl. ebd. 16. — 4) = Ebb. 17. 
11 


162 


gedachteſt du des, da du ihn verrietheit; |160) und 
haft ihm alles übel gelohnt, was er wohl an dir 
that, und [daß er] dir den Vorrang ließ.“ Das 
zeigte fich da, al er zu mir kam, wie [treulidy) er 
feine Eide Hielt ?, indem er zwijchen und das fcharf- 
Tchneidige Schwert legte, da3 in Gift gehärtet war.*) 3 
Aber frühe machtet ihr euch jhuldig an ihn und 
mir ®, al3 ich daheim war bei meinem Vater und 
ich alles Hatte, was ich wollte d; und ich Dachte nicht, 
daß euer einer follte mein werden, als ihr drei 
Könige dorthin zum Hofe rittet.6 Darauf nahm 
Atle mich beifeite**) ”, und fragte mich, ob ich den 
haben wollte, |der den Grane ritte. Derfelbe war 
euch nicht gleich 8: und da verhieß ih mid) dem 
Sohne König Sigmund’s, und feinem andern. ? Und 
nicht wird es euch ſwohlj ergehn***), wenn id 
*) Was auch in deutjchen Sagen von vorzüglichen Schwer: 
tern berichtet wird. 
**) Bol. oben ©. 1417, wo überhaupt die Parallelftelle zu 
vergleichen ift. 
r) Diefer Sinn fcheint ſich für ydhr farast aus der ent⸗ 
ſprechenden Stelle inSig. sk. 53,5—8 zu ergeben = ydhart 
far er { sundi, wozu Sigdr. 10,2 f. zu vergleichen ift. 


1) = Brot 18. — 2) = Ebd. 19. — 3) = Ebd. 20. — 4) = Sig. sk. 
34,3 f. — 5) vgl. ebd. 34,5—8 (Bruder ftatt Vater). — 6) = Ebr. 
35,1-6. — 7) = Ebd. 37,1 f.5 oben ©. 1411. — 8) = (Ebd. 36, 
3-6. — 9) = Ebd. (86,1 f.) 39,5—8. 





18 _ 

aud) fterbe.” 1 Da ftand Gunnar auf und fchlang 
die Arme um ihren Hals? und bat, daß fie leben 
möchte und Gut*) annehmen ?; auch alle andern 
redeten ihr davon ab, daß fie ftürbe. Aber fie ftieß 
jeden von fich, der zu ihr Fam, und fagte, e8 werde 
nicht3 nüßen, fie von ihrem Vorhaben zurüdhalten zu 
wollen. ® 

Sodann rief Gunnar Hogne, fragte ihn um 
Rath 9 und bat ihn Hinzugehn ® und zu verjuchen, 
ob er ihren Sinn erweichen könnte — und fagte, 
es wäre num die höchſte Noth vorhanden — ob ihr 
Harm beichwichtigt werden Tünnte, bis daß einige 
Beit verginge.**) ” Hogne antwortete: „Halte fie 
Doch feiner vom Tode zurüd®, denn fie ward ung 
nimmer a Heile, und niemandem, feitdem fie hier⸗ 
her kam.“ 


Nun gebot ſie viel Gold zu nehmen, und 
[hieß] alle die hinkommen, welche Gut empfangen 


*) Als Buße nämlich. 
**) D. h. bis mit der Zeit ihr Kummer gelindert werde, 
und fie jo von ihrem Vorhaben abgebradht werbe. 


1) = Big. sk. 538,58 (Germ. 23,179). — 2) = Ebd, 42,14. — 3) Fehlt 
in Sig. sk. nad) 42,4. — 4) = Big. ak. 42,5—43,4 (gehören beide 
Halbftropgen zufammen?). — 5) = Sig. sk. 43,58. — 6) val. 
ebd. 44,1—8. == Mb, 44-8. — 8) — Ebd. 1 6 f. 
— 9) = 66,58. 

11* 


164 


wollten. ! Sodann nahm fie ein Schwert und ſtieß 
es ſich unter den Arm“)2, lehnte ſich gegen bie 
Kiſſen und ſprach: „Es nehme hier nun Gold, wer 
es nur. haben will.“ 3 Alle ſchwiegen.“ Brynhild 
ſprach: „Empfangt das Gold, und genießt, defjelben 
wohl.“ | Noch ſprach 161) Brynhild zu Gunnar **): 
„Nun will ic dir kürzlich fagen ®, wie es hierauf 
ergehn wird: | bald werbet ihr euch verföhnen mit 
Gudrun unter Beihilfe Grimhild's der zauberfundigen. 6 
Eine Tochter Gudrun’d und Sigurd's wird Svan⸗ 
hild heißen, die als die fchönfte aller Frauen wird 
geboren werden.” Gudrun [wird] an Atle gegeben, 
gegen ihren Willen ®; Oddrun***) wirft du zur Frau 
haben wollen, ‘aber Alle wird das verbieten: ba 


*) Unter dem Arme in die Bruft. 
**) Der zu Grunde liegende Theil der Sig. sk. — wie 
Grip. (und: da8 ©. 121**f. benutzte Lieb) eine jüngerem 
Geſchmack entſprechende Ueberficht über.den letzten Theil 
-der Sage in Form einer Prophezeiung — gehört zu 
ben jüngften Theilen dieſes Liedes (Germ. 23,174). 
***x) Oddrun ift eine Schweiter Atle’3 und Brynhild’3. Die 
Sage von ihrer Kiebfchaft mit Gunnar, von welcher der 
Oddrünar grätr handelt, ift ein jüngerer Auswuchs 
unferer Sage. 

1) Bgl. Sig. sk. 47(9); [49,14]. — 2) vgl. ebd. 48,3 f. — 3) = 48,5— 


49,4. — 4) = Ebd. 50,1 f.. — 5) = Ebd. 58,1 f. — 6) vgl. eb. 
54 (Bugge ©. N — 7) vgl. ebd. 55. — 8) = Ebd. 56. 








a. 


werdet ihr heimlich zufammen kommen, und fie wird 
dich lieben. ? Mile wird dich verrafhen und in den 
Sthlangenhof Teen ?; und wird Alle Darauf er⸗ 
fchlagen werben: nebft feinen Söhnen: Gudrun wird 
fie tödten. 3 Darnach werden fie (Gudrun) müchfige 
Wogen zu König Jonakr's Burg tragen *, ba wird 
fie trefflide Söhne -gebären. Svanhild wird aus 
dem Lande gejendet und dem König Jormunrek ver- 
mählt werden, ‚aber Bicke's [arger] Rath wird ihr 
zum Verderben gereichen; und dann iſt aM’ euer 
Geflecht vergangen, und ift Gudrun's Harm um 
fo größer. 2: — Nun ride ih an dich, Gunnar, 
die Teßte Bitte 6: Vaß einen großen Scheiterhaufen 
maden auf ebenem Felde, und allen; mir ımd Sigurd 
und denen, fo mit ihm erfchlagen wurden ’; laß 
eine Dede darüber ſpannen, mit Männerbiute ge- 
zöthet*) ®, und laß mir zur (einen) Seite dieſen 
Hunischen**) König verbrennen, und ihm zur andern 
Seite meine Mannen, zwei zu Häupten und zwei 
zu Füßen, und zwei Habichte, fo ift es nach Gebühr 


— - an a ———— 


*) Wörtlih: „darüber zelten von rothem Männerbiut.” 
er) Bol. oben S. 154 **. 
1) = Sig. sk. 58. — 2) = Ebd. 59. — 3) = Ebd. 60. — 4) = Er. 


62,5—8 (Ghv. 18). — 5) = Eid. 83-64 (Ahv. 14. 16). — 6) = 
Eid. 65,1. — 7) = Ebd. 65,5—10. — 8) vgl. ebd. 66,1—6. 
pi 





166 
geordnet. Laßt da zwiſchen uns beiden ein ge⸗ 
zücktes Schwert liegen, wie vormals, als wir Ein 
Bette beſtiegen und da Ehegatten Hiehen.? Nicht 
fällt ihm dann die Thür), auf die Ferſen, wenn ich 
ihm folge; auch iſt unſer Leichenbegängniß dann nicht 
armjelig ?, wenn ihm fünf Dienftmägde und adt 
Diener folgen, die mein Vater mir gab-*, und aud 
die da nerbreimen, jo mit Sigurd erſchlagen wurden. 
| Mehr | 162) würde ich reden, wenn: ich wicht verwundet 
wäre; num. aber. ftrömt es aus der ‚Wunde**), und 
die Wunde öffnet ſich. Wahr jedoch ſprach ich.“ *) 

Run warb: Sigurd's Leiche nach altem f) 
Brauche beftattet und ein großer Scheiterhaufen 
gemacht, und als der recht in Brand geſteckt war, 
da ward oben darauf Die Leiche Sigurd des Fafnis⸗ 
tödters gelegt und feines drei Winter alten Sohnes, 
den Brynhild erſchlagen ließ, :und Gutthorm's. Und 
als der Scheiterhaufen ganz in Flammen ftand, 





— — 


*) Das Gitterthor vor Hel's Behauſung (vgl. Sn. E. 5,4). 
**) Wörtlich „raufcht die Wunde”; doch ift die Lefung un⸗ 
fiher: Andere überjegen „ſchwindet der Geift“. 
***) Kann fi) natürlich nur auf die Weijfagung beziehen, 
nicht auf die dazwiſchen eingefchobene legte Bitte. 
HD. h. heidniſchem. 
1) = Big. ak. 66,7--87,10.— 3) = Ebd. 68. — 8) = Ebd. 69. - 4) = 


Ebd. 70. — 5) = Ebd. 71. 
oe 





167 


ſtieg Brynhind da hinauf, und ſprach zu ihren 
Kammermägden, daß fie das Gold nehmen follten, 
das fie ihnen geben wollte Und bierauf ftard 
Brynhild und verbramte da mit — und 
endete ſo ihr beider Leben. 





Zweiunddreißigſtes Kapitel. *) 


Nun fagt jedermann, fo diefe Märe hört, daß 
nicht mebt auf der Welt ift und nimmermehr ge 
boren werden wird ein folder Dunn, wie Sigurb 
war in jeglider Hinfiht; und fein Name wird 
nimmer verflingen in deutfcher Zunge noch in den 
Nordlanden, dieweil die Welt jteht. 1 

Es wird gejagt, eine Taged, da Gudrun in 
ihrer Kammer faß, da ſprach fie: | „Beſſer war da 
mein Leben, als ich Sigurd Hatte!? So übertraf 
er alle Männer, wie Gold das Eifen, oder der 
Lauch das andere Grad [überragt], oder der Hirſch 
andere Thiere 3; bis meine Brüder mir einen jolchen 
Mann mißgönnten, der treffliher war als alle. 
Nicht Fonnten fie fchlafen, bevor fie ihn erfchlugen. * 
Tieren une ® 


*) Meberfchrift: „Gudrun geht von bannen”. 


1) Diefer Abſatz ift aus Thidr. s. Kap. 324 (5. 316) faft wörtlich ent⸗ 
lehnt. — 2) Bgl. Gudr. II, 1. — 3) = Ebd. 2; vgl. Gudr. I, 18; 
Helg. Hund. II, 37. — 4) = Gudr. II, 3. 


168 


Laut ſchnob*) Grane!, als er feinen Heren**) ver 
wundet fah. | Darauf redete ih mit ihm mie 
mit einem Menſchen, er aber jenkte dad Haupt 
zur Erde: 163) er mußte, daß Sigurd gefallen 
war.“ ? 
Darnach entwi Gudrun in den Wald, und 
hörte allerwegen um ſich Wolfögeheul, und es däuchte 
ihr da angenehmer zu fterben. ®° Gudrun ging, bis 
fie zu König Half***) kam?; und meilte Da bei 
Thora, Hakons Tochter, in Dänemark fteben Halb- 
jahre ®, und fand da fehr freundliche Aufnahme. 
Und [jene] legte ihr ein Gewebe anr) und bildete 
darauf viele Heldenthaten ab und ſchöne Spielett), 
die in jener Zeit üblich waren; Schwert und Panzer 


*) Wörtlih: „Großes Getöje machte Grane.“ 

**) Eigentlich „Lehnsherrn“. 

**x*) Man bat angenommen, dab dieſer Half identiſch ſei 
mit Alf, Hjalpret’3 Sohn, dem Stiefvater Sigurd's, 
doch ift das zweifelhaft. 

T) Eigentlih: „ſchoß den Einfchlag ind Gewebe über ihr,“ 
vgl. oben S. 144 ***, 

Tr) „Kämpfe“ waren gewiß gemeint, wenn es in der Quelle 
(Gudr. II, Str. 14,6) heißt: leku, was „lämpften” ſo⸗ 
wohl wie „spielten“ bedeuten ann. 


1) Bal. Gudr. II, 4,1 f. — 2) = Ebb. 5. — 3) vgl. ebd. 11,1—8. 12, 
5-8. — 4) — Ebd. 13,1—4. — 5) = Ebd. Str. 18,5—8. 





169 


\ 


und alle Kriegsrüftung !; die Schiffe König Sig— 
mund's, wie ſie vom Lande ftießen; und das jtickten 
fie, wie fie fih ſchlugen, Sigar und Siggeir*), 
jüdlih auf Yon.) ? Damit ergößten ſie ſich ®, 
und tröftete fih Gudrun nun in etwas über ihren 
Harm. * 

Dad vernafm Grimhild®, wo Gudrun ge 
blieben war °; fie berief ihre Söhne zu einer Unter- 
redung, und fragte, wie fie Gudrun ihren Sohn 
und Mann büßen wollten ?, und jagte, daß das ihre 
Schuldigkeit fei. | Gunnar (ſprach und) erflärte ſich 
bereit ihr Gold zu geben und u fo ihren Harm 
zu büßen. ***) 8 


*) Siggeir ift doc) wohl der oben erwähnte Gatte Signy’s; 
aber Sigar? Iſt es der oben (S. 120) genannte Vater 
jener andern Signy, der Geliebten de3 Hagbard? Man 
möchte in dieſem Zufammenhange eher Sigmund er- 
warten, zumal die Darſtellung offenbar für Gudrun 
befonderes Intereſſe Haben fol. 

**) 4 Fjöni (Fühnen)? Gudr. II, Str. 15,8 & Fivi, d. i. 
Fife in Schottland. 

***) Der plößliche Drang nad) Ausſöhnung und der Eifer, 
mit dem nach erfolgter Ausföhnung die Vermählung 
Gudrun's mit Atle betrieben wird, zeigen, daß Atle (zur 
Sühne für Brynhild's Tod) Gudrun verlangt und andern 

1) Bgl. Gudr. II, 14. — 2) = Ebd. 15. — 3) vgl. ebd. 14,1 f. — 4) vgl. 


ebd. 16,3 f. — 5) = Ebd. 16,1 f. — 6) entſpricht einer Lilde im Liebe. 
(f. Germ. 233,337 f.) — 7) = Ebd. 17. — 8) = Ebd. 18,1—. 


170 


Sie fandten nach ihren Freunden, und rüfteten 
ihre Nofle, Helme und Schilde, Schwerter und 
Brünnen und allerlei Waffenrüſtung; dieſe Fahrt 
war aufs präcdtigfte*) ausgerüſtet, und fein Held, 
der bedeutend war, jaß Daheim. Ihre Rofje waren 
geharniſcht, und jeder Ritter hatte entweder einen 
vergoldeten Helm ober einen fpiegelblanten.**) ! 
Grimhild begab ſich mit ihnen auf die Fahrt: fie 
ſagte, daß ihr Vorhaben um fo eher von Erfolg 
fein werde, wenn fie nicht Daheim bliebe. Sie hatten 
im ganzen finfhundert Mann; auch Hatten fie vor: 
nehme Miinner mit fih: da war | Valdamar || 164) 
von Dänemark und Eymod und Jaridleif. +) 2 

Sie gingen hinein in die Halle König Half’: 
da waren Langobarden F), Franken und Sachſen; 


falls mit Krieg gedroht hatte, was Dr. Nifl. 3. 1—4 
berichtet ift (vgl. Germ. 23,337, auch oben ©. 141***). 
*) Eigentlich: „höfiſchſte“. 
**) D. h. blankpolirten. 
***) In Gudr. II heißen fie: Valdar, Jarisleif, Eymod, 
Jariskar. 
+) Der Volksname ſcheint durch ein Mißverſtändniß von 
Gudr. II, Str. 20,3 hereingekommen, wo es heißt „des 
Rangbarts [Atle’3?] Gefolgsleute”, ſ. Beitr. 3,238. 


1) Diefer Abfag, dem in Gudr. II nichts entipricht, erinnert im Stil 
ftart an die Thidr. s. Bgl. übrigens oben ©. 489-491 und Gudr. 
I, Str. 18,7 ff. — 2) = Gudr. II, 194-6. Border eine Lüde 
im Liebe. 








171 


fie gingen einher in voller Rüſtung und Hatten 
rothe Pelzmäntel übergeworfen ?, wie es im Liebe 
heißt: 
„Kurze Brünnen, 

Gegofjene*) Helme, 
Schmwertumgürtet, 

Und hatten braunes Haupthaar.” ? 


Sie wollten ihrer Schweſter koſtbare Gaben 
darbringen”**) und redeten freundlich mit ihr; aber 
fie traute ihrer feinem. 3° Darauf gab Grimhild 
ihr einen Baubertrant***), und mußte fie [den] an- 
nehmen, und gedachte feitdem keiner [an ihr begangenen] 
Schuld. Diejer Tranf war gemischt mit der Erde 
Kraft und See und Sühnblut.7)* Und in das 


*) Nach Fritzner „hochragende“ (?). 
**) Eigentlih „auswählen“. 
**) Eigentlich „unbeilvollen Trank“. Es ift ein Vergeſſen⸗ 
heitstrank, wie fie ihn auch Sigurd reichte, oben ©. 124 f. 
+) „Blut ihres Sohnes“ giebt unfer Text, indem der VBer- 
fafjer mißverjtändlich sonar ftatt sönar las. Ach Habe 
Germ. 23,339 vermuthet, daß S6n=-Blut den im Gefäße 
Son aufbewahrten Dichtermeth meine, die Worte fich 
alfo auf die den Trank wirkſam machenden Zauber- 
fieder beziehe. Unfer Text lehnt fi) an Gudr. II, Str. 


1) ®gl. Gudr. II, 20,14 (Franken und Sadfen nit erwähnt). — 
2) Ebd. 20,5-8. — 3) = Gudr. II, 21,1—4. 8. — 4) = Gudr. 
II, 232. 


172 


Horn waren allerlei Runen geritzt und au Blute 
geröthet, wie es hier heißt: 


Es waren in dem Horne 

Allerlei Runen 

Geritzt und geröthet; 

Nicht konnt' ich ſie deuten; 

Ein langer Haidwurm*),|j165) 
Vom Lande der Haddinge**) 

Eine ungeſchnittene Achte, 

Eingeweide der Thiere. ***) ı 


Es war in dem Biere 
Biel Schlimmeß beifammen, 
Allerlei Kräuter F), 


eur. u - “8 
. 


22, wo der Ausdruck abfichtlich dunkel ift, wie auch 
im Folgenden. 
*) D. i. Schlange. 

**) Haddinge (hochdeutſch Hartunge) in der nordifchen Sage 
berühmte Helden, Das „Land der Haddinge“ erklärt 
fi) vielleicht al8 Anfpielung auf Saro Gr. ©. 51 (. 
Egilsſon 284*, Bugge u. A.). 

*x*) Die legte Halbſtrophe ift dunkel und verfchiedenastig zu 
deuten verſucht. Man bat auch in den dunkeln Aus 
drüden Bezeichnungen der eingeribten Runenzeichen finden 
wollen, was das Naheliegendite und Anfprechendite wäre, 
wenn es ſich durchführen ließe. 

y) Eigentlich: „Kräuter (Laub?) von allerlei Bäumen“. 

1) Gudr. II, 33. 








— 


Verbrannte Eichel, 
Ruß des Herdes, 
Opfer-Gedärme, 
Geſottene Schweinsleber, 
Da ſie Hader ſtillte. 


Und darauf, als ihr Wille überein gekommen, 
war große Freude.“ Da ſprach Grimhild, als fie 
Gudrun traf: ⸗ „Wohl ergeh es dir, Tochter! ich 
gebe dir Gold und allerlei Kleinode, daß du ſie 
empfangeſt nach deinem Vater“), köſtliche Ringe und 
Bettvorhänge * von huniſchen **) Maiden, jo Die 
feiniten ſind.“ Damit ift dir dein Mann gebüßt. 
| Sodann folft du dich dem König Ulle, dem mäd)- 
tigen, vermählen, jo wirſt du ſeines Reichthums 
halten °; und laß nit bon deinen Blutsfreunden 
um Eine Mannes willen, fondern thu vielmehr, wie 
wir bitten.” | Gudrun antwortete: „Nimmer will ich 
den König Atle [zum Gatten] haben, und nicht 
ziemt e8 und beiden, Nachlommen zufammen zu ges 
winnen.“**)7 Grimhild erwiderte: „Nicht follit 


*) D. h. nad) dem Tode deines Vaters. 
**) Bol. oben ©. 154**, 
***) Wörtlih: „das Gejchlecht zu mehren”. 
1) Gndr. II, 34. — 8) vol. ebd. 85,14. — 3) vgl. ebd. 8,7 f. — 


4) = Gbb. 86. — 5) vgl. ebd. 27,14. — 6) = Ebd. 37,5-8. — 
7) = Eh. 38,3—7. 





174 


du jeßt an Hader gedenken !; und gehab did), als ob 
Sigurd und Sigmund *) [noch] lebte, wenn du mit 
. Ale ||166) Söhne haft.“ 2 Gudrun fprad: „Nicht 
fann id) die Gedanken von ihm menden; er war 
treffliher als alle.” 3 | Grimbild fagte: „Diejen 
König zu haben ift dir beſtimmt, oder feiner fonft 
iſt dir bejchieden.“ **) * Gudrun ſprach: „Bietet 
mir nicht den König [zum Gatten], von dem eitel 
Unheil audgehn wird für dies [unfer] Geſchlecht; 
und wird er deinen Söhnen Uebles anthun, und 
Darauf wird es graufam an ihm gerochen werben.” * 
Grimbild ward traurig über ihre Vorſtellungen 
(wegen ihrer Söhne? "**), und (do?) fie ſprach ®: 
„Thu, wie wir bitten, auch ſollſt du dafür große Ehre 
und Freundſchaft von und haben 7, auch die Orte, die 
Vinbjarg und Valbjarg heißen.“ ) Ihre Worte 
*) Sigurd's mit ihm ermordeter Sohn, ſ. oben ©. 127°. 
*#) Das iſt nicht etwa eine (höchſt unpaſſende) Drohung, 
fondern Grimhild meint, Atle eigne fich beſſer ala jeder 
andre fir Gudrun zum Gemahl. 
6) D. h. über das Schidfal ihrer Söhne (nad) Bugge zu 
ftreichen, doch vgl. Gudr. II, Str. 33,3 ff.). 
r) Wörtlich: „dieſe Orte, Die jo beißen: Vinbj.“ u. |. m. 


1) = Gudr. II, 39,1—3. — 2) = Ebd. 29,5—8. — 3) vgl. ebd. Str. 80, 
deren Sinn bier ganz frei wiebergegeben if. — 4) = Ebr. Sl, 
6-8. — 65) vgl. Gudr.. II, Str. 33 — 6) vgl. ehr. 81-6. — 
7) fehlt im Liebe. — 8) val. ebd. 83,7—12. 








175 


waren von fo großem Gewicht, daß bies vor ſich 
gehn mußte*). Gudrun ſprach: „Died muß vor 
fi gehn, obſchon gegen meinen Willen: und es 
wird wenig zur Freude, vielmehr zum Leide [ge 
deihen].” 1 

Sodann jtiegen fie**) auf ihre Roſſe, und ihre 
Frauen wurden auf Wagen gejebt, und reiften jo 
fiebden Tage zu Roffe, und andre fieben zu Schiffe, 
und die dritten fieben wieder zu Lande?, bis daß fie 
zu einer hohen Halle Tamen.? Ihr“*) ging dort 
eine große Menge entgegen, und da war ein herrlich 
Gaſtmahl bereitet, wie denn vorher zwiſchen ihnen 
Botſchaft gemwechfelt war F), und dafjelbe verlief 


*) Es ift wohl wieder an Grimhild's Zauberhunft zu denken, 
die ihrer Weberredung befondere Wirkſamkeit verleiht; ſ. 
oben ©. 157*. 

**) Gudrun mit ihren Mägden, die mit Atle oder feinen 
Sendboten nah) Hunenland fährt. 

***) Yudrun nämlich. Die Undeutlichfeit in unferm Texte 
beruht auf der Tüdenhaften Weberlieferung des benußten 
Liedes. 

7) Zwiſchen Atle und den Gjukungen. Genauer: „Wie 
vorher Botſchaft dazwiſchen gegangen war“, zwiſchen 
ihnen Benachrichtigung ſtattgefunden hatte. 

1) Bgl.Gudr. II, 34 (nur dem Sinne nad) übereinſtimmend); vgl. auch 


oben ©. 172. — 23) = Ebd. 85. — 3) vgl. ebd. 36,1-4 (darnach 
wahrſcheinlich eine Lüde). 





176 





ehrenvoll und mit großer Pracht. Bei dieſem Gaſt⸗ 
mahle Hielt*) Atle feine Hochzeit mit Gudrun. Doch 
nimmer wollte ihr Herz ihm entgegen lachen !, und 
wenig freundlich war ihr Beilommenmwohnen. 167) 


Dreinnddreißigfted Kapitel. **) 


Nun wird gejagt, in einer Nacht, da | König 
Alle aus dem Schlafe erwachte, ſprach er zu 
Gudrun: ? „ES träumte mir (fagte er), daß du mid 
mit einem Schwerte durchbohrteft.“ 3 Gudrun deutete 
den Traum und jagte, es bedeute feuer, wenn man 
von Eijen träume, „und die Einbildung***), daß du 
dich trefflicher als alle dünkſt.“ "Atle ſprach: 
„Noch träumte mir, wie hier zwei Rohrſtengel ge 
wachſen wären, und ich wollte ſie nimmer verletzen; 
hernach wurden ſie ausgeriſſen mit den Wurzeln 
und in Blut geröthet, zu den Bänken getragen umd 
mir zu efjen geboten. 5 Noch träumte mir, daß zwei 
Habichte mir von der Hand flögen, die waren ohne 


..—_. — — 


*) Eigentlich „trank“, wie oben ©. 126 ***. 
**) Ueberſchrift: „Gudrun rigt Runen“. 
**x) Nämlich „bedeute es“. Der Traum geht auf deine 
Einbildung, daß ... 


1) Bal. oben ©. 172. — 3) vgl. Gudr. II, 81. — 3) = Et. 
38,5—8. — 4) = Ebd. 89 1—. — 6) = Ebr. 40. 


-177 





Fraß*) und. kamen um **). Mir fchien «8, als 
ob ihre Herzen mit Honig gemifcht würden, ‚und 
meinte ich fie zu efjen.? Darnad) fchien es mir, al 
ob fchöne junge Hunbe***) vor mir lägen, und heulten 
(ont auf; und ich aß ihr Fleiſch wider meinen Willen.” ? 
Gudrun fagte: „Richt find die Träume gut, aber 
fie werden in Erfilllung gehn. | Deine Söhne werden 
todgeweiht fein ®; und mancherlei Schweres wird 
und zuftoße.” — „Dad traäͤumte mir noch (jagte 
er), |daß ich zu Bette Täge*, ımd mir der Tod 
gerathen würde" Damit war dies abgethany), und 
lebten ;fie, ‚unfreumdlich bei. einander. 

‚| König Atle gedachte nun, wohin das viele 
Gold gekommen fein möchte, dad Sigurd beſeſſen 
hatte; daS aber wußte König Gunnar und fein 
Bruder.+}) * Atle war ein gewaltiger König, märb- 


. 9, 0ber::, Beifchtos‘ ? ! 
9) Wortlich: „snhren zur Gel“. 
***) hvelpar; was an fich auch Zunge von andern Thieren 
bezeichnen Tann. 
r) Börtlih: „Nun ging dies vorüber.”.. 
rt) Wörtlich: „Gunnar umd [überhaupt] - bie Gebrüder", 
nemlich Gunnar unb Hogne. 
1) = Gudr. II, Str. 41. — 2) = Eh. 42. — 3) vgl. ebd. 48 (ab- 
weichend und theilweife ſchwerverſtändlich). — 4),vgl, ebd. die lüden- 
bafte Str. 44. — 5) vgl. Thidr. 8. Kap. 334, ©. 332; Dr. Nil. 2.1. 
12 





178. 





tig und Hug, und zahlreich .war fen Volk; | er hielt 
nun Rath mit feinen Mannen, wie man dabei 
verfahren follte! Er mußte, daß Gunnar md 
Hogne*) | 168) viel mehr Reichthum Hatten, al 
daß irgend jemand mit ihnen fi) meſſen Fünnte. | 
Er faßte nun den Beſchluß, [einige feiner] Männer 
- zu. den Brüdern zu fanden, fie zum Gaftmahle 
zu laden ? und fie auf mannigfache Weife zu ehren. 
Ihr Anführer war der Mann, der Binge**) ge⸗ 
nannt wird. ? 


Die Königin erfuhr von — —— 
und argwöhnte, daß es Verrath an ihren Brüdern 
ſei.“ Gudrun ritzte [da] NRunen® und nahm 
einen Goldring und Tnüpfte Wolfshaar darein 7, und 
gab das***) den Sendboten des Königs in die 
Hände. | 


Darauf madten fie fih auf den Weg nad 
des König Gebote.° Ehe fie aber ans Land fliegen, 
ſah Vinge die Runen und veränderte ſieꝰ, und 





— 


*) their Gunnarr. 
**) In Atlakv. heißt er Knefröd. 
***) Den Ring mit dem Wolfehanr nebſt den Runen. 
1) ®gl. Atlam. 1.— 2) vgl. Am. 2. — 3) vgl. Am. 4,3. — 4) =Am. 


3,14. — [5) vgl. Am. 1,5—2,6.] — 6) = Am. 4,1. — 7) Akr. 
8,3—6. — 8) = Am. 4,5 f. — 9) = Am. 4,31. 








179 


[zwar fo) daß Gudrun in Runen zuredete, daß fie 
zu ihm (Atle) kämen. Sodann kamen fie zur Halle 
König Gunnar’d; fie wurden wohl aufgenommen 
und vor ihnen große Teuer gemacht“), und dann 
tranfen fie mit Sröhlichkeit den beiten Trank.! Da 
ſprach Vinge: „König Alle fandte mich Hierher, und 
wollte, daß ihr ihn daheim, befuchtet mit großen 
Ehren ?, und von ihm große Ehre empfinget, Helme 
und Schilde, Schwerter und Panzer, Gold und gute 
Kleider, Heervolf und Roſſes und großes Lehn *; 
und fagte, daß er euch am Tiebften fein Reich 
gönne.“ 5 Da fchüttelte Gunnar dad Haupt und ſprach 
zu Hogne: „Was follen wir von**) Diefem Aner- 
bieten annehmen? ® Er bietet und große Herrichaft 
an, aber | feine Könige weiß ich gleich rei) an Gold 
wie ung, denn wir haben all das Gold, das auf 
der Gnita= Haide***) Ing ”; auch) haben wir große 

Kammern voll von Gold und von den beiten Hieb- 


*) Bgl. unten ©. 224, 3.2 ff. und 2. f. d. Phil. 2,33. 
**) Ein Theil des Anerbietens lodt den König — bie 
Herrſchaft, nicht aber das angebotene Gold, deſſen er 
genug hat. 
***) S. oben ©. 67 **, Der Fafnishort, den fie von Sigurd 
ererbt, ift alfo gemeint. Zur Sache vgl. oben ©. 177°. 
1) = Akv. 1,5-8; Am. 5,1 f. — 2) = Akv. 8. — 8) = Akv. 4. — 
4) vgl. Akv. 5. — 5) = Thidr. s. ©. 334 f., und unten ©. 1818. 
— 6) = Akv. 6,1. — 7) = Akr. 6,5—8. 
12* 


180 





waffen und allerlei Kriegsrüſtung. Ic weiß meinen 
Hengft den beiten, und mein Schwert das fchärfite !, 
und mein Gold das edelſte.“ Hogne antwortete: 
„Sch wundere mid über feine Einladung, denn das 
bat er jelten gethan; und unräthlich wird es fein, 
zu ihm zu fahren. Auch darüber verwundere id) 
mich, daß, als ih. die Mleinode ſah, | 169) die 
König Alle und jandte, ich ein Wolfshaar in einen 
Goldring**) geknüpft ſah; und ed mag fein, daß 
Gudrun dünkt, er fei wölfiſch gegen und. gefinnt, 
und fie will nicht, daß wir fahren.” ? 


Vinge zeigte ihnen nun die Runen, die, wie 
er fagte, Gudrun gejendet habe. d. Nun ging das 
(gemeine) Bolt fchlafen, fie aber tranfen noch mit 
einigen Männern. * Da trat Hogne’3 Frau hinzu, die 
Roftbera hieß, die reizendfte der Grauen 5, und blidte 
die Runen an. Gunnar's Sattin hieß Glaumvar**), 


*) Nach Dr. Nifl. 3. 9 märe es der Andvaranaut ge- 
weſen. 

**) Dieſe zweite Gattin Gunnar's wird außer hier und 
Atlam. [und Dr. Nifl.] nirgends erwähnt (= Gluna in 
ber Hven'ſchen Chronik?). 


1) = Akv. 71-6. — 2) = Axv. 8. — 3) val. Am. 5,5 f. (2). — 
4) feblt in Am. [und Akv.). — 5) Am. 6,1 4. 





181 


eine gar tüchtige Frau; fie ſchenkten ein. *) 1 
Bald wurden die Könige über und über trunfen. ? 
Das gewahrte Vinge und ſprach: „ES ift nit zu 
verhehlen, daß König Atle jchwerfällig ift und [zu] 
ſehr gealtert, fein Reich zu mehren, feine Söhne aber 
noh jung und zu nichts fähig. Nun will er 
euch Gewalt über dad Reich geben, dieweil fie fo 
jung find, und er gönnt euch am liebiten [defjen] 
zu genießen.“ 3 Nun Stand es fo, daß Gunnar jehr 
trunten war, andrerjeit3 eine große Herrichaft ge= 
boten ward; auch konnte er nit dem Schickſal 
widerjtehn**): | er verhieß alfo die Fahrt, und fagte 
es Hogne, feinem Bruder. Der antwortete: „Euere 
Beftimmung wird Geltung erlangen, und folgen werde 
ih dir: * aber unluftig bin ich diefer Fahrt.“ 


x) Die Königin Hatte in der Halle ihres Gatten als 
Königin des Schenlamtes zu walten (Weinhold, Altn. 
Leb. ©. 461); f. au oben ©. 51°. 125; Akv. 36 
u. f. w. 

**) Derjelbe Gedanke, ebenſo ausgedrücdt, begegnete jchon 
oben ©. 157° und 159?, unten ©. 186%. 191}. 

1) = Am. 6,5—8. 8,1 f. — 2) vgl. Am. 8,4(9). — 3) vgl. oben ©. 

1795; faft wörtlid — Thidr. s. (S. 334 f.), aus der die Stelle 


wahrſcheinlich entlehnt ift: die Ausprüde Tehren 3. Th. formelbaft 
in Thidr, s. wieder; vgl. Nib. Str. 1916. — 4) = Am. 7,5—8. 


182 


Bierunddreißigftes Kapitel. *) 


Und als die‘ Männer getrunfen Hatten, wie 
[ihnen] gefiel, gingen fie ſchlafen.“ Koftbera begann 
die Runen zu beſchauen, und las die Buchftaben ? 
und fah, daß Anderes darauf gerißt war, als darunter 
ftand, und die Runen gefälfcht waren: | doch gelang 
es ihr in Folge ihrer Klugheit, fie zu verftehn. 3 
Darauf ging fie zu Bette bei ihrem Gatten. 

Und als fie erwachten, ſprach fie zu Hogne: * 
„Du willſt von Haufe, do ift e8 unräthlich: fahr 
lieber ein andermal.® Nicht wirft du Dich recht. 
auf Runen verjtehn, wenn du glaubit, e8 Habe dies- 
mal fie dich geladen, deine Schweiter. 170) Sch 
entzifferte die Runen, und wundert es mid) von 
einer jo Eugen rau, daß fie jo verworren geribt 
hat. Es fteht aber jo darunter, als wenn euer 
Leben auf dem Spiel ftände**); da war eins von 
beiden der Hall: entweder fie veritand nicht zu ritzen ***), 


*) Die Hhichr. beginnt bier fein neues Kapitel. 
**) Wörtlich: „euer Tod Daran läge”. 
***) Wörtlich: „ea fehlte ihr an einem Runenzeichen“, d. h. 
fie fannte es nicht oder Hatte es vergeſſen und daher 
zuerft ein faljches Zeichen gerit. 


1) = Am. 8. — 2) = Am. 9,1—4. — 8) = Am. 9,1 f. — 4) = Am. 
10,1 f. 5 f. — 65) = Am. 10,7—10. — 6) = Am. 11. 





183 


oder aber Andere haben ed gejälihht. ! Und nun 
joNft du meinen. Traum hören.*) 2? Das träumte 
mir, daß .ein gar gewaltiger. Strom mir bier her- 
einzubrechen ſchien, und riß alle Dielen **) in’ der 


Halle. auf.” 3$°_ Cr animortete: „hr [rauen] ſeid 
oft voll Bo&heit, ich :aber babe nicht den Sinn 


darnad), mit. Arg Männern entgegenzutreten, es ſei 


denn, daß es verdient iſt: er wird und freundlid). 


empfangen.“ * Sie ſprach: „hr werdet es erfahren; 
aber nicht wird Breundichaft bei diefer Einladung 
fein. 5 Ferner träumte mir, daß ein anderer Strom 
hier bereinbräche “und furchtbar tofte und alle Bänfe 
in der Halle aufriffe und euch. beiden Gebrüdern die 
Füße bräche, und das wird etwas zu bedeuten haben.“ 6 
Er erwiderte: „Da werden Meder ſich ausdehnen, 
wo du den Strom wähnteſt: wenn wir. über den 
Ader gehn, ſtechen oft große Aehren-Stacheln ung 
in die Füße.“**)7 „Das träumte mir [jagte fie], 
daß dein Lafen brännte, und das euer loderte 





— 





*) Die Handſchr. beginnt hier ein neues Kapitel mit der 
Ueberſchrift: „Hogne deutet feiner Frau Träume“. 

*s) Des Fußbodens, wie S. 2027 (Weinh., Altn. L. 223). 
***) Wörtlich: „treffen unſere Füße“. 
1) = Am. 12. — 2) vgl. Am. 10,8 f. (2). — 3) fehlt in Am. (vgl. 
" aber Am. 16,1 f.: „Bär“ ftatt Strom“, |. Germ. 28,409). — 
4) =Am. 18,16. — 5) = Am. 14,14. — 6) = Am. 25 (Glaum- 
var. ftatt Koftbera, ſ. Germ. 23,410). — 7) fehlt Am. 


184 


empor aus der Halle.“ Er antwortete: „Daß. weiß 
id .genau, was dad tt: unfere Kleider liegen Bier 
wenig beachtet, und die werden. da..brennen;,: wo du 
das Lafen wähnteſt.“ !. „Ein Bär ſchien mir Yeven- 
zukommen (fagte fie), und riß den’ Körigs= Hochfitz 
nieder und fehüttelte jo Die Tagen, daß wir alle in 
Angſt geriefhen; und er hatte uns alle auf. binmal 
in feinem Maule, fa daß wir hilflos waren *),. und. 
entitand darob großer Schrecken.“ ?.. Er äntwortete: 
|171) „Da wird ein hartes Unwetter, tommen, "wo 
du einen Eisbären wähnteſt.“ 3 „Gin Aar (fagte fie), 
fo däuchte mir, flog herein und'die Halle entlang umd 
befprigte mid mit Blut und uns alle; und das 
wird Schlimmes bedeuten, denn mir däuchte, als ob 
das König Atle's Larve N wäre.“ * Er enigegnete: 


— 


*) Wörtlich: „Nichts vermochten“. 

**) Die Seele kann ihr Haus, ihre Hülle (den. Körper) zu- 
weilen verlaffen und die Geftalt eines Thiers, befonders 
eines Vogels annehmen; die Wahl des Thieres ent- 
ſpricht dann wohl dem Charakter des Menschen. Solches 
Auzfliegen der Seele aus dem Körper in Xhiergeitalt 
dachte man fich bejonders wihrend des Schlafes, wobei 
dann die Erlebnifje der ausgeflogenen Seele dem Menfchen 
als Träume erjcheinen (Grimm, Myth.? 1036). So wer- 
den denn dieſe Larven (Seelen in Thiergejtalt) vorzugs⸗ 


1) = Am. 15. — 2) = Am. 16. — 3) = Am. IT. — 4) = Am. 18. 





185 


„Dit ſchlachten wir veichlich und erſchlagen mächtige 
Rinder und zur Duft; es bedeutet Ochſen, wenn man: 
von Adlern trüumt; und Atles Geſinnung wird wohl⸗ 
wollend gegen und sein.“ ! Damit brachen te dies 
Geſpräch ab. ? u 





Fünfunddreißigfte8 Kapitel. *) 


Nun ift von Gunnar zu jagen, daß da bon 
dem nänlichen [egenftande] die Rede war, als fie 
erwadhten, und Slaumbar, Gunnar’3 Frau, ihre 
vielen Träume fagte, die ihr auf Verrath zu deuten 
ſchienen?: aber Gunnar deutete fie alle dem ent⸗ 
gegen. „Died war einer von ihnen (fagte fie), daß 
mir däuchte, ein blutiges Schwert würde herein in 
die Halle getragen, und du warbit von dem Schwerte 
durchbohrt, und Wölfe heulten an beiden Enden des 
Schmwertes.“ * Der König antwortete: „Kleine Hunde 


weife in Träumen gejehen, wie hier und z. B. in der 
„Geſchichte von Gunnlaug Schlangenzunge”, überfeht 
von Kölbing (1878), ©. 4 f. Vgl. noch Helg. Hjorv. 
Profa nah Str. 6, 3. 8 f. und oben ©, 9*, 24* 


und 30***, 
*) Weberichrift: „Der Auszug der Gebrüder”. 
1).= Am. 19,1. — 2) = Am. 18,7 f. — 9 m 2. — 


4) = Am. 23. 


186 

wollen und da beißen; :[doch] oft deutet Hundegebell 
auf biutgefürbte Waffen’! Ste ſprach: „Noch däuchte 
mir; es kämen rauen herein, die: wären trübjelig, und 
[wollten] dich zu ihrem Manne erftefen?: mag fein, daß 
deine Diſen *) das geivefen find.” ? Er antwortete: 
„Schwer wird e3 num zu deuten, und mag niemand 
feinem Schiefal entgehn *; allein nicht unmahrjchein- 
fich ift e8, daß wir nicht lange leben werden. **)“ 5 

Und am Morgen fprangen ſie .auf, und wollten 
reifen; die. andern ***) aber riethen ab. Darauf 
ſprach Gmmnar zu dem Manne, der Fiorni hieß: 
„Steh auf und gieb und zu trinken aus großen 
Kannen? guten Wein, dern ed Tann ſein, daß dies 
unfer letztes Gelage ift: | jebt wird der alte Wolf 





* Diien (ſ. ob. ©. 56 **. 997. 148**), FIylgjen, die 
den Tobgeweihten verlaſſen; jo Am. Unfer Berf. hat fie, 
wohl mißverjtändlich, mit den Todesbotinnen identificitt, 
die anderwärts (S6larlj6dh 38) der Hel Maide heißen. 
Als Todesbotin erfcheint bei Saro, ©. 124 f., Hel (Pro⸗ 
jerpina) jelbft, die urfprüngfich mit Freyja-Holda identiſch 

iſt und deren Vervtelfältigungen die Walkyrjen find. 
er) Wörtlich: „kurzlebig ſein werden”. 
**8*) In der — (Am.) ſind die ——— gemeint; vgl. 
aber Akv. 
1) = Am. 24. — 2) = Am. 27,14. — 3) vgl. Am. 27,7 f. — 4) vgl. 


Am. 28,1 ff. (è)) oben ©, 181**. — 5) = Am. 85-6. — 6) = 
Am. 29,1—4; Akv. 91—. — 7) = Akv. 9,5. 10,1. 








187 


das Gold in Beſitz nehmen, wenn wir jterben, und 
beögleichen der Bär |172) wird nicht ermangeln, mit 
jeinen Streitzähnen [hinein ?] zu beißen.” 1 

Darauf geleitete fie dad Volk hinaus mit Wei» 
nen. Hogne's Sohn *) ſprach: „Fahrt wohl und 
habt gute Glüd.” 2 Der größere Theil ihres Ge- 
folges blieb zurüd. 3 Solar ynd Snävar **), Hogne's 
Söhne, waren auf der Fahrt und ein ſtarker Held, 
der Orkning hieß; der war ein Bruder Bera's.**)4 
Das Volk folgte ihnen zu den Schiffen, und alle 
redeten ſie ab von der Fahrt: aber das nützte nicht. © 
Da ſprach Glaumvar: „Vinge (ſagte ſie), es iſt wohl 
zu glauben, daß großes Unheil aus deinem Kommen 
entftehn wird, und große Dinge auf dieſer +) Fahrt 
gefchehen werden.” 6 Er antwortete: „Das ſchwör' 
ich, daß ich micht Tüge, und mich empfange ein hoher 
Galgen und alle Teufel +}), wenn ich irgend ein 


*) &3 ift der jüngfte Sohn, der zurüdbleibt (Am. 12,5 f.). 
*#) So Am. ımb Dr. Nifl.; unfere Höfchr. Gnävar. 
***) Bera ift Abkürzung von Koftbera. 

}) theirri? ſtatt thinni (deiner), wie die Hoſchr. hat. 
Doch ift diefe Lesart wohl ungeſchickte Wiedergabe von 
Am. 31,8. 

++) Genauer „Unholde”, vgl. oben ©. 32 ***, 


)=Akr.il. — 2) =Akr.12. — 3) ogl. Am. 2,5-8(). — 
4 —= Am. 80,1—6. — 5) = Am. 30,7—-10. — 6) vgl. Am. 9. 





188 
ort lüge“; und wenig fchonte er fich mit folchen 
Meden. ! Da ſprach Bera: „Fahrt wohl, und mit 
gutem Glüd."?2 Hogne antwortete: „Seid fröhlich, 
wie ed ung aud) ergehe.“ Da fchieden fie, wie 
ihr Schidfal.e8 wollt) / 


Darauf ruderten fie fo ftarf und mit [jo] großer 
Kraft, daß beinahe der halbe Kiel vom Schiffe los 
ging; fie warfen fich fo heftig in die Ruder, weit 
ausholend, daß Handgriffe und Dollen zerbradhen 5: 
und als fie ans Land kamen, befeftigten fie ihr Schiff 
nicht. ® Sodann ritten fie auf ihren ftattlihen Roffen 
eine Weile durch dunklen Wald. **) 7 


Do ſahen fie die Königäburg, © Nach der Rich⸗ 
tung Hin hörten fie großes Getöſe und Waffen- 
geräuſch, und jahen da eine Menge Männer, ||173) 


*) Wörtlich: „mit, d. h. nach (gemäß) ihrem Schidjal”. 
**) In der Quelle (Akv.) heißt es genauer Myrkvid, „der 
Dunkelwald“, der als Grenze zwiſchen Deutichlaud und 
dem Norden an der Nordgrenze des Hunenlandes ge⸗ 
dacht ward (nach Müllenhof, H. Zſchr. 23, 168 f., wäre 
damit der saltus Hercynius gemeint). 
= Am. 82%. — 3) = Am. 33,14. — 3) = Am. 4,1—4. — 4) = 
Am. 35,3 f. — 5) = Am. 36,1—6 (vgl. denfelben Bug tar andern 
Sagenfaffungen, fo Thidr. s. ©. 345; Nib. Str. 1564 u. f. w.). — 


6) = Am. 36,7 f. (vgl. Nib. Etr. 1581: Hagen zerſchlägt das 
Säiff). — N = Akv. 18,1 4. — 8) Am. 37,1 —3 AXvVv. 14. 








189 





die waren ſtark gerüftet zur Gegenwehr *),.. und alle 
Burgthore waren poll von Männern. 1 Sie ritten zur 
Burg, doch fie war verſchloſſen: Hogne erbrach das 
Thor ?, und fie ritten dann in die Burg. |. Da ſprach 
Binge: „Das hättdit da wohl ungethan fein lafſen 
fönnen 3: wartet nun bier, dieweil ich euch einen 
Öalgenbaum ſuche. Ich bat euch mit Freundlichkeit 
ber zu kommen, aber Falſch ſtak dahinter *: nun 
werdet ihr nicht lange zu warten haben, bis daß ihr 
aufgefnüpft werdet.” | Hogne erwiderte: „Nicht 
werden wir dir nachgeben: und wenig, mein’ id), 
wichen wir, wo Männer fechten follten. Nicht frommt 
es Dir, und zu ſchrecken, und joll es dir übel ge- 
beihen.“ ° Sie ftießen ihn darauf nieder, und ſchlu⸗ 
gen ihn mit den Arthämmern zu Tode. 6 


Schsunddreifigftes Kapitel. **) 


Gie ritten nun zur Konigshalle | König Atle 
ordnete jein Volt zur Schlacht, und fo ftellten die 


*) Wörtlic): „Und große SEN, bie - “ — 
(nämlich: ſahen ſie). 
**) Ueberſchrift: „Der Kampf in ber Burg . N 
1) Bal. Akv. Str. 14 (bie übrigens aus Hmd.  bierher gerathen- iſt); 


vgl. Sn. E. 120, 12. — 2) = Am. 37,5 f. — 3) vgl. Am. 37,7 f. 
4) = Am. 38,7 f,5f. — 5) = Am. 39. — 6) = Am. 40. 


190 


Schlachtreihen fi) auf*), daß ein Gehege **) zwi: 
ihen ihnen lag * „Seid uns willkommen,“ fagte 
er, „und gebt mir das viele Gold, dad uns zu- 
fümmt, den Hort, den Sigurd befaß und nun 
Gudrun zu eigen hat.“ - Gunnar fprah: „Nimmer 
empfängft du den Hort: und tapferen Männern follt 
ihr zuvor begegnen, ehe wir das Leben Iaffen, werm 
ihr und Kampf bietet. Kann fein, daß du dieſes 
Veit großartig und wenig armjelig ***) zurüfteft für 
Aar und Wolf.“ +)? „Lange ſchon Hatte ich es 
im Sinne ſſprach ‚Atle], euch and Leben zu gehn?, [um] 
ded Goldes zu walten, und euch fo da Neidings- 
werk F}) zu vergelten,. daß ihr euern trefflichen 
Schwager verrathen Habt, und das Habe ich vor zu 
rächen.“ * Hogne antwortete: „Das kommt euch 
gar Schlecht zu ftatten, daß ihr lange ſſchon] über 


*) Genauer: „mandten ſich“. 
**) gardhr, ein eingehegter Raum. 
***) Wörtlich: „aus (mit) geringer Armſeligkeit“. 
+) Der Sinn ift: Vielleicht kommt dies großartig zuberei- 
tete Seit nur den Thieren des Schlachtfeldes zu Gute, 
d 5. es wird in einen Kampf ausarten. 
+r) That eines Neiding (Schurken). 


1) = Am. 41,14. — 3) Berlorene Strophen der Am. find benukt, 
f. Germ. 23,410 f., wo das Berhältniß unſers Textes zu den Am. 
unterfucht ift; vgl. auch Thidr. s. S. 857 und Nib. Etr. 1739 ff. — 
8) = Am. 41,7 f. — 4) Eine verlorene Halbfir. von Am. benutzt; 
über die ſagengeſchichtliche Bedeutung diefer Stelle f. Germ. 28,411. 





191 : 





174) diefem Rathe brütet, da ihr. io nod) 7 in 
nichts gerüjtet feid.“ ! 

Da kam ed zu hartem Rumpf, und ward der⸗ 
ſelbe zunächſt mit Geſchoſſen geführt. **)? Nm 
drang dieje Munde zu Gudrun. Und al fie folches 
hörte, da gerieth*fie.außer fi ***) * und warf: ben 
‚Mantel von fi.  Davauf. ging fie hinaus, umd 
grüßte die, fo da gelommen waren, und Tüßte ihre 
Brüder und bezeigte ihnen Liebe: und dies war ihre 
lebte Begrüßung. Da jpradh fied: „Ich glaubte dem 
vorgebeugt zu Haben, daß ihr fümet: aber niemand 
vermag dem Geſchick zu. widerſtehn“ F); amd ſprach 
dann: „Kane es noch etwas frommen, Sühne zu 
verſuchen?“ Aber alle verneinten e8 entjchieden. 7 
Nun ſah fie, daß ihren Brüdern ſchlimm ++) mit- 
gejpielt werde; da entſchloß fie fi, rauhen Kriegern 
glei) zu handeln Fr}): fie Iegte eine Brünne an 


*) Wörtlih: „: ihr feid doch noch...“ 
**) Wörtlich: - „mar zuvörderſt ˖ Geſchoß-Angriff (-Kampf).“ 
er) Ward raſend (2), gneip, nicht gneyp, ſ. Bugge, ©. 198. 
+) Vgl. oben ©. 181. 186* u. ſ. w. 
yr) Eigentlich „ſchmerzlich“. 
+tp) hyggr & hardhreedhi. 
1) = Am. 43,1-3. —.3) vgl. Am. 43; Sn. E. 120,18 f. — 8) = Am. 
4,1%; dgl. oben ©. 219 und iiberbanpt 18%*®, 172 u. |. w. — 


4) = Am. M5f. — 5) = Am. A705 vgl. daT—10. — 6 = 
Am. 45. — 7) = Am. 46. 





= 192 


und nahm. jih ein Schwert. und focht auf Seiten 
ihrer Brüder ! und drang vorwürts gleich dem 
fühnften Mame?; und das fagten alle überein, daß 
man ſchwerlich eine ſtürklere Gegenwehr 'gefehen "habe 
al dort, Da fielen viele Männer, geſchah aber doch 
tapfered: Vordringen won. Seiten:;der Brübder.? Der 
Kampf währte Lange, 68 über Mittag Hinaus. 
Bunnar und Hogne drangen vorwärts durch bie 
Schaaren⸗Kbnig Atle's *): und ſo wird geſagt, daB 
das ganze: Feld von. Blute floß. Hognes Söhne 
drangen nun mächtig vorwärts. 5.: König Atle ſprach ®: 
„Bir hatten **) ein großes und: ſchmuckes Heer, und 
‚gewaltige Helden; jetzt aber find. viele von uns ge= 
-fallen, und Haben: wir. euch. Meble8' zu lohnen: er⸗ 
ſchlagen [habt ihr]. neunzehn meiner Helden, und 
nur elf find übrig.“ ? Ä 
Nun. ward ein Stillſtand im — 

ſprach König Atle: „Vier **) Brüder waren — 


*) Val. oben S. 21%. 42, 8. 1 fi. 9,8. 12 ff. 
**) „haben“ Hoſchr., verichrieben. .. 
***) Nach Am, 52 waren jie fünf Brüder. 


1) = Am. 47,1—6. — 2) vgl. Am. 47,7 fi [489]. — 8) vgl. Am. 497 
— 4) = Am. 50,1—7. — 5) vgl. Am. 50,8--10 (mißverftauden?). 
— 6) = Am. 51,1. — 7) = Am. 51,88. — 8) Der Sagafdreiber 
geht im Folgenden zur Kampfſchilderung in- Akv. über, die nur 
eine Baralleldarftellung deffeLben Kampfes if, von ihm aber als 
Fortſetzung elben aufgefaßt wird, wie er überhaupt bie beiden 
verſchiedenen Berichte (in Akv. und Am.)’in einander arbeitet. 





-193 


md’ il allein bin⸗noch übrig. Ich gewann mächtige 
Schwägerihaft', und erhoffte mir Mortheil davon; | 
eine Frau hatte 1175) ich, ſchön und Hug, hochherzig 
und heldenmüthig: aber nicht kömmt mix ihre Mugheit 
zu Gute ?, denn jelten lebten wir in Frieden mit 
einander. Ihr habt nun: viele meiner Blutsfreunde 
erſchlagen, dazu mich um Herrſchaft, Reich und 
Gut *) betrugen; [uch] meitie Schweiler**). ‚befrathen, 
und das härmtmich am'neiſten.“ * Hogne ſprach: 
„Barum oͤrwaͤhnft dur’ °beifen? gIhr brachet zuerft 
den Frieben: du nahmft eine Blutsfreundin ***) von 
mir, und hungerteſt fe zu Tode und mordeteſt fie 





*) Das Erbe Sigurdia, auf weiches er als ‚zweiter Gatte 
Gudrun's Anſpruch ‚macht. 
**) Brynhiſd, durch den Betrug Bei — der Waber⸗ 
ol. Im der Duelle (Am. 53,5 f.) erhebt fer den Vor⸗ 
wurf, und zwar gegen Gudrun, fie Habe den Tod 
feiner Schweiter Brynhild's nämlich) verfchuldet, indem 
Gudrun Sigurd für fi nahm und durch die Enthül- 
fung des Verraths Brynhild's Tod veranlaßte. Auch 
nach) Dr. Nifl. fordert Atle von den Gjukungen Buße 
für Brynhild's Tod. 


*+%) Nach An. 54 Grimhild. Diefer Bug ift fonft in ber 
Sage wnbetannt (vgl. jedoch Am. 68,4). 


1) = Am 521-6. — 2) = Am. 52,7 f. (fürzer). — 3) — 58. 
13 





194 





und nahmft das Gut *) 2; und mar das nicht Tünig- 
li. | Und erfreulich dinkt **) es mich, daß du deinen 
Harm berzählft; und den Göttern mill ich es dan⸗ 
ten, Daß es dir übel nn a 


Siesenunbtreifigtes Kapitel ** 


Nun ſpornte König. Atle en ‚XplE an, einen 
heftigen Augriff zu ‚machen. ? Da.mard tapfer ge- 
fämpft, | Die Gjukunge aber jtürmten jo heftig .an, 
daß König Atle in die Halle hinein wich: und fie 
fohten nun darinnen*,. und war ein gar harter 
Kampf. Dieſer Kampf verlief mit großem Dienfchen- 
verluft und endete jo, daß alles Volk der Brüder 
fiel, jo daß fte zwei [allein] aufrecht ftanden ++), doch 
tar zubor mancher Mann vor ihren Waffen zu Hel }) 


— — 





*) In Am. heißt es: „Du nahmſt meine Mutter, morde⸗ 
teſt ſie um Kleinode; [meine] kluge Mutterſchweſtertochter 
ließeſt du in einer Höhle Hungers ſterben.“ 

**) Eigentlich: „zum Lachen“, vgl. oben S. 88 ++, 

***) Ueberſchrift: „Hogne wird gefangen genommen”. 
7) ©. oben ©. 71*. 

+7) gl. oben ©. 21°; Nib. Str. 2308. 

1) =Am. M1—6. — 2) = Am. 54,7—10. — 8) vgl. Am. 55,1ff. — 
4) Diefe Bemerkung erllärt fi wieder aus dem Beſtreben des 
Berfaffers, den Berift von Akv. (mo der Kampf in der Halle 


ftatifindet) mit Am. (mo er im Freien flattfindet) zu vereinigen, 
f. oben ©. 1938, 1977. 907 **, 





195 





gefahren. 2 Da ward König Gunnar angegriffen, 
und in Folge der Uebermacht ward er gefangen ge⸗ 
nommen und in Feſſeln gelegt. 2 Darnach kämpfte 
noch) Hogne mit großer Tapferkeit und Helden: 
haftigkeit, und fühlte zwanzig der guößten Gelben 
König Atle's. Er ftieß manchen in das Feuer, das 
da in der Halle augezimdet war. * Alle waren darin 
einig, daß man ſchwerlich [mehr] einen foldhen Mann *) 
fähe. ° | Dennoch) ward er zuleßt von der Hebermacht 
bewältigt ımd gefangen genommen. ? 

Alle Sprach: „Gar fchrediih iſt es, wie 
mancher Mam bier vor ihm allein dahingefahren 
it: | num fjchneidet ihm dad Her, auß®, ımd 176) 
Babe er davon den Tod.” 7” Hogne ſprach: „hu, 
wie dir beliebt: freudig werde ich hier defien war- 
ten, was ihr beginnen wollt: und daß wirft du er- 
kennen, daß mein Herz nicht furchtſam ift. Ich habe 
zuvor Harte® erfahren, und war begierig, Proben 
der Mannhaftigfeit zu beitehn, als ic) [noch] unver- 
wundet war. Sebt aber bin ich ſchwer verwundet, 


*) Bugge vermuthet nach Akv. 20,6 „Solche Wehr” = oben 
©. 192, 3. 4 f. 


1) = 4a oder 11/, verlorenen Str. vor Akv. 20 (f. Germ. 23,407 f.). — 
2) = Akv. 21,14, |. Germ. a. a. D.; vgl. oben ©. 316.7. — 
Zu Anm. 1—5 vgl. Sn. E. 190,12 fe. — 8) vgl. Akv. 8,1 f. — 
4) = Akv. 20,8 f. — 5) vgl. Akv. 20,5—8. — 6) = Am. 56, 
1-4; Bn. E. 190,18 f. — 7) = Sn. E. 120,18 ff. 

13 * 





196 





und baft du allein zwiſchen und zu entfcheiben.“ ! 
Da ſprach ein Rathgeber König Atleis*): „ich 
ſehe beſſern Rath:? nehmen wir. lieber. den. ‚Recht 
Halle. und friften „Hügne: Dieſer Knecht "iit zum 
ode geſchaffen, und fo lange ex. 'auh. Iebt,.. ift'-er 
elend.“ *) 2 Der Kuecht Hörde 28, "und wehllagte 
dant, und entiprang [dahin], wo er ſich irgend Schuß 
erhoffte ***), und vief,. Uebles leide er:.umm ihrem 
Streite, und [babe] bes Unheils zu entgelten; md 
fagte, unfelig wäre dee: Tag, ba er aus ſeiner gute 
Stellung als Schweinehirt +) fortiterben follte. ? Gie 
ergriffen ihn und züdten gegen ihn daß Meſſer: er 
jammerte laut, ehe er [nod$] die Sptge fühlte. * Da 
ſprach Hogne, wie wenige pflegen, wenn fie Mann⸗ 


*) In Am. 58,1 wirb er’ Beite genannt. Diefer Rath 
fegt die Situation in Akv. voraus (== unten &. 197%), 
daß nämlich Gunnar als Zeihen von Hogne’s 
Tode und als Bedingung der Auslieferung des Hortes 
Hogne’3 Herz zu jehen verlangt hat. Hier, wo Atle 
e3 darauf abgefehn hat, gerade Hogne diefen qualvollen 
Tod zu bereiten (= Am. ‚55 f.), paßt der Rath nidt. 

**) Wörtlich: „Er lebt nicht fo lange, daß er nicht efend 
- wäre”. 
")D, h. „wo er wähnte fi bergen zu können“. 
+) Eigentlich: „jeiner guten Sage und Schweinehütung”. 


1) = Am. 57. — 2) = Am. 58. — 8) = Am. 59. — 4) = Am. 60,1—4. 


197 





Haftigkeit zu: bewähren haben, fund] but für bes 

Knechtes Leben, und erkbärte, er wolle nicht ſdas) 
Geſchrei ſhören)*); er ſagts, es fer ihm leichter, 
jaͤber dies 1177) Spiel ) zus beitehe. ? Dem Knechte 
ward da dad Beben [gefcheitt]: 

Nun | wurden fie beide, Gunnar fund Hogne} 
in Feſſeln gelegt. 2 Da ipra König Atle zu König 
Gunnar, daß er daß Gold angeben follte, wenn er 
das Leben geſchenkt haben mollte. 3? Der antwortete: 
„Zuvor muß ich, dad Herz meines Bruderd Hagne 
biutig fehen,“ ***),* 

Und nun ergriffen fie den Knecht abermal2 }), 


*) Die Worte > [] fallen in Heine Lücken der Hbichr., 
wie auch in den nächſtfolgenden Zeilen. 
**) Wie auch der Kampf ein Spiel heißt (f. aben S. 16877). 
er) Als Beweis ſeines Todes, den man ihm vorher fälſch⸗ 
lich gemeldet Haben muß, was nach * (au) in Akr.) 
fehlt, |. Germ. 23,407 f. Dean beachte, dab im Nibe- 
Iungenliede (Str. 2367 ff.) eine ganz ähnliche Scene — 
theilweife. mit wörtliden Berührungen — ſich abipielt, 
nur mit veränderten Rollen: Gunther und Hagen 
haben die Rollen getaujcht, Chriemhild (Gudrun) we an 
2 Stelle Atle’3 getreten. 
7) Wieder (mie 194*) ift der abweichende Bericht ver Akv. 
mit obigem (nach Am.) als nacheinander verbunden. 
1) = Am. 61. — 3) vgl. Akv. 21,15 und dazu Germ. 23,407. — 


83) = Akv. 21,58; = Mb. Str. 2367. — 4) = Akv. 9,144; 
vgl. Nib. Str. 23868. 


198 





und fchnitten ihm dad Herz amd, umd trugen ed vor 


König Gunnar. Der entgegnete!: „Dad Herz 
Hjalle's des feigen ift bier zu ſehen: ungleich ift es 
dem Herzen Hogne's des kühnen, denn nun bebt 
es fehr, halbmal mehr aber noch, als er es in der 
Bruſt trag.” ? | 

Da gingen fie auf Antrieb König Atle'3 zu 
Hogne und fchnitten ihm dad Herz aus. Und fo 
groß mar fein Heldenmuth, daß er lachte, während 
er dieſe Dual aushielt; und alle bewunderten feine 
Standhaftigkeit ?, und das Andenken daran hat fid) 
feitdem erhalten. | 

| Sie zeigten Gunnar das Herz Hogne's. [Er 
ſprach: „Hier ift da8 Herz Hogne’2]*) des kühnen 
zu ſehen, und ift ungleih dem Herzen Hjalle's des 
zagen, denn num bebt e3**) wenig, aber weniger 
[noch bebte e8], als er es in der Bruft trug. * Und 
fo wirft du Atle dein Leben laffen, wie wir es nun 
laſſen.“ Nun weiß ich allein, wo das Gold ift, umd 


*) Fehlt in der Hhichr., ergänzt nad). Akv. 
x*) Eigentlih: „Rührt es ſich“. 


1) = Akv. 22,7-28,2. — 2) Akv. 38,8—10. — 3) = Am. 62; Akr. 
M,1—4; Odär. 26,1 f. — 4) = Akv. 4,5—25,8; vgl. Nib. Str. 
2369. — 5) vgl. Akv. 26 (verflümmelte Strophe, die auch unfer 
Berf. wahrſcheinlich nicht mehr vollſtändig kannte). 





| 





199 





wird nicht Hogne es Dir jagen. Unentfchieden war 
ich in meinem Sinne, da wir beihe lebten; jetzt aber 
Babe ich für mich allein zu entfcheiden !: der Rhein 
foll nun des Goldes walten, eher als daß j178) Die 
Hunen & an ihren Händen trügen.“ ? König Alle 
ſprach: „Geht hinweg mit dem Gebundenen.“ Und 
fo geſchah e2. ? : 

Gudrun rief nun Männer auf, mit ihr [zu gehn], 
und ging zu Atle, [und fprad] *) *: „Geh es bir 
num übel, und dem gemäß, wie ihr Wort gehalten 
habt gegen mid und [Gumnar].“ ® 

Nun ward König Gunnar in einen Schlangens 
hof geſetzt, darin waren viele große Schlangen ®, 
und waren ihm [die Hümde] feit gebunden. Gudrun 
fendete ihm eine Harfe 7; er [aber] zeigte feine Kunſt 
und | handhabte die Harfe mit großer Kunftfertigfeit, 
indem er die Saiten mit den Zehen fchlug, und fpielte 
fo ſchön und vortrefflich ®, daB wenige meinten, fie. 


*) Hier und in den nächſtfolgenden Zeilen fallen die ein— 
geflammerten Worte in Hleine Lücken der Handjchrift. 


1) = Akv. 2735 vgl. Nib. Str. 38371. — 2) =Akv. 28; Sn. E. 
120,10: „Ehe fie von Hanfe zogen, verbargen fie das Gold, Fafni⸗s 
Erbe, im Rhein’; vgl. Nib. Str. 1134. 1137. — 3) vgl. Akv. 29. 
— 4) vgl. Akv. 30,58. — 5) = Akv. 831. — 6) dgl. Akv. 
32,165 Odär. 26,3 f.; Sn. E. 180,15. — 7) = Sn. E. 120,16 f. 
16 f. — 8) = Am. 68,1--3 = Sn. E. 120,16; Oddr. 26,5 f.; vgl. 
Akv. 38,7—9 („mit der Hand“). 


200 





jo [gut] mit Händen schlagen: gehürt zu.. haben.*. 
Und ſo lange trieb: er dies Eunitwolle Spiel, bis alle 
Schlangen einſchliefen?; mir" eine‘ Nutter *), groß 
und ſcheußlich anzuſehen, ‚Die kroch zu ihm undgrub 
fich mit ihrem Maunl ein, bis ſie ſein Herz af *: 
da ließ er fein Beben mit großem Heldemnuth. **) * 


Achtunddreifigftes Kapitel. — 


Konig Atle meinte nun großen Sieg gewonnen 
zu haben und ſagte zu Gudrun wie mit einigem 
Hohn, oder als ob er [dantit] praßite®: „Werloren 
haft du nun deine. Brüder, und du felber. bift Daran 
Schuld.” 6 Sie antwortete: „Wohl biſt du jetzt 
zufrieden, da du. Diefen Mord mir fund thuft 179); 
aber es kann geſchehn, daß du es [noch} bereuft, wenn 


*) Nach Oddr. 29 war , dieſe Natter Atle's Mutter; vol. 
oben ©. 242. 
**) Ueberſchrift: „Atle's Unterredung mit Gudrun“. 

*xx) Ebenſo ſtirbt Ragnar im Schlangenhofe, |. die Ragnars- 
faga. — Die genaueren Webereinitimmungen diefes Ab- 
ſchnittes, ſowie des folgenden mit Sn. E. erklären ſich 
aus Benugung unjerer Saga in Sn. E., ſ. Beitr. 3,211. 

1) ®gl. Am. 63,4 ff. (2). — 2) = Dr. Nil. 2. 16; Sa... E. 180,17. — 

3) vgl. Oddr. 39 und Dr. Nil. 8. 16; Sn. E. 190,17--30 (aus- 


führliger). — 4) vgl. Am. 66. — 5) ngl. Am. 6,1. — 6) = 
Am. 65,6—8. 


201. 


du erfährft, was darnach börmut; ımd das Erbtheil*) 
wird: Imre). am: bängfien, verbleiben, des... Grimmeß 
nieht zu; vergeſſent eſß wird; Die. nicht miohl.. gehn 
Diemeil. ich lebe.“1. Sur antwortete: „hr wollben 
und num verſöhnen; find; ill, ich din deine: Vrüder 
büßen mit Gold. sub theuenmn: Seinaden und.:deinen 
Willen.“ 2. Ste erwiderte:: Schan] lange iſt nicht 
gut: mit nie: werlahren:. geivefen.?;. Doch: fand: id} 
[meine: Lade] erträglich, dieweil Hogne lebte.“ Du 
wirft. mir au; niemals meme Brüder ſo büßen, 
daß ich zufutebenıbin;d® Boch oft: werden wir Frauen 
von eurer MGewalt untexdrüdt %: jetzt find meine 
Blutsfreunde alle tod; und du allein haft nun mir 
gegenüber . zu: eitticjeiden. 8° So will ih mi im 
diefe Vage fügen: laß und denn ein großes Gaſtmahl 
anftellen: ich. will nun für meine Brüder die Todten- 


*) Vgl. Egilsfon, S. 139°. Wörtlih: „Das Erbtheil 
wird (genauer: derartig wird das Erbtheil) am längften 
nachleben, den Grimm nicht zu verlieren”. Die lang- 
mwährendfte Hinterlaffenfhaft meiner Brüder wird — 
nit das Gold, deſſen du dich freuft, fondern — 
mein unvertilgbarer Grimm fein. — Anders Bugge, 
©. 198 f. 

1) = Am. 66. — 9) vgl. Am. 67,58, — 3) vgl. Am. 68,16. — 4) = 


Am. 68,7 f. — 5) = Am. 69,5—8. — 6) = Am, en val. 
Am. 70,8-6 (7). — 8) = Am. 70,7 f. 


202 





feier *) halten, und desgleihen [bu?] **) für Deine 
Blutsfreunde.“ !. Sie ftellte. ih num freundlich im 
Worten, jedoch. war in Wirflichleit Dahinter ihre 
frifhere Geſinnung ***) verborgen. ? Er (Utle) war 
leichtglĩͤubig und traute ihren ‚Worten ?, ba fie fi 
in ihren Reden unbekümmert ſtellte. 

| Gudrun bereitete num die Todtenfeier für ihre 
Brüder, und eben To König Atle für feine Mannen *; 
und ging es bei diejem Feſte lärmend zu.“ Da ge 
date Gudrun an ihren Harm, und brütete darüber, 
dem Könige eine große Schmach anzuthun.“ Und 
am Abend ergriff fie ihre und König Atle's Söhne, 
da fie auf der Diele +) fpielten.” Die Knaben 
wurden ängftlich und fragten, was fie follten.® Sie 
antwortete: „Bragt nicht darnach. Ich Habe vor, 


*) Eigentlih „Erbmahl”, j. oben ©. 5r*. 
**) Das vermuthet auch Bugge, vgl. Am. 72,3 f. und unten 
3. 8f. 
*xx) Wörtlich „daſſelbe“. 
+) Vgl. oben ©. 183**. Oder ift vidh stokki anders zu 
verftehn ? Mißverſtändniß von Am. 74,29 — Zur Sade 
vgl. oben ©. 34, 8. 12 ff. 


1) = einer in Am. fehlenden Str., ſ. Germ. 23,413. — Zu 2018-202! 
vgl. oben ©. 511-3. — 3) = Am. 71,5—8. — 3) = Am. 71,2. — 
4) = Am. 72; vgl. Sn. E. 180,33 f. — 5) vgl. Am. 73,145 
vgl. Akv. 85,14. — 6) = Am. 73,58. — 7) SE Am. Wil. 
8) = Am. 4,3—. 











203 


euch beide zu tüdten.” ? Sie erwiderten: „Schalten 
magſt du mit deinen Kindern, wie du mwillit, daS 
mag niemand dir wehren: aber es ijt dir eine 
Schmach, ſolches zu thun.“ 2 ]|180) Darauf fchnitt fie 
ihnen den Hals durch. *) ® 

Der König forſchte nach, wo feine Söhne wären. * 
Gudrun antwortete: „Ich werde es dir fagen, 
und dein Herz [nicht ?] erfreuen: du brachteit über 
mi großen Harm, da du meine Brüder erfchlugjt 5: 
nun ſollſt du hören, was ich dir zu jagen Habe. **) 
Du haft deine Söhne verloren, ımd werden ihre 
Schädel hier beide als Tiſchbecher benutzt, und du 
jelber tranfit ihr Blut mit Wein vermiſcht.“ So⸗ 
dann nahm ich ihre Herzen und briet fie am Spieße 7, 
du aber aßeſt fie.” 8 König Ale antwortete: „Grau⸗ 


*) Zu vergleichen ift, wie Signy ihre und Siggeir’3 Kin— 
der tödten läßt (oben ©. 34 *); ähnlich wie dort wird 
der Mord der Söhne in Dr. Nifl. motivirt „da befahl 
Gudrun ihren Söhnen, für das Leben der Gjukunge 
zu bitten, aber fie wollten nicht“. Ein ähnlicher Zug 
findet fih auch in der deutjchen Sage: Thidr. s. 2, 
©. 370 u. |. w. 

**) Genauer „meine Nede“. 

l)= Am. 75,1. — 2) = Am. 755-8. — 9) = Am. 76,4; vgl. 
. Sn. E. 120,28. — 4) = Am. 76,5-8. — 5) = Am. 77; vgl. Sn. 

E.121,1f£ — 6) = Am. 79; Akv. 38,4 (87); Sn. E. 120,22 f. 

af. — D) = Am. 80,1f.; Akv. 371-4; Sn. E. 190,24 f. — 

8) vgl. Am. 80,93—8; vgl. Akv. 37,58; Sn. E. 120,25 f. 





— 204 — 


ſam biſt du, da bu deine Söhne mordeteſt und mir 
ihr Fleiſch zu eſſen gabft !; und. Tchuell Fakt du 
[mir] Uebel; auf Uebel folgen.“ Gudrun Tprad:: 
„83 wäre bei mir der Wille vorhanden, dir [ned 
ferner] große Schmach anzuthun, und es wird nicht 
übel genug verfahren mit ſolch einem Mönig.* * Der 
Hönig ſprach: „Uebler Haft du gethan, als daß die 
Menſchen etwas Aehnliches zu berichten wirkten *); 
und ift große Unkfugheit bei: ſolcher Harthergigleit *: 
du Hätteft verdient, auf einem Holzſtoße verbrannt, 
und zuvor mit Steinen zu Tode geworfen zu wer⸗ 
den; fo hätteft du das, wohin du es tveibft.“ **) 6 
Sie entgegnete: „Du weiſſagſt das dir felbit, mir 
aber wird ein anberer Tod zu Theil werden.“ [&o] 
jagten fie ſich manche Schelfworte. ? 

Hogne Hatte einen Sohn nachgelafjen, der | 
Niflung hieß ***): der Hatte großen Haß auf König 


*) Vgl. oben ©. 124*, wo diefelbe Wendung des Origi- 
nals etivad anders wiedergegeben: ift. 

*®) ferr (von ferja? oder fer?) & leidh, j. Bugge ©. 199. 

*+#) Nicht der 187® erwähnte. Seine Erzeugung durch den 

todwunden Hogne erzählt die Thidr, 8. (2, S. 394), die 

ihn Aldrian nennt. Er gehört der nordiichen Sagen 





1) vgl. Am. 82,16. — 2) = Am. 82,7 f. — 3) = Am. 8314 — 
4) = Am. 33,58 (Bubrun’s Worte). — 5) Am. 14. — 
6) = Am. 4,5—8. — 7) vgl. am: 85,14. 


205 





Htle, und jagte zzu. Gudrun, daß er feinen Vater 
rächen wolle.2 Die nahın. dad wohl auf ?, und fie 
hielten Math | Fe ſagte, duß es ein großes a 
wäre, suenm:Bieß vollbracht würde?  .. 

Am Abend, ald der König getrunken hatte, ging. 
er ſchlafen: und als exri.eingeehlafen war, kam Gu⸗ 
drun dahin. und der Sohn Hogne's.“ Gudrun nahm 
ein Schwert mub. stieß es Könjig Atle vorn im Die 
Bruft; heibe waren fie dabei thätig, fie und Hugne’S- 
Sohn >? ‚König Atle erwachte won ber Wunde umd 
ſprach: „Nacht wird es hier [mehr] 181) eines 
Verbandes bebürfen. oden ſonſtiger Pflege. Wer 
aber hat mir dieſe Berwimbiumg beigebracht?“ 6 
Gudrun ſagte: „Ich that es zum Theil, und zum 
Theil der Sohn Hogne's.““ Adnig Atle ſprach: 
„Richt ziemte dir dies zu thun 8, obſchon einige 
Urſach dazu war: | du warft mir vermählt mit deiner 
Blutsfreunde Rath, und als Brautſchatz gab ich. 
dir breißig edle Nitter amd, angefehene. Maide 10 
und viele andere Männer; | umd Dach erklärteſt du 


geſtalt eigentlich nicht an, ſondern ift aus der nicder- 
deutſchen Sage-aufgenommen, j. Germ. 28,412, 


1) = Am. 85,5—8 (Hniflung). — 2) vgl. Am. 86,1 f. — 3) = Am. 
3,3 fe — 9) = Bn. E. 121,86 f. — 5) vgl. Am. 86,584 Sn. E.. 
121,5 f.; vgl. Akv. 42,18. — 6) = Am. 871-6: — 7) = Am. 
88. — 8) vgl. Am. 89. — 9) aa Am: 90,1 ff. (2). — 10) = Am.. 
92 1—. 


206 





dich nicht zufriedengejtelle, wenn du nicht über die 
Bande herrfchteit, welche König. Budle befeflen hatte !; 
und deine Schwiegermutter ließeſt du oft in Thränen 
fiten.“ *) 2 Gudrun ſprach: „Biel Umnwahres Haft 
du geiprochen, und nicht achte ich deſſen; oft war ich 
unfreundlich in meinem Sinne, aber du machteſt es 
noch viel ſchlimmer.“ Hier ift oft großer Gtreit 
gewefen in deinem Hofe, und }ichlugen fich oft Ver 
wandte und Yreunde *, und war eind bem andern 
Seind®. Beſſer mar da mein Leben, als ich bei 
Sigurd war ®: wir erſchlugen Könige und verfligten 
über ihr Eigenthum?; wir gaben Frieden denen, 
die es wollten ®; und Häuptlinge unterwarfen fich **) ?, 
und wir machten den mächtig, der e8 wollte. *? Dar- 
nach verlor ich ihn; und das war [noch} ein Kleines, 
Wittmennamen zu tragen; das aber härmt mich zu⸗ 


*) Es wird bier auf einen Bruderfrieg zwiſchen Budle's 
Söhnen um die Erbſchaft angeſpielt, an dem bie 
Schuld Hier, wie es jcheint, Gudrun's Herrſchſucht zu⸗ 
gefchrieben wird; vgl. übrigens die Quelle (Am. 93). 

*5) Diefe Bebeutung muß hier ganga dä hendr haben, wie 
unzweifelhaft ganga & hond in ber Duelle (Am. 96,3 f.). 


1) = Am. 99,14. — 3) = Am. 93,78. — 8) = Am. Hi. — 
4) vgl, Am. 94,5 fe — :5) vgl. Am. 94,9 f. — 6) vgl. Am. 9,4. 
— T) = Am. %,1 f. — 8) vgl. Am. 96,5 f. (?). — 9) = Am. 
96,3 f. — 10) vgl. Am. 96,7 f. (9). — Bu 6) —10) vergl. 1971. 


207 


meift, Daß ih zu Dir kam, nachdem ich*) den 
vortrefflichiten König gehabt hatte! Und nimmer 
kamſt du jo aus ber Schlacht, daß du nicht den 
Kürzern gezagen bätteft.” 2 Rönig Atle antwortete: 
„Unwahr it: dad; Doch mit folden Borftellungen 
wird feinem von uns beiden geholfen, denn wir 
haben den Schaden. **) Handle nun an mir ziemlid) 
und laß meine Leiche ehrenvoll heſtatten.“ Sie fagte: 
„Dad will ich thun und. dir ein ehrennalles | 182) 
Begräbniß hexeiten laffen und } eine stattliche. Stein- 
fifte und dich in Schöne Tücher winden und -dir für alles 
forgen, defjen e3 bedarf." * Darauf ftarb er: fie aber 
that, wie fie verheißen hatte, 
Sodann ***) ließ fie Feuer an den Saal legen, 
und als das Hofvolf mit Schreden erwachte, wollten 


*) Wörtlich „aber zuvor“. 

**) Genauer: „das Loos gebeſſert, Denn unfer 2008 ift be- 
fchäbigt“. 

**+) Dos Anzünden der Halle, aus Akt. entnommen, ge⸗ 
hört einer älteren Sagengeſtalt an, und folgte, wie 
dort, natürlich unmittelbar auf den Mord Atle's. 
Der Berf. bat in feiner Darftelung die abweichenden 
Züge beider Paralleldarftellungen wieder als nachein⸗ 
ander aufgefaßt; vgl. oben ©. 192°. 194*. 1977. 


1) = Am. 97. — 3) vgl. Am. 98 und Thidr. a. Kap. 286. — 3) = 
Am. 90. — 4) = Am. 100,2—6. — 5) = Am. 101,14. 


208 


Ye Münner nicht den Feuertod erdulden *).ſon⸗ 
pen erfehfugen fidfelberuindi:fühben''fb den Tob. ! 
Da endete: das Leben Khnig WEILS’ und ‘feies Yanzen 
Hofes.Gudrun wollte num nicht Mänger) leben nad 
Dieter That; dber ihr ER, werr noch. — 
— 2. ET re 119 
Die: — und Gjukunge — der Sahe 
der "Leute die verwegenſten und mächtigſten Helden ge⸗ 
Weſen, -ıinB'eherfo'findetiesfich füllen afteit Liedern. 
- Nüch 'diefert Erkcignifſen fand: nun Dder Kampf 
ee 


u “reader — J 


Neununddreigigfted, Kapitel. er 


Buben‘ hatte eine? Tochter⸗mit Sigurd, die 
Svanhild hieß ?): fie war aller Frauen ſchönſte und 
Hatte durchdringende Augen «wie ihr Vater, jo daß 
nun: wenige es wagten, ihr unter die Brauen zu 
fehen. *** Sie übertraf fo jehr andere Frauen an 
Schönheit wie die Sonne die andern Geſtirne.“ 


Be Eee 
*) Genauer „das Feuer aushalten”. 
”*) Ueberſchrift: „Von Gudrun“. 
— Vgl. S. 637, 108**, ‚218, . . 
1) Bal. Akv. 42,5—48,8. — 2) = Am. 101,5-8. — 8) vgl. Sn. E, 


121,185 Sig. sk. [64 9]. 555 vgl. oben ©. 1647; Proſa vor Ghvy. 
2 5 4) vgl. Sn. E. 121,18 f.; Sig. ak. 56. 


209 


Gudrun ging einmal nad) der See und nahm 
Steine in ihren Bufen, ımd [jo]. ging in die See 
hinaus und wollte fi) den Tod geben. Da huben und 
trugen hohe Wogen ſie fort über die See*), und 
mit deren Hilfe ward fie fortgeführt und fam endlich 
zur Burg König Jonakr's. Der war ein mächtiger 
König über zahlreihe® Voll. Er nahm Gudrun 
zur Stau: ihre Rinder waren Hamdi, Sorle und 
Erp. Spanhild wurde dort aufgezogen. ? || 183) 


Bierzigftes Kapitel. **) 


| Jormunrek ***) mar ein König geheißen, der 
war gewaltig in jener Zeit; fein Sohn hieß Randve. 
Der König rief feinen Sohn zu einer Unter 
vedung und fprah: „Du follit mir eine Gejandt- 
haft zu König Jonakr ausrichten ? und [mit 
dir] mein Rathgeber, der Bide Heißt: dort wird 
Svanhild aufgezogen, die Tochter Sigurd's des 
Fafnistödters, welche ih die ſchönſte Maid weiß 


*) Eigentl.: „längs der See”. — Ueber Erp ſ. unten ©.2177. 
**) Ueberſchrift: „Spanhild wird vermählt und unter Roß⸗ 
bufen zu Tode getreten“. 
***) Der Gotenkönig Ermanrich der deutfchen Sage. 
1) = Proſa vor Ghv. 3. 1-3; Sn. E. 121,7-9; Sig. sk. 62. — 
3) = Pr. v. Ghv. 3. 3—5; Sn. E. 121,9—11. 13; vgl. Sig. sk. 
68,1—4. — 3) vgl. Sn. E. 121, 14- 16. 
14 


210 


unter diefer Sonne *) !: fie wollte ich am Tiebften 
haben, und um fie follft du für mich werben.” ? 
Der ſprach: „Schuldigkeit ift es, Herr, daß ich euch 
die Gefandtjchaft ausrichte.“ Da ließ er (der König) 
ihre Fahrt ftattlich zurüften. 

Sie fuhren ſodann, bis ſie zu König Jonakr 
famıen ®, und fahen Svanhild, und däuchte ihnen 
ihre Schönheit groß. **) Nandve verlangte den König 
zu ſprechen umd fagte: „König Jormunrek will 
euch num feine Schwägerfchaft anbieten: | er Hat von 
Spanhild vernommen und will fie fich zur Frau 
erfiefen; und ift es unwahrſcheinlich, daß fie einem 
mächtigeren Manne vermählt werden könnte, als er 
iſt.“ Der König fagte, daß das eine würdige Her 
rath wäre, „und ift er gar berühmt“. Gudrum 
ſprach: „Unzuverläffig ift e8, den Glücke zu trauen **), 
daßı c3 nicht an ihm gebreche.“ Aber durch de 


* MWörtlih: „unter der Weltfonne”, unter der Sonn, 
welche die Erde bejcheint. 
**) Senauer: „hoch zu fhäben“. 
er) Genauer follte e8 heißen: „Unzuverläffig, unbejtändig 
(eigentlich „rollend“, wie ja das Glück auf einem Rade 
oder einer Kugel ftehend gedacht wird) ift das Glüd, 
ihm zu trauen“; vgl. Fms. 1,104. 


(1) = Sn. E. 121,13 f.; Pr. v. Ghv., 8 4-6]. — 2) vgl. Sn. E- 
121,15 f. — 3) = Sn. E. 121,16. — 4) = Sn. E. 181,14 f. 


211 


Königs Zureden und alle8 dad, was [&ünftiges] 
dabei war *), ſkam es, daß] | died (diefe Heirath) da 
befchloffen ward; und begab Svanhild fi da zum 
Schiffe mit anfehnlichem Gefolge !, und jaß auf dem ‘ 
Hinterdeck **) bei des Königs Sohne. | Da ſprach 
Bilde zu Randve: „Recht wäre e8, daß ihr fo 
Ihöne Fran hättet, und nicht ein fo alter Mann.“ 2 
Dem gefiel daS wohl im Herzen 2: und er ſprach 
zu ihr mit Freundlichkeit, "und jedes zum andern. 
Sie famen heim ind Land | und begaben fich zum 
Rönige. 

| Bide ſprach: „ES ziemt [dir], Herr, zu willen, 
was im Schwange ift, wenn ed auch fchwer iſt, 
es zu offenbaren; das aber gilt von dem Verrathe, 
daß dein Sohn Spanhild’3 volle Liebe genoffen 
bat, 184) und fie ift feine Geliebte: laß folches 
nicht ungejtraft.” ***) + Manchen falfhen Rath 


*) Wörtlich: „Was ſGünſtiges, Verlocdendes] daran lag“, 
nämlich daB die Partie jo ſehr gut fchien. 
**) Bol. oben S. 61 **; unten Ragnarsſ. Kap. 5. 
x**5) Die urjprünglichere Bedeutung von ühegnt ift „ungehin- 
dert“, aus der ſich die obige erjt herleitet. 
1) al. Sn. E. 181,17 f. — 2) = Sn. E. 131,18-20; Pr. dv. Ghv., 
3.6 f. — 3) = Sn. E. 121,30 f.; in Profa vor Ghv. 8. 7 ift an 
"diefer Stelle ‘eine Tleine Lücke. — 4) Ganz kurz wiedergegeben in 
Sn. E. 121,215 Proſa vor Ghv. 8. 7 f.; vgl. Saro, ©. 413,16 f. 
14* 





212 





hatte er zuvor gegeben *), wenn auch Dies der 
ſchlimmſte war **) unter feinen argen Rathſchlägen. 
Der König folgte feinen vielen böfen Rathichlägen. | 
Er jprad — und konnte ſich vor Zorn nicht mäßi- 
gen — , daß man Randve ergreifen und an den 
Galgen Tnüpfen follte * Und als der zum Galgen 
geführt war, da nahm er ‚einen Habicht, und rupfte 
ihm alle Federn ab und fagte, daß man denselben feinem 
Vater zeigen follte. 2? Und ald der König [ihn] fah, 
ſprach er: „Da kann man nun ſehen, daß ich ihm 
fo aller Ehren bar ***) fcheine, wie der Habicht der 
Federn,“ 3 und gebot ihn vom Galgen herabzımehmen. * 
DBide [aber] hatte unterdejjen Arglift dabei gebraucht, 
und er war [fchon] todt. ® 


*) Wie das in Thidr. s. Kap. 249 ff. erzählt ift. 

x**) Wörtlich: „den Vorrang behauptete”. Nach diefer Pa⸗ 
rallelftelle wird man doch oben ©. 55 * meine Ueber⸗ 
jegung und Erflärung aufgeben und dagegen dort 
überfegen müfjen: „wenn es auch Diesmal das ſchlimmſte 
gewejen, am ſchlimmſten ergangen war“ (mit ihrem 
Unterliegen), nämlich bei der Bevorzugung Sigmund’3 
vor Lunge durch Hiordi2. 

*x*) Genauer: „Des Anſehens beraubt”, weil kinderlos. 

1) = Sn. E. 121,23 (vgl. Pr. v. Ghv. 3. 8; Saro, ©. 413,22 ff.). — 
2) = Sn. E. 121,28 f.; vgl. Saro, S. 414,13—16. — 3) = Gare, 
S. 414,16 f. 17 fe; vgl. Sn. E. 191,85—122,2: — 4) = ©aro, 


S. 414, 17 f. — 5) vgl. Saro, ©. 413,25 ff- — 6) vgl. Sn. E. 121, 
(bei Saro, S. 414,20 wird der Sohn wirklich befreit). 


213 


Fürder ſprach Bilde: „Auf niemand ‘haft du 
böfer zu fein als auf Svanhild: laß fie fterben mit 
Schmach.“ 1 Der König antwortete: „Den Rath 
will ich annehmen.” 2? Darnach ward fie gebunden 
im Burgthore, und Roffe auf fie zugetrieben ?; aber 
als fie die Augen auffhlug, da magten die Roſſe 
nit fie zu treten. *)* Und als Bide das jah, 
fagte er, daß man ihr einen Sad über den Kopf 
ziehen follte.®° So geſchah es, und da ließ fie ihr 
Leben. 6 2 


Einundvierzigftes Kapitel. — 


Nun vernahm Gudrun den Tod Spanhild’s 
und ſprach zu ihren Söhnen?!: „Wie jiget ihr fo 
ruhig und redet Scherzworte, da doch ***) König 


*) Wegen ihrer durchdringenden Augen, j. oben ©. 208 ***; 
vgl. aud) S. 167°”, wo Aehnliches bei Sigurd's Tode 
berichtet wird, 

**) Ueberſchrift: „Gudrun treibt ihre Söhne an, Spanhild 
zu rächen“. 

**5) Sigentlich „da imo“. 

1) = Saro, ©. 418, 80.f. — 2) = Ebd. 8.82. — 3) = Ebd. 414,3 f. 
4) = Ebd. 3. 4-6. — 5) vgl. ebd. 3.9 ff. (ähnlich, aber ab⸗ 
weichend). — 6) = Ebd. 8. 11 ff. — Zu 3) bis 6) vgl. die kürzere 
und abweichende Darftellung in Sn. E. 122,26; noch kürzer an⸗ 


gedeutet in Brofa vor Ghv. 3.8 f. — 7) = Brofa vor Ghv. 8.9; 
Sn. E. 122,6 f. — Nach Saro 414,90 ff. Hätte Bicke ſelbſt e8 gemeldet. 








214 


Jormunrek eure Schweſter tödten und unter Roß— 
hufen zertreten ließ *) ! mit großer Schmach. Und 
keineswegs habt ihr gleiche Sinnesart wie Gunnar 
und Hogne: die würden ihre Blutöfreundin rächen.“ ? 
Hamdi antwortete: „Wenig lobteft du Gunnar oder 
Hogne, als fie Sigurd erjchlugen, und du von feinem 
Blute geröthet warjt.®_ Und übel ||185) war deine 
Bruderrache, als du beine Söhne **) tödteteſt: 
befjer hätten wir alle zufammen König Jormunrek 
erſchlagen können.“ Doch werden wir deine Bor: 
würfe ***) nicht ertragen +), fo jehr wie wir [von 
dir] aufgereizt find.“ °_ Sröhlih FF) ging Gudrun ® 
und gab ihnen zu trinken aus großen -Bechern. ? 
Und darauf gab FF) fie ihnen große und tüchtige 
Panzer und andere Waffenrüftung ® Da ſprach 





*) Eigentlich: „Zödtete und ... zertrat“. 
**) Gudrun's Söhne, die fie mit Atle Hatte, j. oben ©. 203*. 
*#%) Eigentlich: „abiprechenden, ſchmähenden Worte“. 
+) Ihnen nicht wideritehn. 
-rr) Wörtlich „lachend“, vor Freude über die Zufage. 
yrr) Wörtlid) „wählte“, vgl. oben ©. 171**. 
1) = Ghv. 2,1—8; Hmd. 3,1—4. — 2) = Ghv. 3,1—8 (Hmd. 4,1f.). 
— Zu 2137— 2141 vgl. die kurze Wiedergabe Sn. E. 122,6 f. — 
8) = Ghv. 4; Hmd. 6,1—6. 7,14; oben 1483, — 4) = Ghv. 5; 
vgl. Hmd. 8. — 5) vgl. Ahr. 6. — 6) = Ghv. 71 f. — 7) Nach 
Bugge Mißverſtändniß von Ghv. 7,3 f. (sumbi flatt 'kumbl ge- 


lefen). —-8) = Ebd. 7,5 f. (oder 7,3—6?). — Bu 5) biß 8) vgl. 
Sn. E. 133,7 f. 


215 


Hamdi: „Hier werden wir zum lebtenmale und tren- 
nen”*), und du wirft die Kunde **) vernehmen, und 
wirht Dann unfer beider und Spanhild’3 ZTodtenfeier 
begehn.“ ***) 1 Darauf machten fie fi) auf den Weg. 

Gudrun aber ging in ihre Kammer harm⸗ 
erfüllt ? und ſprach: „Drei Männern war ich ver- 
mählt: zuerit Sigurd dem Yafnistödter: der ward 
verrathen, und das war mir der größte Kummer. 3 
Eodann ward ich dem König Atle gegeben: aber fo er- 
bittert war mein Herz gegen ihn, daß ich im Harme 
unfere Söhne erſchlug.“ Darauf ging ich in Die 
See, allein fie trug mi auf Wogen and Land 5, 
und ward ich da diefem Könige vermählt. © Darnad) 
gab ich Spanhild in die Ehe aus den Lande weg 
mit großem Gute, und da3 iſt mir der fchmerzlichite 
Kummer nad Sigurd’ Tode, daß fie unter Roß- 
hufen zertreten ward.” Doch das erbittert mich am 
meiften, daß Gunnar in. einen Schlangenhof gefeßt 
ward ®, das aber iſt das härtejte, daß Hogne das 
Herz außgefchnitten ward.” Und beffer wäre es, 


H D. h. „auf ewig Abfchieb nehmen“. 
**) Nämlich: von unjerm Tode, 

***) Eigentlich: „Erbgelage halten“, |. oben ©. 51*. 

1) = Ghrv. 8; vgl. Hmd. 10,5—8. — 2) = Ghyv. 9,14. — 83) vgl. 
ebd. 10,1—11,2. — 4) dgl. ebd. 11,3—12,6. — 5) = Ebd. 18,1. 
5-7; vgl. Big. sk. 68. — 6) = Ebd. 14,14. — 7) = Ebd. 165 
vgl. Big. ak. 68,464,8. — 8) = Ebd. 17. — 9) = Ohr. 18,1—4. 


216 


wenn Sigurd mir entgegen käme, ımb ich mit ihm 
führe. *)ı Hier ift nım fein Sohn noch Tochter 
zurücgeblieben, mid) zu tröften.? Gedenfe num, 
Sigurd, an dad, was wir redeten, da wir Ein 
Bette beitiegen **), daß du mich bejuchen wollteſt 
und von Hel ***) her erwarten.“ 3 Und damit endete 
ihre Wehklage. 


*) D. 5. auf dem Todtenroß mid) mit fi nähme (vgl. 
die Quelle unferer Stelle, Ghv. 19,1 ff). Ebenſo kehrt 
der todte Helge in der Nacht auf fahlem Zodtenrofje 
durch die Luft zur Erde zurüd, um bei der troftlojen 
Gattin (Sigrun) im Hügel zu weilen. Bor Morgen 
muß er wieder fort; Sigrun aber vergeht vor Gram 
(H. Hund. II, 39 ff). Dies find Anfänge der Leno- 


renjage. 
**) Der Ausdruck kehrt mehrfach in der Saga wieder, ſ. 
oben ©. 151’. 1662. ) 


**x) Diez ift ungenaue Wiedergabe von Ghv. 20,5—8, bie 
unfer Verf. wohl falſch auffaßte. Dort heißt es, daß 
beide verabredet haben, Sigurd wolle von Hel aus 
Gudrun, Gudrun aber ihn von der Welt aus bejuchen. 
Dort aljo wird Sigurd von Hel (wie Helge von Wal- 
Hall) auf die Erde zurückehrend gedacht. Vgl. die vorige 
Anm.* und überhaupt oben ©. 71”. 


1) Bgl. ebd. 19,14. — 2) = Ebd. 19,58. — 3) = Ebd. 20, doch 
vgl. oben Anm, **%. 


217 


Bweiundvierzigfteß Kapitel. *) 


Es ift nun von den Söhnen Gudrun's zu 
jagen, daß 186) fie ihnen die Rüftungen fo ein 
gerichtet **) Hatte, daß fein Eiſen fie verlegte 15 doch 
hatte‘ fie fte gebeten, den Steinen Teinen Schaden 
anzuthun ***) noch andern großen Dingen, und fagte, 
daß es ihnen zum Verderben gereichen würde, wenn 
ſie nicht alſo thäten. 

Und als fie ſich auf den Weg gemacht hatten, 
trafen fie ihren Bruder Erpt) und fragten, was er 


*) Ueberſchrift: „Von Gudrun's Söhnen“, 

**) Durch Zauberkünſte (Zauberlieder); ſo konnten auch 
Schwerter durch Beiprechen. ſtumpf gemacht werden, 
vgl. Sigdr. 274—6 u. ſ. w. 

*2*8) Sie zu verunteinigen, entweihen; ſ. unten ©.. 219 *. 

+) D. h. „der Braunhaarige“. Er ift Stiefbruder Hamdi's 
und Sorle's, von anderer Mutter. So unjere Quellen. 
Doc blickt vielleicht nod) eine ältere Sagenfafjung durd). 
Den Grund nämlich), weshalb fie ihn erfchlugen (der 
nad) Hmd. 15 ein anderer ift), giebt Sn. E. 122,17 ff. 
alfo an: „Sie waren jo aufgebracht über ihre Mutter, 
weil fie fie mit Schmähmorten auf den Weg gebracht Hatte, 
daß fie ihr das anthun wollten, was ihr am ſchlimmſten 
fcheinen würde, und erjchlugen Erp, weil fie ihn am 


1) = Sn. E. 129,9 (Hmd. 25,6—8. 11,2, vgl. 3. f. d. Phil. 1,399) ; 
vgl. Saxo, S. 414,32 ff., befonder8 415,7. 





* 


218 


ihnen belfen würde! Er antwortete: „Solde 
wie eine Hand der andern *) oder ein Zuß dem 
andern.” ? Das däuchte ihnen |jo gut wie] nichts?, 
und erjchlugen ihn. * 

Nun zogen fie ihres Weges, und les währte] 
nicht lange, bis Hamdi ftrauchelte, und ftredte die 
Hand [vor fi] nieder **); da fprah er: „En 
wird wahr gejagt haben. Ich würde nun fallen, wenn 
ih mich nicht auf die Hand ftüßte.“ $ Bald darauf 
jtrauchelte Sorle, ftüßte ji) aber auf einen Zuß***) und 
fonnte fich aufrecht Halten, und ſprach: „Fallen würde 
ih, wenn ich mich nicht auf beide Füße ſtützte“ 
Sie fagten fih nun, daß fie übel gethan hätten an 
Erp, ihrem Bruder. ® 

Sie fuhren nun, bis fie zu König Jormunrek 


meiften liebte.” War alſo urfprünglih Erp ihr eigener 
Sohn, die beiden andern aber ihre Stiefföhne? gl. 
Simrod, Die Edda®, ©. 461; Meyer, Die Dietrich: 
lage, ©. 31. 
*) Nach dem Folgenden follte man erwarten: die Hand 
dem Fuße (= Sn. E. 122,15 ff.). 
**) Um fich darauf zu ftüßen. 
***) Das muß bräst & fötinn bedeuten. 
1) = Sn. E. 192,13 f.; Hmd. 18. — 2) vgl. Hmd. 14,14; Sn. E 
182,15 fe — 3) = Sn. E. 132,16 f.; vgl. Hmd. 14,58. — 4) = 


Sn. E. 123,19; vgl. Hmd. 16. — 5) = Sn. E. 133,20-83. — 
6) vgl.‘ Sn. E. 122,28. 





219 





famen, und gingen vor ihn, und überfielen ihn jo- 
glei. Hamdi hieb ihm beide Hände ab, Sorle 
aber beide Füßee! Da ſprach Hamdi: „Ab würde 
nun das Haupt ein, wenn Erp lebte, unfer Bruder, 
den wir auf dem Wege erjchlugen ?: zu ſpät jahen 
wir das ein;“ wie ed im Liede beißt: 
Ab wäre dad Haupt nun, 
‚Wenn Erp lebte, 


Unfer ftreitfühner Bruder, 
Den wir auf der Straße erjchlugen. ° ’ 


Darin hatten fie dad Gebot ihrer Mutter außer 
Acht gelaffen, daß fie Steine bejchädigt *) Hatten. 

| Nun drangen die Männer auf fie ein, fie aber 
wehrten fich wohl 187) und mannhaft und füg- 
ten mandem Manne Schaden zu; fie [jelbit] verlegte 
fein Ein? Da kam ein Mann, hhochgewachſen] 
und. alt, mit Einem Auge **) 8, und ſprach: „Nicht 


*) Die Steine der Straße hatten fie befchädigt, bejudelt 


(f. oben S. 217***) mit dem Blute des Bruders (f. 2. 


f. d. Phil. 7,383). 
**) Es iſt wieder Odin (vgl. oben ©. 15*. 53*. 57*. 66*. 
[79**}, 83%. Wie er Sinfjotle ald Todtenfährmann zu 
1) = Sn. E. 122,22—24; vgl. Hmd. 24; Saro, ©. 415,9 f. — 2) = 
Sn. E. 122,25 f. (nad der bier folgenden Halbftropbe). — 3) Hmd. 
37,1-4. — 4) = Sn. E. 122,26 f.; vgl. Hmd. 23 (bei Saxo find 
Jormunrek's Goten dur Gudrun’s Bauber geblendet und Tämpfen 

gegen einander). — 5) val. Saro, ©. 415,4. 


220 


gleicht ihr Mugen Leuten*), da ihr die Männer da nidt 


zu Tode zu bringen wißt.“ Der König erwiderte: „Gieb 
und Rath dazu, wenn du (welchen) weißt.“ Jener 
ſprach: „Ihr jollt fie mit Steinen zu Tode werfen.“ 
So geſchah es auch !: da flogen von allen Seiten 


Steine auf fie, und das brachte ihnen den Tod. ? 


fi nahm, wie er Sigmund nad) vollbrachter Helden: 
laufbahn das Schlachtenglüd wandte und ihn zu ih 
entbot, jo rief er auch Hier die lebten Verwandten der 
Bolfunge zu fi, indem er felber durch feinen Kath 
ihren Tod herbeiführt. Auch bei Saxo ift eg Odin, der 
biefen Rath giebt, in Sn. E. (nad) der Ragnarsdrapa?) 
und wahrfcheinlich in Hımd. (f. 8. f. d. Phil. 7,383 f.) 
aber Jormunrek ſelbſt. Ich glaube, dab letzteres dad 
Urfprünglichere ift, weil es fo fich erklärt, weshalb der 
Tod Erp’3, der das Haupt hätte abſchlagen follen, den 
Brüdern zum Verderben gereichte: fo konnte Kormunrel 
noch ſprechen und den Rath ertheilen (vgl. Hmd. 26?). 
*) Wörtlich: „Nicht feid ihr weile Männer“. 


1) = Saro, ©. 415,6—8; Sn. E. 133,1 f. (bier Jormunrel, nicht 


Odin); Hmd. 25. — 2) vgl. Hınd. 30; Sn. E. 123,2. 








Bagnar-Lodbroks-Bagn. *) 


Uebergangskapitel. —— 


Heimi in Hlymdal**) vernahm dieſe Kunde, 
daß Sigurd und Brynhild todt wären; Aslaug aber, 


*) Die Hoſchr. Hat Hier die Ueberſchrift: Saga Ragnars 
Lodhbrökar. Der Name Lodhbrök („zottige Hofe“, 
„mit einer Fellhoſe“) — urſprünglich auf die Kleidung 

bezüglich, und'zwar ein Frauenname — ift zum ehren- 
den und ftändigen Beinamen de3 König Ragnar ge- 
worden. (Wie er zu dem Beinamen kam, f. Guftav 
Storm, Ragnar Lodbrok, Kriftiania 1877, ©. 67 ff.) 

*#) S. oben ©. 128*. 

*=*) In den Ausgaben und Veberjeßungen wird dies Kapitel 
allgemein zur Boljungafaga gezogen, bei Bugge als 
Kap. 43. Indeſſen gehört es inhaltlic) mehr zur Rag⸗ 
narsfaga, zu welcher ich es ziehe, injofern e8 die Jugend⸗ 
geihichte Aslaug's berichtet, der fpäteren Gattin Rag⸗ 
nar’3 — die erſt vom Verf. unferer Saga zur Tochter 
Sigurd’3 und der Brynhild gemacht ift (ſ. ob. S. 134**) — 
mit der Bolfungafaga aljo eigentlich nichts zu thun 


222 





ihre Tochter, Heimi's Pflegekind *), war damals 
drei Winter alt. Er wußte nun, daß man nad) [ihr] 
forfchen würde, da8 Mägdlein und ihr Geſchlecht zu 
vertilgen. Er hatte jo große Trauer um Brynhild, 
jeine Pflegetochter, daß er nicht feines Reiches achtete 
noch feines Gutes. Er erkannte nun, daß er das 
Mägdlein dort nicht verbergen könnte; da ließ er 
eine Harfe machen, jo groß, daß er das Mägpdlein 
Aslaug hinein that nebſt manchen Kleinoden von 
Gold und Silber, und ging dann hinweg, weit durd 
die Lande, und [fam] endlich hierher in die Nordlande. 
So künſtlich war feine Harfe gemacht, daß man fie 
außeinander nehmen und zujfammenfügen **) Konnte; 
und er pflegte tags, wenn er in der Nähe von 
Wafferläufen dahinzog 188) und nirgend ein Gehöft 
in der Nähe war, die Harfe auseinander zu nehmen 
und dad Mägdlein zu wachen. Er hatte nır Wein 
land, und gab ihr [den] zu eſſen. Das aber 
ift die Eigenſchaft dieſes Lauchs, daß man lange 


bat. Am richtigften ftellt man es alſo als „Ueber: 
gangsfapitel“ vor den Anfang der eigentlichen Ragnars⸗ 
faga; f. übrigens die Einl. und Beitr. 3,201 ff. Denſelben 
Gegenstand behandelt die nad unferer Saga gebichtete 
färdifche Gestsrima. 

*) S. oben ©. 134, 8. 4 f. 

*=) Wörtlich: „Nach den Fugen zuſammenſetzen“. 


223 


leben Tann, wenn man auch feine andre Nahrung 
bat. Und wenn dad Mägdlein meinte, jchlug er die 
Harfe, und verftummte fie dann; denn Heimi war 
ſehr fertig in den Künſten, die damals gebräuchlich 
waren. Er hatte auch viel Töftliche Kleider bei ihr 
in der Harfe und viel Gold. 

Und fo zog er, bis daß er nad) Norwegen ge- 
langte und zu einem kleinen Gehöfte kam, das 
Spangareid *) heißt: da wohnte ein alter Mann, 
der Ale hieß; er Hatte ein Weib, die hieß Grima; 
e3 waren nicht mehr Leute dort als fie. An diefem 
Tage war der Alte in den Wald gegangen, aber die 
Alte war daheim. Sie begrüßte Heimi und fragte, 
was für ein Mann ef wäre Er antwortete, er 
wäre ein Bettler, und bat die Alte un Aufnahme. 
Sie jagte, daß nicht fo viele dahin kämen, daß fie 
ihn nicht wohl aufnehmen wollte**), wenn er es 
nöthig zu haben glaubte, dort zu bleiben. Nach 


*) Eigentlich: „zu Spangareid“ (Höfchr. & Spangarheidhi). 
Spangereid Heißt jebt die Landzunge, die dad Vor— 
gebirge Lindesnäs (im Südweſten Norwegens) mit dem 
Feitlande verbindet. Ueber dieſe Lofalifirung der Sage 
wird unten in einer Anmerkung zum vierten Kapitel 
gehandelt. 

**) Senauer: „nicht mehr als fo, daß fie erklärte, fie wollte 
ihn wohl aufnehmen”. 


224 


Verlauf einiger Zeit uber fagte er, ihm würde 
damit der größte Dienft erwieſen, daß ein Feuer 
vor ihm angezündet ımd er jodann zu dem Schlaf- 
gemache *) geleitet würde, mo er jcdhlafen follte. 
Und als das Weib da3 Feuer angezündet Hätte, 
feßte er die Harfe auf den Sit neben fi; daß 
Weib aber war fehr redjelig; oft fielen ihre Blicke 
auf die Harfe, dieweil die Franſen von einem köſt⸗ 
lihen Seide aus der Harfe hervorgudten. Und als 
er (Heimi) ih am Feuer wärmte *), fah fie einen 
foftbaren |189) Goldring unter feinen Lumpen her 
borfchauen ; denn er war fchlecht gekleidet. Und als 
er fih gemwärmt Hatte, wie er darnach Bedürfniß 
fühlte, da hielt er jein Nadjtmahl. Darauf aber bat 
er die Alte, ihn dahin zu geleiten, wo er die Nacht 
ſchlafen follte. Da fagte daS Weib, dab e3 für ihn 
draußen befjer jein würde, als drinnen: „denn wir 
beide, mein Alter und id, haben oft [noch] zu 
ſchwatzen, wenn er heim kömmt.“ Cr ließ ihr den 
Willen und ging hinaus, und fie desgleichen; er 


*) Eigentlid) „Schlafhaus”; oft diente nämlich) ein befon- 
dered Gebäude als Schlafraum; ſ. Weinhold, Altnord. 
Leben, ©. 226. 

**) hakadhist. Sold) Erwärmen und Reiben des Körpers 
an offenem Feuer war (an Stelle eined Bades) vor dem 
Schlafengehn beliebt; f. C.-V. 50*. 


225 


nahm die Harfe und trug fie mit ſich. Das Weib 
ging hinaus und begab ſich zu einer Kornfdyeune *), 
und geleitete ihn dahin. Sie fagte, er follte ich dort 
einrichten, und äußerte, ſie wähne, daß er dort ruhig 
ſchlafen **) werde. Und ging nun die Alte hinweg 
und bejorgte ihre Obliegenheiten; er aber legte fich 
ſchlafen. 

Der Alte kam heim, als der Abend zu Ende 
ging. Die Alte Hatte [erft] wenig von ihren Obliegen⸗ 
heiten bejehidt; er aber war müde, als er heimlam, . 
und ſchlecht zu fprechen, weil Alles ungethban war, 
was fie hätte beforgen ſollen. Der Alte fagte, ſehr 
ungleich ſei da8 Glück [unter fie] vertheilt ***), da 
er jeden Tag mehr arbeitete, als er vermöchte, fie 
aber wollte bei nicht? Hand anlegen, was Nutzen 
brächte. „Sei nicht böfe, mein Alter (fagte fie), denn 
e3 Tann fein, daß du nun in kurzer Zeit folches er- 
reichen könnteſt, daß wir beide all unſere Lebtage 
glüdlich wären“ „Was iſt das?“ fragte der Mann. 
Das Weib antwortete: „Hier ilt bei und zur Her— 
berge }) ein Mann gelommen, und glaube id, daß 


*) Wörtlich: „dahin, wo eine Kornjcheune war”. 
*) MWörtlich: „feines Schlafes genießen“. 
***) Wörtlich: „groß fei der Unterfchied des Glückes“. 
+) Eigentlih: „zu unferer Herberge‘. 
15 





226 





er über fehr großes Gut verfügt.*) Er ift [chen] 
in höherem Alter, nıuß aber ein gar gewaltiger Held 
geweſen fein; doch ift er jeßt fehr müde. Nicht 
nıeine ich 190) jeinesgleichen gefehen zu haben; doch 
halte ich ihn jest für ermüdet und ſchläfrig.“ Da 
fagte der Alte: „Es ſcheint mir unräthlich, gegen 
die Wenigen treulod zu fein, die hierher kommen.“ 
[Sie antwortete :] „Dann wirſt du lange armjelig 
[bleiben], wenn **) alle dir zu gefahrvoll fcheint! ***) 
Wähle nun: entweder du erjchlägft ihn, oder ich }) 
nehme ihn zu meinem Manne, und wir beide werden 
dich fortjagen. Auch Tann ich dir dag mittheilen, was 
er zu mir fprach gejtern Abend — aber wenig er- 
heblih wird es dich dünken —: er ſprach ver: 
liebt FF) zu mir, und ich werde mich entſchließen, 
ihn zu meinem Manne zu nehmen, dic) aber weg— 


*) Genauer: „darüber zu fchalter Hat“. 
x*x*) Wörtlich: „dadurch . . ., daß“. 

***) Wörtlich: „im Auge wächſt“. Es wächſt einem etwas 
im Auge (if augu) oder vor Augen (fyrir augum) be⸗ 
deutet: es erjcheint einem etwas größer (gefährlicher), 
ala es it, und flöht ihm daher Furcht ein. 

7) Wörtlich: „Thu — — von beiden, u du ihn er⸗ 
ſchlägſt, oder ich . 
rr) Eigentli: „wie ein — Galan“. 


227 





zujagen oder zu erjchlagen, wenn bu nicht fo *) 
thun willſt, wie ich will.“ Es wird nun berichtet, 
daß bei dem Alten die Frau das Regiment führte; 
md ſie ſprach fo lange davon, bis er auf ihr An- 
jtiften feine Art nahm und fcharf ſchliff. Und als 
er fertig war, geleitete da3 Weib ihn dahin, wo 
Heimi ſchlief; und er ſchnarchte laut. **) Da ſprach 
das Weib zum Manne, daß er ihn aufs heftigfte ***) 
anfallen jollte, „und Spring [darauf] Hurtig davon, 
denn du vermagit den Lärm, den er erheben wird +), 
und feine Weherufe nicht zu ertragen FF), wenn er 
dich (mit Händen) ergreift.” Sie nahm die Harfe 
und eilte fort mit ihr. Nun ging der Mann hinzu, 
wo Heimi jchlief; er hieb nad) ihm: da8 ward eine 
ſchwere Wunde, und entglitt ihm die Art. Alsbald 
fprang er Hinmweg, jo ſchnell er vermodte. Da er- 
wachte jener von der Verwundung, und war Diele 
durchaus tödtlih Ft). Und es wird gejagt, daß 


*) Eigentlih: „demgemäh“. 
**) Wörtlich: „und war da lautes Schnarchen“. 
***) Sigentlich: „aufs beite”, d. H. mit ganzer Kraft. 
+) Wörtlich: „jeinen Lärm“. Der im Folgenden befchriebene 
Todeskampf ift gemeint. 
+7) Vgl. Ragnarsf., Kap. 7 und 11 dad vom Gebrüll der 
Kuh Sibylja Gefagte. 
++}) Genauer: „fie war völlig hinreichend“, nämlich zum Tode. 
15* 





228 


bei feinem Todeskampfe fo großes Getöſe ward, daß 
die Stüßen de Haufe entzwei gingen, und das 
ganze Haug einfiel, und eim großes Erdbeben ward. *) 
Und da endete fein Leben. ! 

Nın kam der Mann dahin, wo das Weib war, 
und fagte, daß er ihn erichlagen habe: „doch fand 
e3 eine Beit lang jo, daß ich nicht wußte, wie es 
ergehn würde: dieſer Mann war erſtaumlich ftarf; 
dennoh wähne ih, daß er mun bei Hel**) ift.“ 
Das Weib fagte, daß er Dank haben follte für die 
That: „und wähne ich, daß ||191) wir nun reich 
liches Gut haben, und wir wollen verfuchen, ob id) 
wahr gejagt habe.“ - 

Da zümdeten fie Feuer an; das Weib aber 
nahm die Harfe und wollte fie aufmachen, konnte 
da8 aber auf feine andere Weife ald, indem fie fie 
zerbracdh ***); denn fie hatte nicht Geſchicklichkeit F) 
Dazu. Sie befam alfo die Harfe aufgemadht: da 
jah fie ein Mägdlein, daß ihr däuchte, fie habe [noch] 


*) Dieſe Schilderung ift wohl nur eine ungeſchickte Nach⸗ 
ahmung des Todeskampfes der Schlange, unten ©. 237 *. 
**) S. oben ©. 71*. 
***) Wörtlich: „als: fie mußte fie zerbrehen“. 
PD». h. fie war nicht geſchickt genug. 
1) Bu den beiden leuten Abläten vgl. Gestsr. Str. S-11. 


229 


fein ſolches gefehen; doch war aud) reiche Gut in 
der Harfe. Da fprad der *) Alte: „Es wird num 
geichehn, wie oft, daß es übel gedeiht, den zu ver- 
rathen, der einem traut: ed fcheint mir, al3 ob 
ein ummündig Kind *) und in die Hände gefallen 
wäre.“ Die Alte antwortete: „Nicht ift dies’ dem 
gemäß, wie ich dachte; doch brauchen wir uns feine 
Vorwürfe darüber zu machen.“ Und nun fyagte fie, 
welche3 Stammes fie wäre. Aber das junge Müägd- 
fein antwortete nicht, als wenn fie noch nicht ſprechen 
gelernt Hätte. „Nun ergeht ed, wie ich voraußjah, 
daß unfer Anſchlag übel ablaufen würde [jagte der 
Mann]: wir haben eine große Thorheit begangen: 
wie follen wir nun für died Sind ſorgen?“ ***) 
„Da ift leicht Rath zu finden +) (ſprach Grima): fie 
fol nad meiner Mutter Krala+r) beißen.“ Da 


— — 


*) Die Hoſchr. hat Hier fälſchlich die Abkürzung fiir Ker- 
ling „die Alte“. 

**) imegdh, d. h. eine Bilflofe Perſon überhaupt, die auf 
die Unterftügung Anderer angewieſen ift. 

x*x*) Diefelbe Frage thut er gleich nachher noch einmal. Hier 
follte man (mie ſchon Bugge bemerkte) eriwarten: „Wie 
jolfen wir das Kind nennen?" 

r) Wörtlich: „Das ift leicht zu wiſſen“. 

HD. h. Krähe, ala verächtliche Bezeichnung oben ©. 42* 

befprocdhen, Hier Name einer armjeligen Frau. 





230 





ſprach der Alte: „Wie follen wir für dies Kind 
jorgen?” Die Alte ſprach: „Sch fehe dafür guten 
Rath: wir wollen fie für unfere Tochter ausgeben 
und fie aufziehen.“ „Dad wird Reiner glauben 
(fagte der Alte): viel anmuthiger ift dies Kind als 
wir, denn wir find jehr häßlich, und es wird nicht 
wahrjcheinlich*) gefunden werden, daß wir ein ſolches 
Kind Heben mögen, jo außerordentlich häßlich wie 
wir beide find.“ Da ſprach dad Weib: „Nicht 
weißt du, ob ich nicht irgendwelche Liſten dabei ge- 
brauche, [fo] daß dies nicht unglaublich dünken möchte: 
ich werde fie Zahl fcheeren lafjen und darauf Theer 
fchmieren und andere, wobei am ficherften zu er- 
warten jteht, daß am wenigften |192) Haar herbor- 
fonıme. **) Einen tief herabreichenden Hut ***) Toll 
fie haben; auch foll fie nicht gut gekleidet fein: dann 
wird größere Gleichheit zwiſchen unferm Außfehen 


— — ——— — — 


*) Genauer: „keine Wahrſcheinlichkeit dabei“. 
**) D. h. „was den Haarwuchs am ſicherſten hindert“. 


*x*) Um das Geſicht zu verdecken und fo unkenntlich zu machen, 
wie ſolches mehrfach bei Odin's Erſcheinung hervor⸗ 
gehoben wird (oben ©. 15*, 67*), desgleichen bei 
Helden in Thidr. s. (Rap. 73: I, 215 u. ö.). Bgl. 
auch unten Ragnarsſaga, Kap. 20, Abi. 2. 





231 


hergejtellt werden. *) Kann fein, daß die Leute glau- 
ben, ich jei [einmal] jehr ſchön geweſen, da ich jung 
war. Sie fol auch die niedrigfte Arbeit **) ver- 
richten.” — Es wähnten aber beide, der Mann und 
das Weib, daß fie nicht fprechen fünnte, da fie ihnen 
niemals antwortete. ! 

Nun geihah ed, wie die Alte jich vorgenommen 
Hatte, und wuchs fie (Aslaug) dort a) in großer 
Armuth. 


Erftes Kapitel. ***) 


Herraud hieß ein mächtiger und berühmter Jarl 
in Oautland F); er war bermählt und hatte eine 
Tochter Namens Thora, don Ausjehen die aller- 


*) D. h. wird der Unterfchied des Ausſehens zwilchen ung 
beiden und ihr mehr verwiſcht werden. | 
**) Eigentlich: „das, was am jchlimmiten iſt“. 
**xx) Der Inhalt der eriten beiden Kapitel iſt, verkürzt und 
. entftellt, aber in den Hauptzügen noch kenntlich, in einem 
altdäniſchen Volksliede (DGF. I, Nr. 24) behandelt. Viel 
genauer mit unferer Saga übereinftimmend ijt die Dar- 
ftellung in dem färdifchen BagnarS tättur, Str. 2—15. 
+)S. oben S. 13*. 


1) Zu dem letzten Abfak vgl. Gestar. Str. 12—14. 





232 


Ihönfte Sungfrau und gar fein in allen Dingen, 
womit man fi) befafjen *) Tann, und was befier ift 
zu haben, als zu entbehren.**) Das war ihr Bei- 
name, daß ſie Borgarhjort ***) genannt ward, weil 
fie an Schönheit ebenfo alle Frauen übertraf, wie 
der Hirſch die anderen Thiere.}) ! Der Jarl liebte 
feine Tochter ſehr Fr): er ließ ihr ein Gemach bauen, 
nicht fern von der Königöhalle, und dies Gemach 
war bon einem Zaune umgeben. Ft) Der Sarl 


*) er til handa mä bera (er til m& henda, Thidr. s.) 
kann bier ſchwerlich die gewöhnliche Bedeutung von bera 
til handa haben, jondern es werden Handarbeiten ge: 
meint fein; vgl. oben ©. 173 4-5. 

**) Wörtlich = Thidr. s. I, ©. 4 (vgl. daſ. Kap. 52: 
I, 180 f.) am Unfange, dem überhaupt der ganze Cap 
nachgebildet jcheint. — Vgl. aud) unten ©. 263*. 

*x*) D. h. „Hirih der Burg“. 

7) Vgl. oben ©. 167?, 208%. 2 

{r) = Thidr. s. 1, 4 (2. 3). 

TTr)Die8 umzäunte Gemach entjpriht dem unnabbaren 
Thurm, auf dem in der Hilden und Hugdietrichdfage 
der alte König feine Tochter eingejchloffen Hält, um fie 
vor Freiern zu hüten. Jedenfalls meinte e8 die Gage 
auch hier fo, wenn es auch nicht ausdrücklich gefagt ill. 
In der nächſtverwandten Sage von Alf und Alvilda 
(Saro, ©. 335) tritt das noch deutlich Hervor [f. d. Nach⸗ 
träge]. 

1) gl. Rsth. 345,6—11 [Sago, S. 443, 8. 5 ff.). 








233 


machte e3 ſich zur Gewohnheit, feiner Tochter jeden 
Zag etwas zur Unterhaltung zu fenden, und er ge 
lobte folche8 fortwährend zu thun. Es wird nun 
davon berichtet, daß | er ihr eined Tages einen Kleinen 
Lindwurm bringen ließ, der ausnehmend ſchön war. 
Diefer Wurm *) gefiel ihr; jie febte ihn deshalb in 
ihre Truhe **) 1 und legte Gold unter ihn. ***) Nicht 
lange war er darin, | da wuchs er mächtig, und. ebenfo 


-da8 Gold unter ihm; [und] es kam nun dahin, 


daß er [fon] nit mehr Raum in der Trube 
hatte: da lag er rund herum um die Truhe. Und 
zuletzt kam es ſoweit, daß 238) er nicht mehr Platz 
im Gemache hatte, und wuchs das Gold unter ihm 
in demſelben Maße wie der Wurm ſelbſt. Da lag 
er draußen um das Gemach herum, ſo daß Kopf 
und Schwanz ſich berührten.? Und es war gefähr- 


— 





*) orm-r, wörtlich unfer „Wurm“, ift übrigens im Nordi- 
Then die allgemeine Bezeichnung für „Schlange“. 
+ Wie in einer ſolchen Frigg die von ihr zu verleihenden 
Gaben aufbewahren läßt. 
***) Horthütende Drachen begegnen jehr häufig in unjeren 
Sagen (Simrod, Myth. $. 106,3); wir fahen oben 
©. 73? auch Fafni auf dem Golde liegen. ©. d. Nachtr. 


1) = Bath. 845,11—13; vgl. Saro 443,9—12. — 2) vgl. Rath. 345,13—15 
(viel Fürzer). 





234 


fh, ihm zu nahen *): niemand wagte, vor Diefem 
Wurme zum Gemache zu kommen ** außer dem 
Einen, der ihm zu freffen brachte; er bedurfte aber 
eined [ganzen] Ochjen zur Mahlzeit. ı 

Der Jarl fand darin großen Schaden, und 
that ein Gelübde, er wolle dem Manne, wer er auch 
immer jei, jeine Tochter geben, der den Wurm todt 
fchlüge ?; und das Gold, fo unter ihm läge, follte 
ihre Mitgift fein. Diefe Runde vernahm man weit 
durch die Lande, dennoch erfühnte fich feiner, den 
großen Wurm zu bezwingen. 


— 


*) Eigentlich: „er ward böfe im Verkehr“, „es ward jchlecht 
mit ihm verkehren“. - So wachſen auch im Ortnit 
(Str. 515 ff.) die jungen Drachen ſchnell zu gefährlichen 
Ungethümen heran, die ebenfall® der Vater der Tochter, 
beziv. dem Tochfermann jchenkt, welch letzterer ebenfalls 
mit ihnen kämpfen muß. 

**) Hier haben wir aljo jene andere Sagengeftalt, in der 
die Jungfrau von einem Drachen gefangen gehalten 
wird, mit der ©. 232 FF7 beiprochenen verjchmolzen. Eine 
entfprechente Berjchmelzung zeigte wohl auch die älteſte 
Hartungenjage, indem Ortnit's Schwiegervater, der über 
Würmer verfügt, urfprünglich feine Tochter vielleicht 
durch einen folcden bewachen ließ. In der Gage von 
Alf (f. oben S. 232 FF}) jendet der Vater der eingejchloj- 


1) = Rath. 845,15—18; vgl. Saro 448,198—14. — 2) vgl. Rsth. 345, 
18—21; Saro 443,15. — 3) — Rath. 345,21—346,25 Saro 443,15 f. 


235 


Zweites Kapitel. ' 


. 
Bu der Zeit herrichte über Dänemark Sigurd 
Hring*); er war ein mädtiger König und be- 
rühmt dur die Schladt, in der er gegen Ha⸗ 
rald Hildetann auf Bravall **) kämpfte und Ga- 
rald vor ihm fiel, wie fund geworden ift über Die 
ganze Nordhälfte der Welt. ***) z 
| Sigurd hatte einen Sohn, der Ragnar hieh ?; 
derſelbe war groß von Wuchs, ſchön von Ausfehen 
und mit gehörigem Berftande begabt; dabei freigiebig 
gegen feine Mannen, aber grimmig gegen feine Feinde. 
Sobald er dad Alter dazu hatte, verjchaffte er ſich 
Gefolge und Kriegsſchiffe und ward der gemaltigfte 
Kriegdmann +), fo daß es Taum feinesgleichen gab. 
|Er vernahm davon, was der Jarl Herraud gelobt 
hatte ?, gab [aber] darauf feine Acht und that, als 
ob er ed nicht wüßte. | Er ließ jich [aber] Kleider von 
jenen Tochter Schlangen, damit diefe die Lieb- 
haber abhalten follen. 
*) S. Nornageftsfaga, Kap. 6, Anfang. 
**) Bol. oben ©. 471. 
***) Bol. oben ©. 64°. 
+) Vgl. oben ©. 6°. 


1) Zu diefem Kapitel vgl. Ragn. t. Str. 22—40. 5051. — 2) vgl. 
Saro 440,9 (Rsth. 345,1). — 3) = Reth. 346,8 f.; Saro 443,19. 





236 


wunderlisher Art machen, nämlich Fellhofen *) und 
einen Yellmantel, und |239) als fie fertig waren, ließ 
er jie in Pech fieden; darauf härtete er fie. ! 

Es gefchah eined Sommers, daß | er mit feinem 
Heere gen Gautland fuhr, und legte fein Schiff in 
eine verſteckte Bucht, nicht weit davon, wo der Jarl 
herrichte.2 Und als Ragnar dort eine Nacht ver: 
weilt hatte, "ward er am folgenden Morgen früh 
wad, fand auf, nahm die vorgedachte Rüſtung, 
legte fie an **) und nahm einen großen Spieß in 
jeine Hand; und ging allein von dem Schiffe? da- 
bin wo Sand ***) war, und wälzte ſich im Sande.* 
Ehe er aber fortging, zog er die Speer⸗Nägel }) aud 
feinen Spieße; dann | fchritt er allein vom Schiffe 


*) Bon diejer Kleidung bekam Ragnar der Sage nad) den 
Beinamen Lod-brok, d. h. Fellhoie (Saro 444,14 fi). 
Wie er wirklich zu dem Beinamen kam, ſ. oben ©. 221*: 
G. Storm, Ragnar Lodbrok, ©. 57 ff. 

**) Auch Alf (f. oben S.232++7) hüllt fi) vor dem Dru- 
chenkampf in eine (blutige) Thierhaut, Saro ©. 335. 
*xx) Sandiger Strand ijt gemeint. 

T) Die Nägel, welche die eiferne Spike am Schafte feit: 
halten, fo daß die Spike nachher vom Schafte Toßgeht. 
Ragnar's Zweck dabei wird ©. 240 ff. erſichtlich. 

1) ®gl. Rath. 346,68; Saro 448,19 ff. — 2) val. Rath. 346,46 


(Saro 443,23). — 3) = Ebd. 346,6. 8—10 (vgl. Saro 444.1). 
4) ugl. ebd. 346,8 (Garo 443,24 f.). 





237 





auf dad Thor der Burg des Jarls zu, und kam fo 
früh am Tage dahin, daß alle Leute [noch] im Schlafe 
lagen. Da wandte er fi) zu dem Gemache [Thora’3] !, 
und al3 er an den Pjahlzaun fam, wo der Wurm 
lag, ſtach er fogleich mit feinem Spieß nad ihm 
und riß denjelben dann [wieder] an fih. Und zum 
zweiten Mal führte er einen Stoß, der traf den 
Rüden de Wurms. Der wand fid) dabei jo heftig, 
daß die Spike vom Schafte losging; und jo großes 
Getöſe entitand bei feinem Todesfampfe, daß das 
ganze Gemach erbebte. *) Ragnar wandte fi dann 
weg: da traf ihn ein Blutftrahl zwifchen den Schultern, 
jedoch fehadete es ihm nicht: fo ſchützten ihn die 
leider, die er ſich hatte machen laſſen.? 

Aber die in dem Gemache waren, erwachten von 
dem Lärm und gingen heraus au dem Gemache. Da 
ſah Thora ? einen großen Mann vom Gemache fort: 
gehn und fragte ihn nach) dem Namen, ımd zu men - 
er wolle. 

Er ftand till und ſprach**) diefe Strophe : 240) 








*) Vgl. oben ©. 228*, 
**) Bon eigentlihen Gejange kann bei der altnordijchen 
Dichtung und peciell den filbenzählenden ſtaldiſchen 


1) gl. Rsth. 3146,9—11: kürzer; Saro 444,1. — 2) vgl. die fürzere und 
abmweidyende Schilderung des Kampfes in Reth. 346,11—16. — 
3) vgl. Saro 444,6 f. 





238 


„Ih wagt’ um Lob mein Leben, 1. 
Roſige, ſchöne Jungfrau, 
Schlug den Fiſch des Feldes *), 
Funfzehn Winter zählend. 
Tod wird fchnell mid) treffen, 
Dringt nicht tief zum Herzen 
Meines Speeres Spibe 
Dem Ringellachs der Haide.“ **) 


Da ging er hinweg und ſprach nicht mehr zu 
ihr. Und blieb die Spitze in der Wunde zurücd, den 
Schaft aber nahm er mit ſich. 

AB fie nun diefe Strophe gehört hatte, veritand 
fie, was er ihr von feinem Vorhaben jagte, des⸗ 
gleichen, wie alt er war; und bedachte nun bei ſich, 
wer er fein möchte: fie war ſich aber nicht gewiß, 
ob er ein Menſch wäre oder nicht, Ddieweil ihr fein 


Berjen, mit denen wir es bier zu thun Haben, nicht die 
Rede fein. Bei der Meberjegung habe ich mich nicht 
jtreng an die Sechsſilbigkeit gebunden. 

*, D. h. die Schlange, den Wurm. 

**) Haidelachs — Schlange, die im Kreife liegt wie ein 
Ring, f. oben ©. 233%, Obiges ijt die freie Ueberſetzung 
nach Egilsſon's Erklärung. Yolgende Ueberjegung wäre 
vielleicht richtiger: „Unheil droht mir, fchneidet | Tod 
nit, den ich rieth, dem | Wurm ind Herz verderblich, 
Der auf Gold im Kreis Liegt (7)“. Vgl. hierzu d. Nachtr. 


239 


Wuchs fo groß vorkam, wie die Unholde*) ge- 
ſchildert werden in dem Alter, welches er hatte. Und 
begab fich wieder in das Gemach und fchlief ein. 
AS nun die Leute am Morgen hinaus Tamen, 
wurden fie gewahr, daß der Wurm todt war; und 
ivar er mit einem großen Spieße erſtochen, welcher 
feft in der Wunde ftaf.**) Da ließ der Jarl ihn 
daraus entfernen, und er war jo groß, daß er wenigen 
handrecht ***) war. Nun gedachte der Jarl daran, 
was er dem Maime verheißen hatte, der den Wurm 
todt fchlüge, und war ungewiß, ob ein Menſch dies 
vollbracht hätte oder nit. Er berieth fich deshalb 
mit feinen Freunden 241) und feiner Tochter, wie 
er dem nachforjchen jollte, und man fand mahrfchein- 
ih, daß der ſſchon von jelber] nach feinem Lohne 
trachten werde, der die [erforderliche] That dazu ge- 


*) Da Ragnar. ihr befonderd groß erſchien bei funfzehn 
Sahren, fürchtete fie einen jungen Rieſen (die zu den 
Unholden gerechnet werden) vor ſich zu haben. 

**) Der Ragnars tättur Str. 41 ff. hat Hier den urjprüng- 
lichen Sagenzug (mie in der Wolfdietrichdfage u. |. w.), 
daß ein anderer den Spieß aus der Wunde zieht und 
die That fi) anmaßt. Diefer Zug wird auch in unferer 
Daritellung einmal vorhanden gewejen fein, weil mır 
jo das Folgende fich genügend erklärt. 


***) Eigentlich: „als Waffe tragbar“ (vgl. unten ©. 292**). 





240 


than habe. Ihr Rath war, eine möglichſt zahlreide 
Verfammlung berufen zu laffen, „und heiß dann 
jagen, daß dahin: alle die Männer kommen follen, die 
nicht den Born des Jarls auf fich laden mollen und 
nur irgend im Stande find, die Verfammlung zu 
befuchen. Und wenn irgend einer da ift, der fich die 
Todeswunde des Wurms zueignet, der joll den Speer: 
Ihaft mitbringen, der zu der Spitze gehört hat.“ 
Das ſchien dem Karl gut, und er ließ Darauf eime 
Verſammlung berufen. Und als der dazu beftimmte 
Tag kam *), erſchien der Jarl und viele andere 
Häuptlinge; da verfammelte ſich zahlreiches Boll. 


Drittes Kapitel. **) 


Diefe Kunde drang zu Ragnar's Schiffen, dab 
nicht weit davon eine Berfammlung zufammenberufen 
war; da ging Ragnar mit fat feiner ganzen Schaar 
von den Schiffen zur Verſammlung. Und als fie 
dort ankamen, ftellten fie ſich etwas abgefondert von 





*) Eigentlih: „als es zu dem — Tage kam“. 

**) Der Hauptinhalt diefes Kapitels ift in Ragnars tätter, 
Str. 55 ff. in fehr gefürzter und abweichender Fafſung 
wiedergegeben (f: d. Eint.). 





241 





den anderen Männern auf; denn Ragnar fah num, 
daB eine größere Volksmenge ald gewöhnlich dahin 
gefommen war. 

Da jtand der Jarl auf, gebot Stille und redete: 
er jngte den Männern Dank dafür, daß fie feiner 
Botſchaft ſo willig Folge geleiſtet hätten, und er⸗ 
zählte darauf die Begebenheit, die ſich zugetragen: 
zuförderſt davon, was er dem Manne verheißen, 
der den Wurm erſchlüge; ſodann, daß der Wurm 
nun tobt fei, und daß derjenige die Speerſpitze in 
der Wunde habe teen lafjen, der diefe Heldenthat 
vollbracht habe: „Und wenn nun jemand zu dieſer 
Berfammlung bergefommen ift, der den Schaft Hat, 
jo zu Diefer Spitze gehört, der bringe ihn zum Bor- 
ſchein und bemwähre jo feine Ausfage: jo will id) 
alles das erfüllen, was ic) |242) verheißen habe, fei 
er nun bon höheren, oder von niederem Stande.“ 
Und er beſchloß feine Rede damit, daß er den Spieß 
vor jedermann, jo in der Verſammlung war, Hin- 
tragen ließ, und bieß ihm berichten, wer der wäre, 
der fich dies Werk zujchriebe oder den Schaft hätte, 
der bierzu paßte. So geſchah ed; [doch] fand ſich 
feiner, der den Schaft hatte. Da kam man zu Ragnar 
und zeigte ihm den Spieß: und er behauptete, daß 
er ihm gehöre; und es paßte eind zum andern, die 
Spite und der Schaft. Da war man überzeugt, daß 

16 


242 


er den Wurm getödtet habe. *) Und er ward durch 
diefe That gar hoch berühmt in allen Nordlanden. } 

Er warb nım um Thora, die Tochter des 
Jarls; diefer nahm e8 wohl auf, und ward fie ihm 
vermählt; und da ward eine große Hochzeit zuge- 
rüftet mit den beften Mitteln,‘ welche das Heid) 
dDarbot. **) Das mar Ragnar's Bermählmgzfeier. ? 

Und als die Hochzeit zu Ende war, fuhr Rag- 
nar nach feinem Reiche und herrſchte über daſſelbe. 
Er liebte Thora ſehr; | fie hatten zwei Söhne; der 
ältere hieß Eirck, det jüngere aber Agnar.? 


) Die Sage von der Befreiung einer von einem Drachen 
bewachten Jungfrau iſt bekanntlich ſehr weit und in 
vielen Geſtalten verbreitet. Auch daß der Erlöſer zu- 
nächſt unbelannt ift, finbet ſich öfter: Wolfdietrich und 
andere Sagen- und Märdjenhelden werden an den aus- 

- gefehnittenee Zungen der Würme, bei Saxo (S. 50 f.) 
Hading an einem in die Wunde gelegten Ringe der 
Befreiten als ihr Befreier erfannt u. ſ. w. Was die 
Auffindung des Wurmd und fein Wachen betrifft, jo ° 
bietet die perſiſche Sage (Görres, Heldenbuch von Iran 
II, 406 ff.) eine merkwürdige Uebereinſtimmung (f. Orient 
und Occident I, 668 ff.). 

+4) Wörtlich: „in jenem Neiche“, 

1) Bis hierher vgl. die abweichende Darftellang in Hagn. t. 55-59. 


2) ®gl. Ragn. t. 60 f. — 8) = Rath. 346,80 f. (bei Saxo heißen 
ſie anders). 


243 





Die waren groß von Wuchs und ſchön von An- 
ſehn; viel ftärker waren fie als die meiften anderen 
Männer, fo damals lebten, und lernten allerlei Kunſt⸗ 
fertigfeiten. | 

Es gefchah einmal, daß Thora fi Frank 
fühlte, und fie ftarb an diefer Krankheit. ! Ragnar 
empfand da3 fo jchwer, daß er nicht mehr dad Reich 
regieren wollte; und beftellte andere Männer, mit 
feinen Söhnen des Reiches zu walten. Er aber 
nahm num diejelbe Lebensweiſe wieder auf, bie er 
früher || 243) gehabt, und begab fih auf SHeer- 
fahrten ?; und überall, wo er fuhr, gewann er 
den Gieg. 


Bierted Kapitel. *) 


Da geſchah es eines Sommerd, daß er mit 
feinen Schiffen gen Norwegen fuhr; denn er Hatte 


*) Hier ſchließt fich die Geſchichte an das Ende des „Ueber- 
gangskapitels“. Außer dem Ragnars tättur 72 ff. und 
Gestsrima 17 ff. behandeln auch zwei altdänijche Volks⸗ 
lieder (DGF. I, Nr. 22 und 23) den Inhalt dieſes Kapitels, . 
erſteres in entitellterer Form, aber theilmeife mit ge- 
nauerer Bewahrung der Namen (Regnfred, Sigurd 

1) Vgl. Rsth. 346,91—23; Ragn. t. 62; Saro 446,24 f. — 2) Bol. 
Ragn. t. 64 f., 70 f.; Saro 448,25 — 447,2. 
16* 





244 





da. viele Verwandte und Freunde und wollte die be 
ſuchen. Er fam mit feinen Schiffen am Abend in 
einen Heinen Hafen; nicht weit davon aber war ein 
Gehöft, dad Spangareid *) hieß; und fie lagen in dem 
Hafen die Nadıt. 

ALS aber der Morgen kam, mußten die Küchen⸗ 
Tnechte and Land gehn, Brot zu baden. Da fahen 
fie, daß ein. Gehöft nicht weit von ihnen jtand, und 
dünkte es fie bequemer, zum Kaufe zu gehn md 
dort [ihrer Arbeit] obzuliegen. Und als fie zu diefem 
Heinen Gehöfte famen, da trafen fie einen Menſchen, 
den fie anreden konnten **), und war das ein altes 
Weib; und fie fragten, ob fie die Hausfrau wäre, 
und wie fie hieße. Sie fagte, fie wäre die Hau 
frau: „und mein Name ift ungewöhnlich, ich heiße 
Grima: aber wer ſeid ihr?“ Sie fagten, fie 
wären Dienftleute Ragnar Lodbrok's, und wollten 
ihre Arbeit verrichten, „und wir wollen, daß du 
und dabei helfeſt.“ Die Alte antivortete, ihre Hände 
wären fehr fteif: „doch war einmal die Zeit, da id 





als Pater der Kraka). Jedenfalls fegen Diele 
Lieder ſchon die Verbindung der eigentlichen Aslaug- 
fage (j. ©. 248**) mit der Sigurdsſage voraus. 

*) S. oben ©. 223* und unten ©. 248**, 

xx) Wörtlih: „zum Geſpräche“. 





245 





wohl Arbeit zu verrichten wußte*); übrigens habe ich 
eine Zochter, die en) dabei behülflich ſein kann, 
und fie muß bald- heim. fommen. Sie beißt Kraka, 
- und e8 ift nun dahin gediehen, daß ich fie kaum im 
Gehorſam Halten kann.“ 

Kraka war am Morgen zum Viehhüten **) ge⸗ 
gangen und ſah, daß 244) viele und große Schiffe 
and Land gelommen waren; da begann. fie fich zu 
‘waschen: die Alte aber Hatte ihr das verboten, denn 
fie wollte nicht, daß man ihre Schänheit fähe; denn 
fie war die jchönfte unter allen Frauen, und ihr 
Haar war fo lang, daß es ringd um fie die Erde 
berührte, und fo ſchön wie die fchönfte Seide. 

Nunmehr kam Kraka heim. Die Küchentnechte 
hatten euer gemacht; und Kraka erblidte da 
Menfchen,. welche fie nie zuvor gejehen hatte. Sie 
betrachtete diefelben, und ebenſo jene fie, und fragten 
dann Grima: „Sit diefe deine Tochter, die ſchöne 
Maid?“ „Das ift ungelogen,“ antivortete Grima, 
„daß fie meine Tochter if.” „Gar ungleich feid 
ihr einander **) (fagten jene), jo häßlich wie du 


*) Die Ueberlieferung jcheint bier in etwas verberbt zu 
fein. 
**) Eigentlih: „zum Vieh”. 
***) Wörtlich: „Eonntet ihr werden“, mit. dem Ausdrucke 


246 





bift; wir haben niemald eine gleich ſchöne Maid 
gejehen, und im nichtS erkennen wir dein Ebenbild 
in ihr; denn du bift daß größte Scheuſal.“ Grima 
antwortete: „Wan kann e8 mir [freilich] nicht mehr - 
anfehen: mein Ausfehen bat ſich nun verändert gegen 
früher.“ 

Hierauf ſprachen fie davon, daß fie (Kraka) 
ihnen beffen ſollte. Sie fragte: „Welche Arbeit fol 
ich. thun?“ Jene fagten, fie wollten, daß fie Brot 
formen *) follte, fie aber würden es dann baden. 
Da machte fie ih an ihre Arbeit, und e8 ging ihr 
wohl von der Hand; jene aber fahen fie umabläffig 
an, fo.daß fie nicht auf ihre Arbeit Acht gaben, und 
verbrannten das Brot. ! 

Nachdem fie ihr Werk vollendet hatten, begaben 
fie fih zu den Schiifen AS He aber ihre Speije 
(die Brote) hervorholen mußten, da jagten Alle, daß 
fie nie fo |245) ſchlecht gebaden Hätten md Züchti⸗ 
gung Dafür verdienten. Da fragte Ragnar, wie es 


der VBerwunderung, alfo: „da konntet ihr ja ſwunder⸗ 
barerweije] einander (d. h. fie dir) ſehr ungleich werden“. 

*) D. 5. den Teig zu Broten formen. 
1) Den ganzen Inhalt dieſes Kapitels bis hierher faßt Ragn. t. in der 


Str. 72 zufammen. Etwas ausführlicher Gestsr. 17—19 (darnach 
in Str. 20—27. 84 Züge, die der Saga und bein Ragn. t. fremd find). 


241 





läme, Daß fie da3 Brot fo fehlecht gebacken hätten. *) 
Sie exflärten, fie hätten eine fo ſchöne Frau gejehen, 
daß fie nicht ihres Gefchäftes wahrgenommen hätten, 
und meinten, Daß es Leine ſchönere auf der Welt 
gübe. Muh als die fo viel "von ihrer Schönheit 
machten, jagte Ragnar, er wife, daß ſie nicht fo 
ſchön fein werde, wie Thora geweſen fei. „jene 
[aber] erklärten fie :für wicht minder ſchön. Da 
ſprach Ragnar: „So will ih Mümer Hin enden, 
die es genau beurißeilen können **): wenn es fich fo 
verhält, wie ihr jagt, jo foll euch die Unachtſamkeit 
vergeben fein; wenn die Frau aber irgendworin un- 
ſchöner iſt, als ihr von ihr fagt, fo werdet ihr euch 
Schwere Strafe zuziehen.“ 

Alsbald ſandte er feiner Mannen etliche aus 
nach diejer ſchönen Maid: jedoch mwehte der Wind 
fo ftarf entgegen ***), daß fie an diefem Tage nicht 
fahren konnten. Da ſprach Ragnar zu feinen Send- 
boten: „Wenn Diefe junge Maid eu jo ſchön er- 
Scheint, wie mir gejagt ift, jo Heißt fie zu mir 


*) Wörtlich: „weshalb fie fo die Speife bereitet hätten“. 
**) Eigentlich: „genau zu ſehen verftehn“. 
*x*) Figentlich: „es war fo Starker, widriger Wind“. 


1) Klirger Gester. 28-83, nodj kürzer Ragn. t. 73-75. 





248 


fommen; und will ich fie [dann} jehen*), will, daß 
fie mein jei. Sch will aber, daß ſie weder be- 
Heidet noch unbefleidet komme, weder ge- 
fpeift noch nüchtern; fie fomme auch nicht 
allein, und dod” nu = fein sl) fie 
begleiten.“ **) . 

Darauf ſuhren fie, Dis. daß fie zu dem Hauſe 
kamen; ſie betrachteten Kraka aufmerkſam, und däuchte 
ihnen dieſes Weib ſo ſchön, daß ſie keine andere 
gleich ſchön wähnten. Sie verkündigten nun Ragnar's, 
ihres Herrn, Botſchaft und desgleichen, wie ſie aus⸗ 
gerüſtet ſein ſollte. 

Kraka ſann dem nach, was der König geſagt 
hatte, und wie ſie ſich ausrüſten ſollte. Aber Grima 
meinte, daß ſolches unmöglich wäre, und ſagte, ſie 
ſähe wohl, daß der König 246) nicht bei Sinnen 


*) Senauer: „fie treffen“, „mit ihr zufammentommen“. 
**) Diefe ſchwierigen Aufgaben und ihre. Löjung beruhen 
auf alter Sage, wie fie denn in unferm Märchen „Die 
Huge Bauerntochter” (Grimm, Nr. 94) 3. Th. wörtlich 
wiederfehren. Der Grunditoff der Adlaugjage tft dem⸗ 
nach ein gemeingermanifcher Sagenftoff, der fid) unter 
Anderm zu Spangereid in Norwegen Iofalifict hat und 
als dortige Lofaljage genügend bezeugt ift. Dort Tnüpfte 
fie fi) an die Ragnarsſaga, worauf Aslaug-Kraka zur 
Tochter Sigurd's ward (f. Beitr. 3, 205 f.). 


249 





wäre. Kraka fprah: „Deshalb wird er jo gefagt 
haben, weil e3 möglich fein wird*), wenn wir es 
[nur] jo verftehn, wie er e8 meint. Uber teines- 
fall3 kann ich heute mit euch ziehen **), ſondern ich 
werde morgen früh zu euern Schiffen Tommen.“ 
Hierauf machten fie fich [wieder] auf den Weg, und 
fagten Ragnar, wie es ſich — und daß zu 
ihnen kommen per: 


Sie blieb nun die Nacht daheim. Aber am 
Morgen früh fagte fie zu dem Alten, daß fie num 
zu Ragnar gehn wolle: „jedoch werde ich meinen 
Anzug etwas verändern müffen: du haft ein Fiſch— 
neb ***), das will ich mir umminden, darüber laß’ 
ih mein Haar fallen, fo bin ich dann nirgends 
bloß. Dann will ich einen Lauch koſten: das ift fo 
gut mie feine 7) Speije, gleichwohl kann man 
merfen +}), daß ich [ihn] gefoftet habe. Endlich ſoll 
dein Hund mir folgen, jo gehe ich nicht allein, den- 


*) D. h. er wiirde es nicht gefagt haben, wenn es nicht 
möglich ‚wäre. . 
**) Weil dann die dritte Bedingung nicht erfüllt wäre. 
***) Genauer: „Lachsforellennetz“. 
+) Eigentlich: „eine kleine, unbedeutende”. 
tr) An dem Geruche? (Oder iſt die Meinung: „kann es 
bedeuten, daß ich gegejjen habe?“) 


& 





_ 20 _ 
noch begleitet mich Fein Menſch.“ Als die Alte ihr 
Vorhaben hörte, däuchte ihr, da fie große Anſialten 


made, ! 


Fünftes Kapitel. 


Als Kraka nun gerüftet war, ging fie ihre 
Weges, bis daß fie zu den Schiffen kam; nad war 
fie Schön anzuſehn, denn ihr Haar glänzte, als ob 
man auf Gold ſähe. Ba rief Nagnar fie an und 
fragte, wer fie wäre und zu wen fie wollte. Sie 
antwortete und ſprach die Strophe: 


„Dein Gebot und Auftrag 2. 
Wag’ ic) nicht zu brechen, 
Da du, Ragnar, zu dir ||247) 
Her mich kommen hieeft. 
[Sieh,) es folgt fein Menſch mir, 
Bloß ift meine Haut nicht, 
Gut bin ich begleitet, 
Komme [doch] alleine.” *) 


*) Wenn bie zweite Halbſtrophe richtig überliefert ift, FAN 
es auf, daB die zweite Bedingung gar nicht, bie dritte 
aber in drei Werfen erwähnt wird. Dos iſt wohl zu 
beachten, daß auch Ragn. t. 76--80 nur Die beiben hier 
erwähnten Bedingungen tennt. 


1) Bon | ab Turz wiedergegeben in Gester. 35—88; ausführlidier Rag®- 
t. 76—82. 


® 


251 





Da fandte Ragnar ihr Männer entgegen und 
fieß fie auf ſein Schiff holen. Sie aber weigerte 
fh zu kommen, es ſei denn, daß ihr umd ihrem 
Gefährten fichere® Geleite gegeben *) würde. Da 
ward fie auf ded Königs Schiff geführt; und als 
fie in den Vorraum **) Tam, ftredte er ihr die Hand 
entgegen, aber der Hund biß ihn in Die Hand. 
Seine Mannen fprangen Hinzu und jchlugen ben 
Hund und warfen ihm eimen Bogenftrang um den 
Hol, und Hatte ex davon den Tod: bejjer ward 
ihre das fichere Geleit nicht gehalten als fo. Hier: 
auf jebte ***) Ragnar fie auf dem Hinterded neben 
fih und |fprah mit ihr; fie behagte ihm wohl, 
und er war zärtlich gegen fie }) ! und ſprach die 
Strophe: | 

„ol du würdeſt, gälte 3. 
Dir der Lamdeshüter }}) 
Als ein hehrer König (2), 
Sicher mid umarmen.” 


*) Eigentlich: „Sicherheit gewährt”. 
““) S. oben ©. 61 **. 
*=e) leggr („legte”) der Hoſchr. Tann nicht richtig fein, wie 
der Zuſammenhang zeigt; vgl. auch oben ©. 211 **, 
+) Die ganze Situation iſt ähnlich wie S. 2111-8, 
tr) D. h. der Fürſt, ich. Die Ueberjegung der Halbſtrophe 
iſt unſicher. 
1) = Ragn. t. 88,1 f. 


252 





[Sie ſprach:) 
„Unbefleckt ſollſt, Fürft, du, 
Willſt dein Wort du halten, 
Mid von binnen lafjeı, 
Die ich dich beſuchte.“ *) 


"Darauf jagte er, daß fie ihm wohl gefiele, und 
ed fei feine feite Abficht, daß fie mit ihm fahren 
follte. Da 1248) erfiärte fie, das ginge nicht an. 
Er dußerte nun den Wunſch, daß fie die Nacht dort 
auf dem Schiffe bliebe. Sie [aber] fagte, daS. follte 
nicht gefchehen, bevor er heimgekehrt wäre von 
der Fahrt, die er fich vorgenommen hätte: „und 
vielleicht feid ihr dann anderes Sinnes*. 

| Da vief Ragnar feinen Kämmerer und gebot 
ibm, da3 Hemd **), welches Thora getragen hatte 
und welches ganz goldbefäumt war, zu nehmen und 
ihm zu bringen. Dann bot Ragnar es Kraka dar mit 
folgenden Worten ***): 


*) Wörtlih: „Heim den Yürften ſucht' ich”; oder „einen 
Fürften” (der fein Wort nicht brechen darf)? 

*®) serkr (j. Weinhold, Altn. 2.173). — Den Grund, wes⸗ 
bafb Ragnar ihr fogleich dies Mleid anbietet, hat noch 
der Ragnars t. Str. 63 erhalten, wo Thora fterbend 
Ragnar empfiehlt, um die Sungfrau zu werben, der 
ihre (Thora's) Kleider pafjen würden. 

*xx) Wörtlich: „in diefer Weiſe“. 


253 


„Willſt dies Hemd du nehmen 4. 
[Reich] verziert mit Silber — 
. Thora Hjort beſaß es *) — 
Gar wohl paßt**) das Kleid dir. 
Ihre weißen Hände 
. Dies Gewand berührten; 
Mir, der ich fie liebte ***), 
Bar lieb fie big zum Tode.“ 


Kraka ſprach dagegen: 


„Darf dies Hemd nicht nehmen 6. 
Reich geziert mit Silber — 

Thora Hjort beſaß es — 

Mir ziemt ſchlechte Kleidung. 

Davon heiß' ich Kraka, 

In kohlſchwarzen Kleidern F), 

Daß Geröll durchſchreitend 

Am Strand ich Ziegen hüte.” ++) 


Ich will fürwahr das Hemd nicht annehmen 
(ſagte fie): nicht will ih Pub anlegen, jo lange ich 


*) Eigentlich: „welches Tora beſaß“. 

?*) Bol. ©. 252 **; ober ift „ziemt“ zu überjeßen, wie 
gleih unten Strophe 5,4? In beiden Fällen tft sama 
gebraucht. 

er) MWörtlich: „dem liebevollen Männerfürſten“. 

7) Kraka bedeutet „Krähe“, f. oben ©. 229 +7. 

tr) Wörtlih: „über Geröll Hingefchritten bin und Ziegen 
an der See hin getrieben habe“. 





254 





bei dem Alten bin. 2 Kann fein, daß ich euch befier 
gefalle, wenn ich mich befjer Heide. |249) Und will 
it jebt beim fahren. Dann”) aber magſt du 
Männer nah mir jhiden, wenn du alsdann nod) 
deſſelben Sinnes bift und [nody] willſt, daß ich mit 
dir fahre.” Ragnar fagte, daß fein Sinn fich nicht 
ändern würde. Gie ging heim; jene aber machten, 
fobald der Wind günftig war, ihre Yahrt, wie es 
ihre Abſicht geweſen war, und NRagnar vollführte 
fein Vorhaben, wie er fich vorgefeßt hatte. Und 
auf der Rückkehr legte er in demfelben Hafen an, 
wo er zuvor [gelegen] Hatte, als Kraka zu ihm Tam. 
Und [noch] denjelben Abend ſandte er Männer zu 
ihr, um ihr des Königs Botſchaft zu entbieten, daß 
fie nun exrnftlich **) mitkommen ſollte. Sie aber 
erflärte, fie werde nicht eher gehn ald am Morgen. 

Kraka ftand früh auf, trat and Bette der beiden 
Alten und fragte, ob fie machten. Sie bejahten es 
und fragten, was fie wollte Sie aber fagte, fie 
wolle nun von Hinmen. und nicht Länger dort bleiben: 
„Aber ich weiß, daß ihr Heimi, meinen Pflegevater, 
erihlagen Habt, und niemand bat von mir böfern 





*) Nämlich: wenn du wiederkehrſt. 
**) D. h. ohne wieder zurückzukehren, wie das erſte Mal. 


1) Zu unferm Text von | ab vgl. die beifere und vollfländigere Dar- 
ftellung im Ragn. t. Str. 85—88 und dazu ebd. Str. 68. 66. 


255 





Lohn verdient *) als ihr; jedoch will ich euch fein 
Leid anthun laſſen, weil ich lange bei euch geweſen 
bin. Aber den Fluch will ih euch num zurüd- 
laſſen **), daß ein Tag, fo über euch kommt, euch 
immer noch fchlimmer fei, als der andere, und am 
ſchlimmſten der lebte. Und nunmehr wollen wir ſcheiden.“ 

Damit ging fie ihres Weges zu den Schiffen 
und ward dort wohl aufgenommen Sie hatten 
günftigen Wind. Dielen felben Abend, als es Zeit war 
die Betten herzurichten, ſagte Ragnar, er wolle, daß er 
und Kraka bei einander rubten. Sie antivortete, das 
könne nicht ||250) gefhehen: „fondern ich will, daß 
du erſt Hochzeit mit mir hältft ***), wenn du in 
dein Reich kömmſt; das dünkt mich meine Würde 
wie auch deine [zu erheifchen], und die unjerer Erben, 
wenn wir welche haben.“ 

Er gewährte ihr diefe Bitte, und ihre Fahrt 
ging glüdlih von ftatten. Da Fam Ragnar heim 
in jein Land, und ward ihm ein prächtige Feſt be= 
reitet 7); Da ward zugleich fein Willfommenstrunf }f) 


*) Hehnliche Wendungen oben ©. 143, 3. 7. 2131. 
or) örtlich: „Aber das will ich nun erklären“. 
***) Eigentlich: „trinkſt“, ſ. oben &. 126*"*, 176*, 
) Wie oben ©. 81, 3. 15—18. 
+r) = ımten ©. 266*. Ueber diefe Sitte |. Weinhold, Alt. 
Leb. 445 (vgl. Akv. 34 u. ſ. w.). 


256 





und feine Hochzeit gefeiert. Und am exften Abend, 
als fie das Lager teilten, ‚wollte er feiner Frau 
. ehelich beimohnen, fie aber fuchte es bittend abzu- 
wehren *); denn, ſagte fie, e8 würde fehlimme Folgen 
haben **), wenn fie nisht ihren. Willen häfte. Ragnar 
erwiderte, er möge nicht daran glauben; auch wäre 
der Ulte und fein Weib ***) nicht der Zukunft kundig 
gewefen; er fragte, mie Junge es denn fo währen 
follte. Da ſprach fie: 


„Dretmal nad) der Hochzeit 6. 
Sell die Nacht im Saul’ uns 
Keuſch beifammen finden }), .. 
Eh wir ben Göttern opfern. T) 


*) Eigentlich: „bat ſich davon frei“. 

**) bera nökkut & baki, genauer „etwas (ſchlimmes) nad 
ſich ziehen“. 

***) Hatten aljo dieſe die Barnung oder den Fluch (vgl. 
©. 255**) ausgeſprochen? Gestsr. Str. 15 f. beridtet 
es fo. 

r) So gebe ich den mahrfcheinlichen Sinn wieder. Die 
Lefung der Hofer. fcheint verderbt. Die neugefimdene 
Hdſchr. lieſt nach Prof. Bugge’3 gütiger Meitiheilung 
Ber? 1: neetr] meetr; hressvar] haus(u)ar; vielleicht 
hyjar, ſ. C.-V. 304b. Auf eine ähnliche Forderung 
dreier keuſcher Nächte weit Skirn. 428. ©. d. Nadır. 

TT) „Die [Ee-]Öottheiten verehren”, muß (im Gegenfag zu 
Vers 1—3) dag mirkliche Eingehn der Ehe bezeichnen. 








257 


nn 


Dauernd wird Gebrechen 

Meinen Sohn dann treffen: 
Vorſchnell willſt du zeugen 
Den, der fein Gebein hat.“ 


Aber obwohl fie dies ſprach, jo achtete doch 
Ragnar nit Darauf, ſondern vollbrachte feinen 
Willen. 


Sechstes Kapitel. 


Nun vergingen die Tage, und ihre Ehe war 
glüdlih und ihre Liebe groß. Kraka aber fühlte 
I 251) Wehen: ſie fam nieder und genad eines 
Sohned. Und der Knabe ward mit Wafjer bes 
ſprengt *) und ihm ein Name gegeben, und ward er 
Spar genannt. Aber diefer Knabe war Inochenlog, 
und als ob da Knorpel wären, wo Knochen fein 
follten. Als er jung war, war er fo groß von 
Wuchs, daß es nicht feineögleichen gab. Er war 
von Anſehn der allerihönite Mann und jo flug, 
daß es ungewiß (ſchwer zu fagen) ift, wer ein klügerer 
Mann gewejen ald er. 

Es waren ihnen noch mehrere Kinder befchieden: 
ihr zweiter Sohn hieß Bjorn, der dritte Hvitſerk 


*) S. oben ©. 64*. 
17 


258 





und der vierte Nognvald 1; fie waren alle gewaltige 
Männer und gar kühn. Sobald fie etwas vor- 
nehmen fonnten, lernten fie allerhand Kunſtfertig⸗ 
feiten. Und überall, wohin fie fuhren, ließ Ivar 
fih auf Stangen tragen, weil er nicht gehn konnte, 
und er mußte ihnen Rath geben, was fie aud) unter: 
nahmen. 


Damald waren Eirek und Agner, Ragnar's 
Söhne, gewaltige Männer, fo daß man kaum ihre 
gleihen fand; und fie zogen jeden Sommer mit 
Heerſchiffen auß*), und waren berühmt durch ihre 
Heerfahrten. Da geſchah es eined Tages, daß Ivar 
mit jeinen Brüdern Hpitjerf und Bjorn redete: wie 
lange es fo fort gehn follte, daß fie daheim fähen 
und ſich feinen Ruhm erwürben. Sie erflärten aber, 
fie würden feinem Rathe folgen, hierin wie in ande 
rem. „So will ih,“ fagte Ivar, „daß wir bitten, 
es möchten und Schiffe nebſt Heervolf gegeben wer: 
den, fo daß diefelben wohl bemannt find; demmächft 
will ih, daß wir und Gut und Ruhm erwerben, 
wenn e3 fich jo fügen will.“ 

*) Eigentlih: „fie hauſten auf Heerjchiffen“. 


1) Bei Saro 450,5 heißen feine Söhne mit Svanlogha: Reqhnald, 
Witſerk und Erih, während Syvard, Born, Ivar [und Wagner] 
444,24 als natura fratres ber Söhne Thora's bezeichnet werder. 
In unferer Saga find Eri und Agnar Söhne der Thora. 


259 





Nachdem fie diefe8 unter ſich beichloffen hatten, 
fagten fie Ragnar, fie wollten, daß er ihnen Schiffe 
gäbe umd 252) folche Leute, die ſſchon] in hartem 
Kampfe (?) erprobt und mit allen ausgerüſtet wären. 
Und er that, wie fie baten. 

AB nun dieſe Flotte gerüftet war, Außen fie 
vom Lande; überall aber im Männerkampf behielten 
fie die Oberhand, und fo erwarben fie fich zahl- 
reiches Gefolge jomohl wie Gut. 

Da fagte Spar, er wollte, daß fie mehr dort- 
hin fteuerten, wo [ihrer] größere Uebermacht warte, 
und jo ihre Tapferkeit erprobten; fie aber fragten ' 
da, wo er dergleichen wüßte Da nannte er eine 
Stadt, die Hieß Hvitabö *), da aber war eine 
Opferftätte **): „und mancher hat fchon verſucht, fie 
zu erobern, aber feiner hat gefiegt. Auch Nagnar 
war dorthin gefommen, hat aber unverrichteter 
Sache wieder abziehen müſſen.“ „Iſt denn das Volt 
dort jo zahlreich (fragten jene) und fo tapfer, oder 
finden fi) dort andere Schwierigkeiten?“ var 
fagte, dort wäre ſowohl große Volksmenge als auch 
eine bedeutende Opferftätte; und das Habe Allen 


*) Nach Rafn wäre Withby an ber Oſtküſte von Nord- 

bumberland gemeint. 
**) Genauer: „da waren Opfer geweſen“. 
17* 


260 





Verderben gebracht und Niemand hätte [dagegen] 
Stand gehalten. Da fagten- fie, er möchte entjcheiden, 
ob fie dorthin fteuern follten oder nicht. Er aber- 
erHlärte, ex fei entichlofien, e& darauf ankommen zu 
laſſen, ob ihre Tapferkeit ihnen [nicht] mehr nützen 
werde, ald den Snnehnetn, jenes Bandes ihr Opfer- 
dienſt. *) 


Siebented- Kapitel. 


Sie fuhren nun dahin. Und als fie dort and 
- Rand kamen, rüfteten fie fi) zum Landen. Es ſchien 
ihnen aber nöthig, daß einige Mannſchaft die Schiffe 
bewacdhte. hr Bruder Rognvald aber war nod 
jung, fo daß er ihnen jo großer Yährlichkeit, als 
ihnen wahrſcheinlich hier beborftand, nod nicht ge 
wachſen ſchien; |253) und fo ließen fie ifn mit 
etliher Mannſchaft die Schiffe bemadıen, 

Aber bevor fie and Land gingen, ſagte var, 
die Burgmannen hätten zwei Rinder, nämlich zwei 
junge Kühe; vor denen wären die Leute entflohen, 
indem man ihr Gebrüll und ihren Zauber **) nicht 
hätte aushalten können. Weiter fprad) Ivar: „Haltet 


*) Wörtlih: „als der Opferdienft der Landsleute“. 
**) Bol. unten ©. 263 FT. 


261 


euch aufs tapferite dabei, objchon eich einige Furcht 
anfommen wird; denn es bleibt 2: nicht3 anderes 
übrig.“ *) 

Sie ſchaarten nun ihr Volk, und als ſie der 
Veſte naheten, gewahrten es die Stadtbewohner und 
begannen die Rinder, an welche fie glaubten, los— 
zumachen. Und fobald die Kühe losgelaſſen waren, 
fprangen fie gewaltig und brüllten fürchterlich. 


Solches ſah Spar, wie er auf dem Schilde 
getragen ward, und gebot, ihm einen Bogen zu 
geben, und fo gefhah es. Da ſchoß er dieſe böfen 
Kühe, daß beide den Tod davon hatten. **) Und jo 
war dieſer Kampf erledigt, der den Männern fo 
große Furcht eingeflößt Hatte. 

Da nahm Rognvald bei den Schiffen das Wort 
and ſprach zu feinen Leuten, wie glücklich die 
Männer wären, die ſolche Luft haben dürften, wie 
feine Brüder hätten: „und feinen andern Grund 
hatten fie dafür, daß ich zurüdbleiben follte, als 
daß fie allein den Ruhm davontragen wollten. Jetzt 
aber wollen wir allzumal ans Land gehn.” Das 
thaten fie; umd als fie dem Heere nachzogen, 





*) Bu s& ift kostr zu ergänzen, vgl. unten ©. 265 **. 
er) Bol, unten ©. 292*. 


262 


Drang Rognvald tapfer vorwärts ind Handgemenge; 
und da8 Ende war, daß er fiel. *) 

Die Brüder aber drangen in die Veſte; da 
begann der Kampf aufd neue, und endete damit, 
daß die Burgmannen die Flucht ergriffen; jene aber 
- verfolgten die |254) Zlüchtigen. Und als fie wieder 
zur Veſte fehrten, ſprach Bjorn die Strophe: 

„aut ſcholl unſer Heerruf. 7. 
Baß denn jener ſchnitten eo. 
Unfre Schwerter. — Wahrheit 
Sag’ ih — im Gnipafjorde. **) | 
Wer. e8 wollte, konnte 
Bor Hvitabd draußen 
Männer tödten. Spart nicht 
Euer Schwert, ihr Helden.” 


Als ſie zurüd in die Veſte famen, nahmen fie 
alle fahrende Habe, verbrannten dann alle Häufer, 
jo in der Burg waren, braden die ganzen Burg: 
mauern nieder ***), und fuhren dann mit, ihren 
Schiffen von dannen. | 


*) Der gleiche Sagenzug (der junge zurücdgelafferte Bruder 
zieht heimlich nach in die Schlacht und fällt) findet fid 
befanntlich in unferer „Rabenſchlacht“. 

**) Der bier aljo bei Hvitabd gedacht wird. 
*x*) Bol. unten ©. 300*. 


263 


Achtes Kapitel. 


Eyftein hieß ein König, der über Schweden 
herrſchte. Er war vermählt und Hatte eine Tochter 
mit Namen Ingibjorg, die war die fchönfte aller 
Frauen, und gar lieblih von Mſehn.“) Eyſtein 
war ein mächtiger König über zahlreiches Volk, bos⸗ 
Baft, aber Hug Er Hatte feinen Sitz zu Uppfala 
und war ein eifriger Opferer; und zu Uppfala 
wurden zu der Zeit jo bedeutende Opferfeite gefeiert, 
daß nirgend in den NRordlanden bedeutendere gemejen 
find. Sie fehten auf eine Kuh gläubiged Vertrauen 
und nannten jie Sibilja **). Derjelben wurden jo 
viele Opfer gebracht, daß ***) niemand ihrem ©es 
brülle widerftehn fTonnte. +) Und deshalb war es 


*) Vgl. oben ©. 232**. 

*#) Wird erklärt als die „ſtets brüllende“ (vgl. Sibilja 
beljar Fas. I, 271, 17). Doch dürfte die Form Sibylja 
neben Sibilja vielleicht auf die prophezeiende „Sibylle“ 
deuten, woraus man neuerdingd Volva berzuleiten ver- 
ſucht Hat (f. d. Nachtr. zu ©. 46**). Vgl. auch die zweit⸗ 
folgende Anmerkung. 

es) Bol. unten ©. 274*. 

r) Beifpiele von Verehrung Heiliger Kühe finden ſich 

mehrfach bei germanijhen Stämmen (vgl. Simrod, 


264 





des Königd Gewohnheit, wenn ein feindliche Heer 
zu erwarten war, daß diefe Kuh der Schladjtord- 
nung boran war. Sole große Teufelskraft *) beſaß 
fie [nämlich], daß feine Feinde 1255), fobald fie fie 
hörten, jo wahnwitzig wurden, daß fie aufeinander 
losſchlugen und ihrer ſelbſt nicht Acht Hatten. **) 
Und deshalb war Schweden damals von Teinen 
Heerfahrten heimgeſucht, weil niemand ſich getraute, 
ed mit folcher Uebermacht aufzunehmen. 

König Eyitein lebte in guter Freundjchaft mit 
vielen Männern und Häuptlingen. Und es heikt, 
daß zu jener Zeit gute Freundſchaft zwifchen Ragnar 
und König Eyftein beftand, und fie pflegten jeden 
Sommer abmwechjelnd einander zum Gelage zu be 
fuchen. Es traf jih nun, daß es an Ragnar war, 
den König Eyftein zu beſuchen; und als er nad 
Uppjala fam, ward er mit den Seinen wohl em 
pfangen. AS fie nun am erften Abend tranten, 
ließ der König feine Tochter ihm felber und Ragnar 


Myth.*, ©. 18 f., 500 und oben ©. 260%). Zunädt 
wurden fie in dieſer Weife doch mohl ala (durch ihr 
Gebrüll?) meiflagende, fiegverfündende Thiere eine? 
Gottes verehrt. 
*) djöfuls kraptr. 
“+, D. 5. vor den Feinden ſich nicht wahrten. Bgl. unten 
©. 275 **., 292 9%, 





.“ 265 





einſchenken *): da redeten Ragnar's Mannen unter 
einander, daß es nicht anders anginge **), als daß 
Ragnar um König Eyſtein's Tochter würbe, und 
nit länger die Bauerntochter ***) behielt. Einer 
von feinen Mannen übernahm ed, ihm Dies vor—⸗ 
zuftelen; und daS Ende war, daß ihm die Frau 
verheißen ward: jedoch follte fie noch lange Verlobte 
bleiben. 

Als dieſes Yet zu Ende war, rüftete ſich 
Ragnar zur Heimkehr, und die Reife ging ihm glüd- 
ih von jtatten, und wird von feiner Fahrt nicht 
eher etwas gemeldet, al8 bis er nahe vor der Burg 
war, und jein Weg durch einen Wald führte Gie 
famen auf ein ©ereute }) in dem Walde: da ließ 
Ragnar fein Gefolge jtill Halten, bat ſich Schweigen 
aus und gebot allen Männern, die ihn auf ber 
Sahrt nad) Schweden begleitet hatten, daß feiner 
bon feinem Borhaben jagen follte, fo über die 
Heirath mit König Eyſtein's Tochter verabredet war. 
Und er jeßte fo ftrenge Strafe |256) darauf, wenn 
einer fi) fände, der etwas davon erwähnte, daß er 


*) Bol. oben ©. 181*. 

**) Bol, oben ©. 261*. 
“, karlsdöttur. 

r) Ausgerodeter Waldplatz. 


266 





nicht8 [geringeres] dafiir verlieren jollte als das 
Leben. 

Nachdem er fo feiner Abficht gemäß gefprochen 
hatte, z0g er heim zu feinem Hofe. Da freuten ſich 
die Leute feiner Nüdfehr, und ward ihm da Der 
Willkommenstrunk zugetrunken.“) Und als Ragnar 
ſeinen Hochfitz eingenommen hatte, da währte es nicht 
lange, bis **) Kraka zu ihm in die Halle kam. Sie 
ſetzte ſich auf ſeine Knie, ſchlang ihre Arme um ſeinen 
Hals und fragte, welche Neuigkeiten es gäbe. Er 
aber antwortete, er wüßte keine zu ſagen. 

Und als der Abend kam, begannen die Männer 
zu trinken, und gingen dann ſchlafen. Als nun 
Ragnar und Kraka beiſammen im Bette lagen, fragte 
fie ihn abermald nach Neuigkeiten; er aber erklärte 
[mieder], er wüßte feine. Sie wollte nun [nodj] 
mancherlei plaudern; er aber fagte, er wäre ſehr 
ſchläfrig und wegemüde. „So will ich dir Neuig- 
feiten jagen (ſprach fie), wenn du mir feine jagen 
willſt.“ Er fragte, welche da8 wären. „Das nenne 
ich Neuigkeiten (jagte fie), wenn einem Könige eine 
Frau verlobt wird, und ift doch etlicher Leute Rebe, 


*) Bol. oben ©. 255 +}. 
x**) Wörtlih: „da hatte er nicht lange gejeflen, bevor...“ 
Bol. unten S. 281*. 


267 


daß er ſchon eine andere hat.“ „Wer hat dir daß 
gefagt ?“ fragte Ragnar. „Deine Mannen ſollen 
Leib und Leben *) behalten, weil feiner von ihnen 
es mir gejagt hat,“ antwortete fi. „Ahr müßt 
gejehen haben **), daß drei Vögel auf dem Baume 
neben euch jaßen: die fagten mir dieſe Märe. ***) 
Das erbitte ich [nun] von dir, daß du dieſe Heirath 
nicht vollzieheit, wie es beablichtigt iſt. [Denn] jebo 
will ich dir jagen, dab ich eined Königs Tochter 
bin, und nicht eined Bauern }): mein Vater war 
ein jo berühmter Mann, daß man nicht feinesgleichen 
fand; und meine Mutter war die ſchönſte und weijefte 
aller Grauen, und ihr |257) Name wird dauern, jo 
lange die Welt ſteht.“ FF) 


'Da fragte er, wer denn ihr ‘Water wäre, 
wenn fie nicht die Tochter de armen Bauern wäre, 
der auf Spangareid wohnte. Sie erffärte [ihm nun], 
fie fei Sigurd’3 des Yafnistödterd Tochter und 





*) Eigentlich: „Leben und Glieder“. 
*x) Wörtlich: „Ihr merdet jehen“. 

*+*) Wie Sigurd, ihr Vater, die Stimmen der Vögel ver- 
ftand. Hier it Aslaug's Angabe übrigens doch wohl 
als eine Lift aufzufafjen. 

r) Oder: „deö Alten‘ (? karls). 

rt) Vgl. oben ©. 107. 167". 


268 


Brynhild's, der Tochter Budle’s.! „Das dünkt 
mic) gar unwahrſcheinlich (jagte er), daß deren 
Tochter Kraka heißen und ihr Kind in folder 
Armuth aufwachien follte, wie auf Spangareid war.“ 
Da antwortete fie: „Das erklärt fi durch eine 
Geichichte* *), und erzählte nun und hub an, wie beide, 
Sigurd und Brymhild, auf dem Berge zufammen 
famen und fie erzeugt wurde: „und al® Brynhild 
entbunden war, gab man mir einen Namen, und 
ih mard Aslaug genannt.” Und fo erzüblte. fie 
alles, wie es vor ſich me war, bis **) fie zu 
dem Alten far. 

Darauf entgegnete Hognav: „Weber dieje Phan⸗ 
tofien der Aslaug ***) muß ich. mich wundern.“ (?) 
Sie antwortete: „Du weißt, daß ich ſchwanger bin; 
und es wird ein Knabe fein, den ich trage: aber 
an diefem Knaben wird das Beichen fein, daß ed 


*) Genauer: „Dafür gibt es eine Gejchichte” (saga er til 
thess = oben ©. 68, 3. 16, wo — Wendung etwas 
anders wiedergegeben iſt). 

**) Der Text bietet fr& thvi, „ſeitdent“, was Doch ſchwerlich 
richtig fein kann, da es ſich Hier ja gerade darım 
handelt, wie fie zu dem Alten gefommen. 

) Spöttiich, wenn obige Auffafjung richtig ift (oder: „von 
Aslaug“?). 
1) Bal. Ragn. t. 90 f. und DGF (Nr. 33 A, Str. 12 f. u. f. w.). 





269 





ſcheinen wird, al3 wenn eine Schlange (ein Wurm) 
ihm ums Auge läge Und wenn di in Er- 
füllung geht, fo erbitte ih mir, daß du nicht nad) 
Schweden fahreit, um König Eyſtein's Tochter zu 
nehmen; wenn e3 jedoch nicht eintrifft, fo verfahr 
darin, wie du willſt. Sch will aber, daß der 
Knabe nach meinem Vater *) Heiße, wenn in feinem 
Auge dieſes Ruhmesmal erfcheint, wie ich glaube, 
daß gefchehen wird.“ 


Die Stunde ihrer Niederkunft *) kam; fie 
ward entbunden, und gebar ||258) einen Snaben. 
Da nahmen die Dienftfrauen den Knaben und zeigten 
ihn ihr; fie gebot, Daß fie ihn zu Ragnar tragen 
und ihm zeigen follten. So gefchah es: das junge 
Männlein ward in die Halle getragen und auf 
Ragnar's Mantelſchooß gelegt. Als er aber den 
Knaben anblidte, fragte man ihn, wie er beißen 
follte. ***) Er ſprach die Strophe: 


2) Der durch Beftegung des Wurms Fafni feinen be⸗ 
rühmten Beinamen erhielt. (Vol. über Sigurd's 
„Schlangenauge“ die abweichende Darſtellung bei Saxo, 
446,3— 21.) 

*) er hon kennir ser söttar. 

*+*) Ueber diefe Vorgänge vgl. ———— Altn. Leb. S. 
260. 262. 


270 


Sigurb Heike der Knabe, 
Er wird Schlachten jchlagen, 
Wird, wie feiner Mutter, 
Auch) dem Vater gleichen. *) 
Er wird Odin's Stammes **) 
Stolg***) geheißen werden. 

- Wurm im Auge trägt nur 
Undern Wurmes (?) Tödter. 


Da zog er einen Goldring von feiner Hand, 
und gab.ihn dem Knaben als Namend-Feftigung. +) 
Und als er die Hand mit dem Ringe außitredte, 
[wandte fi der Knabe,“ und fo] berührte fie ihm 
den Rüden; daS deutete Ragnar, als wenn er das 
Gold gering achten FF) — da ſprach er die 
Strophe: 

„Brynhild's Slanımen-Blide 9. 
Und ihr feljenfeftes 
Herz Scheint ihrer Tochter 


*) Wörtlih: „Gar gleich wird er der Mutter, und (doch) 
des Vaters Sohn genannt werden“. 
»**) Aus welchem Sigurd entiproffeen war. Vgl. oben 
©. 8. 
***) Genauer: „vornehmifter, DOrkEen altern: 
7) Vgl. oben ©. 40***, 
Tr) Genauer: „haſſen“; d. h. als freigiebiger Fürst unter 
jeine Mannen vertheilen. 


271 


Hehrer Sohn zu haben. *) 
Diefer Ringverüchter, 

Frühreif wird er ragen || 259) 
Als ein Held ob allen, | 
Budle’3 Sproß, an Stärke.” 


Und weiter ſprach er: 


„Alfo feine Schlange **) 10. 
Sah***) bei andern Knaben 
Als allein bei Sigurd 
Ich im Auge }) liegen. 
Diefem Schwertesfchwinger ++) 
Eigen ift die Schlange 
Unter Augenliedern: 
Reicht ift er dran kenntlich.“ 


*) So überſetzte v. d. Hagen mit Rafn. Richtiger ift 
vielleicht folgende Ueberſetzung: „Brynhild's Tochter⸗ 
ſprößling Hat, ſo ſcheint's den Helden, Flammenaugen 
und ein Treufeſt Herz, der edle.“ So auch Rafn's ſpätere 
Ueberſetzung. 

**) Wörtlich: „Kranichhalſes Beute“, d. h. eine (vom 
Kranich gefreſſene) Schlange. 

*®*) gâ ck... lagdha, jo Bugge Z. Zſchr. 7,403. Vielleicht 
iſt aber sj& er („iſt zu ſehen“ ftatt sa ek „ſah ich“) 
beizubehalten. 

+) Eigentli: „in den Brauenfteinen“. 

77) D. 5. „zulünftigen Helden“. Sch folge bier der Er- 
Härung Egilsſon's, obwohl ich diejelbe nicht in allen 
Stüden für richtig halte; denn eine beffere Erklärung 
der ſchwierigen Stelle weiß ich nicht. 


2712 





Darauf gebot er den Knaben wieder Hinaus 
in da8 Frauengemad) zu tragen. Da war es Denn 
vorbei mit feiner Abſicht nad) Schweden zu fahren. 
Und ward nun Aslaug's Abkunft offenkundig, fo 
daß jedermann wußte, daß fie die Tochter Sigurd’s 
des Fafnistödterd war und Brynhild’3, der Tochter 
Budle's. 


Neuntes Kapitel. 


Als nun die Friſt, ſo für Ragnar's feſtlichen 
Beſuch in Uppſala verabredet war, verſtrichen, 
und er nicht kam, ſchien es dem Könige Eyſtein 
eine Befchimpfung für ihn und für feine Tochter, 
und damit war die Freundfchaft der beiden Könige 
zu Ende. 


Da Eirek und Agnar, Ragnar's Söhne, dies 
vernahmen, verabredeten fie unter fi, fie wollten 
fih jo viel Mannfchaft verjchaffen, wie fie irgend 
vermöchten, und damit eine Heerfahrt nach Schweden 
thun. Sie brachten aud) ein großed Heer zuſammen, 
und rüfteten ihre Schiffe aus. Man bielt e8 aber 
[allgemein] für fehr bedeutung3voll, daß es glüd- 
ih von ftatten ginge, wenn die Schiffe ind Meer 
geſchoben werden follten. Da geſchah es, daß ||260), 


273 


als Agnar's Schiff von den Rollen *) [ind Meer] 
ſchoß, ein Mann darunter gerieth und den Tod 
fand; und das nannte man Nollenröthung. Das 
däuchte ihnen fein guter Anfang, doch wollten fie 
darum ihre Yahrt nicht aufgeben. **) 

AS num ihr Heer bereit war, fuhren He da⸗ 
mit nach Schweden. Und ſobald fie in König Ey- 
ftein’3 Reich kamen, zogen fie mit dem Heerfchilde***) 
darüber hin. 

Die Bewohner des Lande aber nahmen das 
wahr; fie zogen gen Uppfala und fagten den: König 
Eyitein, Daß. ein Heer in? Land ‚eingefallen wäre. 
Der König ließ alsbald mit dem SHeerpfeil+) ein 
Aufgebot FF) durch jein Reich ergehn FF), |und z0g 


*) Auf welchen die Schiffe vom Lande ind Meer gerollt 
wurden. 
**) Eigentlich: „Liegen fie da3 nicht ihrer Fahrt im Wege 
ſtehn“. 

***) D. h. „feindlich‘“ (= ©. 290*. 296**). Der als Krieg⸗ 
zeichen erhobene Schild (auch zu Schiffe am Maft- 
baum) wer rotb, vgl. oben ©. 45? und dazu H. H. I, 
Str. 34. 

T) Wodurch die-ftreitbaren Männer zum Kriegsdienft auf- 
geboten wurden (vgl. Grimm, Rechtsalt. S. 162). 

tr) Eigentlich: „ein Pfeilaufgebot”. 

++} Vom Abſatz ab bis hierher = S. 290**, 291 *. 308**, 
321°. u. ſ. w. 

18 


aan 


ein jo großes Heer zufammen, daß es eritaunlich 
war. ! Died Heer führte er in einen Wald und 
ſchlug dort fein Lager auf. Er hatte da auch die Kuh 
©ibilja bei fi), und viel Opfer waren ihr gebradt 
worden, ehe fie mitziehn wollte. *) Als fie num 
im Walde waren, ſprach König Eyſtein aljo: „Ich 
habe vernommen (jagte er), daß Ragnar’3 Söhne auf 
dem Felde vor dem Walde find; aber es ijt mir 
für wahr gejagt worden, daß fie im Vergleich mit 
und nicht ein Drittel Heeres haben. Nun wollen 
wir unfere Schaaren zur. Schladht aufjtellen, und 
ein Drittel unſeres Heeres joll ihnen entgegen ziehn. 
Sene find jo ftreitbar, daß fie mähnen werden, die 
Gewalt über ung in Händen zu haben: aber alöbald 
wollen wir mit der ganzen Macht über fie her— 
fallen, und joll die Kuh dem Heere voranlaufen, 
und vor ihrem Gebrülle, meine ich, werden fie nicht 
Stand halten.“ Und aljo geſchah es. 

Sobald die Brüder König Eyftein’3 Heer ſahen, 
wähnten fie, e8 mit feiner Mebermacht zu thun zu 
haben, und dachten nicht, |261) daß das Heer noch 
größer wäre. Uber gleich darauf fam das ganze 
Heer aus dem Walde hervor, und die Kuh war 


*) Vgl. oben S. 263 ***. 
1) Bal. Rsth. 348,1. 


losgelaſſen und fprang vor Dem Heere daher und brüllte 
fühterid. Da überkam ſolche Aufregung *) Die 
Heermannen, fo e8 ‚hörten, daß fie auf einander los⸗ 
ſchlugen **), nur die beiden Brüder biieben ftand- 
daft. Sie aber, daS arge Ungethüm, tödtete den Tag 
mit ihren Hörnern manchen Mann; und objehon Die 
Söhne Ragnar’d gewaltige Männer waren, fo | ver- 
mochten fie doch nicht zugleich der Uebermacht der 
Menge ! und der Bauberfraft ***) zu wideritehn. 
Sie leifteten aber tapfern Widerftand und wehrten 
ſich Fühnlih und mannhaft und gar rühmlidh. Eirek 
und Agnar waren den Tag vorn in der Schladhtreihe, 
und oft drangen fie durch die Reihen König Ey- 
ſtein's. Da fiel Agnar. Eiref ſah es und focht 
nun - auf3 allertapferfte, und fümmerte id nit 
darum, ob er von dannen käme oder nit. Da 
ward er von der Uebermacht bewältigt und gefangen 
genommen. 7) ? 2 


*) ? gnyr. 
**) Bol. oben ©. 264**, unten ©. 292 ***, 
***) Eigentlich dem Opferdienit, d. 5. der durch Opfer be- 
wirkten Zauberfraft. 
T)3. 10 ff: Diefe Schilderung erinnert in ihren ein 
zelnen Wendungen ftarf an ähnliche der Volſungaſaga, 
3. B. ©. 213, 194 f., 219% u. ſ. w. 
1) Bgl. Rath. 348,4. — 2) Ganz furz in Rsth. 348,6. ä 
18 


276 


Da gebot König Eyfteig dem Kampfe Einhalt 
zu thun, und bot Eiref Schonung: „und überdies 
(jagte er) will id) dir meine Tochter geben.“ *)! Eirel 
- antwortete, und ſprach die Strophe: 


Bil nicht? von Bruderbuße, 11. 
Die du bieteft, hören, 
Noch von Brautlauf **): Eyſtein 
Nennt man Agnar's Mörder. 
Nicht weint um mich die Mutter. ***) 
Zu oberjt }) auf dem Schlachtfeld 
Sterben will ih: laßt denn 
Geere mich durchbohren. * || 262) 


Dann fagte er, er mwünfchte, daß die Männer, 
die ihm gefolgt wären, Sicherheit erhielten und 
führen, wohin fie wollten. |.Sch aber will, daß man 
möglichjt viele Spieße nehme und in die Erde ftoße. 
Da Hinauf will ich mich heben lafjen und da das Leben 


*) „um Die er. früher gebeten Hatte“, -fügt der Rath. 
hinzu. 
**) Wörtlih: „Noch eine Maid um Ringe faufen”. Der 
Brautfchag (f. oben S. 63**) ift gemeint. 

+++) Thora, feine Mutter, war jchon todt; |. oben ©. 248. 
+) Nämlich auf den Speerjpiben. 

1) Ausführlier in Rath. 348,6—10 (vgl. Saro 456,14--17, wo das- 

ſelbe von Witſerk berichtet wird, der fi} ebenfalls feine Todesart 


felbft wählt: 456,20 ff.). — 2) = Ebd. 348,18—26. Der beffere 
Zert der Strophe dort ift bier zu Grunde gelegt. 








277 


N 


laſſen.“ Da ſprach König Eyitein, es follte gefchehen, 
“wie er bäte!, obſchon er das ermwählte, was für 
fie beide das jchlimmere wäre. 

Da wurden die Spieße nieder (in die Erde) 
geftoßen, Eirek aber ſprach die Strophe: 

„Nie wird, möcht’ ich glauben *), 12. 
Eines Königs Erbe 
Auf ruhmvollerm Lager 
Sterben, ein Mahl dem Naben. 
Bald wird auch ob meinem 
Blut der Schlachtenvogel 
[Laut], der ſchwarze, Frächzen, 
Lohnt er mir gleich übel.“ **) 

Hierauf ging er dahin, wo die Spieke auf: 
gerichtet ftanden ***), zog einen Ring von feiner 
Hand, warf ihn denen zu, die ihm gefolgt waren 
und nun Frieden erhalten hatten, und fandte fie an 
Aslaug, indem er die Strophe ſprach: 

„Meldet auf jchnellitem F) Wege 13. 
Aslaug — meine Mannen 


*) Eigentlih: „ſoweit ic) Beifpiele (ähnliche Fälle) dafür 
weiß”, vgl. oben ©. 124*. 204*; unten Kapitel 20, 
Abi. 1. 

+) Bol. unten Str. 14,7 f. 

+++) Eigentlich: „nieder (in die Erde) geſtoßen waren“. 

-F) Genauer: „höchſtem“, nämlid auf dem fürzeren Wege 
durchs Hochland ſtatt des längeren am Strande entlang. 

1) Bgl. Rsth. 348,14 — 17. 


278 


Selen *) — die Schlante folle 
Meine Ringe haben. 

Zraurig wird dann, wenn fie 
Meinen Tod erfahren, || 263) 
Meine Stiefmutter ihren 
Söhnen zumeift zureden. **) ' 


| Nunmehr ward er auf die Spieße gehoben. ? 
Da fah er einen Raben fliegen und ſprach ferner: 


„Hier krächzt ſchon der Rabe 14. 
Hoch ob meinem Haupte; 
Meine Augenſterne 
Heiſcht der Wundengeier: ***) 
Hackt der Rabe mir die 
Augen aus dem Kopfe, 
Lohnt der Wundenvogel 
Schlecht manch' reiche Spende. f) 


| So: ließ er fein Leben mit großer Stand- 
haftigkeit. 44) ? 


*) Rsth. lieſt vieleicht richtiger: „vorbei iſt's mit den Oft⸗ 
fahrten“. 

**) Die Ueberſetzung iſt unſicher. Die Stelle ſcheint ver⸗ 
derbt überliefert. an) ift wohl die folgende Auf- 
reizung zur Rache. 

***) Wundengeier — Rabe. 

+) Vgl. Str. 12,8. 

++) = oben ©. 200 *; unten ©. 3130. 


1) Die Strophe = Rath. 348,28—349,6. — 2) = Rsth. 9,7 |. — 
8) vgl. Rath. 349,8 f. 








279 


Seine Boten aber zogen heim und hielten 
nicht eher an, als bis fie dorthin kamen *), wo 
Ragnar feinen Siß hatte Er war aber damals zu 
einer Königsverfammlung gefahren. Auch waren 
Ragnar’3 Söhne von der Heerfahrt **) noch nicht 
heimgekommen. 

Die Boten blieben dort drei Nächte, bevor ſie 
vor Aslaug gingen. Als ſie nun vor Aslaug's Hoch— 
ſitz kamen, grüßten ſie ſie ehrerbietig, und ſie nahm 
ihren Gruß entgegen. Ein linnenes Tuch hatte ſie 
über den Schooß gedeckt: ſie war im Begriffe ſich 
zu kämmen und hatte ihr Haar aufgelöſt. Da fragte 
fie, wer fie wären; denn fie Hatte fie zuvor nie 
gefehen. Der unter ihnen da8 Wort führte, fagte, 
fie wären Eirek's und Agnar's, der Söhne Nag- 
nar's, SHeermannen geweſen. Da ſprach fie Die 
Strophe: || 264) | 

„Was jagt ihr — iſt euer 15. 
Heer im Schwedenlande (?) ***) 


*) Eine in Thidr. s. (aber aud) ſonſt) häufige Wendung 
(ſ. Germ. 25, 162). 
**) Bon der das ſiebente Kapitel Handelt, auf welcher 
Rognvald fiel, ſ. S. 281. 
**x*) Die Stelle ift gewiß jchlecht überliefert. Ach vermuthe 
(an Stelle einer beſſern Erflärung):... er ydharr | herr 
i Svia landi. 


280 





Oder $onftwo draußen? — 
(Für) neue Rönigsfunde? *) 
Nordwärts fuhren, Hört’ ich, 
Die Dänenbelden, es färbte 
Blut der Schiffe Rollen **), 
Fürder hört’ ich nichts mehr.“ 


Jener entgegnete die Strophe: 
„Schmerzlich ift’3: wir künden 16. 
Deiner Söhne Tod dir. ***) 
Alter hat dad Scidjal 
Verſagt den Söhnen Thora’2. f) 
Andere ſchlimme Kunde 
Weiß ich nicht, die neuer. 
Bollführt Hab’ ich die Botſchaft: 
Der Aar flog ob der Leiche.” T}) 


Sie fragte nun, wie daß ergangen wäre; umd 
da ſprach (wiederholte) der Bote die Strophe, welde 
Eirek gefprochen Hatte, als er ihr den Wing fandte. 
Da ſahen fie, daß fie Thränen vergoß; die aber 





*) D. 5. „Was für neue Kunde von den Königen (meine 
Söhnen) bringt ihr mir?” ©. d. Nadıtr. 
**) Wörtlih: „fie hatten Rollenröthung” ; |. oben ©. 273*. 
***) Sch leſe: that er naudh, sona daudha. 
T) Die Ueberfeßung von Berd 3 und 4 ift unficher: die 
Ueberlieferung fcheint verderbt; f. d. Nachtr. 
rr) Eirek's nämlich, vgl. Str. 14, zum letzten Verſe vgl. 
Str. 29,8 (S. 315). — Vers 7: fögrum] 1. sögnum. 








281 





waren wie Blut anzujehen und Hart mie Hagel- 
törner; niemand hatte fie weinen gefehen, zuvor nicht 
noch auch hernach. Dann fagte fie, fie könnte nicht 
eher die Rache unternehmen, al3 bis entweder Ragnar 
oder jeine Söhne heim kämen. „hr jollt aber fo 
lange bier bleiben; und ich will nicht unterlaffen, 
zur Rache aufzufordern, glei) als wenn jene meine 
[leiblichen] Söhne [gewejen] wären.“ 

So blieben fie dort; e3 fügte fi) aber, daß 
Spar mit feinen Brüdern | 265) früher heim kam 
als Ragnar. Und kaum waren fie angelangt, jo* 
begab ſich Aslaug zu ihren Söhnen !; Gigurd 
aber war damald drei (?!) Winter alt; er ging 
mit feiner Mutter. 

Als fie nun in die Halle trat, die den Brüdern 
- gehörte, ward ſie wohl empfangen. Sie befragten 
einander, was ſich ereignet habe, und jene er- 
zählten ihr zuerſt den Fall Rognvald's, ihres 
Sohnes, und was ſich dabei zugetragen hatte. Aber - 
das machte auf fie feinen großen Eindrud. Sie 
ſprach: 





*) Wörtlich: „Richt lange waren fie daheim, bevor...“ 
Vgl. oben ©. 266**, wo diefelbe Wendung etwas anders 
wiedergegeben ift. 

1) = Rath. 849,10. 


282 


„Lange ließen meine 11. 
Söhne auf Meer *) mich ftarren **): 
Wenig häuslich ***) weilt ihr 
Draußen [allzu lange })). 
Rognvald hat geröthet 
Den Schild im Meännerblute, 
Kam ſtreitkühn zu Odin Fr) 
Als meiner Söhne jüngjter.“ . 


Sch ſehe nicht (fügte fie Hinzu), daß er zu 
größerem Ruhm hätte leben können.“ +7) 

Hierauf fragten jene, | wa8 fie Neued zu er- 
zählen hätte. Sie antwortete *}): „Den Fall Eirek's 
und Agnar’3?, eurer Brüder und meiner Gtief 
jöhne, der Männer, welche meines Erachtens die 


*) Eigentlih: „WMövenfeld‘. 

*) Sehnfüihtig der Söhne wartend. 

*++) ? hüsgafls (?) medhalfeerir. 

f) Etwas derartiges ift ftatt de3 entftellten heim af zu er⸗ 
“ warten. 

tf) ©. oben ©. 10 **. 

rrr) D. 9. „daß, wenn er am Leben geblieben wäre, er 
größeren Ruhm hätte erlangen können“. 

*+) Die ganze Art, wie Aslaug ihre Söhne, die zuerft ſich 
weigern, zur Rache ihrer Stiefbrüder aufreizt, erinnert 
jehr an Gudrun's Aufreizung ihrer Söhne, Svanhil, 
deren Stiefſchweſter, zu rächen (oben ©. 213 f.). 


1) gl. Rath, 848,11. 





| 


| 


283 





tapferften Helden geweſen find. | Und es ift felbft- 
verftändlich, daß ihr ſolches nicht duldet fondern es 
furchtbar rächt. Und das erbitte ich von euch, und 
biete euch alle meine Hülfe dazu*, daß Dies 
[eher] zu ſehr als zu wenig gerocdhen werde.” I Da 
jagte Spar: „Fürwahr, ich ziehe nimmer nad) 
Schweden 266), um gegen König Eyſtein und den 
Opferzauber dort zu’ kämpfen.“ Sie drang heftig 
in fie; Spar aber führte das Wort für ſie und 
verjagte beharrlich die Fahrt. Da ſprach ſie Die 
Strophe: 
„Ihr, ihr wäret nimmer 18. 
- Range ungerodhen, 

Ein Halbjahr [nur], wäret 

Ihr zuvor gefallen — 

Unverhoblen fag’ ich's — 

Wenn am Leben wären 

Eiref fo wie Agnar, 

Die nicht ich geboren.“ ? 


Spar erwiderte: „Sch zweifle, daß **) es etwas 
hilft, wenn du auch eine Strophe nad) der andern 





— —— 


*) Wörtlich: „ih will in aller Hülfe mit euch fein“. 
**) Eigentlich: „ES iſt ungemwiß, ob...“ 
1) Bal. die ähnlide Ecene bei Saro 457,10—20: Aslogha beftimmt 


Reaner, Witſerk's Tod zu rächen. — 2) Die Etrophe — Rath. 
849,13— 21. 


284 





ſprichſt. Weißt du denn recht, was für ein jtarfes 
Hemmniß *) dort im Wege it? „Sch weiß es 
nicht gewiß (antwortete fie); „kannſt du denn fagen, 
welche Schwierigkeiten e8 dort giebt?“ Spar Sagte 
[darauf], dort fei ein jo gewaltiger Opferdienft, daß 
man nirgend von feineögleichen vernommen habe **); 
„und der König iſt ebenfo mächtig mie boshaft.“ 
„Was ift es, worauf er bei feinem Opferdienſt 
am, meiften vertraut?" Er antwortete: „Das ift 
eine große Ruh, die Sibilja genannt wird;- bie 
iſt [dur Zauberei] fo ftarf gemacht, daß, fobald 
man ihr Gebrüll Hört, feiner von feinen Yeinden 
hat Stand halten können ***); und es iſt kaum, als 
wenn. man allein mit Männern zu Tämpfen hätte; 
vielmehr muß man glauben, daß man eher dem 
Bauber zu begegnen habe al3 dem König, und dem 
will ich weder mich ausfeßen |267) noch mein Heer.” 
[Sie erwiderte:] „Du magſt bedenfen, daß du nicht 
zugleich der gewaltigifte Mann heißen kannſt und 
Doch nichtd dazu thun.” F) 

Da fie aber glaubte, daß ihr Bemühen vergeblich 


*) fastgardhr. 
“r) Bol. oben S. 263 **. 
***) Bol. oben ©. 263 7. 
PD. 9 dab du den Namen des gewaltigiten Mannes 
durch Heldenthaten verdienen mußt. 


280 


wäre, wollte fie wieder hinweggehn, [weil] jene auf 
ihre Worte nicht fonderlich zu achten ſchienen. Da 
ipra Sigurd Schlangenauge *): „Mutter, ich will 
dir jagen (ſprach er), was ich im Sinne habe, doch 
nicht8 vermag ich über Die Antworten jener.“ **) 
„Laß e8 mich hören,“ ſagte fie. Da ſprach er die‘ 
Strophe: 
„In drei Nächten foll die 19. 
Ylotte fertig liegen 
— Lange Fahrt wir haben — 
Haft du Kummer, Mutter: 
Nicht fol König Eyftein, 
Helfen una die Difen***), 
Mag viel Gut er bieten, 
Zu Uppfala berrfchen.“ ’ 


Und als er die Strophe gefprochen hatte, da 
änderten die Brüder etwas ihren Sinn. A3laug 
aber ſprach: „Du giebjt mir wohl zu erfennen, 
mein Sohn, daß du meinen Willen thun willit: 
jedoch kann ich nicht abjehen, Daß wir dies zu Wege 


*) ormr i augu, d. h. eigentlich „Schlange im Auge“, |. 
oben ©. 269”. 
=),D, h. „ich kann nicht auf den Entſchluß meiner Brüder 
einwirken‘ (über jie verfügen). 
er) S. oben ©. 56**. 186%, 
1) Die Strophe = Rath. 349,22—850,2. 


286 


zu bringen vermöchten, wenn wir nicht den Bei— 
ftand deiner Brüder Haben. Der aber fönnte jo 
ausfallen, daß ich aufs befte damit zufrieden fein 
könnte. Wohl gefällt mir dein Benehmen, mein 
Sohn.“ 

| Da ſprach Bjorm die Strophe: 


„Herz und Muth dem Manne 20. 
Werden jich bewähren 
In adlerfühner Bruft, ſpricht 
Er gleich davon wenig. || 268) 
Uns [zwar] fteht die Schlange 
Glänzend *) nit im Auge; 
[Doch] erfreuten mich die Brüder: 
Deiner Stiefſöhne gedenk' ich.“ **)! 


Und nım ſprach Hvitſerk Diefe Strophe: 


„Sinnen wir, eh’ wir geloben, 21. 
Daß die Rache ausführbar werde. ***) 
Laßt ung mandyes Unheil 


*, Eigentlich: „ein Wurm noc glänzende Schlangen”. 

**) D. h. „I Doch] meine [gefallenen Stief=] Brüder waren 
freundlich gegen mich: ich gedenke ihrer”. 

***) So nach dem beſſern Tert in Rsth. Gemeint ift wohl: 
„wir wollen zunächit darauf denfen, daß wir unien 
Schiffe Ioseifen und fo den Rachezug überhaupt ent 
möglich machen“. 


1) Die Strophe — Resth. 350,3—11. 





287 


Agnar’3 Mörder anthıun. 
„Schiebt ind Meer die Schiffe, 
Haut das Ei! vorm Schnabel; 
Shaun wir, wie die Schiffe 

\ Wir am fchnellften rüsten.“ ! 


Hvitſerk jagte aber deshalb, daß man das Eis 
aufhauen follte, weil ftarfer Froſt war und ihre 
Schiffe eingefroren waren. 

Hierauf nahm Ivar das Wort und fagte, e8- 
wäre nun dahin gefommen, daß er aud) Theil daran 
zu nehmen gedäcte, | und ſprach dann die Strophe: 

„Hohen Muth und Kühnheit 22. 
Laßt ung jebo haben; 
Dazu wird und große 
Standbaftigkeit *) nöthig. 
Mich beinlofen **) follt ihr 
Tragen vor den Männern: 
[Eine] Hand zur Rache hab ich ***), 
Brauch ich [fonft] auch feine.” *]]269) 


„And fo Steht die Sache nun (ſagte Ivar), daß 
‚ wir allen möglichen Fleiß anzumenden Haben, unfere 
Schiffe auszurüften und Mannfchaft zufammenzubrin- 


*)thra (Rsth., jtatt thar unjeres Textes). 
*)D, h. „knochenloſen“, ſ. oben ©. 257. 
*#*) So nad) Rsth. 


1) = Rsth. 850,12—2%0. — 2) — Ebd. 350,21—29. 


288 
gen; denn wir werden es nöthig — nichts zu 


ſparen, wenn der Sieg unſer fein foll.“ 
Hierauf ging Aslaug hinweg. 


. Behntes Kapitel. ı 


Sigurd hatte einen Pflegevater gehabt *), der 
übernahm ed für ihn, ſowohl Schiffe auszurüften 
al auch Mannſchaft dazu zu werben, fo daß fie 
- alle bemannt wären. Und e3 ging fo fchleunig das 
mit, daß die Slotte, welche Sigurd auszurüſten hatte, 
nad) Verlauf von drei Nächten fertig war; er hatte 
fünf Schiffe, und alle wohlgerüfte. Und nach Ver—⸗ 
lauf von fünf Nächten hatten Hvitſerk und Born 
vierzehn Schiffe gerüftet, Ivar aber zehn Schiffe 
(und ABlaug weitere zehn **) nad) Verlauf von 


*) Königsfühne wurden oft außerhalb des Hofes von an⸗ 
gefehenen Dienftmannen des Vaters aufgezogen (Wein- 
hold, Altn. Leb. ©. 285 f.). 

**) Iſt mohl ein Zuſatz, da gleich nachher die Söhne fie 

° nicht auf ihrer Flotte mitfahren laffen wollen, worauf 
-fie mit einem Landheer auszuziehn beichliekt. Das hätte 
feinen Sinn, wenn ihr jelbft gehn Schiffe zur Verfügung 
itanden. ” 


1) Der Inhalt dieſes Kapitels ift ganz kurz wiedergegeben in Reth, 
351,18. 


289 





fieben Nächten feit der Zeit, daß fie miternander 
geredet und die Heerfahrt gelobt Hatten. 

Seo kamen fie alle zufammen, und fagte einer 
dem andern, eine wie große Flotte er aufgebracht 
hätte. Hierauf fagte Spar, daß er eine Ritterjchaar 
auf dem Landivege entfandt habe. Da ſprach As⸗ 
laug: „Wenn id) gewußt Hätte, Daß ein Seer, 
welches zu Lande zöge, in Gang gebracht werden *) 
könnte, hätte ich [auch] ein großes Heer fenden Fün- 
nen.” „Wir dürfen und nun nicht [mehr] damit aufs 
halten (jagte Spar): mit dem Heere, welches wir 
zujammengebradht haben, müfjen wir nun die Yahrt 
unternehmen.” Da jagte Aslaug, fie wollte mit 
ihnen fahren: „fo weiß ich dann am beiten, wie 
viel Fleiß darauf verwendet wird, die Brüder zu 
rächen.” „Gewiß iſt,“ ſagte Spar, „daß du nicht 
auf unfere Schiffe kömmſt: [aber] daS ſoll gejchehen, 
wenn du es willit, daß du das Heer anführeit, 
welches den Landweg zieht." Sie willigte ein. Da 
nahm fie einen andern Namen an 270) und ward 
nun Randalin**), genannt. 


*)til gangs komast. Vielleicht ift aber gagns zu leſen 
(„zu Nutze fommen könnte”). Der Sinn ift jedenfalls: 
„daB es möglich wäre, mit einem Heer auf dem Yand- 
wege (mit einem Landheer) zum Biel zu gelangen“. 

**) Diefer Name, zufammengefegt mit rönd = Schild, ſoll 
19 


290 





Beide Heere machten fi nun auf ben Weg, 
und hatte Spar beitimmt, wo fie fich treffen jolkten. 
Shre Fahrt ging beiderfeit3 glücklich von ftatten, und 
fie trafen fi) an dem verabredeten Orte. Sobald 
fie nach Schweden ind Reich König Eyſtein's Tamen, 
zogen fie mit dem SHeerichilde darüber hin *), fo 
daß fie alles verbrannten, was ihnen vorfam, und 
fein Menſchenkind am Leben ließen; ja fie trieben es 
jo weit, daß fie alles tödteten, was lebendig war. 


Elftes Kapitel. 


Da gejhah es einmal, daß Leute zu König 
Eyitein entfamen und ihm fagten, wie ein großes 
Heer in jein Reich eingefallen wäre **) und fo übel 
darin hauſte ***), daß fie nichts verjchonten }) umd 
auf ihrem Wege alles verwüftet hätten, jo daß fein 
Haus mehr jtände. 

Als König Eyſtein diefe Kunde hörte, vermuthete 
er wohl, wer diefe Vikinge wären: er ließ al3bald 


fie, die wie eine Walkyrje (f. oben S. 46***) in den 
Kampf zieht, als Schildmaid, Wallkyrje bezeichnen. 
*) Wie oben ©. 273***, 
**) Wie oben ©. 273, 8. 12. 
»**) ok sv& illr vidhskiptis. 
p)? letu eigi (ecki?) ögert. 


291 





mit dem Seerpfeil ein Aufgebot durch fein ganzes 
Reich ergefu*) und berief alle feine Mannen, 
welche ihm Beiftand leiften wollten, und die [nur 
irgend] einen Schild tragen könnten. *)ı „Wir wollen 
ſprach er] die Kuh Sibilja, unfere Gottheit, mit 
and nehmen, und fie dem Heere voranſpringen laffen; 
fo meine ih, wird ed wieder ergehn wie zuvor, 
daß jene vor ihrem Gehrälle nicht Stand halten. 
Sch will alle meine Leute dazu ermahnen, daß fie 
fi aufs beite bewähren, und ſſo] wollen wir bie 
große und verderbliche Heer von und vertreiben.“ 
So geſchah ed: Sibilja murde losgelaſſen. var 
fah fie laufen und hörte das grimmige Gebrüfl, das 
fie |271) außftieß; er rief, daß das ganze Heer 
lauten Lärm mit Waffen und Kriegdgejchrei erheben 
follte, damit fie jo wenig al3 möglich ihr, des auf 
fie losſtürzenden Unthierd, Gebrüll hörten, (Zu— 
gleich] ſagte Ivar zu ſeinen Trägern, daß ſie ihn 
. [der Kuh] entgegen tragen ſollten, fo weit fie ver- 
möchten: „und wenn die Kuh zu uns heranfommt, 
jo mwerft mich auf fie; jo wird eind von beiden ge- 


*) Wie oben S. 273 +7, unten ©. 308 **, 
**) Vgl. S.308***. Aehnliche Wendungen finden fich häufig 
in Thidr. s.,. vgl. Germ. 25, 163. 


1) Bgl. Rsth. 861,8—10. 
19* 


292 


jhehn: entweder ich nerliere das Leben, oder fie 
muß fterben. Ihr ſollt nun einen ftarten Baum 
nehmen und zu einem Bogen zurechtichneiden und 
zugleich zu Geſchoſſen“ Und e8 ward ihm der 
ftarfe Bogen und die mächtigen Gefchoffe gebracht *), 
die er hatte machen laſſen, und die feinem andern 
als Waffe handrecht ſchienen.*) Hierauf ermunterte 
Ivar männiglich ſich aufs beſte zu bewähren. 


Nun zog ihr Heer mit großer Kampfwuth und 
Lärm [vorwärts], Ivar aber ward ihren Schaaren 
borangetragen. Als [aber] Sibilja anhub zu brüllen, 
ward ein jo großes Getöfe, daß fie e8 eben fo laut 
hörten, als wenn fie [jelber] gejchiwiegen oder ftill- 
geftanden hätten. Und das Hatte eine folche Wirkung 
auf fie, daß daS ganze Heer fi) unter einander 
fchlagen wollte, audgenommen die Brüder. **) AL 
dies Unerhörte geſchah, ſahen diejenigen, die Ivar 
trugen, daß er ſeinen Bogen ſo leicht ſpannte, als 
wenn es ein geſchmeidiger Ulmenzweig }) wäre, und 
jo jchien es ihnen, als zöge er feine Pfeile über 


*) Bgl. oben ©. 261 **. 
**) Vgl. oben S. 239***, 
***) Bol, oben S. 264**. 275**, 
+) Woraus die Bogen gemacht zu werden pflegten; daher 
almr = „Ulme“ und = „Bogen“. 


293 





die Spite hinaus *), [zurüd]: dann hörten fie die 
Sehne fo laut erklingen, wie fie nimmer zuvor 
gehört hatten, und fahen nun feine Pfeile jo fchnell 
dahin fliegen, al3 wenn er mit .der ſtärkſten Arm- 
bruft geichoffen hätte; und Die Pfeile trafen fo 
gut**), daß jeder der Kuh Sibilja in ein Auge 
fuhr. Da kam fie zu Fall 272). Darnad) aber 
ftürzte fie mit vorübergebeugtem Kopfe einher ***), 
und brüllte nun noch viel fürchterlicher als zuvor. 
Und als fie zu ihnen herankam, gebot Spar ihn auf 
fie zu werfen. Da ward er ihnen fo leicht, al3 ob 
fie ein Heine Kind würfen. (Sie waren nämlich der 
Kuh nicht ganz nahe, als fie ihn warfen.) Er fiel 
der Kuh auf den Rüden, und ward da fo jchiwer, 
als ob ein Berg auf fie niederfiele: ihr brachen alle 
Knochen, ımd Hatte fie. den Tod davon. Nun gebot 
er den Leuten, ihn jchleunigit wieder aufzuheben; er 
ward aufgehoben, und erſcholl nun feine Stimme fo 
durchdringend, daß es allen Heermannen war, da er 
ſprach, al3 wäre er ihnen ganz nahe, wenn fie auch 


*) D. h. fo weit zurüd, daß felbit die Pfeiljpige hinter 
dem Bogen (d. h. innerhalb: defielben) fich befand. 
**) ok svä gegnt. 
*+*) ferr hun höfudhsteypu kann bier ſchwerlich anders ver⸗ 
ftanden werden, da die Kuh nachher wirklich auf var 
zuläuft, aljo wieder aufgeftanden fein muß. 


294 





weit entfernt waren, und alle ſchwiegen jogleich auf 
jeinen Nuf*), und jo endete er feine Rede **,), 
daß die ganze Feindſeligkeit ***) von ihnen ges 
nommen ward, welche über fie gekommen war, 
und fie feinen Schaden ‚nahmen, denn ihr Heer 
hatte fich [exft] Kurze Zeit geſchlagen. Min ermahnte 
fie Spar, daß fie jenen (den Feinden) jo übel wie 
möglich neitjpielen ſollter: „umd feheint mir nun ber 
wüthendſte [Gegner] aus dem Wege geräumt, indem 
die Kuh getödtet iſt.“ 

Auf beiden Seiten hatte man nun Die Heere 
geſchaart, und mit ihrem Zufammenftoß begann die 
Schladt F); und war der Kampf fo Hart!, daß bie 
Schweden alle geftanden, fie wären nimmer in fo 
hartem Kanıpfe geweſen. Die Brüder Hvitſerk und 
Biorn drangen jo gewaltig vor, daß keine Schaar 
vor ihnen Stand halten konnte. Es fielen fo viele 
von König Eyftein’3 Heere, daß mur der fleinere 
Theil noch aufrecht ſtand; einige aber wandten ſich 
*) Wörtlih: „das beite Stillſchweigen ward feinem An- 

liegen gewährt“. 
**) D. h. und das war ber Erfolg jeiner Rede. 
er) Daß ſie nämlich in Yolge des Gebrülles der Kuh die 
Waffen gegeneinander gelehrt hatten. 
r) sigr saman orrostan. 
1) = Rsth. 351,10 f. 





295 





zur Flucht. Die Schlacht endete damit, dag | König 
Eyftein fiel, die Brüder aber den Sieg geivannen ’; 
und fie gewährten denen, die übrig geblieben waren, 
Schonung. 1273) 

” Da fagte Ivar, er wollte nicht fürder in dieſem 
Lande Krieg führen, weil daffelbe jebt ohne Ober- 
haupt fei: „ich will lieber, daß wir dorthin ziehen, 
wo mehr Uebermacht und entgegenfteht." Randalin 
aber z0g mit einem Theile des Heeres heim. 


Bwölftes Kapitel. 


Nun beredeten fie unter einander, eine Heer: 
fahrt ind Sitdreich *) zu thun; Sigurd Schlange-im- 
Auge war aber fortan mit feinen Brüdern auf jeg- 
fiher Heerfahrt. Auf diefem Zuge zogen fie vor 
eine jede Velte, bie groß (bedeutend) war, und ers 
oberten fie, fo daß nichts widerftand. 

Da vernahmen fie von einer großen, volfreichen 
und feften Stadt, und par erflärte, dorthin wolle 
er ziehen. Auch ward gejagt, wie diefe Veſte hieß, 
und wer darin herrſchte: diefer Häuptling hieß Vifit, 


*) Das deutjch-römijche Reich ift gemeint. 


1) = Rath. 351,11 f. 


296 





und nad feinem Namen war die Burg Vifildburg *) 
benannt. Sie zogen nun fo mit dem SHeerfchilde 
über [da8 Land] **), daß fie alle Burgen auf ihrem 
Wege zerftörten, bis fie nach Vifilsburg famen. Der 
Häuptling -war gerade nicht daheim in feiner Burg 
und großes Gefolge mit ihm. ***) 

Sie ſchlugen ihre Zelte auf dem Gefilde nahe 
der Veſte auf, verhielten fich jedoh an dem Tage 
ihrer Ankunft vor der Burg ruhig und begannen 
Unterhandlungen mit den Burgmännern. Sie boten 
ihnen die Wahl, ob fie die Veſte übergeben mollten: 
dann jollte allen Männern Yriede gewährt werden ; 
oder ob fie ihre Mebermacht und Tapferkeit verſuchen 
wollten: dann aber mwiürde niemandem Pardon ges 
geben werden. 


Jene erflärten kurz umd bündig, daß fie Diele 
Veite niemals |274) jo gewinnen Tönnten, Daß fte 
(die Burgmannen) fie übergäben: „Und werdet ihr 


*) „Wiflisburg (Avenches) liegt wenig öftli vom Neuf⸗ 
hateller See, nicht weit von Murten“, ſ. ©. Storm, 
Ragnar Lodbrok u. j. w. ©. 110 J„Mitth. der Antig. 
Gejellichaft zu Zürich, S. 1—24”]. Bgl. Nth. Kap. 8, 
vorlegter Abjap. 

**) Bol. oben ©. 273***, 290*, 

***) D. h. war mit ihm ausgezogen. 


297 » 





euch zuvor verjuchen müſſen und und eure Kühnheit 
und Kampfmuth ſehen laffen.“ 

Nun verging die Nacht, und am folgenden Tage 
verjuchten fie die Veſte zu erobern, richteten aber 
nicht? aus. Sie belagerten nun einen halben Monat 
diefe Veſte, und verfuchten jeden Tag und mit man- 
cherlei Liſten fie einzunehmen: aber es glüdte um fo 
weniger, je länger fie e8 verfuchten; und fie gedachten 
nun abzuziehen. Als aber die Burgleute dies merften, 
da kamen fie heraus. auf die Burgmauern und be= 
hängten rings umber die Mauern mit Toftbarem Zeuge 
und all den fchönften Gewanden, jo in der Stadt 
waren, und legten ihnen Gold zur Schau und Die 
koſtbarften Meinodien, jo in der Stadt ſich fanden. 

Darauf hub einer aus ihrer Schaar zu reden 
an und ſprach: „Wir dachten, daß diefe Männer, 
Ragnar's Söhne, und ihr Volk tapfer wären: aber 
wir können [wohl] fagen, daß fie nicht mehr aus- 
gerichtet haben ald andere Männer.“ Sodann er⸗ 
hoben fie ein Kriegögefchrei gegen fie, fchlugen auf 
die Schilde und forderten fie heraus, fo viel fie 
nur konnten. 

Als Ivar dieſes hörte, erbojte es ihn fehr, und 
er ward jo jehr Trank davon, daß er fein Glied *) 








*) Wörtlich: „Mich] nirgends“. 


| 298 _ 


rühren Tonnte; ımd fie mußten abwarten, bis es 
entweder mit ihm befjer würde, oder er ftürbe Ex 
lag den ganzen Tag bis zum Abend ohne ein Wort 
zu ſprechen. Dann befahl er dei Leuten, die um 
ihn waren, jenen Brüdern Born, Hoitferf und 
Sigurd zu fagen, er winfchte 11275), daß fie ſammt 
allen den weiſeſten Männern zu ihm kämen. 

AR nun alle’ die vornehmſten Häuptlinge, jo 
im Heere waren, verfammelt waren, befragte fie Spar, 
ob fie irgend welchen Rath gefunden hätten, Der mit 
größerer Wahricheinlichleit zum Siege führen würde, 
al8 die früheren ‚[Berfuche. Die aber: antiuors 
teten alle, fie vermöchten feine ſolche Lit zu er- 
finnen *), die zum Siege führte: „ed ift jeht fo 
wie oft, daß uns dein Rath wird zu Hülfe Tommen 
müſſen.“ 

Da erwiderte Ivar: „Mir iſt ein Mittel in den 
Sinn gekommen, welches wir bisher noch nicht ver⸗ 
ſucht haben; unweit von hier ſteht ein großer Wald, 
und jetzt, da es Nacht wird, wollen wir heimlich 
aus unſerm Lager nach dem Walde ziehen, unſere 
Zelte aber ſollen ſtehn bleiben; und wenn wir in 
den Wald kommen, fol jeder Mann ſich ein Holz 


*) Genauer: „fie hätten nicht [ausreichenden] Berftand dazu, 
... zu ſehen (finden)”. 





299 


bündel machen. Wenn die gejchehen ift, wollen wir 
von allen Seiten an die Vefte heranziehen und das 
Holz anzünden: das wird ein gewaltiger Brand 
werden, und der Mörtel ihrer Burgmauern wird von 
diefem Feuer ih Löfen*): alsdann wollen wir die 
Burfmafchinen heranbringen und verjuchen, wie feft 
fie (die Burg) noch iſt.“ j 

Died ward ausgeführt. Sie zogen nad) dem 
Walde und blieben da, jo lange es var für. gut 
fand. Dann gingen fie nach feiner Anweiſung zu 
der Veſte, und als fie das mächtig aufgehäufte 
Holz **) anzündeten, entitand ein fo gewaltiger 
Brand, daß die Mauern ihn nicht aushalten Tonn- 
ten, und ihr Mörtel ſich löſte. Nun brachten die 
Belagerer die Wurfmafchinen an die Burg und 
legten mehrere Brefchen hinein, und begann dann dag 
Handgemenge. Und weil nım der Kampf gleich 
war, jo ***) fiel die Schaar der Burgmannen, einige 
aber entjlohen. Der Streit endigte damit, daß fie 
(die Sieger) jedes |276) Menfchenfind erjchlugen, To 
in der Stadt war, alle® Gut [daraus] wegnahmen 


*) Eigentlih: „ihre Burgmauern werden ihren Mörtel ver- 
lieren“. 
*®) vijdhinn inn mikla. 
”) Wörtlich: „Und fobald fie gleih im Kampfe ftanden, 
da...“ 


300 





und die Veſte niederbrannten,. bevor fie hinweg⸗ 
zogen. *) 


Dreizehntes Kapitel. 


Sie zogen von damen fort, bis fie zu der Veſte 
famen, die Luna **, hieß; fie hatten da faft im 
ganzen Südreiche alle Veiten und Schlöſſer zerftört, 
und waren nun in der ganzen Welt jo berühmt, daß 
auch das kleinſte Kind ***) ihren Namen wußte. Da 
‚gedachten fie nicht eher abzulafien, al3 bis fie Rom 
erreicht hätten, weil ihnen fo viel von der Größe 
und Volksmenge, der Pracht und dem Neichthum diefer 
Stadt gejagt war. Doch wußten ſie nicht genau, wie 
weit der Weg dahin wäre; fie hatten aber ein fo 
großes Heer bei ſich, daß es ihnen an Lebensmitteln 
mangelte. So weilten fie in der Stadt Luna und 
beriethen fich über ihre Fahrt. 

Da kam ein alter, freundlicher }) Mann dorthin; 


*) Vgl. oben ©. 262°, 

**) In Zoslana (nahe der Küſte), eine im Alterthum be⸗ 
fannte Stadt, vom isländischen Abt Nikolaus in jeiner 
Reiſebeſchreibung erwähnt als „eine Tagereife vor 
Lucca“. 

**x*) Wörtlich: „daß es kein fo kleines Kind gab, das nicht...“ 
r) Eigentlich: „angenehm, einnehmend“: gedhsligr wie oben 
©. 230, 8. 5 (Fas. 233,27); hier richtig ? 





301 


e 





[den] fragten fie, wer er wäre. Er aber jagte, er 
wäre ein Bettelmann und fei fein Leben lang durchs 
Land gewandert. „So wirft du und mandherlei 
Kunde davon geben können, was wir willen wollen?“ 
Der Alte antwortete: „Sch müßte nicht recht, 
nach welchem Lande ihr mich jolltet fragen wollen, 
von welchem ich euch nicht Beicheid zu geben wüßte.“ *) 
„Wir verlangen von dir zu erfahren, wie lang der 
Weg von bier nad) Rom ift.“ Er antwortete: „Ich 
kann euch etwas zum Merkmal [dafür] angeben: ihr 
tönnt bier dieſe Eifenfchuhe ſehen, welche ih an 
meinen Füßen babe: fie find abgelaufen **); ferner 
die andern, die ich Hier auf dem Rüden trage: fie 
find nun auch verkhlifien; als ich aber von dort weg⸗ 
ging, band ich dieje verjchliffenen, die ich auf dem 
Rüden trage, an meine Yüße, |277) und waren da 
beide neu; und ſeitdem bin ich ſtets auf dem Wege 
von dorther gewejen.“ 

Als der alte Mann jo geredet, jahen die Brü- 
der ein, daß fie ihr Vorhaben, nad) Rom zu ziehen, 
nicht ausführen könnten. Sie zogen aljo mit ihrem 


*) Diefer alte, weitgewanderte und vielerfahrene Pilger er- 
innert jehr an den Pilger (Warmund, Tragemund u. |. w.) 
der etwa gleichzeitigen deutſchen Spielmannsdichtung, dem 
„zweiundfiebzig Lande Fund‘ find. 

*®) Eigentlich: „alt“. 


= 302 





Heere von dannen, umd eroberten viele Burgen, 
welche nie zuvor waren eingenommen worden; und 
davon fieht man heute noch die Wahrzeichen. 


Bierzehntes Kapitel. 


Mittlerweile *) ſaß Ragnar daheim in feinem 
Reiche !, und wußte nicht, mo jeine Söhne waren, 
noch auch Aslaug, feine Gattin. Er hörte aber alle - 
feine Wannen ſagen, daß niemand ſich mit feinen 
Söhnen mefjen könnte, und er erfannte, ihr Ruhm 
hätte nicht jeinedgleichen. | Da überlegte er bei fidh, 
was er [jelber] für einen Ruhm ſuchen könnte, der 
nit minder dauernd wäre? Nachdem er jeinen 
Entſchluß gefaßt hatte, fieß er Rauleute kommen und 
ftarfe Bäume zu zwei großen Schiffen füllen. Und. das - 
jah man, daß es zwei | Trandportichiffe **) ? waren, 


— 





*) Wörtlih: „Nun ift da wieder die Erzählung auf- 
zunehmen, wo (dab) R... .” 

**) knarrar, |pec. von Handelsſchiffen gebraucht im Gegen⸗ 
fag zu den Kriegsfchiffen (Langichiffen), waren ihrer 
Form wegen befonder3 zum Transport (von Waaren 
oder Kriegern) geeignet, Vgl. übrigens — Altn. 
Leben 140. 


1) Bgl. Rsth. 351,16 f. — 3) vgl. ebd. 851,17—19. — 3) vgl. Rath. 
861,21 f. 


303 





jo groß, wie noch feine in den Nordlanden gebaut 
worden. : Zugleich ließ er in feinem ganzen Weiche 
viele Waffen bereiten.*) An diefen Wuftalten ſah 
man, daß er eine Heerfahrt aus dem Lande vorhätte. 
Daß Gerücht Hiervon erfcholl weit und breit in den 
Nachbarländern, und die Leute und alle Könige diejer 
Länder fürchteten, daß fie nicht in ihren Landen und 
Reichen wilrden bleiben können; und ein jeder von 
ihnen ließ alſo an feinen Grenzen Wache Halten, ob 
1278) ex etwa landen würde. **) 

Einmal fragte Rawdalin (Aslaug) Ragnar, was 
für eine Geerfahrt er vorhätte. Er jagte ihr, er 
wollte nad England, und zwar mit nicht mehr 
als zwei (Transport-)Schiffen ! und der Mannfchaft, 
welche fie fafjen könnten. ***) | Da erwiderte Randalin: 
„Dieſe Fahrt, die du im Sinne haft, jcheint mir 
unvorfichtig ?: mi dünkt, es wäre dir rathjamer, 
mehr und Heinere Schiffe zu haben.“ „Das iſt 
nichts Außerordentliches (verjeßte er), mit vielen 
Schiffen ein Land zu erobern: davon aber giebt es 
noch fein Beiſpiel, daß mit zwei Schiffen ein folches 


*) Wörtlih: „große Waffenbereitung halten‘. 
**) Bol. unten ©. 308*. 
***) Wörtlich: „die auf ihnen fahren Könnten”. 
1) = Rsth. 351,17. 21 f. — 2) vgl. Rath. 351,97 f. 


304 





Land wie England erobert worden wäre: und wenn 
ich etiva befiegt werde, [fo iſt es] um fo befier, je 
weniger Schiffe. ich mitgebracht habe.” | Da erwiderte 
Randalin: „Die Ausrüftungstoften dieſer beiden Schiffe 
fcheinen mir nicht geringer *), als wenn bu viele 
Langſchiffe zu diefer Fahrt vermendetefl. Du weißt 
aber, daß es fchwierig ift, in England zu landen !; 
und wenn ed gefchehen follte, daß deine Schiffe unter- 
gingen, die Mannfchaft aber and Land käme, dam 
wäret ihr fofort verloren, falls ein Landheer heran- 
zöge. Leichter aber iſt es mit Langſchiffen, als mit 
Transportſchiffen Häfen anzulaufen.“ Hierauf ſprach 
Ragnar die Strophe: 
„De Rheine Raub **) nicht ſpare 3. 

Der Held, wirbt er Heermannen, 

Mehr ziemen Hugem Fürſten 

Biel Helden als viel. Ringe. 

Weh der Burg, wo Ringe 

Mehr ala Kämpfer gelten. ***) ||279) 


*) Wörtlih: „Mir jcheinen die Koſten nicht geringer, bevor 
(bis daß) diefe Schiffe gerüftet find...” 
**) D. h. Gold, weil der Nibelungenhort in den Rhein ver- 
ſenkt ward, j. oben ©. 199°. (Ueber rauf — „Raub“ 
ſ. Bugge, Röksten., ©. 21 f.) 
*#*) Genauer: „Schlimm ift e8, daB (wenn) in einer Burg 
Gold (bauga lidh) [mehr] gilt, ald das [im Kampf) ge 
1) = Rsth. 851,24—26. 


305 


Manchen König, weiß ich, 
Ueberlebte fein Reichthum.” *) 


Er ließ nun feine Schiffe rüften und ſammelte 
Ah Mannſchaft, fo dab die Schiffe ſtark beſetzt 
waren. Es ward nun viel über fein Vorhaben ge- 
redet; da ſprach er wieder eine Strophe: 


„Was ift das? Ach Höre 24. 
Sturm (?) von... . rauschen 
Me a re F 


Feſtentſchloſſen dennoch 
Will ich, wenn's die Götter 


röthete Schwert” (brand raudhum; oder „als Schwert⸗ 
röther“, d. h. Kämpfer: brandrödhum?). Iſt fyr zu 
ergänzen: [fyr] brand raudhum? oder jteht lidh fäljch- 
li für ein Komparativadv. im Sinne von meirr? 


*) Nach Gislaſon (Njala II. 1, ©. 18) wäre der Sinn: 
fein Reichthum erhielt fi länger als jein Nachruhm. 


**) Die Halbitrophe ift namentlich in ihren legten Werfen 
fo entitellt überliefert, daß man nicht einmal den Sinn 
erfennen kann. Nach der vorhergehnden Proſa jollte 
man eine Beziehung auf die (doch wohl mißbilligenden) 
Aeußerungen über feinen Plan vermuthen, etwa: „Was 
höre ich für ein Gemurmel (wie einen Sturm) durd) 
die Menge braufen, daß meine Yahrtgenoffen vor den 
Gefahren meines Planes zurücbeben”?? Vgl. d. Nadtr. 

20 


306 


Wollen, diefen PBfeilfturm *) 
Unverzagt erwarten.” 


Als die Schiffe und die Mannſchaft, welche ihn 
begleiten follte, fertig waren und ſolch Wetter ward, 
welches ihm günſtig fchien, jagte Ragnar, daß er 
zu Schiffe gehn wollte Und als er gerüftet war, 
begleitete jie (Aslaug) ihn zu den Schiffen, und be 
vor fie ſich trennten, fagte fie, fie wollte ihm dad 
Kleid vergelten, welches er ihr vormals gegeben 
hätte. **) 


Er fragte, welche Bewandtniß es damit hätte; 
und fie fprad) die Strophe: 


„Nimm ***) dies lange Hemde, 26. 
Nirgend iſt's genähet, 
Liebevoll gewoben 
Aus Haarfadengarne. ||280) }) 
"Wunden dir nicht bluten, 
Schwerter did nicht ſchneiden 





-—_ 


*) D. h. „Kampf“. Eigentlich „Sturm des Armfeuer? 
Egils“ (des Schützen). 


**) S. oben ©. 252 f. Sie hatte es alſo doch genommen. 
Fr) Wörtlich: „Dir gönn’ ich“. 


>. h. aus Garn, defien Fäden aus Haaren gefponnen 
find, 


307 


In dem heiligen Kleide *): 
Solchen **) Göttern weiht ich's. 
Er ſagte, auf dieſen Vorſchlag ***) wolle er 
eingeht. Aber bei ihrem Scheiden fah man mohl, 
daß ihr die Trennung ſehr zu Herzen ging. 


Sünfzehntes Kapitel. 


| Ragnar jteuerte mın mit feinen Schiffen nad) 
England, wie ®r ſich vorgefebt hatte; er hatte 
heftigen Wind, fo daß ihm feine beiden Schiffe an 
der engliihen Küfte fcheiterten. Doch kam fein 
ganze Heer and Land! mit allen Kleidern und 
Waffen; ımd |alle Dörfer und Städte und Schlöfjer, 
die er auf feinem Zuge antraf, nahm er ein. ? 

Der König, der damal3 über England herrjchte, 
hieß Ella.? Er Hatte ſſchon] Ragnar's Abfahrt aus 

5 


*) Ebenfo erhält Wolfdietrich bei feinem Auszuge von 
feiner Mutter (in B, 349 von Sigminne) ein geweihtes 
Seidenhemde, welches ihn vor jeder Art Waffen, Wafjer 
und Feuer ſchützt (Wolfd. A, 28—30. 43035). Bl. 
auch die Legende vom „ungenähten Rock“ Chriſti. 

**) theim godhum „folchen Gottheiten“, die vor Verwun⸗ 
dung ſchützen können (?). 
***) Nämlich, daß er das Hemd im Kampfe anlegen jolle. 
1) = Rsth. 351,29—852,3. — 2) vgl. ebd. 351,3 f. — 3) = Ebd. 858,5 f. 
20* 


308 





‘ feinem Lande vernommen, und hatte Männer auf- 
geftellt, um es fofort zu erfahren, wenn das Heer 
landete. *) Dieje | Männer kamen nun zu König 
Ella und braten ihm die Kriegsbotichaft. ! Da 
ließ er ein Aufgebot durch fein ganzes Reich er- 
gehn **), und ließ jeden Mann aufbieten, der einen 
Schild führen und ein Roß reiten fünnte und 
Muth hätte zu jtreiten. ***) | Und brachte er ein fo 
großes Heer zufammen, daß es eritaunlid war. Da 
rüfteten fie fih zur Schladt, Ragnar und König 
Ella.? König Ella ſprach fein Heer alſo an: „Wenn 
wir in diefer Schlacht fiegen und ihr Ragnar’3 ge- 
wahr werdet }), fo follt ihr nicht die Waffen gegen 
ihn kehren, denn er hat ſolche Söhne daheim ++), 
daß fie nimmer von und ablaſſen werden, wenn er 
fällt.“ 


*) Bel. oben ©. 303**. 
**) Wie oben S. 273177. 291*: faſt mörtliche Deberein⸗ 
ſtimmung. 

“Bol, oben S. 291 *. 320** und ähnliche Wendungen 
in der Thidr. s. (f. Germ. 25, 153), 3. B. I, 174; II, 
221 f. 238. 243. 

+) Eigentlih: „deſſen gewahr werdet, dab Ragnar ge: 
fommen iſt“. 

rr) Eigentlich „nach“, d. 5. „ihn würden ſolche Söhne über: 
leben”. 

1) 3gl. Rath. 352,6 f. — 2) Bgl. ebd. 352,7 f. 


309 





Ragnar rüftete fi nun [auch] zur Schladht; | 
und 281) trug er da8 Hemde, welches Randalin ihm 
Beim Scheiben gegeben hatte, anitatt des Panzers 1, 
und hielt den Spieß in der Hand *), mit dem er den 
Wurm, der um Thora’3 Saal lag, befiegt hatte, was 
fein anderer gewagt hatte. Er trug feine anderen 
Schutzwaffen al$ den Helm. 

Sobald fie [beide Heere] an einander famen, | 
begann die Schladht. *)? Ragnar Hatte ein viel 
kleineres Heer. Die Schlacht Hatte noch nicht Lange 
gedauert, als ſchon ein großer Theil von Ragnar's 
Heer gefallen. war.? Wohin er aber felbit fam, da 
war fein Widerftand: er drang den [ganzen] Tag 
durch die Schaaren bin und zurüd*, und wo er 
gegen Schilde, Harnifche oder Helme hieb oder ſtieß, 
da waren jeine Hiebe jo gewaltig, daß nicht3 wider- 
ftehn Zonnte. ***) | So viel aber auf ihn gehauen 
oder geſchoſſen ward, jo konnte Doch feine +) Waffe 


*) Bol. oben ©. 236, 3. 9 f. die ähnliche Schilderung. 
**) Wie oben ©. 2947. 
Bol. zu diefer Schilderung ähnliche Wendungen oben 
©. 21°. 49°, 66, 3.11 ff. 80*** und +. 275, 8. 10—13. 
+) Wörtlich: „aber niemals ward jo auf ihn gehauen... ., 
daß eine...“ 


1) = Rath. 859,9—11. — 2) vgl. ebd. 352,9. — 3) — Ebd. 358, 
11—13. — 4) = Ebd. 353,18 f. 





310 


ihm Schaden zufügen, und er empfing feine Wunde. ! 

Er erichlug eine große Menge von König Ella’3 

Leuten: doch aber endete die Schlacht *) damit, daß 

Ragnar's Manmen alle fielen, er felber aber mit 

Schilden überdrängt **) | und fo gefangen ward. ? 

Nun fragte man ihn, wer er wäre; er aber 
ſchwieg darauf und antwortete nihtd. Da ſprach 

König Ella: „Diefem Manne muß noch härter zu- 

gejeßt werden, wenn er und nicht jagen will, wer 

er ift ***); er ſoll in eine Schlangengruber) geworfen 
werden und recht lange darin verbleiben. Wenn er 
aber irgend etwas derartiges fagt, daß wir daraus 
*) Gigentlih: „ihr [Ragnar’3 und Ella’3] Kampf“. 
**) D. h. von allen Seiten durch vorgebaltene Schilde ein- 
geichlofjen. 

***) „Wer unter dem Anſcheine feindlicher Gefinnung nad) 
Namen und Geichlecht gefragt wurde, dem gebot ritter- 
liche Sitte, Antivort zu mweigern, damit es nicht ausſehe, 
als wünſche er den Kampf zu vermeiden“ (Grimm, 
HS 363). Mit dieſer Sitte, für welche die Thidr. =. 
viele Beifpiele bietet, jcheint auch Ragnar's Weigerung, 
fih zu nennen, zufammenzubängen, infofern er durch 
die Nennung jid) von Tod und Qualen befreit Hätte. 

7) Eigentlih: „Schlangenhof“. Die Situation Ragnar's 
ijt offenbar der Gunnar’3 (oben ©. 199 f.) nachgebildet 
(vgl. G. Storm, Ragn. Wodb., ©. 78). 

1) Rsth. 352,15. — 2) = Ebd. 352,15 f. 





311 


verſtehn können, daß er Ragnar iſt, ſo ſoll er als⸗ 
bald wieder herausgezogen werden.“ 

Nun brachte man ihn dorthin, und er ſaß 
ſehr lange dort, ohne daß die Schlangen ſich irgend- 
wo an ihn gehängt hätten." Da fagten die Leute: 
„Das iſt ein gewaltiger Mann: Leine Waffen ver: 
jehrten ihn heute, und jeßo thun 282) ihm auch die 
Schlangen feinen Schaden.” Da befahl König Ella, 
ihm da8 Gewand abzuziehn, melches er zu oberſt trug. 
Das geſchah, und [al3bald] hingen die Schlangen von 
allen Seiten an ihm. ? Da ſprach Ragnarx „Die 
Srifchlinge *) würden grunzen, wenn fie wüßten, was 
der Alte leidet.” **) 3 Und obſchon er aljo jpradh, 
wußten fie nichtödejtomeniger noch nicht, daß es 
Ragnar wäre und nit ein andrer König, Da 
ſprach er die Strophe: 

„Ein und funfzig Schlachten 26. 
Kämpfte ich, die zuhmvoll 
Schienen: vielen Männern 
Ward mein Schwert zum Schaden. ***) 


*) D. h. die jungen Schweine (Eher). 

++) Dieſe Worte fehren in Str. 27,1 f. wieder; vgl. dafelbft. 
***) Wörtlich: „fügte ich Schaden zu“. 
1) Bal. Rath. 352,16 f. — 2) = Ebd. 852,17—23 (meift wörtlich äber- 


einftimmend). — 3) Ragnar’8 ganzen Feldzug und feinen Tod durch 
die Schlangen faßt Saro 460,17—26 kurz zufammen ; |. zu Etr. 27,11. 


— 


— 


Wähnte nicht, daß Schlangen 
Mich ertödten würden. 
Manchen trifft, was er am 
Wenigſten erwartet.‘ 1 


Und weiter ſprach er die Strophe: 


. „Srunzen würden die Jungen, 27. 
Wüßten des alten Ebers *) 
Noth fie: Schlangen mid) ftechen, 
Graben ein die Mäuler, 
Ziſchen laut und Haben 
Mein Blut ausgefogen. 
°e Bald bin id) des Todes, 
Sterb ich unter Nattern.“ **) * |1288) 





*)D. h. die jungen Helden (meine Söhne) würden Rade 
ſchnauben, wenn fie ihres Vater! (meine) Noth wüßten. 
Auch ſonſt wird der Held mit einem Eber verglichen; 
jo 3. B. oben ©. 159°; Thidr. s. II, 314. — Zu den 
beiden Berjen vgl. aud) oben ©. 311**, 


**) Wörtlih: „Ihieren nahe”. Aber Schlangen heißen fonjt 
wohl nirgends dyr. Vielleicht dyrum von dyrr [nänl. 
manni oder daudha, hettil: „wie ein Held“ oder 
„ruhmvollen Todes" ? Vgl. Rafn, Kämpehistorier 
(Ragn. s.), ©. 225. 

1) Zu der Strophe vgl. Kräkumal Str. 28. — 2) Theilweiſe wörtlid 
überfegt bei Saro 460,25 f.: Si sucule verris supplicium 
scirent, haud dubio, irruptis haris afflictum absolvere prope- 


rarent. Dem Sinne nad entipriht Kräkm. Str. 26; vgl. Wafı, 
Krakas Maal, S. 73—74. 


313 





So ließ er fein Leben *) ! und [feine Leiche] 
ward nun von dort fortgeholt. König Ella aber 
war überzeugt, daß [ed] Ragırar Ban: der] fein 
Leben gelafien habe. ? 

Er überlegte nun bei fi, wie er dad aus—⸗ 
findig machen und wie er es anjtellen follte, daß 
er fein Reich behaupten könnte, und wie er er- 
fahren follte, welchen Eindrud die Nachricht auf 
Ragnar's Söhne machte. Er faßte den Plan, ein 
Schiff ausrüften zu Lafjen und den Befehl deſſelben 
einem ebenſo Hugen als tapfern Manne zu übergeben. 
Er gab ſoviel Mannfchaft dazu, daß es wohl be- 
mannt war, und fagte, er wollte fie zu Ivar und 
feinen Brüdern fenden und ihnen den Tod ihres 
Baterd kund thun laſſen. Diefe Fahrt aber fchien 
den Meiften gefährlich, fo daß wenige fahren wollten. 
Da fagte der König: „Ihr ſollt genau darauf Acht 
geben, welchen Eindrud diefe Nachricht auf einen 
jeden der Brüder madt. Fahrt dann eure Weges, 
wenn ihr günftigen Wind befommt.“ Er ließ ihre 
Fahrt fo zurüften, daß es ihnen an nichts man 








*) ‚mit großem SHeldenmilth“ fügt Rsth. Hinzu, wie es 
wörtlich aud) ©. 200** von Gunnar’3 Tode beißt (vgl. 
auch oben ©. 27877). 


1) = Rsth. 352,22 f. — 2) vgl. Saro 461,14. 





314 


gelte*); fo fuhren fie ab, und ihre Reife ging 
glücklich von ftatten. 


Sechszehntes Kapitel. 

Ragnar’3 Söhne fehrten, nachdem fie im Sübd- 
reich **) geheert Hatten, wieder nach den Nordlanden, 
und wollten heim in ihr Reich, über welches Ragnar 
herrſchte. Sie wußten aber nichts von feiner Heer: 
fahrt, wie e8 mit derfelben geworden, und waren 
doch jehr begierig zu erfahren, wie es ergangen wäre. 
Sie zogen nun von Süden her durchs Land: aber 
überall, wo man den Anzug der Brüder vernahm, ver: 
wüfteten die Einwohner jelber ihre Städte, fchafften 
ihre Habe fort und flohen von Hinnen, fo Daß jene 
faum. Unterhalt für ihre Leute aufbringen konnten 
Da gefchah es eined Morgens, daß Bjorn Eifenfeite ***) 
beim Erwachen }) folgende Strophe ſprach 284): 

Hier fliegt jeden Morgen 28. 
Ueber diefen Burgen 


*) D. H. er gab ihnen alles Nöthige zur Yahrt, fo dab 
fie nicht3 weiter brauchten. 

*, &, oben ©. 295*. 

***\ Jarnsidha. „Biörnus vero . .. .. tanquam & ferrei 
lateris firmitate sempiternum usurpavit agnomen“ 
Saro 450,12 ff. 

r) Eigentlich: „erwachte und ... .“ 


315 


Der Yar*) und klagt, er müſſe 
Heil **) Hier Hungers jterben. 
Er flieg’ ang Sitdgeftade, 

Wo wir mit ſcharfen Hieben 
Blut vergoffen. Dort Tann 
Todtenblut er finden.” 


Und weiter ſprach er: 


„Zuerſt war’3, da wir fuhren — 29. 
Frey's Spiel ***) da begann id — 
Mit nur wenig Mannen (?) f) 
Sn dem römiſchen Reiche TY): 
Da ſchwang id) mein Schlachtichwert 
Durch ergrauter Helden 
Bart (?) zum Männermorde: 
Der Aar ſchrie über LXeihen. FrY) 


Run traf es fi, daß fie früher ind Dänenreid) 
famen ald die Abgefandten König Ella's, und faßen 


*) Eigentlich der „Habicht des Leichenfeldes“: hraess- (Egils⸗ 
fon) heidhar-valr. 
**) D. h. bei gejunden Xeibe. 

“ek, Frey's Spiel” wird hier — „Kampf gedeutet, was 
doch ſchwerlich richtig ift (j. auch H. Peterſen, Nord- 
boernes gudedyrkelse etc., S. 89). Vgl. d. Nachtr. 

y) Genauer: „als wir feine Schaar von 80 Mann (öld) 
hatten‘ ? 

yr) Daffelbe hieß oben S. 295*, 314 ** Südreich“. 

) Sol. Str. 16,8 (©. 280). 


316 


nun ruhig daheim mit ihrem Heer. Die Sendboten 
famen nun mit ihrem Gefolge zu der Burg, mo 
Ragnar's Söhne gerade Hof hielten *), und traten 
in die Halle, wo fie tranfen, und vor den Hochſitz, 
auf welchem Spar lag. Sigurd Schlangenauge und 
Hvitſerk der Tapfere faßen beim Brettfpiel, und 
Bjorn Eifenfeite ſchnitzte auf dem Eſtrich der Halle 
einen Speerſchaft. Und 285) als die Gejandten 
König Ella’3 vor Spar traten, begrüßten fie ihn 
ehrerbietig. Er nahm ihre Begrüßung entgegen und 
fragte fie, woher fie wären**) und was fie Neues 
brächten. Ihr Anführer antwortete, fie wären eng- 
hide Männer, und König Ella habe fie mit der 
Nachricht Hergefandt, daß fie den Tal Ragnar's, 
ihres Vaterd, verkünden ſollten. Sigurd und Hvitſerk 
hörten fogleih mit dem Brettſpiel auf und gaben 
gejpannt Acht auf diefen Bericht. Bjorn hatte ſich 
vom Eſtrich der. Halle aufgerichtet ***), und ftüßte 


*) Eigentlih: „Bewirthung empfingen“. Die Könige 
hielten, wenn fie durchs Land zogen, bald bier, bald dort 
in den Belißungen ihrer Unterthanen Hof und mußten 
nebft ihrem Gefolge von denfelben — werden. 
Bol. Weinhold, Altn. Leben 457 f. 


**) Vgl. oben ©. 279, 3.8 ff. 
**#) Cigentlih: „er jtand [aufrecht] auf dem Eſtrich“. 


317 





fih auf feinen Speerſchaft. Spar aber fragte fie 
genau, unter welchen Umſtänden fem Tod fich zu- 
getragen habe. Jene erzählten alles, wie es fich be- 
geben hatte, von feiner Anfımft in England bis zu 
feinem Tode; und als fie in ihrer Erzählung dahin 
famen *), daß er gefagt hatte, „Grunzen werden Die 
Friſchlinge,“ da faßte Bjorn den Speerjchaft anders 
an **), und fo feit hatte er [denfelben] gehalten, daß 
die Handftelle ***) daran zu ſehen blieb. Und als die 
Abgeſandten ihre Erzählung beichlofjen, jchüttelte er 
den Speer [dermaßen, daß er] entzwei [ging] und in 
zwei Stücke zeriprang. Hvitſerk aber hielt einen 
Brettftein, den er geichlagen hatte, [in der Sand] und 
preßte den fo feit [in der Sauft], daß ihm das Blut 
aus allen Nägeln fpribte +)! Sigurd Schlangen 
auge hatte ein Meſſer in der Hand gehalten, als 
dieſer Bericht erftattet ward, und fo forgfältig gab 
er Acht auf die Nachrichten, daß er ed FF) nicht eher 


*) Eigentlich: „als ihre Erzählung dahin kam“. 
**x) Wörtlich: „er rüdte die Hände am Speerſchafte“. 
e***) D. h. die Stelle, wo er den Speer angefaßt Hatte. 
T) Diefelbe Wendung wörtlich zweimal in Thidr. s. I, 43. 
263 (ſ. Germ. 25,56 **). 
++) Genauer müßte e8 heißen: „daß er [fich in den Finger 
fchnitt und] es ...“ 
1) = Saro 462,8 ff., der dafſelbe von Born erzählt. . 





318 


inne ward, als bis dag Meffer ihm bis auf den 
Knochen gedrungen war, und adjtete des [doch] 
nit. *) 2 Ivar aber forjchte nach allem aufs ge 
naueite, und jeine Zarbe war bald roth, bald blau, 
bald aber 1286) bleich *), und er war fo aufge 
ſchwollen, daß feine Haut ganz wie aufgeblafen war, 
von dem Ingrimm in feiner Bruft. ? a, 
Nunmehr nahm Hvitjerf das Wort und fagte, 
„fe könnten damit die Rache am fchleunigften be 
ginnen, daß fie König Ella’3 Abgeſandte erjchlügen.“ 
Spar [aber] ſprach: „Das foll nicht geſchehen: fie 
jollen in Frieden ‚fahren, wohin fie wollen; und 
wenn es ihnen an irgend etwas gebricht, jo ſollen 
fie e8 mir anfagen, und ich will es ihnen geben.“ 
Als jene nuh ihren Auftrag ausgerichtet hatten, 
gingen fie zur Halle hinaus und nach ihrem Schiffe. 
Und fobald ihnen der Wind günftig war, ftachen fie 
in See, und ihre Reife ging glücklich von ſtatten, bis 


*) Obwohl er nicht nur den Nagel, jondern auch das 
Fleiſch bi auf den Knochen abgefchabt hatte — weil er 
es erjt merkte, al3 er auf den Knochen fam — verzog 
er doch feine Miene dabei. 

**) Diejelbe Wendung Thidr. s. II, 469 .u. ſ. w. 
1) gl. Saro 462,2 ff., der ungefähr daffelbe ebenfalls von Sigurd 


(Sivardus) berichtet. — 2) vgl. die abmeidhende, aber ähnliche 
Yaflung bei Saro 461,13 ff. 


319 





fie heim zu König Ella famen umd ihm berichteten, 
wie jeder der Brüder fich bei Diefer Botjchaft ge- 
berdet hätte. | Als König Ella died vernahm, ſprach 
er: »„„Es fteht zu erwarten, daß wir Spar oder 
ſonſt feinen zu fürchten haben werden, nad) dem, was 
ihr mir von ihm jagt. ! [Mu] jenen würde es 
[zwar] nit an Muth fehlen*), doch (?) möchten 
wir bor ihnen wohl unfer Reich behalten.“ Cr ließ 
nun an allen Grenzen feines Reiches **) Wache 
halten, fo daß fein feindliches Heer ihn unverjehends 
überfallen Tonnte. ***) 


Siebzehntes Kapitel. 


Sobald aber die Abgeſandten König Ella’3 weg— 
gefahren waren, gingen die Brüder zu Nathe, wie 
fie die Rache ihres Vaters Ragnar anitellen follten. 
Da Iprah Spar: „Sch werde Teinen Theil daran 
nehmen, und feine Mannjchaft dazu hergeben; Denn 
ed erging Ragnar, wie ich vorausſah. Er bat feine 
Sade übel angefangen, denn er hatte feine Urſache 


*) Eigentlich): „ed würde jenen gut [fein] zwijchen den Rip- 
pen“, d. 5. in der Bruſt. Vgl. oben Str. 20,4. 
*#) Eigentlich: „um fein ganzes Reich”. 
6%) Wie oben ©. 308*. 
1) Bol. Saxo 462,12—15. 


320 





zum Streit mit König Ella, und es ift oft gefchehen, 
wenn einer übermüthig zu handeln gedenkt mit Un- 
bill, daß e8 mit ihm 287) ein um jo ſchmählicheres 
Ende nimmt. Und will ih Geldbuße von König 
Ella annehmen, wenn er fich mir gegenüber dazu 
veritehn will.“ Als aber feine Brüder die hörten, 
wurden fie jehr zornig und fagten, fie würden ſich 
nimmer folder Schmach ausſetzen, wenn er es aud) 
wollte: „mancher wird von uns jagen, daß wir 
Ihmählich die Hände in den Schoß legen, wem wir 
unfern Vater nicht rächen wollen, und find doch jo 
weit durch die Welt mit dem Heerſchilde gefahren *) 
und haben manchen Mann ſchuldlos erſchlagen. Das 
ſoll nicht geſchehen! Vielmehr wollen wir alle 
Schiffe rüſten, die ſeetüchtig ſind im Dänenreiche, 
und fo vollzählig die Mannſchaft zuſammenberufen, 
daß jeder Mann, der einen Schild gegen König Ella 
tragen kann **), mitziehen fol.” Spar aber fagte, 
er würde alle die Schiffe zurücdbleiben laſſen ***), 


— — —- 


*) Vgl. oben S. 273***, 290*. 296. 
**) Vol. oben ©. 291**. 308 ***, 
er) In Der Hdſchr. Steht at hann mundi eptir sitja ok 
thau skip etc. „er würde zurüdbleiben nebft den 
Schiffen ...“ Dies fann nicht richtig fein, da Spar 
ja nachher mit auf der Fahrt ift und fein eigenes Schiff 
mitfahren fol (f. S. 321*). Man erivartet: at hann 





— 


über die er zu verfügen habe, „außer dem Einen, 
welches ich ſelbſt habe.“*) Als man nun vernahm, 
daß Ivar ſich die Sache nicht angelegen ſein ließ, 
brachten jene (ſeine Brüder) ein viel kleineres Heer 
zuſammen, unternahmen jedoch nichtsdeſtoweniger 
die Fahrt. 

Sobald ſie gen England kamen!, erfuhr es König 
Ella und ließ ſogleich ſein Heerhorn erſchallen und 
bot alle ſeine Mannen auf, die ihm folgen wollten. 
Da bekam er ein fo großes Heer, daß Niemand es 
zählen Tonnte**), und 309 den Brüdern entgegen. ALS 
fie nun zufammentrafen, da nahm Ivar am Kampfe 
nicht Theil, und endete die Schlaht damit, daß 
Ragnar’3 Söhne in die Flucht gefchlagen wurden 2; 
König Ella aber gewann den Sieg. Und als er nun 
dabei war, die Flüchtigen zu verfolgen, ſagte Spar, 
er wolle nicht zu feinen Leuten zurüdfehren: „und 
will ich verſuchen, ob König Ella mir einige Ehre 
ermweifen will oder nidt. Und fcheint es mir 
beſſer ***), von ihm eine Buße anzunehmen, als noch 


mundi eptir sitja(?) [läta] öll (ſtatt ok) thau 
skip... ) 
x*) D. h. auf dem ich felbit fahre: er ek [fer] &? 
**) Vgl. oben ©. 56, 8. 18. 81*. 
*4#) Wie oben ©. 261* und 265** ift kostr zu ergänzen. 


1) ®gl. Rsth. 352,24 f. — 2) vgl. Rath. 352,25—28. 
21 


mehr ſolcher Unglüdsfahrten zu unternehmen || 288), 
wie wir jebt unternahmen.” Hvitſerk fagte, er fünnte 
hierin feinen Theil mit ihm haben; er (var) aber 
müſſe in feiner Sache nad feinem Gutdünfen ban- 
deln: „wir jedoch [febte er Hinzu] werden nimmer 
Geldbuße für unfern Vater nehmen” Ivar fagte, 
fo müßte er ſich von ihnen trennen, und empfahl 
ihnen die Verwaltung des Reiches, welched ihnen 
allen gemeinjam gehörte: „Ihr ſollt mir aber [fo viel] 
fahrende Habe jenden, wie ich verlange.” Nachdem 
var [diefeg] geſprochen Hatte, | wünfchte er ihnen 
glüdliche Reife, er felber aber kehrte um zu König 
Ella. ' 

Und ald er vor den König kam, begrüßte er 
ihn ehrerbietig, und Hub alfo feine Rede an: 
„Ich bin zu euch gefommen, und will zur Sühne 
mit dir reden, und um folde Ehre zu er- 
langen, wie du mir gewährt haben willft. Und fehe 
ih num, daß ich Hülflod gegen di bin; und es 
ſcheint mir beffer, von euch ſolche Ehre anzunehmen, 
wie du mir ermeifen willſt?, als dad Leben nod) 
mehrerer meiner Mannen oder mein eigened gegen eud) 
zu verlieren.“ Da antwortete König Ella: „Manche 


1) ®gl. Rsth. 853, 28-30. — 2) vgl. die Fürzere Yaffung Rath. 
352,30—853 1. 


Leute jagen, es fei nicht räthlich, dir zu trauen, und 
du fprecheft oft jchöne Worte, während du auf Böſes 
finneft*); und es wird ſchwer für und fein, und vor 
dir oder deinen Brüdern zu hüten.“ [Ivar er- 
widerte:] „Sch werde wenig von dir beanjpruchen; 
und wenn du das zugeftehft, jo werde ich dir da- 
gegen ſchwören, daß ich nimmermehr dir feindlich 
gegenüberftehn werde.“ Da fragte Ella, was er 
als Buße forderte. | „Ich verlange,“ antivortete Ivar, 
„daß du mir jo viel von deinem Lande gebeit, fo weit 
eine Ochjenhaut reicht**) ?; außen’ umher aber joll 
Untergrund [für eine Mauer] abgeſteckt ***) werden. 
Und werde ich nicht mehr von dir fordern. Willſt 
du aber died nicht, jo jehe ich, daß du mir gar Teine 
Ehre gönnen willft.“ | „Ich ſehe nicht ein (jagte der 
König), Daß und hieraus ||289) ein Schade erwachfen 
fönnte, wenn du auch fo viel von meinem Lande 
befißelt: gewiß will ich dir dieß geben, wenn du mir 
ſchwören willit, nicht gegen mich zu kämpfen; und 


*) Vgl. Häv. 45,4 f. 
**) Diejer befannte Zug der Dido-Sage ift in unjerer Saga 
aus Gottfried von Monmouth entlehnt; t Storm, Rag⸗ 
nar Rodbrof, ©. 78 f. 
***) Eigentlich „hergeſtellt“; |. S. 325 !. 


1) = Rath. 858, 4-7. 
21* 


k 


324 


nicht fürchte ich deine Brüder, wenn du mir getreu 
bift.“ 1 

Sp wurden fie mit einander dahin einig, daß 
Spar einen Eid ſchwur, nimmer gegen ihn zu fechten 
noh ihm zum Schaden zu rathen, und follte er 
[dafür] jo viel von England zu eigen haben, fo weit 
eine Ochjenhaut, jo groß er fie ſich dazu verjchaffen 
könnte, veiche. ? 


Achtzehntes Kapitel. 


| Spar verjchaffte ſich nun eine Haut von einem 
ausgewachſenen Ochſen, die ließ er einmweichen und 
dreimal außreden; dann ließ er fie ganz in möglichſt 
feine Riemen ſchneiden *), und Diefe wieder in Die 
Haarfeite und Fleifchjeite zeripalten **). 3 Als Dies 
alles gefchehen, war es ein fo langer Riemen, daß 
es zu verwundern war; und Niemandem war in den 
Sinn gefommen, daß jo etwas möglich wäre. | Diejen 
ließ er nun auf einem Felde außfpannen ‚* und um- 
faßte derjelbe fo viel Land ***), daß da Raum für eine 

*) Eigentlih: „möglichſt ſchmal zerfchneiden”. 

**) lætr hann renna ser hvärt härram edha holdrosu. 
***) Eigentlih: „und es war da8 jo außgebehntes Land“. 


1) ®gl. Rsth. 358,14. 8f. — 2) vgl. Rsth. 353,9 f. (furz angedeutet). 
— 3) = Rath. 353,10—13. — 4) = Rsth. 358,18 f. 


; 325 


große Burg war. | Außen umher ließ er Untergrund 
wie zu einer großen Burgmauer *) abfteden. ! Da- 
rauf verfchaffte er fi) eine Menge Bimmerleute, ließ 
auf dieſer Fläche viele Käufer bauen | und dort eine 
ftarfe Burg aufführen, die wird Lunduna-Borg 
(London) **) geheißen ?; fie ift aller Yurgen (Städte) 
größte und berühmtefte in allen Nordlanden. 

AB er nun diefe Burg hatte bauen laſſen, 
hatte er fein Geld ausgegeben; er war aber (näm- 
fi) jo freigebig, daß er mit beiden Händen auß- 
theilte. Auch ſtand feine Weisheit in ſolchem An⸗ 
jehen, daß Alle ihn in ihren Angelegenheiten und 
Verlegenheiten Hinzuzogen. Und erledigte er alle 
Sachen jo, wie ed Jedem am erwünfchtejten war; |und 
290) ward beliebt, jo daß er jedermann zum 
Fremde hatte. ? Auch Hatte König Ella große Hülfe 
an ihm Hinfichtlich der Landesregierung, fo daB der 
König ihn manche Sachen und Angelegenheiten be- 
forgen Tieß, ohne daß er ich jelber Damit zu befaffen 
brauchte. 


*) D. h. den Untergrund zu einer (und zwar einer großen) 
Burgmauer. j 
**) Dagegen Rath. nach Sighvat's Knütsdräpa richtiger 
Jörvik (Hort; |. Storm, Ragnar Lodbrok, ©. 79). 


1) = Rsth. 353,14 f. — 2) vgl. ebd. 353,15 f. (Jörvik). — 3) vgl. ebd. 
358,17 f. 


326 

Als Ivar es nun dahin gebracht hatte, daß ihn 
bedünfte, er babe fi) dort feiner Zeindfeligfeiten 
[mehr] zu verjehen *), da jandte er Boten zu feinen 
Brüdern mit dem Auftrage, fie follten ihm jo viel 
Gold und Silber fenden, wie er verlangte. Als 
aber diefe Märmer zu den Brüdern kamen, fagten 
fie, was ihnen aufgetragen, und auch, wie feine 
Lage fich geftaltet Habe. Denn man war filh nicht 
Har darüber, über welchen Anjchlägen er brütete, 
und fo urtheilten die Brüder, daß er nicht mehr die- 
ſelbe Sinnedart hätte, wie er früher pflegte. Sie 
fandten ihm [indefjen] fo viel des Gutes, als er ver- 
langte. 

ALS nun die [Boten] zu Spar kamen, verichenfte 
er all dieſes Gut an die mächtigſten Männer im 
Lande, und entzog dadurch dem König Ella Gefolg3- 
leute; und alle verhießen ihm, unthätig zu bleiben, 
wenn er auch gegen denjelben **) eine Heerfahrt unter- 
nähme. ! 

Nachdem Spar fich fo Heerfolge verjchafft Hatte, 
fandte er [abermal3] Leute zu feinen Brüdern 2, ihnen 


*) Wörtlih: „daB er ſich dort vollitändigen Friedens zu 
verfehen habe‘. 
**) Eigentlich: „dorthin“. 
1) Bal. Reth, 358,17—19. — 2) vgl. ebd. 858,19 f. 


zu jagen, er wollte, daß fie in allen Landen, über 
die ihre Gewalt fich erftredte, ein Aufgebot zu einem 
Seezuge ergehn ließen und alle Männer aufböten, 
die fie erlangen könnten. Als diefe Botſchaft zu den 
Brüdern fam, veritanden fie fie fogleih und merkten, 
|daß er num ftark darauf vertraue, daß fie den Sieg 
davontragen würden. Sie jammelten aljo Mann- 
[haft ? in ganz Dänemarf und Gautland *) und in 
allen den Ländern, über welche ihre Gewalt fich er- 
ftredfte, und braten ein unwiderjtehliche Heer zu⸗ 
fammen, |291) fo ſtark fie ed nur aufbieten konnten **). 
| Da fteuerten fie mit ihren Schiffen nad) England ?, 
unausgefebt Naht und Tag, um aller Kunde von 
ihrer Fahrt zuvor zu fommen.***) 

Nun ward die Kriegäbotfchaft dem König Ella 
gebracht; da fammelte er fi) ein Heer F), | brachte 
aber [nur] ein Heined zufammen %, weil | Spar ihm 
viele Gefolgsleute entzogen hatte.“ Da z0g Ivar 
dem König Ella entgegen und fagte®, er wollte 


— — 





*) S. oben ©. 137. 
“*) Wörtlih: „und hatten das volle Aufgebot draußen“. 
*3%) Wörtlich: „und wollten nun möglichft wenig Kunde vor 
fih ber fahren laffen“. 
+) Vgl. oben ©. 273177. 290**,. 308** u. ſ. w. 


1) Bgl. Rsth. 358,20—22. — 2) = Ebd. 358,22 f. — 3) — Ebd. 358,23. 
— [4) vgl. ebd. 354,9.] — [5) vgl. ebd. 354,7 f.) — 6) vgl. ebd. 
353,34 f. — 





328 


alles erfüllen, was er gejchworen hätte: „doch vermag 
ich nicht da8 Vorhaben meiner Brüder zu beein 
tluffen*) 1; daS aber fteht in meiner Macht, fie auf 
zufuchen und mich zu erkundigen, ob ſie [nicht] ihrem 
Heere Halt gebieten wollen, und nicht mehr Schaden 
anrichten, al3 fie ſchon gethan haben. ? 

Spar begab fi nun zu feinen Brüdern; er 
redete ihnen aber fehr zu, aufs tapferite vorzurüden? 
und ed aufd ſchleunigſte zur Schladht Tommen zu 
laſſen: „denn der König hat ein viel kleineres Heer.“ 
Sie aber antworteten, er brauchte fie nicht erſt Dazu 
zu ermuntern: fie wären noch ebenjo gejonnen wie 
vormals. 

Dann begab Ivar ſich [wieder] zu König Ella 
und fagte ihm, feine Brüder wären viel zu hitzig 
und ergrimmt *, al3 daß fie auf feine Worte hören 
wollten: „und als ich Frieden zwifchen euch ftiften 
wollte, fchrieen fie dagegen. 5 Jetzt will ich meinen 
Eid erfüllen, und nicht gegen dich kämpfen, jondern 
‘mit meinen Leuten ruhig zufehen **), die Schladt 
aber verlaufe zwiſchen euch, wie jie kann und mag. 


— — — ——- 


*) Vgl. oben ©. 285**. 
**) Eigentlich: „nahe fein“. 


353,29—354,1. — 4) = Ebd. 354,1-—3. — 5) vgl. ebd. 354,3 f. 





329 


Nunmehr erfah König Ella mit den Seinen das 
Heer der Brüder; und es fuhr jo ungeftün Daher, 
daß es eritaunlic war. Da fprad Spar: „König 
Ella, es ift jebt an der Zeit, dein Heer zu fchaaren; 
ich wähne aber, du wirft eine Zeit lang einen harten 
Angriff von ihnen zu beſtehn haben.“ 

| Sobald ihre Heere zufammentrafen !, erhub 
Jih eine große Schlacht *) ; Ragnar's Söhne aber 
drangen gewaltig durch 292) die Schaaren König 
Ella’3**), und waren jo ergrimmt, daß fie nur darauf 
bedacht waren, jo viel Heldenthaten wie möglich zu 
verrichten. ***) Dieje Schlacht war heftig’ und lang und 
endigte damit, daß | König Ella mit feinem Heer fi) 
zur Flucht wandte, er [jelber] aber ward gefangen. 2 
Da war var in der Nähe und fagte, man follte 








*) Vgl. oben ©. 2947. 309**, 
**) Vgl. oben ©. 192” u, |. w. 275, 3. 13 f. 
***) 7 Die Lesart at gera at verkum sem mest wird durch 
die neu entdedte Handfchrift bejtätigt. 


4) =Risth. 854,6. — 2) vgl. ebd. 354,9 f. — Zu 1) bis 2) vgl. die ab⸗ 
weichende Yaflung der neugefundenen Handihrift, melde nach dem 
von Herrn Prof. Bugge mir gütigft mitgetheilten Texte in deutſcher 
Meberfegung jo lautet: „IElla] 30g ihnen (den Brüdern) nun ent 
gegen. Auf beiden Seiten orbnete man daß Heer forgfältig zur 
Schlacht und entfaltete die Banner. Da begann eine heftige Schladit. 
Als aber der Kampf kurze Zeit gewährt hatte, Fam Spar mit großem 
Heere dazu, feinen Brüdern entgegen. Da änderte fih die Lage und 
fielen nunmehr viele im [sneri na mannfallinu i) Heere König 
Ella’s. Ragnar’8 Söhne drangen nun tapfer vorwärts und fo er- 
grimmt waren fie, daß fie an nichts Anderes daten, als jo viel 


330 


ihm in folgender Weife den Tod bereiten: | „Nun ift 
es rathſam (fagte er), daran zu gedenken, welche 
Todesart er unjerm Vater erfor. So foll denn ein be- 
ſonders fchnigfundiger *) Mann ihm den Aar **) 
möglicäjt tief in den Rüden fchneiden und denſelben 
mit feinem Blute röthen.“ Der Mann aber, der zu 
diefer Arbeit berufen ward, that wie Spar ihm ge- 
bot. König Ella war ſchwer verwundet, bevor Dieje 
Arbeit vollendet war ***); jo ließ ex fein Leben. Die 
Brüder aber meinten nun den Tod ihre® Vaters 


*) Wörtlich: „ein mit der Spite [de3 Schwertes] bejonders 
geſchickter“. 

**) D. h. den „Blutaar“ (ſ. unten Anmkg. ). Ebenſo rächt 
Sigurd den Tod feines Vaters an Lynge (Regm. 26; 
Nth. unten ©. 371). Bgl. Storm, Ragn. Lodbr., ©. 66 f. 

**»*) Adhr thessi syslu Iykr. Wohl ein Mißverſtändniß; 
nad) dem unten mitgetheilten Text war König Ella 
fhon vor dem Schneiden des Blutaars ſchwer 
verwundet. Vgl. auch den Tert unten 1). [Naditr.] 


Helventhaten wie möglih zu verriäten. Diefe Schlacht war hart 
und währte lange. Weil aber die Mebermadt gar groß war und 
Ivar dem König Ella fo recht in die offenen Schilde (d. 5. in den 
Nüden) Tam, fo endete e8 damit, daß die Landesbewmohner flohen 
und eine große Niederlage erlitten. König Ella aber warb vor 
Nagnar’3 Söhne geführt. Er war ſchwer verwundet.‘ 

1) Bgl. Rsth. 354,12—14 (,... fie ließen Ella einen Aar auf ben 
Nüden rigen und nachher mit dem Schwerte alle Rippen vom Rüd- 
grat losſchneiden, fo daß da die Lunge herangezogen wurde‘). — In 
der neuentdedten Handſchrift heißt es: Ivar befahl, nicht vor⸗ 
ſchnell über feinen Tod zu entſcheiden: „und es geytemt fi num, 


331 


gerochen zu haben. Ivar fagte [Hierauf], ex wolle 
ihnen daS allen gemeinfam gehörige Reich überlaffen, 
er ſelber aber wolle über England herrichen. 


Neunzehntes Kapitel. 


Hierauf fuhren Hvitſerk und Bjorn heim nad) 
ihrem Reiche, deögleichen Sigurd; Ivar aber blieb 
zurücd und herrjchte über England.! Seitdem hielten 
fie weniger zufammen mit ihrem Heere, und | heerten 
bald in dieſem, bald in jenem Lande. *? Randalin 
aber, ihre Mutter, ward eine alte Frau Ein- 
mal hatte ihr Sohn | Hpitjerf eine Heerfahrt gen 
Dften unternommen; da fam ihm eine fo große 
Mebermadt entgegen, daß er nicht Widerftand leiſten *) 
fonnte, und ward er gefangen. Da erwählte er ſich 
die Todedart, daß ein Scheiterhaufe von Menfchen- 


*) Eigentlich: „den Schild dagegen erheben“. 


daran zu gebenten, welde Zodesart er unjerm Vater erfor. Nun 
fol ein geſchikter Mann ihm einen Aar auf den Rüden zeichnen 
und mit feinem Blute röthen.” Der Mann, welder zu diefer Arbeit 
berufen ward, rigte ihm den War auf den Rüden, ſchnitt die Rippen 
vom Nüdgrat und 303 ihm die Lunge heraus. Und bevor dieſe 
Arbeit vollendet war, ließ König Ella fein Leben.‘ 
(Hierauf folgt die au im Reth. 354,14—80 erhaltene Strophe 
Sighvat’3. Das Yolgende ftimmt, theilmeife wörtlid, zu Resth. 
854,20—22. 23—27.) — 1) Bgl. Rsth. 354,20—22. — 2) = Ebr. 
354,26 ff. 


332 


1293) köpfen gemacht und er darauf verbrannt würde; 
und fo jtarb er.*)! Als Randalin dies vernahm, ſprach 
fie folgende Strophe: 


„Einer meiner Söhne 30. 
Fand den Tod im Oſten **), 

Hvitjerf war fein Name, 

Nimmer wollt’ er fliehen; 

Berbrannt ward er auf Häuptern 

Sm Kampf erfchlagner Helden: 

Diejen Tod erfor jid, 

Eh’ er fiel, der Kühne ***).“ 


Und weiter ſprach ſie: 


„Zahllos Tieß der Fürſt ſich 31. 
Häupter unterlegen, 

Auf dem Scheiterhaufen 

Hoch die Flamme lodern (?) FT): 

Wie möcht’ ein Kämpe beſſ'res 

Bett ſich unterbreiten, 





— u — — 


) Saro 456,14 ff berichtet ausführlicher dafjelbe vom Tode 
des Withſerkus. Derjelbe Zug fand fi jchon oben 
©. 276! in etwas veränderter Faſſung auf Eirek's Tod 
übertragen. 

**) Rußland ijt gemeint, vgl. Saxo a. a. O. 
***) Scnauer: „der thatkühne Held“. 

T) Den offenbar verderbten Tert dieſes Verspaares ficher zu 
deuten, ijt mir ebenfo wenig wie meinen Vorgängern 
gelungen. " 


1) Bgl. Saro 456,14 ff. 


333 


Als der Held? Der Fürſt ftirbt 
Hochberühmt bei allen(?).“ *) 


Aber von Sigurd Schlangenauge ift ein großer 
Stammbaum entjproffen. | Seine Tochter hieß Ragn- 
bild, die Mutter **) Harald Schönhaar’3, welcher 
zuerſt Alleinherrſcher von ganz Norwegen war. ! 

Spar aber herrſchte über England | 294) big 
an feinen Tod, und jtarb dur) Siehthum. ***) AL 
er auf dem Todbette }) lag, gebot er ihn dort zu 
beftatten, wo das Land feindlichen Einfällen aus- 
gefeßt wäre; fo, fagte er, würden, wie er wähne, 
die dort Landenden nicht den Sieg davon tragen. 
ALS er gejtorben war, geihah, was er befohlen, und 
ward er dort in einem Grabhügel bejtattet. Und 


*) Statt illa leſe ich allra oder alla, d. i. allan; j. übrigens 
d. Nachtr. 

**) Die jungen Papier = Abjchriften bieten Hier eine ab— 
weichende, auch im Rsth. 358—60 und andern Quellen 
fih findende Genealogie: „Seine Tochter bie [A3laug 
und war die Mutter Sigurd Hjort's. Sigurd Hort 
war] Ragnhildſ's Vater, der) Mutter...“ Vgl. Storm, 
Ragnar Lodbrok, ©. 102 f. 

4), D. h. nicht durch Waffen, vgl. oben ©. 105*. 

y) Eigentlich: „in tödtliher Krankheit”. 

1) gl. den ausführlien Bericht im Rath. 358—860. 


334 





viele Männer fagen, daß König Harald, Sigurd's 
Sohn, ald er nad) England fam, dort landete, wo 
Spar [begraben] lag; und auf diefem Buge fiel er.*) 
Und als Wilhelm der Baftard **) ins Land kam, zog 
er Hin und erbrach Ivar's Grabhügel, und ſah 
Spar no unverweit: da ließ er einen großen 
Scheiterhaufen errihten und Ivar Darauf ver- 
brennen. Darnach ging er and Land und gewann 
den Sieg. 

Bjorn Eifenfeite Hatte auch eine zahlreiche Nach— 
fommenschaft; von ihm ſtammt ein mächtiges Ge— 
ſchlecht: das des Thord, der zu Hofde am Hofdaftrand 
wohnte, ein mächtiger Häuptling. ***) 

ALS nun Ragnar’3 Söhne alle geftorben waren, 
zeritreute fich die Mannfchaft, die ihnen gefolgt war, 
nach verfchiedenen Seiten; und Alle, die bei Rage 
nar’d Söhnen geivejen waren, achteten die andern 
Häuptlinge gering. Es waren [darunter] zwei 
Männer, die weit durch die Lande zogen, zu ſuchen, 


In der Schlacht bei Standford-Bridge, im 9. 1066. 

Harald ift der unter dem Beinamen hardhrädhi be- 
fannte norwegifche König. 

**) Gemeinlich der Eroberer genannt, weil er in demfelben 

Jahre England eroberte, durch die Schlacht bei Haftings. 

***) In Nord-Jsland. Vgl. Storm, Ragn. Lodbr., S. 108 f. 


——— 


ob ſie einen Häuptling fänden, dem zu dienen ſie 
nicht für Unehre hielten; doch zogen ſie nicht beide 
zuſammen. 


Zwanzigſtes Kapitel. 


Es trug ſich im Auslande zu, daß ein König, 
der zwei Söhne hatte, krank warb und ſtarb; feine 
Söhne aber wollten ihm die Todtenfeier halten. *) 
Sie Indeten in der Weile zu diefer Gafterei ein, daß 
alle Männer, die während der 295) nädjiten drei 
Winter davon erführen, dazu kommen follten.. Die 
Kunde verbreitete ſich weit durch die Lande, und in 
diefen drei Wintern rüfteten fie die Gafterei zu. Als 
num der Sommer, in welchem die Todtenfeier ge- 
halten werden follte, und die beftinmte Zeit kam, 
fand fich eine fo große Menge [von Gäſten] ein, daß 
niemand ihreögleichen gejehen Hatte **); und wurden 
viele große Hallen mit ihnen bejeßt und noch viele 
Belte draußen. Da Tam gegen Ende des erften 
Abend ein Mann zu diefer Halle, der war fo groß, 
daß dort Feiner gleich groß war; und das fah man 


— — 





*) Eigentlich: „das Erbgelage trinken“; vgl. oben ©. 51*. 
**) Wörtlich: „Beiſpiele (ähnliche Fälle) dazu wußte, wie 
groß“, vgl. oben S. 277* u. ſ. w. 





336 


an feiner Ausstattung, daß er bei vornehmen Männern 
geweſen war. Als er in die Halle kam, trat er hin 
vor die Brüder, begrüßte fie und fragte, wo fie ihm 
feinen Siß anwiefen. Er gefiel ihnen wohl, umd 
hießen fie ihn fich auf die vornehmere Bank ſetzen. 
Er brauchte zweier Männer Raum. Sobald er id 
niedergefeßt hatte, wurde ihm zu trinken gebradt 
wie den andern Männern: aber da war fein Trink 
born fo groß, daß er es nicht auf einen Zug au& 
trank. Auch fahen Alle wohl, daß er Andere gering 
achtete. 

Da geihah es, daß noch ein anderer Mann zu 
dem Zelte kam, der war noch größer als der erfle. 
(Diefe Männer trugen tiefherabreichende *) Hüte.) 
Als nun diefer Mann vor den Hochſitz der jungen 
Könige trat, begrüßte er fie höflich und bat fie, ihm 
einen Sit anzuweifen. Sie fagten, er jollte mehr 
nad) oben**) zu auf der vornehmeren Bank fihen. 
Da ging er zu feinem Site, und beide zufammen 
nahmen da einen fo großen ;296) Raum ein ***), 


— — — — 


*) Darum erkennen fie ſich nicht. Vgl. ©. 230%**. 
**) Eigentlich: „mehr nach innen zu“, wo die höheren (b. 6. 
ehrenvolleren) Pläte waren; vgl. 35177. 
**6) Wörtlih: „fie waren beide zufammen fo groß auf dem 
Sitze“. 


337 


daß fünf Männer vor ihnen aufgeftanden waren. *) 
Der zuerſt Gekommene Ieiftete [dem Zweiten gegen- 
über] doch weniger im Trinken; der jpäter Gekommene 
aber trank fo fchnell, daß er fait alle Trinfhörner 
[mit Einem Buge] leerte, und doc bemerkte man 
nicht, daß er trunfen würde; vielmehr bezeigte er ſich 
unverträglich gegen feine Sitznachbarn und drehte 
ihnen den Rüden zu. Der zuerit Gekommene forderte 
ihn zu einem Wettgefpräche auf **): „und zwar will ich 
anheben.” Damit jtredte er die Hand gegen ihn aus 
und ſprach diefe Strophe: 


„Sag’ von deinen tapfern 32. 
Thaten — did nun frag’ ih —: 

Bo ſahſt blutgefättigt 

Im Gezweig du Raben fchaufeln? 

Defter ließeſt auf fremder 

Bank du dich bewirthen, 

Als du blutige Leichen 

Der Walſtatt Vögeln vorwarfſt.“ ***)7 


Der höher Sitende fühlte ſich durch diefe An— 
ſprache herauögefordert und erwiderte folgende Strophe: 





*) D. h. daß 5 Männer ihnen hatten Bla machen müſſen. 
**) hadh at their skyldi eiga gaman saman. Worin hier 
das gaman beitehn joll, zeigt da8 Yolgende. Nachtr.) 
+)? Sit droegfr i dal richtig? — Der Vorwurf fehrt oft 
wieder. Vgl. namentlich Fas. 2,271, 3. 25 f. 
22 


338 


„Schweig, du Stubenhoder, 3. 
Was iſt dir Elendem? 
Haft niemals geleitet, 
Was nicht ich auch Könnte. 
Halt fraßgierige Wölfe 
Nicht im Kampf (?) gemäftet *), 
Ließſt nicht Blut das Seeroß **) 
Trinken: was denn thatjt du? ***) 207) 


Da eriwiderte der zuerft Gekommene: 


Wir ließen der Seerofje ftarfen . 34. 
Bug durch Brandung laufen, ' 
Dieweil an den Seiten blanfe 

Brünnen Blut beiprißte. 


7) 
Hierauf ſprach der fpäter Gekommene: 
Keinen von euch jah ich, 35. 


Als wir offen fanden 


*) Die Meberfegung dieſes Verspaares ift unficher. 
**) D. h. Schiff. 

***) Eigentlich: „was (Thaten welcher Art) liegt dir am 
Herzen ?“ d. h. worin beſtehn deine Thaten, wenn Du 
weder zu Lande noch zur See Kämpfe beſtanden haſt. 

y) Eine genügende Erklärung dieſer Halbſtrophe weiß id) 
nicht zu geben. S. übrigens d. Nachtr. 





339 


Heite's Au”) dem weißen 

Roß des Mövenweges **), 

Und mit Heerhorns Klange ***) 
Wir am Land entfaltet 

Die prächtige Rabenwolke F) 
Der Halle am rothen Steven.‘ 


Wiederum fprach der zuerit Gelommene: 


„Richt ziemt ung beim Gelage 36. 
Auf der Bank zu ftreiten, 

Welcher von ung tapfrer 

Als der andre kämpfte: 

Du ftandit, wo die Woge || 298) 

Bur See den Stevenhirih Fr) trug; 








*) Ich leſe mit Bugge (Röksten., ©. 53 f.) Heita vang. 

Heite war ein Seekönig, „Heite's Au’ ift aljo das Meer. 

++), — Meer, wie oben S.282*. Meer-Ro = Schiff, wie oben. 
***) ]äti (ftatt lasi)? 

7) molla fcheint eine leichte, weiße Wolfe zu bedeuten (vgl. 
auch C.-V. 4340). Die „Rabentwolfe der Halle“ oder 
„Hallenwolke des Raben” ſcheint die berühmte NRaben- 
fahne Ragnar’3 zu meinen, von der Rafn, Kämpehist. 
(Ragnarsſ. S. 240) mehr berichtet. „Der Halle”, weil 
in der Halle aufbewahrt oder verfertigt(?). — Offenbar 
merkt der Andere grade an diefer Anfpielung auf Rag- 
nar's Fahne, die nach diefem Bjorn geführt zu Haben 
fcheint (vgl. unten S. 390**), daß er es mit einem alten 
Sampfgenofien zu thun Bat. 

rr) Eigentlih: „Den Hirſch der Steven-Stange”, d. h. 
Schiff. 
22* 


340 


Ich jaß, wo die Nahe 
Den rothen Steven ind Meer*) trieb **).“ 


Darauf antwortete der zuleßt Gekommene: 


„Beide folgten Bjorn wir 37, 
In jedem Schmwertgetöje, 

Waren erprobte Reden, 

Eine Zeit doc) NRagnar. ***) 

Ich war beim Männerlampfe 

Im Bulgarenlande. 

Dort ward mir wund die Seite: 

Sit du über mir, Nachbar!“ 


Da erkannten fie fich endlich) wieder und blieben 
da ferner beim Gajtmahle. 


Einundzwanzigftes Kapitel. 


Ogmund hieß ein Mann, der Ogmund der 
Düne genannt ward. Der war einmal mit fünf 
Schiffen auf der Fahrt und lag bei Samdey +) im 


*) Oder „zum Safen“? til hafnar. 
*)D.H. wir waren an verfchiedenen Stellen auf demfelben 
Schiff, wir waren Fahrtgenofien. 
+) D. h. „Bor Bjorn folgten wir eine Zeit lang nod) 
Ragnar jelbft”. 
oe T) Jetzt Samsö. 


341 


Munarvag *). Nun wird erzählt, daß die Küchen- 
fnechte and Land gingen, Speije zu bereiten **); Die 
andern Männer aber gingen in den Wald fih zu 
vergnügen. Dort fanden fie einen alten Holzmann, 
der war vierzig [Ellen?] Hoch ***) und mit Moos 
bewachſen. Doc erkannten fie alle feine Züge }), und 
redeten unter einander, wer wohl diefem großen 
Götzen geopfert haben möchte. Da ſprach der Holz- 
mann tr): 

[„Vorlängit war es, 38. 

Daß zur Heerfahrt 

Hekling's Söhne +rt) || 299) 

Mit Rudern (?) fuhren, 

Weit auf falzigem 

Weg der Weißlinge *}): 

Da ward ich dieſes 

Hügeld Herr. '] 


*) Bag (väg-r) ift eine geſchützte Meeresbucht. [Nachtr.] 
**) Wie oben ©. 244, 8. 6 f. 
***) Wörtlich: „ein Bierziger an Höhe”. Vgl. ©. 82, 3. 9. 
+) Eigentlih: „Kennzeichen“. 
+r) Bon diefen drei in anderm Versmaße verfaßten Strophen 
findet ſich die erjte auch in der Halfsſaga. 
+rr) Helling, ein Wiking, hatte nach) der Halfsſaga, Kap. 2, 
den König Ogvald gefällt. Aus dem Hügel des letzteren 
ward nach der Halfsſaga die folgende Strophe vernommen. 
*7) Weißfiſche; aljo: auf dem Meere. 
1) Faſt wörtlich diefelbe Etrophe Halfes. 4,23 ff. (Bugge). 


342 
Und dazu *) ſetzten [mich] 39, 
Am Süden an den Strand 
Die ſchwertſchwingenden 
Söhne Lodbrok's: 
Da ward mir geopfert 
Männern zum Tode **) 
Auf Samsey's 
Südküſte. 


Hießen hier ſtehn 40. 
So lange der Strand trägt, 

Den Mann ***) im Gedörn 

Und moosbewachſen: 

Nun triefen auf mich 

Der Wolken Thränen, 

Nirgend ſchützt mich 

Fleiſch noch Kleider.“ 


Dies kam den Männern wunderbar vor; und 
ſie erzählten nachmals anderen Männern davon. 


*) Ok thvi, zum Zwecke der Vers 5-8 erwähnten Opfer. 
Urſprünglich mik jtatt ok? Die vorhergehende Strophe 
ift wohl irrthümlich mit Str. 39—40 in Verbindung 
geſetzt; ſ. S. 341TTF. 

**) Siegopfer find gemeint. Dabei Tonnten auch Menfchen- 
opfer fallen, was jedoch Hier wohl nicht gemeint ift. 
***) D. H mich. 





Die Gefchichte 


von 


Vorna-Geſt. 


— — — — 


Aorna-Geſts-Saga.“) 


Erſtes Kapitel. **) 


Es geihah einmal Nachts, daß König Olaf 
Tryggvafon ***) beim Gebete in feinem Bette machte !, 
alle andern Leute in dem Schlafhaufer) aber fchliefen. 
Da ſchien e8 dem Könige, als käme ein Alf oder 
Geiſt hinein ind Haus, obwohl die Thüren geſchloſſen 
waren. Der trat vor das Bette eines jeden Mannes, 
welcher dort jchlief, und zuleßt trat er zu einem 


”, Eigentlic) thättr (Epijode, Abjchnitt), weil als Epifode 
der’ Saga von König Olaf Tryggpafon überliefert. 
**, Her hefr thätt af Nornagesti F', fehlt $. 

"+, Der als König von Norwegen (995—1000) ſich bejon- 
ders die Ausbreitung des Chriſtenthums angelegen fein 
ließ. 

+) herbergi, f. unten ©. 351*. 

1) Statt befien Heißt e8 in der andern Handidrift (F): „Einmal, fo 
wird erzählt, als König Dlaf in Thrandheim (Drontgeim) faß, ge⸗ 
{hab es, daß ein Mann gegen Ende des Tages zu ibm kam und ihn 
ebrerbietig begrüßte. Der König nahm ihn gütig auf und fragte 
ihn, wer er wäre. Er erklärte, daß er Geft heiße. Der König er- 
widerte: „Gaſt [i. S. 346*)] wirft du bier fein, wie du auch heißeſt. 


346 


Marne, der nad) dem Ausgange zu lag. Da biieb 
er jtehn und ſprach: 48) „Ein gar ftarfes Schloß 
iit hier vor leerem Haufe, und iſt der König nicht 
jo weile, wie andre Leute jagen, daß er der 
allerflügjte jei, da er nun ſchläft.“ Darauf ver- 
ſchwand er bei gejchlofjenen Thüren. Des nächſten 
Morgend frühe aber fandte der König feinen 
Leibfnappen, zu erforjchen | was gefommen wäre. 
Der Knappe fam [zurücd] und berichtete, es fei ein 
großer, unbefannter Mann angelommen. Der König 
ſprach: „Geh nochmals und ruf ihn zu mir.“ So 
geichah ed. Sener Mann kam vor den König und be 
grüßte ihn artig. I Der König fragte ihn, wer er 
wäre. Er erklärte, er heiße Geſt.*) [Darauf] fprach 
der König: „Wed Sohn bift du?“ Er antwortete: 
„Thord hieß mein Vater und ward Thinghüsbitr ge- 


*) Seit (gest-r) bedeutet Gaft. Daher dad Wortjpiel in 
dem unten mitgetheilten Texte. 


Geft antwortete: „Ich nenne dir meinen wahren Namen, Herr. 
Gerne aber möchte ich von eud) gaftlihe Aufnahme gewährt erhalten, 
wenn es möglid wäre.’ Der König erklärte, dag ihm das gewährt 
werden follte. Weil aber der Tag ſich zu Ende neigte, wollte der 
König ſich nicht in ein Gefpräh mit dem Gafte einlaffen, denn er 
ging darnad) gleich zum Abendgejang, darauf zu Tiihe und dann zu 
Schlaf und Nude. Und in eben diefer Naht wachte König Dlaf 
Tryggvaſon in feinem Bette nnd las feine Gebete.“ 

1) Dafür heißt e8 in F: „zu erforſchen, wer die Nacht in jenem Bette 
geihlafen hätte. So fiellte es fi heraus, daß dort der Gaſt ge- 
legen hatte. Der König ließ ihn vor ſich entbieten und . . .” 


347 





nannt; von Geburt war er ein Däne und bewohnte 
in Dänemark ein Gehöft Namen? Gröning.“ „Wie 
ein tlichtiger Mann ſiehſt du aus,“ ſprach der König. 
Diefer Saft war dreift mit Worten, und war er 
höher von Wuchs als die meijten andern Männer, 
fräftig, Doc ziemlich alt. Er bat den König [um 
die Erlaubniß], eine Weile dort zu bleiben. Da 
ſprach der König: „biſt du ein Chriſt?“ Geft ant- 
wortete, eingefegnet *) wäre er wohl, aber noch nicht 
getauft. Der König fagte darauf, es fei ihm ver- 
itattet, bei dem Hofgefinde zu bleiben: „Doch nicht 
lange wirjt du ungetauft hier bleiben.” — Uber des⸗ 
halb Hatte der Alf **) fo von dem Schloffe geiprochen, 
weil Get fi) am Abend [mit dem Kreuze] gefegnet 
hatte wie die andern Männer, und war doch in 
Wahrheit ein Heide. 

Der König fragte Geft: „Kannſt du irgend 
eine Kunſtfertigkeit?“ | 49) Der antwortete, er könne 
die Harfe fpielen und Saga erzählen, jo daß man 
feine Freude daran hätte. 


*) primsigndr, mit dem Kreuze bezeichnet. Viele Ließen 
fih fo vorläufig „einfegnen“ ohne wirklich (durch die 
Taufe) Chriften zu merden. Auf diefe Weife genofjen 
fie den Bortheil, mit Chriften und Heiden verkehren zu 
tönnen (ſ. Maurer, Belehr. 2, ©. 333 f.). 

**) Bol. oben ©. 871. 





348 


Darauf fagte der König: „Uebel thut König 
Spein *) daran, daß er ungetaufte Leute aus feinem 
Neiche von Land zu Lande ziehen läßt.“ Geſt ſprach: 
„Nicht ift Solche dem Dänen-Könige anzurechnen, 
denn ich 309 aus Dänemark, lange bevor Kaiſer Otto 
das Danevirke **) zeritören ***) Tieß, und den König 
Harald, Gorm's Sohn, fammt Hafon dem Opfer: 
jarl F) das ChriftentHum anzunehmen zwang. 

. Der König fragte Geft [noch] allerlei, und dieſer 
gab auf alle3Tr) verftändig Beſcheid. Das fagt 
man, daß Diefer Geit zu König Olaf im dritten 
Sabre feiner Herrichaft TFT) gekommen fei. In dem- 
jelben Sabre, heißt es au, Tamen zu ihm die 
Männer, welche [die] Grime*r) hießen und vom 


*) Svein, de3 weiterhin genannten Hriftlihen Harald 
Nachfolger, begünftigte da3 Heidenthum. 
») Die befannte Vertheidigungzlinie zwijchen Eider und 
Schlei (Fims. 11,28; Flat. 1,108. 110). 
***) Gigentlich: „verbrennen“ (f. Flat. 1,112). Otto II iſt 
gemeint, vgl. Fms. 11, ©. 35. 179 f.; Flat. 1,107—114. 
7) Hafon Sarl (von Norwegen, } 995), Opferjarl benannt 
von feinem Eifer für den heidnifchen Opferbienft. 
Tr) Eigentlih: „das meiſte“. 
Tr) Das wäre 997/98, 
*7) D. h. mehrere (doch wohl zwei) Männer, welche (beide) 
Grim hießen. 











349 


König Gudmund von Glafisvoll gefandt waren. Sie 
brachten dem König Olaf zwei [Trinf-]Hörner, die 
Gudmund dem Könige ſchenkte; die nannten fie auch 
Grime. Diefe [Männer] hatten noch mehr Aufträge 
an König Dlaf, wie nachher gejagt werden wird. *) 
— Jetzt iſt von Geſt zu erzählen, baß er bei dem 
Könige blieb. Es ward ihm die lebte Stelle auf 
der Gäſtebank **) angemwiefen. Er war ein wohl⸗ 
gefitteter ***) Mann. 


Zweites Kapitel. f) 


Kurz vor dem Julfeſte +f) kam Ulf der Rothe 
mit feinen Gefährten heim. Er war den Sommer 
über in Dienften des Königs [entfernt] geweſen, war 


*) Nämlich in einer Epifode der großen Saga von Dlaf 
Tryggvaſon, in welche auch unfere Saga als Epifode 
eingeſchoben iſt; vgl. ©. 345*. 

**) Eigentlich: „mehr nad) außen zu von den Gäften aus.” 
+++, D. h. ein Dann von höfifchen Sitten. 

F) Ueberfchrift: „Hier mwird von dem Ringe Hnitud er- 
zählt“ I; „Geſt's Wette mit den Hofmannen“ F. 

TFT) Das Felt der Winterfonnenmwende, etwas fpäter gefeiert 
ala unfer Weihnachtzfeit, mit dem e3 ſpäter verſchmolzen 
ward. Der Name ift in „Julklapp“ erhalten. 


350 





jedoch im Herbſt zum Landesfhug in Vif*) gegen 
die Einfälle der Dänen beftellt worden. Am Hoch— 
winter aber pflegte er jtet3 bei 50) König Dlaf zu 
fein. Ulf Hatte dem Könige viele koſtbare Kleinode 
zu bringen, welche er im Sommer erworben hatte, 
darunter einen Goldring, der Hnitud hieß, weil er aus 
fieben Stüden zufammen genietet**) war, und hatte 
jede Stüd feine bejondere Farbe. Bon viel befferem 
Gold war er als andere Ringe. Diefen Ring hatte 
dem Ulf ein Bonde Namens Lodmund gegeben; zu- 
vor aber Hatte denjelben König Half, nad) welchen 
die Halfs-Recken benannt find, bejeflen, al3 Ddiejelben 
dem König Halfdan, dem Ylfing***), Geld ab- 
gezwungen hatten. +) Lodmund aber hatte dafür ſich 
von Ulf erbeten, daß er mit König Olaf's Hülfe ihm 
fein Gehöft beſchützen möchte. Dad hatte ihm Ulf 
zugejagt. 
Der König feierte fein Julfeſt mit Pracht und 
*) Die Landfchaft um den Ehriftiania-jord führte früher 
diefen Namen. 
**) Das nordiihe Wort bnita, wonach der Ring Hnitud 
benannt ist, entjpricht etymologiſch nicht unferm „nieten“. 
”**) Die Ylfinge find ein Heldengeſchlecht der nordiichen 
Sage (f. Beitr. 4,176 ff.; H. Zichr. 23,170). 
7) Die von Half und feinen Reden handelnde Halfsjaga 
erwähnt dieſes Zuges nicht. Vgl. übrigens Fas. 1,388. 





351 
ſaß zu Thrandheim. Am achten Tage des Feſtes 
überreichte Ulf der Rothe dem Könige Dlaf jenen 
Ring. Der König dankte ihm für dies Gejchent jo 
wie für alle die treuen Dienſte, welche er ihn jtet? 
‚geleiftet hätte Der Ring ward in der Herberge *), 
wo man trank, überall unıhergereicht **); denn Da= 
mal3 waren in Norwegen [noch] feine [bejonderen 
Trint-]Hallen gebaut. Ein jeder zeigte ihn dem an⸗ 
dern, und glaubten Die Männer niemald gleichgute3 
Gold gejehen zu Haben, wie in dem Ringe fich fand. 
Zuletzt fam der Ring zu der Bank der Gäſte umd 
fo zu dem unbekannten Gaft. Dieſer jah ihn an 
und reichte ihn zurüd auf der Fläche .der Hand ***), 
mit der er vorher das Trinkgefäß angefaßt Hatte. }) 
Er achtete dejjelben wenig und fügte nicht über dies 
Kleinod, fondern feßte die Iuftige Unterhaltung mit 
feinen | 51) Genoſſen fort. “ Ein Aufwärter, der 
unten}+r) an der Bank der. Gälte einfchenfte, fragte: 
*) Ein Gebäude, worin man jowohl jchlief als den Tag 
über fich aufbielt; vgl. oben ©. 3457. 
*) Eigentlich: „er ging (fuhr) weit herum“. 
.) Wörtlich: „quer über die Hand“. 
7) Und bie er aljo zu reinigen nicht für nöthig erachtete, 
che er den koſtbaren Ring darauf legte. 
rt) Eigentlich: „nad außen zu, mehr nad) der Thür zu“, 
im Gegenfaß zu den Ehrenpläßen, die fich mehr nad) 
innen zu befanden; vgl. oben ©. 336**. 849**, 


„Gefällt euch der Ring?“ „Gar fehr,* antmworteten 
fie, „nur nicht dem [neu] angefommenen Gaſt, der 
findet nicht8 daran, und wir glauben, daß er darüber 
fein Urtheil hat*), da er folder Dinge nidt 
achtet.” Der Schenke ging hinein **) zu dem Könige 
und hinterbrachte ihm eben diefe Worte der Gäfte, 
und wie der [neu] angefommene Gaft wenig dazu 
gefagt hätte, als ihm des Königd Kleinod gezeigt 
wurde. Da fagte der König: „Der unbekannte Gaft 
weiß vielleicht mehr, als ihr denkt: er joll morgen 
zu mir kommen, und mir eine Saga erzählen; denn 
das meint er zu verftehn.***) 

Inzwiſchen fprachen die Gäfte unten auf der 
Bank mit dem [neu] angefommenen Gaſt; fie fragten 
ihn, wo er [denn] einen fo guten oder beſſeren Ring 
gejehen hätte. Er antwortete: „Weil es euch wunder 
ih vorkömmt, daß ich wenig hierüber rede, To 
[wifjet:] id habe fürwahr ſolches Gold gefehen, das 
in feiner Weife fchlechter ift,. vielmehr befjer fcheint.” 
Da lachten die Königsmannen laut, und ſprachen 
alfo: „Hier giebt e8 einen großen Spaß. Du wirft 
mit und wetten wollen, daß du [Ichon] ebenfo gutes 


Lo 


*) Bol. S. 247, 3. 10 und d. Nachtr. 
*) D. h. nach der Innenſeite der Halle zu; vgl. ©. 35177- 
”) Wie er oben ©. 347 erklärt hatte. 


353 


Gold gefehen haft, wie dieſes hier, fo || 52) daß du es 
erweifen fannft. Wir wollen fieben Mark gangbaren 
Silbers einfegen, jo daß fie dir zufallen, du aber dein 
Meſſer und deinen Gürtel; der König fol enticheiden, 
wer von und Recht hat.“ Da ſprach Seit: „Das fei 
ferne, daß ich euch zum Geſpötte diene und doch nicht 
auf die Verabredungen eingebe, welche ihr mwünfcht: 
allerdingd wollen wir bierum wetten und jo viel 
einſetzen, wie ihr gejagt habt; der König aber fol 
entfcheiden, wer von und Recht hat.” Damit brachen 
fie das Geſpräch ab. | 
Spät am Abend nahm Geft. feine Harfe umd 
ſchlug fie trefflich und lange, fo daß es allen eine Luft 
ſchien zuzuhören. Am beiten aber fpielte er , Gunnar's 
Harfenjchlag“ *); und zuleßt trug er das alte Lied von 
Gudrun's Liften**) vor; da hatten die Leute zubor 


"Wohl ein Lied, das Gunnar in der Schlangengrube 
gejpielt und gejungen haben follte (wie Ragnar Lodbrok); 
vgl. oben ©. 199 f. — Dies Lied ijt verloren. Daß 
mit dieſem Gunnars-slagr lediglich) eine Melodie, ein 
Lied ohne Worte, gemeint ſei, glaube ich ſchwerlich. 

**) Schwerlich eines der erhaltenen Gubrunlieder, fondern 
ein Lied, welches Gudrun's Rache für den Tod ihrer 
Brüder zum Gegenjtand Hatte. Eigentlich jteht im 
Text: die alten „Gudruns-Liſten“. 


28 


554 

nimmer gehört. Darauf fchlief man die Nacht über; 
da herrichte Hinfort Ruhe unter den Bankgenoffen.*) 

Der König ftand am Morgen früh auf, und 
hörte die Frühmefje, und andere Männer mit ihm; 
und als fie zu Ende war, ging er mit feinem Hofe 
zu Tiſche. Als er fih nun auf feinen Hochjiß geſetzt 
Hatte, ging die Schaar der Gäſte hinein**) vor den 
König und aud) der [neu] angeflommene Gaft mit 
ihnen; fie trugen ihm ihre Wette vor||53) und alle 
Verabredungen, die fie vorher getroffen hatten. Der 
König fagte: „Wenig gefällt mir eure Wette, wobei 
ihr euer Geld auf's Spiel febt; ich glaube, der 
Trank war euch zu Kopfe gejtiegen; und fcheint es 
mir räthlich, daß ihr [eure Wette] als ungeſchehen 
betrachtet, zumal wenn Geſt es fo Lieber will.“ 
Seit ſprach: „Ich will, daß es bei allen unjern Verab⸗ 
redungen bleibe.“ Da ſprach der König, es folle 
alſo geichehen: „aber einen folden Eindrud machſt 
du mir, Geſt, als. ob meine Leute in diefer Sache 
ſich mehr feftgeredet***) Haben denn du. Das mag 
fih nun alsbald ausweiſen.“ 


*) D. 5. zwilchen Geft und den andern Gäften. 
**) Siehe ©. 352**, 
***) D. h. durch vorjchnelle Worte ſich in Verlegenheit ge- 
bracht haben. 


355 





Hierauf gingen fie allefammt nad) den unteren 
Plätzen und tranlen, jo lange e8 ihnen gefiel. Dar- 
nad) wurden Die Tiihe aufgehoben. Da ließ ber 
König Geſt rufen. Dieſer trat vor den König: 
„Jetzo biſt du jchuldig, irgend ein Gold vorzuzeigen, 
wenn du dergleihen haft (ſprach der König), daß ich 
zwijchen euch Die Wette entfcheiden könne.” „Nichts 
leichter al3 das!“ ſagte Geſt, und griff in feinen 
Sädel, welchen er bei ſich trug, zog daraus ein zu- 
ſammengeknotetes Stüd Zeug hervor, Tnüpfte es auf 
und gab es (d. h. den Inhalt) dem Könige in bie 
Hand. Der ſah, daß e8 ein Bruchſtück von einer 
Satteljpange war, und erkannte, Daß es vortreffliches 
Gold wäre Er ließ mın den Ring |54) Hnitud 
bringen, um feitzuftellen, ob der von befferem Golde 
fei*) als das Spangenftüd. Dies geſchah. Der 
König hielt Gold gegen Gold und ſprach alfo: „In 
der That fjcheint mir dieſes Gold, das Geit bier 
vorzeigt, Dbeiler; und fo wird es noch Mehreren 
ſcheinen, wenn fie e8 auch prüfen**). Das bejtätigten 
auch Andere von des Königs Begleitung. Darauf 
erfannte König Dlaf das Wettgeld Geſt zu. ' Die an- 
deren Gäjte jahen [num] ein, wie unflug fie in diefer 

*) Wörtlih: „und feititellen, ob das befieres Gold fei“. 


**) Bol. oben ©. 352* nebſt Nachtr. 
23 * 





356 





Sache gehandelt hätten. Da ſprach Geft: „Behaltet*) 
euer Geld, denn ich bedarf defjelben nicht: aber 
wettet nicht öfter mit unbelannten Leuten, dem ihr 
wißt nicht, ob ihr nicht an einen folchen fommt, ber**) 
viel gejehen und gehört Hat; und danke ich dem 
Könige für das Urtheil, welches er in unferer Sadıe 
abgab.“ Der König fprach hierauf: „Ich wünsche nım, 
Seit, daß du fageft, woher du dieſes Gold befamft, 
da8 du bei dir trägft.“ Geft antwortete: „Ungern 
thue. ich) e8, weil die Meiften unglaublich dünken 
wird, was id) in Bezug darauf ſage.“ „Dennod 
follft du es fagen (fprach der König), und es trifft 
fih damit gut, infofern du mir eine Erzählung von 
dir **) verſprochen haft.“ Geſt ſprach: „Wenn id 
euch erzähle, welche Bewandtniß es mit dem Golde 
hat, ſo, meine ich, werdet ihr zugleich noch weitere 
*) Eigentlich: „nehmt euer [eingejeßtes] Geld jelbft [zurüd).” 
**) Wörtlich: „Welchen ihr als einen ſolchen trefft, dab 
u 
xx*) gögu thinni „deine Erzählung, eine Erzählung von 
dir“ verjpradjit; kann wohl nur heißen: „du verſprachſt, 
daß du mir eine Gejchichte (nicht: daß du deine Ge⸗ 
ſchichte) erzählen wollteft“, denn nur das Hatte Gelt 
oben ©. 347 in Ausficht geftellt. Vgl. gleich unten 
adhra sögu „daß ich mehr erzählen foll, weitere Er: 
zählung“. 








357 


Erzählung zu hören wünjchen.“ „Das Tann fein,“ 
fagte der König. | 55) 


Dritted Kapitel.*) 


„So will ich davon jagen, wie ich ſüdwärts nach 
Frankenland zog und wollte aus eigener Anſchauung 
Königsſitten kennen lernen *) und den großen Ruhm, 
der von Sigurd, Sigmund’ Sohne, ausging Hinficht- 
lich feiner Schönheit und Stärke. Es geſchah da 
nichts Bemerkenswerthes, bevor ih ſüdwärts ins 
Frankenland kam. Da begab ih mich zu König 
Hialpref. Diefer hatte einen großen Hofſtaat um 
fih. Da war aud) | Sigurd, der Sohn Sigmund’, 
des Voljungsfohnes, und der Hjordis, der Tochter 
Eylime’3.1 Sigmund fiel in der Schlacht gegen 
Hunding’3 Söhne, Hjordis aber vermählte ſich al3- 
bald mit Alf, König Hjalprek's Sohne. Dort wuchs 
Sigurd auf in feiner Kindheit.” Alle Söhne König 





*) Ueberſchrift: „Hier erzählt Nornagejt von Sigurd den 
Fafn[istödter]" S; „Geſt's Erzählung” F. 
**) „Aus eigener Anſchauung kennen lernen“: forvitnast um. 
Königsſitten, d. h. „Sitten und Braud) an Königshöfen“ 
(Winfel-Horn). 


1) Wörtlid = Sn. E. 117,1 f.; 6 f. — 2) Wortlich = Sinfj. 
8. 27—30 (vgl. Vols. S. 64%, 3 


358 


Sigmund’ überragten alle andern Männer an Stürfe 
und Wu !:, Sinfjotle und als zweiter Helge, der 
den König Hunding erſchlug, und ward er daher 
Hundingstödter benannt; der dritte hieß Hamund. 
Sigurd jedoch war unter all’ den Brüdern der vor: 
züglichite; auch ift den Leuten nicht unbekannt, daß 
er der vornehmite aller Heerfönige geweſen ift? und 
der trefflichfte in der Heidenzeit. 

| Da war zu König Hjalpref auch Regin, Hreid- 
mar's Sohn, gefommen, der war funftfertiger al 
irgend ein Mann, von Wuchs ein Zwerg, Hug, zorn⸗ 
muthig und zauberfundig.® Regin lehrte Sigurd 
mancherlei und liebte ihn fehr. Er erzählte ihm von 
feinen Vorfahren und von munderfamen Begeben- 
heiten. *) * || 56) 

Nachdem ich dort Kurze Zeit gewefen war, ward 
ih Sigurd's Dienſtmann; e8 dienten ihm auch viele 
andere Männer. Alle liebten ihn fehr, weil er freund- 
li und leutjelig und mit Geld freigiebig gegen und 
war. 


*) Die hier Übergangene „Vorgeſchichte des Hortes“ (Vols. 
Kap. 14) ift gemeint. 
1) Sinfj. 3. 30 f. (vgl. Vols. ©. 641; Sn. E. 117,3). — 2) Tgl. et. 


3. 31—83 und Vols. 648. — 3) Wörtlih — Regm. Anfangsproia 
3.2—4: vgl. Vols. ©. 651. — 4) Regm. ebd. 8. 5 f.; Vols 61. 


4 





359 
Bierted Kapitel.*) 


I Da gefchah e8 eine Tages, daß wir mit Si⸗ 
gurd zu Regin's Haufe kamen**); Sigurd ward da 
freundlich aufgenommen. Da ſprach Regin Diele 
Strophe***) !: 


„Her gelommen 

Sit Sigmund’3 Sproß, 

Der thatkühne }) Held, 

Zu unfern Sälen. 

Kraft hat er mehr 

Als ein alter Mann FF), 
Kampfes bin ich gemwärtig 
Bom gierigen Wolf.“ TrY) > 








*) Ueberſchr.: „Hier wird erzählt vom Schwerte Sram, welche 
Regin verfertigte” S; „Geſpräch des Königs mit Get” F. 
**) Nach einer ältern Faſſung der Sage, die hier zu Grunde 
liegt, wächlt Sigurd bei Regin im Walde auf, ohne 
feine Eltern zu fennen; ſ. oben ©. 65*. 84 ***, 
Fr) Die folgenden 14 Strophen gehören den eigentlichen 
Regm. an, die Hier volljtändig erhalten find. 
r) Eigentlih: „der ſchnell entſchloſſene“. 
+r) Nämlih: „wie ih”. Regin will Sigurd anftatt feiner 
zum Kampfe mit Yafni veranlafien. 
+rr) „Wolf“ bezeichnet Häufig einen gefährlichen, ftreitgierigen 
Menſchen (— Feind); vgl. oben ©. 153 **, Hier ift 
Sigurd gemeint, mit dem Kampfe aber der Angriff auf 
1) = Regm. Proja nad Str. 12, 3. 3—b. — 2) Regm. Str. 13. 


360 


„Aufziehen will ich 

Den kampffühnen Fürsten: 
Nun iſt Yngve's *) Sproß 
Bu mir gekommen. || 57) 

Der mächtigſte Fürſt wird er 
Unter der Sonne: 

Sein Lob wird durd) alle 
Lande erichallen.” ! 


Sigurd blieb nun beftändig bei Negin?, und 
diefer erzählte ihm viel von Bafni, daß er in Wurmes 
Geftalt auf der Gnitahaide**) läge ?), und wie un— 
geheuer groß derjelbe wäre. | Regin jchmiedete für 
Sigurd dad Schwert, welches Gram hieß *: dies 
war fo feharfichneidig, daß, als er e8 in den Rhein— 
Strom ***) Hielt und einen FSlod Wolle vom Strome 


Fafni. Die ganze Wendung fcheint ſprichwörtlich ge— 
braucht worden zu fein, vgl. Flat. 2,132°. 

* Yngve (= Frey) ift der Stammpater der Pnglinge. 
Auf ihn führten die norwegischen Könige ihren Stammt= 
baum zurüd. Daß Sigurd hier „Yngve's Sproß “ 
beißt, iſt auffallend. ° 

**) Vgl. oben ©. 67 **. 179***. 

***) Die aus Deutjchland eingewanderte Sage hat in der 
Lokaliſirung (Srankenland, Rhein u. ſ. w.) noch eine 
Erinnerung an ihre urfprüngliche Heimath bewahrt. 

1) Regm. Str. 14 (dod Vers 7 f. abweichend). — 2) = Ebd. Profa nad) 
Str. 14, 3. 1f. — )= Ebd. 3. 2-4; vgl. Sn. E. 1174. — 


4) Wörtlid = Regm. Proja nad Str. 14, 8. 6 f.; vgl. Sn. E. 
117,5 f. (Vols. ©. 751 ff. ausführlicher erzählt). 


361 


dagegen treiben ließ, es den Flock jo wie das Wafler 
durchſchnitt. Damm zerfföbte Sigurd mit dem 
Schwerte Regin's Ambos.? Hierauf redete Regin 
Sigurd zu, feinen Bruder Fafni zu erfchlagen.? Da 
fpra Sigurd die Strophe: 


„Laut werden Hunding’s 
Söhne laden, 

Sie, die Eylime's 

Tage verkürzten, 

Wenn ed mich ſtärker 
Gelüftet, zu juchen 
Rothe Ringe 

Als Vaterrache.” * 


Hierauf rüftete fi Sigurd zur Heerfahrt, und 
gedachte gegen Hunding's Söhne zu ziehen’; König 
Hialpref gab ihm viel Mannſchaft und etliche Kriegs⸗ 
ſchiffe.“ Auf diefer Fahrt begleiteten Sigurd Ha— 
mund, ||58) fein Bruder, und Regin, der Zwerg; id) 
war aud) dabei, und man nannte mic) da Norna-Gelt. 
König Hjalprek Hatte mich Fennen gelernt, als er bei 
Sigmund, Bolfung’3 Sohne, in Dänemark gemwejen war. 


— — — — — 


1) Wörtlich —= Regm. ebd. Z3. 7—11; Sn. E. 117,6—8; Vols. ©. 758. 
— 2) = Regm. ebd. 3. 11—13; Sn. E. 117,8 f.; Vols. ©. 752. 
— 5) = Regm. ebd. 8. 13 f., vgl. Sn. E. 117,5; Vols. &. 75%. 
762. — 4) Regm. Str. 15 (vgl. Vols. ©. 761 und 9. — 5) Bal. 
Vols. S. 77, 3.4 f. — 6) = Regm. Proja nad) Str. 15, B.1 f 
(vgl. Vols. S. 771). : 


362 


ı Dort war Sigmund mit Borghild vermählt in 
Bralund; damit aber endete ihre Ehe, daß Borghild 
Sinfjotle, Sigmund’3 Sohn, mit Gift tödtete.*) ı 
Darnach vermählte ih Sigmund ſüdlich im Franken⸗ 
lande mit Hjordis, der Tochter Eylime’3 ?, welchen 
Hunding’3 Söhne erihlugen ?; Sigurd Hatte aljo 
ſowohl feinen Water als auch feinen Mutterpater zu 
rächen. * Helge, der Hundingstödter benannt ward, 
war Sigmund’8 Sohn und ein Bruder**) Sigurd's, 
der nachmals Fafnistödter benannt ward. Helge, 
Sigurd's Bruder, hatte den König Hunding und drei 
feiner Söhne, Eyjulf, Hiorvard und Herrud***), er- 
Ihlagen})°; aber andere drei Brüder, Lyngve, Alf 
und Heming, waren entronnen: diefe waren gar be- 
rühmte Helden, was jegliche Tüchtigkeit betrifft; 
Lyngve aber jtand an der Spite der Brüder. Gar 
zauberfundig waren fie: fie hatten viele Kleinkönige 
bezwungen, mancden Kämpen erfchlagen und mande 
*) Wie oben ©. 50 ff. erzählt ift. 
**) Genauer fein Stiefbruder. 
*%**) Herrudh wird auß Heru’fdh (= Hervardh) entitellt 


fein. Ueber die Namen j. Beitr. 3,218. 
+) Ogl. oben ©. 81". 


1) gl. Sin). 3. 24 f.; (Vols. ©. 50 f.) 532. — 2) Byl. Sinfj. 3. 
25—27 (Vols. ©. 53 ff.) — 3) Byl. Regm. 15,34 (Vols. 57). — 
4) Bgl. Grip. 9,1—4. — 5) gl. Helg. Hund. I, 10. 14; Helg- 
H. II, Proſa vor Str. 18, 3. 10—14; Vols. ©, 412. 431, 





363 


Burg verbrannt, und ftifteten arge Verheerung in 
Spanien und Frankenland. Es war aber damals 
das Kaiſerthum noch nicht über die Alpen hierher 
nordwärts gefommen.*) Hunding's Söhne Hatten 
fh das Reich unterworfen, welches Gigurd in 
Frankenland zu Eigen hatte, und hatten fie ein 
zahlreiche Heer. 


⸗ 


Fünftes Kapitel.**) 


Nun iſt davon zu berichten, wie Sigurd ſich 
zur |59) Schlacht gegen Hunding's Söhne rüſtete. 
Er Hatte ein ſtarkes und wohlbewaffnetes Heer. ? 
Regin hatte befonderd für die Ausrüftung des Heeres 
zu jorgen.***) Er führte ein Schwert Namens 


*) D. h. es gab noch Feine römijchen Kaiſer deutjcher 
Nation, kein Kaiſerthum in Deutjchland (Landn. ©. 24; 
vgl. C.-V. 1568). Dieje Bemerkung joll erklären, wie 
die Hundingsjüöhne damals jo in Frankenland Haufen 
fonnten. — „Hierher nordwärt3” Heißt: „nördlich in 
der Richtung auf und zu” (nicht: bis zu und). 

**) Ueberſchrift: „Hier jpricht Odin zahlreiche Strophen” 8; 
„Geſt's Erzählung” F. 

x**x*) Wörtlich: „Hatte beſonders (mjök) die Sorge für das 
Heer (Beforgung ded Heeres)“. 


1) ®gl. Vols. ©. 58, 3. 6 f. — 2) Bgl. Vols. ©. 77, 8.9 f. 


364 





Ridil*, welches er [jelbjt] geſchmiedet Hatte. Si⸗ 
gurd bat Regin mir dies Schwert zu leihen. Das 
that Regin; und jo trug ich Diefed Schwert. | Regin 
bat Sigurd, er möge Fafni tödten, wann er von 
dDiefer Heerfahrt zurückkäme; [und] Sigurd verhieß 
e3 ihm. ! 

| Hierauf fegelten wir ſüdwärts am Lande hin; 
da überfiel ung ein ungeheurer, durch Zauberei er- 
regter**) Sturn ?, welhen man Hunding’3 Söhnen 
zufchrieb. Nunmehr jegelten wir etwas näher am Lande 
hin: da fahen wir einen Mann auf einem Yelövor- 
[prunge?, und fchritt von den Klippen heran: er trug 
einen grünen Kappenmantel und blaue Hofen, hoch— 
hinaufreichende und an den Schenkeln zufammenge- 
Inüpfte Schuhe und hielt einen belaubten Zweig in 
der Hand.***) Diefer Mann redete und mit einer 
Strophe an | und ſprach: 





*) Vgl. oben ©. 91* (Naditr.) = Fafn. 
**) Die Saga’3 wiljen verjchiedentlich von ſolchem durch 
Feinde erregten Unwetter („Zauberwetter‘) zu beriditen. 
*#*) Es iſt Odin, deſſen Ausſehen oben ©. 15*. 57* u. ſ. mw. 
in äbnliher Weife gefchildert ward [j. übrigens das 
PBerjonenregifter]. 
1) Bgl. Regm. Proſa nad Str. 14, 8.18 f.; Vols. 763. — 2) Vgl. Vols. 


©. 772; Regm. Proja nad Str. 15, 3.3. — 3) Bgl. Regm. 
ebd. 8. 3-5; Vols. ©. 781, 


365 


„Wer reitet hier 

Auf Rävil's Rofjen*) 

Dur hohe Wogen, 

Durch’3 braufende Meer? 

Die Segel find euch 
Schaumbeſpritzt: 

Die Seeroffe**) werden 

Den Sturm nicht bejteh’n.“ "|| 60 


Negin antiwortete darauf: 


„Hier find wir mit Sigurd 
Auf Meereöwogen***): 
Wind ward und gegeben 
In den Tod zu fahren F); 
Jäh ftürzt ſich die Flut 
Auf den Steven Fr) nieder; 
Es rafen die Schiffe.” — 
Ver ift’3, der fo fragt?" * 


*) Rävil war ein Seekönig, daher Rävil’3 Roſſe = Schiffe. 
x**) So der Tert der Lieder-Edda, unfer Tert bietet weniger 
gut „Die Bewaffneten‘. 
***) Wörtlih: „Zur See gegangen”; nad) der Lieder-Edda: 
‚auf Seebalten (Schiffen). 

r) Genauer: „Der und dem Tode nahe bringt, beinahe 
den Tod bringt”. Zu vidh bana sjalfan vgl. var vidh 
sjalft, at = es war nahe daran, dab... 

+r) Eigentlich ift die Stange am Steven (Bugjpriet) gemeint. 


1) Regm. Str. 16 (vgl. Vols. ©. 782). — 2) Regm. 17,1—7 (vgl. 
Vols. S. 788). — 83) Regm. 17,8 (vgl. Vols. ©. 784). 





366 
Der Mann im Mantel ſprach“*): 


|„Hnilar hieß man mid), 
Da ih Hugin erfreute, 
Sunger Boljung! 

Und getämpft Hatte. 

Nun magft du mid) nennen 
Den Alten vom Berge, 
Feng oder Fiolnt: 

Mit will ich fahren.” ! 

Da lenkten wir an's Land, und al3bald legte 
fi das Unwetter. Sigurd bat den Alten, in's Schiff 
zu fteigen. Das that diefer: da ward der günftigite 
Sahrmind.**)2 Der Alte ſetzte ſich Sigurd zu Füßen 
nieder, und war fehr || 61) freimüthig in feiner Rede. 
Er fragte, ob Sigurd etwa Rath von ihm annehmen 
wollte. Sigurd erklärte fich bereit und fagte, er 
vermuthe, daß er (der Alte) rathtüchtig fein werde, 
wenn er Nutzen ftiften wolle. | Sigurd ſprach [nun] 
zu dem Manne im Mantel: 

„Sag’ du nıir das, Hnilar, 


Da du die Vorzeichen kennſt 
Für Götter ſowohl wie für Menjchen: 


*) Diefe Strophe ift ſchon ©. 78 f. überjegt; vgl. da. 
**) Hier zeigt fi Odin ald Sturmgott. 


1) Regm. 18 (= Vols. S. 78 f.). — 2) Etwas erweitert gegenliber 
Regm. Proja nad Str. 18, 3.1 f. = Vols. ©. 792. 


1} 


367 


Welche Vorzeichen find, 
Wenn es zum Streite gebt, 
Am beiten beim Schwertfchtwingen.“ ' 


Hnifar antwortete: 


Viele Vorzeichen find, 

Wenn die Menſchen jie willen, 
Günstig beim Schwertjchwingen. 
Für günjtig eracht' ich's, 
Wenn der jchwarze 

Rabe dem Helden*) folgt.“ * 


Das ift das zweite: 

Wenn Du hinaus gekommen 
Und zur Fahrt bereit bift, | 62) 
Siehft du da 
Am Wege jtehn 

Zwei ruhmbegierige Männer. ® 


Das iſt das dritte: 
ä Wenn du heulen hörſt 
Den Wolf. unter Ejchenzweigen, 
Heil ijt dir 
An**) Helden bejchieden, 
Siehft du fie***) vor dir laufen. * 


*) Eigentlich: „Schwertbaum“ = Held, vgl. oben ©. 103**. 
**+) Wörtlich: „von“; d. h. Heil (Sieg) ift dir von Kriegern 
aus (an Kriegern, im Kampfe) bejchieden. 
*=*), Nämlich die Wölfe. 


1) Regm. 19. — 2) Regm. 20. — 3) Regm. 21. — 4) Regm. 22. 


368 


Keiner der Männer 

Soll entgegen kümpfen 

Der fpät jcheinenden 

Schweiter des Mondes *): 

Die haben Sieg, 

Die jehen können, 

Kühn im Kampf, 

Und den Schlachtkeil fchaaren. **) ? 


Große Gefahr bedeutet’3, 

Wenn den Fuß du dir ftößeft, 

So zum Kampfe du fchreiteit: 

Trug = Difen ***) ftehn dir 

Zu beiden Seiten 

Und wollen verwundet dich fehen.* || 63) 


Gekämmt und gewaſchen 
Soll jeder Kluge ſein, 
Und [früh fchon] am Morgen geſpeiſt; 


*) D. h. mit dem Geſichte der ſinkenden Sonne zugekehrt 
kämpfen — weil er ſonſt geblendet wird und nicht ſehen 
kann, wie Vers 5 f. zeigen. 

**) Die keilförmige Schlachtordnung aufitellen. — Der Sinn 
der Halbitrophe ift: „den Kampfeskühnen, welche fehen 
fünnen und... . ſchaaren, gehört der Sieg“. 

*sx) Ins Berderben führende Schiefal3-Göttinnen (vgl. oben 
©. 186* u. ſ. w. 285 *** 


369 


Diemweil ungewiß ift, 
Wohin Abends man kümmt: 
Unheil bedeutet’3, zu jtürzen.” *) 


Hierauf fegelten wir ſüdlich an Hoffetaland**) 
hin und öſtlich“*) von Frisland, und landeten dort?. 
Hunding’3. Söhne vernahmen ſogleich von un- 
jerem ‚Zuge: fie fammelten ein Heer und hatten bald 
zahlreiches Volk um ſich. Als wir zufammenjtießen, 
erhob ſich ein harter Kampf *) 3; Lyngve war ber 


*) Ich behalte im Wefentlihen v. d. Hagen's MVeber- 
jeßung dieſes Berfes bei, obwohl derjelbe fo in den Zu— 
jammenhang der Strophe wenig bineinpaßt; denn von 
den zahlreichen andern Ueberſetzungen (bezw. Beſſerungs⸗ 
vorfhlägen) fcheint mir gleichfall3 keiner dem Wort- 
laute wie dem Zufammenhange gleichmäßig zu genügen. 
„Stürzen” kann Hier ſowohl „hinfallen“ wie „eilen“ 
= oben ©. 365: „rajen“) bedeuten. 

**) Holſtein. 

**x) Es iſt nicht recht erſichtlich, wie der Verfaſſer, dem doch 
Hjalprek's Reich in Frankenland (Frakkland, ſ. 9. 
Zſchr. 23,163 ff.) lag, ſich die Richtung der Fahrt dachte. 
Dachte er Hier Hjalprek's Neih in Dänemart? Vgl. 
oben ©. 60, 8. 9; 168***, 387+7. 

+ In der folgenden Schlachtſchilderung find viele Wen- 
dungen formelhaft und finden ſich auch wiederholt in 

1) Regm. 25. — 2) Bgl. Vols. ©. 79, 8. 8—10 (mo aber die fpecielleren 

Angaben unjeres Textes fehlen). — 3) Vgl. Regm. Proja nad 


Etr. 25, 3. 1-3. Die allgemeineren Uebereinftimmungen in der 
24 


370 





tapferite der Gebrüder, doch drangen fie alle tapfer 
vor. Sigurd aber drang von der andern Geite fo 
gewaltig vor, daß alles vor ihm wid); denn von 
dem Schwerte Sram drohten ihnen Wımden, ımd 
Sigurd fehlte e8 Teinedwegd an Muth.*) Al nun 
er und Lyngve auf einander trafen, wechjelten fie 
manchen Hieb und fochten auf's allerfühnfte Da 
trat ein Stillftand in der Schlacht ein, weil man 
ihrem Zweikampfe zufchaute. Es verging lange Beit, 
ohne daß einer den andern’ mit einem Siebe traf: 
fo Tampfgeübt waren fie. 

Darnad) drangen Lyngve's Brüder tapfer vor 
und erſchlugen manchen Mann, etliche aber flohen. **) 
Da wandte fih Hamund, Sigurd’8 Bruder, gegen 
fie, und id) mit ihm; e8 gab da || 64) nod) beträcdht- 
lichen Widerftand. Sigurd’3 Kampf mit Lyngve 
endigte aber damit, daß Sigurd ihn zum Gefangenen 
machte, und ward er in Eifen gelegt. ***) AS nun 
Sigurd zu uns (d.h. und zu Hülfe) fam, war [der 





der Bolf.- und Ragn.- Saga; vgl. namentlid) S. 294, 
3. 12 fi. 329, 
*) Eigentlih: „Sigurd darf man nit Muth abiprechen”. 
**) Bol. oben ©. 294, 3. 15 — 295, 2. 1. 
***) S. oben S. 310%. 217. 195°, 
formelhaften Schilderung mit Vols. S. 802 beruhen wohl auf Zu⸗ 


fall. — In folgender Schlachtſchilderung Hat unfer Berfafler den 
Kampf anders ausgemalt als Vols. 


371 


Kampf] bald entjchieden: Hunding's Söhne fielen da 
mit ihrem ganzen Heere; indeß begann e8 da [fchon] 
nächtlich "zu Dunkeln. ‚ 

Als aber der Morgen anbrad, war Hnifar 
verſchwunden, und ward nicht wieder geſehen; ie 
glaubten, e8 wäre Odin gewejen.*) E83 ward nun 
beiprochen, welches Todes Lyngve jterben ſollte. Regin 
gab den Rath, daß man ihm den Blutaar auf den 
Rüden rigen **) ſollte. Da nahm Regin fein Schwert 
von mir ***) und ritzte damit Lyngve's Rücken, in- 
dem er ihm die Rippen von dem Rüdgrat abjchnitt 
und die Zunge da herauszog. 7) So jtarb Lyngve 
mit großem Heldenmuthe. F}) | Regin ſprach da: 

„Run ift der Blutaar 

Mit ſcharfem Schwerte 

Auf den Rüden dem Tödter 
Sigmund’3 gerißt: 


*) Der auch fonjt in gleicher Weife verſchwindet, ſ. oben 
©. 15*. 53*. 
x**) Bol, oben S. 330?, wo diejer At auch) in ganz ähnlicher 
Weiſe eingeleitet wird. 
***) Das Schwert Ridil, welches er Get geliehen hatte; ſ. 
oben ©. 364*, 
+) Bgl. oben ©. 330 den Tert in der Anm. !. 
+r) Ebenjo heißt es auch von Ragnar ©. 313* und Gunnar 
©. 278 +7. 


1) Bal. Vols. ©. 79, 3. 10 (ſchon vor dem Kampfe). 
24* 


372 


Keinen kühneren 

Königsſohn gieht es, 

Der das Schlachtfeld röthet, 

Und den Raben”) erfreut? er.“ * 1 


Da ward große Beute gemacht ‚und erhielten 
Sigurd’3 Gefolgslente daS alles, denn er [felber] 
wollte nicht3 davon Haben. Da war ein großer 
Schatz an Kleidern || 65) und Waffen. 

Darnach erfhlug Sigurd Fafni und ebenfo 
Regin, weil dieſer ihm nad) dem Leben trachtete. 
Da nahm Sigurd das Gold Fafni's und ritt damit 
hinweg ?; feitdem wurde er Fafnistödter benannt. | 
Hierauf ritt er hinauf zum Hindarfjall, und dort 
fand er Bryuhild ***)3 und erging es zwifchen bei- 
den fo, wie in der Saga von Sigurdf) erzählt wird. 


— — — —z — 


*) Eigentlich „Hugin“, ſ. oben ©. 78”, 
xx) Bu ber Ueberſetzung dieſer Halbſtrophe vgl. d. Nachtr. 
xxx) Richtiger Sigrdrifa, die die Volſungaſaga mit Brynhild 
zuſammenwirft. (Iſt hier die Vermengung durch die 
knappe Form der Inhaltsangabe veranlaßt?) 
+) Damit iſt nicht, wie vielfach angenommen wird, die 
Volſungaſaga gemeint, ſondern der betreffende Abſchnitt 
der Lieder⸗Edda (von Sinfj. bis Brynh. helr.), der dem 
Haupttheile unjereg Nornageſt's-thatt als (theilmweife 
wörtlich "benußte) Duelle diente. Bgl. meine Aus- 
führungen Germ. 24301 ff. 


1) Regm. 26. — 2) Kurze Inhaltsangabe der Bein: — 3) = In⸗ 
BRUT 2 Unfangs der Sigar. 


‚Ah 


373 


Sechstes Kapitel.*) 


ODarmnach vermählte Sigurd fi mit Gudrun, 
Gjuke's Tochter, und blieb eine Zeit Yang dort bei 
Teinen Schwägern. N Ich war abwechſelnd bald 
bei Sigurd, bald in Dänemark; ich. war auf) 
damals dei Sigurd, als König Sigurd Hring**) 
die ihm verſchwägerten **) Gandalfsföhne zu den 
Gjufungen, Gunnar und Hogue, jandte und forderte, 
daß fie ihm Tribut zahlen follten, oder dad Kriegsglück 
berfuchen. }) Sie aber wollten ihr Land mehren. +7) 
Da begrenzten die Gandalfsföhne den Gjufungen 


*) Vcherfchrift: „Hier kämpft Sigurd mit den Gandalfs- 
föhnen“ S; „Geſt erzählt von Starkad“ F. 
“Bol. oben S. 285*. 

***) mäga. Vgl. Fas. 1,380. 388: Gandalfs synir mägar 
hans (Sigurd Hring's). Näheres über died Verwandt: 
ſchaftsverhältniß willen wir nicht. 

r) Wörtlih: „einen Heerzug erdulden“. 

+r) Die Hier zu Grunde liegende Sage findet jich wieder 
in der Epifode des Sachſen- und Dänentrieges im Nib.- 
Liede. Auch dort jagen der Dänen- und Sachſenkönig 
den Gjukungen Fehde an, und Sigfrid kämpft auf der 
Seite feiner Schwäger gegen jene. Auch Vols. (S. 127, 
148***, 206,6-19 — Atlam. 95 f.) weiß von Kriegs⸗ 
zügen, die Sigurd nad) feiner Bermählung mit Gudrun 
in Begleitung feiner Schwäger unternahm, und nennt 

1) Bgl. Vols. ©. 126%. 135. 


x 


374 


einen Rampfplaß*) an der Landesmark und fuhren 
dann wieder zurüd. Die Ojufunge aber bgten Sigurd 
den Safnistödter mit ihnen in die Schlacht zu ziehen; 
und das that er. Sch war damals wieder bei Sigurd. 
Wir fegelten da nordwärt3 nach Holjetaland**) und 
landeten bei einem Orte Namens Sarnamoda. Unmeit 
des Hafen? aber waren die SHafelcuthen*) aufge 
ftedt, wo der Kampf ftattfinden ſollte. Da fahen 
wir viele Schiffe von Norden her fegeln; dieſe be- 
fehligten die Gandalfsſöhne. Beide Heere gingen 
num an’8 Land. | 
Sigurd Hring war nicht dabei, denn er mußte 
jein Land | 66) Schweden ***) vertheidigen, weil Die 
Kuren.}) und SKyänen Fr) dort eingefallen wareı. ' 
Sigurd war damals ſchon hochbejahrt. 


ald die befiegten Tyeinde einen Dänen- und GHunen- 
(d. 5. Sadjen-) König (S. 148), Vgl. Müllenhof, 
Nordalb. Stud. 1,191 ff.; Geſch. d. N. NR. ©. 32 f. 
HS. 183 f. 256. Raßmann, Helden]. 1,184 f. 
*) Eigentlih: „fie jtedten ihn mit Hafelruthen (tie da3 
üblich war) ab“. 
**) Bol. oben ©. 369*. | 
***) Sigurd Hring herrſchte nämlich nach) der Bravallafchladt 
über Dänemark und Schweden zugleid). 
+) Bewohner von KRurland. 
rr) Ein finniider Stamm, der zu beiden Seiten des bott- 
nijhen Meerbuſens wohnte. 


375 





Nun ftießen die beiden Heere aufeinander; da 
begann eine heftige und blutige Schlacht. Gandalf's 
Söhne drangen tapfer vorwärt3*), dieweil fie größer 
und jtärfer als andere Männer waren. 

In ihrem Heere jah man einen gewaltigen und 
ftarfen Mann, der fchlug alles nieder, Mann und 
Roß, jo daß nichts gegen ihn Stand hielt; denn er 
glich mehr einem Rieſen ald einem Menſchen. König 
Gunnar bat Sigurd, diefem Teufel in Menfchen- 
geftalt entgegen zu treten, weil, wie er fagte, es 
fonjt nicht gut abgehen würde. Sigurd machte fi 
nun gegen den großen Mann auf, und einige Männer 
mit ihm; die meilten jedoch hatten nicht Luft dazu. 
Wir erreichten bald den ungeheuern Mann (ſprach 
Geſt), und fragte Sigurd ihn nad) feinem Namen, 
und wo er ber wäre. Er antwortete, er hieße Star- 
fad, Storverk's Sohn**), [und ftamme] vom Norden, 
von Norwegen her, aus Fenhring.***) Sigurd fagte, 
er habe jeiner erwähnen hören, zumeift aber inı 
Schlimmen: „jolde Männer fol man nicht mit Leid 
verſchonen.“ Starkad ſprach: „Wer iſt diefer Mann, 


*) Vgl. oben ©. 369}. 
**) Ein berühmter nordiiher Sagenheld. 
***) Eine Inſel an der norwegiſchen Küfte, nicht weit von 
Bergen. 





376 





der mi jo fehr mit Worten ſchmäht?“ Sigurd 
nannte feinen Namen. Starkad fuhr fort: „Bilt du 
Safnistödter benannt?” „So ift’3,“ antwortete 
Sigurd. Da wollte Starfad fih davon machen. 
Sigurd aber ſetzte ihm nad, züdte dad Schwert 
Sram und zerichlug ihm mit dem Gefäß die Kinn- 
lade, jo daß ihm zwei Badzähne herausſprangen, 
und verftümmelte ihn fo mit dem Hiebe.*) Dann 
hieß Sigurd den Hund**) ſich hinweg heben. Da 
entwich Starkad. Ich aber nahm den einen Badzahn 
auf und trug ihn | 67) bei mir; er hängt nunmehr 
zu Lund in Dänemark**) an einem Glodenftrange 
und wiegt ſechs Oret), und es fcheint den Leuten 
eine Sehenswürdigkeit, ihn dort zu betrachten. Nah 
Starkad's Flucht aber flohen Gandalf’8 Söhne. 
Wir machten da große Beute. Darnach zogen die 
Könige heim in ihr Reich, und jagen num in Ruhe. 


*) Eigentlih: „und war das ein Verſtümmelungshieb“. 
Eine Berftiimmelung follte er nämlich) nad) Thor’3 Be- 
ftimmung (Fas. 3,33) in jeden Kampfe erhalten. 

**) Eigentlich: „Hund in Menfchengeftalt“. 
+) Schonen gehörte früher zu Dänemark. 

+) Dre (Unze) ift der 16. Theil des Pfundes. 





877 





Siebentes Kapitel.*) 


Kurz darauf hörten wir von der Unthat Star- 
kad's erzählen, daß er den König Armod im Babe 
ermordete. **) 

Eined Tages gefchah ed, daß Sigurd zu einer 
Verſammlung ritt, da gerieth er in einen Sumpf, und 
fein Roß Grane ſprang jehr Ichnell und mit ſolcher 
Gewalt heraus, daß der Bruſtgurt zerſprang und die 
Spange nieder fiel. Als ich ſie nun im Lehm blinken 
ſah, hob ich ſie auf und brachte ſie Sigurd; er aber 
ſchenkte ſie mir: eben dies Gold habt ihr vor kurzem 
geſehen. Sigurd ſtieg dann ab, und ich ſtriegelte ſein 
Roß und wuſch ihm den Lehm ab. [Dabei] zog ich 
ihm einen Haarbüfchel aus dem Schweife, zum Zeichen 
der Größe des Roſſes.“ Damit zeigte Geſt den Haar: 
büfchel, und war derfelbe fieben Ellen lang.***) ! 

König Dlaf ſprach: „Sch finde großes Ver— 


*) Meberichrift: „Hier zeigt (?) der Geft die Sattelfpange“ 
S; „Seit erzählt von Sigurd” F. 

**) Nach andern Quellen hieß der König Ale. Dem Star- 
fad war von Thor bejchieben, daß er Drei Frevelthaten 
begehn jollte (Fas. 2,32). 

x*xæ*) Eigentlich: „hoch“. 
1) Bgl. Gestar. Str. 20—28. 


378 





gnügen an deinen Erzählungen.“ Alle lobten hierauf 
feine Geſchichten ſowohl wie feine Unerſchrockenheit. 
Der König wollte, daß || 68) er noch viel mehr von 
den ‚Begebenheiten erzählen follte, die fi) auf feinen 
Fahrten zugetragen. Geſt erzählte ihnen [nun noch] 
viele intereffante Dinge bid zum jpäten Abend. Dar- 
nad) ging man zu Bette. 

Aber am Morgen darauf ließ der König Geft 
[wieder] rufen und wollte ſich noch weiter mit ihm 
unterhalten. Er ſprach: „Nicht kann ich ganz über 
dein Alter mit mir einig werden, wie es glaub» 
haft werden könnte*), daß du ein jo alter Mann 
feift, daß du bei diefen Begebenheiten zugegen ge: 
weſen. Du wirft noch andere erzählen müffen, 
jo daß wir über ſolche Begebenheiten befjer unter- 
richtet werden.“ Geſt antwortete: „Sch war im 
Voraus überzeugt davon, daß ihr noch andere Dinge 
würdet von mir hören wollen, wenn ich euch in 
Betreff des Goldes fagte, wie es [damit] zugegangen 
wäre.“ ** Der König ſprach: „Allerdings ſollſt du 
erzählen.“ 


*) Wörtlih: „welche Wahricheinlichkeitägründe es fein 
fönnen“. 
*®) Bol. oben S. 356 f. 


379 
Achtes Kapitel. *) 


„Sp ift denn noch zu berichten (ſprach Geſt), 
daß ich nordwärtd nach Dänemark zog und mic) dort 
auf meinem Vatererbe niederließ, denn er (mtein 
Vater) ftarb bald. **) Kurz darauf vernahm ich 
den Tod König Sigurd's ſowie der Gjufunge, und 
war mir das eine fchwere Kunde“ Der König 
fragte: „Wie fam Sigurd zu Tode?“ Geft ant- 
wortete: | „So erzählen die meiſten Leute, daß Gut» 
thorm, Gjuke's Sohn, ihn im Schlafe neben Gudrun 
mit dem Schwerte durchbohrte. Deutjche Männer ***) 
dagegen erzählen, Sigurd fei || 69) draußen im Walde 
erichlagen worden. In Gudrun’d Klagelieder) aber 
heißt e8, daß Sigurd mit Gjufe’3 Söhnen zu einem 





*) Meberfchrift: „Brynhild fpricht im Tode Strophen‘ (frei 
überjett) S; „Get erzäflt von Brynhild und der 
Riefin“ F. 

**) skjött, — früh? 
*.*) Dieje jpeciell-deutiche Sagengeftalt kam jpäter nad) dem 


Norden als die ältere, im Allgemeinen den Eddaliedern . 


zu Grunde liegende. Doch findet fich Diefe jüngere 
(deutjche) Sagenfafjung fchon in einzelnen der Edda⸗ 
lieder (Germ. 23,86 f. 335). 

y) Eigentlih „Gudrun's Geſpräch (reedha)“, an der ent⸗ 
ſprechenden Stelle der Liederfammlung „das alte Gu- 
drunlied“ genannt, Gudr. II iſt gemeint. 


« 


380 
Thing (VBerfammlung) geritten wäre und fie ihn da 
erichlagen hätten. Darin aber ftimmen Alle über- 
ein *), daß fie ihn liegend und nicht3 ahnend er- 
ſchlugen und ihn in feinem Vertrauen verriethen. ? 

Da fragte einer der Hofleute: „Wie benahın 
ſich Brynhild da?“ Geſt fprad: | „Brynhild er- 
Ihlug da fieben ihrer Knechte und fünf Mägde, 
durchbohrte ſich felber mit dem Schwerte? und ge- 
bot fie mit jenen Leuten zum Scheiterhaufen zu 
fahren und ihre Leiche zu verbrennen. 3? Go gefchah 
es, daß ein Scheiterhaufe für fie, ein anderer für 
Sigurd errichtet ward, und verbrannte man ihn 
zuerſt. Brynhild aber ward auf einem Wagen ge- 
fahren, und war darüber ein Belt von koftbarem 
Gewebe und Burpur errichtet, und funfelte Alles wie 
Gold, und fo warb fie verbrannt.” * 

Da fragten fie Geſt: „Sit dad etwa wahr, daß 
Brynhild als Todte [noch] Strophen gejprochen, al 
fie zum Scheiterhaufen gefahren ward Geſt er- 
Härte, daß dies wahr fei. Sie baten ihn, dieſelben 
zu wiederholen **), wenn er fie wüßte. Da ſprach Geit: 


*) Wörtlih: „Das wird allgemein gejagt“. 
2) nm „zu ſprechen, vorzutragen‘, vgl. oben ©. 280, 
31 
1) Meift — = Brot, Schlußproſa, 3. 3-14. — 2) Meiſt wört⸗ 
lich = Gudr. I, Schlußprofa, 3. 6-9. — 3) Vgl. Sie. sk. 65—70. 
4) = Proſa vor Brynh. helr., 3. 1—6. 


% 


381 


„AS Brynhild auf dem Todtenwege*) zur Berbren- 
nung gefahren ward, kam man mit ihr in die Nähe 
eiwiger. Felsklippen. Dort wohnte eine Wiefin. ! 
Diefe ftand draußen vor dem Eingang zur Höhle 
und Hatte einen Fellrock an; fie war ſchwarz 70) 
von Antlitz.*) In der Hand hielt fie einen bren⸗ 
nenden Baumaft, und ſprach aljo: „Hiermit will id) 
zu deiner Verbrennung beitragen, Brynhild! Und 
befjer wäreſt du lebendig verbrannt für deine Un- 
thaten, daB du Sigurd den Yafnistödter, einen fo 
vortrefflichen Mann, ermorden ließeft. Dft habe ich 


*) Genauer der „Helsiveg”, der Weg der in's Todtenreich 
der Hel (f. oben ©. 71*) führt. Das Gejpräd ward 
urſprünglich (jo aud in der LXieder- Edda) auf dem 
unterirdifhen Todtenwege nach der Berbrennung 
gedacht; unfer Verfaſſer verlegt es irrthümlich auf die 
Fahrt zum Scheiterhaufen. 

*®) Bol. Fas. 2,127: „Eine Unholdin im Felltod... und 
ſchwarz wie Pech”. Schwarz wurden auch die Dunfel- 
Ekfen (unterirdifche Seelen) gedacht, und Hel war als 
Todesgöttin ſchwarz; nach der älteren Auffaffung als 
Lebens» und Todesgöttin (Hel = Holda = Freyja, 
f. oben ©. 186*) iſt fie Halb ſchwarz, halb weiß. Biel- 
leicht meinte der Dichter des folgenden Liedes Hel jelbit 
mit der redenden Riefin. (Gewöhnlich faßt man- diefelbe 
als Brynhild's perjoniflcirtes Gewiſſen auf.) 

1) gl. die Profa vor Brynh. helr., 3. 6-9. 








382 


ihn unterftüßt*), umd deshalb will ich dich "in 
Strophen anjpredhen mit ſolchen Zornworten, daß du 
allen noch verhaßter werdeſt, die ſolches von dir 
fagen hören.“ **) 

Hierauf Sprachen fie einander beide in Strophen 
an, Brynhild und die Riefin. ***) | Die Riefin ſprach: 


„Richt iſt Dir beichieden 
Bu durchſchreiten 

Die Steingeftügten 

Höfe mein. 

Es ziemte dir befjer 

Anı Webituhl zu ſitzen FT), 
Als unjere Häufer 
Heimzuſuchen. T7)' 


*) Bol. Fas. 3,474 f. 

**) Alle diefe pecielleren Ausführungen jcheinen lediglic 
Ausſchmückungen unjeres Verfaſſers zu fein. 

we) Hier iſt das Lied „Brynhildar helreidh “ vollitändig 
eingejchoben. 

+) Teppiche zum (Wirken oder Stiden) ausbreiten. Xgl. 
oben ©. 111**, 144***, 1687. 

Fr) Die Riefin, in der wir vielleicht Hel zu fuchen haben 
(f. oben S. 381**), meint, es wäre weiblicher geweſen 
nad) Sigurd’3 Tode feine Thaten auf Teppichen darzu- 
ftellen (vgl. S. 111; wie ähnlich Gudrun that, |. oben 
©. 168 f.) als fi) mit ihm zu tödten umd fo in Hel's 

1) Helr, Str. ı. 


383 
Wie darfit du 
Vom Schlachtenlande *), 
Wankelmüthig Weib, 
Mein Haus beſuchen? 
Du Haft den Wölfen, 
Willſt du's wien, || 71) R 
Schändlich vergofjenes (?) **) 
Münnerblut gegeben.“ ' 


Da ſprach Brynhild: 


„Nicht tadle mich drum, 

Weib aus der Höhle, 

Nahm ſſh auch früher 

Am Kampfe Theil: 

Bon uns beiden***) werde ich 
Als beſſer gelten, 

Wo man die Art 

Von uns beiden tennt. ? 


Todtenreich zu fommen, wo jte ohnehin als Odin's Wal- 
kyrje nicht? zu ſuchen babe (f. d. folgende Strophe). 

*, af Val-landi „von der Wahlstatt”, die Odin, dem 
Herrn Wal-hall's gehört (f. Germ. 23,417). Unfer 
Text lieft übrigens v& alandi „Weh-Erzeugerin”. 

**) meini -bDlandat. Der Tert der Lieder-Edda lautet: 
„Du haft, freigiebige Fürftin, Wilft du es wifjen, Von 
den Händen dir Männerblut gewaſchen“. 

***) D. h. von dir und mir; oder vielleicht richtiger: von 
Gudrun und mir (Holbmann); f. aud) oben ©. 38214. 


1) Helr. 2. — 2) Helr. 3. 


384 
Die Riefin ſprach: 


„Du bilt, Brynhild, 
Budle's Tochter, 
Gar unheilvoll *) 
Zur Welt gefommen. 
Du haft Gjuke's 
Kinder vernichtet 
Und ihren glüdlichen 
Hofhalt zeritärt.! 


Brynhild ſprach: 


„Sagen will ich dir 
Wahre Rede, || 72) 
Argliftig Weib **), 
Willſt du es willen, 
Wie mich machten 
Gjuke's Söhne 

Der Liebe verluftig ***) 
Und eidbrüdjig.F) ® 


*) Wörtlich: „unter ſehr ſchlimmen (unheilvolfen) Vor: 
zeichen“. 
**) Der Tert in der Lieder⸗Ebda weicht hier etwas ab. 
+4) Das von ihr erfehnte und ihr eigentlich befchiedene Ver: 
hältniß gegenfeitiger Liebe zwifchen ihr und Sigurd. 
+) Vgl. oben ©. 143***, 151°, 


1) Helr. 4. zer 2) Helr. 5. 


385 


Es ließ (bei Heimi?) 
Der muthvolle König *) 
Mich, Atle's Schweiter, 
Unter der Eiche**) wohnen. 
Zwölf Winter war ich, 
Willſt Du es wiflen, 

Als dem jungen Zürften ***) 
Ich Eide ſchwor. y)' 


(Im Gothenvolfe (?) 
Ließ den alten. . 
Hialmgunnar id) 

Zu Hel ++) wandern; 


_— — — — oo 


*) Budle (?). — „Bei Heimi“, wie S. 387, 3. 3—7 zeigt. 
**) Soll vielleicht heißen: „im Walde“, draußen in dem im 
Walde gelegenen Gehöfte Heime’3, im Gegenjaß zu der 
Königsburg Budle's (2). Ueber die Auffafjung diefer 
Halbftrophe f. d. Nachtr. 
x*x*) Sigurd (nicht Agnar, wie gewöhnlich erklärt wird) ift 
gemeint (ſ. Germ. 23,414 f.); vgl. oben ©. 116'. 

5 In der Lieder-Edda folgt. hier die Halbitrophe: „Mich 
hießen Alle In Hlymdal Hild unterm Helme, Wer 
mich kannte.” In Hlymdal wohnte Heimi, der Schwager 
Brynhild's, bei dem fic fich ne „ vgl. oben ©. 109 
bis 111; unten ©. 3877. Die folgenden Drei 
Strophen unterbrechen ben —— ‚ſ. unten 
S. 387 **. 

tr) S. oben ©. 71*. 


1) Helr. 7. 
25 


386 


Sieg gab ich dem jungen 
Bruder Auda's; 
Drob ward mir Odin 


Heftig erzürnt. *) ! 


Er umſchloß mich mit Schilden 
In Skatalund || 73), 

Mit rothen und weiben, 

Schild ſtieß an Schild. **) 
Der follte, gebot er, 

Bom Schlaf mid erweden, 
Der nie und nirgend 

Furcht gefannt. * 


Um meines Saales 
Südliche Seite 

Ließ hoch er Flammen 

Des Holzes Bertilger. ***) 
Dem Einen }) erlaubt’ er 
Hinüber zu fprengen, 


*) Denn Odin hatte ihm den Sieg verheißen, f. Sigdr. 
Proja nad) Str. 2, 3.7 f. Oben ©. 96. 
**) So nad) dem beſſeren Text der Lieder-Edda. Nth. 
reyndar svxfdha. 
***) Das Teuer (dev Waberlohe). . 
) Wörtlih: „Dem Helden allein“. 
1) Helr. 8. — 2) Helr. 9; Vols. 95*. 966, — Zu 1) umd 2) vgl. Sigdr. 


Proja nah Str. 2, 3. 18-21. Fafn. 42,58 (umd dazu Germ. 
23,165); 43,5—44,1. 





Sn. 


Der das Gold mir brädhte, 
Drauf Fafni Tag. *) 2) **) 


Es ritt der edle 
Goldfpender **) auf Grane 
Dahin, wo Haufte 

Mein Pflegevater P). 

Er allein erſchien dert, 
Der Dänentämpe tr), 
Werther als alle 

Sn der Mannenjdiaar. * 


— in — — 


*) Der alſo Fafni vorher erſchlagen und ſich dadurch als 
gänzlich furchtlos erwieſen hätte. 

**) Die 3 eingeklammerten Strophen unterbrechen den Zu⸗ 
fammenhang: fie find fälſchlich Hierher gerathen, aus 
einem Liede, deifen Broja-Auflöfung (in etwas ab- 
weichender Geftalt) in Sigdr. Proſa nah Str. 2, 
3. 3—21 vorliegt. Dort entipridt 3. 3—12 einer, 
unfern dreien vorhergehnden Strophe. 

***) D. h. Fürſt: Sigurd. 

+) Heimi in Hlymdal, |. oben 3884. 

+r) vfkingr Dana. Selbſt wenn Danir bier in dem weitern 
Sinne = Norbleute („der nordiſche Held?“) gefaßt 
wird, bleibt diefe Bezeichnung Sigurd's doch auffallend, 
da Sigurd aud) in der nordifhen Sage noch als frän- 
kiſcher Held erfcheint. Darf man an Sigmund’3 Aufent- 
halt in Dänemark (f. oben ©. 361 f.) denfen, oder daran, 

1) Helr. 10. ®gl. Fafn. 42,14; 48,14; 44,58; Vols. &. 142**. 


— 2) Helr. 11. 
25* 


388 


Wir jchliefen zufrieden 
Auf einem Lager, 

Als ob von Geburt || 74) 
Er mein Bruder wäre: 
Keines von beiden 
Durft’ um das andre 
In acht Nächten 

Den Arm ſchlingen.? 


Das warf Gudrun mir vor, 
Gjuke's Tochter, 

Daß ich in Sigurd's 
Armen geſchlafen: 

Da ward ich des inne, 
Was ich nicht wollte *), 
Daß fie mich täufchten 

Bei der VBermählung. ? 


Es werben mit Sorgen (Hader?) 
Allzu lange 
Männer und rauen 
Das Leben verbringen **): 
daß eine Faffung der Sage Hjalprek's Reich in Däne- 
mark gedacht zu Haben fcheint (ſ. oben ©. 60. 3. 9. 168. 
369%%*)? Oder ift Danir ganz allgemein — „Helden“, 
„Krieger“ gebraudit, wie z. B. Herv.s, ©. 255, Bugge 
(. d. Anm. ©. 358)? 
*) D. h. was ich lieber nicht gewußt hätte. 
**) Wie auch wir bisher. Ueber die Auffaſſung biejer 
Halbſtrophe |. Germ. 23,416. 
1) Helr. 12. — 2) Helr. 13. 








389 


ii Uns ward. beichieden 
en Gemeinjamer Tod, 
— Sigurd und mir*): 

Bl nun, feige Riefin !! 
Da ſtieß das Rieſenweib ein fürchterliches Ge⸗ 
(re aus, und ſtürzte au in den Berg. e | 


Hierauf ſagten die Hofleute des Königs: „Dos 
eradbt: und, erzähle noch mehr.“ _ Der König: [aber] 
ſprach: „Es iſt nicht nöthig, noch mehr ‚von. folchen 
Dingen. zu .erzählen.“ || 75). V 

Der König fragte [daraufl: „Warſt du etwa 
[auch] bei den Sobbrofsföhnen**)?“ Geſt antwortete: 
„Nur kurze ‚Beit war ih bei ihnen, und zwar kam 
ig zu ihnen, als ſie im Süden bei den Alpen heer— 
fahrteten u und Vifilsburg brachen. — Da war alles i in 
Schrecken vor ihnen, weil fie überall; fieghaft waren, 
wohin fie nur famen;:| und fie. gedachten damals gen 


9 Damit kommt Brynhild auf den Vorwurf der Rieſin 
zurück, daß es ihr nicht geziemte, Sigurb in. den Tod 
30 folgen; ſ. oben ©. 8824. 
ee) Diez ift die gewöhnliche Bezeichnung der Söhne Ragnar 
Lodbrok's, ſ. darüber Storm, Ragn. Lodb. S. 67—63. 
— Wie oben 299 f. erzählt iſt. 
1) Helr. 14. 


2 


Rom zu ziehen. *)ı Eines Tages geſchah es, daß 
ein Mann vor König Born Eifenfeite **) trat und 
ihn begrüßte. Diefer nahm ihn freundlich auf und 
fragte ihn, von wannen er käme und wie er hieße.? 
Jener fagte, er heiße Sones ***) und komme von 
Süden her aus Rom. ? Der König fragte: „Wie 
weit ilt e8 biß dahin?“ Sones antwortete: „Hier 
fannft du, König, die Schuhe jehen, die id) an den 
Füßen trage.“ * Damit 30g er Eiſenſchuhe von feinen 
Füßen, die waren oben fehr did, aber unten ganz 
abgelaufen: „So weit ift der Weg von hier bis 


*) Vgl. Ragnarsſaga, Kap. 13. Die folgende Epifode 
giebt in knapperer und wie es jcheint urfprünglicherer 
Form (f. 3.8. die folgenden Anmerkungen) den Inhalt 
dieſes Kapitel3 wieder. Troß mancher wörtlicher Be— 
rührungen kann unjere Darjtellung fehr wohl auf 
mündlier Xradition beruhen. Sollte indeffen die 
Ragnarsfaga die Duelle gemwejen fein, jo müßte eine 
ältere, kürzere Gejtalt derjelben vorgelegen haben; f. d. 
Einl. (Bgl. auch Storm, Ragn. Lodb. ©. 112.) 

xx) Daß Bjorn bier als Leiter des Zuges erfcheint, ift ur⸗ 
fprünglicher, |. Storm ebd. gl. oben 339}. 340%**, 

***) Auch die Erhaltung des Namens beruht auf urfprüng- 
ficherer Weberlieferung, |. Storm ebd.; Bugge, ©. 80. 


1) Val. Ragn. s. ©. 300, 3. 7—9. — 3) vgl. ebd. ©. 300, 3. 16 biß 
301, 3. 1. — 3) vgl. ebd. ©. 301, 3. 1—9 (viel ausführlicher, 
dod ohne den Namen). — 4) = Ebd. 3. 8—12. 








391 


nach Rom, wie ihr hier an meinen Schuhen ſehen 
könnt, wie arg fie mitgenommen ſind.“ [Da] ſprach 
der König: „Das- ift ein gar fehr weiter Weg 
(ihn zu ziehen), und jo wollen wir umfehren und 
nit in das Römerreich heerfahrten.“ Das thaten 
die Brüder auch, und zogen nidht weiter. * Das 
Heer aber fand es verwunderlich, auf Eine Mannes 
Wort Hin umzulehren. | Damit zogen die Lodbroks⸗ 
ſöhne heim ? und heerten nicht fürder im Süden.” 

König Dlaf ſprach: „ES ift augenfcheinlich, 
daß die heiligen Männer in Rom ihren Uebergang*) 
dahin nicht wünfchten, und es wird || 76) jener Geift 
von Gottes Macht gejandt worden fein, da fo ihr 
Borhaben aufgegeben ward, und fie feine Gewalt- 
thaten in der heiligſten Stadt begingen.” 


Neunted Kapitel. **) 
Weiter befragte der König Geit: „Bei welchem 
Könige, zu dem du gefommen, hat e8 dir am beiten 


*) Weber die Alpen? Nach Ragnarsſ. waren fie freilich 
Schon in Luna. Sit alfo zu überfeßen: „ihren Ueber: 
muth [fich] nicht dorthin [menden laſſen] wollten ?“ 
=) Ueberſchrift: „Erzählungen Nornageſt's“ S; „Bon des 
Königs Fragen an Geſt“ F. 
1) gl. Ragn. s. S. 301, 3. 12—18 (obiger Tert kürzer und anfcheinend 


urfprünglider). — 2) vgl. ebd. 8. 19—21. — 3) vgl. ebd. S. 301, 
8. 21 bis 302, 8. 1. 


392 


gefalleii ?* *) Geſt antwortete: „Am meiften Freude 
fand ich bei Sigurd und bei’ den Gjukungen, bei den 
Brüdern aber, den Lodbrofsföhnen, konnte Jedermann 
am freiften nad) feinem Gefallen Ieben. Aber bei 
König Eirek in Upſala **) war das größte Wohlleben; 
König Harald Schönhaar ***) aber hielt am ftrengiten 
unter allen Königen auf (höftfches) Benehmen und 
Hofſitte. Ich war ’aud bei: König Hlodve f) in 
Sachſenland ++), und dort ward id) [mit dem Kreuze] 
eingejegnet, denn ich durfte ſonſt nicht da bleiben, 
weil dort das Chriſtenthum hoch gehalten ward; und 
da gefiel e8 mir in jeder ‚Beziehung am beften.“ 
Der König ſprach: „Mancherlei Kunde wirft 
du berichten fönnen, wenn wir: fragen wollen.“ Er 
fragte darauf nad) vielem, [und] Geft gab ihm über 


*) Wörtlih: „Wo biſt du in der Weife zu Königen ge: 
kommen, daß es dir am beiten gefallen. hat?“ . 
**) Erich, der Upfala-König (7 885), der Sage nah Born 
Eifenfeite’3 Urenkel, jcheint gemeint zu jein. 
**x) Der befannte Einlönig von Norwegen, |. oben ©. 333'. 
PD. h. Hlodowech (Chlodwig — Ludwig), ſ. H. Zſchr. 23, 
167. Einer der Karolingiſchen Ludwige (der Fromme 
oder der Deutſche?) ſcheint gemeint? Vgl. übrigens 
die folgende Anmerkung. 
Tr) Saxland bezeichnet in nordiſ chen Ouellen zunüchſt Sachſen, 
wird aber nicht ſelten ungenau auf ganz Bean 
übertragen. 


393 


da3 "alle genau Beſcheid, und zuletzt ſprach er alfo: 
„Jetzt fan ich euch erzählen, warum ic) Norna-Geit 
benannt bin.“ Der König fagte, er wollte es [gerne] 
hören. er 


Behntes Kapitel. *) 

„Das gefhah damals, als ich bei meinem Water 
aufwuchs, in dem Orte, der Gröning **) heißt. Mein 
Vater war. rei) an Geld und Gut und führte einen 
großartigen Haußhalt. Es zogen | 77) damals dort 
Volven ***) durchs Land, welche Wahrfagerinnen ge- 
nannt ‘wurden, und: weifjagten den Leuten ihr Scid- 
fal. Deshalb Tadeten viele Männer fie zu ſich ins 
Haus, bewirtheten fie und gaben ihnen beim Abfchied 
werthvolle Mleinodien. Mein Vater machte es auch 
fo, und Tamen fie mit großem Gefolge +) zu ihm 


29 neberſchrift: „Hier wird davon berichtet, was die Nornen 
tiber Lebenszeit und Lebensgeſchick [Geft’3] im Voraus 
bejtimmten” S; „Norna-Geft wird auf des Pens Ver⸗ 
- anlaffung getauft“ F. 

**) S. oben ©. 347, 3. 2. 

“er S. oben ©. 46**, 263. Hier zu berumgiehenden 
Wahrfagerinnen herabgeſunken (wie 3. 8. auch in der 
Saga von Eirek dem Rothen). 

+) Eigentlich: „mit einer Schaar von Männern Bauten). A 


394 


und follten mein Schickſal weiffagen. *) Ich lag da⸗ 
mals in der Wiege **), und al3 fie über meine Sache 
(Schidjal) ihren Spruch abgeben follten, brannten 
über mir zwei Wachskerzen. Sie ſprachen Günftiges 
über mich und jagten, ich würde ein gar glücklicher 
Menſch werden, und fo jollte es mir in allen Dingen 
ergehn. Die jüngſte Norn ***) fühlte fi) von jenen 
beiden zurücgefeßt, weil fie fie nicht befragt hatten. +) 
Auch) war da viel rohes Gefindel, welches fie von 
ihrem Siße ftieß und zu Boden warf. SHierüber 
ward fie entrüftet, rief laut und zornig |drein] und 
hieß jene mit jo günjtigen Verheißungen inne halten: 
„Denn ich beicheide ihm, daß er nicht länger leben 


*) Das ift jüngere Auffafjung. Eigentlih beftimmten 
fie das Schidjal. Denn e8 find die Nornen, die hier 
fälfchlih Volven genannt werden. Dieje beftimmen auch 
ſonſt das Schickſal des Kindes, f. oben ©. 40*. 64*, 
87**. 

**) Vgl.: „Das ward mir nicht an der Wiege geſungen“. 

***) S. oben Anmerlung.*) Es fteht übrigend hin yngsta 
nornsn (= „die jüngfte, die Norn 7). Sollen nur bie 
beiden ältern als Volven bezeichnet werden? Bgl. unten 
©. 395** „die Ältere Volva“. 

r) Ebenjo fpricht über Dorn rösſchen die dreizehnte „weile 
Frau“ den Fluch, weil fie nicht geladet iſt. Dieſe weifen 
Grauen, welche dem Kinde ihre Wundergaben verleihen, 
entſprechen natürlich den Rornen. 


395 


fol, al3 die Kerze brennt, die hier bei dem Knaben 
angezündet ift.“ *) 

Hierauf ergriff die ältefte **) Volva die Kerze, 
löfchte fie aus, und hieß meine Mutter diefelbe auf- 
- bewahren und nicht eher anzünden, als in meinen 
lebten Vebendtagen. Daun gingen die Wahrjagerinnen 
fort, und banden die junge Norn ***) und führten 
fie fo hinweg, mein Vater aber gab ihnen reiche || 78) 
Geſchenke beim Abſchiede. Als ih num völlig er- 
wachjen war, übergab meine Mutter mir dieje Kerze 
zur Verwahrung; ich habe fie nun bier bei mir.“ 

Der König ſprach: „Was führte dich nun zu 
und ber?“ Geſt antwortete: „Es kam mir jo in 
den Sinn: ich gedachte, daß mir von euch irgend ein 
Glück zu Theil werden würde, dieweil ihr von vor⸗ 
nehmen und weiſen Männern hoch gepriefen werdet.“ 





*) Dies „Lebenzlicht” ift Symbol des Lebens, wie das noch 
heute in mancdherlei Gebräuchen zu Tage tritt. (Roch⸗ 
Holz, Glaube und Brauch 1,165 ff.) Das Märchen vom 
„Gevatter Tod“ (Grimm, Nr. 44) zeigt uns eine große 
Höhle, in welcher viele, viele Lichter brennen; jedes iſt 
das Lebenslicht eines Menſchen; manche find eben erit 
angezündet, manche dem Verlöſchen nahe. — Die Ber 
wandtichaft mit der griechiichen Sage von Meleager iſt 

unverkennbar. 
**) Eigentlich ſteht: „die ältere”; vgl. oben ©. 394***, 
ie) Hier fteht norn, nicht nornin. 


396 . 


Der König fragte: „Willſt du jeßt Bier - ‚bie 
Zaufe annehmen?“ Geſt antivortete: „Das will id) 
nun nad euerm Rathe thun.“ So geſchah e3 denn; 
der König gewann ihn lieb und machte ihn zu einem 
feiner Hofleute. Geſt ward ein gläubiger Mann *) 
und beobachtete fleißig die vom Könige eingeführten 
Sitten. **) = war auch En bei den Leuten. 


Eiftes Kapitel, han} 


Eines Tages geſchah es, daß der König Se 
befragte: „Wie lange möchteft du noch Ieben, wenn 
es in deiner Macht ſtände?“ Geſt antwortete: „Nur 
noch kurze Zeit, wenn e8 Gott wollte.“ Der König 
ſprach: „Wie Yange würde ed währen, wenn du 
deine Kerze nähmeft, von der du erzählt haft?“ Ta 
nahm Geſt feine Kerze aus feinem Harfenkajten. ) 
Der König hieß fie anzünden; das gejchah, und als 
die Kerze angezündet war, brannte fie ſchnell nieder. 
Da fragte der König Geit: „Wie. alt bift du?“ 


HD. h. guter Chriſt. 
**) konungs sidhum; oder iſt allgemein „Hoffitte* gemeint? 
ck) Ueberſchrift: „Nornageft ftirbt“ S; „Nornageſt's Tod“ F. 
T) Das hölzerne Geſtell der Harfe ſcheint gemeint zu fein, 
- worin ja auch Heimi die Fleine Aslaug . f. oben 
S. 222 ff. 


397 





Geſt antwortete: „Ich bin nunmehr dreihundert 
Winter alt.“ „Gar fehr alt bift du,“ fagte der König. 
Geſt Iegte fih da nieder und bat, ihm die lebte 
Delung zu geben. Das ließ der König ſogleich thun; 
und als es geſchehen, war nur noch ein wenig von 
der Kerze unverbrannt. Da erkannte man, daß 79) 
es mit Geſt zu Ende ging; und ſobald als die Kerze 
verbrannt war, verſchied auch Geſt); und ſchien Allen 
fein Tod merkwürdig; der König legte auch feinen 
Erzählungen große Bedeutung bei, und ſchien es fich 
hinfichtlich ſeines Lebens zu betätigen **), wie (mas) 
er erzählt Hatte. 


*) Wörtlich: „Das war auch gleich jchnell, daß bie Kerze 
verbrannt mar und Geſt verſchied“. 
“*) Weil ſich Die Geſchichte von dem Lebenslichte ja beftätigte. 





Aachträge 


nebſt einigen Berichtigungen. 


©. 13**: bran(d)stokkr ift vielleicht die richtige Leſung, 
von brandr (Schwert), = „Schwertbaum“, fo daB der 
Baum den Namen erſt davon erhalten Hätte, daß Obin 
jein Schwert in denfelben hinein ftieß. 

©. 17, 3.18: „die unferm Gefchlechte angeerbt ift,“ ift freie 
Ueberfegung von ok kynfylgju värri. 

S. 19, 3. 9: „(ihr und) König Siggeir’3 Vornehmen“. Die 
beiden erften Worte ftehn befler in Klammern. Sie ent- 
Iprechen allerdings dem Originaltert und laſſen ſich allen: 
falls dadurd erklären, daß Signy in den Plan ihres Ge 
mahls eingeweiht war; doch fehlen fie befier. 

©. 21, 8. 3 f.: ®gl. unten ©. 194°, 

©. 24, 3. 13: Am Ende des Abſatzes ift hinzuzufügen: 
„Da gingen fie heim und fagten Signy, wie es ftände”. 

©. 29, 8. 18: „Sigmund fchien [(Sinfjotle]“, bejier: „Er 
(Sinfjotle) ſchien Sigmund .. .” 

©. 39, 3. 13: „freudig“, beſſer „willig“. 

S. 40, 3. 1: lies „der ih nah König Bolfung darein ...“ 

©. 41, 3. 6: lied „über das Heervolf”. 

©. 42, 8. 3: lie „bi8 zu den Bannern der Söhne König 
Hunding's“. 








—— 


©. 42*: VBgl. S. 229+}. 2537. 

©. 45, 8. 11 f.: Vgl. Fas. 2,273 f. 

©. 46**: Neuerdings tft das Wort von Bang und Bugge 
(Bang, Völuspaa og de Sibyllinske Orakler, Chriftiania 
1879) für ungermaniih und für eime Entſtellung aus 
[Si-]Bylla, Sibylle erklärt — eine Erklüͤrung, gegen welche 
doch manche Bedenken bleiben. 

©. 51, 3.12: „Roft und Wirthſchaft“], föngam, ſonſt liber- 
jegt: „nach beiten Kräften” oder „aufs Köſtlichſte“. 

©. 55, 3. 6: „übertraf da ein Tag immer noch den andern 
in der Bewirthung“], wörtlich: „ward ba an einem Tage 
immer noch befier bewirthet als am andern und mit 
größerem Eifer”. - 

©. 55, 3. 10: Nach „ihm“ ift hinzuzufügen: „und bewachte 
nun fein Reich“. 

©. 55, 8. 13: Die Ueberfegung ift S. 212** berichtigt. 

©. 56, 8. 11 ff.: Bu der Schladtichilderung vgl. ©. 80* 
u. ſ. w., ſowie ähnliche Schilderungen in der Ragnarsfage. 

©. 58, 3.6 f.: gl. Nth. ©. 863. 

©. 58, 3. 11—6©. 59, 8. 15: Bol. das fürdtfche Lied Regin 
smidhur, Str. 9—18. 21. 24. 

©. 59, 3. 13 f.: Die Worte ek mun nü vitja freenda 
vsrra frammgenginna beruhen gewiß auf einem Liede, 
wie überhaupt das ganze vorhergehende Geſpräch, was 
fhon Müllenhof (H. Zſchr. 23,137) mit echt betonte. 
Vgl. Herv. 8. (Bugge) ©. 312: Nu fysir mik, | fostri, at 
vitja | framgenginna | frenda minna. 

©. 60, 3. 9: „Bon Dänemark“, vgl. ©. 369***, 887. 

©. 62, 3. 18: Lied: „lange genug“. 

©. 67’: Bgl. das färöifche Lied Regin smidhur, Str. 63—55. 

©. 67, 8. 16 ff.: Vgl. Thidr. s. 2,466. 467 f. 


nei 

©. 69, 3. 9: „Stromfalle“] lieg „Strome“, 

©. 74: Zu Kap. 15, Abjag 1—8 vgl. dus fürifge Lied 
Regin smidhur, Str. 49—50. 62—88. 

S. 75, 3. 16: „und es“] lied „und er“, nämlich der Flock. 

©. 76, 8. 14: Lied „Regin. Da“. 

©. 78, 3. 6: Lies „Da Führer wäre“. 

©. 81, 3. 4: Genauer wäre. folgende Ueberjegung: „.-- 
mag, 109 das Heer des Landes (te) zuſtrömt, es 
doch. 

81*: Vies ©. 56, 2. 18. 321®*. 
. 82, 8. 8: Nach „pflegte“ ift Singugufügen: „wenn er 
— zum Waſſer begab“. _ 

©. 91, 3. 11: „Sigurd“] jo die Hdſchr. wohl irrthümlich 
ſtatt „Regin“ (= Fafn.), wie ſchon Bugge vermuthete. 
Ridil iſt Regin's Schwert, vgl. ©. 364*. 371* 

©. 93, 3. 4: „ſiebente“] lies „jechfte“. 

©. 94, 3. 15: Lies „er vor fich ein großes“. 

©. 97, 8.1: „wenn es euer Wille ift, und“ ift zu streichen. 
. 107, 3. 10 ff: Vgl. oben ©. 64,8. 7 ff. 

.108}}: gl. Rigsth. 35 und unten ©. 111*, 

. 116, 3. 8: „Aeußerung“] beſſer 

. 1161: Ergänze Helr. 7,7 f. . 

. 119, 3.19: Lies „[Hamund’8]“. Der Name. ) Vaters 

fehlt in der Höfchr. 

122*. Bgl. unten ©. 232***, (167°. 298°). 

. 124, 8. 24: „jollt ihr Eide leiſten“) nämlich einander. 

. 177, 3. 16: Die Notenziffer * ift in ° zu ändern. 

. 181%: Bgl. noch ©. 125, 3. 15; ©. 266*. 

‚199%: gl. ©. 304**, 

200: Statt ** lieg ***, ftatt “.. fies **, 

. 232!: gl. nod) Herr. s. ©. 233, 3. 10—12. 


AAAAAANA ARAAARNM ( 


za, 


©. 23244: Saxo ©. 335: Huic (Alvilde, d. i. Alf- 
Hilde) pater in arctam admodum custodiam relegats 
viperam angvemque educandos commisit, pudicitiam 
ejus adultorum tandem reptilium custodia vallaturus 
.. . Statuit etiam, ut, si quis ejus aditum frustra ten- 
tasset, protinw amputandum caput paloque re- 
figendum preberet. Letzterer Zug findet ji) befannt- 
ih in verjchiedenen Geftaltungen der deutichen Hildenfage 
wieder, aber jo gewandt, dab alle um die Königätochter 
mwerbenden Boten dad Haupt verlieren, ſ. Gubrun (ed. 
Martin), Str. 202. 228; Ortnit, Str. 19 (86 sich die 
zinnen an. zwei und sibenzic houbet hät er gestecket 
dran, die er durch der frouwen willen hät boten abe 
geslagen) ; Oswald (ed. Ettmüller) 307—12; Rother (ed. 
Rüdert) 82 f. Bgl. auh Nib.- Lied (ed. Bartich), 
Str. 327. 426. 

©. 233***: Vgl. Liebreddt, Germ. 5,49 f. und „Orient 
und Dccident‘ 1,566; Mannhardt, Germ. Myth. 149 ff.; 
Schwarg, Urfprung der Mythologie, ©. 68 (über das 
Wachſen des Goldes); Maurer, Isländiſche Volksſagen, 
©. 174 f. 

S. 238°: Vgl. Herr. s. ©. 233, 3. 14-17; aud) bier: 
„Te ließ Gold unter ihn legen“. 

©. 233°: gl. Herr. 3. 233, 17 f. 

©. 234!: —= Herr. 5. 283, 18—21, faft wörtlich überein- 
ftimmend. 

©. 234°: gl. Herr. 8. 233, 22. 

©. 234°: Vgl. Herr. s. 233, 22—26. 

©. 234, 3. 10 f. (Biffernote 234%): —= Herr. s. 283, 26. 

©. 236%: Vgl. Kräkm. Str. 1. Herr. s. ©. 233, 


B. 27 ff. ar 





402 

S. 2367: Die Speernägel] vielmehr „den Speernagel“, 
denn es iſt nur einer. 

©. 238%: Nach Herrn Profeſſor Bugge's Mittheilung lieſt 
die von ihm theilweife entzifferte Handfchrift brädhrädhin/n) 
mi’ (d. i. mer) daudi. Alſo ift vielleicht zu conftruiren: 
ek skal hafa böl, nema daudhi, WWädhrädhinn mer, 
biti til hjarta heidharlax hringlegginn (vgl. Häv. 85,4) 
vell-smjügi ?). Dan vermißt eine Anfpielung auf den 
Hort, auf dem der Drade liegt: follte aljo vel ftatt vell 
stehn und in smjuͤgi [ein Kaſus einer fonft nicht belegten 
fubltantiviichen Bildung zu smjüga (?) oder] eine entftellte 
Form vorliegen ? ö 

® 247, 8. 10: Vgl. ©. 352% und dazu db. Naditr. 

©. 2567: Vielleicht iſt zu Iefen: thrjär (d. i. thriar) sku- 
lum threyja ok th6ö saman byggja hyjar-nstr { höllu. 

©. 269, 3. 4 (= 283, 8. 7): „um“] theirrar tidhar, at 
„in der Abficht (dem Beftreben), zu... vgl. tidhr bei 
C.-V. 633b unter II, 2. 

©. 2761: Bgl. unten ©. 332*, 

©. 280*: hvat segi ther allnyltt] konungsspjalli: was 
jagt ihr ala neuejte Kunde von den Königen?“ Die An- 
rede ther „ihr” Tann im Munde der Königin den Mannen 
gegenüber nur mehrere meinen; follte alfo konungs- 
spjalli = „Königsgenoß” fein, jo müßte der Plural ftehn. 
Ich Halte spjalli für einen (inftrumentalen) Dativ von 
spjall „Kunde, Bericht“ [oder ift spjalla (Gen. Plur.) zu 
Iejen?]; dann muß nytt ftatt ny gelefen werben. spjalli 
als Neutrum Plur. zu faſſen ift wegen der Brechung ja 
nicht wohl möglich. 

©. 2807: Dem Tert liegt folgende Conftruftion zu Grunde: 
ther segju ver thinna sona [jtatt kona; oder thina sonu?) 





403 


daudha, that’s naudh: örlög einka-t (b. i. einka „ge- 
währt”, 3. Plur. und die Negation at) manni „sonum 
Thöru, elli. Da man aber sonum Thöru faum ala Appo⸗ 
fition zu manni faſſen fann, wird in manni ein Fehler 
fteden, aber welcher? 

©. 282°: Bol. ©. 389%, 

S. 295 (Biffernote 295%): Zu Rap. 12, Anfang, vgl. Rsth. 
354, 25 ff.; Nth. ©. 359. 

©. 295*: Vgl. ©. 314**. 316. 

S. 298, 3. 17 ff.: Dieſe Kriegsliſt ward im Jahre 1154/5 
von Kreuzfahrern angewandt, |. Storm, Ragn. Lodbr. ©. 112. 

©. 300 (Biffernote 8001): Zu Kap. 13, Anfang, vgl. Rsth. 
354, 28 f. 

©. 300, 3. 7 (Ziffernote 300°): Vgl. Rsth. 355, 1 f.; 
Nth. ©. 390". 

S. 300, 8. 16-301, 3. 9 (Ziffernote 301”): gl. Nth. 
©. 390%, ®, 

©. 301, 8. 9—18 (Biffernote 301°); Vgl. Nth ©. 390*. 
391" (z. Th. mwörtliche Webereinftimmung). 

©. 301, 3. 19-302, 3. 1 (Biffernote 302"): Vgl. Nth. 
S. 391*, ®, 

©. 305**: Zu conjtruiren fcheint: Hvat er that? heyri ek nü 
[baugs(?)brjöt thjöta Hr baugum (?) oder brjöt (?) thjöta 
6r baugs-baugum (?). In baugs (baux Hofchr., bör die Ab- 
ſchrr.) brjoͤt kann eine entftellte Wind-kenning (Umjchreibung) 
fteden, baugum (d. i. bögum wäre dann in brögnum zu 
befiern: „Wind aus den Männern” — „Haud), Laut (des 
Unwillens), den die Männer ausftoßen“? Oder ift in 
baugs baugum (ftatt bödhmum oder dgl.? oder bägum, 
vgl. menstridhir) eine Mann-kenning verjtedt? Dann 
müßte brjst etwa aus einem Worte für neuem “ ent- 





404 


ftellt fein. Es folgt nun der Inhalt des Gemurmels: 
at menn Mundils mara (oder marar, ftatt mars: 
Mundils marr = Schiff), d. 5. „daß die Seehelden“ | svä 
mzrdhrofnir hafna? „fo ruhmvergeffen (ruhmlos) ent- 
rathen (nämlich meerdh „des Ruhmes“). Oder ift baugs 
brjöt (al® Dativ) bierherzuziehen: hafna baugs brjôt 
„nen Fürſten“ (mich) verlaffen (vgl. Kormaksſaga ©. 50, 
3. 12)? Oder endlich ift hafna abjolut zu faſſen = 
„navem in portum appellere“? Die Hoſchr. lieft svamdr! 
ofnir. Da die übergejchriebene Wblürzung | = er (ir) 
leicht zu weit nach Hinten gerathen fein fann, kann ur= 
jprünglich geitanden haben svamldrofnir = sva merd- 
rofnir (mit dem GStabreim auf m). Grade die Ber- 
ſchiebung des Abkürzungszeichend kann die Beranlafjung 
zu der falſchen Worttrennung geworden fein. Vielleicht ift 
aljo zu conſtruiren: heyri ek thjöta ôr *brögnum, at menn 
Mundils marar sy& *maerdhrofnir hafna baugs brj6t. 

©. 315***: Freys leikr (leikar) wird das Julfeſt meinen, 
wie deutlih in den Haraldsmal 64 (Möbius, Edda, 
S. 228): Es fol als befonderes Zeichen unermüdlichen 
Thatendranges gelten, daß Bjorn das Julfeſt nicht in 
gemächlicher Ruhe zu Haufe verlebt, fondern in fremdem 
Lande mit Heiner Schaar unter beitändigen Kämpfen. Ich 
conftruire jeßt: that var fyrst er förum: ek t6k heyja 
Freys leika { Römaveldi, thar er ättum einiga öld 
(öld = Schaar von 80 Mann? oder ftedt darin ein 
Fehler ?). Demgemäß überfege ich nun: Zuerſt auf unfrer 
Fahrt war's: Freys Spiel that ich feiern, Wo wir wenig 
Mannen Hatten, im Römerreiche.” 

©. 316, 8. 7 f.: Vgl. oben ©. 111*. 114, 8. 3. 

©. 316, 3. 8—11: Vgl. oben ©. 279, 3. 8—10. 12 f. 


„U 


405 


S. 330***: Obiges ift die wörtliche Ueberſetzung des Tertes 
der Hoͤſchr. Nah dem in der Anm. Gefagten wirb aber 
richtiger zu lejen fein: .. .. särr; [ok] Adhr..... Iykr, 
lsetr hann lif sitt, und demgemäß zu überfegen: „und 
bevor biefe Arbeit vollendet war, ließ er fein Leben“. 

©. 333*: Die einzige allenfall® mögliche Erklärung von 
illa — „taum, ſchwerlich“, ift hier deshalb nicht anwendbar, 
weil vidh ordhstir nicht mohl „in Bezug auf Ruhm“ 
überjegt werden kann, zumal die formelhafte Wendung 
deyja vidh ordhstir („mit Ruhm fterben‘) auch bier 
jedenfall3 zuſammengefaßt werben muß. Sch verbinde 
jöfurs falli („im Vergleich mit der Art, die der Fürft [Hpit- 
jerk] fiel“) mit hvat — bedh enn betra — und sik leggja. 

‘ alvaldr (Hvitferf) deyr vidh ordhstir allan (oder allra) 
faſſe ich als parenthetifchen Satz. 

©. 337**: Solche Weitgeſpräche (kappmeli), Mannver⸗ 
gleichungen in Verbindung mit Wetttrinken (Weinhold, 
Altn. Leb. 464), waren eine beliebte Luſtbarkeit; vgl. z. B. 
Halfs s. ©. 26 ff. und Fas. 2,271 ff. 

©. 3387: Zu conftruiren ſcheint ylgr gein mönnum of 
svira blödhi rodhna. aldri Tann nicht richtig fein: ver⸗ 
muthlich öldri „beim Gelage”; vgl. vitnis öldr, Gera öldr. 
Sollte gein öldri verbunden werden können, obgleid) gina 
fonft wohl niemal3 mit Dativ, fondern nur mit Prä⸗ 
pofitionen verbunden wird? Aber eyra grät? Sit e8 
eyra grätt? oder eyrar grät „Strand- Thränen“ — Blut, 
und etiva eyrar grät[s] zu Öldri? hardhm. bi? hvedhnu 
ift wohl parenthetifcher Sag, f. übrigens Egilsſon ©. 301b. 

S. 3841*: Der Munarvag wird ſonſt noch mehrfach in Ver- 
bindung mit Samsey BR 3.8. Herv. s. ©. 302,8 f. 
314,5—11. 


406 


©. 342, Str. 39,7 f.: = Herv. s. (Bugge) ©. 312, 3. 13 f. 

©. 348, 3. 5—8: Die Ereignifje, auf welche hier angejpielt 
wird, find ausführlich dargeftellt Flat. 1,110—113. 

©. 352*: kunna at 2j& (til „in Bezug darauf”) heißt gerade 
wie S. 247,10 (Fas. 1,245, 3. 10): „zu prüfen, zu ur⸗ 
teilen verjtehn“. Vgl. aud) 365**. 

©. 364, 8. 14 f.: Ueber ſolche Schuhe vgl. Weinhold, Altn. 
Leb. 164 f., wo auch über die ©. 14, 8. 20 f. — 
Hoſen gehandelt iſt. 

©. 368**: Bor der Bravallaſchlacht (ſ. S. 235**) lehrt eben⸗ 
falls Odin Sigurd Hring dieſe Schlachtordnung, wodurch 
derſelbe Harald beſiegt (Fas. 1,380). 

©. 372, 3.1—4: Es iſt wohl Sigurd, nicht Lyngve, gemeint; 
vgl. 3. f. d. Phil. 4446. Daher Habe ich mid) bei der 
Ueberfegung an den Text der Lieder- Edda gehalten, ftatt 
rydhi (ma3 nur conjunctiv perfecti fein könnte) aber 
rydhr gelefen: „Kein Königsſohn, der ftreitbar ift (s& er 
fold rydhr), ift (war, Nth.) tapferer, und er (Sigurd) er⸗ 

- freute den Naben.“ Eine Conftruction nad dem Sinne; 
denn der Sinn der erften drei Zeilen ift: „Sigurd ift (war) 
tapferer als alle andern jtreitbaren Königzföhne und... . 

S.385, 3. 14: Dieſe Halbitrophe, in der Lieder- Edda 
und im Nth. fehr abweichend überliefert, bietet für die 
Erklärung bedeutende Schwierigkeiten. Sch Habe Germ. 
23,413 ff. darüber gehandelt. Ich Halte die Lejung im 
Nth. im Ganzen für die beffere und lefe: Let [mik at 
Heimis (? mik af harmi Nth, bami vära %.- €.) 
hugfullr konungr [Atla (oder Atli?) systur (fo Nth.; 
ätta systra %.-E.) undir eik bus (fo Nth.; borit 2.-E.). 
— Bu Ber 5 ff. vgl. Sig. sk. 34,5 f. 

i ———e —— 


Erklärung 


der in den Anmerkungen gebraudten Abfürzungen. 


ININTTINI N 


Akv. = Atlakvidha, wie alle Edda⸗ 
lieder citirt nad der Ausgabe 
bon Hildebrand. 

Atlam. (Am.) = Atlamäl. 

Beitr. = Beiträge zur Geſchichte der 
deutfhen Sprache und Literatur, 
bergg. von Paul und Braune. 

Brot = Brot (Brudftüd) af Sigur- 
dharkvidhu [inni löngu]. 

Bugge S. = Bugge, Norrene 
skrifter etc., ©. 

Bugge, Röksten. — Bugge, Tolk- 
ning af runeindskriften pa 
Rök-stenen i Östergötland, 
Stodh. 1878. 

Kaſſel (lies vielmehr Taflel), der 
Schwan — Paulus Caffel, der 
Schwan in Sage und Leben. 

Ccod. reg. codex regiun. 

C.-V. = Cleasby-Vigfüsson, Ice- 
landie-English dictionary. 
Däniſche Bolkslieder werben citirt 

nad 

DGF. = Danmarks gamle folke- 
viser, bergg. dv. Sp. Grundtvig. 

Dr. Nifl. = Dräp Niflunga. 

Egilsfon = Sveinbjörn Egilsson, 
Lexicon poetiecum antiquslin- 
gus septenirionalis. 

Einl. = Einleitung. 

F eine Hdiär., ſ. d. Einl. 

Fafn. = Fäfnismäl. 


Färdifche Bollslieder find citirt nach 
der Ausgabe von Hammershainb. 
Fas. = Fornaldarsögur, ed. Rafn. 

Flat. = Flateyjarbök. 

Fms. = Fornmannasöpur, 

Fritzner = Fritzner, Ordbok over 
det gamle norske sprog (1867). 

Gen. = Genitiv. 

Germ. = Germania, 
Pfeiffer (Bartid). 

Gestsr. —= färbiſche Gestsrima. 

Ghv. == Gudhrünarhvöt. 

Gräg. = Grägäs. 

Grettis s. = Grettis saga. 

(J.) Grimm, U. Schr. = Meinere 
Schriften. 

(J.) Grimm, Myth.s = Deutſche 
Mythologie, 4. Aufl., beſorgt 
von €. H. Meyer, citirt nad 
den Seitenzahlen der 8. Auflage. 

Grimm, HS f. HS. 

Grimn. = Grimnismal. 

‚Grip. = Gripisspä. 

Gudr. = Gudhrünarkvidha. 

Härb. = Härbardhsljödh. 

Häv. = Hävamal. 

Hdl. = Hyndluljödh. 

Hodſchr. = Handſchrift. 

H(elg). Hund. (H. H.) = Hel- 
gakvidha Hundingsbana. 
Helg. Hj(orv). = Helgakvidha 

Hjörvardhssonar. 


bergg. vou 


408 


Helr. = Helreidh Brynhildar. 

Herr. s. = Herraudhrs sags ok 
Böse (Fas. III.) 

Herv.s.=Hervarar saga (Bugge). 

Hmd. = Hamdhismäl. 

Holtzmann — Die Ältere Edda, über⸗ 
feßt 2c. 2c. von Holtzmann und 
Holber. 

(Grimm,) HB. = W. Grimm, 
Deutſche Heldenfage (nad den 
Seitenzahlen ber erften Auflage 
citirt). 

H. Bir. = Zeitſchrift für deutſches 
Altertbum, bergg. dv. Haupt 
(Steinmeyer). 

Kaflel ſ. Caſſel. 

Kräkm. = Kräkumäl. , 

Landn. — Landnämaboök, in Is- 
lendinga sögur (1843), Bd. 1. 

L.⸗E. — Lieder- Edda. 

Lokas. == Lokasenna. 

Mannhardt, Germ. Muth. = Ger» 
manifhe Mythen. 

Maurer, Belehrung) = K. Maurer, 
Die Belehrung des norwegifchen 
Stammes zum Chriftenthume. 

Nib.Llied), Nib(el). = Nibelungen- 
lied, ed. Bartih (1870). 

Nth. = Nornageststhättr, in ben 
Anmerkungen nad) Bugge’8 Terte 
citirt; in den Nachträgen und 
Negiftern nah obiger Ueber⸗ 
jegung. 

Oddr. = Oddrünar grätr. 

Paul. Diet. = Baulus Diakonus, 
überf. v. Abel. 

Blur. = Plural. 

Ragn. s. oder Ragnarsſ. — Wag- 
narsſaga. 

* Ragn. t. = färbiſcher Ragnars 
tättur. 


(J. Grimm,) Rechtsalt(erthümer) 8. 

Regm. = Reginsmäl. 

Rigsth. = Rigsthula (Rigsmäl). 

Rsth. = Ragnars sona thättr 
(Fas. I). 

8, eine Hdiär., f. d. Einl. 

Sarı (Gr.), S. = Saro Gramma⸗ 
ticus, od. Müller-Belidomw, S. 

Sigdr. = Sigrärifumäl. 

Sig. sk. — Sigurdharkvidha (8.) 
in skamma. 

Simrod, Mytb.4 = Handbud der 
deutſchen Mythologie, 4. Aufl. 

Sing. — Singular. 

Skm. oder Skirn. — Skirnismäl. 

Sn. E. = Snorra Edda, cifirt nad 
Willen, die projaifde Edda im 
Auszuge. 

(G.) Storm, Ragn. Lodb. = Rag- 
nar Lodbrok og Lodbrokssön- 
nerne (Friftiania 1877). 

Tac. Gderm. = Tacitus’ Germania, 

Thidr, s. = Thidreks aaga (saga 
Tbidreks konungs af Bern), 
citirt nad) v. d. Hagen’ Neber- 
ſetzung im 1. und 2. Bande 
diefer Helbenſagen“. 

Vafthr. = Vafthrädhnismäl. 

Vols. = Volsunga saga, citirt nad 
obiger Ueberjegung. 

Vols. rim. (rim.) = Volsungs ri- 
mur (ed. Möbius, Edda.) 

Vsp. = Völuspä. 

Weinh(old), Altu. Lleb). = Altnor⸗ 
diſches Leben (Berlin 1856). 
Wolfd. = Wolfpietrid, ed. Ame⸗ 
lung und Sänide (Dentidhes 

Heldenbuch, BP. 8). 

Yngl. s. = Ynglinganaga. 

3. f. d. Phil. — Beitfärift für 
deutſche Philologie. 


Sadjregifter 


zu den Sternnoten.*) 





We, König 377**. 

Alten (Elfen) 87+. 347**. - 

Alaniun 101**. 

Unbbarasant 714. 

Aufel, befruchtender der Yrigg 8t- 
10*®4, 11**, 19%, 

Asagard 46t. 

Aufnahme des Kindes, |. Kind. 


bakast (fih wärmen) 224**, 

barnstokkr 13** (vgl. den Nach⸗ 
trag dazu). 

Bart, durch den B. trinken 52%. 

Beckhilp 109**. 

VBeheren, verwüniden in Thier⸗ 
geftalt 24*. 30*. 3o**, 

Befprengen, |. Taufe. 

Blatt als Heilmittel gebracht 33*. 

Bintaar 330**. STıt*, 

Bintsbrüberichaft 88*. 126**. 

Brage 101}F. 

Bra vallaſchlacht 47}. 235**. Nad- 
trag zu 868**, 

Brautſchatz 63**. 1134***, 276**. 


Brynuhild (Name) 100**. 


Bußverfahren, ſ. Otterbuße. 


Dauevirke 348**; von Otto zer- 
ſtört I4Sr#*, 

Danir 8387. 

Dichtermeth (1027). 1717. 

Diſen 56**. 994. 186*. 235***, (Baꝗl. 
148**); Trug⸗Diſen 368*#*, 

Dornröschen 96**. 131*. 394}. 

degr 31*. 1467. 

Dramen, horthütende 233*** nebft 
Nachtr. 

Draupui (Draupnir) 71 pf. 

Dvalin 874f. 

Eber als Bild des Helden 312*. 

Ehe, Eingebn der E. 25671. 

Ehegottheiten 25617. 

Etzreuplatz 336**. 3514}. 

&inherien (d. h. Einheerd-Mannen, 
weil Freund und Feind fih in 
dem Einen Heer Odin's zuſam⸗ 
menfand), Einberjenfampf4ctt. 

Eirel in Upſala 392**, 


*) Nur die ſachl ichen Erläuterungen find berückſichtigt, Dagegen alle 
zur Erflärung und Beyrimbung der Meberfekung dienenden, ſowie die 
tertfreitifgen Anmerkungen ausgeſchloffen. Die ſagengeſchichtlichen Bemer- 
kungen find unten befonders zuſammengeſtellt. 





410 


erfi (Erbmahl) 51*. 202%. 215***. | Harald Gormsion 348*. 


835, Harala Schönhaar (333**), 3ga**%, 
Grinnerungdtrant 97***., Harte, in ber H. tragen 396}. 
Feunhriug STör**. Hafelruthen, mit H. abfteden 374**. 
Sralllaud 369***. Gedinsen 43*. 
Frete 49**. Heervſeil 273}. 
Brenin = Holda — Hel 186%. Geerſchild, roth (459%). 273%, 
Frey's Spiel (Freys leikr) 315*** 290%. 296**, 320%. 

nebft Nachtr. Heid s***, 


Friss, Göttin des Eheſegens 8*, | Heilung durd ein Blatt nach dem 
ihr befruchtender Apfel (j. Apfel), Beifpiele eines Wieſels 33". 


ihre Truhe 238**. Seite 339*. 
Fünf, die Zahl fünf formelbaft | Helling 3414Pf. 

14gr.*, Hel (Heli), ihre urfprünglide Be⸗ 
Folsje (56**.) 994. 186* (vgl. auch deutung 71*. 89*#, 177*«, 194}. 

hamingja). g81**. 38544; = Holdasfyrenia 
Gandalfaſohne 373***. g81*; — ber Rieſin? sHı**. 
Gardariki (Rußland) 182*. 38247. 
gestr 346*. Selwes 881*. 

Geltaltentanidg 26***. 129***. | herbergi (345+). 851*. 

148%, Herrudhr = Hervardhr 3623#***, 

Glaumpar 180**. Hirſch als Sinnbild des Helden 
Guipatiord 269**. 122#, (233r#*), 
Guitahaide 67**. 179***. 360**, | Hlodhe (Hlodhver) 392}. 
Götterbreipeit 70*. | Hiymdalir 128%. 386%**, 3854. 387}. 
Gudrunlieh, das alte = Gudhrün- | hnita 850**. 

ar rœdha 979}. Hnitudhr 850**. 

„Gudrun’s Liften‘ (Gudhrünar- Hofhalt ber Könige 316*. 

brögäh in fornu) 353**. Hogue 49*. 

Gungui (Gungnir) 102*. Solm als Rampfftätte 8711}. 
Gunnarsslagr 853*. Hoſen: Nachtr. zu 364, 3. 14 f. 
Gutthorm 155*. Sring’s Söhne 49*. 
Gadbinge 172**. Hrimmi (Miele) 8***. 
Hagbard 118*. Hroſfothiof 8***. 
Sale 119*. Susin TE***. 
Salon Dpferiarl 3487. huniſch 154**. 173**, 
hamingja 14844 (vgl. Difen und | Hvitabä 259*. 262**. 
Fylgie). Hut, tiefherabreichend 230***, 336*. 


hamr (Schwauenhemd u. ſ. w.) | Jarnafdha (Eifenjeite) Bir, 
9%, 30%. ZO*##, 184#* (f. au | Jormunrek 209***, 
Beberen, Geftaltentaufd). Julfeſt 3497}. Nahtr. zu 3I5***, 
Hand mit dem Becher ergriffen 115*. | Kaiſerthum in Deutſchland 368*. 


411 


Kinder, kommen von Bäumen 18** ; 
Aufnahme bes neugebornen Kin- 
bes u. dgl. 269***, 

Kinderftaum, |. barnstokkr. 

knörr 302**. 

König, fein Hofhalt 316*. 

Königin, waltet des Schenkamts 
181* Machtr.). 265* n. ſ. w. 

RAräbe 42*. 2294. 255}. 

Krienslikt gegen Wifilsburg: Nach⸗ 
trag zu 298, 8. 17 ff. 

" Kühe, heilige 260**. 2634. 274*, 
(275***), 

Kuren 374}. 

Kpänen 3747}. 


Lebendligt 395*. 

Leichen⸗Ausſetzung, |. Schiff. 

Lenorenfage 216*. 

Larpe 184**, ſ. hamr. 

Lauch, als Sinnbild des Helden40**. 

Lodbrof als NRagnar’3 Beiname 
221*. 236+. 

Lobbrotsſöhne 389**, 

Ludwig in Sachsland 392}. 

Luna 300%. 


Manunpergleihung 357**, Nachtr. 
merdhrofinn: Nachtr. zu 305**, 
Menſchenopfer 342**. 

molla 339 7. 

Möpenfeld — Meer 282*. 339**., 
Mungrvag 341*8, Nachtr. 
Mündigleitstermin 41*. 
Myrinin 188**. 


nafnfesti (Namengebung) 40***. 
2707. 

KRamenänennung weigern 310***, 
Nornen 40%. 64%. 87*. 102***, 
131”. 394#, 394***, 8944. 

Oddrun 164***, 
DOpie, feine Geftalt und Kleidung 
15*. 57*. 66*. ZI0rME, gEgMiets 


Todesgott 96**:; als Todten⸗ 
fährmann 53*, als Herr Wal⸗ 
hall's 10**, 57*. 5g*#, 219*®*; 
fein Wolf 49** ; fein Nabe 33", 
78***; Schlachtengott: verleiht 
Sieg 386*, lehrt die Teilfürmige 
Schlachtordnung 368** Nachtr.; 
Sturmgott: entführt in feinem 
Mantel dur die Anft 6*, be⸗ 
ſchwichtigt den Sturm 866**; 
Nunenfinder 100%** ; verſchwindet 
plötzlich 371*. 

Üpispelm s5**. 

Ostald (Ögvaldr) 3414+}. 

Dlaf Tryggvaſon 345***, 


Öre s76+. 

ormr i augu (Schlangenauge) 269%. 
285%. 

otta 62*%, 

Stterbuke 70**. 

Otto II., ſ. Danevirte 

Batheugeigent 10***. 

Pflegevater 65*. 288*. 

Pilger (Tragemund) 301*. 

primsigndr 347*. 

Nabe, Odin's Bogel 33**, Tortt®, 


Rabeufabne Ragnar's 339}. 

Kan T0**%, 

Randalin 289**. 

NRäpil 365*. 

RNidil (Schwert): 
2. il. 87ır**, 

Niefen, Unholde 239%. 381**. 

Niefin = Hel? 381**. 38244; unters 
ftütte Sigurd 3823*. 

NRingwechſel 133**. 

Aunen 977. 100*. 172*#*; ngl. 
auch Odin. 

Saxland 3927}. 

Schentamt, j. Königin. 


Nachtr. zu 91, 


412 


Schiff, Borraum im Schiff 61**. | Tante, heibniſche 64%. 257*. 
261**; Schiff mit Leihen aus- | taättr 3A5*. 


gefekt 638*. 
Schifforoſlen 2373*. 
Schildburg 95*. 
Schlachtordunug, keilförmige 368** 
Machtr.). 
ESchlafdorn 96**. 


Schlafhaus 224*. = 


Schonen däniſch 376***. 

Schuhe 364, 3. 14 f. 

Schwanengeſaug 151***. 

Schwanenringe 30*. 

Schwert, beim Beilager zwiſchen⸗ 
gelegt 183*8; in Gift gebärtet 
162*; beſprochen 217**. 

serkr 252**, 

Sibilja 263*%. 

fiechtodt 105*. 333%***, 

@iegopfer 342**, 

Siggeir 169*. 

Sigurd Hring 235%. 374, Nach⸗ 
trag zu 368**. 

Sigurdslied, das lange = Brot 
151#**, 

Signurdaſaga 372}. 

Sinfjotle, Erklärung des Namens 
28%, 

. Staldeuftropgen, nicht gejungen 
287* 

Sleipui 67*. 101}. 

Bon 1717. 

Spangareid 223*. 

Speeruagel 2367. 

Staudforähridge (Schlacht) 334*. 

Starkad 375**. 376%. 377%**, 

Stiderei, |. Weben. 

Stud, in den St. ſetzen 21%. 

Südreich 296*. (314**). 315. 

Surt STH}: 

Shalin 100***., 

Svein 348*. 


Thiergeftalt, ſ. Beheren. 

Thord zu Hofde 3844", 

tidh Abſicht, Berlangen: Nachtr. 
zu 269, 3. 4. 

Todesabotiuuen 186*. 

Todesdorn 96**. 

Todtenfeier, ſ. orũ. 

Todtenroſt 210*. 

Ty, Tio 98#*%#, 

Wlme = Bogen 2927. 

Vag 341*. 

Valland 383*. 

Bälfe, ſ. Bolfung. 

Bauen 10277. 

vargr i véum 5**. 

VBergefleubeitstranf 171***, 
(124 f.). 

VBerwüniden, |. Beheren. 

Bit 350%. 

Biling 56*. 38777. 

VBolfiung, Bälfe 11* 

Bolba 46** (nebft Nachtr.). 101**}. 
268*4, 393** . Bolven mit 
Nornen verwechſelt 394*. 394 **%*, 

Waberlohe 1297. 131*. 

Walhall 10**. 13%**. 95%; vgl. au 
Ddin. 

Baltyrie S**. 12%. 46***, 46rt. 
AIRER, 151##HR, 186#, 2IG**, 

Wäringer 107*. 

Wehen, Tünftlife Gewebe und 
Stidereien al8 Franenarbeit 
(111*##), 144®®®, 1684. 8821. 
3824}. 

Werwolf S0***. 

Wettersganber 364**. 

Bettseſprãch 

Betttrinten Jsorer, Nıätr. 

Wiege, an der W. gefungen IM**, 

Biſtlaburg 296*. 


413 


wWilpelm ber Baflard 334**. 
Bintommenstrenut 25577. 266*. 


Sauntgeiyräde 45*; vgl. Wettge⸗ 


ſpräch. 


Wolf Feind 98*. 153**%. 3594; | Sauber, ſ. Wetterzauber, Runen. 


Odin's Thier 49**; 

Sprichwort 93*. 3694. 
Burm — Schlange 2383*. 
HDuglinge, Ingve 360*. 
Bikuge 350***, 





W. im | Zauberkunſt 187*. .175*. 


Zauberlieder 97***. 97+. 102}. 
(157*). 1717. 217%, 

Zaubertrauf IT7***, 171***, 

Sanberwetter 364**. 


Anhang: 
Bufammenftelung der fagengefhihtlihen Bemerkungen 
in den Sternnoten. 


Nibelungenfage: Heimath ber 
Sage 360***, Aeltere und jüngere 
(jpäter auß Deutſchland eingewan⸗ 
derte) Sagenſchicht 37T9***. Spuren 
der älteften Yaflung der Sigfrids- 
fage (Sigfrid - Sigurd wächſt im 
Walde auf ohne feine (Eltern zu 
tennen 65*. g4t#t*, gEg#®*, — Alf 
Half? 168***; Hfalpret’s Reich 
168*##, gEg9*e*, (887FF). — Sigr- 
drifa und Brynhild zu unterſcheiden 
92*#, 112%, 114}. 118%%, 128%, 
373*2*; Sigurd's Berhältniß zu 
Sigrdrifa 106*. 134**. (268, 3.6 ff.). 
Bedingungen für Brynhild's Er- 
(dfung 142**,. 147}. Brynbild’s 
Berbältniß zu Eigurd: Grundge- 
danfe der norbiihen Sage 143***. 
153**, — Grimbild deutet Gudrun’s 
Traum (?) 118%. — Sigurd begleitet 
feine Schwäger auf Heerfahrten 
(Dänen- [und Sachſen⸗] Krieg) 
373 ++. — Jüngere Sagenfaflung, die 


eine gewaltſame Werbung um Bryn⸗ 
bild vorausfegt 141#**. — Beridie- 
dene Sagenfaffungen über Sigurd's 
Tod 379**#, Hogne= Hagen und Gut⸗ 
thorm 156%. — Mile erzwingt die 
Berlobung mit Gudrun 169**%*, 
193**%, — Bruderkrieg zwiſchen 
Budle’3 Söhnen 206*. — Verhältniß 
des ziweiten Theils der Nibelungen- 
fage zur Bolfungenfage (im engern 
Sinne) 13*#**, 34*. 35*. 203%, — 
Gunnar verlangt Hogne’8 Herz als 
Zeichen feines Todes (Berhält- 
niß zum Nibelungenliede) 196*. 
197er, — Mldrian’S Erzeugung 
204 * 

Nagnarsſage: Beziehungen zu 
verwandten Sagenfreifen 232TT7Y. 
234*. DIN, 242%, 807%: Nach⸗ 
abmungen der Nibelungenjage 
200%**, 8107. 313*. 353%. Ent⸗ 
fpreungen in der perſiſchen Sage 
242%, — Bjorn urfprünglid An⸗ 


414 


führer unter den Brüdern 3897. | 


SAa0#r*, 8I0##, — Meltere Züge 
der Gage im Ragn. t. 239%%, 240%, 
(250*); in der Gester. 256***. Im 
Nth. 390*, 390*%*, 390@®®, — Blige 
von Hritjer’8 Tode auf Eirel’8 Tod 
übertragen (2761). 332*. 

Aslaugfage: 221***. (325%). 
23%, DIER®, 





Ermanrids (= Xormunrels-) 
Sage: Erp 217}. Sorle und Hamdi 
urſpünglich Gudrun's Stieffühne? 
32175. — Odin (oder Jormunrek?) 
giebt den Rath, die Brüder mit 
Steinen zu todten 219**. — Nahe 
ahmung in der Ragnarsſage (2) 282*7. 

Hug⸗ Dietrihßlage : 119*. 
23247}. 


Sildenfage: Bedeutung des 
ftet8 erneuten Kampfes 4644}. — Ge- 
fährlide Werbung :Radtr. zu 23211}. 
Eingeilofiene Königstochter 23277}. 

Sartungeninge: Berwandt⸗ 
haft mit der Magnarsfage 234*. 
2IAHt, 

BolfsDietrihstiage: VBerhält- 
niß zu Ragnar’3 Drachenkampf 239** 
242#, — Das ſchützende Hemde 307%. 

: Rabenihladtiage: 262*. 

Gange von HGagbard und 
Signy: 119*. 

Enge von Alf nun Alvilda: 
ihr Berbältnig zur Ragnarsſage 
2332747. 234**. 236%*: zur Hilden- 
fage: Nachtr. zu 2325. 

Sage bon Hadinug: 6*. 242*. 

Didoſage: 323**. 





Herfonen-Begifter 
für 


die Bolfungafaga*) und Theile **) der Hornageftsfaga. 


A. 

Agnar (Agnarr), Aute’3 (oder 
der Auda? 96*) Bruder 96, kämpft 
gegen Hialmgunnar 96. Brynhild 
[-Gigrdrifajgiebt ihm den Sieg 96.886. 

Ale (Aki), wohnt zu Spangareid 
23235, Daun der Grima 223; von diefer 
zum Morde Heimi’s angeftiftet 225 ff. 
weigert fi zuerft 226, thut es dann 
doch 237 [R 254]; von Kraka verflucht 
R3255. Leiht Krala fein Netz RM9. 

Alf (Alfr) I, der Alte, von den 
Sranmarsjähnen zu Hülfe gernfen 49. 

Alf (Alfr) II, König Hialprel’s 
(fe daf.) Sohn 60, landet bei dem 
Schlachtfelde, wo Sigmund gefallen 
60; findet dort Hjordis mit ihrer 
Magd 60 und führt beide heim 61; 
ertennt Hjordis an ihrer Antwort 
als Königin 61 f., verlobt 68. 64 
und vermählt fi wit ihr nad 
Sigurd’3 Geburt (63.) 64. = Half? 
f. Halfı. 

Alf (Alfr) III, Sohn Hunding’s, 
4. daf. 


Alaſiun (Alsvidhr, Gen. Als- 
viun-s) I, Sohn Heimi’8 und der 
Beckhild 110, ladet Sigurd zu fi 
ein 110, wird fein Freund 111, giebt 
ihm Auskunft über Brynbild und 
will ihm feine Liebe ausreden 112 f.; 
ftebt vor der Thür, während Sigurd 
Brynbild befucht 114. 

Wlssinn (Alsvidhr) II, Nog des 
Gonnenwagens 101. 

Audvare (Andvari), ein Zwerg 
70, weilt in Hedtögeftalt im And- 
varafors 705 dort von Role gefangen 
70 f. muß ihm feinen Hort nebft dem 
Ninge Andvaranaut ausliefern 71 f., 
legt einen Fluch darauf 72. 

Ursalr (Arvakr), Roß des 
Sonnenwagen? 100. 

WSlang (Aslaug), Tochter Si⸗ 
gurb’8 mit Brynhild [= Sigrodrifa] 
134 (f. 134**). R 268; erzeugt, als 
beide fih auf dem Berge trafen 
R 268. Bon Brynhild Heimi über- 
geben 134. 222; ift drei Winter alt, 
als Brynhild flirbt 22235 von Heimi 


*) Einfliegli des ‚‚Uebergangsfapiteld‘‘. 
“*) Aur die Erzählungen Nornageſt's find berüdfiätigt, und auch 
piefe nur, ſoweit fie die Bolfungen = Nibelungenfage betreffen. Diele 
find mit N, die wenigen einſchlägigen Stellen aus Ragn. s. mit R bezeichnet. 


| 


416 


in einer Harfe verborgen 2223 und 
durch die Lande getragen 222 f. Bon 
Grima in der Harfe gefunden 238 f., 
iſt ſchweigſam 229, wird Kraka ge= 
nannt 229 f., kahlgeſchoren nud häß⸗ 
li} gekleidet 230, muß die niedrigfte 
Arbeit verrichten 231. R 245, Ziegen 
büten R 253; darf fi nit waſchen 
R245. Findet Ragnar's Diener da⸗ 
beim R 245, von ihnen bewundert 
R 245 f. R 247, hilft ihnen beim Baden 
R 246. Bon Ragnar zu ihm ent⸗ 
boten R 247 f., Idft fie deſſen Auf- 
gabe und kommt in der verlangten 
Weife R 248 ff., läßt fih von Rag⸗ 
nar Geleite zufihdern R 251, will 
nit bei ibm auf dem Schiffe bleiben 
R 252, nimmt Thora’8 Hemd nicht 
an R 258; wieder zu Nagnar ent- 
boten R 254, ſcheidet mit einem Fluch 
von Ale und Grima R 255; fommt 
auf Ragnar’s Schiff R 255, will erfi 
nach föürmlidher Bermählung Ragnar 
das Beilager gewähren R 2655 hält 
mit ihn Hodzeit R 256. — (Ihr 
weiteres Schickſal gehört ausſchließ⸗ 
lid der Nagnardfaga an). — Ihrem 
Sohne Sigurd Liegt feheinbar eine 
Schlange ums Auge R 269. R270f., 
was fie als Sigurb’8 Tochter kenn⸗ 
zeichnet R 269. R 270 f. R 9372. Ber- 
fteht angeblich die Stimme der Vögel 
R 2607*#®, — Ihr Haar glänzt wie 
Gold R 250, ift ſehr lang uud flieht 
aus wie Seide R 245. 

Atle (Atli), Sohn Budle’3 (134). 
206 und Bruder Brynhildes 117. 
193. 385, ift grimm, groß und 
ſchwarz, aber ftattlih und fireitbar 
117; von Gudrun der Feigheit ge⸗ 
sieben 2075 2angbart genannt (?) 
1707. Seine Larve erjdeint im 


Traum als Adler 184. Fürdtet fih 
nicht vor Gunuar’3 Drohungen 160, 
wird ihn überleben und ftet8 ihm 
überlegen fein 160; dünkt fi treff- 
licher als alle 176. Sucht Brynhild zur 
Bermählung mit dem „Weiter Gra- 
ne’3‘‘ zu beftimmen 162 (vgl. Budle). 
Klagt die Gjukunge an, Brynhild's 
Tod verihuldet zu haben 198, fol 
aber jelbft eine Verwandte Hogne’3 
aus Habjucht ermordet haben 193***. 
194*. [Berlangt Subrun als Buße 
für Brynhild's Tod 193**]. Ber: 
mählt ſich mit Gudrun (f. daf.), bat 
Söhne mit ihr (f. unten „Atle's 
Söhne”). Hat drei Brüder, die er 
überlebt 192 f.; oft beftand Streit 
zwiſchen ihnen 206. Er mißt die 
Schuld Gudrun bei 200. Hat böſe 
Träume, die Gudrun ihm deuten 
muß 176 f. Trägt Verlangen nad) 
Sigurb’8 Horte 177 f. 190. 1935 ver⸗ 
langt denfelben von den Gjukungen 
[als Gudrun’s Erbe] 190. 1975 will 
Sigurd räden 190. Plant Berrath 
gegen die Ginkunge 178, hat ihnen 
lange ſchon ans Leben wollen 1%; 
läßt Gunnar und Hogne (durch Binge, 
f. daf.) zu fih laden 179, bietet 
ihnen große Ehren 178. 179, Waffen 
und Lohn 179 und Nachfolge in 
feinem Neiche 179. 181. Angeblich 
ift er ſchon alt und ſchwerfällig 181. 
Ordnet fein Heer zur Schlacht 189 f.; 
von den Giukungen in die Halle ge⸗ 
drängt 1944; bellagt den Berluft 
feines ftattliden Heeres 192 und von 
neunzehn feiner dreißig Helden 192. 
Klagt, daß die Zreffliägteit feiner 
Schwäger und Frau ihm nicht zu 
Bute gefommen 198. Läßt Hogne, 
der ihm fo Biele eriälagen, das 





417 


Herz ausſchneiden 195. (197f.). Ber⸗ 
langt, dag Gunnar mit dem Horte 
fein Leben erfaufe 197, läßt ihn ab⸗ 
führen [und in einen Schlangenhof 
feßen] 199. &oll ebenfo fierben wie 
die Sinfunge 198. Meldet Gudrun 
prablend ben Tod der Brüder und 
mißt ihr felbft die Schuld bei 200; 
will ih dann mit ihr verſohnen 201, 
traut Gudrun, da fie fi freundlich 
flelit 202. Hält die Zodtenfeier für 
die Seinen 202. Trintt feiner Söhne 
Blut umb ißt ihre Herzen 203, er⸗ 
fährt e8 208 und bedroht Gudrun mit 
dem Tode 204. Im Schlaf von 
Gudrun und Riflung ermordet 206, 
erfennt die Wunde als tödtli 2086, 


Rathſchläge gegeben 211 f. Be— 
gleitet Randve bei der Werbung um 
Svanhild 209; fagt, Randve paſſe 
befſſer für Svanhild als ber alte 
König 211, befhuldigt Randve der 
Buhlſchaft mit ihr 211. Hat e8 fo 
eingeriätet, daß Randve todt ift, 
als er begnadigt werben foll 212. 
Räth Svanhild ſchmählich zu tödten 
165. 213; läßt ihr einen Sad über 
den Kopf ziehen 313. 

BorgHild (Borghildr), ſerſte) 
Gattin Sigmunb’8 40. 50. N 362, Lebt 
in Bralund N 563 in Dänemark N 
361, ift bie Mutter Helge’3 und 
Hamund’8 40. Ihr Bruder von 
Sinfjotle erfälagen 50. Sie verlangt 


wirft Gudrun ihre Herrſchſucht vor deffen Verbannung von Sigmund 
305 f. Auf feinen Wunf von Gu⸗ 50 f., muß aber Buße von Sigmund 
drun ehrenvoll beftattet 207. annehmen 51. Reicht Sinfiotle den 
Atle’8 Söhne [Erp und Eitil Giftbecher N 369, dreimal, dag dritte 
nad Akv.], noch zu jung zum | Mal mit Exfolg 51 f. Bon Eig- 
regieren 181, fpielen auf der | mund verftoßen 58. N 362 ftirbt fiebald 


Diele 202; von Gudrun ges 
tödtet 208, obwohl fie jagen, 


daß ihr das eine Schmach fein 


werde 203 (f. Gudrun). 
Auda oder Aude ſ. Agnar. 


B. 


Beckhild (Bekkhildr), Bryn⸗ 
hild’8 Schweſter und Heimi’s Gattin 
109, ift häuslichen Sinnes und ver- 
ſteht fih auf weibliche Kertigteiten 


109 f. 
[Beite,] Rathgeber Atle’3 (in 
Vols.ungenannt, Name nachAtlam.), 


darauf 58. 


Brede (Bredhi), gefdidter 


| "net Stabes 3 f., jagt beffer als 


Sige 4, deshalb von ihm erfäglagen 
4. Seine Leie in einer Schneewehe 
begraben 4 und darin gefunden 5. 
BrunBila (Brynhildr.) I, Bud- 
les Toter 112. 134. R 268. N 384 ıc., 
Atle’8 Schwefter 117.198. N 385, Bed» 


hild's Schwefter 109, Heimi’s Pflege⸗ 


tochter 111 [von Budle zu Heime 
gefandt (?) N 885]; Hatte bei ihrem 
Bater alles, was fie wollte 162. 
Wollte ſich Teinen Manne vermählen 


räth Hialle das Herz auszufhneiden | 162, läßt keinen Dann neben fi 


196. 


Bilde (Bikki), Rathgeber Jor⸗ 


munre!’3 209, bat ihm viele arge 





| figen und ſchenkt Teinem den Trunk 
Vera (Bera) = Koftbera187. 188. | 


(außer Sigurd) 113. 114**; trägt 

Helm und Briünne und nimmt an 

Kämpfen Theil 110. 113. 132. N 383; 
27 


war im Kampf mit bem Garda 
König 192 und Hat Heldenthaten 
vollbradt 1932. IM aller Frauen 
trefflichſte 154, ſchonſte und meifefte 
108. R 267 ; bat Flammenblicke und 
ein felfenfeftes Herz R 370. Iſt ſehr 
geſchickt im Sticken und ſtickt Sigurd’3 
Thaten 111. 112, dabei von Sigurd 
erblidt 111 f.; will nicht mehr fliden 
144 und zerreißt ihr Gewebe 144. 
Ihre Halle if goldgeſchmückt und 
ſteht anf einem Berge [ogl. II = 
Sigrdrifa] 118, mit Bildern geſchmückt 
und mit Zeppidhen belegt 119 (vgl. 
114); von Flammen umlodert 126. 
N 886; liegt nahe bei Hlymbal 128. 
— Hat Sigurd fig zum Manne erforen 
133; nimmt nur den Mann, ben fle 
will 128, bat darin freie Wahl 138; 
hat gelobt nur den Bortrefflichften gu 
nehmen 132. 148. (150*), nur den, der 
die Lohe durchreite 198. 132. 142 und 
anf Srane mit Yafni’8 Horte Tomme 
143. N 386 f. und bie Männer er- 
flage, die ſie beflimme 182. 142. 
Wird von Sigurd erbiidt 111 f. und 
befugt 114, einpfängt und bewirthet 
ihn 114 f. Erklärt, nit ihre, ſondern 
Gudrun fei die Vermählung mit 
Sigurd beftinunt 115, verlobt fidh 
doch [,‚ aufs Neue’ 116%) mit ihm 
1165 liebt ihn vor jedem Mann 
138; bat ſich Sigurd verlobt und 
Teinem audern 188. 162; damals erft 
zwölf Jahre alt 885; diefe Berlobung 
bei Heimi gedacht 116. 385 (?), da⸗ 
gegen bei Buble 142. 162. — Em- 
pfängt [= Sigrdrifa? 118%] Gu⸗ 
drun 119, nennt ibr berühmte Helden 
119 f., beriätet kurz Sigurd’3 Schid- 
fal 120 f., deutet Bubrun’s Traum 
128 166 — Erbietet fi) Bndle’8 Land 


gegen die Siulunge zu vertheidigen 
142; von Budle (bezw. Atle) unter 
Androhung der Enterbung 142 zur 
Bermählung beftimmt 169. 142, ent- 
fließt fih deu ,Neiter Sranes ” 
zu nehmen 142.162; glaubt Sigurd’3 
Augen zu erlennen 147 f. (vgl. 163). 
Erkält von Sigurd einen Wing 116 
und dafür von Sigurd = Gunnar 
beim Ningwechſel einen andern 138. 
136. (vgl. 188%**); erleunt den Ring 
an Gudrun’s Hand 136. Empfängt 
Eigurd-Gunnar er unwillig 131 f., 
dann freunblid 188, fhläft bei ihm 
wie bei einem Bruber N 388 mit 
zwiſchengelegtem Schwerte 132; fragt 
Sigurd nad) bem Grunde 1382. Sagt 
nachher Heimi von der Werbung 138, 
bem fie Nslaug übergiebt; nennt 
Sigurb ihren erften Gatten 1% 
(vgl. 136). Geht zu Budle und 
kommt mit ihm zur Hochzeit 194, 
hält fröglih Hochzeit mit Gunnar 
19. Hat beim Abſchiede Diener- 
ſchaft 166 und einen Ring von ihrem 
Bater erhalten 141, fragt Gunnar 
nad letzterem 141. — Bader mit 
Gudrun 135, watet weiter binaus 
135; rühmt Gunnar auf Sigurd’s 
Koften 135, erfährt von Gudrun ben 
Betrug 136. N 388, erbleicht und 
geht ſchweigend beim 186; nennt fi 


eidbrüdig 143; fagt, Daß bie Siu- 


Tunge fie eidbrüchig gemadt und um 
ihre Liebe gebradt haben N 384, 
win fi) rächen 138; ımißgdnnt Gud⸗ 
run Sigurd und fein Bold 197 f. 
144; gebt zornig zu Bett 141, will 
Sumnar nicht antworten 141. 145, hat 
ibm verboten ihr oder ihrem Gute zu 
nahen 145 (vgl. 185), if ihm gram, 
obwohl fie es verbeblt 148 f., will 





419 


ihn töbdten 1445 wird vom Hogne ge⸗ 
feffelt, 144, auf Gunnar’8 Wunfd 
wieder befreit 144; fagt, bag Gunnar 
fie nimmer fröhlich feben werde 144; 
läßt die Thüren bei ihrer Webllage 
Öffnen 144, trinkt Tagelang nicht 
Meth no Wein 145, ſchläft fieben 
dogr 146. Sagt, daß Sigurd ihr 
zu fpät feine Liebe erfläre 1505 will 
ihn nit, aber auch Teinen andern 
151; will nit zwei Männer in einer 
Halle haben 151. 152. — Wunſcht 
Sigurd's Tod 149; fügt [fälihlich], 
Sigurd babe Gunnar die Irene ge» 
brochen 152, verlaugt deshalb (und 
weil er alle8 Gudrun geſagt babe 
153 f.) von Gunnar feinen (und 
feine8 Sohnes 168) Tod 182 f. 1585 
droht, da er fonft Reich und Leben 
verlieren jolle und fie ihn verlaffen 
wolle 158; verbietet ibm vorher ihr 
Bett 155. Als Ankifterin von Hogne 
155 und von Sigurd 159 erkannt, 
Unheisftifterin von Gunnar genannt 
160, die verbiene Atle getöbtet zu 
fehen 160; bat den Untergang ber 
Giukunge veranlaßt N 384; warb 
ihnen nimmer zum Heil, no ſonſt 
jemand 163; ift zum Uuheil ge- 
boren N 884. Lat über Bubrun’s 
Schmerzensiärei 159. — Sagt Gun⸗ 
nar ihren Unglüdstraum 161 und 
vertüindet den Giukungen Untergang 
1615 nennt fie eibbrädjig 1615 fagt, 
daß Sigurd fie nidht beritbrt babe 
162; wirft Gunnar vor, daß er feinen 
Blutsbruder treuloß getöbtet 161 f., 
und daß er die Bermählung mit ihr 
erzwungen 162 (dgl. 141 f.) und fie 
eidbrüchig gemacht habe 143. (N 384). 
— Sie fol Sigurd nit überleben 
149; ihr ift beftimmt, ihm im den 


Tod zu folgen N 389; Iäßt ih von 
ihrem Entihluß, ihm in den Tod 
zu folgen, nicht abbringen 163. Ver⸗ 
theilt Gold an Ihre Mägde 168. 167; 
durchbohrt ſich mit dem Schwerte 164. 
N 380. Prophezeit fterbend Gunnar 
fein, Hogne’8, Gndrun’s und Svan⸗ 
bild’8 Geſchick 164 f. Beſtimmt ihre 
Beftattung 165 f. N 380 ; läßt Diener 
und Thiere tödten N 380 und mit fi 
verbrennen 165 f. N 380; will, daß 
Hel’8 Gitterthor Sigurd nidt anf 
die Ferien falle 166. Befteigt Sigurd’s 
flammenden Scheiterhaufen 166 f. und 
verbrennt. mit ihm 167; verbrennt 
auf einem befondern Scheiterhaufen 
und fpäter N 380. Als Leiche auf 
yrädtigem Wagen dabin gefahren 
N 380, hat dabei ein Gefpräd mit einer 
Niefin, die vor ihrer Höhle fie aufhält 
N 881 ff.; vertheidigt fi gegen deren 
Borwärfe N 888. 384 ff. Ihr Ruhm 
wird dauern BR 207. 

VOryubila (Brynhilar) II = 
Sigrdrifa(uriprünglid von Bryn⸗ 
Hild verfähieden, in Vols. [und Nth.? 
f. 872%##] zuſammengeworfen). [Wal⸗ 
kyrje)], hat Hialmgunnar gegen Obin’s 
Willen gefällt 96. N 385 und dem 
Bruder der Auda Sieg verliehen 
96. N 386, bafür von Odin mit dem 
Sälafborn geflohen 96, in einer 
Schildburg eingefchloffen 94 f. N 386, 
um welde eine Ylamme lodert 94. 
N 386, und zur Ehe beftimmt 96, 
aber nur der Furchtloſeſte ſoll fie 
erweden N 386, der ihr Fafni⸗s Bold 
bringe N 887; bat erflärt, nur bem 
Furätlofeften angehören zu wollen 
96. Schläft auf Hindarfiall 92. 94 f. 
(N 372) in Helm und Brünne 95. 
Bon Sigurd erweckt 8, erzählt ihm 

27* 


420 


ihr Schickſal 96, bietet ihm Trank 
97, lehrt ihn Munenmweisheit 7— 
108 und giebt ihm Lehren 108— 
106. Berlobt fi mit ihm 106* 
(ogl.116*) 151 ; empfängt von Sigurd 
Aslaug R 268. — [Bgl. auch mehr- 
fach Brynhild I, wie überhaupt in 
unferer Saga beide Perſonen nit 
mehr überall ſcharf zu trennen find.) 
Bundle (Budhli), ein mächtigerer 
König als Gute 117. 185, Bater 
des Atle 117. 206 und der Brynbilb 
112. 134. R 268; [bat diefe zu Hein 
geiandt (?) N 885). Nimmt Gunnar’ 
Werbung wohl auf 1237 f., macht die 
Antwort von ihrer Entfeidung 128 
(vom Durchreiten der Waberlohe 181) 
abhängig. Giebt ihr beim Abſchiede 
einen Ring 141 und Dienerſchaft 166 
mit. Bon den Gjulungen mit Krieg 
bedroht 141, Läßt Brynhild die Wahl 
zwiſchen Bermählung oder Enterbung 
142 (vgl. Atle). Nach feinem Tode 
Erbftreit um feine Lande 208 f. 
Budle’8 Bruder. Ginkunge. 


€. 

Erp (Erpr) I, Sohn Soralr’s 
nit Gudrun 209 [vgl. aber 2177], 
von feinen Brüdern unterwegs ge⸗ 
teoffen und gefragt, was er ihnen 
helfen werde 217 f., von ihnen im 
Unmuth erſchlagen 218. Hätte Jor⸗ 
munre!’3 Haupt abgefchlagen, wenn 
er gelebt hätte 219. 

Er# (Erpr)ll, f. Atle sSohne“. 

Eyiolf (Eyjolfr), Sohn Hun- 
ding’s, |. daf. 

EHylime (Eylimi), ein mädjtiger 
König 53, Bater der Hfordis 58, 
N 357. Empfängt Sigmund feftlich 
54; läßt Hiordis zwiſchen Sigmund 


unb Lunge wählen 54 f. Bieht mit 
Eigmund nah Humenland 5b; 
tämpft mit ihm gegen Hunbding’s 
Söhne 56 und fällt 57, von Hun⸗ 
ding’s Söhnen erichlagen N 361. N 
3625 von Sigukd gerädht 120. (N 362). 

Fymod (Eymödhr) begleitet Die 
Gjiukunge auf ihrer Fahrt zu Gu- 
dran 170. 


® 

Fafni (Fair), Sohn Hreid⸗ 
mar’8 69, iſt fehr groß und grimmig 
69, will alles ſich aneignen 69. Er⸗ 
thlägt feinen Bater 73, verfagt 
Regin fein Erbtbeil 73. 88. Trägt den 
Schredenshelm 88; liegt auf ber 
Gnitabaide 67. (179). N 360 als 
Schlange anf dem Golbe 73. 885 
fein Wuchs beichrieben 67. (N 360); 
feine Behauſung und fein Hort be= 
ſchrieben 93 f. Pflegt zum Waſſer 
zu kriechen 82, kriecht über Signrd’s 
Grube 83; wird von ihm burdbohrt 
83 f.,getöbtet 143. N 372. Fragt Sigurd 
nad dem Ramen 84, wirft ihm Un- 
freiheit vor, und baß er fern Yon 
den Seinen aufgewadhien fei 86, 
warnt ihn umfonft vor bem Golbe 
86. 89 und vor feiner Nade 88 f., 
erteilt ihm mythologiſche — 
87 f. (f. 870); ſtirbt 80. 

Feng (Fengr) Namen Obin's 

Jiolui jvinirꝰ 79. N 366. 

Fiorni (Fjörnir) foll den Gjn⸗ 
tungen Wein reihen 186. 

tele (Freki), einer der Wölfe 
Ddin’s (49). 


6. 
Sandaifs Söhne, mit Sigurd 
Hring verſchwägert N 873, forbera 


421 


’ 


in defien Auftrage Tribut von den | willfommen 123, behandelt ihn wie 
Siutungen N 373, begrenzen ihnen | feinen Sohn 134, läßt ihm auf 
einen Kampfplat bei Jarnamoda Grimhild's Rath Gudrun anbieten 


N 974. Segeln von Norden her | 125 f., 
Siutuuge (Siutes Söhne, f. 


N 374; lämpfen tapfer N 375; haben 
Starkad im ihrem Heere N 375, 
fliehen nad defien Flucht N 376. 

Gere (Geri), einer der Wölfe 
Odin’8 (33887 Nachtr). 

Geſt (Gestr)*), trägt, ,‚Gunnar’3 
Harfenidlag‘ und „„Gnubrun’s Liften‘' 
vor N 353. Kommt um Sigurd's 
willen nad Frankenland zu Hjalprel 
N 357; Hialprek bat ihn in Däne⸗ 
wart kennen gelernt N 361. Er 
wird Sigurb’8 Dienſtmann N 858, 
hält fi bald bei Sigurd, bald in 
Dänemart auf N 373. Begleitet 
Sigurd zu Regin N 359 und gegen 
Hunding’8 Söhne N 361; erhält von 
Regin dag Schwert Nidil N 364 und 
giebt es dieſem zurüd N 371; kämpft 
damit gegen Lyngve's Brüder N 370. 
Er ift bei Sigurb, als die Gandalfs⸗ 
fügne Fehde anfagen und zieht mit 
ihm gegen fie N 373 f. Hebt Star= 
kad's Backzahn auf N 876. Findet 
Sigurd’8 Sattelipange und erhält 
fie geſchenkt N 377, ftriegelt Grane 
und zieht dabei ein Hoar aus dem 
Schweif N 377. Yand bei Sigurd 
und den Gjukungen die meifte Yreude 
N 392, betrauert ihren Tod N 379. 

Giute (GJüki), herrſcht ſüdlich 
des Rheins 116, ſeine Gattin Grim⸗ 
hild 117, ſeine Söhne, die Gju⸗ 
kunge (f. daſ.): Gunnar, Hogne 
und Gutthorm (ſ. daſ.) 116, immer 
auf Heerfahrten 116 f.; feine Tochter 
Gudrun 116. N 973. Heißt Sigurd 


ift todt 173. 


Gunnar und Hogne) find hoch⸗ 
berühmt 120, ſtützen die Macht 
ihres Baters 117, immer auf 
Heerfabrten 116 f., an denen 
Sigurd theilnimmt 127. 206, 
erſchlagen den Dänenlönig und 
den Bruder Budle’8 148; find 
felbft gewaltig, aber von Si⸗ 
gurd übertroffen 124, ehren 
diefen höher als fich felbft 124. 
Bon den Sandalfsjühnen wird 
ihnen Tribut abgefordert N373 ; 
fle ziehen Krieg vor N 373, bitten 
Sigurd mitzuziehen N 3745 
ſiegreich figen ſie ruhig inihrem 
Reiche N 376. Bedrohen Budle 
mit Krieg und verlangen Bryn⸗ 
hild 141; haben Brynhild um 
ihre Liebe gebracht und eid⸗ 
brüchig gemacht N 384. Miß⸗ 
gönnen der Schweſter ben befſern 
Mann 167, erſchlagen ihnN379f. 
Begeben ſich zu Gudrun 170, 
bieten Geſchenke und reden zur 
Verſöhnung 171. Rudern heftig 
188, befeſtigen ihr Schiff nicht 
188; reiten durch dunkeln Wald 
188 zu Atle’8 Burg 188 f., 
finden fle zur Vertheidigung 
gerüftet 188 f., erſchlagen 
Hfalle 189, drängen Atle in 
die Halle 194. — Brynhild 
bat fie vernichtet und ihren 
— Hofhalt zerſtört 
N 384. 


*) Nur was die von ihm erzählten Sagen betrifft, iſt berüdfichtigt. 


422 


Glaumbar (Glaumvör), Gnn= | 20 f. R 245, ſchiert fie kahl und 


nar’8 (zweite) Gemahlin 180. 185, eine 
tüdtige Frau 180 f., ſchenkt in 
Sunnar’s Halle 181. Sagt Gunnar 
ihre bien Träume 185f., äußert 
Berdacht gegen Binge 187. 

Gute (Goti), Gunnar Roß 
1238, will nit durch bie Waberlohe 
fpringen 129. 

Graumar (Granmarr), Hod⸗ 
brobd’8 Vater 42. Führt ein Schelt⸗ 
geſpräch mit GSinfjotle 45 ff. und 
meldet Helge’8 Ankunft an Hobbrodd 
48. [In beiden Yällen ſteht Granmar 
fälſchlich ſtatt Gudmund (Gudh- 
mundr), Granmar’8 Sohu, f.45**]. 

Grane (Gräni), von Sleipni 
erzengt 66 f., if von grauer Farbe 
665 ſchwimmt allein nit ans Land 
66, deshalb von Sigurd auf Odin’s 
Math erwäblt 66. Mit Yafni’s Horte 
beladen 94. Geht nur vorwärts unter 
Sigurd 94, nit unter Gunnar 
128. 139; fpringt durch die Waber- 
lobe 129. Schnaubt laut bei Sigurb’8 
Tode und Laßt den Kopf hängen 
168, weiß, dag Sigurd gefallen 168. 
— Springt mit Gewalt aus dem 
Sumpfe N 377, wirb von Geft ge⸗ 
waſchen und geftriegelt N 377. Sein 
Schweifhaar ifi fieben Ellen lang N377. 

Grimme (Grimsa), Gattin Nle’3 
223, nimmt Heimi auf 223, bemerkt 
köſtliche Kleider in der Harfe und 
einen Goldring an Heimi 224, 
weift ibm in der Scheune eine 
Ecdlafftelle an 225. Hat ihre Ob- 
liegenheiten verabfäumt 225. Sudt 
Ale zum Morde Heimi's zu beſtim⸗ 
men 2235 f., erreicht dies 237. Deffnet 
die Harfe 228 f.; nennt Aslaug Kraka 
2339, giebt fie für ihre Tochter ans 


leidet fie ſchlecht 230, Läßt fie bie 
niedrigfte Arbeit verrichten 281, ver⸗ 
bietet ihr ſich zu waſchen R 245. 
Bon Ragnıar’8 Leuten gefunden R 244, 
fagt, daß ihre Hände fteif jeien R 244f., 
vertröftet jeme auf Krala’s Hälfe 
R 245. Bon Kraka verfindt R 255. 

Grimhild (Grimhüldr), Sinte’3 
Gattin 117, lebt mit Lob 1445 von 
Gunnar Brynhild gegenüber gerähmt 
143, tft 3auberfumdig 117. 164, grimm- 
finig 117, herzlos und bos 148, au 
allem Unheil Schuld [129]. 139. 
[> der Iran, die Gudrun’s Traum 
deutet und mit ihr zu Brynhild 
fährt? 118%. Bemerlt Sigurd's 
Liebe zu Brynhild 124, reicht ihm 
einen Vergefienbeitstranl 122. 124. 
139, ſucht ihn an GSiufe’s Hof zu 
fefjeln 124 und räth diefem Gudrun 
mit Sigurd zu vermählen 125. Räth 
Gunnar zur Werbung un Brynbild 
127; lehrt Gunnar und Sigurd bes 
Geftaltentauf 12395 dankt Sigurt 
für feine Hülfe 134. Soll gegen 
Brynhild wie gegen eine Tochter ge⸗ 
weien fein 139. Berftärtt durch ihr 
Zureden die Wirkung der aufreizen- 
den Nahrung (Zauberniittel), die 
Gutthorm erhält (?) 157*. Erfährt 
Gudrun’ Aufenthalt 169; fordert 
ihre Söhne auf, Gudrun ihren Mann 
und Sohn zu büßen 19, made fi 
felbft mit anf die Fahrt 1705 reicht 
Gudrun einen Bergeffenheitstrant 
171 f.; ſucht fie zu beftimmen, daß fie 
Atle nehme, und bietet ihr Gold 
und Herrſchaft 173 f., befllmmt fie 
endlich (halb mit Zwang, d. h. 
Zauber?) dazu 174 f. 


Grisi (Grip), Gigurd’s 


423 


Mutterbruder 76; ein Sehter, pro» 
phezeit Sigurd fein Schidfal 76. 
Gudrun (Gudhrün), Ginte’3 
Tochter 117. 124. 125. N 888 mit 
Grimhild 189. 173, eine hochberühmte 
Maid 116. Klagt Über unglüdliche 
Träume 117, läßt diefelben erft von 
einer Yrau [= Grimbild?] deuten 
117 f., dann von Brynhild [= ©igr- 
drifa?] 121 f., zu der fie anf ver⸗ 
goldetem Wagen fährt 119; wird von 
Brynhild empfangen 119; rühmt ihre 
Brüder 120. 214. Sie gefällt Sigurd, 
als fie fhentt 135. Bon Giuke und 
Gunnar Sigurd angeboten 125 f. 
wird fie ihm vermählt 126. N 373; 
hat fi dabei mit Sigurd das gegen- 
feitige Verſprechen gegeben, nad 
Sigurd’8 Tode einander zw befuchen 
216. Betheiligt fi an den Kriegs⸗ 
zägen Sigurd's und ihrer Brüder 
(127?). 206. Ißt von Fafni⸗s 
Herzen, wodurch fie grimmiger und 
Hüger wird 127. Lebt glüuͤcklich mit 
Sigurd 167.208, hat mit ihm Kinder * 
Sigmund (f. Sigmund II) und 
Svandilb (f. daf.) 164. 208. — Wird 
beim Baden von Brynhild beleidigt 
1358; rühmt Sigurb 135, nennt ibn 
Brym hild's erſten Gatten 186. N 388 
und enthüllt ihr den Betrug 186. 
N 388; zeigt zum Beweiſe den Ning 
136. Fragt Sigurd nad Brynhild’s 
Harm 136; fucht diefe vergebens zu 
beſchwichtigen 187. Fragt ihre 
Kammermägbe, warım fie fo bleid 
feien 145; bittet eine derjelben ver- 
gebend 145, dann Gunnar, Brynhild 
ihr Beileid auszudrücken 145; bittet 
zulett Sigurd fie gu befänftigem 146. 
Erwacht in des flerbenden Sigurd 
Armen 168. N 879 in feinem Blute 


158. 214, jeufzt tief bei feinem Tode 
159; da8 war der größte Kummer 
ihres Lebens 215. Klagt, daß ihre 
Blutsfreunde ihr ben Mana er⸗ 
ſchlagen haben (vgl. 214), fie würben 
ihn vermiffen 160 f.; klagt in ihrer 
Kammer über Sigurd's Berlufl 167; 
ferigt mit Srane 168. Entweicht 
in den Wald 168 und wünſcht bort zu 
flerben 168. Kommt zu König Half 
168 f., findet dort freundliche Auf» 
nahme und bleibt fieben Halbjahre 
da 1685 wird durch Thora (f. daf.), 
mit der fie ftidt, in etwas getröftet 
168 f. — [Bon Atle als Buße be> 
gehrt 169***;) von ihren Brübern, 
die Berföhrung wünſchen, aufgeſucht 
170 f., traut ihnen nit 1715 erbält 
von Grimbild einen Bergefienheits- 
traut 171 ff., verſöhnt fi darauf 
mit den Brüdern 173. Rühmt gegen 
Hamdi ihre Brlider 2145 Hogne war 
ihr ein Troſt 201. Kann Sigurd 
nit vergeflen 174, will Atle nicht 
nehmen 173, beſonders ungern nad 
Sigurd 206 f.; propbezeit Unheil 
aus diefer Berbindung 174; willigt 
wiberfirebend ein 164. 175 und führt 
mit Atle8 Sendboten (oder Mile 
feld?) nah Humenland 175; wird 
dort empfangen 175 und hält Hoch⸗ 
zeit mit Atle 176. 215; iſt ibm ver» 
mählt wit ihrer Blutsfreunde WHath 
205. Hegt feine Liebe zu ihm 1765 
von ihm als ſchön, Ting, hoch⸗ 
berzig, beidenmütbig gerlihmt 199 lebt 
meift unfreunbli 176. 177 und in 
Feindſchaft mit ihm 198. Herrſch⸗ 
ſüchtig bereitet ſie ihrer Schwieger⸗ 
mutter Kummer 206*. — Deutet 
Atle’s boͤſe Träume 176 f. Ahnt 
Atle’3 Berrath an ihren Brüdern 178, 


424 


fendet diefen mwarnende Runen und 
Wolfshaar 178. Erfährt, dag ihre 
Brüder mit Atle im Kampfe find 
191, geräth außer fich darüber 1915 
begrüßt ihre Brüder Liebevoll und 
verfucht vergeblih Berſoͤhnung 191, 
waffnet fih und Tämpit für ibre 
Brüder 191 f. — Droht Atle mit 
Mache 200 f., weiſt die angebotene 
Berföhnung zurück 2015 erklärt 
ſchließlich fih zu fügen 201 und ftellt 
fi ruhig 202. Bereitet ihren Brü- 
dern die Tobtenfeier 202; finnt dabei 
auf Rache 202. 204; töhtet ihre und 
Atle3 Söhne 165. (177). 202 f. 
214. 215, giebt Atle aus feiner Söhne 
Shäbeln ihr Blut zu trinten und 
ihre gebratenen Herzen zu eſſen 203 
und verfündet es ibm dann 203. 
Atle’8 Drohung mit dem Tode weiſt 
fie zurüd 204. Belräftigt Niflung’s 
Rachegedanken 205 und erichlägt mit 
diefem Atle (165). 205. Wirft Atle 
Feigheit vor 207; beftattet ihn aber 
ehrenvoll 207 f.; zündet feinen Saal 
an 207. — Will fich jelbft ertränten, 
wirb aber von den Wellen zu Jo⸗ 
nakr geiragen 165. 209. 215, vers 
mäblt fi ihm und gebiert ihm treff- 
lie Sögne 165: Hamdi, Sorle und 
Erp 209. Warnt vor Spanbild’s 
Bermählung mit Jormunrek 210, 
giebt fie aber doch zu 211. 2155 er- 
fährt Spanhild’8 Tod und fpornt 
Hamdi und Sorle zur Rade an 
218 f., giebt ihnen Panzer 214, die 
gegen Waffen gefeit find 217; warnt 
fie, den Steinen Schaden zu thun 
217. Klagt ihr Schidfal 215 f.; 
fuͤhlt fi) ganz verlaffen (kinderlos) 
2165 wünfdt, dag Sigurd fie zu fidh 
hole 216. 





Gusmund (Gudimundr), ſ. 
Granmar. \ 
Guunar (Gunnar), Sohn 
Biute3 und SGrimbild’3 116. 127. 
169, von Sigurd in allem übertroffen, 
obwohl ſelbſt gewaltig 116. 1924; 
reitet den Gote 128. Bietet Sigurd 
Herrſchaft und Gudrun an 126, 
ſchließt Blutsbrüderſchaft mit ihm 
126. Bon Grimhild aufgefordert, 
um Brynhild zu werben 127, geht 


darauf ein 127, von allen darin be= 


ftärtt (au von Sigurd) 127; reitet 
auf die Werbung zu Budle 127 T. 
und Heimi 128, zu Brynhild's Saal 
128, will bie Lohe durchreiten 128 f. 
189, leipt fi Grane 129, Tann den⸗ 
felben nit vorwärts bringen 129. 
189, durdreitet die Lohe nit 129. 
142. 147; fol dabei bleid) geworden 
fein 143; vertauſcht mit Sigurd die 
Geftalt 129. 133 (f. Sigurd). Hält 
Hodjzeit mit Brynhild 134; von 
Brynhild auf Sigurd's Koften ge- 
erühmt 135. — Bittet Sigurd Starkad 
entgegenzutreten N 375. — Fragt 
Brynhild nad ihrem Kummer 1415 
wird von ihr nad dem Üinge ge— 
fragt 141 und mit Vorwürfen über- 
bänft 142 f. und abgewieſen 145; 
gebt nochmals erfolglos gu ihr 145 ; 
[hit Hogne zu ihr 145 f.; gebt 
wieder zu Brynhild 152, wird von 
ihr aufgefordert, Sigurd zu todten 
152f.; ift rathlos 154: will Broyubild 
nicht miſſen 154; zieht Hogne zu Rath 
154. 168.179 und fagtihe, daß er Si⸗ 
gurd töbten wolle 164, giebt beiten 
Treubruch als Grund anıd54, erhofft 
davon Macht und Sigurd's Gold 184; 
ſchlãgt Suttborm als Werkzeug vor 165 
und bietet biefem (mit Hogne ?) reichen 


425 


Lohn und Ehre daflir 156. 157. Nennt 
Brunbild eine Wnheilfiifferin 1605 
droht ihr Atle zu tödten 160. Hat 
mit Hogue Sigurd erſchlagen 214, 
wird vor Arymbild eid⸗ und treu⸗ 
brädig genannt 161 f. Heißt Bryn⸗ 
bild fröhlich fein 1555 bittet fie zu 
Ieben und bietet ihr Buße 163, bittet 
Hogne dazu 34 helfen 168. Ihm 
wird von Brynhild Anteil verkündet 
161, fein Schidfal geweiffagt 164 f. 
Befist mit Hogne Sigurd's Hort 
177. 179. 190. 197. 198 f., Schatz⸗ 
kammern voll Gold und Waffen 
179 f. Erklärt fi bereit Gndrum 
Mann undSohn zu büßen 169 (.G iu - 
tunge). — Bei Epel’s Einladung 
unentſchloſſen 179, bei Binge’8 Bot⸗ 


ſchaft trunken 181; ihn lockt die 


Ausſficht auf Etzel's Reich 179. 181, 
er fagt zu 181. Mit Glaumvar 
vermählt 180 f., deutet deren Träume 
zum Guten 185 ff.; ahnt baldigen 
Tod 186 f., will fi in ſein Schickſal 
fügen 186; rüſtet fi zur Neife 186, 
läßt vorher reihlih Wein ſchenken 
186. Berweigert Atle den Hort 190. 
199, der dem Rheine verbleiben folle 
199, will Hogne’8 Herz vorher ſehen 
197, erkennt Hogne's (und Hialle's) 
Herz 198. Durchbricht Atles Schaaren 
192, verliert all fein Heer 194, bleibt 
nebft Hogme allein übrig 194, wird 
gefangen und gefeflelt 196; droht 
Utle mit gleihem Tode 198. im 
einen Schlangenhof geworfen 165. 
199. 215 figlägt er mit den Beben 
die Harfe und Ihläfert die Schlangen 
ein 199 f., doch eine Natter [Atle's 
Mutter 200*] ſticht ihn zu Tode 200; 
er ftirbt mit Heldenmuth 200. (j. 
no Gjukunge). 


GSuttberm (Gutthormr), Sohn 
[ridtigr Stiefſohn 1162, 155%] 
Giule'$ 116. N 379; von Gunnar 
als Werkzeug bed Mordes vorge= 
ſchlagen 155, Lohn ihm dafiir ver- 
ſprochen 156. 157; künſtlich wild ge= 
macht 156 f. erllärt er ſich bereit 
157, wagt zweimal vor Sigurb’8 
Blick nicht ihn anzufallen 157, durch⸗ 
bohrt ihn im Sclafe 157. N 379; 
enteilend wird er von Sigurd's nach⸗ 
gemorfenem Schwerte durchſchnitten 
158. Seine Leiche mit der Sigurd's 
verbrannt 166. 


9. 

Hagbard (Hagbardhr) I, Sohn 
Hunding’3 (f. daf.). 

Sagbara (Hagbardhr) II und 

Suale(Haki), [Hamund’8 Söhne], 
vollbrachten manche Heldenthat 119 f., 
liegen aber Sigar ihre Schwefter 
entführen und etlihe [ihrer Man⸗— 
uen ?] verbrennen, und waren füumig 
in der Nade 120. . 

Salon (Häkon), Bater Thora’s 
in Dänemarf 168. 

Salt (Halfı), [= Ulf? 168***], 
König in Dänemark 168; in feiner 
Halle wird Gudrun aufgeiudt 170. 

Semi (Hamdhir), Sohn Jo⸗ 
nalr’8 mit Gudrun 209, weift Gu⸗ 
drun’8 Borwürfe aurlid 914, tadelt, 
daß fle Atle'3 Sohne getöbtet habe 
214; erklärt, daß fie auf Rimmer- 
wieberieben ſcheiden 215. Straudelt 
unterweg8 218, ſchlägt Jormunrek 
das Haupt ab 919. 

Mit Sorle zufammen: fie 
wollen Gudruns Shmähungen 
nit ertragen 214; werden 
von Gudrun mit gefeiten 





— _ 


Panzern ausgerüftet 214. 217, 
gewarnt, die Eteine zu ſchä⸗ 
digen 217; treffen unterwegs 
Erp und fragen ihn, was er 
ihnen helfen werde 217 f., 
mißmuthig über feine Antwort 
erſchlagen fieihn 2185 erfahren 
fpäter, daß er Recht Hatte und 
bedauern den Mord 218. 219. 
Weberfallen Jormunrek 218 f., 
mehren fi) tapfer 219, werden 
von Teinem Eifen verletzt 219, 
zulett gefteinigt 220. 
Samund (Hämundr) I, Sohn 
Sigmund's mit Borghild 40. N 858, 
Helge’8 Bruder 40, Sigurd's Bruber 
N 83705 kämpft gegen Lyngve’s 
Brüder N 370. 
Samuma (Hämundr) II: Bater 
Hale'8 und Hagbard's [119]. 
Heimi (Heimir), ein mächtiger 
Hänptling 109, wohnt in Hlymdal 
138. 221, hat mit feiner Frau Bed- 
hild einen Sohn Alivinn 110, iſt 
Brynhild's 2 Schwager 109 und 
Pflegevater 111. (N 885%). N 387. 
Begrüßt Gunnar (auf deffen Werbe⸗ 
fahrt) freundlich 128 ; jagt, Brynhild 
babe ihren Gatten felber zu wählen 
128; räth Brynhild, fih zu fügen 
134; fol ihr Aslaug (f. daf.) auf- 
ziehen 134. 3232. Betrauert Brynhild 
232. Berbirgt Aslaug in einer Tünft- 
lichen Harfe 222 und trägt fie darin 
durd) die Lande 222 f. Kommt nad) 
Spangareid 223; giebt ſich für einen 
Bettler aus, trägt aber einen Golbring 
unter feinen Lumpen 224 ; bittet Grima 
um Aufnahme 228, trodnet fi und 
geht zur Ruhe 224f. Von Ale er- 
ſchlagen 237; fein Xodestampf 228. 
Selge (Heigl), Son Sig⸗ 


mund's mit Borgbild 40. N 358. 
N 363, Bruder Eigurd’3 N 368. 
Nornen beftinnmen fein Schickſal 0, 
Sigmund nennt ihn Helge 40. Er 
macht früh Heerfahrten 41, erfchlägt 
König Hunding 41. N S68. N 362 und 
deſſen Ebhne Alf, Eyjolf, Hervard, 
Hagbard 42 (Eyjolf, Hiorvard und 
Herrud [=Hervard] N 368). Findet 
Sigrun 42 und verheift ihr Hälfe 
gegen Hodbrodd 43; fammelt ein 
Heer nah Raudabjarg 43 und muſtert 
baffelbe 43 f., fährt damit mad) dem 
Barinsfiord 44; zieht im Sturm die 
Segel nit ein 44, wird von Eigrun 
zum Hafen geleitet 44. Beendigt 
das Scheltgeipräh Sinfiotle's mit 
Granmar ſ⸗Gudmund)] 47 f. ; kämpft 
bei Tyrelaftein gegen die Granmars- 
fühne und erſchlägt Hodbrodd 49; 
deswegen von Sigrun beglückwünſcht 
49 f., vermählt ih mit Sigrun 0. 

Sel (Hol), f. d. Sadıregifter. 

Seming (Hemingr), Sohn 
Hunbing’8. f. baf. 

Serru® (Horrudhr) = Hervarb 
N 86349*, 

Serbard (Hervardhır), Sohn 
Hunding's, ſ. daf. 

Sialle (Hjalli), feiger Sklav 
196, Atles Schweinehirt 196; ſoll 
ſich ſtatt Hogne’S das Herz aus ſchmeiden 
laſſen 196. 197 f., will nicht ſterben 
196, wehklagt, eh’ er das Meffer 
fügt 196; erhält auf Hogne’9 Bitte 
da8 Leben geſchenkt 197; ſchließlich 
wird body fein Herz ausgeſchnitten und 
vor Gunnar gebracht 198, es bebt 
und wird daran erkaunt 198. 

Sialsrel (Hjalprekr), König 
in Frantenland N 357, in Dänemark 
60. (168), hat großen Hofftaat um ſich 


427 


N 857; Bater Alf's 60. N 357, ver- 
lobt diefen mit Hiorbis 64. Freut 
fi über Eigurb’3 Augen 88 f., 
zieht ihn bei fih auf 64. N 387.5 
ſchenkt ihm ein Ref 66, geebt ihm 
Schiffe zur Vaterrache 77. N 861. 
Wird von Geht aufgefudt N 357, 
den er bei Sigmunhd in Däuemart 
tennen gelernt bat N 361. 

Sinlmsuuner (Hjalmgunn- 
arr), ein alter König 96. N 385 um 
Gothenvolte N 885; tüchtiger Krieger 
96, dem Odin Sieg verliehen hat 
9; von Eigrbrifa gefälft 06. N 885. 

Sierais (Hjördis), Tochter 
Enlime8 58. N 357. Bugleid von 
Cigmund und Lynge umworben 54 
wählt fie Sigmund und vermählt 
ih mit ihm 55. Wird während ber 
Schlacht mit einer Dienfimagd im 
Walde verftedt 55 f., von Lunge 
nit gefunden 58; ſucht Sigmund 
auf und will ihn heilen 58. 120, 
von ihm auf Eigurd vertröftet 59. 
181, foll diefem bie Schmwertftlide 
aufbewahren 59 (übergiebt ihm die 
Säwertftüde 74 f.). Sitzt über dem 
Sterbenden 59. Bertaufcht mit der 
Magd die Kleider 60; wird von Alf 
(f. daf.) gefunden und heimgeführt 
61. 121, als Königin erfannt 62 f. 
und hochgeehrt 63; verlobt fi mit 
Aulf 63. 64 und vermäblt fih ihm 
N 357, nachdem Eigurb geboren 68. 

Sijorsara (Hjörvardhr), Lyn⸗ 
ge8 Bruder, Hunding's Sohn, |. 
Hunbing. 

Sljod (Hijddh), Hrimni’s 
Toter 8. 11, dringt in Kräben- 
geſtalt auf Odin's Geheiß den Apfel 
an Reri 8 f. Bon Hrimni Bolfung 
als Frau zugefandt 11 f., vermählt 


fid) ihm und lebt mit ihm in guter 
Eintracht 12. 

Huillung, 1. Riflung. 

Suiler (Hnikarr), Beiname 
Odin’ 78. N 366. 

Hodbrodd (Hödhbrodär ), 
Granmar's Sohn 42; ihm tfi Sigrun 
verheißen 42, aber er wirb von ihre 
veradhtet 43. Erhilt durch Granmar 
l⸗Gudmund)] die Kriegsmeldung und 
fammelt ein Heer 48, wird von Hogne 
bei Frekaſtein erihlagen 49. 

Hobdbrodd’8 Bruder Gud— 

mund, ritiger als Granmar, 
f. daf.) fieht Helge's Ylotte 
fommen 44 und führt ein 
Scheltgefpräh mit Sinfiotle 
45 ff.: dabei Anipielungen 
auf feine Vergangenheit. 

Hogne (Högni) I, ein König, 
bat feine Tochter Sigrun an Hod⸗ 
brobb verbeißen 42; wird von Hod⸗ 
brodd zu Hilfe gerufen 49. 

Hogue (Hägni)II, Sohn Giuke's 
116 mit Srimbild 169; vermählt mit 
Koftbera 180; reitet Holkvi 128. 
Schließt Blutsbruderſchaft mitSigurd 
126. (154). Begleitet Gunnar bei der 
Werbung 128. Von Gunnar wieder⸗ 
holt um Rath gefragt 154. 168. 
179; räth ab von Sigurd’8 Morde 
154, nennt benfelben eine unfühn= 
bare Uebelthat 160, weift auf die 
Treueide und auf Sigurd’8 Beiftand 
hin 154, warnt vor den Folgen 155; 
erkennt Brynhild als Anflifterin 155. 
Sucht Brynhild vergebens zum Heben 
zu beivegen 146; will fie nicht vom 
Tode zurückhalten 168, weil fie allen 
zum Unheil geboren fei 163. — Ahnt 
Berrath bei Atleis Einladung 180, 
glaubt nicht an Atle's Bexraih 183, 


428 


185; von Koſtbera gewarnt 182 f. 
deutet er ihre Träume berubigend 
183 ff. Hat keine Luf zur Fahrt, 
fügt A aber in Gunnar’s Willen 
181. Brit Atles Burgthor auf 
189; erwibert dem Binge uner- 
ſchrocken 189. Brit dur Atle's 
Reihen 192; bleibt nächſt Buntar 
allein übrig 194, Fämpft dann allein 
aufs Tapferſte 195, fällt zwanzig 
Helden und ſtoßt mande ins Feuer 
195; ſchwerverwundet 195 wird er 
gefangen und gebunden 195; will 
Atles Willen über ſich ergehn Lafien 
195 f. Freut ih über Atle'3 Harm 
14. Kann Hialles jammern nicht 
ertragen 196 f., bittet für deſſen 
Leben und läßt fi jelbft das Herz 
ausichneiden 197. 1%. 215, lacht 
dabei 198; fein Herz bebt nicht 198 
und wird von Gunnar erfannt 198. 
— Hat oft Proben der Standhaftige 
keit abgelegt 195; flieht niemal® 189; 
will feinem Manne mit Arg begeg- 
nen 183. — Hat mit Gunnar Sigurd 
erſchlagen 314. Hat einen Sohn 
Niflung binterlaffen 204. Iſt Gud⸗ 
run’s Troft geweſen 201, von ihr 
als Mufter aufgeftellt 214. (ſ. nod 
Gjukunge.) 

Holtui (Alxvir), Hogne’8 Noß 
128 Ilies dort Holtoi]. 

Söni (Hoenir) iſt unter den drei 
wanbernden Göttern 70. 

Srelamar (Hreiähmarr), ein 
mädtiger und reider Mann 68 f., 
Bater Yafıt’3, Otr’s und Megin’s 
69. N 358; verlangt Buße für Otr 
70, erhält mitder Buße Andvaramanıt 
72; wird von Loke auf den Fluch bin 
gewiefen 73, von Yafni erfchlagen 78. 

Hrimmi (Hrimnir), ein Riefe 8 


(j. 8*°*), ſendet feine Toter Hliod 
(f. daf.) VBolfung zur Gemahlin 11. 

$ring (Hringr) I, feine Gößne 
erwäbnt 49. 

$ring (Hringr) II, |. Sigurd 
Hring. 

Sunbiusg (Hundingr), ein 
König, von Helge erſchlagen 41. 
N 358. N 363; feine Söhne Eyjolf, 
Hervard (Herrud N 862%) von 
Helge beflegt und erſchlagen 41 f. 
N 962, beögleidden Alf und Hagbard 
43 f. und SHjorvard N 362; Wf, 
Heming und Lyngve (f. daf.) emt- 
rinnen. Dieſe entronnenen Hun⸗ 
dingsfähne (Lyngve und Hiorvarb 
genannt 79-81) von Sigurb ange 
griffen 79. N 369, giehn ihm ent⸗ 
gegen 80. N 369; Lyngve, Hjorvard 
und alle überlebenden Hunbings- 
fühne von Sigurd erfälagen (ij. 
übrigens Lynge). 


J. 

Jarisleif (Jarisleifr) begleitet 
die Gjukunge auf der Fahrt zu Gu⸗ 
drun 170. 

Yonalr (Jönakr), ein König, 
vermählt fi mit Gudrun und ers 
zeugt mit ihr Hamdi, Sorle und Erp 
(185). 209. 6. _ 

Jermunrel (Jörmunrekr), ein 
gewaltiger König 209 und berühmt 
210; fon alt 211. Sendet Ranbve, 
feinen Sobn 209, und Bide, feinen 
Ratbgeber 209, aus, für ibn um 
Spanhild zu werben 209 f.; fie 
wird ibm gegeben 165. 211. 218. 
Holgt Bicke's argen Nathiälägen 
2312. 213; läßt Randve hängen 213, 
fiebt den von Nandve gerupften 
Habicht und will feinen Sohn be 











429 


gnadigen 312; läßt Svanhild binden 
und von -Noffen zerfiampfen 213. 
2146. 215. Bon Hambdi und Sorle 
überfallen 218 f.; ihm SHänbe und 
Füße abgehauen 219; erhält von 
Odin den Rath [oder giebt ihn ſelbſt? 
219**], die Brüder fleinigen zu 
lafſen 220. 
8. 


Kofltbera (Kostbera), — Bera 
187 f., Hogne’8 Gattin 180, Schweſter 
des Orkning 187; reigend und klug 
180; ſchenkt in der Halle der Gju- 
funge 181; Yieft Gudrun’ Runen 
und erfennt Binge’s Fälſchung 182, 
ſagt es Hogne und warnt ihn 182 f., 
jagt ihm ihre Träume 183 ff. ; wünſcht 
glückliche Yahrt 188. 

@rala (Kräka), 
Aslaug, f. daf. 


Name der 


2. - 

Synge (Lyngl, im Nth Oyngue, 
Lyngvi), Eobn Sunding’s (f. daf.) 
54. N 862, wirbt mit Sigmund zu⸗ 
glei um Hfordiß 54, von ihr ver⸗ 
ſchmäht 55 zieht er mit feinen Brüdern 
gegen Sigmund 55; will ihn nicht 
binterlifiig überfallen 55, beſiegt 
Stgmund und Enlime 57; findet 
Hiordis nit 58; nimmt Sigmund’s 
Neih im Beſitz und vertheilt es 
unter feine Mannen 58, Hat mit 
feinen Brüdern fi Sigurd's Erb⸗ 
land in Frankenland unterworfen 
N 863. Im Kampf gegen Helge ent⸗ 
fommt er mit feinen Brüdern Alf 
und Heming N 362, fteht an ber 
Spiße diefer Brüder N 862, ift der 
tapferſte unter ihnen N 870; ift fehr 
Tampfgeübt N 870. Befleht mit 
Sigurd einen anfangs reſultatloſen 


gweikampf N 370. wird gefangen 
nnd gefeſſelt N 370, der Blutaar 
ihm geritzt N 871; flirbt mit Helden- 
mutb N 371. 

Lynge mit feinen Brüdern 
(f.Hunding’s&ähne), be⸗ 
rühmte Helden N 362, zauber⸗ 
kundig N862 ; haben viele Klein- 
konige bezwungen, Kämpen er- 
ſchlagen und Burgen verbrannt 
in Spanien und Frankenland 
N 862f. und Sigurb’8 Erbre ich 
in Frankenland in Beſitz ger 
nommen N 363. Fallen mit 
ihrem ganzen Heere (81). 871. 

2ufe (Loki) ift unter den drei 

wanbernden Göttern 70, wirft Otr 
zu Tode 70, fol daß Bußgeld fchaffen 
70 f.; fängt Andvare 70 f. und nimmt 
ihm feinen Hort 71 nebft dem Ringe 
71 f.; verkündet Hreidmar, dag Un⸗ 
heil an dem Horte hafte 72. 

NR. 

Riflung (Niftungr), Sohn Hog⸗ 

ne’8 204, haft und erihlägt Atle205. 


Obärus (Oddrün), Gunnar’s 
Geliebte, von Atle ihm verjagt 164, 
fommt heimlich mit ihm zufammen 
165. [Brynbilv’s Schweſter]. 

Odin (Odhinn), ſhöchſter Gott] 
fommt mit Höni und Loke zum And⸗ 
varafors 70; giebt Andvaranaut 
zur Buße an Hreidbmar 72. Führt 
Sige, feinen Sohn, meit fort 5 f. 
und giebt ihm Ediffe 6. Sendet 
Reri auf deſſen Bitte einen Frucht⸗ 
barkeitSapfel 8 fe. Bon Neri heim⸗ 
geſucht 10. Erſcheint als alter, ein⸗ 
äugiger Mann bei Signy's Hochzeit 
und ftößt ein Schwert Gram] in 
den „Kinderftamm‘’ 14 f. Sein 


430 


Ausfegen geidildert 14 f. 57. 88. 
N 364. Sendet durch feinen Naben 
Sigmund das heilende Blatt 83**, 
Nimmt als Fährmann Sinfjotle’s 
Leiche zu fih und verſchwindet mit 
ihr 52 f. Läßt Sigmund's Schwert 
an feinem Speer zerfpringen 57. 
Beräth Sigurd bei der Roßwahl 66 f. 
und beim Graben der Gruben 83; 
läßt fi als Hnifar auf Sigurd's 
Schiff aufnehmen 73 f. N B66 und 
beihwiätigt den Sturm 79. N 366, 
giebt günftigen Fahrwind N 366; 
lehrt Sigurd günftige Kampf» Bor- 
zeigen N 367 ff.; verſchwindet plbtz⸗ 
lich N 871. Hat Hjalmgunnar Sieg 
beſtimmt 96; zürnt Brynbild [-Sigr- 
drifa) wegen ihre Ungehorſams 
N 886, ſticht fie mit dem Schlafdorn 
3% und beflimmt, daß fie ſich ver⸗ 
mählen folle 96, fließt fie in eine 
von Flammen umloderte N 386 
Schildburg ein MN 386; beftimmt, 
dag, nur der Furchtlofeſte (96). 
N 886, der mit Fafni's Golbe gu 
ihr Tomme N 388 f., fle ermweden 
folle (vgl. Brynhild, namentlich 
%. 143. 1477). Räth Hamdi umd 
Sorle zu Reinigen 219 f. 

Orfning (Orkningr), !Bruber 
Koſtbera's, ein ſtarker Held, zieht 
mit zu Atle 187. 

Dtr (Otr), Hreidmar’s Sohn 
69, hält fih als Dtter im Strom- 
falle auf und fängt Fiſche 69 f., von 
Loke todt geworfen 70, wird ge= 
büßt 72. 


N. 
Rau (Ran) leiht Loke ihr 
Netz 70. 
Naudbbe (Randver), Jormun⸗ 


- 


rel’8 Sobn 209, mit Bide entſandt, 
um Spanbild zu werben 209 f., 
Tommt zu Jonalr und findet Svan⸗ 
bild ſchön 210, wirbt für Jormunvel 
um fie 210 f. und fährt mit Svan⸗ 
Bild beim 211; ift auf Bide’8 Kath 
freundlich mit ihr 211, von Bide 
der Buhlſchaft mit ihr verdächtigt 
211, auf Jormunrek's Befehl ge 
hängt 212, fendet dieſem feinen ges 
rupften Habicht 212; ift durch Bide's 
Arglift Thon tobt, als Jormunrel 
ihm das Leben ſchenken will 212. 
Nesin (Reginn), Hreidmar’s 
Sohn 65. 69. N 358, Tann Eiien, 
Silber und Gold bearbeiten 69. 
(N 358). Bon Yafııi um das Vater: 
erbe gebracht 73 kommt er zu König 
Hialpret 73. N 358 und wird deſſen 
Sämied 73 und Sigurd's Erzieher 
(Pflegevater) 65 (vgl. N 359 f.), 
lehrt ihn mancherlei Kunftfertigleiten 
65. N 858; empfängt Ihn frerndlich 
N 859; erzählt ihm die .„Borge 
f&ichte des Hortes“ 68 ff. (N 858); 
erzählt ihm vos Fafni 67. N 360, 
beit ihn auf Fafni 67. T5. 76. 31. 
N 361. Scämiebet ihm (mach mei 
mißlungenen Berſuchen 74) das 
Schwert Gram 75.860 aus den Stüden 
vor Sigmund’s Schwerte 74 f. 
Sudt Sigurd gegen Hialprek und 
Alf mißtrauiſch gu machen 65 f., beit 
ihn fi ein Roß erbitten 66. Hat 
Sigurd's Meitzeug früher befeflen 
130. Zieht mit Sigurd gegen bie 
Hundingsfögne N 361. 366 f.; hat 
für die Ausrüftung der Ylotte zu 
forgen N 363; führt das Schwert 
Midil (91, 3. 11, Nadtr.). N 368 f. 
(371260); antwortet Huikar N 365; 
giebt den Rath, Lyngve den Blut⸗ 





431 


aar zu rigen N 871; rühmt Sigurb's 
Tapferkeit (?) 372 (vgl. Nachtr. zu 
373*%). Reitet wit Sigurd anf die 
Gnitahaide 88, wirft ihm Feigheit 
vor 68. 83; entfernt fih während 
des Kampfes 88. 90 und verbirgt fi 
X. Beglädwünidt Sigurd 90, er- 
Härt ihm, daß er feinen Bruder 
getödtet MW. 91; verlangt Yafni’s 
Herz 9, triutt Fafnis Blut 91; 
finnt auf Trug gegen Sigurd 98. N 
363; von Sigurberidhlagen 93. N 373. 

Neri (Rerir), Sige's Sohn 6, 
wächſt bei dieſem auf 6, iſt bei dem 
Neberfalle, bei dem derſelbe fällt, 
nichht zagegen 7 und wird ſein Nach⸗ 
folger 7, rächt feinen Bater an den 
Matterbrüdern 7 f. und eignet fi 
deren Land an 8, Bermählt fi 8, 
‚bleibt aber Tinderlos 8; Hebtzu Odin 
um SKinderfegen 8 und erhält von 
ihm für feine gran einen befruchtenden 
Apfel 8f. Stirbt auf einer Heerfahrt 
und fucht Ddin heim 10. 


®. 

@igar (Sigarr) I entführt die 
Schweſter Hake's und Hagbard’3 120. 
[= Sigar 1?). 

@igar (Sigarr) II [derfeibe?) 
lämpft mit Siggeir auf Fion 169*. 

@ige (Bigi), Odin's Sohn 3, 
mädtiger und vornehmer als Stade 
3. Ericlägt Brede (ſ. daſ.) 4; wirb 
deshalb vargr i vium genannt 5; 
von Odin weit fort geführt 5 f. 
erhält er von ihm Heerſchiffe 6; ift 
fiegreih 6, erobert fi Lande und 
Neid 6. Bermählt fi 6 und ift 
König in Hunenland 6. Fällt burg 
Berrath feiner Schwäger 6 f. Sein 
Sohn iſt Reri 6. 


Giggeir (Siggeirr) I, Kimig in 
Bautland 18; wirbt um GSigny 18, 
hält Hochzeit mit ihr 14 f. 17. Bittet 
vergebens um Sigmund'8 Schwert 
16; finnt auf Made 16. Fährt 
nach vollzogenem Beilager mit Sigay 
fr&b von der Hochzeit heim 17. 18. 
Ladet Bolfung und feine Söhne heim⸗ 
tückiſch 16 gu ſich 18 und überfällt fie 
21. Geht Sigmund und feine Brüder 
auf Signy's Wunſch in den Stod 
22; glaubt, daß die Bolfunge alle 
todt feien 25. Hat zwei Söhne mit 
Signy 35. Entdedt Sigmund und 
Sinfiotle in feiner Halle 35, läßt 
fie ergreifen und in einem Hügel 
lebendig begraben 86. Wird von 
Siguumd und Sinfjotle mit feinem 
ganzen Hofe verbrannt 38. 89. 

Siggeir’s Mutter töbtet 

als Wölfin die Brüder Sig- 
mund’8 23% f., wird von Sig⸗ 
mund getödtet 24. 

Siggeir (Biggeirr) IL[derfelse ? 
169*) kämpft mit Sigar ſüdlich auf 
Yion 169. 

Ciamund (Sigmundr) I, Bol- 
fungs ältefter unb trefflichfier Sohn 
12 und Zwillingsbruder Gigny's 13; 
verträgt Gift von außen und innen 
29. Bieht Odin's Schwert auß dem 
„Kinderſtamm“ 16, verweigert es 
Siggeir 16. Mit feinen Brüdern 
von Giggeir gefangen und gefeflelt 
21 und in den Stod geſetzt 223; beißt 
die Wölfin zu Tode und kommt fo 
108 28 f. Baut fi eine Erbhütte 
im Walde 24; ſtellt dort Siggeir's 
Söhne auf die Probe 25 f., ebenfo 
Sinfjotle 38f. Erflägt Signy’sund 
Siggeir’8 Söhne auf Signy’s Ge⸗ 
heiß 36; will dies nit thun 85. 


432 


Nimmt Signy bei fih auf ohne fie 
zu kennen 27 und erzeugt mit ihr 
Sinfjotle 237 f.; nimmt Einfjotle 
su fi 28, Hält ihn für Siggeir’s 
Sohn 29 f., will ihn erproben 29 und 
zieht mit ibm anf Raub aus 29. 
Findet mit ihm Wolfsbhlge 80 und 
wird mit ihm Werwolf 81; warnt 
Sinfjotle vor Tollkühnheit 81, ruft 
ihn zu Hülfe 81; findet ihn ſchlafend 
82, von ihn gefhmäht 82 beißt er 
ihn in die Burgel 82 und trägt ihn 
beim 32. Sieht ein Wieſel daß 

andere heilen 82f., erhält durch einen 
Naben ein Blatt und heilt Sinffotle 
ebenfo damit 83. KWBerbrennt mit 
Sinfiotle die Wolfsbälge 33. Ber- 
birgt fi mit ihm in Siggeir's Halle 
34, durdd- Siggeir’3 Söhne dort ent⸗ 
dedt 35 werben fie überwältigt 85 
und auf Siggeir's Geheiß lebendig 
begraben 36. Durchſägt nebſt Sin⸗ 
fiotle den Fels mit feinem Schwerte 
und entlommt ans dem Hügel 37 f. 
Zündet mit Sinffotle Siggeir’s 
Halle an38, ruft Signy heraus und 
berfpricht ihr hohe Ehren 38. Ver⸗ 
ſchafft ſich mit Sinfiotle Heerſchiffe 
39 (feine Schiffe ſtoßen vom Lande 
169), erobert fein Erbland 40. Nimmt 
Borghild (zu Bralund in Dänemark 
N 861 f.) zur Frau und erzeugt mit 
ihr Helge und Hamund 40; ver- 
weigert ihr Sinfjotle'S Verbannung 
und bietet ihr Buße filr ihren Bruder 
51. Trinkt zweimal für Sinfjotle 
den Gifttrank 51 f., räth ihm durch 
ben Bart zu trinten 52. Härmt fi 
um Sinfjotle’8 Tod 62, trägt feine 
Leie zu einem Schiffe 52 f.; ver⸗ 
ftößt Borghild 53 (vgl. N 362) und 
beherrſcht fürber (in Dänemark, dort 


von Hialprek befugt N 361) fein 
Reid 53. Sein Ruhm 55. — Wirbt 
am Hjordis 53 f., führt fie al8 Gattin 
beim 55. (N 357), bat mit ihr den 
Sohn Sigurd 59. 121 f. 78. 85 ıc. 
N 857. Kämpft gegen Hunding’s 
Söhne 56 f.; fein Schwert gerfpringt 
an Odin's Speer 57, er wird beftegt 
und fällt 57; will fi nit heilen 
Laffen 58. 120, prophegeit, daß in Si⸗ 
gurd ihm ein Rächer erfiehn werde 59. 
121 und vermacht ihm die Stüde feines 
Schwertes 59. 74. Stirbt 59. Sein 
Hort von Hialpre® und Alf für 


-Sigurd verwahrt 65. 


@ismund (Sigmundr) II, Sohn 
Sigurd's mit Gudrun 127. 174*, 
drei Winter alt 166 auf Bryubild’s 
Betrieb erſchlagen 153. 166; zu jung, 
al8 daß er fi vor feinen Feinden 
wehren koͤnnte 158; feine Leiche mit 
Sigurd's verbrannt 166. 

@igny (Siguy), Bollung's 
Tochter 12 und Zwillingsſchweſter 
Sigmund’8 12, wird gegen ibre 
Neigung mit Siggeir verlobt 14 und 
vermäbhlt 17, ahnt Unbeil davon 17, 
fährt mit Siggeir nad Gautland 18. 
Warnt Bater und Brüber vor 
Siggeir’8 Verrath 19; will bei ihnen 
bleiben, muß aber anf Sigmumb'3 
Geheiß zu Siggeir zurkdlehren 20. 
Bittet Siggeir ihre Brüder in ben 
Stod zu ſetzen 21 f.; fenbet eimen 


Vertrauten zu ihnen 22 f. 24, erfährt 


den Tod eined von ihnen 23; läßt 
Sigmund mit Honig befireihen 28. 
Erfährt Sigmund’8 Befreiung A 
(Nachtr.) und Hält mit ihm Rath M. 
84; fendet ihm ihre Söhne 35 f. 
denen fie vorher zur Mutbprobe den 
Aermel an's Fleiſch genäht 28 (am 








433 


bei Sinfjotle 28), Heißt ihn fie als 
zu feige tödten 26. 89 (vgl. 85*). 
Bertaufht mit einer Zauberin die 
Geftalt 26 f. 27, fuht fo Sigmund 
auf 237. 38 und bleibt drei Nächte bei 
ibm 27, empfängt fo von ibm Sin⸗ 
fiotle 27 f. Sendet Sinfiotle zu 
Sigmund 28. Räth zur Baterrade 
34. (389). Wirft Sinfiotle Sigmund’s 
Schwertin den Hügel 36 f. Bon Sig- 
mund aus der brennenden Halle ge⸗ 
rufen 88 erflärt fie Sinfjotle’8 Her- 
funft, und wie fie fortwährend bie 
Baterradde betrieben babe 395 will 
darnach nicht weiter Leben und jucht 
freiwillig den Tod mit Siggeir und 
verbrennt mit ibm 39. 

@igenn (Sigrän), Hogne’s 
Tochter 42; von diefem wider Willen 
an Hodbrodd verheifen 42, bittet Helge 
um Beiftand 42 f., birgt Helge’8 Ylotte 
44, beglüdwünidt Helge nad dem 
Siege 49 und vermählt fi mit ihm 50. 

@igurd (Sigurdhr =Sigverd, 
Sigfrid) I, Sohn Sigmund’3 mit 
Hiordis 59. 131 f. (63 f.). 78. 86. 
95 2c. N 357. Bom fterbenden 
Sigmund als Rächer vorhergeiagt 59. 
Nah Sigmund’8 Tode bei Hialprel 
geboren 59. 63. 120 und dort auf- 
gezogen 64. 121. N 357; mit Waffer 
begoffen und benannt 64. (121). 
Yngve's Sproß genannt N 360. 
Sein Wuchs und Ausfehen (Haar 
und Bart, Nafe, Augen, Gefit, 
Scäultern) beſchrieben 107 ff.: feine 
Waffen find goldverziert 106 f. 128, 
fein Schildzeihen ein Drache 107; 
fein Schwert Sram (fieben Spannen 
lang) ftößt unten an ein vollmadhjenes 
Achrenfeld, wenn er gebt 108. Er 
ſelbſt 134 und fein Roß (vgl. N 377) 


ift größer und ftattlier, feine 
NRüftung prächtiger als anbere 
123. Seine Angen find leuchtend 
und fo ſcharf, daß niemand hinein⸗ 
ſehen kann 108. 157. 68 f. 85 (vgl. 
147f.). [Dies Hat fih auf feine Kinder 
218* und Enkel R 26872 vererbt.) 
Er iſt vorausfiätig 108 f., rede⸗ 
gewandt 109 und auf das Wohl feiner 
Freunde bedacht 1095 hat niemals 
Furcht gekannt 109 [vgl. 386, 8.9 ff. 
und dazu 95, 3.12—16], ift ohne Feig- 
heit geboren 103. (N 870), will den 
Tod nicht fliehen 108. Seine Vor⸗ 
trefflichleit 59. 64. 167. N 357. N 
358. N 381: er überragt alle Andern 
N 387, aud feine Brüder N 858. 
Bei allen beliebt 76. N 888; fein 
Ruhm wird ewig dauern 107. 138 f. 
167. — Bei Hialprel bat er viele 
Dienfimannen, darunter auch Geſt 
N 358. Kommt zu Regin, der ihn 
freundlid aufnimmt N 359; von 
Negin (bei Hjalprel 65*) erzogen 
(unterriätet) 65. Giebt ſich für 
elterulo8 aus 82 (ſ. d. Anm.); foll 
fern von den Seinen aufgewadfen 
fein 86; Triegögefangen genannt 86; 
Knechtſchaft ihm vorgeworfen 86. 
135. Erbittet auf Regin's Auf- 
forderung von König Hialprel ein 
Noß 6df.,. von Odin bei der Roßwahl 
unterftüßt 66 f. wählt er Grane 66. 
Zerbricht zwei von Regin gefhmie- 
dete Schwerter 74, läßt fi von feiner 
Mutter Sigmund’ Schwertftiide 
geben 74 f. und von Regin daraus 
das Schwert Sram fchmieden 75. 
(N 860), mit dem er den Ambos 
durchhaut und einen im Rhein treiben= 
den Wolflod durchſchneidet 75. N 
360 f. Läßt fih von Gripi feine 
28 





434 


Zukunft prophezeien 76. Noch im 
Kindesalter 120 (vgl. 68) erbittet 
und erhält er von Hjalprek (und Alf) 
eine ſtattliche Ylotte zur Baterradhe 
77. N 361. (N 368); bat Sturm zu 
beſtehn 77. N 364, läßt aber die 
Segel nicht einziehen 77 f. Nimmt 
Hnikar (Ddin) auf fein Schiff 79. 
N 866 und läßt fi von ihm belehren 
N 866 ff. Nimmt nad lange unent- 
ſchiedenem Bweilampf Lyngve ge⸗ 
fangen N 370; befiegt die Hundings⸗ 
fögne und erſchlägt Lunge, Hiorvard 
und alle überlebenden Hundingsföhne 
81. 120. (N 871); will nichts von 
der Beute für fih haben N 372. — 
Hört von Negin die „Vorgeſchichte 
des Hortes“ 68 ff. und wird von 
ihm auf Fafni gebekt 67. 74. 75. 
76. 81 f. N 861. N 364, hegt dagegen 
Bedenken 68. 82 f., will erft Vaters 
trade nehmen 75 f. 76. N 8361. 
Neitet mit Regin auf die Gnita- 
haide 82, gräbt nad Odin's Mathe 
mehrere Gruben auf Yafni’3 Wege 
83, jetzt fi in eine und durchbohrt 
Fafni von unten 83 f. (107. 111. 138. 
142. N 372). Giebt ſich für elternlos 
aus 84, nennt fih dann 855 von 
Fafni vergeben3 vor dem Horte ge= 
warnt 85. 87, erflärt er denſelben 
fih aneignen zu wollen 89; läßt ſich 
von Fafni mythologiſche Belehrung 
ertheilen 87*. Scneidet Fafni das 
Herz aus [Hier richtiger Regin flatt 
Sigurd, ſ. d. Nachtr.]) 91 und brät 
es 91, Toftet das Blut und verfteht 
die Spradye der Bögel 92. 109, die 
ihn vor Regin warnen 92 f. und 
auf den Hort 92 f. fowie auf Bryn- 
Hild = Sigrbrifa hinmeifen 92. Ißt 
einen Theil des Herzens, einen an- 


dern Hebt er auf 93, wovon er fpäter 
Gudrun giebt 127. Erſchlägt Regin 
93. 142. N 3725 veitet zu Yafni’s 
Bebaufung 93, findet dort den Hort 
und ladet ihn auf Grane’s Rüden 
98 f. N 378. Schlägt den Weg nad) 
Frankenland ein 94 und findet unter» 
wegs auf Hindarfial Brynhilb 
[>Bigrprifa] ſchlafend 94 f. N 372, 
zerihneidet ihren Panzer und erweckt 
fie 95, läßt fih ihr Schiefal erzählen 
96 und fih über Runenweisheit be- 
lehren 97—103 und andere Belehrung 
ertheilen 108-1055 von ihr gewarnt 
vor Frauentrug 104 f., vor Feind» 
ſchaft mit Verwandten und Schwägern 
104. 106. Berlobt ſich mit Brynhild 
[=Sigrdrifa] 106. (116*). 136. 151. 
R 268; damals ward Aslaug erzeugt 
134. R 268. — Reitet zu Heimi 109. 
N 387, wird dort von Alfoinn em⸗ 
pfangen 110, fließt Freundſchaft mit 
ihm 111, bleibt Lange dort 110. Er⸗ 
blidt von einem Thurme aus Bryn⸗ 
hild beim Stiden 111 f. und wird 
von Liebesweh ergriffen 112. Bon 
Alſvinn nah dem Grunde gefragt 
113, jagt er es ihm 113 und erfährt, 
daß. er Brynhild geſehen babe 112; 
will fte befuchen und ihre Xiebe er⸗ 
werben 113; beſucht fie 114, wird 
von ihr empfangen und bemwirthet 
114, wünfdt fie zu beflgen 115, ver⸗ 
lobt fi [‚‚aufs Neue“ 116%) mit ihr 
116. [N 385*%*#] und giebt ihr einen 
Goldring [Andvaranant ? vgl. 133**] 
116. Liebt Brynbild fehr 124. 150 
und erwähnt ihrer oft 124. Der 
[&alte 117. und] Hirſch in Gudrun⸗s 
Traum auf ibn gebeutet 122. Wird 
von Brynhild Sigrdrifa?] als 
vortrefflicäfter Held bezeichnet 120 f. 


IR. 


435 


— Meitet zu Gjuke's Halle 128, für | in Gunnar's Geſtalt dur die 
einen Gott gehalten 195; reitet ohne | Waberlohe 129.186. 147. 148 (ebenfo 


Erlaubniß der @fulunge in die Burg 
128, von Giuke empfangen 123, über⸗ 
trifft in Allem Gunnar undHogne1M. 
184, läßt aber Gunnar den Vorrang 
162, wird von Giule und feinen 
Söhnen bad geehrt 194. Erhält 
von Grimhild einen Baubertranf, 
nad bem er Brynhild vergift 122. 
124 f. 139; erft, als Brynhild ver- 
mählt ift, Tommt er wieder zur Be=- 
finnung und erfennt fie 160. 161; 
da härmt es ihn, daß fie nicht feine 
Gattin ift 150, bo fügt er fig in 
das Unvermeidliche und freut ſich des 
Belfammenfeins 150. Als Gudrun 
ihm ſchenkt, findet er Wohlgefallen 
an ihr 125, meilt fünf Halbjahre 
(lange N 378) dort 125, da wird 
ihm Gudrun und Herridaft dazu an⸗ 
geboten 126; er vermählt ſich mit 
ihr 126. N 978, bat ihr dabei ver- 
ſprochen, fie von Hel aus zu ſich gu 
holen 216, flieht Blutsbrüderſchaft 
mit Gunnar (und Hogne) 126 (vgl. 
124). 154. 161, ziebt mit ihnen anf 
Heerfahrten 127. 206; ift ihre Stärfe 
161; von ihnen gegen die Gandalfs⸗ 
fühne um Beiftand gebeten, zieht er 
mit N 874, fucht auf Bunnar’8 Wunſch 
Started im Kampfe auf N 375, 
ſchmäht ihn N 875 f., ſchlägt ihm 
zwei Badzähne aus N 376 und heißt 
ihn fih binmwegbeben N 376. Er⸗ 
ſchlägt fünf Könige 143. Geräth mit 
Grane in einen Sumpf und ver- 
tiert dabei eime Sattelipange, die 
er Geſt ſchenkt N 377. — Begleitet 
Gunnar bei der Werbung 127 f., 
leiht ihm Grane 129, tauſcht mit 
ihm die Geftalt 129. 139, fprengt 


zurück 133) und nennt fih Gunnar 
181; bält als folder um Brynbild 
an 131 und bietet ihr Brautſchatz 
181, mahnt fie an ihre Gelübde 132 
und bält Beilager mit ihr 192 ohne 
fie zu berühren (162). N 388, 
wobei er fein Schwert zwiſchen ſich 
und fie legt 132. 162. 166; giebt 
dafür einen Scheingrund an 132 f.; 
hat Gunnar die Zreueide gehalten 
159. 162 und mit Brynhild Teine 
unerlaubte Bertraulichkeit gehabt 
159. Wird Brynhild's erſter Gatte 
genannt 184. 136. Nimmt von 
Brynhild den Ning Andvaranaut 
(f. 188*%) und giebt ihr einen an⸗ 
dern Wing 183. Hat Alles an Gnd« 
run gefagt 152 f. Ahnt feinen 
baldigen Tod 149. 150, der ihm 
prophezeit iſt 89. (106). (122). 150. 
159, woran er früher nicht glauben 
wollte 1595 fagt, daß Brynhild ihn 
nit überleben werde 149. WIN 
alles But biugeben, damit Brynhild 
lebe 150; wünſcht, daß fie feine 
Gattin wäre 150 f.; will Gudrun 
um Bryuhild's willen verlaflen 151. 
Kommt von der Yagd 146. Räth 
Gudrun davon ab, Brynhild nad 
ihrem Borne zu fragen 136. Ger 
beten zu Brynhild zu gehen, zeigt 
er wenig Luft dazu 146. Erklärt 
ſchlimme Folgen von Brynhild's 
Born geahnt zu haben: ihren Tod 
146 und Nadepläne 146. Anf Gud⸗ 
run's Bitte geht er zu Brynhild 
und fordert fie auf, fröhlich zu fein 
146f., erhält Antwort von ihr 147 ff. 
Sudt fie mit Gjuke auszufühnen 
148 ff. Erflärt ihr feine Liche 150 
28* 


436 


und beibeuert feine Unſchuld, indem 
er dem Truge unterlegen 150 f. Geht 
teanrig fort 151 f. und fagt Giuke, 
daß fie wieder rede 152; jein Panzer 
fpringt ibm vor Harm 152. — 
Adnungslos glaubt er Teinen Ber- 
rath verdient zu haben 157; wäre 
fhwer zu tödten geweien, wenn er 
Berratb geahnt Hätte 159; kann dem 
Geſchick nit entgehn 157. 159. Im 
Bette (neben Gubrun 158. N 379) 
ſchlafend von Gutthorm durchbohrt 
157. N 879, wirft ſeinem Mörder 
fein Scäwert nad, welches jenen 
durchſchneidet 157 f. Mach deuticher 
Sage draußen im Walde erfchlagen 
N 379, von Gunnar und Hogne 214, 
von Gudrun’s Blutsfreunden 160; 
auf dem Ritte zu einem Thing von 
@ijute’8 Söhnen erſchlagen N 379 f.). 
Richtet fi bei Gudrun's Wehllagen 
auf und tröftet fie mit den Brüdern 
158; beflagt, daß fein Sohn zu 
jung fei, um ben Yeinden zu ent- 
gehn 1585 erfennt Brynbild als 
Anftifterin 159; ftirbt 159. Sein 
Sohn (und Andere?) mit ihm er- 
ſchlagen 166. Seine Leiche auf einem 
Sheiterhaufen verbrannt 166. N 380. 

Sigurd (Sigurdhr) II, Sigurd 
Hring (Hringr), läßt durch die ihm 
verihmwägerten Gandalfsſohne Tribut 
von den Gjukungen fordern N 373; 
ift nicht ſelbſt auf deren Heerfahrt, 
weil er fein Land Schweden zu ver⸗ 
theidigen bat N 8745 damals ſchon 
hochbejahrt N 374. 

Sinfjotle (Sintjöti), Sohn 
Sigmund’8 mit feiner Schweſter 
Signy 237 f.; feine Herkunft aufge- 
klärt 39. Kann Gift nur von aufen 
vertragen 29. Befteht die Muthprobe 


bei Signy 28 und bei Sigmund 
(Inetet eine Schlange in den Xeig) 
29. Kommt noch nit völlig zehn 
Winter alt zu Sigmund 28 unb 
bleibt bei ibm 29 f. Soll noch mehr 
erprobt werden 295 für Siggeir’s 
Sohn gehalten 29 fe Nimmt an 
Sigmund’8 Raubzugen THeil 39 und 
wird mit ibm Werwolf 81. 45 f., 
ſteht als folder Sigmund bei Sı; 
nimmt e8 allein mit elf Manu auf 
82, prablt gegen Sigmund 32; von ihm 
in die Gurgel gebifien 323, nad Haufe 
getragenund geheilt 33. Sport Sig- 
mund zur Baterrade an 30. Mit 
Sigmuud in Giggeir’8 Halle entdeckt 
53 f.,47 2c.,f. Sigmund. Eridlägt 
Signy’s und Siggeir’8 Kinder (feine 
Halbbrüder) 35. 46. 47. Grhält im 
Hügel durch Signy Sigmund’s 
Schwert 36 f.; durchſägt fo mit Sig⸗ 


mund den Fels und entlommt aus dem 
Hügel 87 f. Zündet mit Sigmund‘, 


Siggeir’8 Halle an 38. — Fährt mit 
Helge gegen die Sranmarsföähne 41; 
weiß mohl Rede zu ſtehn 45, führt 
ein Scheltgeipräd mit KHobbrobd’8 
Bruder ſGudmund] 45 ff., darin 
Anuſpielnugen auf feine früheren 
Thaten. Wirbt mit Borgbhild’s 
Bruder um biefelbe Frau und er- 
ſchlägt jenen 50; foll darum Borg- 
bild aus den Augen gebu 50 f.; 
von Borgbild vergiftet 63. N 362; 
lehnt vorher zweimal den Giftbedher 
ab 51 f. Seine Leiche von Sigmund zum 
Strande getragen52, von einem alten 
Fährmann (DOpin) aufgenommen 58. 

lade (Skadhi), mädtig und 
vornehm, doch weniger als Eige 3. 
Herr des Brede 3; hegt Argwohn 
gegen Sige 5, läßt Wrede ſuchen 5. 








GSuñã var (Sne- Sohne Hog⸗ 
varr) ne’3 187; 

Solar (Sölarr) 7 ziehn mit zu 
Ntle 187, bringen im Kampfe vor 
wärt3 192. 

®orle (Sörli),;, Sohn Yonakı’8 
mit Budrun, Bruder Hamdi's 209; 
firandelt unterwegs 218; ſchlägt 
Jormunrek die Süße ab 219. Bgl. 
Hambi. 

Starkad (Starkadhr), Stor⸗ 
verks Sohn N 875, ſtammt aus 
Fenhring in Norwegen N 375; gleicht 
einem Rieſen N 375. Will vor 
Sigurd fliehen N 376, ber ihm aber 
zwei Badzähne ausſchlägt N 876; 
entweicht darauf N 376. Grmordet 
König Armod im Bade N 377. 

©pafrlad (Svafrlödh), Gud⸗ 
run’8 Befolgsfran 145, tft ſchreckens⸗ 
bleib 145 [mil Brynhild nicht 
weden? 145]. 

Spauhild (Svanhildr), Tochter 
Sigurd's mit Gudrun 164. 208, Die 
ſchonſte aller Frauen 164. 208. 209 f.; 
wächſt bei Jonakr auf 209. 209 f. Mit 
Randve aus dem Lande gejendet und 
Sormunrel gegeben 165. 211; fällt 
dur Bicke's Verrath 165, wird auf 
feinen Math von Rofſfſen zertreten 
213; bat fo durddringende Augen, 
dag die Pferde fie nicht zu treten 
wagen, bis ihr da8 Haupt verbillit 
wird 213. 

Svpeipud (Sveipudhr) Noſſe 

©Spesgind (Sveggjudhr)f ber 
Granmarsjühne 48. 


T. 


Thora (Thöra) I, Hakon's 
Toter in Dänemark 168 [in ber 


9 


— — — — — — — — — — — — — 





437 


Halle Halfs? 168]; ſtickt zu Gud⸗ 
run's Ergötzung auf ein Gewebe 
Kriegsfahrten Sigmumd’8 ꝛc. 168 f. 

[There (Thöra) II, Borgar- 
hiort R.] 


8. 


Valdamar (Valdamarr) von 
Dänemark begleitet bie Giulunge 
auf ber Fahrt zu Gudrun 170. 


Vinge (Vingi) überbringt Atle’3 
Einladung an die Gjukunge 178. 179. 
181, fäligt Gudrun’! Runen 178; 
fagt den Siufungen, fie follten fir 
Atle’3 Söhne das Neid verwalten 
181; ſchwört, daß er nicht Verrath 
finne 187 f., entdeckt ben Berrath 
189 und wird von den Gjukungen 
erſchlagen 189. 


VBolfung (Völsungr), Meri’s 
Sohn 12, ift ſechs Jahre im Mutter- 
leibe und wird zulest beraus- 
gefänitten 10 f.; küßt feine Mutter, 
ebe fie flirbt 11; legte ungeboren 
da8 Gelübde ab, weder Yeuer noch 
Eifen zu fliehen 19. Iſt König Über 
Hunenland 11; auf Heerfahrten fieg- 
baft 11, Hat hundertmal ſtets fieg⸗ 
rei) gefodhten 20. Vermählt fi 
mit Hljod, der Tochter Hrimni’s 11 f. 
bat mit ihr zehn Söhne und eine 
Tochter (Signy) 12. Baut eine 
Halle um den- ‚Kinderftamm‘ 12 f. 
Berlobt Signy gegen ihre Neigung 
mit Siggeir 14, weigert ſich den 
Ehevertrag zu brechen 17 f.; ſchickt 
Signy zu Siggeir zurüd 20. Folgt 
Siggeir’8 Einladung 18 f.; von 
Signy gewarnt 19 will er doch nicht 
flieden 20; fällt mit feinem Heer 21. 


438 


Aachträgliche Berichtigungen. 





S. 488 am Ende Tieß: 49, 7-10. — Bu S. 322—24, 327 und 330—81 
wäre der Bollftändigleit halber Saro ©. 462 f. zu vergleichen gewefen, 
nämlich zu 322%: Saro 462, 15-18; zu 3231: 462, 18 f.; zu 3241: vgl. 
462, 20— 22; zu 83494: 462, 22—24 5; zu 3272—8: 468, 575 zu 8801: 463, 
7—9; zu 8311: 468, 10 f. — ©. 369, 9 lies: 7)8. — S. 3771 lies: Norna= 
gestsrima. — ©. 408 ergänze: Binfj. = Binfjötlalok. 


Drud von A. Th. Engelhardt in Leipzig. 


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